Herzlich willkommen!

Oktober 2021 - Rademacher *, Dellbrück

 

Der „Junge“ kann kochen!

Allgemein

La Cuisine Rademacher“ in Köln-Dellbrück erhielt 2021 einen Michelin-Stern zugesprochen. Marlon Rademacher erreichte diese Auszeichnung schon in recht jungen Jahren.

Das Restaurant liegt auch nur eine S-Bahn-Station von uns entfernt.

Mittags habe ich dort schon den Lunch probiert. Auch das Corona-Menü zum Abholen haben wir erworben und selber auf den Teller gebracht.

Das war alles recht solide.

Nun soll das Abend-Menü vor Ort folgen. YouDinner schreibt dazu: „Das kulinarische Zentrum Kölns liegt nicht unbedingt rechtsrheinisch – mit dem 2018 eröffneten Restaurant La Cuisine Rademacher gibt es nun aber einen neuen Stern am Gastrohimmel auf der Schäl Sick! Gastgeber und Spitzenkoch Marlon Rademacher hat sich mit seinem eigenen Restaurant in seiner Heimatstadt einen Traum erfüllt. Hier kreiert er uns an unserem YouDinner-Abend ein fantastisches französisches Menu mit internationalen Einflüssen – bei den Produkten allerdings legt er viel Wert auf Regionalität.“

Marlon Rademacher (26 Jahre alt) machte seine Ausbildung zum Koch in der Post in Odenthal. Im Anschluss folgte ein Praktikum in Hamburg im The Table von Kevin Fehling. Auch im Waldhotel Sonnora von Helmut Thieltges machte er Station. Danach zog es Marlon nach Mallorca in das Restaurant Tirso unter Carlos Abad. Bis zur Verwirklichung des Traumes der Selbstständigkeit war Marlon Rademacher im Restaurant Wein am Rhein Sous Chef.

Ich war recht gespannt und erwartete einiges.

Ambiente

Das Lokal ist recht unspektakulär eingerichtet. Es gibt direkt hinter dem Eingang einen Gastraum. Dort steht auch die Theke. Und einen „Nebenraum“ links vom Eingang aus. Dort fand unser Dinner statt.

Die Tische standen zu einer Tafel zusammen und boten 16 Gästen Platz.

Weiße Tischdecken bedeckten die Platte.

Große graue Stoffservietten lagen auf dem Platz. Wasser- und Weinglas waren ebenso eingedeckt wie Brotteller und Besteck. Eine schlichte Blume brachte etwas Farbe auf den Tisch. Teelichter dienten als weitere Dekoration. An der Decke befanden sich „Kronleuchter“ aus leeren Flaschen als Lampenschirm.

Service

Zwei junge Frauen (eine davon wohl die Chefin) sorgten für uns. Das geschah freundlich und unaufdringlich. Die Gerichte wurden kurz zentral für alle vorgestellt. Die Getränke wurden aufmerksam – je nach Wunsch und Bedarf - nachgeschenkt.

Der Koch und sein Team standen auch gelegentlich für Fragen bereit und kamen an unsere Tafel.

MENU LA CUISINE
 

MARLONS TRÜFFELSANDWICH HERBST EDITION
Brioche | Kürbis | Burgundertrüffel

 

Die Brioche-Schnitte war luftig und recht kross geröstet. Das knackte schön und ergab ein angenehmens Mundgefühl. Darauf war eine Kürbispaste aufgetragen. Obenauf lagen reichlich feine Trüffelspäne. Sie hatten eine feine Duftnote und schmeckten ausgezeichnet nach „Wald“.

Es war ein köstlicher Gruß aus der Küche, der viel Freude auf das weitere Menü machte.

Zwischenzeitlich waren auch das frische Sauerteigbrot und zwei Brotaufstriche auf der Tafel verteilt worden. Brot wurde je nach Bedarf nachgelegt.

Die eine Butter war im Buddha-Form dargeboten. Es waren rote Wurzelgemüse zugesetzt worden. In einen Topf war eine cremige würzige Paste, die wie eine Majonäse in der Konsistenz wirkte.

Das Brot hatte einen kernigen Geschmack – beide Aufstriche passten gut dazu.


BURRATA
Tatar von der Zebratomate | Crôuton | Olive | Basilikum

Die Tomaten waren in winzige Würfel geschnitten und mit einer Creme aus Basilikum und Oliven umhüllt. Das war recht aromatisch abgeschmeckt. Die kleinen Brotstückchen waren wunderbar kross und knackig, obwohl sie doch in einer „flüssigen“ Umgebung eingebunden waren. Der Hauptdarsteller – die Frischkäsevariante – war cremig gerührt und gleichzeitig noch so strukturiert, dass sie eine Zylinderform halten konnte. Obenauf befanden sich noch einige „Fischeier“.

Auch hier zeigte die Küche, dass sie ausgezeichnet würzen kann und zielsicher mit den Aromen arbeitet.
 

CEVICHE VON DER WILDFANG SEEZUNGE
rote Bete | Hummus | Ghoa Cress

Auffällig war hier zierst die große krosse Hippe, die im Gericht steckte, sie sorgte für etwas knackige Momente. Die Bete prägten die Farbe. Die besonderen Kräuterfäden ergaben leichte Zitrusnoten. Insgesamt war der Teller recht feurig gewürzt, aber noch angenehm. Doch der Fisch ging darin etwas unter; jedenfalls habe ich die Seezunge nicht geschmacklich ausmachen können. Trotzdem war auch diese Kombination durchaus abwechslungsreich und gelungen. Würzig, sauer und scharf war es auf jeden Fall.

Vielleicht hätte ein Fisch mit robusteren Noten (Wolfsbarsch, Kabeljau zum Beispiel) mehr Ceviche-Charakter erzeugt.

SELLERIE MILLE-FEUILLE
Granny Smith | Champagner Beurre Blanc

Die „Gemüse“-Komposition hat mich voll überzeugt. Das Würzelgemüse war fein gehobelt, leicht gedünstet und aromatisch gewürzt. Der Apfel brachte spürbare Noten von Säure dazu. Zusammen war es ein köstliches Spiel von mild, süß, würzig und sauer. Dazu die gelungene helle Sauce. Ein echter Höhepunkt.

BLAUFLOSSEN THUNFISCH
Avocado | Sesam | Yuzu Emulsion

Doch der nächste „Fischgang“ waren ebenfalls eine äußerst stimmige Kombination. Der Fisch war würzig und saftig wie selten. Obenauf waren verschiedene Kräuter und Samen zu einer pikanten Haube vereinigt. Die Sauce hatte Potenzial zur Suchtgefahr.

Wieder war ein Gang von einer großen Breite an Aromen gelungen.

JOHN STONE RINDERFILET DRY AGED
grüne Kräuter | Roscoff Zwiebeln

Das Fleisch war saftig und rosig. Weich und geschmeidig verzauberte es den Mund. Die frischen rohen Kräuter waren zu einem kleinen „Strauß bzw. Besen“ gebunden. Sie waren also nicht zum Verzehr gedacht, sondern sollten über das Fleisch gestrichen werden. Ich glaube nicht, dass das wirklich große Auswirkungen bringt, aber es macht vielleicht Freude. Doch die Sauce konnte schon zum Fleisch punkten.

EXOTISCHE FRÜCHTE
Pistazie | weiße Valrhona Schokolade

Eine kleine Einlage mit Kräutern und Trockeneis sorgte für „Nebel“ am Tisch. Es hat mich nicht gestört, aber ich sehe auch wenig Sinn darin. Etwas Show halt.

Dann konnten wir uns jedoch dem Nachtisch widmen. Der kalte grün überzogene feste Quader mit Pistaziengeschmack und die cremige weiche Schokolade bildeten den Hauptbestandteil. Wie kleine Satelliten waren um dieses Zentrum herum Kugeln in verschiedenen Fruchtaromen angeordnet.

Es gab also wieder einige Kombinationen von süßen und herberen Richtungen. Genau wie ich es mag.

MARLONS CRÈME BRÛLÉ

Zum Abschluss gab es noch eine kleine Schale mit „gebrannter Creme“. Sie schmeckte gut – im Geschmack hatte ich sie auch so erwartet.

Eine Tasse Espresso folgte noch. Und dann war das Menü beendet.

Mir haben die Würzkombinationen von Marlon Rademacher sehr angesprochen. In meinem Empfinden zeigt sich hierin die Handschrift der Küche. Es war also eine gute Entscheidung das Degustationsmenü verkostet zu haben. Es war kein Vergleich zum Mittagslunch.

Getränke

Mineralwasser still und medium

Louis Chavy, Tastevinage Crémant de Bourgogne Brut

Christian Bamberger, Nahe, Merlot Blanc de Noir trocken - Merlot ist Weiß 2019

Weingut Wittmann, Rheinhessen, Westhofener Weisser Burgunder & Chardonnay trocken 2018

Telmo Rodriguez, Castilla, Dehesa Gago DO Tempranillo 2019

La Cave de Die Jaillance, Die, Clairette de die Cuvée Excellence Tradition Muscat Blanc

Espresso

Die Getränke passten alle gut zu den Speisen. Weißen Merlot hatte ich bisher noch nicht kennen gelernt. Aber Blanc de Noirs vom Spätburgunder sind ja auch nicht so ungewöhnlich.

Fazit

4 – gerne wieder. Und es geht ab jetzt auch nur noch abends; denn der Lunch wurde gestrichen. Die neuen Öffnungszeiten sind nur noch Mi – So  18-22 Uhr.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 13.10.2021 – 1 Person (Gruppe von YouDinner mit 16 Teilnehmer+innen)

 

 

 

 

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Oktober 2021 - Post *, Odenthal

So soll es sein - und es war so!

Allgemein

Eine kleine Familienfeier stand an. Wir lieben den Lunch. Doch die Lokale, die ich ausgesucht bzw. die engere Wahl genommen hatte, öffnen seit einiger Zeit wohl nicht mehr mittags.

Ich habe dann einfach einige Restaurants angerufen und nachgefragt, ob eben eine kleine geschlossene Gesellschaft trotzdem buchbar wäre.

Nur in der Post in Odenthal bekam ich sofort eine positive Rückmeldung: Natürlich sei das möglich. Es wurde also für uns geöffnet und für elf Erwachsene und drei Kinder der Gastraum hergerichtet. Sogar das Menü und die Weine konnten wir im Vorfeld besprechen bzw. zusammen zusammenstellen.

Das war Service – es gibt eben noch „Gasthäuser“. Die Sternköche Wilbrand gehen eben auf ihre Gäste ein.

Modern scheint zur Zeit aber eher das Motto „Friss oder stirb!“ zu gelten: Es gibt nur ein Menü und das wird nicht geändert – selbst wenn es ein „Überraschungsmenü“ ist. Der Koch ist Künstler bzw. Prophet und der Gast Fan bzw. Jünger. Es geht also nach meiner Beobachtung vermehrt um Bewunderung oder eine demütige Haltung, an den Entwicklungen teilhaben zu dürfen, geradezu eine Gnade.

Doch in der Post ist so etwas nicht zu spüren!

Ambiente

Die Plätze waren zu einer Tafel zusammengestellt worden. Die Plätze waren festlich eingedeckt. Für die Kinder gab es zusätzlich „Spielmöglichkeiten“ und Platz zum Bewegen.

Service

Die beiden Damen, die uns überwiegend versorgten, trugen zur guten Stimmung bei. Sie versorgten besonders alle Anwesenden stets mit Getränken oder erfüllten kleine Wünsche.

Die Gäste waren gespannt auf das Menü. Wir unterhielten uns noch kurz im Stehen und begrüßen uns gegenseitig. Ein Glas Schaumwein bzw. PriSecco für Autofahrer und Kinder leitete die Feier dann ein. Dann fanden alle einen Platz (keine Sitzordnung). Und schon konnte das Mahl beginnen.

Grüße aus der Küche

Die Brotscheiben und zwei Aufstriche wurden auf der Tafel verteilt und die Grüße aus der Küche folgten direkt darauf. Sie standen unter dem Motto Herbsttrüffel, Sellerie, Apfel, weiße Buttersauce und Zitronegras-Currysuppe. Als Apero wurden Königskrabbe und Rote Bete-Schaum mit Süßholz angeboten.

Zwei Kreationen waren als Happen für die Hand angerichtet. Sie waren in essbaren Körbchen bzw. auf einer knusprigen Unterlage Eine Essenz aus Sellerie, Zitronegras und Curry war in Glasröhrchen abgefüllt. Eine Rote-Bete-Creme bzw. Schaum befand sich in einen kleinen Glas und konnte gelöffelt werden. Den Abschluss bildete ein Gericht in einer kleinen Schale und wurde ebenfalls mit einem Löffelchen gereicht.

Das Schmackhafte dieser kleinen Gerichte bestand in der Kombination von cremigen, knackigen und würzigen Zutaten. Die suppenartigen Kleinigkeiten überzeugten durch die Kraft der verwendeten Wurzelgemüse.

Die verkosteten Speisen

Trilogie vom arktischen Saibling – Orange – Fenchel – Karotte

Saibling gehört zu meinen Lieblingsfischen. Hier war er gebraten, konfiert und als Tatar eingesetzt. Kräuter, Salatblättchen und Gemüse rundeten den Teller ab. Es gab ein Spiel aus leicht süßen Aromen durch Möhre, Fenchel und Orange und kleinen pikanten Saucen bzw. Cremes. Der helle Kaviar war dann eine gelungene Abrundung.

Suppenapotheke – Kokos-Kürbissuppe – Pilzconsommé – Ochsenschwanz – Tomatenessenz – Kaninchen-Zimtsuppe - Sauerampfersuppe

In einem Reagenzglasständer befanden sich die verschiedenen Suppen. Einige waren klar wie zum Beispiel die Tomatenessenz, andere hatte eine dunkle Färgung, weitere waren cremig und gebunden wie zum Beispiel die Kürbissuppe. Sie hatte auch spürbare Kokos-Elemente. Auf jeden Fall war die Kaninchen-Zimtsuppe besonders ausgefallen, weil diese Gewürzkombination schon recht eigenwillig auf uns wirkte. Am besten kamen die Klassiker Pilz, Tomate und Sauerampfer an. Die Kinder hatten Gefallen an der klaren Tomatenessenz.

Jedenfalls überzeugte uns die Breite und Vielfalt der Suppen.

Konfiertes Störfilet von der Fischzucht Hahn – Aubergine – Kichererbse – Kombu – Erdnuss – Kaviar

Das Störfleisch war fest in der Konsistenz und dazu herrlich aromatisch. Dieser Fisch hat schon ganz eigene Aromen. Sie kamen genial zur Geltung und mundeten sehr. Dazu noch etwas dunkler Kaviar – das hat schon etwas. Der Erdnuss-Hack und das Erbsenpüree bildeten die Beilage. Die Seetang-Sauce oder Suppe brachte salzige und krautige Elemente ins Spiel. Ein Stück Aubergine befand sich unter dem Störfilet. Es war relativ fest und nicht besonders gewürzt. Erst im Zusammenspiel mit Püree und Sauce bildete sich ein besonderer Geschmack heraus.

Sorbet von schwarzen Johannisbeeren

Das Eis war weich und cremig (also optimal zum Verzehr) und machte mit seinen leicht herben Aromen den Gaumen frei für den Hauptgang. Etwas kühler Knusper in der Art von Granité brachte besonders Frische in den Mund.

Bergischer Hirschrücken unter der Walnusshaube – Friaulischer Raviolo – Wirsing-Birnen- Lasagne – Mandel – Holunderjus

Das Wildfleisch war köstlich gegart und saftig. Die Kruste obenauf war aromatisch, aber von der Konsistenz her eher eine Haube, was dem Geschmack keinen Abbruch tat. Die Beilagen waren äußerst abwechslungsreich und auch für mich neu bzw. ungewöhnlich. Die kleine Lasagne aus Obst und Gemüse war interessant durch das Spiel von krautig-herb und leichter Süße. Das wiederum gut zu Wild passt. Der Raviolo war mit Nüssen und Früchten gefüllt, was ich ebenfalls so nicht kannte. Die Sauce war gut gebunden, dunkel und kräftig im Geschmack. Auf einigen Tellern gab es als Gemüse Pak Choi, weil einige Gäste nicht Nüsse, Mehl oder Milchprodukte vertragen. Dadurch konnte Unwohlsein gut vermieden werden. Natürlich war diese Zutat nicht so „aufregend“ wie auf den anderen Tellern.

Dessertvariationen „Zur Post“

Wie bei den Grüßen zu Anfang gab es nun eine große Anzahl von kleinen Speisen – diesmal natürlich süß und aromatisch: In einem Glas eine geschichtete Mousse bzw. Creme; in einem Töpchen eine Crème brûlée, ein Lutscher, Fruchteis, Kuchen, Donut und ein Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern.

Da war für jeden etwas dabei – auf die Zutaten wurde hingewiesen, damit niemand etwas verkostet, das ihm vielleicht nicht bekommen könnte.

Es war jedenfalls eine köstliche Vielfalt: Herzhaft und süß – kein Gemüse oder andere experimentelle Zutaten. Sicher bin ich auch für diese Varianten offen, aber heute wollte ich davon nichts wissen bzw. haben. Bei den Wilbrand-Brüdern können wir sicher sein, dass die Desserts wirklich Süßspeisen sind.

Zum Kaffee wurden noch einige Plätzchen, Schokoladennusspralinen und Macarons gereicht.

Wir hatten tolle Gespräche und köstliche Speisen und ansprechende Getränke. Ich hoffe, dass es allen so gut gefallen hat wie mir. Jedenfalls äußerten sich die Gäste durchweg mit viel Lob.

Getränke

Taunusquelle medium - Apfelschorle

Veltins Pils alkoholfrei - Franziskaner Weizenbier alkoholfrei

PriSecco - Deutz brut

Huber Malterer 2015 (Cuvée aus Weißburgunder und Freisamer)

Chateau Canon La Gaffeliere 2010

Loosen Erdener Prälat 2007 Riesling Auslese

Über die Getränke hatte ich im Vorfeld mit dem dritten Wilbrand-Bruder gesprochen. Er arbeitet im Hintergrund und ist auch für die Getränke verantwortlich.

Zum Lunch sollten es nicht besonders schwere Wein sein. Zum Anstoßen war es ein trockener Deutz-Champagner, der auch durch seine Frische und einfache Struktut überzeugte.

Weine vom Gut Bernhard Huber gehören zu meinen absoluten Lieblingen. Diese Cuvee kannte ich noch nicht. Die Rebsorte Freisamer habe ich bisher wohl wissentlich noch nie verkostet. Es handelt sich um eine Neuzüchtung aus Silvaner und Grauburgunder. Zusammen mit Weißburgunder ergab sich eine frische, leichte Note. Dadurch konnte dieser Wein gut beide Fischgänge begleiten. Zwei verschiedene Weiße wären sicher auch möglich gewesen, doch Herr Wilbrand meinte, dass mittags zu viele verschiedene Aromen auch den Magen und den Sinn belasten könnten. Ich bin fest überzeugt, dass die Wahl tatsächlich genau richtig war.

Zum Fleisch wollte ich gerne einen gereiften Bordeaux haben – natürlich wäre auch ein deutscher Spätburgunder möglich gewesen.

Wir einigten uns auf einen Saint-Émilion. Frühzeitig dekantierte die Restaurantleiterin den Wein und so war er herrlich geschmeidig und rund. Da musste noch eine zweite Flasche geöffnet werden.

Zum Abschluss folgte eine Auslese von Dr. Loosen. Auch diese Flasche war ein guter Griff in meinen Augen.

Fazit

5 – unbedingt wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2– kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 

 

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September 2021 - Phaedra

Ein köstlicher Nachmittag in der Südstadt

Allgemein

Damit Feriengefühle nicht verloren gehen, bot YouDinner einen Termin im Phædra an: KOSTAS FISCHMENU – lautete das Motto. - Seit dem ersten Besuch dort, habe ich das Lokal in guter Erinnerung. Diesmal wird Konstantin Tzikas ein griechisches Fischmenu kreieren, das auch Einheimischen genießen würde, war die Ansage.

Also auf in die Südstadt. Rund um den Chlodwigplatz ist schon mittags viel los. Besonders auf der Bonner Straße waren auch schon viele Lokale (und es sind verdammt viele) gut besetzt.

Aber mein Ziel war ja die Elsaßstraße.

Ambiente

Foto: YouDinner

Es war herrliches Wetter. Und die Wirtsleute spannten die Sonnenschirme auf. Die zwei Kinder der Familie spielten noch mit dem Opa vor der Türe.

Miguel Calero von YouDinner begrüßte uns und führte die Gäste an die gedeckte Tafel im Inneren des Restaurants.

Der Raum ist nicht besonders groß aber gemütlich eingerichtet. Die Theke mit den Getränken und die offene Küche dahinter erzeugen einen einladenden Eindruck.

Wir setzten uns nieder – und kurz darauf brachte die Chefin auch schon erfrischende kühle Cocktails.

Damit waren gute Bedingungen für einen entspannten Nachmittag vorhanden. Denn auch die kleinen Ouzo-Fläschchen, Eiswürfel und Wasser standen auf dem Tisch bereit.

Service

Die Wirtsleute strahlten Gastfreundschaft aus – der Chef war etwas heiser und daher erläuterte die Dame des Hauses die Speisen und Getränke.

Die weiteren Mitarbeiter*innen waren freundlich und halfen beim Servieren; sonst waren sie jedoch recht schweigsam.

Die verkosteten Speisen

Vorspeisen: OUZO – MEZZE

Die Gerichte wurden auf kleinen passenden Tellern für mehrere Personen auf dem Tisch ausgebreitet. Jeder konnte so zugreifen und sich mit den entsprechenden Zutaten versorgen.

Weiße Crème Tarama

mit Forellenkaviar | Schnittlauch | Frühlingszwiebeln

Es war eine Art Brotaufstrich, die aber auch pur schmeckte. Zusammen mit dem frischen Brot war die Creme einfach lecker. Ich musste mich richtig bremsen; denn schließlich kamen noch andere Speisen auf uns zu.

Frittierte Alici

Basilikum-Mayonnaise | Zitrone

Die kleinen Sardellen waren als ganze Stücke zubereitet. Die Haut war knusprig. Und die winzigen Gräten im Inneren machten keine Probleme beim Schlucken. Die köstliche Mayonnaise passte ebenfalls sehr gut dazu.

Oktopus-Carpaccio

mit Fava und Kapern aus Santorini | Vinaigrette

Die Tintenfisch-Ringe waren sehr dünn aufgeschnitten und fein gewürzt. Die Erbsencreme und die Kapernstücke waren eine perfekte Begleitung.

Blitzschnell waren die Teller verputzt. Aber niemand kam zu kurz dabei.

Garnelen „Saganaki"

Ouzo | Tomaten | Feta | Basilikum

Das war schon alles recht fein und erfreulich; aber die Garnelen waren noch eine Steigerung. Sie waren gut gegart und zusätzlich mit köstlichen Gewürzen, die zu einer Sauce vermischt waren, abgerundet.

Lauwarmer Spinatsalat

Mangold | Olivenöl | Zitrone

Der Salat war gut angemacht – ist mir aber sonst nicht besonders in Erinnerung geblieben. Doch Gemüse ist gesund. Popeye hätte sich große Freude daran gehabt.

ZWISCHENGANG: «KRITHAROTO»

Crèmige Risoni mit Sepiatinte und gebratenen Calamaretti

Die kleinen Nudeln waren bissfest gegart, aber auch schön cremig an der Außenhülle. Die schwarze Tinte umgab die Risoni. Die Tintenfisch-Stücke waren gut gegart und auf den Punkt im Biss. Nichts von Gummi oder Kompaktheit! So wünsche ich sie mir immer – doch leider sind sie oft bei anderen Lokalen nicht so gelungen wie hier.

HAUPTGANG: Schwertfisch vom Lavastein-Grill

mit Sommergemüse, Kalamata-Oliven und Zitronenzesten

Als ich die Karte las, müsste ich an ein Zitat aus einem Buch denken: „Schwertfisch? Schmeckt eigentlich gut. Aber mein Fischlieferant bestellt nie welchen. Weil er schon 3-Fuß-lange Parasitenwürmer durch deren Fleisch hat krabbeln sehen“ (aus Anthony Bourdain: Geständnisse eines Küchenchefs. Was Sie über Restaurants nie wissen wollten).

Aber als ich den Teller sah, waren alle „Bedenken“ wie weggewischt. Der Fisch war ein Gedicht: Herrlich gebraten, köstlich gewürzt und himmlisch weich und saftig. Wir waren uns alle einig, das war Spitze. Miguel Calero winkte dem Koch zu und wir spendeten ihm spontan Applaus.

Hier war der Hauptgang auch tatsächlich die Hauptattraktion.

DESSERT: «BAKLAVA» - Geschichteter Blätterteig mit Nüssen

Mandarinencrème und Mandarinensorbet

Baklava ist ja meist in türkischen Lokalen so süß und klebrig, dass es mir nicht mundet. Doch hier war es wohl ausgewogener, erzählten die Nachbarn. Ich selber bekam wegen meiner Nuss-Unverträglichkeit ein zweites Eis – mit Basilikum-Geschmack.

Damit war ich auch sehr zufrieden. Zusammen mit dem Manarinen-Gericht ergab es einen guten Abschluss vom Lunch.

Dann noch einen Kaffee – so endete ein toller Nachmittag. Zufrieden trat ich die Heimfahrt an und bewegte mich dabei nochmals durch die Straßen mit dem pulsierenden fröhlichen Flair und den multi-kulturellen Menschen in der Südstadt

Getränke

Stilles Wasser

Mineralwasser medium

Skinos Spritz (Skinos, Cremant, Grappefruit, Eis)

Quzo Kazanisto – Stroupakis

Retsina“ - Assyrtiko & Rodits - Kamara Winewry – Thessaloniki

2019 Aplá – Malagousia, Assyrtiko, Roditis – Oenops Wines – Drama

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute, frische Zutaten und interessanter Cocktail, einfache Weine, viel Ouzo – da kann man nicht meckern. Schließlich war der Preis ein Komplett-Angebot.

Fazit

4 – gerne wieder. Für mich stimmt hier das ganze Paket: Ausgezeichnete Küche und sympathischer Service. Das Besitzer-Ehepaar macht einen vorbildlichen Job.

(1– sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 25.09.2021 – mittags – 1 Person (Gruppe von YouDinner – insgesamt 12 Teilnehmer*innen)

 

 

 

 

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September 2021 - Platz 4 - Köln-Sülz

Mittags geöffnet – nur kleine Karte von der Tafel, jedoch täglicher Wechsel

Allgemein

Wir hören nur Gutes: Tischnotizen, Carsten Henn (Kölner Stadtanzeiger) Zwischengang (Zeitschrift für Essen und Trinken in Köln) – alle loben bzw. empfehlen das Lokal.

Ambiente

Es gibt ein großzügiges Außengelände mit Sonnenschirmen. Drinnen stehen die Tisch mit gutem Abstand. Sie sind als Zwei-, Vierer- und Sechser-Gruppen aufgestellt. Einige Plätze stehen vor einer Wandbank, sonst gibt es einfache Stühle. Für uns waren sie unbequem. Die Tische sind blank. Eine Blume dient als Dekoration. Eingedeckt sind Messer, Gabel, Löffel, Wasserglas und Brotteller. Die Servietten sind aus Papier.

Es ist alles schlicht und einfach gehalten. An den Wänden sind Kunstwerke ausgestellt. Im Thekenbereich stehen Weinkartons gestapelt.

Service

Das Team besteht aus jungen Frauen und Männern. Sie trugen Masken und bewegten sich teilweise im Raum umher, schienen aber wohl zur Küche zu gehören.

Unsere Kellnerin war als einzige im Service tätig. Sie machte das souverän und freundlich. Die Abläufe

Die Karte(n)

Von morgens bis abends reichen die Angebote: Mittag – alles von der Tagestafel; Frühstück; Kuchen; Weinliste; Abendkarte

Die verkosteten Speisen

Brot und Öl

Es handelte sich um übliches frisches ordentliches Weißbrot; das Öl dazu fanden wir etwas bitter – aber das mag Geschmackssache sein.

kleiner grüner Salat – 5,00 € (3/5 Punkte)

Die Blätter waren frisch, die keinen Tomatenstückchen aromatisch. Einige Körner rundeten den Teller ab. Die helle Salatsauce – vielleicht mit Joghurt – war hingegen wenig gewürzt oder abgeschmeckt.

Dadurch ergab sich insgesamt ein etwas „langweiliger“ Geschmack.

Tagliatelle mit Pfifferlingen – 14,00 € (4,5/5 Punkte)

Die Pasta war gut gegart und hatte feinen Biss. Die Pilze waren schön geschmort und würzig abgeschmeckt. Der Käse war passend. Das Gericht war also gelungen und überzeugte vollkommen.

Es war der beste Teller bei unserem Besuch.

Bouillabaisse – 14,00 € (3,5/5 Punkte)

Die Brühe war nicht schlecht, beileibe nicht; aber ich hatte mir mehr Kraft und Meerestier-Aromatik gewünscht. Hier war es für mich ein Fischsüppchen. Auch die Einlage mit Gemüse und mehreren Fischstückchen und verschiedenen Sorten war in Ordnung. Das größte Stück war eine gegarte Garnele.

Das beste an dem Teller war jedoch die kleine Sauce in einem Schälchen. Die Rouille hatte Kraft und Aromen. Sie versöhnte mich dadurch etwas mit dem Gericht.

Bœuf bourguignon mit Kartoffelpüree – 16,00 € (3/5Punkte)

Ich weiß das dieses Gericht eigentlich „nur“ ein gutes Gulasch darstellt. Das Besondere soll eben die Zubereitung und einige Zutaten (Schmorfond, Burgunderwein, Gemüse) ausmachen.

Für mich war es aber „nur“ ein schöner Gulasch. Das Fleisch war zart und schmackhaft, aber die Sauce empfand ich als etwas flach.

Und Püree wird erst zu gutem Püree wenn der Anteil der guten Butter recht hoch ist. Hier war es ein feines Püree (also klein Stampf) – doch die Butter war sparsam verwendet worden.

Beeren-Mascarpone-Parfait – 5,00 € (1,5/5 Punkte) – nicht berechnet

Zum Abschluss wollten wir auf jeden Fall die einzige Süßspeise der Liste probieren. Ein Parfait muss aber unbedingt angetaut sein, wenn es zum Gast kommt. Leider war unsere Portion tiefkühl-hart. Auch nach einigen Minuten wollte der Eisklotz nicht weich werden.

Wir kratzen an der Oberfläche, wir drehten die Stücke. Mit etwas Gewalt und Geschick spalteten wir den flachen Zylinder in der Mitte. Im Inneren waren nur reichlich Heidelbeeren zu erkennen. Doch auch sie blieben Eisstücke. Es wollte auch beim Verkosten der angetauten Ränder kein Geschmack nach Früchten oder säuerlich-süßen Aromen ergeben.

Die Servicekraft entschuldigte das Missgeschick und versicherte, dass das Gericht nicht abgerechnet würde.

Vielleicht sollte die Küche zum Nachtisch eher Gerichte aus dem Kühlschrank einsetzen. Parfait muss eigentlich immer recht lange antauen – und wenn mittags ein Nachtisch spontan bestellt wird, kann das wohl kaum klappen.

Getränke

Viva con Aqua, laut - 0,75 l - 5,30 €

Zappes Pils - 0,33 l - 2,80 €

2020 Riesling Knewitz, Rheinhessen - 0,15 l - 6,50 €
2020 Primitivo Luccarelli, Apulien – 0,15 l – 7,50 €

Das Wasser war gut gekühlt.

Das Bier wird in Köln gebraut. Es handelt sich ein kleines Das besondere daran: Es ist ein Pils. Das Kölsch ist ein obergäriges helles klares Bier. Bei Pils handelt es sich um eine untergärige Brauart. Aber bei der Rezeptur hat der Brauer genug Spielraum, um es herb oder mild zu gestalten. Dieses Pils gehört für mich zu den „sanften“ Varianten. Es hat im Geschmack nach meiner Einschätzung durchaus Ähnlichkeiten zum Kölsch. Es war gut gekühlt und hat mir geschmeckt. Da es auch nicht gefiltert wird, hat es Parallelen zu Wiess (den naturtrüben Vorgänger vom heutigen Kölsch).

Zum Fleischgericht habe ich dann den Primitivo (würzig und kräftig) genommen. Er passte zum Gericht – obwohl dort in der Sauce eigentlich Pinot noir (weich, samtig, beerig) sein dürfte und damit eine andere Sensorik zeigen sollte.

Auch der Weißwein war in Ordnung und passte zur Pasta.
 

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Portionen sind nicht besonders groß, aber angemessen; für einen Lunch brauche ich hier wohl zwei bzw. drei Gänge (der Nachtisch ist relativ klein). Und ein Schnäppchen scheinen sie mir nicht zu sein

Fazit

3 – vielleicht besuche ich das Lokal noch einmal, aber dann nur abends - oder zum Frühstück. Denn die „ansprechenden“ und namentlich aufgeführten Gerichte auf der Karte gibt es eben nur dann. Mittags gibt es aktuelle Gerichte von der Schautafel – und die werden im Internet nicht ausgewiesen. Auf der Homepage heißt es: „Wir bieten euch eine täglich wechselnde Mittagskarte mit frischen Produkten aus der Region. Diese findet ihr auf unserer Tageskarte im Restaurant.“ Und das scheint wohl mittags wenig mit dem angedachten Konzept des Hauses zu harmonieren: Tapas- und Meze-Teller – viele kleine Gerichte zum Teilen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 24.09.2021 – 2 Personen - Mittag

 

 

 

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September 2021 - Rheinberg im Ratskeller

Wir waren zufrieden – einige interessante Kombinationen bei den Gerichten

Allgemein

Bekannte unserer Tante hatten das Restaurant empfohlen. Hier soll es moderne deutsche Küche geben. Das Lokal gehört zum Hotel „Am Fischmarkt“. Da wir in Kamp-Lintfort schon einige Speiselokale besucht haben, war der Tipp eine willkommene Abwechslung. Die Entfernung der beiden Städte ist auch nicht groß.

Also wurden Plätze für einen Lunch gebucht.

Ambiente

Beim Namen Ratskeller hatten wir mit einem Gewölbe gerechnet. Aber das Lokal ist ebenerdig angelegt. Es liegt recht zentral in der Innenstadt. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, kann es dort Park-Probleme geben (unsere Tante ist mit einen „Ausweis“ ausgestattet, was das Parken leicht macht).

Direkt neben dem Hotelbereich befindet sich das Stammhaus von „Underberg“.

Vor dem Eingang befindet sich ein relativ großer Außenbereich. Innen fanden wir eine moderne Einrichtung vor – sie war im Bistro-Stil gestaltet.

Aber recht gemütlich.

Service

 

Der Mann und die Frau, die den Service erledigten, waren freundlich und unkompliziert. Sie erfüllten uns gerne alle „Sonder“-Wünsche. Allerdings hätten wir mehr Getränke verzehrt, wenn die Bedienung zwischendurch öfter gekommen wäre.

Die verkosteten Speisen 

Gebratener Lachs – kleiner Salat – Salzkartoffeln

Unsere Tante war vom Fisch begeistert. Er war auch sehr schön auf der Haut gebraten und kross. Innen war der Fisch saftig und zart.

Die Kartoffeln waren wunschgemäß nur gekocht und der Salat ohne Dressing. So konnte sie mit den Gewürzen am Tisch (Öl, Pfeffer, Salz) selber die Mischung vollenden.

 Currywurst „ Ratskeller “: Wurst vom Metzgermeister Axel Brandt - in fruchtiger Currysauce mit Pommes Frittes & Salat

Meine Frau war vom Geschmack der Wurst sehr angetan, auch die Sauce war genau richtig gewürzt. Die Pommes waren knusprig und der Salat frisch und mit einem leichten Dressing versehen.

Egg Benedict Burger mit Lachs: 100 g Räucherlachs, grüner Spargel, Burgersauce, rote Zwiebeln, marinierter Feldsalat & pochiertes Ei, im Reibekuchen-Bun

Unsere Tochter war vom Teller ebenfalls recht angetan. Jedoch fand sie den Oberbegriff „Burger“ nicht passend bzw. treffend. Es war auf jeden Fall eine Schichtung oder ein Turm.

Daher war die Kreation für sie auf jeden Fall sehr phantasievoll und kreativ. Das übliche Brötchen war durch zwei kleine Reibekuchen ersetzt worden. Der Lachs stellte wohl ein Patty dar. Salat, Spargel, Zwiebel und Sauce entsprachen schon eher einem Burger. Doch das Größte am Gericht war schon das pochierte Ei. Es war genau richtig gelungen.

Den „typischen“ Burger soll man ja aus der Hand essen – egal ob da Teile abbrechen oder man sich ordentlich bekleckert. Aber das war mit diesem Gericht schier unmöglich.

Also wurde der Turm mit Messer und Gabel abgearbeitet.

Der Gesamtgeschmack war recht ansprechend – das Gericht irgendwie gelungen.

Blumenkohl-Curry mit Cashewkernen, Koriander, Granatapfel & Duftreis mit Tandori-Chicken

Dieses indisch anmutende Gericht war ursprünglich vegetarisch ausgerichtet. Es stand daher in der Karte auch unter diesem Motto. Aber es gab dazu auch Zusatzangebote. Ich wählte das Hühnchen. Das Fleisch war schön mariniert und leicht gebraten. Es handelte sich um ein Stück Brust und ein Stück Schenkel mit Knochen. Der Blumenkohl war mit Gewürzen versehen und hatte noch leichten Biss. Weitere Gemüse-Stücke bereicherten das Curry Die Kerne von Cashew und Granatapfel ergaben einen angenehmen Crunch. Die zusätzlichen Kräuter erzeugten weitere Geschmackskombinationen.

Getränke

Gerolsteiner medium

Riesling Hausmarke

Geilings-Bräu Kellerpils (vom Fass)

Das Bier stammt aus einer kleinen Brauerei im Kamp-Lintfort. Ich kannte es bisher nicht und musste es daher probieren. Es war für ein Pils recht mild, aber es war schmackhaft und angenehm zum Essen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Uns erschienen die Preise recht moderat. Die Portionen waren so angelegt, dass man davon schon relativ gesättigt wird.

Daher haben wir die Nachspeisen nicht probiert.

Fazit

4 – gerne wieder. Es scheint, dass wir für die Region Niederrhein eine neue interessante Adresse gefunden zu haben. Es gibt vegetarische Gerichte, aber auch Fisch und Fleisch und eine Reihe von Burgern.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 19.09.2021 – mittags – 4 Personen

 

 

 

 

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September 2021: Moissonnier **, Köln

Foto: YouDinner

L’AMOUR - LE PLAISIR - LE MOISSONNIER (Liebe – Genuss - Moissonnier)

Allgemein

Bereits seit über 30 Jahren gibt es dieses französische Lokal in Köln. Seit langer Zeit halten sie zwei Sterne und gelten als das „erste“ Haus in Köln. 2020 kam eine weitere Auszeichnung hinzu: Der Feinschmecker kürte Eric Menchon – seit Restaurantbeginn als Chefkoch im Le Moissonnier tätig – zum Koch des Jahres.

Das feierte YouDinner mit zwei Terminen. Der erste war sofort ausgebucht. Dann konnte ich noch einen Platz zum nächsten Treffen ergattern (Buchung Ende 2019).

Doch dann kam Corona – und das winzige Restaurant wurde ganz geschlossen. Aber das Unternehmen war nicht faul und bot seine Köstlichkeiten als Abholmenü an. So lief das mehrere Monate.

Dann wurde das Restaurant wieder für Gäste geöffnet. Mit viel Mühe wurden alle Vorschriften umgesetzt. Ein Kunststück, denn es war immer sehr „eng“ im Lokal. Die Tische für zwei Personen hatten untereinander einen gefühlten Abstand von einer Handbreite.

Aber ehe YouDinner seinen Termin abhalten konnte, kam die neue Welle und die Veranstaltung wurde von Monat zu Monat weiter verschoben. Schließlich machte das Team auch seine wohlverdienten Ferien.

Ich hoffe nun auf den Monat September 2021 (und die Bestätigung kam auch!).

Wenn jetzt nicht wieder die Bahn streikt, komme ich vielleicht auch pünktlich an.

Meine Erwartungen sind hoch und ich bin gespannt.

Ambiente

Der Raum ist wirklich recht klein, durch die Trennwände wegen Corona sieht es auch nicht größer aus. Das Lokal hat aber trotzdem optisch seinen Charme. Die Plätze sind eben bistroartig aufgestellt bzw. angerichtet. Für mich ist das aber zu eng, es bedrückt mich etwas. Andere finden gerade diese Dichte besonders anregend.

Service

Die Gastgeber – das Ehepaar Moissonnier – sind freundlich und empathisch. Das weitere junge Personal ist ebenfalls höflich und zuvorkommend; aber sie haben eher keine kommunikativen Aufgaben. Gut, sie sagen Gerichte an und beantworten auch Fragen.

Da ich mit YouDinner hier zu Gast war, hatte ich gehofft, dass wir – wie eigentlich üblich – auch „Geschichten“ zum Haus und Erklärungen vom Küchenchef bzw. dem Gastgeber erhalten würden. Denn ein Motto des Clubs ist: „Köche ganz persönlich erleben.“

Das geschah leider nicht; denn wir waren auch nicht die einzigen Gäste. YouDinner hatte zwei Tischreihen: Einmal mit sechs und einmal mit acht Personen.

Der größere Rest an Plätzen war von Menschen, die reserviert hatten, besetzt. - Gut, eigentlich kein Wunder, wenn das Lokal am Samstagabend öffnet. Aber dadurch war eben wohl keine Zeit für die gewohnten Einblicke in die Arbeit des Hauses. Gerne hätte ich speziell einmal den Chefkoch bei uns gesehen.

Vincent Moissonnier habe ich hingegen schon bei Weinproben erlebt und er tritt auch im Fernsehen regelmäßig bei „Kochen mit Stern - Live nach Neun - ARD | Das Erste“ auf. Er ist für mich ein großartiger Entertainer – aber eben im Restaurant ist dafür wohl keine Zeit.

Die verkosteten Speisen

Wir erhielten ein Sechs-Gang-Menü und Grüße aus der Küche. Die Karte für den Abend bekamen wir in gedruckter Form eines Faltblattes zur Hand.

Hier blieben keine Wünsche offen. Auf der linken Seite standen alle Weine und rechts waren die Gerichte – ziemlich kleinschrittig – aufgeführt. Das erleichtert die Verfolgung der relativ vielen kleinen Tellerchen, Schüsselchen und Gläschen mit Zutaten und Beilagen. Denn im Moissonier besteht ein Gang niemals aus einem Teller.

Das macht sicher ein Essen zum Erlebnis, weil dadurch so viele Eindrücke auf einen hereinbrechen.

Vorweg gab es einen Brotkorb und Butter zum „Knabbern“. Und dann wurde schon der Gruß serviert. Schon hier waren mehrere Teile auf dem Teller: Eine Leberpastete, ein Spinatgericht mit Teigmantel und Stückchen von Radieschen auf einer Creme. Einige Gewürze in grober Pulverform rundeten das Bild ab. Die Leberkomposition schmeckte mir sehr angenehm. Die Teiggeschichte mit Füllung war mir außen etwas zu dick und elastisch, aber sonst in Ordnung. Eine aromatische Sauce konnte mit den Zutaten kombiniert werden. Die kleinen etwas scharfen Radieschenabschnitte wiederum machten den Mund durch die leichte Säure frei für die kommenden Genüsse.

Gang 1: Petite bouillabaisse à la mandarine

Loup de mer, gegrillter Saint-Piere und Pulpo - lauwarm auf Fischsuppen-Sud mit Mandarinen-Öl, Zitronengras und Seeigel-Zunge - Taschenkrebssalat mit rosa Grapefruit
und Brioche-Croutons mit Aioli und Räucherfisch

Ein recht großer Teller mit einer kleinen Portion Fischsuppe wurde eingedeckt. Auf einem Extrateller waren die Meereseinlagen für zwei Personen bereitgestellt. Ebenso waren die Croutons auf einem länglichen Teller nebenan aufgereiht. In einer weiteren Schale befanden sich die eher süßlichen Komponenten. Alle Zutaten der Liste konnte ich nicht entdecken. Aber alle Teller und Schalen brachten viele Aromen hervor. Ich habe versucht möglichst viele Teile pur und in Kombination zu probieren.

Die Bouillabaisse erschien mir recht mild, aber harmonisch; ich hatte sie mit stärkeren Meeresaromen erwartet. Für mich neu waren eben die Mandarinen-Noten.

Die Fisch-Stückchen waren fein gegart und saftig. Allein das Pulpostückchen konnte bei mir nicht punkten: Wahrscheinlich werden Tintenfisch und ich nicht echte Freunde – aber ich habe (allerdings selten) Pulpo auch schon schmackhaft gefunden.

Gang 2: Langoustine grillée au caviar d´aubergine et miso

Gegrillte Langustine mit Auberginen-Kaviar und Miso, Salzzitrone und XO Hollandaise Sauce - Kalbszunge mit Meerrettich und Sellerie-Püree, dazu Krustentier-Bouillon Provençal - Millefeuille von Spitzkohl und Colonnata-Speck

Auch hier kamen wieder zwei Tellerchen zum Hauptdarsteller. Das Meerestier – also das Schwanzstück – befand sich unten noch in seiner natürlichen Schale. Das Fleisch war herrlich gewürzt und butterzart. Die Sauce war kräftig und rund abgeschmeckt. Auf den Nebentellerchen waren der gefächerte Kohl und die Mixtur der anderen Zutaten. Sicher habe ich nicht alle Komponenten entdeckt oder erschmeckt. Aber es war eine kleine Geschmacksexplosion bei jedem Happen.

Jedenfalls war die Langustine allein schon ein Gedicht und hat mich sehr erfreut.

Gang 3 Rouget des Antilles laqué et grillé

Filets von Atlantik Rotbarbe lackiert und auf Holzkohle gegrillt - mit Avocado-Mousse, Tomatensalsa nach Rougail Art und Kafirlimetten-Öl - Süppchen von Kokosnuss und weiße Bohnen mit Mumbai Curry - Braisierte Romana an Taggiache-Oliven-Emulsion
Schwarze Tagliolini mit Forellen-Caviar

Nun wurden sogar vier Teller gereicht. Den Romana-Salat habe ich auch sofort erkannt. Ebenso glaube ich ein Gundermann-Blatt erkannt zu haben. Dieses Wildkraut verwende ich nämlich auch manchmal zu Hause in einen Salatgemisch. Die Emulsion passte sehr gut zum gegarten Gemüse. In einer weiteren Schüssel waren die schwarzen Nudeln, Eine dünne Hippe und der Kaviar. Die Pasta schmeckte wie ordentliche Pasta. Das Süppchen wiederum brachte auch asiatische und süße Noten zu Tage.

Der Fisch war allerdings das beste von diesem Gang. Der Lack gab dem Fisch zusätzliche Noten. Ein tolles Gericht. Davon hätte ich gerne einen „Nachschlag“ gehabt (kleiner Scherz am Rande).

Zwischengang Chili de fruits de mer – Sorbet sangria

Auch hier kamen zwei Schalen an den Platz. Dieser „Meeresgulasch“ war recht pikant durch die Chili-Komponente. Aber ich fand das genau richtig getroffen. Ein recht angenehmer Teller. Auch das „Eis“ war recht gelungen, ich habe auch alkoholische Anteile geschmeckt. Die „Sauce“ erinnerte mich an Kirschen.

Eine feine Kombination: Zuerst den Abschied vom Meer und dann die Vorbereitung des Gaumens auf den Fleischgang.

Gang 4 Canard Nantais au jus de chorizo

Gegrillte Nanteser Entenbrust und kleines Sandwich von gebratener Foie Gras -mit Topinambour-Barigoule-Mousse und Chorizo-Sherry-Essig Jus - Cappuccino von Entenklein-Saupiquet - geschmorte und lackierte Aubergine mit Zimt-Sirup, gegrillte Kirschtomaten, Humus von roten Linsen und Fritto Misto von süßen Zwiebeln 

Hier wurden drei Teller platziert. Dann wurde von der Kellnerin am Ende das zweite Sößchen ums Fleisch angegossen. Die Entenbrust war saftig und zart. Sie lag auf einem Bett aus Stopfleber. Für mich ist diese Kombination köstlich gewesen. Die Topinambur-Scheiben lagen obenauf.

Das „Süppchen“ vom Entenklein war recht schmackhaft (das Bild dazu ist mir eher misslungen).

Die dritte Schale war für mich eine Art „Salatbeilage“ de luxe des Hauses.Ich konnte kleine Tomatenhalbkugeln, ein Blatt Blutampfer und Gundermann erkennen. Der Humus war wohl die Creme darunter. Die Aubergine stelle wohl den kleinen Quader neben der Tomate dar. Obenauf waren dann die frittierten Teile angeordnet.

Gang 5 Coco Praliné

Kokos-Biskuit und -Praliné, Kokosmousse und Jivara Schokolade mit Zitronen-Waffel Hippe - Exotische Früchte-Suppe mit Chili-Öl, Ananas in Rum, dazu Mango-Curry Krokant und Kombawa-Zesten - Kurkuma-Eis

Zwei Schalen kamen an den Tisch. In der einen Schüssel war die Früchte-Suppe. Auf dem Teller waren Mousse und Eis. Auch hier waren wieder viele Aromen und Zutaten im Spiel. Es ergaben sich feine Zusammenspiele.

Kaffee und Petit Four

Espresso, Zuckerlutscher, Macaron, Karamell-Bonbon und Marshmallow-Würfel

Getränke

MUSCAT DE RIVESALTES 2018 Muscat à petits grains
Domaine des Chênes - AOP Muscat de Rivesaltes

Es war ein angenehmer süßer Wein. Als Aperitif hätte ich mir jedoch einen trockenen Schaumwein gewünscht. Aber sicher hat sich Vincent Moissonnier bei der Auswahl etwas gedacht.

SAINT-BRIS 2015 - CORPS DE GARDE - Domaine G & JH Goisot - AOP Saint-Bris -
Sauvignon gris (aus der Magnum-Flasche)

Für mich ein robuster Gegenpart zum vorher gereichten Süßwein. Aber vielleicht konnte sich mein Gaumen nicht so schnell umstellen. Jedenfalls wurde er für mich bei jedem Schluck sanfter.

CȎTES DU JURA BLANC 2018 – Fleur de Savagnin - Domaine Labet - AOP Côtes du Jura / Sud-Revermont - Savagnin

Das war ein Wein, der für mich wie gemacht war. Seine starken Aromen sagten mir sehr zu. Im Mund war die Säure angenehm vorhanden, aber nicht dominierend, denn die Komposition ist für mich elegant und ausgewogen.

MAS LAVAL ROUGE 2018 - LA GRANDE CUVÉE - Joël Laval - IGP de l’Hérault - 55% Syrah, 40% Grenache noir et gris, 5% Cabernet franc (aus der Magnum-Flasche)

Ein angenehmer Rotwein, der Duft von dunklen Früchte zeigte und am Gaumen würzige Noten erzeugte. Ein guter Begleiter zum Fleischgang und auch pur recht zugänglich.

PINOT GRIS 2015 LA DEMOIZELLE
Marc Tempé - AOP Alsace - Pinot gris (Auslese)

Dieser Süßwein war ein Gedicht, großartig in der Aromatik und wunderbar zum Dessert.

Wenn ich von dieser Weinbegleitung etwas für mich zu Hause kaufen würde, stehen der Fleur de Savagnin von Labet und der Marc Tempé Pinot gris auf der Liste.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Sicher kann ich in einem Zwei-Sterne-Restaurant kein Schnäppchen vermuten bzw. erwarten, schließlich werden viele Zutaten geboten und die Weinbegleitung war auch recht stark – es wurde auch gerne nachgeschenkt. So sind in guter Gesellschaft schon denkwürdige Erlebnisse möglich. Genießen steht im Vordergrund.

Fazit

4 – gerne wieder. Wichtig dabei ist auch, dass hier immer noch mittags geöffnet wird. Es muss aber schon etwas Besonderes anstehen. Und ich muss mich vorher geistig auf die Enge einstellen. Die Vielzahl der keinen Tellerchen und die Aromenkombinationen helfen dabei

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 11.09.2021 – abends – 1 Person (als Mitglied der Gruppe von YouDinner)

 

 

 

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August 2021 - Köln - Urban Loft - Stivie kocht

Bei Wind und Wetter fiel die Terrasse aus

Allgemein

Köln hat eine neue Dachterrasse – Neudeutsch heißt das: Rooftop-Location. Im neuen Hotel URBAN LOFT Cologne am Eigelstein und Blick über Kölns Dächer zum Dom hin, war ein Lunch mit Marc Flogaus – Chef von Metzger und Marie - von YouDinner angekündigt.

Den Ausblick wollte ich schon gerne kennen lernen; aber gebucht habe ich das Event doch hauptsächlich wegen des Kochs am Herd.

Ich habe Marc Flogaus gut in Erinnerung; denn YouDinner war schon mehrfach in seinem Lokal in der Kasparstraße im Agnes-Viertel zu Gast.

Leider musste der Termin wegen Corona mehrere Male im Kalender wandern.

Am Ende musste wohl auch der Koch ausgetauscht werden.

Nun war es Steffen Kimmig, genannt Stevie, der ebenfalls schon oft für YouDinner im Einsatz war.

Als ehemaliger Schüler und Assistent von Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann lautet Stivies Motto: Echter Genuss und bester Geschmack brauchen Zeit, Können und Leidenschaft. Als im zwei Sterne Restaurant Tantris eine Stelle frei wurde, zögerte er nicht lange und unter dem Küchenchef Hans Haas, arbeitete er sich von der Patisserie zum Souschef hoch. Durch Alfred Biolek kam er nach Köln in den Alten Wartesaal. Später war er jahrelang als Küchenchef im Restaurant Kap am Südkai im Kölner Rheinauhafen tätig. Dann wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und hat es wohl bisher keinen Tag bereut. In seiner Eventlocation StivieCuisine kann er nach Herzenslust arbeiten und seine Ideen verwirklichen.

Ambiente

Eine Rooftop Location soll immer eine außergewöhnliche und eindrucksvolle Veranstaltungseinrichtung für besondere Partys und Events über den Dächern bieten.

Ebenso soll der Titel „Urban Loft“ vieles anklingen lassen. Ein Raum, der mehr ist als ein Hotel: bewohnbares Erlebnis, ein Arbeitsraum für Treffen, ein temporäres Zuhause. Aber es soll auch Bar, Restaurant und Treffpunkt sein. Dazu werden meist weitere lokale Partner mit eingebunden.

Doch dann kam es sowieso ganz anders. Es hatte längere Zeit in der Nacht geregnet und der Wind war auch noch frisch, da musste YouDinner im Erdgeschoss bleiben.

Als ich mit der Bahn ankam und die paar Schritt zum Eigenstein ging, stand ich vor dem schlichten Bau, der gar nicht so groß wirkte.

Die Türen öffneten sich und ich sah die Rezeption. Dort wollte ich mich erkundigen, wie ich denn aufs „Dach“ komme. Dort schon sah ich die Leute von YouDinner bei der Arbeit. Die Tische und Stühle waren aufgebaut. Nun wurden noch letzte Dinge eingedeckt. In einem Nebenraum erkannte ich auch Stivie Kimmig bei den Vorbereitungen.

Die ganze Erdetage wirkte auf mich recht modern eingerichtet und war in mehrere Bereiche gegliedert: die Rezeption, die Bar, ein Raum mit Getränken, Leseecken, Tische für Computeranschlüsse. Alles sehr funktional.

Und der große Bereich für unser Event mit Zugang zu einer ebenerdigen Terrasse lag links von der Rezeption. In der Mitte waren dann noch Aufzüge und Treppen zum Keller und zu den Etagen.

Sanitär

Die Toiletten befanden sich im zweiten Untergeschoss (Treppe oder Aufzug).

Service

Mehrere Mitarbeiten von YouDinner machten das - wie stets - ohne Fehl und Tadel.

Unterhaltung

Zwischen den Gängen wurden die Weine erläutert und die Gerichte vorgestellt. Auch einige Anekdoten aus dem Leben von Stivie wurden zum besten gegeben. Er erzählte von seinen „Stationen“.

Die verkosteten Speisen 

LAUWARMER SAIBLING

Mit Tomaten vom Bauer Vrings und Holunderblüten-Marinade

Der Fisch war sanft gegart worden und konnte gut in seine Lamellen zerlegt werden. Seine Würzung war ebenfalls angenehm. Die Marinade unterstützte den Saibling perfekt. Die krossen Brotstückchen bzw. Croutons ergaben eine knackige Komponente.

Besonders fruchtig und geschmacksintensiv waren die kleinen Tomaten. Sie stammten wohl vom Biohof „Frings“, denke ich.

Es war ein geschmacksintensiver Teller zum Start; auch der Cava passte gut dazu.

SUPPE VON DER RÄUCHERFORELLE

Mit Forellennocken und Kartoffel-Krusteln

Auch die folgende Suppe sah appetitlich aus. Die spürbaren aber gut eingebundenen Räuchernoten kamen angenehm zur Geltung. Keine Spur von salzig oder überwürzt.

Auch die Einlage war reichlich vorhanden und zeigte sich beim umrühren der cremigen geschmeidigen Suppe. Die Nocken hatten dann wieder feine Rauchnoten und die krossen Chips gaben zusätzlich etwas Crunch.

MIT OLIVEN KONFIERTER ISLAND KABELJAU

Mit Couscous und Auberginen-Sauce

Der Kabeljau war sanft gegart und dadurch relativ weich. Der Geschmack kommt dadurch voll zum Tragen. Trotzdem mag ich Kabeljau auch gerne gebraten; ich finde, dass dabei der Geschmack abwechslungsreicher wird. Aber auch so hat er geschmeckt. Die Sauce aus Oliven und Aubergine war für mich etwas zu sanft abgeschmeckt und auch etwas breiig in der Konsistenz. Der Couscous passte gut dazu und war genau richtig im Biss und in der Würze.

GESCHMORTE SCHULTER VOM EIFLER RIND

Mit sommerlichen Pilzen und Selleriepüree

Die Sauce, die mit den Pilzen zusammen eine ausgewogene Aromatik zeigen, war schon vorher durch das Erwärmen in der Küche herrlich in den Essraum vorgedrungen. Der Duft machte mir daher schon vorab Freude auf das Hauptgericht.

Das Fleisch war dann auch super-zart und safitg. Die kleine Beigabe von knackigen grünen Bohnenstückchen war eine feine Überraschung, somit war auch etwas mit Biss auf dem Teller. Die Pilze entwickelten feine Geschmacksnoten. Das Selleriepüree war herrlich cremig; es zeigte seine seine Aromen, ohne aufdringlich zu werden. Sicher hat eine ordentliche Beigabe von Butter zu diesem Ergebnis beigetragen. Davon hätte auch Nachschlag genommen.

CRÈMIGE TOPFENMOUSSE

Mit Beeren und Vanillecrumble

Der Nachtisch war für mich auch ansprechend. Kein neumodisches Gemüse, sondern einfach köstliche luftige cremige Mousse und kein plumper Quark. Die Crumble ergeben dazu etwas Knackiges im Mund.

Die frischen dunklen Beeren passen natürlich wunderbar dazu.

Getränke

Mineralwasser (still und classic)

Cava 2016 Reserva de la Familia – Brut nature – Juvé y Camps (aus Magnumflaschen)

2020 Riesling Fass 76 – Dr. Bürklin-Wolf – Pfalz (aus der Doppelmagnum)

2012 Lindes de Remelluri Labastida – Bodegas Remelluri – Rioja (aus Magnumflaschen)

Zu den Fisch-Gerichten passte der fruchtige kräftige Riesling sehr gut. Auch der Rotwein passte gut zum Fleischgang. Zum Dessert wurde kein passender Wein ausgeschenkt; denn der Rioja hatte zu viele Säure bzw. Taninne. Aber der abschließende Espresso glich das wieder aus.

Fazit

4 – gerne wieder (also Events mit Stivie oder YouDinner) – das Hotel hat mich hingegen weniger angesprochen. Die Zimmer waren aber wohl alle belegt. Die Dachterrasse habe ich allerdings auch nicht in Funktion erlebt.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 22.08.2021 – mittags – 1 Person (Gruppe von YouDinner – 28 Teilnehmer*innen)

 

 

 

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August 2021: Marcolino, Bergisch Gladbach

Für uns eine weitere Adresse für landestypische Gerichte

Allgemein

Bei der Suche nach einigen Dingen für den häuslichen Gebrauch kamen wir zufällig an einem kleinen unscheinbaren Restaurant vorbei. Es war uns bisher noch nie aufgefallen; aber die Strecke war auch etwas abseits unserer gewohnten Einkaufspfade.

Das Haus wirkte sehr schmal und sah eher wie ein Zugang zu einem Wohnhaus auf. Auf einem Zettel stand der Hinweis, dass nun nach langem Umbau und Corona- Beschränkungen wieder geöffnet sei.

Montag und Dienstag sind Ruhetage; aber sonst wird sogar mittags geöffnet.

Also machten wir uns an einem Mittwoch auf den Weg.

Die Türen wurden gerade geöffnet und wir traten ein.

Der Flur sah schon wie ein Mietshaus aus (ein paar Stufen aufwärts); aber leicht rechts befand der Eingang zum Restaurant. Wir sahen einen kleinen Raum und links befand sich die offene Küche. Doch durch einen „Durchbruch“ kamen wir in ein größeres Zimmer. Und am Ende war noch eine offene Türe, die ins Freie führte – dort war also auch noch eine Außenanlage.

Es war also gar nicht so klein, aber auch nicht riesig.

Ambiente

Die Tische und Stühle waren einfach gehalten, etwa wie in einem „Brauhaus“: Glatte, blanke Tische und stabile Stühle. Die Wände waren in ruhigen Farben gehalten. An einer Wand befand sich eine große gemalte Landkarte von Sardinien.

Service

Die Dame des Hauses war freundlich, aber etwas kühl und ruhig im Auftreten. Vielleicht sind Sarden nicht so impulsiv wie die „Festland“ Italiener.

Beim zweiten Besuch war das Wetter gar nicht so schlecht und so bot uns die Chefin einen Platz im Außenbereich an. Doch wir entschieden uns für drinnen. - Später zeigte sich, dass das eine gute Wahl gewesen war; denn wie aus heiterem Himmel gab es eine heftige Schauer – mit etwas Hagel sogar.

Die Chefin, die den Service alleine macht, konnte uns beraten und unsere Wünsche gut umsetzten. Sie taute also schon etwas auf.

Die Karte(n)

Die Karte ist gut gegliedert und bietet zu verschiedenen Bereichen jeweils ein kleines Angebot. Schon auf der ersten Seite wurde darauf hingewiesen, dass es hier sardische Küche gibt. Die Schwerpunkte sind Fleisch, Brot, Käse, Wein und Meeres- und Landfrüchte. „Pane Carasau“ gehört zum Beispiel dazu (ein dünnes getrocknetes Hirtenbrot).

Die Gerichte werden wohl alle frisch zubereitet und mit Liebe gekocht. Es dauert manchmal etwas länger, aber der Koch ist auch alleine in der Küche.

Bei der Pasta waren wir uns nicht sicher, ob sie fertig gekauft oder selbst gemacht ist. Doch sie war gut verarbeitet.

Die verkosteten Speisen

Um die Vielfalt der Vorspeisen kennen zu lernen, wählten wir eine gemischte Platte. Sie war aus dem Bereich „Terra“: Also Gemüse und Käse, sowie angeröstetes Weißbrot und eben Hirtenbrot. Dazu wurden noch Öl und grüne und schwarze Oliven gereicht. Bei einem nächsten Besuch probiere wir vielleicht auch die Version „Mare“.

Die gerösteten Brotscheiben schmeckten mit dem Olivenöl zusammen recht gut. Das dünne Pane Carasau gefiel uns auch, war aber nicht besonders intensiv in der Aromatik: eben ziemlich trocken, fast durchsichtig und recht knusprig.

Terra classico

Schinken, Käse, Salat, Oliven

Es gab zweierlei Sorten von rohem Schinken; beide waren würzig – einmal mit mehr Fettadern durchsetzt und einmal recht mager. Beim Käse handelte es sich wohl um Pecorino (möglicherweise um verschiedene Arten; Schafskäse spielt auf Sardinien eine große Rolle). Radicchio und Chicorée bildeten die Salatbeilagen, die nicht extra angemacht waren.

Zusammen mit dem Brot waren die Zutaten alle angenehm und schmackhaft.

Beilagen-Salat

Terra verdura

Aubergine, Zucchini, Pilze, Oliven

Das gegrillte Gemüse hat uns am besten zugesagt. Es war perfekt gegart: leichte Röstaromen außen und innen saftig – auch die Form blieb erhalten und konnte geschnitten werden, ohne zu zerfallen.

Bei den Pilzen handelte es sich um braune Champignons.

Auch die Würzung war gelungen. Selten haben wir pflanzliche Kost so angenehm zubereitet serviert bekommen.

 

Gegrilltes Spanferkelkotelett

Fleisch, gegrillt oder gebraten und mit Kräutern kräftig gewürzt, spielt eine wichtige Rolle in der sardischen Küche.

Das Kotelett war mutig gewürzt und angenehm gebraten. Es war saftig. Außen war noch ein kleiner Fettrand. Zum Knochen hin wurde das Fleisch saftiger.

Die Kartoffeln sahen von außen wie Bratkatoffeln mit Schale aus. Aber sie waren auch außen relativ weich, innen leicht mehlig. Für eine Aufnahme von Sauce also gut geeignet. Aber es gab ja keine Sauce – habe ich auch nicht erwartet – so hätten sie durchaus etwas krossen sein dürfen.

Es gab auch noch eine Schale frischen Salat dazu (sicher ein Entgegenkommen für deutsche Gäste; den klassisch wird das Fleisch ohne viele Beilagen serviert, glaube ich. Gut, dass er nicht auf dem Hauptteller war, so konnte das Dressing keinen „Schaden“ am Fleisch anrichten. Neben vielerlei Blattsalaten waren auch Tomate, Möhre und Gurke zum Einsatz gekommen. Das Gemüse hatte natürlichen Biss, denn es war roh, in kleinste Stücke geschnitten, dazu gefügt worden. Die Salatsauce bestand wohl aus leichtem Essig und etwas Öl und war relativ neutral gehalten. Die Portion war relativ groß.

 

Sardische Ravioli mit frischen Pfifferlingen

Wie in ganz Italien haben auf Sardinien Pasta-Gerichte wohl auch ihren wichtigen Platz.

Die Ravioli hatten eine relativ große Form. Sie erinnerten fast an kleine Maultaschen. Sie waren reichlich mit einer Ricotta-Mischung gefüllt und rund abgeschmeckt. Eine leichte cremige fruchtige Sauce begleitete die Speise.

Für mich waren die Ravioli überraschend weich; ich hatte sie etwas fester erwartet und vielleicht in warmer Butter leicht angeschwenkt. Aber auch so waren sie recht schmackhaft. Die Pilze waren eher weich und nicht so gebraten worden wie die Champignons vorher. Kleine Minitomaten waren dazugemischt worden; deren Saft dürfte für die leichte Schlotzigkeit verantwortlich sein. Der geriebene Käse war relativ sanft und brachte leichte herbe Noten ins Gericht.

Vielleicht werden auf Sardinien die Nudeln schon etwas anders hergestellt bzw. verarbeitet. Es ergaben sich für mich kleine neue Aromenkombinationen. Grundsätzlich habe ich es aber bisher lieber etwas mehr al dente.

Der Vorspeisenteller und die beiden Hauptgerichte hatten einen hohen Sättigungsfaktor. Daher haben wir schweren Herzens auf einen Nachtisch verzichtet. Aber das wollen wir nachholen, denn die Angebote klangen vielversprechend.

Beim zweiten Besuch wählten wir folgende Speisen:

 

terra classico

Schinken, Salami, Käse, Oliven

Da kann man nichts falsch machen, wir hatten sie schon einmal probiert. Die frischen Zutaten schmecken einfach gut. Und das geröstete Brot passt auch perfekt dazu.

 

Marcolinos Meer

lange Pasta, Garnelen, Muscheln, Kalmar, Cherrytomaten, Knoblauch

Die Nudeln waren al dente gegart. Die Beilagen waren angenehm und gut gegart bzw. gebraten. Die Garnelen hatten jedoch ihre „Schalen“ behalten. Das ist gut für den Geschmack, aber für mich lästig beim Essen. Das Pulen macht mir während der Mahlzeit einfach keinen Spaß. Da bereiteten die Muscheln bedeutend weniger Arbeit, weil das Fleisch relativ einfach zu entnehmen ist. Die Tintenfischstücke waren in Ordnung; aber ich habe sie auch schon „geschmeidiger“ verkostet.

Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Komposition gut gefallen hat und auch feine Aromen aufzeigte.

 

Steak

gegrilltes Rumpsteak, Tagesbeilage

Das Fleisch stammte von einer Kuh aus der Umgebung; das Teilstück war vom Rib Eye bzw. Entrecôte. Es war leicht gebraten und sanft zu Ende gegart.

So war es weich und saftig. Ein Steak stelle ich mir außen knusprig und innen rosa vor. Aber auch diese Version hat mir gut geschmeckt.

Rosmarinkartoffeln gab es als Beilage. Sie waren gegart und leicht in Fett und Kräutern geschwenkt.

Auch ein gemischter Salat gehörte noch dazu. Die Blätter waren frisch und knackig. Auch Tomate, Gurke und Paprika wurden zu den Salaten gefügt. Das Dressing einfach auf Essig- und Ölbasis gemischt.

 

Pasta mit Rind

kurze Pasta, Rinderstreifen, Cherrytomaten, Rucola, Parmesan

Die Nudeln waren al dente. Die Streifen waren schmal geschnitten und hatten eine angemessene Würzung erfahren. Tomate, Salat und Käse rundeten den Teller ab.

gegrilltes Spanferkelkotelett

Koteletts, Rosmarinkartoffeln, Myrte

Die Schweinekoteletts waren leicht gegrillt und innen saftig. Dazu gab es – wie wohl bei allen Hauptgerichten – Kartoffeln und Salat. Das Gericht hatte schon beim ersten Besuch gefallen.

 

Zitronensorbet

Das Eis war wunderbar „sauer“ gehalten. Es war in einer ausgehöhlten Zitronenhälfte untergebracht. Der Geschmack war sehr erfrischend. Als Dekoration und kleiner Zusatz waren noch Feigenstücke und eine Orangenscheibe dazu gelegt worden.

 

Schokotörtchen

Das Törtchen hatte einen flüssigen Kern und bestand aus dunkler Schokolade. Als Kontrast war noch eine Kugel Vanille-Eis auf dem Teller. Feigenstücke, Trauben und eine Orangenscheibe dienten als verzehrbare Dekoration.

Uns hat es gefallen. Die Speisen werden ohne viel Schnörkel handwerklich gekonnt zubereitet und auf den Teller gebracht. Es sind ehrliche und landestypische Gerichte. So werden wir sicher wieder hier her kommen.

 

Getränke

Gerolsteiner medium, Vermentino (0,1 l), Cannonau (0,1 l)

Die beiden sardischen Weine in rot und weiß waren ordentliche Essensbegleiter. Um mehr über die einheimischen Weine zu erschmecken, sollten wir wohl eine „Flasche“ aus dem Angebot wählen und verkosten. Die offene Ware war in Ordnung, aber auch ohne besondere Noten.

Ramazotti rosato

Tonic, Hibiskus, Orangenblüten, Limette

Bicicletta

Campari, Weißwein, Soda, Zitrone

Die Cocktails waren erfrischend und ansprechend in der Aromatik. Das „Fahrrad“ werden wir sicher zu Hause nachmachen. Die Mischung aus herb und sauer und leichter Süße war für uns angenehm.

Der andere war in der Ausrichtung wesentlich lieblicher; aber genau der Geschmack unserer Tochter.

Vermentino Dolia 0,75

Es gibt zur Zeit nur drei sardische Weine als Essensbegleitung. Das soll aber ausgeweitet werden. Dieser Weiße war fürs Essen völlig in Ordnung: leicht, etwas spritzig und frisch, trocken und kurz im Abgang.

Fazit

4 – wir wollen gerne wieder kommen. Der gute Eindruck vom Erstbesuch wurde bestätigt.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 

Daten der Besuche: 21.07.2021 – Mittag – 2 Personen und 08.08.2021 – mittags – 3 Personen

 

 

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Das Konzept überzeugt mich: Speisen, Weine, Ambiente sind stimmig

Allgemein

Ende 2020 wurde ein Essen bei Julia Komp im Lokschuppen in Aussicht gestellt. So fort habe ich das Event „IN 5 GÄNGEN UM DIE WELT“ auch gebucht. Doch Corona ließ die Umsetzung nicht zu. Der Termon musste mehrfach verschoben werden. - Und dann hätte es wohl geklappt, aber Lokschuppen und Julia Komp trennten sich kurz vorher. So musste YouDinner dieses Fest endgültig absagen.

Doch wenn die Köchin ein eigenes Lokal aufmacht, dann hoffe ich auf einen Besuch.

Damit keine „Lücke“ entsteht, konnte YouDinner aber für den Termin einen anderen Koch gewinnen: „UNTER UNS: PRIVATE DINING IN DER HENNE. YOUDINNER-ABEND BEI HENDRIK OLFEN.“

Ich freute mich ungemein, dass es zu einem Essen mit „Freunden“ kommt; denn die Mitglieder sind durch die Bank „Genießer“.

Im Private Dining Room der HENNE - Weinbar & Restaurant erwarte ich daher Genuss und Geselligkeit, Soulfood und eine besondere Weinbegleitung.

Ambiente

Es war ein sonniger Tag. Mit Bahn und Bus reiste ich also mit einem guten Gefühl an. Sogar die öffentlichen Verkehrsmittel waren pünktlich. So war ich etwas zu früh vor Ort. Aber ich konnte mich vor dem Lokal an den Straßenrand setzen und bekam auch noch Sprudelwasser gereicht.

So konnte ich mich entspannen und das bunte Treiben in der Pfeilstraße beobachten.

Dann gab mir der Kellner ein Zeichen, dass nun der Raum hergerichtet sei. Es ging eine Treppe hoch und Miguel Calero von YouDinner begrüßte mich und zeigte mir den vorgesehenen Platz an einem der Tische.

Nun konnte auch die Maske fallen und das Event beginnen. Es wurde umgehend ein Schaumwein gereicht und Brot und Butter standen bereit.

Der Raum ist nicht besonders groß, aber einige Tischgruppen passten hinein. Eine kleine Theke und ein Tisch zum Herrichten von Speisen gehörte auch noch dazu.

Service

Fabrice Thumm und Hendrik Olfen erschienen mir stets präsent zu sein; obwohl ja „unten“ auch das normale Geschäft lief und der Gastraum gut gefüllt war.

Der Chefkoch erklärte jeden Gang und gab auch gerne weitere Auskünfte. Ebenso machte es der Sommelier bei den ausgewählten Weinen.

Jetzt zu Corona-Zeiten wird montags bis samstags durchgängig von 12:00 Uhr bis 0:00 Uhr (letzte Bestellung 22:00 Uhr) geöffnet, damit etwas Umsatz gemacht werden kann.

Auch die Speisekarte ist etwas anders als üblich aufgebaut: „Die wesentliche Grundlage unserer Küche ist es, auf die klassische Menü-Folge Vorspeise-Zwischengang-Hauptgang-Dessert zu verzichten. Der Gast soll, ähnlich wie in den vielen sehr erfolgreichen spanischen Restaurants, jedes Gericht jederzeit bestellen können, also nach Lust und Laune nachbestellen, mit Freunden teilen oder einfach hintereinander weg als großes Menü essen. Dabei haben alle Gerichte die gleiche Größe und es wird keinen Hauptgang im dimensionierten Sinne geben.“

Die verkosteten Speisen

Menü und Weine wurden vom Haus zusammengestellt.

ZUM APERITIF

Kartoffelrösti | Forellentatar | Forellenkaviar

Dieser Happen sah sehr ansprechend aus. Er hatte eine Größe, die man gerade noch per Hand in den Mund befördern konnte. Natürlich konnte er auch auf den Brotteller gekegt werden und in mehreren Schritten verzehrt werden.

Die untere Schicht das Rösti war knusprig und luftig ausgebacken. Dann folgte das Tatar, das frisch und sanft gewürzt war. Etwas Creme türmte sich darüber und den Abschluss bildete der Forellenkaviar.

Es war insgesamt eine ansprechende Eröffnung. Der knochentrockene Schaumwein harmonierte dazu.

THUNFISCH - Erbsensaft | Chili Öl | Edamame-Bohnen

Das Thunfischstück erschien mir optisch fast wie ein „Fischstäbchne“. Aber der Fisch war natürlich nicht gebraten oder frittiert, sondern eher mit „Säure“ gegart und komplett mit relativ scharfen Chilistückchen umhüllt. Dadurch war das Fleisch für mich nicht mehr schmeckbar, sondern einfach nur „scharf“. Ich habe versucht mit dem Messer diese Schicht zu entfernen, aber der Geschmack blieb etwa wié vorher. Der Fisch war innen schön roh, aber ich habe nichts mehr davon gespürt. Gott sei Dank könnte ich mit dem Brot meine Zunge etwas neutralisieren.

Die Erbsensauce und die Bohnen waren in diesem Zusammenhang für mich relativ neutral. Die beiden Weine hatte ich schon vorher bei der Vorstellung probiert und durchaus daran Gefallen gefunden. Zum Fisch könnten sie für mich die Würze nicht abmildern.

Aber einige Nachbarn waren von der Schärfe sehr angetan; es ist eben Geschmackssache und auch eine Frage der Gewöhnung.

KALBSLEBERSCHAUM - Kartoffelchips | Apfel in Salzbutter gebraten

Dieser Gang war dann für mich schon wieder recht sanft gewürzt. Aber ich habe mich darüber sehr gefreut. Ich konnte alle Komponenten erschmecken. Die Aromatik hatte eine gewisse Parallele zur Berliner Leber: Der Apfel war da – er bildete die untere Schicht: Leicht gegart und feine Säure. Knusprige Zwiebelstücke und krosse Kartoffelchips bildeten die äußere Umrandung. Und in der Mitte war die Leber, die zu einem cremigen Schaum verarbeitet worden war.

Die Kombination fand ich harmonisch und ausgeglichen. Der Orange Wine passte sehr gut dazu. Ich fand den Wein auch pur ansprechend; ob wohl ich diese Art der Kellertechnik oft als unharmonisch bei früheren Proben empfunden habe. Meist hatte ich sehr viele Bitterstoffe auf der Zunge und wenig andere Aromen. Das kommt sicher davon, dass eben alle Teile der weißen Reben mit in die Maische kommen und lange zusammen gären.

US BEEF - Kimchi-Saft | Sesamcrème | Soja-Lack

Das Fleisch hatte viele Stunden bei niedriger Temperatur im Sous Vide Bad verbracht. Es war angenehm weich und würzig. Es erinnerte mich an Tafelspitz in seiner Konsistenz. Doch der Geschmack war intensiever – sicher kam dies durh den Kimchi-Saft und den Soja-Lack.

Auf dem Teller befand sich eine Art Sauce und darin waren winzige Möhrenstückchen, die noch leichten Biss hatten, enthalten. Das Fleisch lag darauf. Obenauf waren gerösteter Sesam und etwas knackiges kohlartiges Gemüse aufgeschichtet worden.

Obwohl ich Rindfleisch lieber kross gebraten und innen medium esse, fand ich diese Zubereitung schmackhaft und gelungen.

TARTELETTE AUX FRUITS - Brombeersorbet | Crème Pâtissière

Hendrik Olfen bemerkte zum Nachtisch, dass er kein Gemüse im Dessert verarbeitet und sich hier völlig klassisch verhält – vielleicht sogar langweilig. Ich war darüber nicht entsetzt, sondern im Gegenteil sehr erfreut. Warum soll Nachtisch nicht wie bei „Oma“ schmecken?

Am meisten hat mir das Brombeersorbet zugesagt. Es war kräftig beerig, kalt und erfrischend. Mehr brauche ich auch nicht.

Der kleine Mürbeteigboden war kompakt, relativ hell und fest. Bei Oma war er allerdings früher etwas weicher, goldgelber, buttriger und leicht brüchig. Aber das nur am Rande.

Die feine Creme und die kleinen Fruchtstücke waren wieder für mich exzellent geraten.

Es gab auch tatsächlich einige Nachbarn um mich herum, die den Nachtisch zu „einfach“ fanden (wahrscheinlich, die die auch den Thunfisch passen scharf fanden).

Mir hat der Nachtisch jedenfalls „einfach“ geschmeckt!

Getränke

Mineralwasser (still, medium), Espresso zum Abschluss

Weinbegleitung

Das Konzept der Weinkarte ist etwas anders als normal üblich. Die Weine werden nicht nach Ländern oder Regionen gelistet, sondern nach Rebsorten. Und diese wiederum werden nach drei Kategorien bzw. Typen aufgeführt: #classic: Von leicht bis komplex, erkennbare Charakteristik. - #freakshow: Die außergewöhnlichen Weine von außergewöhnlichen Typen, die halt das ein oder andere anders machen. - #icon: Die Weine, die man schon immer einmal getrunken haben wollte...

Zum Start gab es einen erfrischenden trockenen Schaumwein.

#freakshow - Can Sumoi - Serra de l'homme - Ancestral Montonega 2018 - Rebsorte: Parellada – Katalonien (Penedes) - Nach der Lese werden die Trauben entrappt und sanft gekeltert. Die Gärung iindet zuerst in Edelstahltanks statt und wird anschließend unmittelbar ohne Zusätze in der Flasche beendet. Das Gut arbeitet bio-dynamisch. Es handelt sich um ein Verfahren, das sich von der Champagner-Methode klar unterscheidet.

In der Nase zeigen sich Aromen von reifen hellen Früchten mit blumigen Noten. Am Gaumen ist er angenehm, mit einer feiner Perlage und einem leicht salzigen Finale.

 

Weißer Burgunder im Vergleich

 

#freakshow - Carsten Saalwächter - Weißer Burgunder trocken 2017 La Rochè. Rheinhessen.

Der Ausbau findet in gebrauchten Halbstück- und Stückfässern für ein Jahr auf der vollen Hefe statt. Seine Mineralik hat mich beeindruckt.

 #classic - Dr. Wehrheim - Birkweiler Weißer Burgunder Muschelkalk trocken 2020

Auch dieser Terroir-Wein zeigte kühle, würzige Noten und wies mineralische Struktur und Säure am Gaumen auf. Er war vielleicht ein Spur harmonischer.

Aber der andere war für mich etwas herausfordernder.

#freakshow - Orange Wine – Fio - Glou Glou – Mosel - Rebsorten: Weißburgunder 50%, Müller Thurgau 50%

Dieser Verschnitt aus Müller-Thurgau vom Schiefer und Weißburgunder vom sandigen Moselschwemmland hat mich erfreut. Der Wein wird auf den Schalen spontan vergoren und ausgebaut im Moselfuder.

In der Nase spüre ich Zitrusfrüchte und feine Frische. Am Gaumen war er auch nicht anstrengend, sondern eher saftig und fein und erfrischend. Er hat aber auch eine herbe Art, die einen gewissen Kick ergibt und trotzdem erfreut.

Merlot im Vergleich

 #classic - Valori, Inkiostro Merlot – Abruzzen

Merlot aus den Abruzzen, kann das sein? Ja das kann und auch in überzeugender Qualität.  Der Besitzer ist studierter Theologe, Agronom und Ex-Fussballprofi. Er kümmert sich um die Qualität im Weinberg und den Ausbau der Weine quasi alleine, lediglich zur Ernte der Trauben hat er Helfer.

Schöne, aber nicht dominierende Vanille und Toast-Aromen durch den Barrique-Ausbau, eine wunderschön präsente Frucht, gestützt von einer angenehmen Tannin-Struktur, dicht und kraftvoll am Gaumen und trotzdem finessenreich und vielschichtig.

#freakshow - Magnus Merlot - Domaine Dominique Andiran - Bio-Wein – Gascogne.

15 Jahre alte Rebstöcke auf lehm-, kalk- und steinhaltigen Böden geben Charakter. Die Trauben werden entrappt und ohne Aufrühren der Maische (Remontage) oder Runterdrücken des Tresterhuts (Pigeage) in Tanks bei 21 Grad vergoren. Der Most wird ohne Pressung abgezogen. Die Abfüllung erfolgt nach dem Mondkalender in drei Etappen.

Beide Roten hatten ihre Stärken und haben mir recht zugesagt

Süßwein rot:

#freakshow - Franz Haas Moscato Rosa 2018 DOC – Südtirol

Rosenmuskateller ist eine autochthone Südtiroler Rebsorte. Der Wein hat eine rubinrote Farbe. In der Nase zeigen sich Noten von Rosen, Gewürznelken, Zimt und Orangenschalen. Am Gaumen sind Fruchtsäure, Süße und Gerbstoffe zu spüren. Der Wein wurde süß ausgebaut. Gut gekühlt waren diese Momente nicht aufdringlich, sondern harmonisch zum Dessert passend.

Fazit

 4 – gerne wieder. Die Speisen sind schmackhaft, aber nicht besonders abgefahren. Die Weine sind für mich teilweise ungewöhnlich bzw. anregend und daher eine Bereicherung. Ob das alles so zusammen läuft, wenn man einfach als Gast kommt und sich das Menü und die Getränke selber zusammenstellt, habe ich noch nicht ausprobiert, macht aber neugierig.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 04.08.2021

 

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Das Wirtshaus in und für Odenthal

Allgemein

Jetzt nach acht Monaten Pause (Juni 2021) kamen endlich wieder zwei Dinge zusammen: Es ist wieder möglich ein Restaurant zu besuchen und der Herzogenhof in Odenthal wurde neu eröffnet. Die Pächter sind die Wilbrand-Brüder. Das verspricht einigen Spaß.

Durch Corona verzögerte sich der Start schon recht lange. Ich denke, es sollte schon 2020 losgehen, aber erst jetzt klappte es.

Dieses Mal wird es also nicht die Gourmet-Küche sein, sondern das neue Gasthaus. Das Motto der Sterneköche lautet dazu: Mit guter Brauhausküche wollen wir den Herzogenhof wieder zum gastronomischen Treffpunkt machen!”

Wir waren gespannt.

Das Wetter war recht durchwachsen, aber wir wollten schon draußen bleiben.

Ambiente

Das Gasthaus befindet sich direkt am Odenthaler Verteilerkreis in der Ortsmitte. Eine Bushaltestelle liegt auch dort. Parkplätze gibt es auch genug.

So gingen wir an den Eingang und wurden dort freundlich empfangen und erledigten die Corona-Formalitäten.

Unter einem großen Sonnen- bzw. Regenschirm fanden wir unseren Platz. Es war ein Vierertisch. Wir machten es uns bequem und erhielten noch eine Decke zum Sitzen.

Getreu dem Motto eines Brauhauses war alles gestaltet. In einem Bierkrug befanden sich das Besteck und die Papierservietten. Ebenso lagen Bierdeckel und standen Gewürze (Salz,Pfeffer, Senf) bereit.

In den geräumigen Außengelände standen auch Biertische und Bänke für größere Gruppen.

Drinnen befinden sich auch mehrere Bereiche mit ganz schön vielen Plätzen. Ebenso befinden sich dort die Küche, die Theke und die Sanitäranlagen.

Sauberkeit

Alles wirkte sehr sauber und gepflegt – das Lokal wurde schließlich komplett überholt und neu ausstaffiert.

Sanitär

Auch hier war alles bestens in Ordnung.

In Köln gab es Anfang Juli einen Aufschrei der Empörung über die Gestaltung der WC-Zugänge für Herren (bla) und Damen (bla bla bla bla...) im Brauhaus „Kölscher Boor“. Der Express berichtete und auch der Stadtanzeiger nahm sich dem Thema (etwas moderater) an.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt sieht jedenfalls darin eine Diskriminierung. Nur ein Gag sei das, wehrte sich hingegen die Brauhaus-Chefin daraufhin.

In Odenthal haben sich die Wilbrands ebenfalls für die Türen mit dieser Aufschrift entschieden.

Sicher kann jeder dazu eine eigene Meinung haben. Die Türen sind also eine Geschmackssache; aber die Räume dahinter scheinen mir wiederum recht gelungen. Doch auch da werden sicher einige die Farbgestaltung kritisch sehen.

Mal sehen, ob sich die Aufschriften für Damen und Herren halten werden.

Noch eine mögliche Diskriminierung: Bei den Herren gibt es ein Speibecken und bei den Damen nicht, ist das gerecht?

In bayrischen Gasthäusern haben diese Becken aber auch noch kräftige Griffe zur beidseitigen Benutzung.

Service

Mehrere junge Damen, eine „Zapferin“ und der Betriebsleiter kümmerten sich freundlich um die Gäste. Wir wurden stets nach unseren Wünschen gefragt. Auch um Rückmeldungen wurde gebeten.

Es scheinen recht viele Kräfte angestellt zu sein. Ich habe etwa sechs bis acht Kellner*innen gezählt – es können auch noch mehr sein!. Einige tragen eine dunkle Schürze, einige eine hellblaue. Ob das etwas zu bedeuten hat, weiß ich nicht. Zuerst dachte ich, dass die Damen in Blau nur servieren (dürfen) und die anderen auch Bestellungen aufnehmen. Aber das mischte sich auch später.

Alle sind jedoch freundlich, wenn auch manchmal etwas „unorientiert“; denn sie sind ständig in Bewegung, aber oft auch mit „leeren“ Händen unterwegs oder bringen Sachen an „falsche“ Tische.

Da es alleine drei verschiedene Biere vom Fass gibt und weitere aus Flaschen, kommt der „Nachschub“ nicht „automatisch“, sondern es wird stets nach weiteren Wünschen gefragt.

Es geht eben kein Köbes mit frischem Bier durch die Hallen und serviert bei Bedarf sofort.

Aber das wird sich sicher auch noch alles einspielen.

Die Karte(n)

Die Karte enthält einige Gerichte, die typisch für ein rheinisches Wirtshaus sind. Das Angebot ist überschaubar, aber sicher groß genug, um passende Speisen zu finden.

Die verkosteten Speisen

Wir wollten einige Kleinigkeiten auswählen und auch das vorhandene Bier probieren. Daher wählten wir zuerst eine Platte mit „kölschen“ Köstlichkeiten.

Kölsche Tapas: Alter Gouda, Flönz, Tagesuppe, Zwiebelmett, herzhaftes Herzogenhofbrot

Die Portion war größer als erwartet und gestaltete sich zu einer veritablen „Hauptspeise“. Das Stück Käse war mächtiger als es sonst für einen „Halven Hahn“ gereicht wird. Auch drei Scheiben Blutwurst hatten wir nicht erwartet.

Um es schon vorweg zu sagen: Der Käse war würzig und schön alt. Die Flönz war fein abgeschmeckt. Sie hatte eine passende Farbe – und das wichtigste sie war sehr schmackhaft. Die Aromen waren sehr ausgeglichen und angenehm. Ich bin bei Blutwurst im allgemeinen recht vorsichtig. Oft ist sie mir zu grob oder das „Blut“ zu kräftig. Aber diese Sorte werde ich sicher gerne wieder essen.

Auch die Mettkugel war relativ groß. Der Geschmack war angenehm. Die Würze sogar relativ sparsam. Aber das ist in meinen Augen optimal; denn so kann ich etwas Pfeffer oder Salz selber nach meinem Empfinden nachwürzen. Wenn das Gehackte „stark“ gewürzt ist, stört das sicher manche Gäste. Und es ist üblich, wenn man das Mett auf Brot schmiert, selber etwas zu würzen.

Damit wäre ich dann auch beim Brot. Es wird extra für den Herzogenhof in einer befreundeten Bäckerei hergestellt; es hat auch einen Anteil Biertreber. Also es war äußerst passend zu den Wurst und Hack. Es wurde auch Brot nachgereicht.

Die Tagessuppe war eine kräftige, sahnige Tomatensuppe. Sie war herzhaft abgeschmeckt und herrlich deftig. Wir waren von diesem Ensemble recht angetan.

Doch ich wollte schon noch ein weiteres Gericht probieren.

Brauhausburger: Würzig und saftig mariniertes pulled Pork vom Landschwein (16h gegart) mit Smoky BBQ.Sauce, Cole Slaw mit Meerrettich, Strauchtomate und Kräuterschmand im Brioche bun vom Hausbäcker Pieper.Dazu unsere Brauhaus Pommes frites rut wiess

Diese Kreation hatte meine Neugier geweckt, weil ich die Version im Pig Bull von Sebastian Franke entwickelt - damals noch an der Aachener Straße in Köln - so umwerfend fand. Doch da war ich etwas enttäuscht. Der Burger war bei „Gott“ nicht schlecht, wirklich nicht.

Aber mir fehlte die geniale Kombination von weichem und saftigem Fleisch, knackigem Cole Slaw und kräftiger BBQ Sauce.

Hier im Herzogenhof war der Bun ebenfalls gut gelungen. Doch die Tomatenstücke und die Salatblätter passten in meinen Augen nicht zum Pork. Sie „verwässerten“ etwas den Mundeindruck und in der Sauce fehlte mir der Wums: Etwa durch Sternanis, Kümmel oder auch Knoblauch.

Die Pommes waren wiederum genau richtig: Außen Kross und innen weich. Die Majonäse aus der Plastikflasche und den Heinz Tomato Ketchup habe ich nicht verwendet. Diese Produkte liegen mir nicht.

Getränke

Die Biere vom Fass wollten wir auch unbedingt probieren.

Gaffel Kölsch 0,2 l

Es gehört zu meinen Lieblingssorten. Hier kam es frisch und gut gekühlt ins Glas: Prima.

Gaffel Wiess 0,3 l

Das Wiess habe ich zu Hause aus der Flasche bereits probiert. Ich mag auch diese leichtere Version von Gaffel ganz gerne. Vom Fass schmeckte es mir noch besser. Aber das „echte“ Kölsch bleibt schon etwas mehr vorne bei mir.

Moritz Fiege Pils 0,3 l

Auf das Pils war ich am meisten gespannt; denn vor Jahren war ich des öfteren in Bochum. Und das Fiege hat mir damals gar nicht zugesagt. Doch heute zeigte es sich von seiner guten Seite. Es schmeckte recht frisch und ausgewogen, etwas mild sogar. Es wird jetzt nicht direkt mien Lieblingspils, aber es hat enorm an Zustimmung gewonnen.

Dukebergh ́s Dubbel 0,33-Flasche

Ich finde es sehr passend, dass der Herzogenhof auch ein „einheimisches“ Bier führt. Das Dukebergh´s kommt aus dem benachbarten Schildgen (in Bergisch Gladbach). Ich habe es ebenfalls zu Hause bereits als Wiess und Dubbel probiert. Das helle Obergärige finde ich für mich passender als das dunklere malzige Bier. Allerdings mag ich noch etwas lieber das Craft-Beer aus der Dellmann´s Bräu in Wermelskirchen (Biir und DePA).

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Ein weiterer Besuch stand an

Auf einem Bein kann man nicht stehen“, sagt ein Sprichwort (wörtlich genommen ist das natürlich Unsinn; denn selbst ich kann noch auf einem Bein stehen und sogar noch etwas hüpfen). Man sollte sich immer eine weitere Möglichkeit offenhalten: Also besuchten wir das Brauhaus an einem Sonntag zur Mittagszeit mit drei Personen.

Ambiente

Da es auch heute wieder regnete, hatten wir um Plätze im Inneren gebeten. Wir saßen in einer Ecke und hatten einen guten Blick auf diesen Teil der Gastronomie. Es gibt Hochtische und normale Sitzhöhe zur Auswahl.

Um die Essflächen herum stehen Stühle oder befinden sich an den Außenwänden Sitzbänke.

Besonders bequem sind die Bänke nicht, da dürften ruhig Sitzkissen angeschafft werden. Aber auf Nachfrage gab es eine flauschige Decke, die sofort den Komfort erhöhte.

 

Die verkosteten Speisen

Kölsche Tapas: Alter Gouda, Flönz, Tagesuppe, Zwiebelmett, herzhaftes Herzogenhofbrot

Diese Kombination hatte ich bereits beim ersten Besuch probiert und auch gelobt. Damals waren die Zutaten auf einem großen Teller, heute kamen sie auf einem schönen kleinen Holzbrett. Leider war die Käseportion zum letzten Mal deutlich kleiner. Aber Mett und Wurst waren unverändert und sehr lecker. Als Tagessuppe kam heute eine Broccoli-Creme-Suppe dazu. Auch sie war gut abgeschmeckt.

Die Curry Woosch: Unsere Metzgercurrywurst mit einer rassigen, aber trotzdem milden Currysauce nach einen alten Berliner Rezept (auf Wunsch auch extra hot!) – dazu unsere Brauhaus Pommes Frites

Meine Frau mag besonders gerne Curry-Wurst. Sie war mit dem Geschmack der Wurst zufrieden. Die Sauce hat sie normal ohne Zusatzwunsch bestellt. Sie würde sie demnächst etwas pikanter wünschen. Die Pommes sind wieder gut ausgefallen: breit, knusprig und innen leicht weich. Dazu wird Majo und Ketchup von Markenherstellern in kleinen Plastikflaschen angeboten.

½ Hähnchen aus unserer Rôtisserie: aus ausgesuchter bergischer Hofhaltung, mariniert mit einem würzigem Süßpaprika-Rub – knusprig am Spieß gegrillt, serviert mit Brauhaus-Fritten aus frischen Kartoffeln und einem Gurken-Kräuterschmand.

Seit Jahrzehnten habe ich wohl kein Brathähnchen mehr gegessen. Zu Studentenzeiten war es damals ein Grundnahrungsmittel. Insgesamt habe ich zu den „Gummiadlern“ ein geteiltes Verhältnis. Jetzt wollte ich es aber doch noch einmal wissen. Und ich habe es auch nicht bereut. Die Haut war komplett vorhanden und recht würzig und knusprig. Flügel, Bein und Brust schmeckten jeweils typisch: Die Flügel sehr knusprig. Der Schenkel saftig und die Brust zart. Mehr konnte ich nicht erwarten und war sehr zufrieden. Die Pommes gefallen mir auch. Vielleicht hätte ich mir noch ein klein wenig Salat gewünscht; doch ein Extrateller wäre mir auch zu viel gewesen. Die Schmand-Mischung passte gut zum Fleisch und auch den Kartoffeln.

Gefülltes Landschweinschnitzel: gefüllt mit Schinken, Bergkäse und Schmorzwiebeln, kräftige Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln und ein kleiner Saisonsalat

Dieses Gericht wäre meine zweite Wahl gewesen. Die Beschreibung erinnerte mich an Cordon bleu; in einer deftigen Schweine-Variante. Meine Tochter hat mich auch probieren lassen. Die Füllung war sehr gut gemacht und würzig abgeschmeckt. Die Panierung hätte ich mir gleichmäßiger und etwas knuspriger vorstellen können. Aber der Geschmack war angenehm und sicher werde ich es irgendwann einmal auch bestellen. Die Kartoffel-Kreation entsprach in einem Teilaspekt völlig der Beschreibung: Sie war kräftig und deftig im Geschmack. Doch Bratkartoffeln sollten vielleicht knusprig und leicht gebräunt sein. Diese waren eben weich und cremig; sicher auch eine Möglichkeit – und auch hier der Geschmack recht angenehm.

Der kleine Salatteller war wiederum perfekt gestaltet. Frische Blätter und feines Dressing.

Genau diese Größe wünschte ich mir zum Hendl.

Fazit

4 – gerne wieder. Wir werden nicht unbedingt dort einen längeren Aufenthalt planen. Aber hier ist mittags geöffnet und als Rast oder Pause (wenn wir zum Beispiel im benachbarten REWE-Markt einkaufen) sehr gut geeignet. Und es gibt noch einige Gerichte, die auch probiert werden wollen.

Das Lokal hat durchaus den Charme für ein Bierhaus. Fürs „Entspannen“ scheint mir das Brauhaus genau richtig.

Fürs „Genießen“ werde ich aber weiterhin in die „Post“ (eine Haltestelle weiter) gehen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 

 

 

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Juni 2021: Schwäke - ein Genuss

Schwäke ist empfehlenswert – ich stehe dazu!

Allgemein

Durch die sinkenden Zahlen bei Corona dürfen sich wieder mehr Menschen treffen. Gleichzeitig richten sich Restaurants aufs Neue auf die geänderte Situation ein. Die Türen wurden geöffnet.

Das Gasthaus Schwäke passte sich stets schnell an. Abholen und liefern gehörte zum Alltag während der Schließzeiten. Nun gab es zuerst nur Außengastronomie und eben anschließend auch die Restaurant-Öffnung – nur der Mittagstisch fehlt noch.

Ein guter Bekannter, der wie ich Essen schätzt und auch weitere Hobbys mit mir teilt, wollte sich nach Monaten gerne mal wieder mit mir treffen. Davon war ich direkt angetan und schlug einige Adressen vor. Wir einigten uns schnell auf Schwäke am Abend.

Ambiente

Das Lokal war recht gut am Abend besucht, denn es war gar nicht so leicht einen Parkplatz in Hausnähe zu ergattern.

Das Wetter war eher kühl und es sah nach Regen aus – da war der Biergarten total leer.

Am Eingang wurden wir empfangen und auf den reservierten Platz gebracht.

In dem kleinen Raum in Thekennähe standen vier Tischgruppen, die auch alle (im Laufe des Abends) besetzt waren.

Dieser Bereich war im Stile eines Gasthauses gehalten: Stabile Tische und Stühle; wenig Tischdekoration, Papierservietten, einfaches Besteck, Wein- und Wassergläser.

Service

Die Kräfte waren alle freundlich und dem Gast zugewandt. Holger ist wohl so etwas wie der Restaurantleiter. Er gab gerne Auskünfte und empfahl uns den begleitenden Wein. Insgesamt wirkte er etwas wie ein kölscher Köbes: Im Inneren herzlich und äußerlich etwas rau bzw. kernig, also ein echter unverwechselbarer Typ. Auf jeden Fall aufrecht und ehrlich.

Die Karte(n)

Es gab das Schlemmermenü und eben einzelne Gänge als Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch.

Wir wählten aus der Karte jeweils drei Gänge.

Gruß aus der Küche

asiatisach-chinesische Nudel, geräucherter Lachs, Wasabipaste

In einem kleinen Gläschen war diese kleine Speise angerichtet. Sie war etwas schwer auf das Gäbelchen zu bringen, aber dafür sehr aromatisch und vielschichtig im Geschmack.

Die verkosteten Speisen 

 Cobiafilet aus Panama - mit Ananas-Chili-Sorbet - Gurkenvariation / Pastinake / Ananas / Yuzu

Die Kombination wurde von meinem Bekannten gelobt und als gelungen und schmackhaft bezeichnet.

Verkehrte Welt - Vitello Tonnato von Gelbflossen Thunfisch mit Saiblingskaviar - Kurzangebratener Thunfisch / Kalbsjus / 3mal Sellerie / Oliven / Kapernschaum / Nussbutterbrösel

Diese „Umkehrung“ hat mir äußerst zugesagt: Thunfisch-Filet angebraten also am Stück und Kalbsfeisch-Sauce als Creme. Der Geschmack war auch sehr angenehm. Der Thun war eben noch innen rosa-roh und außen schön ummantelt mit Sesam. Der Kaviar befand sich auf einer hauchdünnen knusprigen Platte. Der Schaum war kräftig abgeschmeckt. Die Brösel, einige frische Kräuterblättchen und die Sellerie-Komponenten rundeten den Gang perfekt ab.

Argentinisches Rinderfilet unter einer Kruste von getrockneten Tomaten und Pinienkernen Jus / Romana Salatherz / Parmesan / Gebratener weißer Spargel / Vaudauvan Hollandaise / Ochsenherztomate / Cesar Cream / Fregola Sarda

Auch das Hauptgericht mundete und gefiel.

Wiener Schnitzel im Butterschmalz Gold Braun gebraten - mit Porzer Stangenspargel l Vadauvan-Hollandaise / Hand gerührte Preiselbeeren / Wildkräutersalat / Kartoffelgurkensalat

Ich habe mich aus mindestens zwei Gründen für das Schnitzel entschieden: Zuerst wollte ich gerne die wohl letzten Spargelstangen der Saison 2021 probieren und außerdem war ich neugierig auf den Klassiker.

Und ich muss sagen, es war eine gute Wahl. Das Schnitzel war sehr dünn plattiert worden. Die Hülle war wunderbar gebräunt und extrem wellig. Das Fleisch hatte Saft und Kraft. Es war sicher eines der besten Wiener, die ich je probiert habe. Selten finde ich sie besser als meine eigenen Ergebnisse zu Hause – heute war es aber der Fall.

Die Preiselbeeren war gut angemacht. Den Kartoffel-Gurken-Salat habe ich wohl auch bisher kaum besser serviert bekommen.

Der Salat war frisch und gut abgeschmeckt. Da wollte auch der Spargel nicht zurücktreten: Die Stangen waren gar, aber hatten noch leichten Biss und die Hollandaise war auch gelungen; durch die Gewürzmischung Vadauvan wurde sie noch aufgepeppt.

Die Ersten Italienischen Platt Pfirsiche - dazu Tahiti Vanille und Schokoladenfondant / Pfirsichsorbet / Pfirsich-Mandel-Tarte / Schokocrumble

Die Vielzahl der Komponenten kam sehr gut an.

Nicks saftiger Schokoladen-Brownie – Kirschen / Dolce Karamell /Sorbet /Crumble / Schokolade (8,90 €)

Ich liebe Brownies, wenn sie saftig und schokoladig sind und das war genau der Fall. Zuerst bekam ich einen Schreck, als ich sah, dass der „Kuchen“ mit einer cremigen Masse umhüllt war. Aber der erste Happen versöhnte mich sofort; es war die passende Abrundung zum Gebäck. Die beiden „Eis-Kreationen“ waren recht unterschiedlich: einmal fruchtig einmal cremig und machten auf mich einen schmackhaften Eindruck. Die Schokoladenpaste und die buttrigen Streusel brachten weitere Geschmackselemente. Auch die Kirschhälften gehörten dazu, konnten jetzt aber keine besonderen Akzente setzen, aber das mussten sie auch nicht; denn der Teller zeigte ein Feuerwerk an fienen Süßspeisen.

Für mich hat sich bestätigt, dass das Gasthaus Schwäke mit Dominik Eßer an der Spitze zu meinen absoluten Lieblingsrestaurants gehört. Immer kleine Überraschungen in der Aromatik, aber auch klassisches zuverlässiges Handwerk. Die Freude am Kochen glaube ich zu erspüren.

Getränke

Taunusquelle 0,75 l medium

2020 Blanc de Noir trocken / Gutswein / Meier / Pfalz (0,75 l )

Ein Rotwein als Blanc de Noir - Weiß aus Rot. Aromen von Birne, Apfel und Quitte. Der ideale Essensbegleiter im Sommer.“, stand auf der Karte.

Die Flasche war gut gekühlt und passte köstlich zu allen Speisen, außer dem Nachtisch natürlich; denn dafür war er zu herb bzw. trocken. Doch die Flasche war ja auch schon leer und Kaffee passt zum Dessert auf jeden Fall.

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Ich glaube, dass man hier nicht meckern darf: Die Zutaten sind gut, die Verarbeitung pefekt. Aber etwas teurer als vor Corona – doch moderat.

Fazit

5 – unbedingt wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 30.06.2021 – abends – 2 Personen

 

Das Lokal hat einen Biergarten und natürlich gibt es mehrere Sorten vom Fass.

 

 

 

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taku *, Köln - Menübox

Die taku-Menu-Box macht Freude - und aus den „Resten“ lässt sich am nächsten Tag mit kleinen Ergänzungen nochmals köstlich speisen

Allgemein

An einem Dienstag gab es etwas zu feiern. Daher wollten wir nicht selber kochen, sondern nur die Weinflasche(n) selber aussuchen.

Da haben wir das taku wieder gewählt: Es ist mit der Bahn gut zu erreichen, es packt jeden Tag nach vorheriger Anmeldung frisch die Box zusammen und es war schon beim ersten Mal sehr lecker.

Die Homepage verspricht: „Wir wechseln unser Menü in regelmäßigen Abständen und legen dabei stets größten Wert auf einen möglichst geringen Zubereitungsaufwand für Dich zu Hause. Unser Menü besteht aus einer Vorspeise, einer Suppe, einem Hauptgang und einem Dessert. Lediglich die Suppe und den Hauptgang musst Du hierbei noch erwärmen und das gestaltet sich kinderleicht und erfordert keinerlei Fachkenntnisse.“

Die Bestellung geht eigentlich übers Internet. Aber es wird auch telefonisch geholfen. Der Mitarbeiter an der Rezeption nahm sehr freundlich die Bestellung auf. Und kurze Zeit später kam die Bestätigung durch den Küchenchef als Mail zurück.

Es war ein richtiges „Sauwetter“ und da machte der „Ausflug“ nach Köln zuerst kaum Spaß; denn offener Regenschirm und Einkaufs-Trolley sind etwas „lästig“. Doch dann kam der Bus pünktlich und die S-Bahn enbenfalls; da wurde die Stimmung besser. Und dann war der Gang vom Hauptbahnhof zum Hotel Excelsior relativ trocken. Am Eingang stand ein Mitarbeiter und begrüßte mich freundlich: „Sie wollen sicher Ihr Essen abholen!“ Er nahm mir den Schirm ab und an der Rezeption konnte ich gleich die Rechnung begleichen und nach wenigen Minuten brachte eine Küchenkraft das Paket und die Tragetasche und verstaute sie fachgerecht in den „Wagen“.

Zurück zum Bahnhof ging es schnell und auch der Rückweg verlief ohne Komplikationen.

Zu Hause konnte es dann nach einer kurzen Verschnaufpause direkt zur „Sache“ gehen; denn im Zug hatte ich schon einmal die Zubereitungstipps überflogen.

Nun wurden die Päckchen, die alle gut beschriftet waren, rasch den vier Gängen zugeordnet.

Die verkosteten Speisen

Gauls Menübox vom 7. Mai bis 31. Mai 2021

Brot und Butter

Das Brot sollte noch im Ofen außen knusprig aufgebacken werden. Dieses Mal habe ich auch etwas Wasser in Röhre gestellt und so wurde es richtig lecker.

Zusammen mit der Butter oder zum Aufnehmen von Sauce-Resten war es äußerst köstlich.

VORSPEISE

YAM NUA (Thai-Salat) vom Kalbsrücken mit Bärlauch, Tomate und Kräutern

Die Hauptkomponenten waren fast fertig zusammengestellt in einer Pappbox. Der Inhalt wurde mit einer breiten Palette (Küchengerät, das aus einem Griff sowie einem langen und flachen, gleichmäßig breiten, biegsamen Stahlblatt mit abgerundeter Spitze besteht) vorsichtig auf einen Teller gehoben. Mit einem Löffel wurde dann noch etwas Yam-Nua-Marinade aufgetragen. Zum Abschluss verteilten wir noch etwas Röstzwiebeln und -knoblauch aus einem Döschen über das Gericht.

Die kleinen Tomaten, die frischen Salatblätter und Kräuter (Minze und Koriander waren deutlich spürbar aber gekonnt eingesetzt) wurden kongenial von der Bärlauch-Jus eingebunden. Das Fleisch war zart und saftig.

Ein sehr erfrischender und genüsslicher Einstieg.

SUPPE

SHIITAKE-TEA (intensive klare Pilzebrühe) mit Edamame, Udon-Nudeln und Pilzen

Der Pilz-Tea war in einem Beutel eingeschweißt und sollte kurz in einem Topf erhitzt werden. Aus einem weiteren Beutel sollten dann die dünnen Nudeln für eine Minute zur Suppe gefügt werden.

In die Teller kamen dann zuerst die Bohnen; dann kam die Brühe mit den Nudeln hinzu. Und am Ende Sollte noch etwas Früh- und Schnittlauch über das Gericht gestreut werden.

Das war dann auch getan – und der zweite Gang wurde in aller Ruhe verzehrt. Auch dieses Zwischengericht war ganz nach unserem Geschmack.

 

HAUPTGANG

SEAFOOD-HOTPOT

mit Zander, Muscheln und Chinakohl

Vor der Suppe hatten wir getreu der Anweisung schon einen mittelgroßen Topf mit Wasser gefüllt und auf etwa 60 Grad Celsius erhitzt; denn die beiden Beutel mit Hotpot-Sud und Chinakohlgemüse sollten etwa eine Viertelstunde erwärmt werden. Auch der Backofen sollte 140°C erreichen und dann für sechs Minuten die Schale mit Fisch, Garnele und Muscheln beherbergen.

So konnte schon zeitnah auch der Hauptgang angerichtet werden.

Der Vorschlag zum Anrichten lautete: Zuerst den Chinakohl auf den Teller geben, dann reichlich Hotpot-Sud außen herum um das Gemüse gießen und schließlich das Seafood auftragen. Die kalten Eiernudeln waren dann als Beilage gedacht.

Im Nachhinein hätten wir persönlich wohl besser den Fisch, die Garnele, die Jakobsmuschel und die große Muschel in warmer Nussbutter in einer Pfanne erhitzt; denn wir mögen wohl die Meerestiere lieber leicht gebraten als sanft pochiert.

Aber der Eigengeschmack der Zutaten kam schon sehr fein zum Tragen, aber es wirkte auf uns etwas zu „roh“ und recht „glasig“.

Insgesamt war es jedoch eine neue Erfahrung.

SÜßER ABSCHLUSS (von Executive Pastry Chef Fabian Scheithe)

LIMETTE (als Törtchen) mit Himbeere und Pistazie

Der Nachtisch war auf einem keinen goldfarbenen Papptablett angerichtet und konnte leicht auf den Teller besetzt werden.

Wie es sich gehört, war das Gericht wirklich süß. Nicht pappsüß; denn es gab durch die Limette und die Beeren auch einen Hauch von Säure!

Unten befand sich wohl ein Mürbeteigboden, der fest aber gut mit der Gabel zu teilen war. Darüber war eine erste Schicht Creme mit Limetten- und Himbeergeschmack. Dann folgte innen nach unserer Einschätzung ein Bisquit-Teig, der mit einer süßen Paste oder Flüssigkeit getränkt worden war. Außen waren kleine „Zacken“ flächendeckend aufgetragen worden. Einige Pistazienstückchen befanden sich zusätzlich an der Oberfläche. Obenauf - als Bekrönung - waren noch weitere Himbeerstückchen positioniert.

Ein gelungener Abschluss.

PRALINEN (4 Stück) in den Geschmacksrichtungen: Honig-Haselnuss, Zartbitter, Champagner, Vanille

Ein paar Pralinen gehen immer. Wir haben uns noch einen Espresso dazu gekocht. So hatten wir insgesamt einen genüsslichen Tag.

Nachtrag

Meist bleiben bei uns aus Genuss-Boxen einige Zutaten übrig; so war das auch heute. Die „Reste“ werden dann gebührend in neue selbst gekochte Gerichte integriert oder als Vorspeise genutzt. Aktuell waren etwas Brot und Butter, Yam-Nua-Marinade, Shiitake Tea, Nudeln, Frühlauch, Hotpot-Sud. Dazu haben wir auf dem Markt ein Stück Lachsforelle und zwei kleine Römersalate gekauft; fertig waren zwei Gänge für Mittwoch, die auch ausgezeichnet geschmeckt haben – Wein war ja auch noch da.

Getränke

Alois Lageder Al Passo del Leone Bianco IGT 2018 Demeter verifiziert

Castell Schlossberg Großes Gewächs Silvaner trocken 2015

PUJOL Muscat de Rivesaltes Vin Doux Naturel 0,75 BIO

Die Flaschen aus unserem Bestand erwiesen sich als gute Begleiter (Wir trinken eine Flasche natürlich zu zweit nicht leer, sondern verbrauchen sie an anderen Tagen zu den aktuellen Speisen – in der Regel haben wir je Rote, Weiße und Süße im Anbruch und setzen sie dann zeitnah ein – eine Woche sind Weine meist im Kühlschrank und Luft abgepumpt gut haltbar).

Fazit

4 – gerne wieder. Das Haus für asiatische Genüsse bleibt für uns ein lohnendes Ziel.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum der Verkostung: 18.05.2021 – Lunch – 2 Personen

 

 

 

 

 

 

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Osteria del Corso, Bergisch Gladbach

Auch einige Tage hintereinander schmecken Pizze gut - dann reicht es auch wieder mal.

Allgemein

In der Woche vor Ostern haben wir uns überwiegend von Pizza ernährt. An Palmsonntag waren wir damit eingestiegen und haben auch danach verschiedene Sorten bestellt.

Service

Die Bestellung klappte immer gut über Telefon. Und das Abholen wurde schon Routine. Wir haben auch die „Verpackung“ für uns professionalisiert und meist die Gerichte in eine eigene Styropor-Box gepackt. Zu Hause haben wir die Pizza kurz in den Backofen gegeben.

So waren wir durchgängig zufrieden – natürlich hätten wir lieber gehabt, dass die Osteria die Lieferungen übernehmen würde. Aber es ist eben eigentlich ein Restaurant und kein Bringdienst.

Aber die Qualität ist für uns am Ende noch wichtiger als die Bequemlichkeit – und in der Woche fahren die Busse auch viel öfter als am Wochenende.

Die verkosteten Speisen 

gemischte Vorspeisenplatte groß: Vitello Tonnato., Culatello Schinken, Riesengarnele in Knoblauch, Pulposalat, Gemüse, Büffelmozzarella

Zusammen mit etwas frischem Brot ist diese Platte für zwei Personen als Mittagessen völlig ausreichend.

Vitello mögen wir gerne. Der Schinken ist würzig und wunderbar aromatisch. Die Garnele war auch kalt ein leckerer Happen. Meine Frau ist kein Pulpo-Fan; aber da bleibt eben mehr für mich – und ich gebe etwas Schinken dafür ab. Das Gemüse bestand aus Paprika, Aubergine und Zucchini – und das geht eigentlich immer bei uns, wenn es nicht zu weich ausfällt. Hier war es genau richtig.

Pizza Salame (Kindergröße)

Unsere Enkel essen am liebsten Salami-Pizza mit ganz viel Käse überbacken und natürlich auch Pasta mit Tomatensauce. Somit kam das Gericht an – aber sie hätten gerne noch mehr knusprigen Käse gehabt. Das ist machbar, denn man kann sich Zusatz-Produkte ausdrücklich dazu bestellen.

Pizza Calabrese: scharfe italienische Salami

Diese Sorte mag meine Frau am liebsten. Die Wurst ist anders als übliche Salami gewürzt und daher pikanter.

 

Pizza Salmone: Lachs, Knoblauch

Wir mögen Lachs recht gerne, daher hatten wir an diese Pizza wohl besonders hohe Erwartungen. Sie war auch schmackhaft aber für uns war sie nicht so überzeugend wie erhofft.

 

Pizza Emiliana: frische Tomaten, Rucola, Culatello (roher Schinken), Grana Padano

Wegen dem Schinken haben wir diese Pizza ausgesucht; jedoch hatte ich leichte Bedenken wegen des Rucola; denn meine Frau hat überwiegend nicht gerne grüne Blätter in Gerichten, außer wenn es eben ein Salat ist. Doch diese Pizza stellte sich für uns als Volltreffer heraus. Die Harmonie von Tomaten, Rucola, Schinken und Käse war unser Geschmackserlebnis.

 

Familienpizza Tonno e Cipolla: Thunfisch, Zwiebeln

Der Klassiker wusste zu überzeugen, konnte aber nicht den ersten Platz erreichen. Zwiebeln und Thun passen einfach zusammen.

Die große Pizza hätte wohl auch für drei Personen gereicht; ob es für eine ganze Familie reicht, hängt sicher vom Hunger und der Anzahl der Köpfe ab.

Pizza Quattro Formaggi:  Mozzarella, Gorgonzola, Ziegenkäse, Grana Padano (ohne Tomatensauce)

Der Teig war dünn und gleichmäßig ausgerollt. Der Rand fiel etwas dicker und knuspriger aus. Die Unterseite hatte gleichmäßige Backspuren.

Der Gorgonzola war eher von einer cremigen Sorte und würzig mild. Auch der Ziegenkäse war moderat im Aroma. Mozzarella und Padaono passten harmonisch dazu. Mir gefiel, dass der Boden nicht mit Tomatensauce bedeckt war, sondern ebenfalls käsig, sahning wirkte.

Mir hat die Aromatik sehr zugesagt.

Pizza Sfiziosa: Gorgonzola, scharfe Salami, Basilikum

Meine Frau war von ihrer Bestellung sehr angetan. Der Geschmack vom sanften Gorgonzola in Verbindung mit der würzigen Salami gestaltete sich angenehm scharf. Das süß-herbe Moment von Basilikum und Tomatenpaste unterstrich die Richtung.

Also auch ein Treffer.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Für uns zählt vor allem die Qualität. Und die stimmt hier; da zahlen wir lieber ein paar Cent mehr als bei Lieferando und Co und sind zufrieden.

Fazit

4 – gerne wieder. Aber dann auch wieder mal etwas anderes aus der umfangreichen Karte. Noch lieber in der Osteria im Gartenbereich vor Ort. Doch da werden wohl noch einige Abholtermine oder Bringdienste vorher ins Land gehen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 

 

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Rademacher abholen

Etwas mehr Überraschung hätten wir uns gewünscht

Allgemein

Marlon Rademacher hat es geschafft. Der Michelin 2021 bescherte dem Haus den Stern (GaultMillau meint es mit 14 Punkten nicht ganz so gut; Feinschmecker gibt F+; Gusto:6 Pfannen). Somit wollte ich natürlich auch einmal hier ein größeres Menü verkosten. Täglich wird ein Abhol-Essen angeboten. Aber der Lunch hat uns schon vor Corona nicht ganz überzeugt (auch wenn er preislich recht günstig ist).

Das Ostermenü sagte uns auf der Homepage jedoch zu.

Mit der S-Bahn ist es auch noch leicht und schnell zu erreichen; denn das Lokal liegt nahe am Haltepunkt.

Service

Am Telefon meldete sich eine freundliche weibliche Stimme und nahm die Bestellung auf. Wir verabredeten eine Abholzeit und schon war ein Lunch gesichert. Schließlich wollen wir über die Feiertage nicht (nur) selber kochen.

Es folgte eine Email-Bestätigung und eine Abholzeit-Vereinbarung.

Ich bekam einen kleinen Schreck als vor dem Eingang zum Restaurant eine kleine Schlange anstand. Es ging auch gefühlt nur langsam vorwärts. Aber die Mitarbeiter*innen prüften auch jede Bestellung und erklärten die Zutaten kurz. Die ganze „Truppe“ war wohl vor Ort und machte sich nützlich. Am Ende war ich nur 30 Minuten in Dellbrück und erreichte ohne Mühe die S-Bahn zur Rückfahrt.

Alle Zutaten kamen bei uns heil an und wanderten in eine Kühlbox. Die Anleitung zum Fertigstellen des Menüs nahm ich mir natürlich sofort vor.

Die Karte(n)

Montags bis freitags gibt es ein kleines einfaches Menü, das wöchentlich wechselt (29,00 €). Und eben jetzt das Ostermenü (55,00 € pro Person). Man kann auch noch „Kleinigkeiten“ dazu bestellen. Auch Weine werden angeboten.

DIE GERICHTE SIND MIT ANLEITUNG FÜR ZU HAUSE VERSEHEN. VORBESTELLUNGEN BIS EINSCHLIEßLICH MONTAG, 29.03.21 MÖGLICH.“ (Homepage)

Die verkosteten Speisen 

ROGGEN-SAUERTEIGBROT - Französische Landbutter (8,00 €)

Das Brot war angenehm knusprig und würzig in der Krume. Sicher eines der besseren Sorten, die wir bei den Cornona-Menüs bisher erhalten haben.

Dazu war die Butter in einer Form zu einer Buddha-Statue gepresst worden. Das sah immerhin recht originell aus, auch am Geschmack war nichts auszusetzen.

Das Oster-Menü:

BLACK TIGER GARNELE - Auberginen Tarte | confierte Tomate

Die Garnelen waren in einer Ölmischung, die mit Knoblauch und Rosmarin versehen war, in einem Vakuumbeutel untergebracht. Sie mussten kurz in einer heißen Pfanne angebraten werden. Die Tarte brauchte nur Raumtemperatur. Zuletzt wurde der Wildkräutersalat noch in der Marinade gewürzt.

Dann konnte schon angerichtet werden: Salat auf die Grundfläche, die Tarte in die Mitte und die Garnelen daneben.

Das Auberginenpüree bzw. -paste oder -creme war fein gewürzt und ergab ein angenehmes Aroma zusammen mit den Tomatenstückchen und dem Teigboden. Der Salat war mild abgeschmeckt und zeigte eine Vielzahl an Aromen der beteiligten Kräuter- und Salatblätter.

Die Garnelen passten gut zum Teller und rundeten ihn ab.

BÄRLAUCH SÜPPCHEN

Die Suppe war in zwei Abteilungen abgepackt. Einmal die cremige, sahnige, helle Grundbrühe in einen Plastikbeutel und grüne Bärlauchbutter in Folie.

Die Velouté sollte gut erhitzt werden und dann mit der Butter aufgeschäumt werden.

Das ließ sich leicht bewerkstelligen und schon war die Creme-Suppe fertig.

Aus dem häuslichen Beet auf dem Balkon habe ich noch frische Bärlauchblätter als Topping verwendet.

Das Süppchen hatte klare Aromen von Bärlauch und war angenehm in der Konsistenz.

KALBSBRATEN - Frühkartoffeln | Kohlrabi | Petersilienpüree | Thymian-Jus

Fleisch und Sauce waren in einem Beutel und wurden von dort aus in einen Topf befördert und langsam erhitzt.

Gemüse und Sud befanden sich ebenfalls zusammen in einer Vakuum-Verpackung. Die Flüssigkeit wurde zuerst erhitzt und dann das Gemüse dazugetan; somit konnte die Flüssigkeit etwas verdampfen und das Gemüse später glasieren.

Die vorgegarten Kartoffeln mit Schale waren in einer Alu-Schachtel und sollten im Backofen erwärmt werden – wir haben uns jedoch dazu entschieden, daraus Bratkartoffeln zu machen. Meine Frau wollte wie immer keine Sauce auf den Teller und ich mag Kartoffeln auch gerne etwas kross.

Das Petersilienpüree diente zur Dekoration des Tellers und sollte als „Strich“ über den Teller aufgetragen werden.

Das Fleisch war sehr zart und butterweich, fast wie ein Bäckchen. Die Portion war anständig groß. Der Geschmack und die Art des Garens erinnerten uns an „Omas Sonntagsbraten“. Das war nicht schlecht, aber es hätte für uns etwas raffinierter ausfällen dürfen. Die Sauce war angenehm abgeschmeckt und passte zu Fleisch und Kartoffeln.

Das Gemüse bestand neben Kohlrabi auch noch aus Stückchen von Zwiebel und Spargel. Es war nicht verkocht, sondern hatte noch Biss und war daher angenehm im Mund und ließ auf die einzelnen Bestandteile noch schließen; sie waren noch schmeckbar. Die Jus verband die Elemente gelungen.

UNSER STERN - Rhabarber | weiße Schokolade

Hier musste nur der Teller belegt werden, alle Teile waren fertig. Das Rhabarer-Kompott sollte die Grundlage bilden. Der Stern kam in die Mitte. Darüber konnten kleine Stückchen weißer Schokolade gestreut werden. In einem Spritzbeutel war noch Vanille-Creme bzw. Pudding.

Die einzelnen Komponenten waren grundsätzlich gut gewählt. Uns – und das ist natürlich Geschmackssache – waren alle Teile viel zu süß gehalten: Der Rhabarber zeigte für uns keine Säure mehr – sie hätte sonst einen Gegenpart zu den Creme-Teilen bilden können. Auch die Vanille-Creme war recht zuckrig. Weiße Schokolade ist eigentlich immer recht süß. Der Stern, der optisch durch seine rötliche Außenhaut, den Mittelpunkt bedeutete, war wohl aus Erdbeerschokolade und süß. Innen die weiße Creme war schön fluffig, weich und süß. Eine rote Cremekugel befand ich im Inneren – wohl ebenfalls aus roten Früchten bestehend – war auch zuckrig.

Uns war das zu einseitig ausgerichtet. Wir haben nichts gegen „Zucker“, aber etwas Säure hätte nicht geschadet.

Getränke

Wir haben wieder auf die Haus-Vorräte gesetzt und Riesling und Spätburgunder zum Essen getrunken. Der liebliche Weißwein von Zeter wirkte fast trocken zum Nachtisch; vielleicht wäre ein herber Sekt die passende Begleitung gewesen.

Fazit

3 – wenn es sich ergibt; aber das sollte dann wohl am Abend im Restaurant sein; damit die Küche aus dem vollen schöpfen kann und nicht auf das Fertigstellen zu Hause Rücksicht nehmen muss. - Das Personal scheint freundlich und empathisch zu sein und die Küche wird sicher zeigen wollen, wo der Stern hängt.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 

 

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Das Abholmenü von heinzhermann ...

... hat uns sehr zugesagt!

Allgemein

Zu Corona-Zeiten bereiten wir überwiegend unsere Gerichte selber zu. Damit nicht zu viel Routine entsteht, wird auch immer wieder etwas Neues ausprobiert. Gott sei Dank sind dazu die Zutaten weiterhin gut zu bekommen; denn Metzger und Markt haben so gut wie keine Beschränkungen.

Doch die Freude am Genießen wird gesteigert, wenn jemand anders die Speisen schmackhaft zubereitet und mit besonderen Komponenten überrascht.

Daher muss ein Bringdienst oder Lieferservice diese Genuss-Momente erzeugen.

Natürlich muss das Ergebnis so ausfallen, dass es die eigenen Leistungen am besten übertrifft.

So sind zum Beispiel die Berichte von tischnotizen stets eine wichtige Quelle für eine mögliche Bestellung; denn hier sind wir sicher, dass das Essen eine hohe Qualität aufweisen wird; wenn es von ihm Anerkennung erfährt.

Auch die Texte anderer Gourmet-Freunde sind hilfreich; aber die beschriebenen Restaurants sind leider auch oft außerhalb unserer Reichweite.

Service

Wenn es also keinen Bringdienst gibt, muss aber das Abholen relativ „einfach“ sein. Das heißt die Adresse sollte in der Nähe einer Haltestelle liegen.

An diesem Wochenende fiel daher die Wahl auf „heinzhermann“. Das Menü sprach uns an und der Kölner Hauptbahnhof ist (auch) ganz nah.

Auf der Homepage wurde das aktuelle Menü vorgestellt. Dann musste ich nur eine Mail schicken. Darauf erhielten wir auch umgehend eine Zusage. Sogar eine Abänderung war möglich.

So fuhr ich also erwartungsfroh mit der S-Bahn nach Köln. Ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs liegt die Johannissttaße. Die Bestellung wird im „Weinhandel“ übergeben.

Maximilian Lorenz und Enrico Hirschfeld sind zuständig für das Gourmet-Restaurant „ML“ und für Weinlokal „heinzhermann“. Aber auch der „Alte Lindenhof“ in Bergisch Gladbach und die Streetfood-Einrichtung „Pig Bull“ sowie der „Wein- und Genusshandel“ werden von Maximilian Lorenz geführt.

Nach wenigen Minuten stand ich im Geschäft.

Ein freundlicher Mitarbeiter packte mir die „Menü-Tasche“ in meinen Einkaufs-Trolley, schnell bezahlt und schon schaffte ich es sogar noch die nächste Bahn für die Rückfahrt zu erreichen.

Die Beschreibung der Zutaten und die Vorschläge zur Anrichtung konnte ich schon im Zug überfliegen und mit Freude feststellen, dass wirklich nicht viel zu tun war.

Leider kam noch eine Mail etwas später: „Sie haben heute das Weinmenü bei uns im Weinladen abgeholt, leider habe ich dazu vergessen das Brot einzupacken. Es tut mir sehr leid. Natürlich haben Sie die Möglichkeit das Brot bis 18 Uhr noch abzuholen. Als Wiedergutmachung würde ich Ihnen gerne beim nächsten mal eine Flasche Wein aufs Haus geben.“

Also nochmals bin ich nicht nach Köln gefahren, aber die Flasche Wein möchte ich mir schon noch sichern.

Die Bestellung

Unser Weinmenü“ lautete der Titel zu den Gerichten; denn man kann eben auch noch eine Weinbegleitung erhalten. Doch ich habe auf den eigenen Keller gesetzt. Sicher werde ich mir in Zukunft den Wein-Laden in Ruhe ansehen.

Vorweg

Roggensauerteig-Brot vom BUTTERBÄCKER - Aufgeschlagene Butter mit geräuchertem SYLTER MEERSALZ

Diesen „Gang“ haben wir dann mal „ausgelassen“.

GELBFLOSSENTHUNFISCH – TATAKI - Glasnudeln | Sesam | Kimizu

Die Zutaten waren in vier Päckchen untergebracht. Sie konnten leicht entnommen werden und gleich auf die Teller gebracht werden.

Die Küche macht dazu keine Vorschläge, sondern ermutigt den Kunden alles nach eigenem Geschmack anzurichten.

Wir haben also den Glasnudelsalat in eine runde Form gegeben und im Zentrum platziert. Die japanische Dip-Sauce haben wir später auf die Thunfischstücke drapiert. Die Tatakistücke haben wir jeweis außen an den Salat gelegt. Dann haben wir noch etwas gepufften Quinoa wie Hagelkörnchen über das Gericht gestreut.

Der Thunfisch war angenehm mariniert worden und mit schwarzem Sesam umgeben. Im Salat waren die Glasnudeln mit leicht gesäuerten (eventuell fermentiert) Gemüsestückchen angereichert. Die Würze war angenehm ausgewogen und nicht scharf.

Die Kombination hat uns zugesagt.

Gegrillter Römersalat - Sonnenblumenkernsalsa | gereifter Ziegenkäse | Estragon

Schön ist es, dass man beim Selberanrichten die Deckelchen öffnen und probieren kann – anders als im Restaurant. So probierte meine liebe Frau den gereiften Ziegenkäse und befand umgehend, dass dieses Teil niemals auf ihren Teller kommen darf. Jedoch der Ziegenfrischkäse mit Estragon passierte die Kontrolle. Und die Sonnenblumensalsa wurde sogar gelobt.

Also die kleinen gegrillten Römersalat-Hälften in das Zentrum des Tellers und fröhlich Salsa darüber und die Creme daneben und auf einem Teller noch der kräftige Ziegenkäse.

Auch diese Zusammenstellung (mal mit Ziege und mal ohne) sagte uns überaus zu.

GAZPACHO VERDE

Die frisch-grüne Suppe konnte fast direkt auf den gekühlten Teller fließen; jedoch haben wir den Inhalt des Beutels erst in eine kleine Kanne gefüllt. So konnte das Geschirr sauber befüllt werden – und eine Portion wird auch erst Morgen verputzt werden.

Wir haben überlegt, ob etwas Dekoration aus unserem Balkon-Beet das Aussehen steigern kann; aber es sah nicht unbedingt besser als die pure Gazpacho verde aus.

Jedenfalls erhaben die grünen Zutaten eine ausgezeichnete Farbe und einen feinen Geschmack. Das Aussehen war klar und es gab keine festen Bestandteile in der Flüssigkeit. In der Folie war vor dem Anrichten eine relativ klare Brühe zu erkennen und daneben die festen aber winzigen grüne Bestandteile. Eine bestimmte oder einseitige Aromatik konnten wir nicht festlegen; auf jeden Fall wohl nur grüne Produkte. Leichte Schärfe vielleicht von grünen Chilischoten oder Säure von Basilikum, Anklänge an Schlangengurke, etwas Süße möglicherweise von Paprika.

Auf jeden Fall frisch und würzig – es war uns angenehm im Mund.

Tatar vom TXOGITXU RIND - Mixed Pickles | Senfmayo

Das Fleisch der „alten Kuh“ war sehr fein gemahlen worden. Die Konsistenz war insgesamt wie eine „Streichwurst“; der Geschmack war sehr nah an Rind; ich will damit sagen, es waren wohl wenig Gewürze eingearbeitet worden, Ich denke, es war auch keine Zwiebel enthalten – doch weil die Oberfläche so zart war, konnte ich außer der Fleischfarbe nichts erkennen. Die Mayonnaise hatte leichte Senfnoten und wir haben sie als Grundlage auf den Teller gegeben. Dann wurde das Tatar mit Hilfe eines Ringes darauf befördert und leicht angedrückt. Aus der Verpackung „Mixed Pickles“ entnahmen wir winzige gegare Spargelstückchen, reichlich kleine Minimöhren, Minigürkchen und Gurkenabschnitte. Sie waren wohl alle leicht fermentiert worden, denn sie hatten Biss und trotzdem Würze. Aus unserer Erinnerung heraus war das sicher das beste „Kleingemüse“ seit langer Zeit.

HAUPTGANG

SCHOTTENLACHSFILET - Kräuterkruste | Bohnenallerlei | Zitronengras-Beurre blanc

Bei diesem Gang war nun der Einsatz von Backofen und Herd nötig. Aber es war gut beschrieben und recht einfach zu erledigen. Der Fisch kam in den Ofen. Und die Sauce kam in ein Töpfen zum leichten Erwärmen. Ebenso verschwanden Bohnenallerlei und der Bohnensud gemeinsam in einem Topf. Die beiden Komponenten mussten einmal aufkochen. Nach dem Überbacken des Lachses konnte angerichtet werden.

Meine Frau mag eigentlich keine Sauce und so bekam ihr Teller nur den Fisch und das Gemüse. Ich habe mir eine ordentliche Portion Beurre Blanc gegönnt (kleine Reste werden Montag weiter verwendet).

Da die Kräuterkruste relativ dünn war, zeigte sich auch etwas Knusprigkeit. Der Lachs war butterzart und angenehm abgeschmeckt. Ich fand die Buttersauce äußerst gelungen; sie zeigte nur leichte Aromen von Zitronengras und Anklänge an Estragon; sie war auch cremig und gut gebunden.

Das Gemüse war für uns im Urzustand etwas fade in der Würzung – so fügten wir etwas Salz und Pfeffer zu; dann stimmte es für uns auch!

DANACH

Tartelet - Himbeeren | kandierte Orangenschale | Himbeergel

Das Mürbeteigküchlein war relativ luftig gebacken und gar nicht fest oder zäh. Es war mit einer hellen Schokoladencreme obenauf bedeckt. Etwas Gel haben wir noch obenauf platziert und die feinen Orangenschalenstreifen relativ wild darüber „geworfen“; die Reste vom Gel haben wir noch neben dem Tartlet verstrichen. Die dicken reifen Himbeeren kamen auf die andere Seite der Platte.

Der Kuchen war saftig und cremig. Die kandierten Schalenstreifen waren wohl noch mariniert worden; denn sie waren erfrischend und fein säuerlich im Geschmack. Das Gel hatte die volle Aromatik der Beeren.

Das war ein köstlicher Abschluss eines überzeugenden Menüs.

Getränke

Aus unserem kleinen Weinvorrat im Keller haben wir Jermann Pinot Grigo, Lenz-Dahm Trittenheimer Apotheke und Oliver Zeter Sweetheart Sauvignon Blanc eingesetzt.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Für das abwechslungsreiche und frische Angebot erschien uns der Preis völlig angemessen (Brot wäre ja auch noch dabei gewesen).

Fazit

5 – unbedingt wieder: Wir haben in den Corona-Zeiten einige „Heimzubereitungen“ durchgeführt. Und dabei schneidet „heinzhermann“ auf jeden Fallrecht gut ab bzw. gehört zum oberen Feld. Aus zwei bzw. drei Gründen: Die Endzubereitung war relativ einfach (es war auch weniger Müll zu entsorgen als bei einigen anderen), die Zutaten waren gut abgestimmt und ergaben einfache und köstliche Teller und – das Abholen ist für uns relativ einfach und nicht besonders zeitaufwendig.

Wenn Restaurants irgendwann einmal wieder öffnen, werden wir sicher das Weinlokal aufsuchen (so der Plan). Wenn dann der Service vor Ort auch noch stimmt, gefällt es uns wahrscheinlich dort besser als im benachbarten Gourmet-Restaurant (mit den gleichen Köchen).

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Abholung / Verkostung: 20.03.2021 / 21.03.2021 – mittags – 2 Personen

 

 

 

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Bei der Post *, Odenthal muss man selber abholen, aber es lohnt sich

Genussbox: einfach anzurichten und trotzdem schmackhaft und mit Pfiff

Allgemein

Es ist sicher kein Geheimnis, dass wir die Post in Odenthal schon sehr gerne besuchen. Aber das ist zu Corona-Zeiten nicht immer möglich.

Besonders „schmerzlich“ war dieses Jahr der „Verzicht“ auf das Fisch-Menü zur Fastenzeit. Es war für uns schon eine Tradition einen Abend im Gourmet-Restaurant zu verbringen – 2020 war es noch möglich; denn der Aschermittwoch lag noch vor dem ersten Lockdown. Der Karneval hatte noch stattgefunden; einige Umzüge waren „nur“ wegen der Wetterlage abgesagt worden.

Das ist 2021 nun erst einmal ganz anders.

Doch in kleinerem Rahmen bietet das Restaurant ein Abholmenü und andere kleine „Fertiggerichte“.

Service

Wir haben den „Newsletter“ des Hotels abonniert und kommen so stets zu den neuesten Nachrichten. So wussten wir, dass es seit einiger Zeit eine „Genussbox“ gibt und können auch die Beschreibung durchlesen.

Eigentlich waren bzw. sind die Angebote der Gerichte schon abwechslungsreich; zudem kann man auch neben dem Menü andere Einzelgerichte auswählen.

Doch bisher waren fast immer Bestandteile dabei, die wir nicht so gerne mögen oder auch nicht vertragen. Aber diese Woche gefiel uns die Karte. Da gab es also kein Halten mehr.

Die Vorbestellung läuft alleine über das Internet:alejandro@wilbrand.eu.

Die Speisen und Gerichte werden kalt ausgegeben. Dazu gibt es eine ausführliche Anleitung zur einfachen Regeneration zu Hause. Das Menü ist zwei Tage gekühlt haltbar.

Änderungen sind leider bei den Zutaten nicht möglich.

Abholung-Zeiten: Fr, 26. und Sa, 27. Februar 2021 jeweils zwischen 15 und 18 Uhr am Hoteleingang.

Da kam für mich nur ein Wochentag (Freitag) infrage, weil dann die Busse noch einigermaßen fahren und die Verbindung nicht zu lange dauert.

Wir hatten im Vorfeld eine Anfrage an Herrn Wilbrand gerichtet, ob eine Lieferung möglich sei. Doch das wird nicht angeboten.

Die Hin- und Rückfahrt klappte auch wirklich gut.

Am Hoteleingang war die Ausgabe. Vor mir standen bereits zwei Kunden. Dann kam ich an die Reihe. Frau Wilbrand begrüßte mich freundlich und eine Mitarbeiterin holte die Tasche mit dem Menü.

Die Bezahlung konnte bar oder mit Karte schnell erledigt werden.

Abhol-Menü: Genussbox (4 Gänge)

Die Beschreibung war tatsächlich übersichtlich und leicht verständlich. Dinge die im Backofen erwärmt werden sollen, befinden sich in Alu-Schalen. Zutaten für den Herd waren in Klarsichtbeuteln.

Das war schon einmal eine gute Botschaft für mich. Wie dann die Umsetzung klappen wird, ist natürlich eine andere Sache. Aber ich bin guten Muts für Samstag. Für die Präsentation waren auch Fotos beigefügt - als Anregung und Hilfe.

Vorspeise: Apfel-Blutwurst-Strudel mit Cranberry-Chutney und Feldsalat

Die Blutwurst wurde vom Metzger Molitor aus Kürten für das Restaurant hergestellt; weitere Zutaten waren Braeburn Apfel, rote Zwiebel, Petersilie, Estragon, Liebstöckel und Majoran. Der Strudel kam für 20 Minuten in den Ofen. Der Salat wurde mariniert und als Nest angerichtet, das Chutney diente zur Dekoration. Am Ende kam der Strudel auf den Teller.

Der Teig war knusprig und die Füllung angenehm gewürzt. Blutwurst ist nicht meine Leibspeise. Aber hier war der Geschmack dezent und aromatisch. Der Apfel und die Kräuter haben einen runden Gesamteindruck erzeugt. Der Feldsalat war noch durch kleine Radieschenstücke (vermute ich) um eine pikante Note erweitert. Das Dressing ummantelte die Komposition ausgezeichnet. Das Chutney brachte auch süße Noten ins Spiel.

Insgesamt ein gelungener Einstieg.

Zwischengericht: Sauerampfersuppe „Nach Art des Hauses“

Die Suppe sollte im Wasserbad erhitzt, aber nicht gekocht werden. Mit den getrockneten Kirschtomaten und dem frischen Sauerampfer konnte noch nach Herzenslust verziert werden.

Das Gericht zeigte relativ kräftige Aromen und hatte ein schönes Spiel von Säure und Cremigkeit. Die Beilage von Sauerampfersteifchen brachte eine feine Schärfe und die getrockneten Minitomaten erzeugten auch noch eine leichte Süße.

Das Zwischengericht hat uns sehr gut geschmeckt.

Hauptgang: Filet vom bergischen Weiderind mit Pinienkernkruste, Rotwein-Schalotten-Butter, gratinierten Kartoffeln & Bohnen im Speckmantel
oder Filet vom Skrei mit Linsengemüse, Selleriepüree und Grünkohl-Sprouts

Wir wählten zweimal die Fleischvariante, weil es dadurch sicher einfacher wird alles zu erwärmen und meine liebe Frau auch keine Linsen und kein Püree mag.

Das Fleisch wurde wieder im Ofen erwärmt. Etwas später leisteten der Gratin und die Bohnen dem Filet Gesellschaft in der Röhre. Die Sauce kam zeitgleich in ein kleines Töpfchen, um sanft erwärmt zu werden.

Das Fleisch war am Ende noch leicht medium. Der Geschmack war ausgewogen – vielleicht etwas mehr Würze für uns. Aber es war sehr zart und auch recht saftig. Die Oberschicht würde ich als Haube bezeichnen. Um eine Kruste zu bekommen, hätte ich den Mut zu mehr Oberhitze haben müssen und die Garzeit vielleicht verkürzt. Aber so war es eine sichere Nummer und einfach schmackhaft.

Die Sauce war kräftig, cremig und ein ausgezeichneter Begleiter von Fleisch und Kartoffelscheiben.

Das Gemüse war noch knackig und erzeuge das typische Grüne-Bohnen-Aroma. Der Speck war mager und passte gut dazu. In einer Pfanne kurz in Butter geschwenkt, wäre die äußere Schicht vielleicht auch noch etwas kross geworden.

Insgesamt überzeugte auch der Hauptgang.

Nachspeise: Mango-Ananassalat mit Kokos-Passionsfrucht-Mousse

Das Dessert brauchte nur bei Zimmertemperatur auf das Herrichten warten. Zusätzlich standen neben den Hauptkomponenten Kokoshippe, Passionsfruchtbaiser, Kapstachelbeere und Crispy Joghurt mit Passionsfrucht bereit.

Unten kam der Obstsalat auf den Teller. In die Mitte legte ich die Mousse-Halbkugel. Die weiteren Zutaten aus der kleinen Box wurden möglichst pittoresk auf dem Teller platziert.

Die frischen fruchtigen Elemente waren ein feiner Abschluss dieses Menüs. Die verschiedenen Aromen von Kokos und exotischem Obst waren ausgewogen und angenehm würzig.

Es muss nicht immer Gemüse im Nachtisch verarbeitet werden, wie dies zur Zeit oft geschieht.

Fazit

4 – gerne wieder als Genussbox; aber noch lieber etwas raffinierter und entspannter im Restaurant vor Ort demnächst. Die Restaurant-Küche hat einfach mehr Möglichkeiten und braucht nicht Rücksicht auf Hobbyköche zu nehmen.

Aber das haben die Wilbrand-Brüder ausgezeichnet gemacht: So wenig Hilfsmittel brauchte ich selten und Gedanken musste ich mir auch kaum beim Zubereiten machen, weil alles prächtig beschrieben und bebildert war. Dafür gilt mein besonderer Dank.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum der Abholung / des Lunch: 26.02.2021 / 27.02.2021 – 2 Personen

 

 

 

 

 

 

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Schwäke im Mai: Muttertagsmenü

Vorweg

Wir hatten keine Lust selber zu kochen und haben uns für Mutter- und Vatertag selbst belohnt. Die Bestellung lief schon routinemäßig übers Telefon, aber immer freundlich und empathisch.

Auch die Lieferung klappte pünktlich und reibungslos. Es waren halt dieses Mal einige Verpackungen mehr, denn es waren schon zwei große Kisten für den Transport nötig – und so ging der Mitarbeiter auch mehrfach zum Lieferauto, damit alles heil und unvermischt ins Haus kam.

Den Ofen hatte ich schon angeworfen und wurde sofort bestückt. Auch im Tiefkühler war ein Fach geleert worden, um das Eis zu kühlen.

Es konnte also fast sofort nach dem Bezahlen in bar mit der Vorspeise begonnen werden.

Das Menü war komplett verzehrfertig zubereitet. Nur der Hauptgang wurde bei 60°C in den Ofen warm gehalten und das Sorbet vom Dessert kam zwischenzeitlich in den Gefrierschrank.

Die Weine kamen aus unseren Vorräten zu Hause.

Der Lunch

Sanft in Chiso gebeizte Buttermakrele: Saiblingskaviar / Cima di rapa / Variation von der Ochsenherztomate / Ingwer

Das Fischfilet war butterzart und angenehm gewürzt. Der rosa Kaviar war reichlich verwendet worden. Das Gemüse war leicht blanchiert. Die Tomate zeigte fruchtige Noten als Scheibe geschnitten, weitere Tomatenaromen steckten in den verschiedenen Tupfern und Cremes auf dem Teller. Der Ingwer war dezent eingesetzt.

Es war eine erfrischende fein abgestimmte Kombination der Zutaten.

2020 Oliver Zeter Weißburgunder

Der frische Burgunder passte gut zum Gericht, seine Aromen waren dezent und unterstützen die Speise angenehm ohne sie zu verändern.

Kalbstatar von der Petersfarm: weiße Spargelmousse / umgestülpter Kartoffelsalat / rote Boskopp Zwiebel / getrockneter Sellerie / Vadouvan

Das Tatar war relativ grob geschnitten, was ich gut fand, andere hätten es gerne feiner in der Struktur gehabt. Das Fleisch zeigte viel Eingengeschmack, weil auf sonst gerne verwendete Zusatzprodukte wie Gürkchen, Ei, Senf verzichtet bzw. sparsam verwendet wurde. Die Zwiebeln waren auf dem Tatar verteilt worden. Der Sellerie erschien in Form kleiner Würfel. Die Spargelcreme war kraftvoll gewürzt und luftig aufgeschlagen worden. Der Salat war überraschend im Aussehen und Geschmack, weil er relativ weich und cremig war und auf der anderen Seite die orientalischen Noten der Gewürzmischung Vadouvan aufwies. Diese Mischung habe ich vor Jahren an Reis serviert bekommen und war begeistert. Dann konnte ich jedoch diesen Mix jahrelang nicht erwerben; jetzt scheint es auch wieder über Ingo Hollands Altes Gewürzamt bestellbar zu sein.

2018 Oliver Zeter Viognier

Auch dieser Zeter war eine gute Wahl zu der weiten Geschmackspalette des Zwischengerichts.

Rücken vom Maibock im Tramezzini-Mantel: Morchelrahm / grüner Spargel / Topinambur / Kirschen / Kakao

Die Fleischmenge war beeindruckend groß – jeder bekam schließlich zwei „Rollen“. Mir hätte der Teigmantel etwas dünner gefallen. Das Fleisch war innen saftig und gut gegart (auch wenn es auf dem Bild vielleicht etwas „grau“ wirkt. Die Sauce hatte auch für jeden ein paar kleine Morchelstücke. Der Spargel hatte noch Biss; er war jedoch in einem relativ groben Schinkenstück eingerollt. Das überlagerte mit den kräftigen Fleischnoten etwas den zarten Spargelgeschmack. Aber man konnte die Stangen auch aus dem Mantel rollen und dann war er für uns perfekt. Das Topinambur-Gemüse war kräftig und gut abgeschmeckt und gefiel mir sehr gut, andere fanden die Aromen etwas dominant. Die kleinen Kräuterseitlinge waren nur dezent angeschwenkt und daher relativ weich, aber aromatisch.

Da waren sehr vielfältige Zutaten auf dem Teller zusammen gekommen.

2017 Kreuzberg Devonschiefer

Dieser Spätburgunder von der Ahr gehört zu meinen Lieblingsweinen und auch zu diesem üppigen Teller wusste er zu überzeugen.

Nick ́s Pfirsich Melba: Vanille / Joghurtsorbet

Der kleine „Kuchen“ und das frische „Eis“ waren ein gekonnter Abschluss. Auch hier waren allerlei Zutaten fein kombiniert worden.

2019 Oliver Zeter Sauvignon Blanc "Sweetheart"

Dieser Dessertwein gehört mit seiner unaufdringlichen Süße und Aromatik zu unseren Favoriten beim Nachtisch.

Fazit

4 – gerne wieder; wahrscheinlich schon bald: Denn das Essen ist gut, der Service vorbildlich, offene Restaurants wohl noch nicht; obwohl sich einige Betreiber unserer Lieblingshäuser schon Hoffnungen machen. Für uns heißt es: Abwarten und Wein trinken.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum der Lieferung: Muttertag 2021

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! (Goethe)

Allgemein

Wir kochen sehr gerne selber, daher muss ein Menü, das wir bestellen auf jeden Fall schon beim Lesen der Karte für uns ansprechend klingen – und die Zutaten nicht im Widerspruch zu unseren Erfahrungen und Geschmacksrichtungen stehen. Das heißt zum Beispiel, wenn „weiche Teile“ zu stark vertreten sind, geht es eben nicht. Unter anderem sind bei uns diverse Schmor-Zubereitungen oder Innereien und Püree-Arten eher nicht konsensfähig – doch es gibt auch Ausnahmen davon!

So haben wir 14 Tage auf Bestellungen verzichtet – das war nicht weiter schlimm; denn das Angebot in Metzgerei und Wochenmarkt war großartig.

Die Waldgaststätte Schwäke machte auch eine kleine Pause (der Chef bekam Nachwuchs) und wollte sich um seine Familie kümmern.

Doch jetzt startete er wieder – und das Angebot lachte uns auch an; weil es zwei Menü-Varianten gibt, konnten wir auch so wählen, dass jeder von uns etwas „Spielraum“ für sich hatte.

Service

Die Karte konnten wir in Ruhe studieren, weil uns der Koch die Angebote vorab per Mail schickte. Und so sprach ich anschließend telefonisch unsere Kombinationen ab. Gerne erhielt ich Auskünfte über die Zubereitungen und Konsistenzen.

So konnten wir uns nun in Ruhe auf den Tag freuen und uns für Sonntag etwas vornehmen – andere Hobbys pflegen: Es sollte ein „Backtag“ werden und gemeinsam konnten wir neue Rezepte ausprobieren. Und backen ist noch komplexer als kochen, wenn es um Motiv-Torten geht.

Die Lieferung erfolgte pünktlich und der Mitarbeiter stellte die Portionen gut sortiert auf den Tisch. Der Hauptgang kam in den Ofen, um Wärme zu halten und das Dessert verschwand kurz im Kühlschrank.

Angerichtet werden musste so gut wie gar nicht. Wir haben die Teile nur auf Teller verfrachtet und die Anordnung möglichst detailgetreu erhalten.

Für den Lunch wurde dann das „große Backen“ angemessen unterbrochen.

Die Karte(n)

Dreigang-Menü 1 - Menü 2 - Einzelgerichte – Gerichte für 2 Personen und Weinkarte.

Wir bestellten etwas Brot und das Menü zwei, aber einmal mit getauschtem Hauptgang.

Die verkosteten Speisen

Hausgemachtes Focaccia mit Bärlauch Aioli

Das Brot war noch ofenwarm und gut gebacken; die relativ sanfte Aioli-Paste war leicht und cremig. Sie eignete sich gut als Dip – doch auch ein eigener deftiger Pesto auf Bärlauch-Basis schmeckte zum Brot recht gut.

Aber das Landbrot, was ebenfalls selbst gebacken wird, gefällt mir persönlich noch besser

Duett von Kalbsfilet & Thunfisch - Sashimigeflämmte Wassermelone / Avocado / Szechuan Pfeffer / Brioche Croutons

Die Vorspeise fand unsere ungeteilte Zustimmung. Das Fleisch und der Fisch hatten einen optimalen Gargrad und waren auch als kalte Variante gute Partner. Auch die diversen kleinen Tupfer und Beilagen ergaben feine Würznoten und abwechslungsreiche Kombinationen.

Auch optisch war dieser Gang für uns sehr gelungen.

Ausgelöste Rinderstelze vom Prümer Rind – Calvadosjus / Staudensellerie /Mini Bio Kräutersaitlinge aus Leichlingen / Bärlauch Parmesan Schnitte

Meine Frau hatte schon im Vorfeld Bedenken gegen die Sous-Vide-Gar-Methode und daher den Hauptgang aus dem anderen Menü gewählt.

Und ich muss sagen, sie hatte keine schlechte Wahl getroffen. Gegen das Rindfleisch war auch eigentlich nichts einzuwenden. Die Menge auf dem Teller war sogar gefühlt riesig. Das Stück war butterzart und recht schlotzig. Es war ja auch fast zwei Tage geschmort worden. Trotzdem wird die Haxe wohl nie zu meinen Lieblingsrichten gehören. Ich mag Fleisch mit Röstaromen doch in der Regel einfach lieber. Es war eine weitere Erfahrung, aber den Versuch wert; denn die Sauce war kräftig und gab dem Fleisch etwas Würze. Die Pilze und die Sellerie-Stangen waren gebraten bzw. gedünstet aber nicht weich oder übergart.

Das riesige Stück Bärlauch-Parmesan-Flan hatte deftige Noten und war harmonisch abgeschmeckt.

Ich vermute, dass dieser Teller fast jeden Gast vor Ort völlig gesättigt hätte. Zu Hause hatten wir den Vorteil einige Reste für den nächsten Tag aufzuheben. Getreu dem Spruch „Nichts verschwenden, wieder verwenden“.

Französische Maishähnchenbrust „Supreme“ mit Bärlauchfüllung / Maracuja Couscous / grüner Spargel / konfierte Tomaten

Auch die Hähnchenbrust mit dem oberen Flügelknochen verbunden, war nicht klein, sondern stattlich (auch wenn die Menge nicht mit dem Stelzen-Fleisch mithalten konnte). Das Fleisch war saftig und die Haut fast noch kross. Die Füllung brachte kräftige Noten ins Spiel.                                                                                                    Auch vom Couscous konnten wir etwas „verwahren“, weil die Portion üppig ausgefallen war. Der Spargel und die Tomaten passten gut dazu.

Wir überlegten wie für uns die optimale Kombination aus den gesamten Hauptgang-Zutaten. Das wären das Hähnchen, der Spargel, die Tomaten, etwas Jus und ein Stückchen Bärlauch-Parmesan-Schnitte.

Doch wir waren auch so zufrieden – zu Hause konnten wir ja alles quer verkosten und gewichten (ohne andere Gäste, den Service oder die Küche in „Wallung“ zu versetzen9.

Weiße Schokolade - Himbeere / Pistazie

Und nach einer längeren Pause wendeten wir uns dann auch noch dem Nachtisch zu. Er war für uns genau richtig – in der Zusammenstellung, der Aromatik und der Größe.

Im Mittelpunkt stand für uns der liegende Zylinder aus weißer Schokoladencreme mit einen beerigen Außenmantel. Erd- oder Himbeeren waren ( möglicherweise durch Gelatine zu einer weichen dünnen Hülle verschmolzen) dazu verwendet worden.

Die weiße Füllung war luftig und cremig. Diese Rolle war also köstlich für uns. Daneben war ein etwas festerer und kompakterer liegender Quader aus Pistazien und weiteren nussigen Stückchen platziert. Er zeigte kräftige und deftige Noten und war dadurch ein Kontrast zu der feinen Würze der Rolle.

Zwei Himbeeren auf einer Creme und Minze-Blatt (Nur noch ein „hauchdünnes Pfefferminzblättchen“ kann schlimme Folgen haben → siehe „Der Sinn des Lebens“ von Monty Python) rundeten das Bild ab.

Getränke

Aus den Haus-Vorräten haben wir Oliver Zeter Sauvignon Blanc Fumé, Porta Sole Montepulciano d´Abruzzo und Château Barouillet Monbazillac dazu getrunken.

Fazit

4 – gerne wieder. Die Küche von „Schwäke“ kann uns auch zu Hause immer wieder sehr zufrieden stellen

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Bringens und Verzehrens: 25.04.2021 – Lunch – 3 Personen

 

 

 

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Gasthaus Schwäke liefert auch

Corona-Menü – fast wie im Restaurant: sehr starke Leistung

Allgemein

Das Gasthaus Schwäke konnte mich schon mehrfach überzeugen. Gemeinsam mit Freunden und Familie sind wir dort gelegentlich eingekehrt.

Aber durch den Lockdown war das schon einige Zeit nicht mehr möglich. Die „Abhol-Angebote“ fand ich durchaus interessant, als sie auf Facebook erwähnt wurden. Aber als Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel war mir das zu unbequem und zusätzlich hätte die Dauer der Fahrten sicher die Gerichte völlig erkalten lassen.

Doch nun liefert die Gaststätte bis zu einer Entfernung von 5 km und ab 50 Euro Bestellwert doch und hat einen Bringdienst.

Da war für mich klar, dass ich diese Möglichkeit nutzen wollte. Allerdings waren die kulinarischen Erfolge bei „fertigen“ Essen von Mitbewerbern in Bergisch Gladbachg bisher etwas gemischt bzw. durchwachsen.

Doch da ich Vertrauen in die Zusammenstellung und die logistischen Fähigkeiten der Küche habe, wollte ich es ausprobieren.

Die Bestellung konnte telefonisch leicht abgewickelt werden. Auch einige Hinweise auf Unverträglichkeiten konnten berücksichtigt werden. Sogar an einem Sonntag war die Lieferung möglich.

So bestellte ich drei Portionen des aktuellen Wochenmenüs, da unsere Tochter zum Mittagessen vorbeikommen wollte.

Service

Der Mitarbeiter kam pünktlich zur gewünschten Uhrzeit und brachte (mit Maske natürlich) die Päckchen in die Küche und erklärte kurz die Inhalte. Ein wertvoller Tip war dabei, das Hauptgericht (in Alu-Box) bei Umluft und 70°C in den Backofen zu stellen. Das machte ich auch umgehend und stellte auch noch passende Teller in die Röhre.

Es wurde „bar“ abgerechnet, weil die entsprechenden Geräte sich im Gasthaus stationär befinden und auch kein Bezahlportal aktiv zur Verfügung steht.

Mit diesem problemlosen Verlauf war ich schon ganz zufrieden. - Der Tisch im Wohnzimmer war bereits eingedeckt; jetzt nur noch in die Küche an die Teller.

Wochen-Menü zwei - 3 Gänge

Tataki vom „Yellowfin“ Thunfisch / dreierlei Blumenkohl / Salzzitrone / Brokkoli „Fiolara“ / Rhabarber

Der Thunfisch war mariniert worden und hatte dadurch eine dunklere Farbe angenommen. Danach war er wohl kurz gebraten und mit schwarzem Sesam ummantelt worden. Innen war der Fisch noch angenehm roh. Es erinnerte mich daher an Sushi – allerdings waren es zwei große Stücke bzw. Steaks.

Die Zitrone brachte viel Säure ins Spiel; die Scheibe war ebenfalls mariniert oder gegart worden. Sie war fest in der Konsistenz, aber nicht roh.

Der Kohl war eine Art Stängelbroccoli oder Spargelkohl. Dazwischen gesellten sich kleine Blumenkohlröschen und eine Rhabarberstange. Auch einige Blätter Ruccola und Spinat lagen auf dem Teller und ein Klecks Marmelade bzw. Mousse aus Zitrusfrucht rundete die Kreation ab.

Es waren also vielerlei Geschmacksmomente auf dem Teller zu finden. Die Portion war ebenfalls recht üppig bemessen. - Also insgesamt eine gelungene Sache.

Dazu probierten wir „Hunky Dory“ (soviel wie „Alles bestens“)- einen Savignon Blanc aus Marborough, Neuseeland. Angenehme Noten von Stachelbeere, Limette und Passionsfrucht passten sehr gut zum Thunfisch.

 

Kalbsfilet aus dem Emsland / Pilzhaube / Jus / geschmorte Birne / Pilze aus Leichlingen / Princessbohnen im Serranomantel / Spunta Kartoffeln

Das Fleisch befand sich zusammen mit der Sauce in einem Alu-Behälter. Die Sauce habe ich in einem Töpfchen erhitzt und das Fleisch nochmals ganz kurz unter den Backofengrill gestellt, damit die Kruste auch knackig wird. Und das hat auch geklappt: das Fleisch war saftig, die Oberfläche knusprig.

Die Sauce war durchaus in Ordnung, ich habe sie gerne noch etwas dunkler und cremiger.

Die Birne war leicht gedünstet und saftig.

Die feinen grünen Bohnen warer prächtig gegart, sie zeigten noch etwas Biss, quietschten aber keineswegs und zusammen mit dem Schinken waren sie köstlich.

Bei den Zuchtpilzen handelte es sich um Kräuterseitlinge und wohl Shiitake. Die Stücke waren grob geschnitten, auf der Oberseite eingeschnitten (wie eine Schwarte) und leicht angebraten. Sie hatten ein feines Aroma; ich mag Pilze ruhig sogar mehr geschmort bis leicht kross; aber das ist Geschmackssache.

Das Kartoffelgratin war sehr würzig abgeschmeckt. Die Scheiben waren sehr dünn geschnitten und dann in mehreren Lagen aufgeschichtet worden.

Alle Komponenten haben mir zugesagt, aber am besten haben mir tatsächlich Bohnen und Gratin geschmeckt.

Als Begleitung wählte ich den Spätburgunder von Kreuzberg. „Devonschiefer“ gehört zu meinen Lieblingsweinen von der Ahr. Die Selektion der Trauben stammt aus Steilagen, die durch ihren hohen Anteil an devonischem Schiefergestein den mineralischen Charakter dieses Weines prägen: kraftvoll mit ansprechender dunkler Frucht und feinen Gewürznoten.

Kokosnussmousse / allerlei von der Ananas / Yuzu

Die Mousse war als Rolle bzw. Zylinder geformt. Sie war innen sehr cremig und luftig. Der Kokosgeschmack war dezent vorhanden und nicht zu dominant. Um die große Form herum waren kleine Würfel und Quader aus Kokos und Ananas angerichtet. Die dritte Komponente bestand aus Ananasstückchen und Yuzu-Saft bzw. Dressing.

Auch der Nachtisch überzeugte uns durchweg.

Dazu nahmen wir als Begleitung Oliver Zeter Sweetheart. Der Sauvignon Blanc ist eine Spätlese mit Restsüße. Wir finden ihn nicht zu mächtig, sondern angenehm zu fast allen Nachspeisen.

Wochen-Menü

Große Vor-Freude kam dann auch schon beim Öffnen der Vorspeisen-Box auf; denn es sah gut aus und musste nicht weiter bearbeitet werden.

Mit einer Schere schnitt ich die Seitenwände der Styropor-Verpackung auf und konnte einfach mit einer Palette die einzelnen Bestandteile entnehmen und auf den Teller setzen. Ein paar frische Kräuter, die wir noch hatten, streute ich noch darüber und fertig war die Speise.

Indisches Hähnchen Tandori - Butternut-Kürbis / Avocado / Rettich

Die Geflügel-Quader waren noch zimmerwarm, köstlich abgeschmeckt und zart und saftig. Das Gemüse war eine fein abgestimmte Mischung aus Kürbis, Avocado und Rettich. Abwechslungsreich mariniert und unterschiedlich zugeschnitten. Das ergab ein schönes Mundgefühl und eine Vielzahl an Aromen.

Wir waren ziemlich angetan.

Rinder Scherzel - 24 Stunden gegart - Salatherz / Topinambur-Nussbuttercreme / Kartoffel-Krapfen

Beim Anrichten des Hauptgangs ergaben sich wieder keine Probleme. Alu-Deckel runter; warme Teller bereitgestellt und wieder mit der Palette und einem Löffel die Bestandteile aus den Boxen-Abschnitten entnommen.

Das Fleisch war genau richtig temperiert. Es war sehr saftig und zart. Die Portion war ansehnlich groß wie bei einem dicken Steak.

Das Salatherz war fein gebraten worden und mit der aromatischen Creme sehr angenehm gewürzt. Die Kartoffelkrapfen waren relativ weich, aber durch einige Röstaromen durchaus geschmacklich nicht so wie ein einfaches Püree. Die Saucen der einzelnen Verpackungen konnten leicht durch Kippen in ein kleines Kännchen mit Ausguss geleitet werden und dann zum Anrichten angegossen werden. Etwas Crunch aus den Vorräten konnte das Tellerbild abgerundet werden.

Auch das Hauptgericht konnte uns einfach nur erfreuen.

Dolcê Ananas Tarte

Auch diese Box konnte mit der Schere bzw. einem Messer leicht für eine Palette zugänglich gemacht werden.

Die Tarte konnte leicht auf den Teller befördert werden. Der Cremetupfer mit dem Minzblatt ging nicht so leicht vom Boden der Verpackung ab; aber vorsichtig klappte das auch. Die Himbeere war leicht zu platzieren – nur die beerige Creme wollte auch Widerstand leisten, musste sich aber der Palette am Ende geschlagen geben.

Das Tortchenstückchen bestand aus drei Schichten: Teig, Creme und Guss.

Auch der dritte Gang ist vollkommen gut bei uns angekommen.

Weinempfehlung

2018 Colors – Flasche 0,75 l – 13,50 €

trocken /Cérvoles / Katalonien / Spanien

Cuvee aus Tempranillo, Cabernet Sauvignon, Grenache, Merlot, Syrah

8 Monate im Barrique Fass gereift; Geschmacksnoten: Zedernholz, Röstnoten, mineralische Noten, abgerundet, gut integrierte Tannine, langer Abgang

Schön, dass Schwäke nicht nur ein Restaurant ist, sondern auch noch ein Weinhandel angeschlossen ist

Fazit

5 – unbedingt wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum der Lieferung: 21.02.2021 – mittags – drei Personen

 

 

 

 

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Endlich Julia Komp – auch wenn es „Home-Cooking“ war - ein Erlebnis

Allgemein

Als Julia Komp 2016 ihren ersten Michelin-Stern erreichte, war sie erst 27 Jahre alt und gleichzeitig Deutschlands jüngste Sterneköchin.

Sie wuchs in Overath auf und absolvierte bereits als Schülerin ein Praktikum auf Schloss Lerbach unter dem mit drei Michelin-Sternen ausgezeichneten Küchenchef Dieter Müller. Ihre Ausbildung zur Köchin machte sie in Köln-Porz im Restaurant Zur Tant.

Schon 2014 wurde sie Souschefin im Kölner Sternerestaurant La Poêle d’Or. 2015 übernahm sie die Küchenleitung im Schloss Loersfeld. Doch 2019 folgte eine Auszeit mit einer Weltreise, um neue Ideen zu sammeln und fremde Küchen kennen zu lernen.

Nach der Rückkehr hatte sie große Pläne. Sie wollte in Köln ein eigenes Restaurant eröffnen. Es sollte Sahila heißen und auf dem Gelände von Lindgens Gastronomie liegen. Ein Restaurant, ein Bistro und ein Hafengasthaus sollten alle Bedürfnisse von Gästen abdecken.

Aber 2020 war das Jahr von Corona und so startete sie erst einmal etwas kleiner. Eröffnet wurde der „Lokschuppen by Julia Komp“ trotzdem – aber schnell stieg sie auf Lieferdienst und Abhol-Menü um, als der zweite Lockdown kam.

Das Menü sah auf der Karte verlockend aus. Und bis 15 km Entfernung vom Standort in Köln Mülheim wird seit Januar 2021 auch geliefert. - Da wollte ich unbedingt bestellen.

Service

Ich habe eine Mail geschrieben, weil ich mit der Online-Bestellung nicht so recht weiter kam (ich bestelle am liebsten per Anruf, weil ich da sofort Kontakt habe und Fragen direkt klären kann). Es folgte eine freundliche Antwort von Julia Komp und so konnte ich bestellen.

Sofort kam eine Mail als Bestätigung. Und ein paar Tage später folgte ein Anruf, um die Lieferzeit abzusprechen und allgemeine Informationen zur Fertigstellung der Gerichte zu erhalten (es gibt ein passendes Video und eine schriftliche Anleitung).

Das Angebot

Daraufhin habe ich die Anleitungsvideos für das Valentinstag-Dinner und andere Vorgänger-Menüs bei YouTube (die Filme dauern jeweils etwa 16 bis 18 Minuten) angesehen und einen kleinen oder sogar großen Schreck bekommen.

Es waren viele Zutaten zu sehen und doch einige notwendige Schritte zum perfekten Teller zu absolvieren.

Julia Komp machte das sehr elegant, aber ich bekam trotzdem etwas Panik, alles gut nachzumachen. Vielleicht ist das bestellte Menü leichter oder ich muss das Video mehrfach ansehen, die Beschreibungen sehr genau lesen und in Gedanken durchgehen, habe ich mir gedacht.

Und ich hatte ja auch noch ein paar Tage Zeit bis ich selber ran durfte.

Das Video war am Freitag - https://www.youtube.com/watch?v=z1aHm6qcI-E freigeschaltet. Die Lieferung wurde telefonisch mit Uhrzeit angekündigt und wurde bis zur Wohnungstür von der freundlichen Mitarbeiterin gebracht.

Wir haben die Komponenten sofort gesichtet und in Kühlboxen bis Samstag frisch gehalten.

Die schriftliche Anleitung war leicht verständlich und kleinschrittig abgehalten. Aber ich bin trotzdem gespannt, ob die Umsetzung gelingt, alles gut aussieht und noch besser schmecken wird.

Lockdown Menü Nr. 7: Weltreise – Lieferung am 19.2.2021

Brot | Butter | Kenzolie Olivenöl

Kurz in den Backofen soll das Brot bei 160°C für 10 Minuten knusprig aufgebacken werden.

Zum Tunken von Saucen und flüssigen Resten auf den Tellern genau richtig. Aber auch einfach oder mit Butter bzw. Öl angenehm.

Vorspeise: Open Blue Cobia - Thailand - Pomelo | Kokos | Mango | Lotuswurzel

Open Blue Cobia ist ein Meeresfisch und hat einen frischen, milden und buttrigen Geschmack. Das Fleisch hat eine grobflockige Textur und ist fest und weiß. Der Fisch war schon in feine Streifen geschnitten und servierfertig. Auf den Teller kam zuerst ein Kokosfond als Unterlage; darauf wurde der Fisch befördert. Eine Sphäre aus Blumenkohl und Kokoscreme musste danach platziert werden. Die Lotuswurzelstücke sollten aufrecht neben dem Fisch stehen. Nun folgte der Som Tam Salat als Türmchen auf den Teller. Nun folgten noch Pomelo-Stückchen. Zum Abschluss konnte noch mit Thaibasilikumcreme, Goa-Kresse und Korinaderöl dekorativ gearbeitet werden.

Die Zusammenstellung war ganz nach unserem Geschmack. Der Fisch war saftig und wunderbar aromatisch. Die Kokosnoten waren für uns etwas ungewohnt, aber sie passten für uns schon (wir sind in thailändischer Küche nicht besonders bewandert). Der Salat war sehr gut abgeschmeckt. Die Balance von süß, sauer und scharf war für uns gelungen.

Zwischengericht: Französische Maispoularde - Marokko - Tomate | Oliven | Salzzitrone

Die Hühnerbrust musste leicht gebraten und gegart werden. In der Zwischenzeit wurden Griestaler, Tomate und Kartoffelscheibe erwärmt und dann auf den Teller gesetzt. Auch der Fenchelsalat wurde gerollt und als Türmchen dekorativ angeordnet. Weitere Dekorationselemente aus den beschrifteten Döschen kamen ebenfalls dazu. Nun wurde die Geflügelbrust aufgeschnitten und zusammen mit der Sauce auf der anderen Seite abgelegt. Etwas Olivencrunch wurde noch über das Fleisch gestreut.

Das Gericht soll an die Gerichte aus der Tajine erinnern; es war allerdings eine (gewollt) dekonstruierte Version.

Auch zur nordafrikanischen Küche fehlen uns originale Erlebnisse. Einige Gewürzmischungen verwenden wir aber auch zu Hause gerne (Ras el-Hanout zum Beispiel).

Die Zusammenstellung hat mir zugesagt; allerdings mag meine liebe Gattin Kartoffel und Grieß nicht so besonders gerne als Zutat; aber auch sie fand die Würzung gelungen.

Insgesamt hat uns also auch das Zwischengericht gemundet.

Hauptgang: Schaufelstück vom Miguel Vergara Rind - Iran - Verjus | Minze | Staudensellerie | Bockshornklee

Auch hier gab es einiges zu tun. Zuerst kam die Selleriemousse auf den Teller. Sie war fertig und musste vorsichtig aus dem Behälter gehoben werden. Auf einer Tellerseite wurde nun die Sellerie-Landschaft aufgebaut. Staudensellerie, Sellerie-Creme und Sellerie-Herzen. Alle Komponenten waren in eigenen Beuteln untergebracht und konnten so recht einfach im Wasserbad erhitzt werden.

Dann kamen schon Dekorationselemente, die aber auch Geschmack bringen sollten, zum Einsatz: Geviertelte Weintrauben, marinierte Rosinen, Shisi-Kresse, Minze-Creme.

Fleisch und Sauce waren ebenfalls in getrennten Beuteln und mussten ebenso temperiert werden. Das Schaufelstück war 24 Stunden sous vide gegart worden und daher fast servierfertig. So wurde die andere Tellerseite mit Fleisch und Sauce belegt.

Das Fleisch war butterzart. Die Sellerie-Seite hatte viele Aromen und überzeugte durch Kontraste und auch viel Harmonie.

Nachspeise: Tang Yuan - China - Süßkartoffel | Ingwer | Schwarzer Sesam

Das Dessert hatte auch viele Bestandteile; aber es war nicht so viel „Nebenarbeit“ nötig: nur der Tee und die Klebereisbällchen mussten erwärmt werden.

Auch der Nachtisch hatte für uns viele neue ungewohnte Kombinationen. Aber das macht ja auch eine Reise durch „ferne“ Küchen aus.

Die Süßkartoffeln, das Mangotatar und die Sesammousse waren fertig in Beuteln zubereitet und mussten „nur“ angerichtet werden. Am besten in Kreisform lautete der Vorschlag. In die Zwischenraume sollten unterschiedliche Cremes getupft werden. Wenn man die Beutelchen unten aufgeschnitten hat, gelang das recht gut; allerdings durfte man den Überblick auf die Zutaten nicht verlieren. Denn dann durfte man noch Sesamchip, Vene Cress und Ingwerstückchen, die rot gefärbt waren unterbringen.

War der Teller jetzt fertig? Nein, natürlich nicht: die Hauptkomponenten Tang Yuan und Würztee kamen noch in die Mitte.

Es war eine Geschmacksbombe. Meine liebe Frau mochte allerdings das weiche Bällchen und die Süßkartoffel nicht so gerne. Ich habe bei ihr den Teller anders angerichtet; denn die Mango-Elemente, die Chips und den Ingwer fand sie Klasse.

Petit Fours

Zwei Halbkugeln mit relativ viel dunkler Schokolade bildeten dann den endgültigen Abschluss.

Fazit

4 - 5: Gerne wieder oder sogar unbedingt wieder; aber lieber im Restaurant bei Julia Komp vor Ort.

Es war sehr erhellend, die Gerichte so kleinschrittig kennenzulernen und zu sehen wie viel Arbeit allein im Anrichten besteht – ganz zu schweigen von den umfangreichen Aufgaben an den Kochstationen vorher (Das Verpacken für „Home-Cocking“ muss die Mitarbeiter*innen sicher auch an ihre Grenzen gebracht haben).

Wir haben etwa drei Stunden mit herrichten (hauptsächlich) und verkosten (geht viel schneller) verbracht. Im Restaurant wäre die Zeit sicher auch so verstrichen, aber dort hätte die Küche und der Service gearbeitet und wir hätten einfach etwas getrunken und gegessen und viel entspannt.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum der Verkostung: 20.02.2021 – 2 Personen - Lunch

 

 

 

 

 

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Ox&Klee **, Köln - macht auch Lieferdienst

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Allgemein

Seit Restaurants durch Corona immer mal wieder geschlossen bleiben müssen, habe ich – als „schwachen“ Ersatz - allerlei Abhol- und Bringdienste hier und da ausprobiert.

Ich koche gerne selber, aber ich besuche (als mein liebstes Hobby) immer wieder gerne Gaststätten. Ehe ich etwas zu Hause herstelle, möchte ich es bei Profis erschmecken. Dabei sollen natürlich die Gerichte so ausfallen, dass ich sie selber nur mit großem Aufwand erstellen kann oder mir die handwerklichen und technischen Möglichkeiten eben komplett fehlen. - Und auch einfach aus Freude am Genießen.

Ausgefallene oder mir unbekannte Speisen stehen somit ganz vorne auf meiner Liste – aber auch Klassiker der französischen oder italienischen Küche.

Gut verstehen kann ich zur Zeit auch, dass viele Restaurants, die überhaupt Essen herstellen, keine große Auswahl anbieten und auch meist keine Änderungen (Sonderwünsche) zulassen.

Wenn ich dabei Zutaten finde, die für mich teilweise unverträglich sind, lasse ich es dann eben mit einer Bestellung in diesem Haus (bis die Karte wechselt zum Beispiel) sein.

Da ich selbst nur Bus und Bahn nutze, weil ich kein Fahrzeug habe, muss ein Abholen für mich schon günstig liegen: Also eine Haltestelle in der Nähe der Gaststätte und kein mehrfaches Umsteigen nötig sein.

Am liebsten ist mir natürlich ein Bringdienst.

Und da kam plötzlich alles gut zusammen: Sterne-Restaurant, ein Menü ohne Bestandteile, die ich nicht vertrage und sogar einen Bringdienst.

Da musste ich zugreifen: Ox&Klee. Die Menübox heißt hier OX4Y.

Service

Auf der Homepage steht alles gut beschrieben und übersichtlich. Trotzdem bestelle ich lieber telefonisch und habe dadurch einen persönlichen Kontakt. Das war bei Ox&Klee auch möglich. Und so sprach ich mit dem Mitarbeiter und konnte alle Fragen direkt stellen und eine Antwort erhalten. Das geschah sehr freundlich und geduldig. Doch den eigentlichen Bestellvorgang musste ich schon über das Internet abwickeln. Im Großen und Ganzen klappte das auch gut. Und die darauf folgenden Mails als Bestätigung beruhigten mich vollends, dass die Lieferung klappen würde.

Kurz vor der Lieferzeit kam noch ein freundlicher Anruf aus dem „Bring-Auto“, dass es vielleicht 10 Minuten später werden könnte. Aber der junge Mann war dann doch ganz pünktlich und sprach kurz noch die Aufbewahrung der Zutaten an; denn es war ja Samstagabend 18 Uhr und essen wollten wir erst am Sonntagmittag.

Das war also von der Bestellung bis zum Anliefern alles sehr professionell und durchdacht.

Die Beschreibung („Der Weg zum Genuss“ genannt) war ebenfalls völlig nachvollziehbar und eindeutig.

Nur bei der Suppe und dem Hauptgericht müsste etwas auf den Herd bzw. in den Ofen. Alles andere war fertig und musste nur noch aus der Verpackung auf den Teller und teilweise etwas verziert werden (aus kleinen Döschen, die beschriftet waren).

So konnte dann alles relativ entspannt und locker beginnen.

Ein Bringdienst hat also für mich den Vorzug vor Abholung am Restaurant.

Die verkosteten Speisen

OX4U - Dining Experience – Menü

Hors D'oeuvre - Vorspeisen zum Teilen

Hummer – Papayasalat / Kaki / Ingwer

Das Törtchen war fertig. Es kam aus der Schachtel auf den Teller. Die feingeschnittenen Salatanteile waren sanft aber harmonisch gewürzt. Den Ingwer habe ich kaum gespürt, er war also so dossiert, dass er nicht mit seiner scharfen und süßen Tönen die Oberhand bekommen hätte. Der Salat hatte noch Knackigkeit und Biss. Die Creme war locker und leicht. Der Hummer war kaum zu sehen, aber leicht im Geschmack vorhanden.

Mimolettemousse - Feigensenfcreme / Frisee / Feigen-Walnusschutney

Gefüllte „Eierhüllen“ sind wohl ein Markenzeichen für das Restaurant. Jedenfalls kommen sie häufig auf die Karte, sind aber stets anders gefüllt oder gewürzt. Auch heute war es wieder ein „Knaller“. Die Käse-Mousse war herrlich geschmacksintensiv; sehr mutig gewürzt. Im Inneren fand ich etwa dreich Schichten mit verschiedenen Aromen: Unten waren keine eingemachte Feigenstücke, dann folgte eine Creme, die Senftöne zeigte und eben die Käsenoten von Nussgeschmack. Oben waren einige kleine Salatblättchen plaziert.

Kartoffel-Lauch-Trüffelsuppe – Röstschalotten

Schon beim Umfüllen aus dem Beutel in einen Topf konnte ich den Geschmack erahnen; denn der Duft erinnerte an Wurzelgemüse. Nach dem Erwärmen und Aufmixen wurde der Geschmack harmonischer und die Komponeten verschmolzen zu einer Einheit. Die Röstschalotten wurden als Crunch obenauf gestreut. Die Suppe war luftig und cremig und auf keinen Fall zu dick, sondern gerade richtig. Aber ich hätte auch Gemüsebrühe hinzufügen können, denn ich habe immer einen Topf aus „Abfallgemüse“ auf dem Balkon bereitstehen.

Rosa Kalbsrücken - Kapern / Petersilienwurzel / Perlzwiebel

Auch dieses Gericht war servierfertig und musste nur auf den Teller gebracht werden. Da die Schachteln aus dicken Papier waren, konnte ich sie aufschneiden und mit einer kleinen Tortenschaufel die Gerichte leicht entnehmen, ohne das Kunstwerk zu zerstören.

Jeder Teller bekam drei Stücke und wurde noch mit Petersilien-Öl verfeinert.

Die kleinen Kapern gab den Gericht eine feine Säure. Auch hier muss ich die Ausgewogenheit der Aromen erwähnen.

Gebeizter Lachs - Wasabigurke / Burrata / Limette

Auch der Lachs war in einer Pappschachtel und konnte leicht mit dem Tortenheber auf den Teller gebracht werden, nachdem ich wieder mit der Schere den Rand aufgeschitten und umgeklappt hatte. Hier wurde noch Wasabi-Gurkensud angegossen. Schon war der nächste kleine Teller fertig.

Der Lachs war sanft gebeizt und sanft gewürzt. Durch die Limette kam Säure ins Spiel und die Burrata brachte Cremigkeit. Der Sud war keinesfalls scharf oder eckig, sondern rundete den Gesamteindruck ab.

Hauptgang

Hier musste nun der Backofen ran. Der Gratin musste 20 Minuten in den Ofen, das Fleisch nur 12 Minuten. Doch die Temperatur war gleich. Und das Fleisch sollte auch etwas Zeit außerhalb der Röhre nach dem Garen verbringen – dann aber unter dem Grill eine krosse Kruste erhalten. Da unser Herd nicht besonders gut grillen kann, wurde es eben nur eine Kräuter-Haube. Aber das machte dem Geschmack keinen Abbruch. Da ich die Würzung in der Profi-Küche nicht kannte, habe ich nicht nachgewürzt. Aber grundsätzlich mag ich eine Prise Salz und etwas Pfeffer mehr, als es hier der Fall war. Doch so war der Fleischgeschmack noch besser zu erkennen.

Bergisches Rinderfilet mit Kräuterkruste - Wurzelgemüsegratin / Steinpilzcremesauce

Das Fleisch war nach der Anleitung auch noch medium und schmeckte sanft gewürzt. Die Kruste war nur eine Haube geworden, aber ich hätte das Fleisch auch ohne die Bedeckung verzehren können. Sie gab aber auch neue Noten beim Verzehr.

Der Gratin sah schon vor dem „Besuch“ im Ofen in der Farbe recht langweilig aus – und das änderte sich auch nicht groß nach dem Garen. Aber Aussehen ist eine Sache, Geschmack eine andere. Und da gab es einen Volltreffer. Das Gemüse war herrlich gar, aber nicht weich oder matschig. Die Aromen waren großartig. Der Gratin bestand aus vielen dünnen Gemüseschichten. Ich glaube es waren mindestens Sellerie, Kartoffeln und Rote Bete verwendet worden. Und die Kombination war „saulecker“ (gerne hätte ich das Rezept dazu).

Die Sauce hatte hohe Anteile an Steinpilzen und war sanft aromatisch mit Waldaromen. Sie war cremig und relativ hell.

So war der Teller im Geschmack große Klasse – aber farblich sehr durch Brauntöne geprägt. Dadurch litt die Optik schon etwas.

Drink der Woche (alkoholfrei) - Cellery & Blueberry (Staudensellerie / Roter Wermut alkoholfrei / Blaubeeren / Verjus / Kakao)

Auch der Cocktail war in einem durchsichtigen Beutel luftdicht verschlossen. Er konnte durch einen kleinen Schnitt an der Ecke leicht in Gläser gebracht werden. Etwas Eis aus dem Tiefkühlfach – und schon war er fertig.

Der Geschmack war relativ süß – also gut zum Dessert. Die Sellerie-Aromen waren zu spüren und die Süße kam sicher aus den anderen Bestandteilen.

Insgesamt für uns eine neue Erfahrung. Und etwas gewöhnungsbedürftig – aber nicht schlecht.

Süßes Finale in 2 Gängen (von Gault Millau 2021 Pâtissier des Jahres Hannes Radeck)

Auch hier mussten nur die Schere und der Tortenheber ran.

Maracuja - Macadamia / Salbei / Hokkaido

Die runde größere Scheibe unten war die Maracuja-Torte als Creme mit einen feinen Gelatinmantel. Obenauf befand sich eine Kugel aus Macadamiapaste. Dazu gab es noch weitere optische und geschmackliche Zutaten wie Salbei und Kürbisröllchen.

Besonders die Macadamia-Masse hat mir zugesagt.

Valrhona Gianduja - Kartoffel / grüner Apfel / Topfen

Die unterste Schicht bestand aus sehr feinen Apfelstreifen. Sie waren kreisförmig angeordnet und aufgeschichtet. Es sah fast wie Gemüse aus.

Die knusprige Kugel, die farblich außen blass rötlich bis bräunlich wirkte, war innen mit der Schokoladenmasse gefüllt. Es war eine nicht besonders dunkle Schokolade, die an Vollmilch erinnerte. Links und rechts daneben befanden sich zwei Kartoffelchips.

In beiden Nachspeisen waren also neben den üblichen Bestandteilen bei Süßspeisen auch Gemüse bzw. Kartoffel und Kürbis verarbeitet worden. Ich weiß nicht, ob das für wichtige Geschmackserlebnisse erforderlich war, gestört haben sie mich aber keineswegs.

Beide Kompositionen sahen schön aus und schmeckten auch.

Petit Fours - Kaffeemuffin

Der kleine Muffin musste nur aus seiner Papierform befreit werden. Er war locker und etwas saftig. Die kleinen Schokoladenstückchen prägten für mich den Geschmack – an Kaffee habe ich weniger gedacht. Egal, er war ordentlich gebacken und passte gerade noch in den Körper.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gerade bei diesen vielfältigen kleinen Speisen vor dem Hauptgang merke ich, dass es sich lohnt ins Restaurant zu gehen oder jetzt in Corona-Zeiten sich etwas bringen zu lassen; denn selbst wenn ich diese Köstlichkeiten selber machen könnte, müsste ich Unmengen von Zutaten kaufen, von denen ich dann nur wenig an Gewicht einsetzten müsste. Wo sollte ich diesen Wust an Sachen aufbewahren? Oder es gäbe tage- wenn nicht wochenlang ähnliche Gerichte.

Schon ein Spitzkohl fordert meine Kreativität zu Hause, denn er reicht für zwei bis drei Tage.

Fazit

4 – gerne wieder. Vielleicht sogar unbedingt!

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum der Lieferung: 30.01.2021 – Lunch: 2 Personen am 31.01.2021

 

 

 

 

 

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Menübox – als ein Stück taku für zu Hause: Gelungen!

Allgemein

Noch vor dem zweiten Lockdown war ich mit YouDinner im taku. Es hat mir sehr zugesagt.

Seit Oktober 2020 waren wir durch Corona nicht mehr in einem Restaurant. Abhol- und Bringdienste in der Stadt haben uns seither mehr oder weniger überzeugt. Selber holen ist für Bus-Benutzer nicht immer so prickelnd. Anlieferung fertiger Gerichte bringen auch nicht immer die perfekten Ergebnisse, denn Teile können nachgaren oder ihre Konsistenz verlieren. Ich will jedoch auch die Betriebe nicht schlecht reden. Sie haben sich stets bemüht.

Aber im Internet auf Genießerseiten habe ich auch ansprechende Lösungen von vorgefertigten Produkten, die „nur“ noch vollendet werden mussten, gesehen.

Sicher sind diese Menüs nicht so schnell fertig, wie die „normalen“ Abhol- oder Bringdienste; denn sie müssen abgerundet werden.

Das heißt wohl jetzt auf Neudeutsch: „Virtual Fine Dining“ (Virtualität ist die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren scheint, aber in ihrem Wesen oder ihrer Wirkung einer in dieser Form existierenden Sache zu gleichen).

Also auf nach Köln; da muss eine eigene Erfahrung her!

Da „taku“ fast am Bahnhof liegt, kann ich mit der S-Bahn gut und zügig ohne Umsteigen hin- und zurückkommen.

Die vier Gänge sind kalt und nur zwei davon müssen erwärmt werden. Das war dann schon vielversprechend für das „Experiment“. Eine Anleitung soll es auch geben.

Und – auch sehr wichtig – die Gerichte sagten uns zu. Kleine Änderungen waren sogar möglich.

Als ich bestellt habe, war es Dienstag und nebelig-trübes Wetter. Heute beim Abholen hatte es über Nacht geschneit – doch es war für Fußgänger nicht glatt. Auch Busse und Bahnen fuhren und die Wege waren nur matschig.

Das war also in Ordnung. Busse und S-Bahn waren kaum bis gar nicht mit Fahrgästen besetzt – noch besser. Die Fahrplanzeiten wurden auch eingehalten. So war ich nur knapp zwei Stunden von zu Hause weg.

Service

Auf der Homepage war eine Bestellung eigentlich gut beschrieben. Trotzdem wollte ich nicht gerne per Mail oder Fax bestellen und ich hatte auch noch ein paar Fragen.

Also habe ich einfach angerufen. Und die Dame am anderen Ende der Leitung war ausgesprochen aufmerksam und überhaupt nicht genervt von meinen Fragen.

Sie notierte alle wichtigen Teile des Gesprächs und las die Bestellung und die gewünschten Abholzeiten am Ende nochmals vor.

Kurz darauf bekam ich auch noch eine freundliche Mail vom Küchenchef, dass alles klar geht.

Das war insgesamt sehr angenehm für mich.

Im Hotel waren drei Mitarbeiter*innen am Empfang und holten die Boxen, verpackten sie in meine Tasche und rechneten ab. Das ging also wie geschmiert.

Zu Hause habe ich dann mit meiner Frau zusammen zwei Stunden die erforderlichen Dinge gegart, angerichtet und verzehrt.

Das hat also auch gepasst.

Die Zubereitungstipps waren klar und deutlich abgefasst. Es handelte sich um kleine Texte, die leicht nachzuvollziehen waren.

Um einige Schritte noch besser zu erfüllen, müsste ich für das Brot und Fleisch etwas mehr selber experimentieren. Die Hinweise waren absolut passend, aber mein Herd hat wohl bei den Temperaturen eigene Vorstellungen. So würde ich zukünftig das Brot länger oder mit höherer Einstellung zu Ende backen. Und beim Fleisch wegen der unsicheren Backofeneinstellungen lieber eine Pfanne benutzen, um den Gargrad zu optimieren. Ein schnelles Thermometer mit Kernfühler habe ich nämlich nicht. Aber mit Butter, die gerade Nussbutter wird, habe ich selber gute Erfahrungen gemacht und auch dieses Fleisch noch einmal in die Pfanne gegeben. Dann war aber auch für uns der optimale Genuss möglich.

Die Menübox

Brot und Salzbutter

Wildlachs (als Tatar) mit Avocado, Thai-Chili und Limetten-Kroepek

Peking-Enten-Essenz mit Entenkeule, Pilze und Frühlingszwiebel

Wagyu Flanksteak (Brust & Keule)mit Soja-Butter-Sud, wildem Brokkoli und ‚fried Rice‘

Schokoladentörtchen mit Vanillekern und Orangencrumble

Pralinen (4 Stück – verschiedene Sorten: Honig-Haselnuss, Zartbitter, Champagner, Vanille)

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Das Sauerteigbrot kam bei 175 Grad für sechs Minuten in den Ofen.

Dadurch war die Kruste etwas kross, aber innen war die Krume uns noch zu kalt und kompakt. Sicher liegt das an unserem Backofen. Ich würde ihn zukünftig etwas länger arbeiten lassen – vielleicht auch warmes Wasser über die Kruste mit etwas Mehl streichen.

Aber insgesamt war das Brot lecker und die Butter passte gut dazu. Von beiden Teilen haben wir noch Reste und werden sie zum Abendbrot verbrauchen.

Das Wildlachs-Tatar war herrlich abgeschmeckt und hatte kompakte Noten von Gewürzen wie zum Beispiel feiner Pfeffer. Avocado, Chili, Creme und die Kroepek-Flocken rundeten das Gericht wunderbar ab.

Das war ein wunderbares Geschmackserlebnis.

Wir mussten auch nur das Tatar aus einer Box auf einen Teller heben und eben mit der Avocado-Creme und dem Limetten-Kroepek verzieren.

Da von der Creme und den groben Flocken noch Reste übrig sind, können wir damit am Montag sicher noch eine Vorspeise gestalten.

Auch die Suppe ging leicht von der Hand. Die Essenz wurde in einem Topf erhitzt und dann kamen noch Pilze, Fleisch, und Wan-Tans aus Tütchen dazu. Schon war der Teller fertig und obenauf kamen noch ein paar frische Kräuter aus einer weiteren Box.

Das Süppchen hat uns ebenfalls gemundet.

Ein Rest wird ebenfalls den Montag verschönern, denn wir konnten nicht alles schaffen.

Für den Hauptgang musste nun etwas mehr Zeit und Aufmerksamkeit verwendet werden. Doch die Anleitung war kleinschrittig und daher gut nachzuvollziehen.

In einem heißen Wasserbad wurden der Brokkoli (im Beutel), die Sauce (im Beutel) und der Reis (im Beutel) gleichzeitig erwärmt und fertiggestellt.

Das Fleisch musste parallel in den Backofen und dort fertig garen. - Nach der ersten Erfahrung würde ich bei einem weiteren Versuch das Fleisch im Ofen nur aufwärmen und dann in der Pfanne mit Butter bei mittlerer Hitze außen leicht bräunen (oder doch bald ein Digital-Präzisions-Steakthermometer kaufen).

Die Teller haben wir im Ofen kurz temperiert. Die drei Zutaten aus dem Wasserbad haben wir in separate Schüsselchen geschüttet und dann angerichtet: Fleischstücke, Sauce, Gemüse und Reis.

Der Brokkoli hatte noch Biss, genau wie wir es mögen. Jedoch war der Sud, in dem das Gemüse gegart wurde schon etwas viel Soja für uns und wirkte etwas zu mutig gewürzt.

Die Butter-Soja-Sauce hingegen war dezent abgeschmeckt. Der Reis hatte für uns eine perfekte Konsistenz. Diese gebratene Variante war relativ neu für uns und hat uns überzeugt. Frisch im Wok gemacht, ist er vielleicht noch knackiger – wir werden es sicher zu Hause ausprobieren.

Das Fleisch war uns nach der Anleitung noch zu „kalt“; aber wie gesagt, das liegt sicher an unserem Ofen und dem fehlenden Digitalthermometer (In der Anleitung standen natürlich die optimalen Temperaturen zu den möglichen Gargraden).

Jetzt waren wir schon wohlig gesättigt und konnten – anders als im Restaurant – den Nachtisch bis zur Kaffezeit verschieben.

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Das Schokotörtchen waren in allen Bestandteilen schaumig, luftig und leicht. Unten lag eine helle dünne runde Waffel. Darauf baute sich das Küchlein auf. Es hatte innen mehrere Schichten aus heller, brauner und sehr dunkler Schokoladencreme. Die helle Schicht war dabei eine Vanillekomposition. Obenauf waren feine Crumble-Stücke – früher Streusel genannt – aufgetragen. Einige keine Orangenscheibchen, einige Passionsfruchtkerne, Schokoladenspäne und eine höhe Schokoladenhalbkugel mit einer sahnigen Creme waren auch noch auf der Oberfläche angebracht.

Ein tolles Schmankerl zum Esspresso.

Meine Frau mag keine dunkle Schokolade und so bekam sie einen zweiteiligen Käse-Sahne-Kuchen mit einer Ummantellung von weißer Schokolade. Sie war ebenfalls von ihrem Törtchen begeistert.

Dann gab es noch vier Pralinen. Die dunklen Typen Honig-Haselnuss und Zartbitter haben wir untereinander getauscht. Sie waren schon recht lecker. Aber die beiden hellen Varianten (Champagner und Vanille) waren noch besser. Sie entsprachen in ihrer Art voll unseren Wünschen.

Und das beste dabei: Wir mussten nichts selber machen. Nur aus der Box heil auf den Teller bringen.

Ob wir jetzt noch Abendbrot machen, steht in den Sternen – aber Brot schmeckt auch am nächsten Tag.

Fazit

4 – gerne wieder – auch als Abholmenü in Corona-Zeiten – noch lieber (später im Jahr – wann?) im taku vor Ort.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Abholens: 17.01.2021 – mittags – 2 Personen.

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Die Eindrücke vom Besuch im taku vor Corona stehen weiter unten.

 

 

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November 2020 bis Mai 2021: Restaurants geschlossem

Mittwoch, 28.10.2020, waren wir noch einmal in der Stadt auf dem Markt. Unser Fischverkäufer wünschte uns noch eine gute Zeit. So lange es den Markt noch gibt, können wir dort wenigstens köstliche Grundprodukte kaufen.

Die schon gebuchten Restaurantbesuche im November sind jetzt natürlich abgesagt (worden). Es folgte Dezember und Januar und Februar und März und April und Mai ! - Also ab in die Küche !

Der besondere Nachtisch aus: Feige, Limette, Kokos-Creme, Kokos-Öl,Kokosraspel, Cashew, Avocado als Törtchen.

Filet-Steak mit Spargel

Erdbeer-Quark-Schichttörtchen

Tomaten-Frischkäse-Terrine

Pesto mit Huhn- bzw. Schinken-Chip

Hühnerbrust pikant

Schichteis Himbeer-Vanille

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Räucherlachs-Tatar mit Garnelen

Kassler-Mousse auf Blattsaalt mit Parmesan-Plätzchen

Kartoffel und Tomate aus dem Ofen

Kaninchen-Rolle im Schinken

Sauerkraut-Päckchen

Entenbrust

Lachs-Spinat-Frischkäse-Rolle (Vorspeise)

Hüftsteak, Pilze, Sauce

Dessert (3. Advent)

Kuchen

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Heute konnte ich auf dem Markt am Fischstand ein herrliches Stück frisches Seeteufel-Filet einkaufen.
Zu Hause wurden daraus Steaks. Zusammen mit einem Tomatensalat, Reis und einer Sauce ein köstlicher Teller.

von rechts: Entenbrust, Reis mit Sauce und gemischte Pilze und Möhren

Cheesecake mit dunkler Beeren-Creme

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Dry Aged Beef vom Hohenloher Weiderind ...

Beef Sashimi mit Kräutersauce

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März, April, Mai 2020: Bergisch Gladbach - einkaufen - selber kochen

Samstag, 14.03.2020, waren wir noch einmal in der Stadt und haben gefrühstückt. Dann wurden Lokale geschlossen und Besuche von Freunden und Verwandten von uns eingestellt.

Da haben wir - eigentlich wie vorher auch - zu Hause gekocht. Aber wir haben uns mehr Mühe gegeben, neue Rezepte ausprobiert und Zutaten im Haus kreativ eingesetzt.

Vieles ist recht gut gelungen, an anderen werden wir weiter arbeiten oder einfach den Profis überlassen.

pulled pork im Ofen mit Krautsalat und Bratkartoffeln

Ente mit Fenchel und Möhre

Krabbenbrot mit Ei und Kräutern auf Roggenschnitte

Kaiserschmarrn

Zanderfilet mit Pasta

Ostermontag: Ente, Gurken und Gemüse, Naan

Ostern: Lamm - Gemüse - Pfannenbrot (alle Zutaten vom Markt (Robbe: Fleisch; Gemüse vom Stand)

Karfreitag: Schlesische Gurkensauce mit Ei

Frischer Bärlauch, Cashew-Kerne, Reis

Skrei - grüner Spargel und Gemüse

Unsere "Matschpanne" - mediterranes Schmorgemüse, mit Schweinemett und Weißbrot

selbstgemachte Pommes - zweifach frittiert

Strindberg mit Bohnen und Pasta

 

 

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Oktober 2020: Olivenhof Gronau, Bergisch Gladbach

 

Es hat uns geschmeckt, wir werden wohl wiederkommen

Allgemein

Im Internet hatte ich die Frage gestellt, wo man in Bergisch Gladbach unbedingt einmal essen sollte. Darauf gab es tatsächlich einige Antworten – und die waren sogar alle ernsthaft und nachvollziehbar geschrieben. Und ich habe sogar einige Adressen erhalten, die ich bisher nicht kannte oder auf der Liste hatte.

Somit hat sich diese Aktion für mich als hilfreich herausgestellt.

Besonders zugesagt hat mir der Hinweis auf „Olivenhof Gronauer Wald.

Daher habe ich dort für Sonntag zum Lunch reserviert. Wir waren drei Personen.

Ambiente

Von außen sieht das Gasthaus recht unspektakulär aus; aber die ganze Siedlung macht insgesamt einen ansprechenden Eindruck.

Innen fanden wir dann wirklich eine Einrichtung, die mit Stil und Bedacht gewählt worden war.

Das ehemalige Gasthaus „Zur Eiche“ ist in die Waldsiedlung Gronau eingebettet. Die Gebäude entstanden ab 1897. Erst 1925 erfolgte im Gronauer Waldweg 36 der Einbau eines Ladens für Konditorei und Kaffee. 1932 wurde eine Gaststube angebaut. Weitere Um- und Anbauten erfolgten zwischen den Jahren 1981 und 1990.

In dieser Zeit kam der Name „Zur Eiche“ auf. Über die Jahre von verschiedenen Pächtern und mit unterschiedlichen Konzepten und Angeboten betrieben, endete diese Ära in 2019 mit der Aufgabe des letzten italienischen Pächters.

Es wurde ein neuer Betreiber gesucht. Die Gruppe, die schon in Schildgen ein Restaurant mit dem Namen Olivenhof unterhält, erhielt den Zuschlag.

Es folgten Monate des Umbaus und der Optimierung der Gast- und Funktionsräume in Erdgeschoss und Keller und seit Juni 2020 – mit leichter „Corona-Verspätung“ – läuft jetzt der „Olivenhof Gronauer Wald“ (so steht es auf der Homepage) der Betribe mit Gästen.

Sauberkeit

Alles wirkt noch wie neu – und ist es auch. Es gibt einen Barbereich und zwei Ebenen mit Gasträumen. Sie sind über Treppen verbunden.

Sanitär

Jede Abteilung hat einen eigenen WC-Bereich – allerdings muss man im unteren Raum dazu in den Keller steigen.

Die Anlagen sind modern und großzügig gestaltet bzw. ausgestattet.

Service

An diesem Sonntagmittag war nicht viel los im Lokal; abends hingegen ist das Restaurant aber oft ausgebucht.

So berichtete jedenfalls der Restaurantleiter Constantin Tsoukalas. Er kümmerte sich herzlich um uns. Stets war er mit Informationen oder Nachfragen zu Stelle. Wir hatten aber auch genug Zeit für uns für Unterhaltungen.

Auf jeden Fall scheint Constantin Tsoukalas mit ganzem Herzen am Haus zu hängen. Seine Augen leuchteten auf, wenn er sprach – mehr war durch die Maske nicht zu erkennen.

In Köln würde man sagen, dass er ein liebenswerter Schwaadlappen ist.

Er erklärte uns das aktuelle Konzept des Restaurants und die weiteren Pläne. Sogar eine kleine Führung durchs Haus machte er mit uns in einer Esspause.

Wir fühlten uns verwöhnt wie Stammgäste.

Die Karte(n)

Es gibt die Stammkarte, das Wochenangebot und die große Weinkarte: Tapas, Steaks, Pasta, Salate, Käse, Suppe, Desserts sind die Schwerpunkte des Konzeptes. Es gibt kein Menü. Man kann immer wieder Kleinigkeiten bestellen und ausprobieren. Es soll eine südländische Gastlichkeit entstehen mit Speisen und Getränken aus dem Mittelmeerraum, aber auch rheinischem Einschlag (es gibt sogar Schreckenskammer Kölsch).

Die verkosteten Speisen 

Begrüßungstapas - eigenes frisches Brot mit Oliven, Aufstrich und Aioli

Jeder Gast bekommt diese Zusammenstellung serviert und in Rechnung gestellt. Das ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig; es erinnerte mich an früher in der gehobenen Gastronomie teilweise verlangte „Gedeck Geld“.

Ich verstehe auch nach der Erklärung des Kellners nicht ganz den Sinn; aber wenn man es weiß, kann man später eine Vorspeise weniger bestellen.

Das Brot war wirklich schmackhaft und Aioli und Tomaten-Paste in den beiden Gläschen außen hatten auch eine kräftige angenehme Note und waren ein schmackhafter Einstieg. Die Oliven waren in Ordnung: grüne Exemplare mit und ohne Kern. Im weiteren Gläschen war eine helle Paste, die uns nicht besonders überzeugt hat, weil sie relativ neutral schmeckte.

3 … aus Tapas: Krabben in Kräuter–Knoblauch–Olivenöl , gebratene Chorizo, Reibeküchlein mit hausgebeiztem Lachs und Honig-Senfsauce Wildfang

Gemäß dem Küchenkonzept kann man aus fast unzählig vielen Tapas auswählen und einzeln bestellen; daneben kann man auch drei oder vier Tapas aus der Liste zu einem Teller zusammenstellen. Daneben kann man Tapasplatten mit Fleisch, Fisch oder vegetarisch bestellen – oder sich überraschen lassen.

Wir haben heute die Zusammenstellung dem Kellner übertragen.

Sicher war das eine gute Wahl, denn sowohl die Krabben, die Chorizo-Stücke als auch der Reibekuchen mit Lachs waren auf ihre Art sehr schmackhaft und zeigten die Breite der Palette andeutungsweise an. Mir hat die Wurst besonders gemundet, aber auch der Lachs war fein geräuchert und Krabben schmeckten ausgezeichnet zum Brot.

Zarzuela klein

Die tomatisierte Edelfischsuppe hatte einen feinen Gemüsegeschmack und war mit vielerlei kleinen Fischstückchen versehen. Sie war also sehr ansprechend und irgendwie auch ganz anders als die mir bekannten französischen Varianten.

Im Ganzen gebratene Dorade an mediterranem Gemüse mit Rosmarinkartoffeln

Die Dorade war außen nur noch leicht knusprig, weil das Gemüse darauf angerichtet worden war. Aber innen war sie weich und saftig und ausgewogen gewürzt. Das Fleisch ließ sich in Stücke teilen, sodass viele Abschnitte ohne Gräten waren.

Der Kellner hatte auf unseren Wunsch hin das Transchieren übernommen.

Das Gemüse war angenehm weich gegart und würzig abgeschmeckt. Mit Knoblauch war nicht gespart worden; da es überwiegend in der Schale geblieben war, konnte man es auch leicht bei Bedarf entfernen.

Die Kartoffeln waren weich gegart und dann etwas in der Pfanne geschwenkt worden und mit Rosmarin gewürzt.

Gebratene Maispoulardenbrust auf Kürbis-Kartoffelragout mit Kräutersoße

Das Fleisch schmeckte zart, würzig und weich; jedoch die Haut war nicht besonders knusprig gehalten. Die Kürbis- und Kartoffelstücke waren gekocht und cremig mit der Sauce verbunden worden.

Insgesamt ein runder Teller.

Lammfilet aus Neuseeland 200g mit Patats „C’an Torrat“ und buntem Salat

Das Fleisch war genau richtig zubereitet: außen leichte Röstaromen und innen saftig, rosa getroffen. Auch die Würzung war ausgewogen und ließ dem Fleisch seinen Eigengeschmack.

Die Kartoffel-Stifte hatten eine angenehme Dicke, waren außen knusprig und innen angenehm weich. Egal, wie diese Beilage auch heißen mag, es waren köstliche Pommes frites!

Auch der Beilagensalat war gelungen. Es gab reichlich Saalt, aber auch Gemüsestücke und Tomaten. Das Dressing ließ den einzelnen Komponenten genügend Raum für eigene Aromen.

Zitronengras-Panna-Cotta mit Mango und Minze

Die Panna-Cotta hatte eine schöne fluffige Konsistenz und war ungewohnt aber gekonnt mit Zitronegras gekocht worden. Obenauf war eine fruchtige Mango-Creme aufgetragen worden. Das war abwechslungsreich in der Aromatik.

gemischte „Dessertvariation Olivenhof“

Bei der Nachtisch-Variation befanden sich vier Komponenten auf dem Teller. Eine knackige Creme brulee, etwas von der oben beschriebenen Panna Cotta, ein Fruchteis aus dunklen Beeren und eine Schokoladen-Mousse.

Wahrlich ein schöner Abschluss.

Da der Kellner aus seiner Sicht keinen passenden Wein vorrätig hatte, empfahl er einen Rum. Das Glas erwärmte er dafür, flambierte einen keinen Schluck danach und goss dann den Rum aus der Flasche dazu. Das war recht aufwändig, aber auch spektakulär inzenniert – und schmeckte am Ende sogar sehr gut zum Dessert.

Getränke

Hauswasser feinperlig 1,0 l

Das Restaurant besitzt im Keller eine BWT Enthärtungsanlage und stellt das Trinkwasser dort selber her und reichert es nach Wunsch des Gastes mit Kohlensäure an.

Grahams Vintage Port 5cl - Tonic Fever Tree 0,2 l - Lillet Berry

Wir ließen uns zur Einstimmung drei Cocktails mischen: Lillet Wild Berry und Port-Tonic.

D´Oisly Touraine: Sauvignon blanc 0,1 l

Ribas: Siò 0,1 l

Der Sauvignon war gut gekühlt und zeigte frische mineralische Noten.

Für den Rotwein kam ein Gerät zum Einsatz: Coravin – ein Wein-System-Ausschenksystem mit dem man Weine glasweise füllen kann, ohne die Flasche zu entkorken. So sollen auch Weine angeboten werden, die sonst nicht im offenen Ausschank geführt werden. Ich werde zu Hause weiter mit einer Vakuum-Pumpe arbeiten, weil ich die Flasche nicht wochenlang frisch halten muss. Aber es war interessant zu sehen und der Wein schmeckte keineswegs „gepresst“, sondern entspannt im Glas.

Don Papa Rum 0,05 l

Espresso

Espresso macchiato

Fazit

4 – gerne wieder; es gibt noch einiges zu entdecken

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 25.10.2020 – mittags – 3 Personen

 

 

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Oktober 2020: Alfredo *, Köln

Es geht nichts über Kultur!

Allgemein

Einige Male war ich schon bei Roberto Carturan zu Gast (zuletzt mit meiner Frau im Juli 2020); aber immer nur mittags. Berühmt bzw. besonders hingegen ist der Freitagabend; denn dann singt der Chef am Ende des Dinner. Roberto ist nämlich ein gelernter Bariton.

Da habe ich mir einen Platz gesichert.

Sein Vater Alfredo Carturan eröffnete 1973 das Restaurant neben der Kölner Oper (die Oper wird seit 2012 renoviert und die Arbeiten sollten 2015 abgeschlossen sein. Man schätzt aber heute 2020, dass es noch bis 2024 dauern könnte) und Roberto übernahm 1999 die Leitung.

YouDinner stellte nun in Aussicht: Ein Abend wie „die ganz große Oper“ - also Dinner und Konzert bzw. Soiree. Das Menü endet nicht mit Dessert und Espresso. Es folgt der Höhepunkt des Abends. Der Küchenchef singt zur Klavierbegleitung Arien und Lieder italienischen Meister, Mozart, Schumann und sogar Willi Ostermann.

Für das Vortragen musste sogar eine Genehmigung bei der Stadt eingeholt werden (wir sollten nicht mitsingen, erzählte Roberto Carturan mit einem Lächeln, weil nur eine Person vortragen dürfe).

Über die Küchenleistung wird immer wieder gestritten. Die einen sagen, sie ist gut, aber nicht viel besser als bei anderen italienischen Restaurants ohne Stern – so mein Nachbar zur Rechten zum Beispiel. Doch links neben mir wurde viel gelobt.

Und ich muss sagen: Auch ich finde die Küche mindestens eine Stufe höher, als gute italienische Restaurants in meiner Umgebung, die ich auch sehr schätze.

Es gibt jedoch auch ein Aber; denn die Portionen sind nicht besonders groß, die Weine nicht aus der Riege, der namhaften Winzer und so erscheinen die Preise insgesamt recht selbstbewusst kalkuliert.

Jedoch waren die Meinungen zum Gesang ungeteilt positiv. Ich fand die italienischen Arien sehr persönlich vorgetragen, das Mozart-Lied großartig („Non piu andrai farfallone amoroso“ - aus Le nozze di figaro) und die Zugabe seine Interpretation von „Wenn ich so an Wenn ich ming Heimat denke“ sogar rührend. Auch sein Vortrag eines Gedichtes von Heinrich Heine vertont von Robert Schumann (als „Gruß“ nach Düsseldorf) hat mich beeindruckt. Romantische Lieder, die von hochdramatischen Sopranistinnen interpretiert werden, kann ich meist kaum ertragen. Aber die sonore Baritonstimme war angenehm.

Für die gute halbe Stunde Musik – übrigens von Thomas Taliesin Weber am Piano kongenial begleitet – gab es auch viel Applaus.

Ambiente

Das Lokal ist sachlich und schlicht eingerichtet. Bei Besteck und Porzellan werden ausgesuchte Marken eingesetzt. Die klassischen Schwingstühle am Tisch sind bequem.

Service

Die Crew (bestehend aus der Gattin, dem Sohn (der nun die 3. Generation darstellt) und einigen jungen Damen) erledigt ihre Aufgaben geräuschlos und umsichtig und aufmerksam.

Das Dinner

Es handelte sich um vier Gänge und die anschließende musikalische Darbietung.

Amuse Bouche: Zwei kleine Grüße zur kulinarischen Einstimmung: Salat von Moscardini mit Mangold und Cannellini Bohnen sowie Tartelette mit Ziegenkäse, Spinatcreme und Zitronen Streusel

Auf einem Löffel war das Bohnengericht angerichtet und der zweite Gruß bestand aus einer dunkelgrünen Halbkugel, die innen fast flüssig war. - Beide Gerichte waren angenehm im Mund.

Der Brotkorb mit mehreren Sorten Brot, kleinen Knusperstangen und knusprigen Croutons stand bereit und wurde auch nachgefüllt im Laufe des Abends.

                      

Gang 1: Aquarium: Wilde, rote Garnele, Ricciola, Jakobsmuschel

Diesen Teller würde ich mir jederzeit wieder bestellen. Die Garnele war gerollt und mit Lachskaviar bekrönt. Das war sehr fein abgestimmt und machte mir große Freude. Das Fleisch der Großen Bernsteinmakrele war roh in dünne Tranchen geschnitten wurde wirkte auf mich wie Ceviche: Die Aromatik überzeugte mich durch die Puristik.

Aber am besten hat mir die Jakobsmuschel gemundet. Sie war für mich so perfekt gebraten, gewürzt und angerichtet wie lange nicht mehr. - Davon hätte ich bleich drei mehr bestellen können.

Gang 2: Risotto classico: mit frischen Steinpilzen

Dieser Teller sah – erwartungsgemäß – nicht besonders einladend aus. Außer den Reiskörnern und den Pilzstücken war nichts auf dem Teller zusätzlich untergebracht.

Der Reis war auf jeden Fall für mich optimal gegart; denn er war weich aber noch mit leichtem Biss. Die Pilze waren leicht gebraten und gaben den besonderen Geschmack der Edelsorte angenehm weiter. Mit Parmesan oder Zwiebel war auf jeden Fall sparsam bzw. umsichtig umgegangen worden; denn die Creme um den Reis und die Pilze herum gab eine gute Bindung, war aber nicht aufdringlich.

Somit war der Risotto schon nach meinem Geschmack.

Gang 3: Trilogie vom Ochsen

Links auf dem Teller war geschmortes Fleisch. Es war butterweich, saftig und würzig. Es erinnerte an Tafelspitz oder auch pulled beef im Geschmack. Es war das größte Stück auf dem Teller und war kalt angerichtet. Darunter war eine kräftige Sauce drapiert.

In der Mitte war ein kleiner Klecks Püree; sehr fein abgeschmeckt. Außer Kartoffel wohl noch Wurzelgemüse. Davon hätte ich auch einen zweiten Löffel aufgegessen.

Rechts außen war das Fleisch wie eine lange Scheibe Wurst aufgeschnitten worden und dan gerollt. Das war das kleinste Stück auf dem Teller; es erinnerte mich an einen Braten, der noch nicht weich geschmort ist, sondern noch eine feste Struktur hat. Das Fleisch war ebenfalls mit Kräutern verziert worden.

Unterhalb vom Püree lag das kurzgebratene Stück. Es könnte Filet gewesen sein; jedenfalls war es super zart, leicht rosa im Inneren und köstlich im Geschmack.

Dieser Teller war zurecht für mich das Hauptgericht und der Höhepunkt.

Gang 4: Dolce: Zitrone, Basilikum, Pflaume

Rechts auf der langen Schale befand sich eine Art Küchlein (der Zitronen-Anteil wohl). Es war mit Pflaumenspalten, einer Creme und krossen Chipstücken oben abgeschlossen. Das schmeckte fruchtig und erfrischend.

Eine dünne grüne Spur reichte dann bis nach rechts außen zum Pflaumen-Eis bzw. Sorbet. Die „Schlange“ war wohl der Basilikum-Teil der Trilogie. Ich persönlich konnte jedoch den Geschmack nicht mit dem Kraut in Verbindung bringen. Es war für mich eine Creme, die wenig Eigengeschmack frei gab, aber auch keine störenden Aromen zeigte.

Das Eis hingegen war für mich das beste auf diesem Teller.

Optisch wirkte dieser Teller auf mich unharmonisch, weil er sehr lang und dabei schmal war. So war links relativ viel auf dem Geschirr, dann kam die lange dünne Spur zur anderen Seite und dort war eine kleine Nocke Sorbet. Ich hätte eine kleinere Form gewählt und die Hauptteile näher zusammen positioniert. Aber das ist eine Stilfrage und tut dem Geschmack keinen Abbruch. Positiv fand ich noch, dass der Nachtisch dezente Süße zeigte und sehr ausgeglichen war. Doch ich fand das Dessert insgesamt etwas schwächer als die anderen Gänge. Leider gab es dazu auch keinen passenden Wein, sondern weiterhin den Rotwein.

Foto: YouDinner

Abschluss

Zum Kaffee gab es noch kleine Nusspralinen; daher bekam ich dafür einen aufgeschlagenen Schaum, der cremig und aromatisch war. Das hat mir sehr gut geschmeckt.

Dann folgte der musikalische Teil.

Getränke

Mineralwasser

Borgoluce, „Rive di Collalto” Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG brut 2018 - Cusumano Sicilia Grillo Shamaris 2019 - Monte del Fra Monte del Frà Custoza Superiore "Cà del Magro" 2018 DOC (Rebsorten: Garganega, Trebbiano, Tocai, Cortese, Chardonnay) - Le Pupille Morellino di Scansano Riserva DOCG 2015 (Rebsorten: 90% Sangiovese, 10% Cabernet Sauvignon)

Die Weine waren jeweils gut temperiert und es wurde gerne nachgeschenkt. Am besten hat mir der Rotwein gefallen.

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Hier werden sehr gute Produkte verwendet und aufwendig zubereitet; das hat seinen Preis. Aber sie sind schon recht hoch angesiedelt. Im Verhältnis zu einem guten italienischen Restaurant ohne Punkte in den bekannten Führern schon eine Hausnummer.

Fazit

4 – trotzdem: gerne wieder, weil mir die Gerichte einfach zusagen. Und: Es wird wochentags jeden Mittag geöffnet (Samstag und Sonntag ist aber geschlossen – wer kann sich das noch als Gastronom leisten?)

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 10.10.2020 – abends – 1 Person

 

 

Roberto und Miguel

 

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Oktober 2020: Restaurant Brücken, Köln

Kleines Haus – große Küche

Allgemein

Durch Corona verursacht und dadurch auch geänderten Bedingungen und Öffnungszeiten von Gaststätten, konnten unsere Genießer-Club-Treffen nicht wie gewohnt stattfinden. Gut, dass wir nur zwei Mitglieder haben und dadurch viele Auflagen von grundauf erfüllen können.

Das Treffen sollte in Köln stattfinden und mit einem Lunch starten – am liebsten in einem Lokal, das wir noch nicht kennen, aber einigen Genuss verspricht, getreu unserem Club-Zweck: Genießen.

Fast alle Restaurants, die wir noch auf der Liste hatten, öffneten erst abends. Nach kurzer Recherche fiel die Wahl dann auf das Restaurant Brücken – sogar in Bahnhofsnähe.

Feine Saisonale & Griechische Landhaus Küche“ verspricht die Homepage.

Das hörte sich gut an, also haben wir reserviert: Für zwei Personen.

Ambiente

Das Haus sieht von außen nicht besonders einladend aus. Aber wie sagte schon Helmut Thieltges: "Nicht der Käfig, sondern der Vogel muss singen".

Innen stellt sich heraus, dass das Restaurant recht klein ist und auch nur wenige Tische hat – gut reserviert zu haben.

Die Einrichtung entspricht auch eher einem Brauhaus; denn die Tische sind „blank“. An der einen Außenwand befindet sich ein großes Bild mit einer Brücke, passend zum Namen. Auf der anderen Seite befindet sich ein riesiger Spiegel – dadurch erscheint das Lokal etwas größer.

Sogar eine Kegelbahn gehört zum Haus.

Bevor das Lokal zum Restaurant wurde, war es ein Cafe: An den Fenstern steht noch die kleine Inschrift: Kuchen selbst gemacht.

Aber seit über vier Jahren wirken nun die Eheleute Melios hier.

Service

 

Die Homepage gibt einen groben Überblick über die Speisen und Getränke. Aber mir war trotzdem unklar, was uns mittags erwartet. Daher schrieb ich eine Mail an die Chefin. Sie bat um eine Telefonnummer und rief umgehend zurück, weil ein Gespräch einfach einfacher ist, als Texte hin und her zu schicken. So einen Service im Vorfeld habe ich selten erlebt. Wir besprachen dann grob drei Gänge: griechische Vorspeisen, ein Stück von der „alten Kuh“ und eine Dessert-Überraschung. Der Mann kam auch noch ans Telefon und schlug einige griechische Weine zu Begleitung vor.

Als wir dann ankamen und unseren Namen nannten, wurden wir herzlich begrüßt und an einen Fensterplatz geführt. Auch der Koch kam aus der Küche und fragte, ob er so wie besprochen loslegen könnte.

Während des gesamten Aufenthalts wurde immer wieder sehr freundlich nach unseren Wünschen gefragt und sich erkundigt, ob alles zu unserer Zufriedenheit abliefe. Es war eine natürliche und echte Gastfreundschaft in meinen Augen.

Die Karte(n)

Die Angebote sind in mehreren Kategorien aufgegliedert: Mittag, Woche, Abend, Tapas, kleine Gerichte, griechische Vorspeisen, aus dem Garten, Hauptgerichte, aus dem Meer, vom Rind – manche Gerichte gibt es nur abends.

Die verkosteten Speisen

Menü nach Absprache - in drei Schritten

Runde 1: Mezze bzw. Tapas (als Überraschung aus der Küche)

Die Wirtin und der Koch brachten mehrere Schüsseln und Schalen mit verschiedenen griechischen Speisen:

Brot und Tzatziki: griechischer Joghurt mit Gurke, Knoblauch und Olivenöl - Dips und Pasten

Gebackener Schafskäse  mit Waldblüten-Honig und Sesam

Pantzarosalata: Rote Beete Salat nach griechischer Art

Pimientos de padrón

Wolfsbarsch-Filet und Pulpo-Stücke

Alle Namen und Details habe ich nicht behalten können, aber es waren viele Teile.- Ich gehe einfach nur auf die Gerichte ein, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Da denke ich an erster Stelle an den feinen Wolfsbarsch und die Pulpo-Stücke. Auch der gebackene Käse hat mich überzeugt. Der Rote-Bete-Salat ist mir durch seine feine Würzung aufgefallen. Sehr schön weich und gleichzeitig auch leicht knusprig waren die kleinen grünen Paprika.                                                                                     Und dann haben wir auch die unzähligen scharfen, milden, süßen und pikanten Pasten, Cremes und Aufstriche mit Brot probiert.

Davon könnte man alleine schon völlig satt sein. Also haben wir nicht alles verputzt, denn schließlich sollte noch ein großes Fleischstück kommen.

Aber bei einem nächsten Besuch bleibe ich vielleicht sogar bei diesen kleinen Tellern und probiere die weiteren Gerichte aus diesem Teil der Karte.

Runde 2: Fleisch

Entrecôte von der „alten Kuh“ mit Kartoffeln und mediterraner Paste

Das Fleisch war sanft gebraten und hatte dadurch außen leichte Röstaromen. Innen war es medium im Gargrad. Es war nur gesalzen und gepfeffert. Dazu erhielten wir noch drei Dips in scharf, mild und würzig.

Aber mir hat das Fleisch am besten pur geschmeckt. Da die „Steaks“ auch am Rand und im Inneren „Fettstellen“ hatten, war der Geschmack angenehm würzig. Natürlich haben wir nicht alle diese „wabbeligen“ Teile aufgegessen. Aber schon probiert; denn sie haben schließlich Geschmack, sind aber auch manchmal schwer zu kauen. Aber das war uns vorher klar. Die durchwachsenen und mageren Abschnitte waren außerdem köstlich – nicht so weich wie Filet, aber sehr charaktervoll und aromenintensiv.

Die Kartoffeln haben wir etwas vernachlässigt.

Die Paste oder Creme, die wohl hauptsächlich aus Aubergine, Tomate und Zucchini bestand, erinnerte mich geschmacklich an Ratatouille, dass man zu einem Stampf verarbeitet hat. Es war cremig, weich aber auch gut gewürzt.

Runde 3: Nachtisch

Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern

Zum Abschluss erhielten wir noch einen kleinen Schokoladenkuchen. Er hatte einen flüssigen Kern und schmeckte, wie man diese Art erwartet.

Gut, dass dazu keine großen weiteren Komponenten gereicht wurden, sonst hätten wir auch „platzen“ können.

Seit dem Film „Der Sinn des Lebens“ (Teil VI – Die Herbstjahre) weiß man ja, was ein Minzblättchen zu viel, anrichten kann!

Getränke

Mineralwasser – 0,75 l

Ktima Gerovassiliou - 2019 Malagousia Single Vineyard – Rebsorte: Malagousia - Geschützte geografische Angabe Epanomi – Alkoholgehalt: 13.5% - Ausbau: Stahltank, Teilbarrique

Ktima Biblia Chora - Plagios Sideways red 2012 – Rebsorten: 85% Merlot und 15% Agiorgitiko - Geschützte geografische Angabe PANGEON - Alkoholgehalt: 15% - Ausbau: 16 Monate in neuen französischen Eichenfässer

Die beiden Weine wurden uns empfohlen und sie haben uns sehr erfreut: „Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde.Komm', schenk dir ein!“. Sie waren überhaupt nicht dünn oder süß oder wuchtig, sondern elegant und wuderbar zum Essen.

Espresso

Fazit

4 – gerne wieder. Die Gerichte und die Zubereitung haben mir zugesagt: üppig, deftig, lecker. Wir haben so viele kleine und große Gerichte erhalten und dadurch die Küche schon recht gut kennen lernen dürfen. Aber es bleiben noch offene Stellen ...

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 07.10.2020 – mittags – 2 Personen

 

 

 

 

 

 

 

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September 2020: Grappolo D' Oro, Bergisch Gladbach

Für uns bleibt das Restaurant auf der Liste für angenehme italienische Küche

Allgemein

Wir waren längere Zeit nicht mehr im „ Grappolo D'Oro“ essen – in der Zwischenzeit wurde sogar ein Ortswechsel durchgeführt. Das Restaurant liegt immer noch in Schildgen. Aber sie sind vom Nittumer Weg in die Altenberger-Dom-Straße vor etwa zwei Jahren umgezogen.

Für uns wichtig: Sie machen immer noch mittags auf und eine Haltestelle liegt in unmittelbarer Nachbarschaft.

Wir hatten Lust auf italienische Küche und fuhren einfach mal mit dem Bus – nach telefonischer Anmeldung – zum Lokal.

Ambiente

Die Wände sind durchgängig in angenehmen Grau- bzw. Weißtönen gehalten. Das wirkte ruhig und entspannend auf uns.

Wir konnten uns einen Tisch am Fenster aussuchen und fühlten uns in dieser Ecke wohl.

Auch die übrige Einrichtung bzw. Dekorationen wirkten nicht überladen. An einigen Stellen sind Bücher – überwiegend Kochbücher - ausgelegt und kleine Schwarz-Weiß-Bilder aufgehängt.

Service

Eine ruhige und souveräne Dame versorgte uns mit Informationen, Essen und Getränken. Sie war freundlich, aber nicht überhöflich (wie da manchmal italienische Männer sind), sondern genau richtig in Ton und Verhalten.

Die Karte(n)

Fisch- und Fleisch-Menü; A la carte Gerichte; Tagesangebote; Weinkarte

Gruß aus der Küche

Garnele frittiert

frisches Brot mit drei Dips

Die Garnele hatte eine ordentliche Größe und war knusprig frittiert und innen saftig weich. Also ein guter Start.

Das Brot war warm und frisch die drei Dips passten gut dazu.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten einmal das Fisch- und einmal das Fleisch-Menü (je 49,50 €). Beim Hauptgang gibt es dabei zwei Angebote zur Auswahl.

Duett von der Ente: gebratene Entenleber mit Aceto Balsamico und geräucherte Entenbrustscheiben

Die Leberstücke waren sanft gebraten und angenehm im Geschmack. Die Sauce passte gut dazu, aber ich hätte sie lieber separat gehabt. Doch es schmeckte auch so. Die geräucherten dünnen Scheiben waren kalt aufgeschnitten und boten einen Kontrast zur warmen Leber.

Ein Kräutersalat komplettierte den Teller. Mir hat die Zusammenstellung zugesagt.

Iberico Kotelett in Estragon-Pfefffer-Jus mit Rosmarinkartoffeln und Kenia-Bohnen

Das Fleisch war zart und saftig. Die Sauce hätte ich wiederum nicht über das Kotelett geschüttet. Aber die Aromatik passte gut zum Schwein und war daher geschmacklich eine runde Sache. Vor oder nach dem Anbraten waren die Fettränder entfernt worden, was ich durchaus in Ordnung fand, weil sie zwar Geschmack geben, aber auch nicht von allen Gästen gerne verspeist werden. Ich probiere immer Fettstücke, aber verzehre sie selten alle – manchmal enthalten sie auch knorpelige Teile.

Die Rosmarinkartoffeln zeigten mir wenig Kräuteraromen. Sie waren auch nicht gebraten, sondern nur in der Pfanne nach dem Garen kurz angeschwenkt worden. Ich mag solche Kartoffeln lieber gebraten oder nur gekocht. Sie sahen aber gut aus.

Die grünen Bohnen waren hingegen genau mein Geschmack. Sie hatten eine natürliche Farbe, waren noch fest in der Struktur, aber nicht mehr hart oder quietschend. Sie waren fein gewürzt und haben mir ausgezeichnet gemundet.

Duett von Mousse au Chocolat

Es gab eine helle und eine dunkle Mousse – jeweils in separaten Gläsern. Mir hat die helle persönlich besser gescheckt, weil in der dunklen Variante eher Vollmilch- oder Zartbitter-Schokolade verarbeitet worden war. Da ziehe ich relativ herbe, kakaolastige Sorten vor.

Aber auch so hat mir der Nachtisch geschmeckt.

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Antipasto di Mare: Garnelen, Flusskrebse, Carpaccio vom Fisch und gebeizter Lachs

Die Portion war ziemlich groß und vielfältig. Die kleinen Garnelen waren saftig, genau wie die Flusskrebsstücke. Der Lachs war dünn aufgeschnitten und hatte kräftige Rauchnoten. Das Carpaccio war mit Tomate und Avocado angereichert. Eine Art „Reibekuchen“ lag auch noch auf dem Teller; er hatte krautige Noten und war relativ weich und saftig. Ein Salatbouquet rundete die Speise ab.

Kabeljaurücken auf Steinpilzragout mit Tagliolini

Das dicke Stück Kabeljau-Loin war auf der Haut gebraten. Sie war knusprig. Der Fisch war saftig und zerfiel beim Scheiden in leicht glasige Lamellen. Also perfekt.

Die Steinpilze waren sanft gegart und kräftig im Geschmack. Sie wurden mit einer hellen Sauce zu einem Ragout. Die Nudeln waren fast noch al dente und waren in Butter geschwenkt worden.

Mandeltarte und Espresso Panna Cotta auf Vanille-Creme

Das Kuchenstück hatte eine ordentliche Größe und zeigte Mandelaromen. Der Teig war nicht zu dick und etwas knusprig. Für die abschließende Süße sorgte eine Puderzuckerschicht.

Die Panna cotta war genau richtig in der Festigkeit und gab Kaffeearomen ab. Die Creme passte gut dazu. Und einige Beeren rundeten das Bild ab.

Meine Frau war mit dem Fisch-Menü sehr zufrieden und mir erging es mit dem Fleisch-Menü ebenso.

Getränke

Campari-Tonic - Weißer Port mit Tonic - Pellegrino - Primitivo Crocco - Espresso bzw. Espresso macchiato

Aufs Haus: Grappa und Limoncello (0,02 l oder mehr)

Fazit

4 – gerne wieder. Das Essen hat uns zugesagt. Wir können gut mit dem Bus anfahren. Auch mittags wird geöffnet.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 30.09.2020 – mittags – 2 Personen

 

 

 

 

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September 2020: Great Wall, Köln

Besonders und für mich gleichzeitig gewöhnungsbedürftig

Allgemein

Das chinesische Restaurant in Domnähe hat den Ruf, echte chinesische Spezialitäten im Angebot zu haben. - YouDinner nannte deshalb sein Event dort auch: AUTHENTIC CHINESE CUISINE.

Viele Profi-Kritiker (Gote und Henn, Kritiker vom Kölner Stadtanzeiger zum Beispiel) loben die Speisekarte mit diversen Spezialitäten.

Ich war bisher nur vor langer Zeit einmal zum Mittagsbuffet dort; und das hat natürlich mit den a la carte „Köstlichkeiten“ des Hauses nicht so viel zu tun; aber es war ein ordentliches und schmackhaftes Angebot damals.

Um über typische Küchen mehr Informationen zu bekommen, muss man wohl wirklich selber probieren und nicht nur lesen oder von anderen hören.

Der wahre Gourmet ist ja vor allem sehr tolerant und immer an Neuem interessiert. Schließlich würde er sich ja selber blockieren wenn er - wie das die Scheinschmecker oft tun - immer nur die gleichen Sachen sucht.“, sagte schon Jürgen Dollase über unbekannte Küchen.

Also habe ich mich angemeldet und war gespannt.

Ambiente

Das Lokal liegt für den Öffentlichen Nahverkehr recht günstig, denn es befindet sich in Domnähe. Von Außen sieht das Restaurant recht unscheinbar und schmal aus.

Aber innen ist es gar nicht so klein, wie es scheint, weil neben dem Erdgeschoss weitere Stockwerke zum Unternehmen gehören.

Nach dem Betreten des Lokals musste ich dann über eine Wendeltreppe bis zur zweiten Etage klettern. Dort hatte YouDinner seine Zelte aufgeschlagen.

Da die S-Bahn eine große Verspätung hatte (ein Polizeieinsatz wurde als Grund genannt), eilte ich etwas schneller zum Restaurant. Dann noch die zwei Etagen hoch kraxseln – mit Maske – da war ich schon in Wallung und war froh über ein Glas Sprudel vorweg und einen Sitzplatz.

Der Raum war mehr als schlicht ausgestattet: blanke Tische, einfaches Geschirr, keine große Dekoration. Auch das ist wohl authentisch – denn viele Speisen wurden in kleinen Schüsseln zeitgleich auf dem Tisch verteilt. Da ist man um jeden freien Millimeter ohne Gläser, Flaschen, Teller und Gerichte froh.

Für mich bedeutet dies innerlich jedoch etwas Stess, weil ich gerne viel Platz für mich habe.

Sauberkeit

Alles war ordentlich gepflegt.

Sanitär

Gottseidank auch auf der Etage – ebenerdig zu erreichen. Recht klein und sehr einfach gehalten.

Service

Die drei jungen Kräfte (ein Mann, zwei Frauen) stellten ohne Ende Schüsseln auf den Tisch, räumten Teller ab, bzw. deckten neu ein oder brachten neue Getränkeflaschen. Im Übrigen haben wir uns dann selbst versorgt.

Zu einem Gespräch mit dem Personal konnte es dabei kaum kommen. Ich hätte gerne mehr zu den Gerichten und Zutaten erfahren. Auch ein Blick in die Küche oder Erklärungen zu den Zutaten oder Zubereitungsarten hätten mir gefallen.

Sicher ist das auch eine Frage der Sprache; denn ich kann kein Chinesisch und mein Schulenglisch hätte auch nicht gereicht, um über das spezielle Essen zu reden. Aber das soll keine „Klage“ sein, sondern nur mein Wunsch nach mehr Verständnis für die Landesküche zum Ausdruck bringen.

Authentic Chiniese Cuisine

Ein Menü in 5 Runden

Runde 1: Vorspeisen

Gewürzte Entenzungen

Für mich sahen die Teile wie getrocknete Chilischoten aus. Sie waren auch außen sehr widerstandsfähig; also recht zäh bzw. hart. Innen lag wohl der Geschmack. Ich habe etwa drei Stücke auf verschiedene Arten gekaut, aufgebrochen bzw. ausgesaugt. Dabei habe kein Ekel empfunden, aber auch keinen Genuss erfahren. Sicher waren sie typisch zubereitet, aber ich brauche Entenzungen wohl nicht unbedingt.

Marinierte Schweineohren mit Gurken

Dieses Gericht brauche ich sicher auch nicht (oft). Von der Konsistenz her erinnerte es mich an Schweineschwänzchen oder Hühnerhälse (bei der Oma hieß das Stross (Gurgel) kauen) – nur ohne die vielen Knöchlein bzw. Gelenke. Nur am Rande: Vom Huhn habe ich als Kind gerne Herz, Magen und Leber gegessen – aber nicht den wabbeligen Hals. Die knorpeligen Stücke habe ich auch tapfer abgenagt und teilweise geschluckt.

Mit den Gurkenstücken hatte ich keine Probleme.

Quallensalat mit Gurke

Vielleicht hatte ich durch die für mich hohe Schärfe bei den Saucen der Gerichte vorher, meinen Geschmack etwas „verloren“. Der Salat war daher für mich im Mund nicht einzuordnen. Ich konnte es essen, aber die „Streifen“ haben bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die dünnen Stücke erinnerten etwas an dicke Spaghetti, waren aber nicht so lang, was ich sehr gut fand.

Tofu mit tausendjährigen Eiern

Egal wie diese Paste bzw. Bohnenquark jeweils hergestellt, zubereitet bzw. verarbeitet wird, für mich schmeckt es entweder langweilig oder auch etwas unangenehm. Es ist mir einfach bisher immer zu weich und glitschig und unangenehm im Mund.

Die schwarzen kleingeschnittenen Eierteile, die in dem Gericht ebenfalls verarbeitet waren, hatten für mich ebenfalls eine zu weiche Konsistenz, aber zeigten doch mehr Geschmack als der Tofu. Der Geruch war nicht so toll, aber das salzig-würzige Element müsste ich noch intensiver probieren, war aber heute für mich etwas Besonderes.

Mini-Frühlingsrolle mit Gemüse

Hier fühlte ich mich doch zu Hause. Sie waren knusprig und war angenehm gewürzt. Sie schmeckten wie erwartet; also eigentlich zu normal im Verhältnis zu den anderen Gerichten der Runde.

Gut war es auch für mich, dass ich die Röllchen frühzeitig verkostet habe. Die anderen Gerichte waren teilweise für mich sehr scharf oder sehr streng: viel Koriander, Chili etc. beherrschten den Mundraum.

Runde 2: Suppe

Enten-Suppe nach Schanghai-Art

Die Suppe war für mich erst einmal eine „Beruhigung“ für Zunge und Gaumen. Sie spülte die würzigen und heftigen Aromen weg. Die Brühe war relativ klar, mit leicht milchigen Noten. Die Gemüseeinlage war reichhaltig. Aber es war weniger scharf als die Gerichte davor. Und so kam mir die Brühe sogar leicht neutral vor. Doch sie erfrischte meine Geschmacksnerven erfreulich.

Runde 3: Fisch und Meeresfrüchte

Barsch nach Schanghai-Art

Der Fisch war im Ganzen gegart worden. Das Filet war butterzart und würzig. Wir konnten Stücke einfach von den Gräten abtragen. Für mich der beste Happen dieser Runde. So möchte ich ihn gerne wieder verkosten.

Scharf-saurer Tintenfisch

Die länglichen Stücke sahen auf den ersten Blick von Weitem gedreht aus und erinnerten mich spontan an Nudeln, an Fusilli. Aber als die Schüssel näher an mich herankam, sah ich doch die Abweichungen in Form, Farbe und Länge.

Das Fleisch war durchaus weich und würzig zubereitet, aber es schmeckte für mich fraglos anders als die mediterrane Zubereitung von Oktopus.

Gebratener Krebs mit Chili und Pfeffer

Wie es wohl in China üblich ist, wurden die Tierchen mit Panzer nur grob gehackt und so weiter verarbeitet. Das machte das Essen schon recht schwer; zusätzlich waren in der feurigen Sauce überall harte Splitter der Meerestiere enthalten. Also hatte ich ab und an „Fremdkörper“ im Mund, die ich nicht schlucken wollte.

Ich habe ein paar Stücke ausgelutscht und versucht auszukratzen. Aber das war mir zu mühsam auf die Dauer. Da stimmte für mich nicht das Verhältnis Genuss und Geschmack. Es erinnerte mich etwas an das Verzehren von Seeigel – nur noch schwerer zu handhaben.

Daher stehen für mich Arbeit und Genuss in einem Widerspruch und ich würde den Teller nicht mehr bestellen; auch wenn es fachlich so gemacht sein soll.

Schweineblut mit Garnelen, Tintenfisch und Pilzen

Die große Schüssel war randvoll mit Flüssigkeit und festen Bestandteilen gefüllt. Optisch war die Oberfläche bräunlich und erschien fettig schimmernd. Der Duft erinnerte mich an Panhas, was auch kein Wunder ist, weil meine Oma nach dem Schlachten aus den Resten, die nicht in die Blutwurst kamen, eine dickliche Sauce bzw. Suppe in der Pfanne machte und mit Brot auslöffelte.

Mir hat hat das leider nie geschmeckt und ich esse Blutwurst auch heute nur in sehr geringen Mengen. Das war jetzt vom Geschmack her gar nicht so heftig wie in der Erinnerung, aber es war für mich auch recht mutig bis sehr scharf gewürzt und überdeckte daher viel.

Die kleinen Garnelen schmeckten leicht durchgegart, die Pilze waren relativ weich in der Suppe und dem Tintenfisch konnte ich wiederum wenig abgewinnen.

Das war auf jeden Fall eine reichhaltige und spezielle Speise – und sicher nicht ekelig für mich.

Runde 4: Hauptgerichte

Schweinebauch mit Hoi-Sin-Sauce

Das Fleisch war recht dünn aufgeschnitten und dabei außen leicht gebraten und innen sogar saftig. Nach den Ohren vom Anfang war dies für mich schon eher ein wirklicher Genuss. Auch die pikante Sauce passte dazu und war für mich gerade richtig in der Schärfe.

Rindfleisch mit Pak Choi nach Szechuan-Art

Auch das Rindfleisch war weich und zart. Das Gemüse war noch in der Form zu erkennen und nicht zu weich. - Ebenfalls für mich jederzeit wieder bestellbar.

Lammfleisch mit Chili und Koriander

Auch das Lamm war noch saftig geraten. Hier nahm aber durch Chili und Koriander die Schärfe wieder Fahrt auf. Aber die Kombination konnte mich überzeugen.

Gebratene Ente nach Peking-Art

Wenn Entenbrust eine krosse Haut hat und innen noch saftig ist, schmeckt mir das immer. Zu Hause bereite ich oft solche Kurzbratstücke vor: In der kalten Pfanne lasse ich dann das Fett aus der Haut kross ausbraten, lege das Stück bei 80 Grad in den Backofen und wende es dann in Butter und Kräutern noch einmal sanft auf Serviertemperatur; die Haut muss kross bleiben und das Fleisch sollte dünn aufgeschnitten sein.

Hier war es für mich sehr schmackhaft gelungen.

Mapo-Tofu mit Hackfleisch

Auch diese Tofu-Variante war nicht mein Fall. Aber nun weiß ich, dass ich wohl nie ein Freund dieses Produktes werde. Aber Probieren will ich auch in Zukunft nicht ausschließen; ich gehe, so gut ich kann, immer ergebnisoffen an Verkostungen heran.

Wasserspinat mit Knoblauch

Diese Gemüsezubereitung war in Ordnung, hat sich aber bei mir nicht nachhaltig im Gedächtnis festgesetzt.

Gebratene Auberginen nach Art des Hauses

Die länglichen Stücke waren auf der Schale gebraten und dann wohl gedünstet worden. Die Hülle war also spröde hart und das Fleisch völlig weich. Der Geschmack war typisch für das Gemüse. Also völlig in Ordnung, aber es war für mich auch kein besonderes Erlebnis. Das Auberginenpüree in der Dröppelminna bleibt daher der Star unter den „weichen“ Varianten des Gemüse.

Grüne Bohnen mit Olivenpaste

Das war bei den Bohnen völlig anders. Sie haben mich voll überzeugt. Sie hatten einen schönen Grünton und waren wohl genau richtig aufgekocht worden. Dann mit Fett wahrscheinlich auf Glanz gebracht und herrlich gewürzt.

Das war für mich das beste Gemüse des Abends. Und „Bohnen“ müssen sich zukünftig an dieser Zubereitung messen lassen.

Runde 5: Dessert

Gebackene Banane mit Honig

Banane mag ich eigentlich nur „roh“ aus der Schale – und dann auch nicht zu reif, sondern mit leichtem Biss. Das war natürlich hier nicht der Fall; denn die Banane wurde gebraten. Die Stücke wurden zu kleinen Kugeln geformt und mit Honig getränkt bzw. übergossen.

Das war sehr süß, aber eben außen knackig – und somit für mich das beste Teil vom Nachtisch.

Süßkartoffel-Reiskuchen

Das lockere Bällchen war außen knusprig; es war innen hohl – also luftgefüllt. Und relativ dünn in der Außenwand. Auch dieser Süßigkeit konnte ich nicht viel abgewinnen. Aber es war durchaus essbar, weil es auch festere Bestandteile aufwies. Ziemlich süß war es natürlich auch.

Gebackene kandierte Banane

Die Stücke waren ebenfalls gebacken aber durchgängig relativ weich. Außen waren ein klebriger Guss und Erdnussstücke aufgetragen worden.

Das kann ich essen, aber brauche es nicht unbedingt.

Nachtisch – wenn er so typisch sein sollte – brauche ich dann nicht. In griechischen und türkischen Lokalen sind die Nachspeisen ebenfalls meist quietsche-süß. Eine positive Ausnahme war da das „phaedra“ mit seinem „ Ekmek“ (trotz Engelhaar, Honig und Feige).

Getränke

Klassische chinesische alkoholische Getränke sind der Reiswein, starker Schnaps und der chinesische Pflaumenwein, sowie Bier. Weinkonsum war in China eher unüblich, wird aber bei Chinesen der Mittelschicht und reiche chinesische Familien immer beliebter (Quelle Wikipedia).

Für uns gab es Gerolsteiner medium oder natur und zwei Weine.

Der Weißwein wurde bis zu den Hauptgerichten gereicht: Dr. Loosen Riesling trocken 2019. Er war gut gekühlt und konnte sich auch gegen scharfe Zutaten durchsetzen.

Dann folgte als Rotwein: 2018 Côtes du Rhône Tradition Domaine de la Janasse. Das erste Glas konnte bei mir nur die Zunge frei machen von den Restaromen von den Meeresfrüchten. Aber dann stellte er sich noch als ganz manierlich heraus: Rote Früchte, etwas würzig und leichte mineralische Noten.

Vorweg hatte es einen „Pflaumenwein“ gegeben, der schon in Gläschen abgefüllt auf dem Tisch bereitstand.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Für die große Palette an Speisen und die Auswahl quer durch die Gesamtkarte war der Betrag völlig angemessen. Schließlich waren auch die Getränke mit eingeschlossen – lediglich Kaffee oder Tee gab es am Ende gar nicht.

Fazit

Ein Resümee ist immer sehr persönlich geprägt. Schließlich waren wohl alle Gerichte handwerklich so gelöst, wie man sich eine authentische Küche vorstellt. Meine Tochter hat mehrfach mit Bekannten chinesischer Herkunft in verschiedenen Städten gegessen und konnte meine Beschreibungen der Aromen und der Anrichteweise nur als typisch bestätigen.

Daher kann man hier tatsächlich Gerichte abseits von Büfett und Mittagstisch bekommen. - Allerdings habe ich teilweise einfach Probleme mit dem Geschmack und der Konsistenz gehabt. - Die gleichen Gerichte würde ich mir nicht mehr durch die Bank bestellen. Aber es gab auch für mich herrliche Portionen und auf der Karte auch noch Teilgebiete, die ich durchaus erkunden möchte.

Daher mein Fazit: Heute war es ein denkwürdiges und einmaliges Erlebis.

3 – wenn es sich ergibt – für mich.

Für Liebhaber von Innereien und speziellen Gerichten sicher auch:

4 (gerne wieder) - denn einige „Mit-Esser“ waren hier schon mehrfach und waren voll des Lobes – auch ein Mann, der mehrere Jahre beruflich in China tätig war.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 21.09.2020 – abends – 1 Person

  Foto: YouDinner

 

 

 

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September 2020: Dröppelminna, Bergisch Gladbach

Auch wenn die Einrichtung "Bergisch" ausfällt, sind die Speisen  "Französisch": Insgesamt ein besonderes Erlebnis

Allgemein

Das Restaurant bekommt in Bergisch Gladbach durchweg nur gute Bewertungen. „Wer die „Dröppelminna" nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen“, schreibt zum Beispiel Carsten Henn, dessen Meinung ich sehr schätze, im Kölner Stadtanzeiger.

Mit dem Bus ist die kleine Ortschaft jedoch am Wochenende und abends nicht besonders gut zu erreichen.

Da traf es sich gut, dass unsere Tochter zu Besuch war.

Die Dröppelminna hat eine "Assiette" (MICHELIN Teller: eine Küche mit guter Qualität): „In dem kleinen Fachwerkhaus sorgen allerlei liebevolle Details für Gemütlichkeit. Gerne sitzen die Gäste hier bei saisonalen Menüs und schönen Weinen - die Leidenschaft des Chefs, seines Zeichens Sommelier. Hübsch auch die Terrasse.“, schreiben die Tester. - Es fehlen mir klarere Hinweise auf die Speisen und ihre Zubereitung, was mich etwa verwundert.

Eine Kranenkanne (im Bergischen Land als Dröppelmin(n)a bekannt, von Dröppel für Tropfen und Min(n)a für Wilhelmine, die Hausdienerin) ist eine bauchige Kaffeekanne mit drei Füßen und einem Zapfhahn. Dieses typische Haushaltsgerät früherer Jahre war wohl namensgebend für das Restaurant und damit auch Sinnbild für Gastlichkeit. Denn die Kanne steht auch bei jeder Bergischen Kaffeetafel bereit. Natürlich wird diese Speisefolge (vielerlei süße und herzhafte Komponenten) auch im Hause auf Vorbestellung angeboten.

Hier treffen wohl französische Küche auf bergischen Flair.

Das hört sich doch gut an – und ich wollte schon lange hier einmal einkehren, aber es klappte irgendwie nicht.

Ambiente

So viel liebevollen „Kram“ als Dekoration im Raum habe ich lange nicht mehr in einem Restaurant bemerkt. Es ist eine Sammlung von „Bergischen Dingen“.

Sauberkeit

Alles wirkte gut gepflegt.

Sanitär

Die Anlagen waren im Keller. Alles war sauber und ordentlich.

 

Service

Von der offenen Küche aus hat Faton „Toni” Sadiki unsere Gäste immer im Blick und verwöhnt Sie mit feinen französischen Speisen. Unser oberstes Ziel im Service ist, dass Sie sich rundum wohl bei uns fühlen.“, steht auf der Homepage.

Der Koch ist mir weniger aufgefallen. Die jungen Männer im Service waren aber wirklich sehr bei der Sache. Sie waren kommunikativ und engagiert. Der Chef war aufmerksam und hatte alle Tische im Auge. Viele Gäste waren wohl Stammgäste, denn sie wurden überwiegend besonders empathisch begrüßt.

Die Karte(n)

Menü in 4 oder 6 Gängen

An Sonn- und Feiertagen wird nur das große Menü angeboten. Die Karte steht in einem kleinen Bilderrahmen auf dem Tisch. Die Gerichte wechseln dabei je nach Bedarf, sodass es fast täglich kleine Änderungen gibt. In der Woche wird auch ein kleines Menü angeboten.

Die Weinkarte ist recht gut bestückt und enthält günstige und auch hochpreisige Angebote – aber recht fair bewertet nach meiner ersten Einschätzung.

Grüße aus der Küche gibt es nicht; aber das Brot, das gereicht wurde, war recht schmackhaft und der Korb enthielt auch verschiedene Sorten. Es wurde auch nachgereicht. Es gab jedoch keine Butter oder Dip dazu.

Die Portionen auf den Tellern waren jedoch großzügig bemessen, fanden wir.

Die verkosteten Speisen

Thunfisch-Tatar mit exotischen Früchten (Mango, Papaya vielleicht) und Büffelmozzarella

Der Thun war in kleine Stücke geschnitten, mariniert und mit den Früchten zusammen angenehm süß und sauer gehalten. Der Mozarella war angenehm im Geschmack. Mit Blüten und Kräutern war der Teller noch dekoriert.

Ein ordentlicher Vorspeisengang also.
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Fisch-Suppe

Die Suppe hatte eine sehr ansprechende Farbe. Safran und Krustentiersud haben wir dafür verantwortlich gemacht. Sie war leicht aufgeschäumt. Der Geschmack war jedenfalls wie erwartet und angenehm.

Es war auch noch reichlich Einlage in der Tasse. Jedoch waren diese Happen etwas hart bzw. gummiartig im Mund bzw. beim Kauen. Ob es sich um Garnele oder auch Seeteufel gehandelt hat, kann ich nur vermuten. Jedenfalls erinnerte es mich an leicht übergarte Meerestiere.

Somit war hier das Geschmackserlebnis etwas getrübt.

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Jakobsmuscheln auf Kürbisrisotto bzw. Kräutersalat

Da meine Frau „weiche“ Gerichte nicht gerne mag, bekam sie einen frischen Salat aus verschiedenen Blattsorten mit Kürbis- und Pinienkernen. Die helle Marinade passte gut und die Blüten ergaben ein hübsches Bild.

Der Risotto war sogar noch relativ fest im Kern, so wie ich es mag; denn weichen Reis habe ich auch nicht gerne. Zusammen mit gerösteten Kürbiskernen und feingeschnittenem Kürbisfleisch ergab sich eine feine Balance aus Süße und Säure. Die „Sauce“ war schaumig und feinporig. Vielleicht hätte für mich etwas mehr Würze im Risotto sein können, Parmesan habe ich kaum bzw. nicht erschmeckt. Trotzdem war ich angetan vom Rezept.

Bei den Jakobsmuscheln fanden wir den Garpunkt nicht so glücklich. Außen war die Oberfläche zwar leicht gebräunt, aber kaum kross, sondern eher weich. Innen war sie nicht sehr glasig, sondern schon auf dem Weg zur Festigkeit. Gewürzt waren sie nur etwas mit Salz und Gewürz. Aber jeder hatte zwei Stücke auf dem Teller.

Der Risotto war für mich prächtig, die Muschel jedoch nur in Ordnung, weil ich sie mir anders vorgestellt hatte.
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Pfirsich-Sorbet mit Rosmarin

Das Eis hatte einen angenehmen und kräftigen Obstgeschmack. Es war zart und fluffig. Den Rosmarin konnte man als zweite Komponente deutlich aber auch zurückhaltend erkennen.

Ein erfrischender und schmackhaften Zwischengang.
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Lammrücken mit Aubergine-Püree bzw. Salzkartoffeln

Da meine Frau kein Püree mag, bekam sie ohne Probleme einfache, gekochte Kartoffelstücke dafür. Sie war damit sehr zufrieden und fand die Sorte zusätzlich aromatisch im Geschmack.

Allerdings hat sie damit in meinen Augen etwas herrliches verpasst. Das Aubergine-Püree war „Weltklasse“. Es war cremig, aromatisch und perfekt abgeschmeckt.

Auch die drei grünen Spargelstangen waren genau richtig im Biss und gut gewürzt. Die Sauce war kräftig und passte zu Fleisch, Brotstückchen und den Kartoffeln.

Der Lammrücken war außen schon gebräunt und innen saftig und rosa. Das Fleisch hatte leichten Biss, was die Aromen beim Kauen gut zum Ausdruck bzw. Entfaltung brachten.

Der Hauptgang war also eine große Freude.
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Mousse au Chocolat mit Kokos-Sorbet bzw. Creme brulee

Da in der Schokoladenmousse Nüsse bzw. dunkle Schokolade verarbeitet worden war, erhielten meine Frau (Schokolade) und ich (Nüsse) eine Alternative.

Die Creme brulee war aber für uns kein „Ersatz“, sondern reine Freude. Die Creme war sehr aromatisch, luftig und cremig. Und die Kruste war knackig und knusprig.

Einfach, klassisch, perfekt.

Meine Tochter hatte alle Gänge wie in der Karte verkostet und war vom Nachtisch genauso angetan wie von den anderen Gängen. Die Mousse war locken und kräftig. Sie bildete im Glas die untere Schicht. Darauf war das Kokos-Eis angeordnet, sie liebt Kokosgeschmack und war daher sehr zufrieden. Obenauf waren noch eine Physalis und ein Knuspersegel aus Zucker und Samen bzw. Nüssen.

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Zum Kaffee wurden frische warme Madeleine gericht.

Getränke

Mineralwasser in einer großen Glaskaraffe (1 l)

Cremant auf Holundersirup - Lillet mit Tonic-Wasser (Thomas Henry in der kleinen Flasche)

Offene Weine – glasweise:

Vigne-Lourac Sauvignon Prestige Sud Ouest – Sipp Mack Alsace Riesling Vieilles Vignes bio Elsass – L'Enclos de Ferrand Vin rouge - AOP Corbières (Cuvee aus zwei verschiedenen Rebsorten: Mourvèdre und Grenache Noir) - La Douceur Vigné Lourac - AOP Gaillac - Blanc Doux (Rebsorten: Muscadelle, Mauzac Blanc, Loin de l'Oeil)

Die Weine passten gut zum jeweiligen Gang. Sie boten zusätzlich geschmackliche Unterschiede und waren jeweils passend temperiert.

Espresso bzw. doppelter Espresso macchitato

Fazit

4 – gerne wieder. Wenige Kleinigkeiten haben uns nicht komplett zugesagt, aber sonst waren die Speisen, Getränke und der Service recht überzeugend. Wir möchten noch mehr probieren.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 06.09.2020 – mittags – 3 Personen

 

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September 2020: Vendome ***, Bergisch Gladbach
 
 
 
Besuche, die mich glücklich machen

Allgemein

Mein letzter Aufenthalt liegt (leider) schon etwas zurück.                                                               Als „YouDinner“ nun das Event „20-JÄHRIGES JUBILÄUM IM VENDÔME“ anbot, konnte ich nicht widerstehen.

Doch Corona machte erst einmal einen Strich durch die Rechnung. Doch ein neuer Termin erschien schnell auf der Seite. Und dann wurde die Eröffnung nochmals verschoben. Das ganze Schloss Bensberg war geschlossen worden und erst zum September wieder in Betrieb genommen (vom 15. März bis 31. August 2020 zu).

In der örtlichen Presse wurde die Nachricht „gefeiert“ - einige Journalisten hatten schon befürchtet, dass die Althoff-Gruppe vielleicht Bensberg ganz aufgibt.

Ambiente

Foto: YouDinner

Optisch habe ich kaum Unterschiede in der Ausrichtung der Tische festgestellt. Schließlich waren die Abstände schon immer recht groß.

Ich mag diese „nüchterne bzw. kühle Ausrichtung“, aber es gibt auch andere Meinungen. Wir saßen in Sechser-Gruppen.

Service

Gespannt war ich neben dem Essen auch auf den Service. Beim letzten Besuch waren noch Restaurantleiter Markus Klaas und Sommelier Marco Franzelin tätig. Nun machen das Christoph Lange bzw. Maria Rehermann, dachte ich. Herr Lange hatte „nur“ geheiratet und heißt nun Strahl, aber als Sommelier fungierte Jochen Büscher als Herr über den Weinkeller von Schloss Bensberg. Er lernte im Benen-Diken-Hof auf Sylt den Beruf. Seit Juli 2019 arbeitete er als Sommelier im Gut Lärchenhof in Pulheim. Über Frau Rehermann habe ich nichts erfahren; außer, das sie nicht mehr hier wirkt, sie arbeitet derzeit wohl auf einem Weingut in der Pfalz.

Die beiden Männer machten einen ruhigen und souveränen Job.

Alle übrigen jungen Damen und Herren machten ebenfalls einen einwandfreien Service. Sie waren freundlich und gaben gerne Auskunft bei Fragen. Früher waren diese Kräfte eher „stumm geschaltet“ und durften nur Teller oder Platten halten und auf ein Zeichen servieren.

Insgesamt war der Service relativ unkompliziert; also etwas lockerer als ich es in Erinnerung hatte – auf jeden Fall sympathisch und herzlich.

Foto: YouDinner

Das Menü – Spätsommer JW

Auftakt

Toffee von karamellisierter Gänseleber und Piemonteser Haselnuss

Es ist ein Klassiker auf der Karte. Joachim Wissler hat wohl Spaß daran, verschiedene durch Werbung sehr bekannte Marken der Süßspeisen-Industrie als Grüße aus der Küche zu „imitieren“ und mit anderen Aromen zu präsentieren. Tatsächlich sehen die kleinen Gerichte optisch wie die bekannten Naschereien aus (Toffifee, Celebrations , Magnum).

Ibericoschinken auf Röstbrot und Parmesanchip

Da ich Haselnuss nicht vertrage, wurde mir kurzfristig ein Ersatz serviert. Damit war ich mehr als zufrieden; denn das Brot war knusprig und aromatisch, der Schinken war luftgetrocknet und hatte eine große Breite an Aromen. Zusammen mit dem kleinen Parmesanstückchen einfach köstlich.

Rote Bete Macaron & Beef-Tatar

Der Macaron wurde ohne Mandeln hergestellt und zeigte die fruchtig herben Noten der Bete. Zischen den beiden Teilen war das Tatar als Füllung aufgetragen. Ebenfalls ein feiner Happen.

Octopussalat & gepickelte Ananas [Bulgursalat & Chirizo]

Der nächste Happen fiel etwas größer aus. Auf der marinierten bzw. geköchelten Ananasscheibe befanden sich die Bulgurpaste und darüber das gekochte Octopusstückchen. Bekrönt mit einem Krautplättchen und dem krossen Chirizo-Chip. Sehr schmackhaft.

Nicolais Räucheraal & Kräuterschaum [Purple-Currymayonnaise]

Die Unterlage bestand aus einem weichen Kräcker, der im Mund in der Konsistenz an eine dünne Reiswaffel erinnerte, aber eben nack Kräutern schmeckte. Darauf lag das marinerte Aal-Stück. Ein Tupfer Mayonnaise bildete den Abschluss. Rauchnoten und würzige Kräuter ergaben einen breiten Geschmacksrahmen.

GLASIERTE GÄNSELEBER & GEBRANNTE BLAUMOHNCRÈME [karamellisierte Blutwurst & Apfelsalat : Trüffelvinaigrette]

Im Mittelpunkt des Tellers befand sich die Blutwurstscheibe mit dem Apfel. Es war daher für mich ein Anklang an „Himmel un Äd“. Die Leber war rechts daneben platziert und lag auf dem Mousse. Auf der anderen Seite befanden sich Salat- bzw. Gemüse-Blättchen. Hier wurde durch die Kellnerin noch die Vinaigrette angegossen (wie das bei fast jedem Teller stattfand). Eingelegte schwarze Walnussstücke lagen auf beiden Seiten als weitere Komponente. Insgesamt waren auf dem Teller vielerlei kleine Teilgerichte, die sehr unterschiedliche Geschmacksmomente ergaben.

GROSSE EIFELER BACHKREBSE IM LEMON-PEPPER GINSUD [gepickeltes Dillgurkengemüse & Glücksrübchen : Kokoscrème]

Foto: YouDinner

Am Beispiel dieses Ganges bekamen wir die „Arbeitsweise“ des Chefskochs verdeutlicht; denn er berichtete uns selber über die Zutatenbeschaffung. Er versucht regionale und frische Produkte so oft es geht zu verwenden. Aber die Qualität steht dabei noch davor an erster Stelle. Bachkrebse waren früher gar nicht in ansprechender Güte zu bekommen – oft wurden sie von weit her z.B. der Türkei importiert. Aber ein junger Züchter aus der Eifel bot ihm eines Tages Bachkrebse an. Von den Geschmackseigenschaften war er überrascht und er bat den Züchter um regelmäßige Lieferung. Allerdings ist die Menge stets sehr gering im Vergleich zu den Einsatzmöglichkeiten. Schließlich fand er in räumlicher Nähe noch eine kleine Brennerei, die ihn mit Gin überzeugte. Und so waren bei diesem Teller zwei Produkte aus der Eifel verarbeitet worden.

Der Geschmack erinnerte mich an Hummer oder Languste, aber auch irgendwie sanfter und feiner. Zusammen mit dem Sud sehr ausbalanciert und besonders.

Das Gemüse bildete die Unterlage für die Hauptkomponeten.

Zusätzlich kamen wir auch noch in den Genuss einer Krustentiersuppe. Sie war enorm ausdrucksstark und gleichzeitig leicht und schaumig.

LECHTAL SAIBLING & FRANKFURTER GRÜNE SOSSE [Meerrettich : Ochsenhornbete : Saiblingskaviar]

Der Teller wurde mit dem Fischfilet auf dem Betesalat, der mich an süßlich-herbe Möhren erinnerte, und dem Kaviar serviert. Obenauf war eine knusprige dünne Brotscheibe mit kleinen Kräutern gelegt. Die Sauce wurde danach angegossen.

Der Fisch war butterzart gehalten und leicht gewürzt – wahrscheinlich bei niedriger Temperatur in Öl bzw. dem eigenen Saft konfiert.

Das knackige Brot bildete dazu einen Kontrast. Der Fisch war weich und cremig, das Brot hatte Röstaromen und war fest bzw. brach beim Biss in keine Einzelstücke.

Die Frankfurtersoße war wie der Fisch eher zart und sanft im Geschmack.

ROSA GESCHMORTE WAGYU-OCHSENRIPPE & PERIGORDTRÜFFEL [Rindermark : confierte Zwiebel : grüner Spargel]

Zwei Stücke vom Wagyu hatten schon äußerlich deutliche Signale auf diese besondere Rasse. Das Fleisch glänzt und zeigt eine Oberfläche, die die ursprüngliche Fettmaserung erkennen lässt, die aber durch eine sanfte Garung in Gelatine verwandelt wird und das Muskelfleisch so zart und weich macht. Es zergeht auf der Zunge. Die Sauce wurde wieder erst nach dem Einstellen des Tellers angegossen. Sie war cremig, dunkel und kräftig; aber nicht wuchtig. Das hätte auch sonst den Fleischgeschmack überlagert.

Die kleine Spargelstange war gut gegart, zwei oder drei davon hätte ich auch gut gefunden, um eine Variation mit den anderen Komponenten zu ermöglichen.

Rechts auf dem Teller war eine Paste aus Rindermark, die von besonders geschmorter Zwiebel begleitet wurde. Diese Aromen haben mir sehr gefallen.

POLTINGER WEIDELAMM IN OLIVENCRÈME [confierte Aubergine : Steinpilze : Artischocken]

Das Lammfleisch hatte eine für mich umwerfende Geschmacksvielfalt. Außen war es leicht angebraten und inneen saftig und weich, aber auch noch etwas Biss. Diese Balance war für mich hervorragend getroffen. Die angegossene Sauce war leicht bräunlich und natürlich cremig glänzend gehalten.

Die Kombination von Artischocke und Waldpilz war ebenfalls angenehm und harmonisch.

Wiederum auf der rechten Tellerseite – etwas abseits – befand sich die geschmorte Aubergine, die mit einer erhitzten Tomate belegt war. Ich hatte vermutet, dass die Frucht für einige Sekunden in heißem Fett frittiert worden war. Aber die Kellnerin sagte, das die Tomate nur unter der Wärmelampe diese Hitze erhalten hatte. Ein kleiner Chip steckte noch in der Frucht.

Wenn ich aus der Vielzahl der gelungenen Teller einen als Primus inter Pares wählen müsste, wäre es dieser Teller.

SONNENBLUMENMOUSSE & MANGO [Topinambur : Passionsfrucht-Champagnersorbet]

Einen Preis für Anmut bekäme jedoch dieser Teller von mir – das Bild gefiel mir sogar ohne Anguss noch etwas besser.

Der Teller zeigte eine stilisierte Sonnenblume. Unten waren die Topinambur-Scheibchen rosettenaritg angeordnet. Darauf war das Mousse wie in einer Schüssel verteilt. Kleine gelbe Blätter deuteten den Kranz der Sonnenblumenblütenblätter an. In der Mitte lag die Nocke aus Mangoeis. Blätter aus Zucker lagen an der anderen Seite. Dann wurde die Fruchtsauce als Abschluss hinzugefügt.

GRIESFLAMMERIE & HASELNUSSEIS [Cerealien : Brombeercoulis : Yuzu-Schokolade]

Anstelle des hellen Haselnusseis bekam ich ein rotes Fruchteis, ich glaube es war Kirsche.

Ich bin kein Freund von Gries; aber das Flammerie war durchaus schmackhaft. Die Masse bildete die unterer Schicht auf dem Teller; sie war nach dem Anguss farblich nicht mehr zu erkennen. Die Yuzu-Schokolade vermute ich in den weißen Kügelchen, die in der Form an Puffreis-Schokolade erinnern. Allerlei Beeren und Früchte waren kreisförmig als äußerer Rand um die Sauce und das Eis angerichtet. Die kleinen Stifte aus Apfel auf dem Eis waren ausgesprochen fein in süß-sauren Tönen.

Einzelne Bestandteile schmeckten etwas „gesund“; aber durchaus harmonisch gestaltet.

Süßer Abschluss: „Vendome Celebrations“

Zum Kaffee wurden weiße Schokloadeneis und eine Dose voll mit Macarons, Pralinen, kleinen Milchschnitten und Marshmallows gereicht.

Das Menü war überaus abwechslungsreich gestaltet und hatte einige Bezüge zu Gerichten, die für das Haus typisch sind und absolut die Handschrift von Joachim Wissler deutlich aufzeigen. Aber sie werden auch variiert oder neu ausgerichtet. So ist für mich ein Aufenthalt stets ein köstliches Erlebnis.

Getränke

Gerolsteiner still und medium

2012 Grand Vintage - Moet & Chandon

2015 Weingut Bernhard Kirsten - Mosel – Riesling 1904

2017 Castell - Schlossberg Silvaner - Großes Gewächs trocken

2016 Les Héritiers du Comte Lafon - Mâcon Prissé AOC

2017 Carnix Cabernet Franc - *BIO* - Domaine la Taupe - Loire

2013 Roda Reserva – Magnum - Rioja DOCa

1999 Riesling Spätlese halbtrocken - Trittenheimer Apotheke - Josef Milz - Große Lage - Mosel

2018 Brachetto d´Acqui - Braida di Giacomo Bologna - Piemont

Die Weine waren für mich teilweise erfreuliche Bekannte. Vielleicht hatte es mit dem Jubiläum zu tun oder auch mit dem neuen Sommelier, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich Roda durch die Sommelière Romana Echensperger – heute Master of Wine - im Vendome damals kennen gelernt und war begeistert. Ebenso habe ich den Silvaner vor langer Zeit schon sehr genossen. Das Gebiet Macon sagt mir auch fast ausnahmslos zu. Die Rieslinge waren ebenfalls ausgezeichnet. Der Brachetto mit seinen leichten 5,5 % und der feinen Perlage war ein passender Begleiter der Süßspeise.

Somit war nur der Demeter Biowein eine Neuheit für mich. Mir sagte er durchaus zu, aber er hatte schon eine andere bzw. ungewohntere Aromatik für mich. 14 Monate im Holzfass auf der Hefe gereift, zeigte er sanfte pfeffrige, erdige Noten in der Nase und am am Gaumen dezent dunkle Früchte und eine eigenwillige Erdigkeit.

Kaffee

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Preise in den Top10 der Volkenborn-Rangliste sind seit Januar insgesamt unterdurchschnittlich gestiegen. Der Menüpreis liegt im Durchschnitt bei 257,66 und damit 0,4 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Das hat eine Auswertung von Restaurant-Ranglisten.de ergeben, für die jeweils zu Monatsbeginn die Preise für das teuerste Menü erfasst werden. Trotz Mehrwertsteuersenkung liegen die Menü-Preise jedoch höher als vor Beginn der Corona-Epidemie.

Die aufgerufenen Preise sind für mich schon eine Hausnummer; aber es wird auch eine Menge geboten. Sicher ist es also eine Abwägung, ob ich mir das leisten kann bzw. darf. Aber ich habe nur wenige andere Hobbys außer „Genießen“ und besitze auch kein Auto, sondern eine Monatskarte. Und manchmal muss es eben Vendome sein.

Fazit

5 – unbedingt wieder. Für mich ist Joachim Wissler ein großartiger und kreativer Koch und auch sein Team in Küche und Service leisten ebenbürtige Arbeit.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 05.09.2020 – mittags – 1 Person – 289,00 € (inklusive alle Getränke für YouDinner-Mitglieder)

 

 

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August 2020: Otto Gourmet, Heinsberg

Gutes Fleisch – und ein toller Abend

Allgemein

Ein aktiver „Griller“ bin ich sicher nicht. Selber habe ich nicht einmal die Geräte dafür. Ich benutzte eine Pfanne und dann den Backofen (als kurz und heiß anbraten, dann bei Niedertemperatur in die Röhre und am Ende noch einmal bei milder Hitze in die Pfanne).

Aber Fleisch mag ich schon und auch gerne besondere Teile.

Als daher „YouDinner“ das Paket „DAS BESTE FLEISCH DER WELT“ anbot, war es für mich klar, da muss ich dabei sein.

Es gab sogar eine Anreise vom Kölner Hauptbahnhof nach Heinsberg und zurück als Fahrdienst (wenn man wollte; nur ich habe das gebucht und bin so mit Miguel Calero im Smart gefahren worden – tolle Unterhaltungen über alles rund ums Genießen).

Ich war sehr gespannt auf das Event. Bloß die wahnsinnige Hitze am Samstag machte mir Sorge.

Ambiente

Wir waren draußen am Haus unter einem großen Sonnendach an einer langen Tafel positioniert. Umgeben von diversen Grillgeräten, die viele Herzen der Teilnehmer höher schlagen ließen und zu Fachsimpeleien anregten. Es war ein heißer Tag und auch im Schatten nur bei leichtem Wind angenehm. Ich habe versucht mich möglichst wenig zu bewegen und viel Wasser zu trinken.

Service

Eine junge Frau (Lisa Binia) und zwei Männer (Carsten Kreuz und Stefan Schneider, Köche) von Otto Gourmet machten einen guten Dienst (nicht unterschlagen möchte ich den Spüler im Hintergrund).

Die beiden Griller waren sehr humorvoll bei aller Sachlichkeit der Informationen zum Fleisch. Sie zeigten Freude und Spaß an ihrer Arbeit und wirkten lebensfroh. Es gab viel zu lachen – und auch Miguel Calero von YouDinner steuerte noch einige Anekdoten bei (Familie mit Tochter: Können Sie mir bitte den Tomahawk-Knochen für unseren Hund einpacken? - Oh, Papa, bekommen wir endlich einen Hund?).

v.l. Stefan Schneider, Wolfgang Otto

Wolfgang Otto (einer der drei Brüder des Fleisch-Imperiums) ließ es sich nicht nehmen, selber durch die Firma zu führen. Wir erhielten sehr fundierte Einblicke in die Arbeitsbereiche, die Entstehungsgeschichte und die Unternehmensphilosophie (So wie man bei Taschentüchern von „Tempo“ spricht, soll man bei Fleisch an „Otto“ denken. Die Manufaktur beliefert Sternköche aber auch Privatkunden – die Qualität und der Service stehen im Vordergrund – und das hat natürlich auch seinen Preis). Otto kann auf 15 erfolgreiche Jahre zurückblicken.

Das Programm

Auf dem Gelände der OTTO Gourmet GmbH gab es einen prickelnden Aperitif, um anschließend eine geführte Tour durch die Firmenzentrale zu erhalten. Neben vielen Details gab es auch schon dreimal eine Fingerfood-Stärkung und Nachschlag in die Gläser unterwegs.

Danach verkosteten wir mit dem Küchenchef und Fleischkenner Stefan Schneider (ehemals Schwarzwaldstube*** und Vendôme***) aus der großen Produktpalette sechs Proben und konnten Fragen zum Fleisch und zum Grillen stellen.

Nach diesen köstlichen Happen ging es zur YouDinner-Tafel und erhielten ein Vier-Gang-Menu mit passenden Weinen, Bier oder Limonaden und Wasser. Jedes Gericht wurde von den beiden Grillmeistern vorgestellt und alle Fragen fachlich, aber auch mit viel Humor beantwortet.

Am Ende gab es noch Kaffee und eine Tragetasche mit einen Paket Salz und einem Küchentuch aus dem Hause sowie einige Faltblätter mit Vorschlägen zur Zubereitung von Fleisch zu Hause.

Was macht gutes Fleisch aus?, war eine Frage von uns und an uns. Die Farbe wird oft genannt, aber mit Licht und Chemie wird da oft nachgeholfen. Eine schöne Maserung mit Fettadern – sicher nicht unerheblich. Zartheit und Saftigkeit – sind mir wichtig; aber es muss ja nicht immer Filet sein – das ganze Tier sollte angemessen auf den Tisch kommen. - Otto Gourmet nennt fünf Qualitätskriterien (https://www.otto-gourmet.de/qualitaetskriterien), die ich kurz zusammenfasse:

Fleischrasse beachten, denn mache Tiere haben von Natur aus ein optimales Verhältnis von Muskelmasse zu Fettmarmorierung.

Futter und Haltung - wie reichlich ist der Weidegang und Auslauf, welches Nahrung erhalten die Tiere.

Schlachtalter - Tiere liefern eine bessere Fleischqualität, wenn sie auswachsen können.

Reifung - Fleisch, das für den Verzehr bestimmt ist, sollte gut abgehangen sein und das braucht Zeit.

Rückverfolgbarkeit – wo kommt das Tier her, wo wurde es geschlachtet, wer hat es weiter verarbeitet.

Die verkosteten Speisen

Fingerfood (beim Rundgang)

Joselito Ibérico Jamón Gran Reserva de Bellota (auf Markknochen serviert)

Seit einiger Zeit habe ich neben Käse auch eine Lust auf Schinken bekommen. Auf dem Markt in Gladbach steht ein Händler, der viele italienische Sorten anbietet. Bis jetzt hat mich dort San-Daniele besonders überzeugt. Aber dieser spanische Schinken könnte ihm Konkurrenz machen. Es fällt mir schwer den Geschmack in Worte zu fassen: aromatisch-nussige Momente am Gaumen. Einfach eine dünne Scheibe in den Mund nehmen, etwas kauen und genießen.

Wagyu Griebenschmalz auf Sauerteigbrot

Schmalz schmeckt von Tier zu Tier unterschiedlich. Schweine-, Enten- und Gänseschmalz waren mir schon immer geläufig. Vom Rind habe ich bewusst noch kaum Schmalz verkostet. Aber warum sollte man nicht aus Fleischresten, Griebenschmalz herstellen, im Sinne von alles verwenden.

Dieser Happen mit ein paar Kräutern oder Gemüsestückchen auf einen dünnen Scheibchen Brot hat mir wunderbar gefallen. Also ab jetzt Augen auf bei Schmalz!

Beef tea "shake"

Quelle: Otto Gourmet

Knochen, Fleischreste und Gemüse können aber auch durch langes köcheln und geklärt werden, zu einer atemberaubenden Brühe führen. Unsere kleine Probe war erhitzt und mit kalter Butter aufgeschäumt worden (hier im Verhältnis 2:1).

Auch dieser Tee könnte zu meiner Lieblingssorte werden.

Querverkostung (mit Abstand im Halbkreis um die Grillstationen)

Wir sahen das „rohe“ Fleisch, dann kam es auf den Grill (oder ein anderes Gerät), dann wurde es aufgeschnitten, in Happen geteilt und leicht gesalzen und uns mit einer langen Pinzette auf unsere Tellerchen platziert.

Irish Hereford Prime Beef Tomahawk

Morgan Ranch US Black Angus Ribeye bone

Morgan Ranch US Black Angus Ribeye "dry aged"

Westholme Wagyu Ribeye Australien

Mangalica-Woll-Schwein

Joselito Iberico Pluma Bellota

Im direkten Vergleich konnte ich von Happen zu Happen einige Unterschiede erschmecken. Das irische Steak war saftig und kernig, Fett war kaum zu erkennen, beim Ripeye erschien mir das Fleisch etwas kompakter und zeigte auch mehr Fettaromen, etwas mehr kauen war nötig, aber es gab auch kräftigere Aromen; das dry aged Fleisch kam mir noch etwas „fettiger“ vor, es war aber auch weicher im Biss und hatte einen starken Eigengeschmack; das australische Fleisch erschien mir wiederum sehr gleichmäßig in der Struktur und relativ zart. Ich habe am meisten Freude am irischen und australischen Rind gehabt; mit dem US Beef muss ich mich noch anfreunden. Es ist für mich „anstrengender“ in seiner Art: etwas cremiger und weicher aber auch kräftig im Geschmack.

Dann folgten noch zwei Schweine-Proben. Das Wollschwein hatte schon einiges an Fett zu bieten. Auch diese Stellen hatten ihren Charme; aber so ganz meine Richtung ist es vielleicht doch nicht. Und das Pluma-Fleisch war eine völlig neue Erfahrung; solch ein Fleisch habe ich wohl noch nie verkostet. Aber es schmeckte vorzüglich. Das Fleisch war intensiv rot und fest. Es zeigte ein kräftiges Aroma und war gleichzeitig saftig und zart.

Menü

Irish Hereford Prime Beef Tatar – geschmolzene Tomate – Avocado - Foccacia – Gazpacho

Das Fleisch war mit der Hand gehackt worden und war daher noch in der Struktur als Fleisch zu erkennen, es war nur wenig gewürzt worden. Somit schmeckte ich den Fleischgeschmack; er war angenehm rund. Meist kenne ich Tatargerichte mit mehr Würze durch Senf, Schalotte, Gürkchen und auch Dotter. Das war hier minimalistisch abgeschmeckt, aber nicht uninteressant. Bei der Tomate könnte es sich um eine Ochsenherzsorte gehandelt haben; Kerne und wässrige Teile waren entfernt worden. Die Avocado tauchte als Creme auf. Blutampferblättchen und Olivenscheiben waren um das Fleisch herum angeordnet. Es ergab für mich fast ein Bild von einem dekonstruiertem Tatar. Eine kleine Scheibe Foccacia lag als Beilage am Tatar. Das Brot war eher wie ein Bisquitteig gehalten als an das derbe mit Olivenöl getränkte ligurische Fladenbrot.

In einem Extraglas wurde uns noch eine Gazpacho gereicht. Sie war in der Brühe klar gehalten, weil man die Tomaten sanft entsaftet hatte. In diese angenehm kräftige Essenz waren dann noch winzig kleine Gemüsestücken eingelegt worden, vielleicht Tomate und Paprika. Das Süppchen war herrlich erfrischend.

Miéral Schwarzfederhuhn (Brust und Keule) - Erbse – Pfifferlinge

Die kleinen Pfifferlinge waren sanft geschmort worden. Es gab Erbsen als ganzes Gemüse und eine Creme bzw. Sphäre. Beide Zubereitungen hatten eine angenehme grüne Farbe. Die Hauptdarsteller waren natürlich das Bruststück mit gebratener Haut und das geschmorte Keulenstück. Das Brustfleisch war zart und würzig. Die Keule war kräftiger im Geschmack und weicher im Fleisch. Die Haut war angenehm im Geschmack, aber nicht besonders kross.

Morgan Ranch Wagyu Beef Top Blade Roast - Wirsing - Kartoffel - Belper Knolle

Das Fleisch war aus dem Stück geschnitten, das wir Schulterscherzel (englisch Flat Iron) nennen. Es war geschmort und äußerst saftig – obenauf befand sich der Käseraspel von der Belper Knolle. Das Fleisch kann aber auch kurzgebratenes Steak zubereitet werden und das war das zweite Stück auf dem Teller. Das Fleisch war insgesamt prima zubereitet - mir hat sogar das geschmorte Stück einen Kick besser gemundet. Der Wirsing war gegart und umgeklappt und zu einer Art Raviolo verarbeitet worden. Im Inneren waren Gemüsestückchen mit Speck zur Füllung verwendet. Aus der Kartoffel hatte man ein buttriges Püree gemacht. Rundum war eine Spur von einer feinen braunen Sauce angerichtet worden.

Weiße Schokolade - Erdbeere – Basilikum - frittierte Schokoladen-Garnache-Kugel

Die helle cremige Nocke aus Schokolade stand optisch im Mittelpunkt. Sie war luftig und leicht im Mund. Die kleinen Erdbeerstücke waren wohl leicht mariniert und nicht zu süß. Etwas Schokoladencrumble oder -streusel bildete den Untergrund auf dem Teller. Das Basilikum verbarg sich wahrscheinlich in den dunklen Tupfern neben den Hauptkomponenten. Die gefüllte und leicht frittierte dunkle Kugel sah ebenfalls gut aus, schmeckte mir etwas zu wenig nach dunkler Schokolade und das Innere hätte für mich cremiger ausfallen können. Aber das ist Klagen auf sehr hohem Niveau und ich will es nicht vertiefen.

Schließlich folgte noch ein starker Espresso und damit war auch das Ende des Besuchs erreicht und es folgte die Rückreise bei sternenklarem Himmel und einem sehr großen leicht rötlichen Halbmond bei großer Resthitze außen aber einem klimatisiertem Auto innen.

Getränke

Gerolsteiner (still, medium), Limonaden, Braufactum-Biere

Champagne Gosset Extra Brut, Weingut Bamberger Riesling Reserve, Weißburgunder, Schneider Blackprint

Kaffee

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute Produkte sind nicht billig, aber jeden Cent wert.

Fazit

5 – unbedingt wieder; ebenso besteht eine Neugier auf die Otto Gourmet Lokalitäten im „Normalbetrieb“ (MännerMetzger; Villa Glanzstoff) außerhalb von YouDinner.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 08.08.2020 – abends – 1 Person (Gruppe: 15 Teilnehmer*innen)

 

 

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Juli 2020: Lärchenhof *, Pulheim
 
 
Absolut einen Besuch wert – herrliche Gerichte – ruhige Landschaft

Allgemein

Torben Schuster ist hier Chefkoch seit November 2017; er konnte den Stern des Hauses halten und Gault&Millau nannte ihn die Entdeckung des Jahres 2019.

Nach seiner Ausbildung bei Holger Berens (Berens Am Kai *, Düsseldorf) durfte er in der Küche des „Noma“ mitarbeiten. Von dort aus ging es zu Jonnie Boer im De Librije ***, Zwolle in den Niederlanden. Zuletzt arbeitete er als Sous Chef bei Yoshizumi Nagaya (Nagaya *, Düsseldorf).

Einige Mitglieder von YouDinner lobten seine Küche und empfahlen einen Besuch. Da kam die Einladung von Schwiegersohn und Tochter zusammen einmal richtig zu schlemmen genau passend und reservierten - nach kurzer Überlegung und Studium der Menü-Karte - im Lärchenhof.

Die Eigenaussagen auf der Homepage zur Philosophie des Hauses (Spitzengastronomie mit Charme; Tradition und Moderne; hochwertiger Genuss, gemütliches Ambiente; Service auf Sterne-Niveau) schraubten die Erwartungen eigentlich noch höher.

Aber vielleicht muss man heute so dick auftragen – ich versuche jedoch relativ unvoreingenommen das Haus zu besuchen: Ich besuche ein Restaurant nie, um es zu testen. Ich besuche ein Restaurant in der Hoffnung und Erwartung, genüsslich essen und trinken zu können. Ich möchte erleben, wie Gerichte in Perfektion zubereitet und angerichtet werden, wie sie duften und wie sie schmecken und mit welchen Getränken sie harmonieren.

Wenn ich diesem Ziel nahe komme, bin ich schon zufrieden. Ganz im Sinne von Oscar Wilde: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“

Ambiente

Von der der Terrasse aus hat man einen schönen Ausblick auf die Golfanlage, insbesondere auf das Übungsgelände zum Putten. Es herrschte ein leichter bis kräftiger Wind, die Sonne schien, aber verschwand auch teilweise hinter Wolken und wir empfanden daher das Wetter fast wie am Meer.

Die runden großen Tische waren weiß eingedeckt, ebenso die Servietten; bei Bedarf wurden Sonnenschirme aufgespannt. Der Wind blies teilweise sogar einige Gläser, die leer waren um; es waren im übrigen sehr schöne Gläser im Einsatz – immer passend zum Wein. Ich mag das Gabriel-Glas besonders gerne.

Im Inneren des Hauses hielten sich nur wenige Gäste auf. Aber die verschiedenen Bereiche sahen recht ansprechend aus. Am Eingang ein Klavier bzw. ein Flügel. Es gibt einen Thekenbereich mit teilweise Hochstühlen.

Die Übergänge von Bistro und Gourmetrestaurant scheinen fließen, bestehen aber; denn es wurden Gäste, die eintrafen, gefragt welchen Bereich sie reserviert hätten.

Service

Alle jungen Damen und Herren machten einen freundlichen und sympathischen Kellner+innen-Dienst. Sie trugen eine einheitliche Bekleidung in dezenten dunklen Farbtönen. Deutlich davon hoben sich der Patron Peter Hesseler (Freizeitlook), der Restaurantleiter Christoph Barciaga (hellblauer Anzug) und der Chefkoch Torben Schuster (Küchenweiß) ab.

Mit dem Chef des Hauses gab es keine persönlichen Berührungspunkte; er war ständig sichtbar auf der Terrasse präsent, kümmerte sich aber wohl nur um Stammgäste.

Der Restaurantleiter kümmerte sich jedoch aufmerksam auch um uns.

Mit dem Chefkoch konnten wir sogar am Ende ein paar Sätze zum Essen wechseln. Ich wollte gerne meiner Freude über das gelungene Menü zum Ausdruck bringen und nur zu einigen Details Fragen stellen, die ihn aber „verlegen“ machten bzw. etwas verunsicherten. Ich wollte ihm jedoch eigentlich mitteilen, dass ich seine Kombinationen positiv mutig fand und für den Gaumen eine angenehme Herausforderung darstellten. Jedenfalls ein freundlicher und aufgeschlossener Mensch!

Die Karte(n)

Degustationsmenü

Amuse-Bouche

Gänseleber: Terrine von der Gänseleber, Ziegenkäse, Holunderbeeren & Kohlrabi

Taschenkrebs: Schwarze Olive, Zitrone, dicke Bohnen, Nordseekrabben & Macadamia

Kaisergranat: Perlzwiebel, Granny Smith, Pommes Soufflé & Boudin noir

Muscheln: Handgerollter Cous Cous, Herz- & Schwertmuschel, Butternut Kürbis & Baharat

Seezunge: Eingelegter Spinat, N25 Oscietra Kaviar, Daniel Sorlut Speciale Auster & Kombu Beurre Blanc - Zwischengang

N25 Oscietra Kaviar - Ei ‚Jonnie Boer‘ - krokante Kartoffel, Schnittlauch & Creme Fraiche - Intermezzo - zusätzlich (nicht im Menü)

Quercy Lamm: Lammrücken & Bries, Aubergine, Blumenkohl & Kurkuma oder Mieral Taube: Spitzkohl, Pinienkerne, Roggen & Hafer

Rohmilchkäse vom Affineur Tourette - zusätzlich (nicht im Menü)

Cannelloni: Karotte, Johannisbeere & Rohmilchkäse vom Affineur Tourette

Himbeere: Monkey 47, Dulcey Schokolade & Estragon

8 Gänge € 169 - 6 Gänge € 139,- (Gänseleber, Taschenkrebs, Muscheln, Seezunge, Lamm oder Taube & Himbeere) - 4 Gänge € 99,- (Gänseleber, Seezunge, Lamm oder Taube & Himbeere) und nur zusätzlich: Oscietra Kaviar Intermezzo - Rohmilchkäse vom Affineur  Tourette

Auf Wunsch gibt es eine passende Weinbegleitung.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten dreimal das Sechs-Gänge-Menü (Gänseleber, Taschenkrebs, Muscheln, Seezunge, Lamm & Himbeere) unter dem Namen „Ausflug“ (wenn schon kein Urlaub ohne Probleme möglich ist, soll man im Restaurant wenigstens einen schönen Ausflug genießen können).

Gruß aus der Küche

Es wurden uns neben Brot und Butter vier kleine Überraschungen serviert: Hummer-Tatar, Sashimi von der Gelbschwanzmakrele, Granité gaspacho mit Speckschaum und ein Tatar vom geangelten Zander auf Tomatenessenz mit rotem Rettich und Petersilienöl.

Es handelte sich um dreierlei Brotsorten: knuspriges dunkles Brot, helles Brot mit Kräutern und Gemüsestückchen sowie weiches Brot, das mit Sepia-Tinte gefärbt war. Mir schmeckte das Brot mit der krossen Kruste am besten.

Ein Aufstrich war cremig geschlagen und das andere war eine feine Salzbutter, die mir sehr zusagte.

Der Hummer-Snack war sehr gut gewürzt und war mein Favorit von den drei Begrüßungs-Happen. Auch der Gelbschwanz war fein mariniert und konnte noch in eine kleine Schale mit selbst gemachter Sojasauce getunkt werden.

Die geeiste Gaspacho kam mir sehr mild vor und wurde daher in meiner Wahrnehmung von der würzigen und salzhaltigen Creme schon etwas erschlagen. Den Geschmack vom Speck hatte ich noch einige Zeit am Gaumen präsent.

Die Essenz war eine perfekte Konzentration von Tomatenaromen. Das Petersilienöl rundete den Geschmack optimal ab. Der Fisch war fein geschnitten und aromatisch. Die rotrandigen Rettichscheiben gaben etwas Schärfe und Säure zum Gericht.

Dieser Gruß war für mich ausgezeichnet. Der gesamte Einstieg war auf jeden Fall recht vielversprechend.

Gang 1 - Gänseleber: Terrine von der Gänseleber, Ziegenkäse, Holunderbeeren & Kohlrabi

Die Gänseleber war cremig und zart im Geschmack. Als Gegenpart war der Ziegenkäse dafür recht dominant. Die Komponenten waren jeweils zu runden Gebilden geformt, aber keine Kugeln oder Zylinder, eher fast wie Nocken. Holunder und Kohlrabi waren als Tupfen oder hauchdünnen Scheiben präsent. Einige Kräuter wie Schafgarbe und Kleeblatt verzierten die Gebilde. Am Ende wurde vom Service noch eine Holunder-Jus per Hand um die Zutaten angegossen. Hier bin ich mir gar nicht sicher, ob das jeweils eine Abrundung bildet; denn die Sauce wirkte auf mich etwas säuerlich bzw. essiglastig – besonders pur verkostet.

Insgesamt ein kontrastreicher Teller, der mir schon gut gefallen hat.

Gang 2 - Taschenkrebs: Schwarze Olive, Zitrone, dicke Bohnen, Nordseekrabben & Macadamia

Auch dieser Turm aus vielerlei Zutaten sah prächtig und frisch aus. Die kleinen Blüten erzeugten eine abrundende Note. Die Olive war gut sichtbar, ebenso die Nordseekrabben. Das Taschekrebsfleisch tauchte als kleine Stücke auf. Dadurch ergaben sich im Geschmack abwechslungsreiche kleine Gabelzusammenstellungen mit wechselnder Aromatik im Mund. Die Macadamianuss tauchte in der untersten Schicht auf – als Paste und kleine Stücke. Diese Kombination war mir in Gerichten nur bei Kuchen oder Süßspeisen vorgekommen. Sie passte hier aber auch perfekt zu Meeresgetier und Gemüse.

Auch hier wurde eine Jus angegossen, die mir aber zusagte und nicht so kontrastreich wie beim ersten Teller erschien.

Gang 3 - Muscheln: Handgerollter Cous Cous, Herz- & Schwertmuschel, Butternut Kürbis & Baharat

Der Teller sah wiederum köstlich aus. Er war auch fertig und es wurde nichts am Tisch hinzugefügt.

Der Kürbis fiel mir direkt ins Auge. Die Stückchen waren tropfenförmig geschnitten und kunstvoll in den zylindrischen Cous-Cous-Ring gesteckt worden. Als Gemüse tauchte noch winziger Pak Choi auf. Er war knackig und aromatisch. Die kleinen Muschelstücke waren angenehm gewürzt. Alles war mit einem hellen Schaum überzogen, der neben der arabischen Gewürzmischung für zusätzliche Aromen sorgte.

Gang 4 - Seezunge: Eingelegter Spinat, N25 Oscietra Kaviar, Daniel Sorlut Speciale Auster & Kombu Beurre Blanc

Der Fischgang war optisch für mich noch eine Steigerung. Aber auch geschmacklich waren einige Überraschungen verborgen. Das Fischfilet war butterweich und zart gegart. Die Austernstückchen waren obenauf zu finden.

Auf dem Fisch und zwischen den Austerteilen waren zwei kleine Ladungen Kaviar angehäuft. Ich habe einen winzigen Happen davon pur in den Mund geschoben und war überrascht wie weich und samtig die Perlen waren. Ich kannte sie bisher eher kleine Perlen, die im Mund platzen und den typischen Geschmack erzeugen – wenn die Qualität gut ist, aber nicht salzig erscheinen – für ewig in Erinnerung die „kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti“ von Helmut Thieltges. Es war also wieder eine neue Erfahrung: Die Störe für den N25 Kaviar werden frühestens nach 16 Jahren geschlachtet, wodurch ihr Rogen besonders lange reifen kann. Sodann durchläuft der N25 Kaviar einen weltweit einzigartigen Reifeprozess in Form einer speziellen Fermentation. Dieser Reifevorgang dauert 3-6 Monate und führt zu einem besonderen Geschmacksprofil.

Neben diesen Köstlichkeiten war aber auch der Spinat ein Höhepunkt. Er war wohl leicht fermentiert und mit einer asiatischen hellen Buttersauce angerichtet worden. Das hat mir sehr zugesagt und wenn es technisch nicht zu schwer sein sollte, möchte ich so etwas auch zu Hause einmal entwickeln – mal sehen, ob ich ein entsprechendes Rezept finde.

Gang 5 - Quercy Lamm: Lammrücken & Bries, Aubergine, Blumenkohl & Kurkuma

Nun folgte der Hauptgang – das Fleischgericht. Wir entschieden uns alle für das Lamm; sicher wäre auch die Taube interessant gewesen. Aber ich war neugierig auf das Lamm-Bries. Und ich glaube, dass das ein guter Griff war ( aber ich habe auch nichts gegen Taube).

Der Rücken hatte – ähnlich beim Schweinebraten – eine krosse Kruste. Sie war wirklich lecker. Darunter war eine kleine Schicht von fester Haut und darunter ein rosa-farbenes zartes Lammfleisch. Das war gut gegart und schmackhaft.

Aber der Höhepunkt des Tellers war wirklich das Bries: herrliche Aromen, saftig, zart und wunderbar weich.

Die Aubergine war zu einer Art Sphäre verarbeitet. Die Halbkugel glänze leicht dunkel-lila und war innen weich. Diesem Teil konnte ich nichts abgewinnen, weil es wenig Geschmack in meinen Augen entwickelte.

Die dünnen Blumenkohlscheiben waren gebraten bzw. gegrillt und dann mit Kurkuma gewürzt worden. Das mag ich, wenn Blumenkohl nicht weich gekocht wird – und auch die Würze mit Kurkuma war gelungen und neu für mich. Aber mein Lieblingsgewürz für gebratenen Kohl bleibt Ras el Hanout und ggf. noch geröstete Cashew- oder Pinienkerne.

Die Sauce wurde natürlich erst am Tisch angegossen. Sie war würzig und fein abgeschmeckt; für mich dürfte sie noch etwas mehr eingekocht sein und dadurch cremiger und dichter.

Insgesamt war es ein sehr vielschichtiger Teller mit diversen Geschmacksnoten.

Gang 6 - Himbeere: Monkey 47, Dulcey Schokolade & Estragon

     

Das Himbeereis war eine Fruchtbombe und wirklich der Star auf dem Teller. Aber auch der Weiße-Schokolade- Quader war gelungen und sehr intensiv im Geschmack. Die dritte Komponente Estragon war wohl in einem weiteren hellen Quader versteckt; aber ich habe es nicht erschmeckt. Dann kam der Keller noch mit zwei Gin-Flaschen. Er stellte den Monkey 47 und den Ferdinand's Saar Gin zur Auswahl. In beide Sorten waren noch Fruchtkomponenten eingearbeitet worden, sodass rosa-farbene süße Saucen entstanden waren. Wir wählten den Monkey - ohne die beiden Destillate wirklich zu kennen. Der Keller erläuterte natürlich kurz die Besonderheiten der beiden Produkte. Vom Gin habe ich nur etwas gespürt, aber die cremige Flüssigkeit passte harmonisch zum Eis.

Petit fours

Zum Kaffee gab es vier feine Überraschungen: Macaron, Sphäre aus dunkler Schokolade, Canelé de Bordeaux und „Exotic Kölsch“.

Das Mandelgebäck war locker und aromatisch. Die Schokoladenhalbkugel bestand aud dunkler Schokolade, die schone Kakaonoten zeigte. Auch der kleine Kuchen war extrem locker und luftig und enttäuschte nicht.

Natürlich war das kleine Kölsch-Glas der Hingucker schlechthin. In der kleinen Kölschstange war eine sirupartige cremige Masse, die wirklich wie Bier aussah. Sie war recht süß und intensiv nach Süd-Früchten im Geschmack. Als Schaum war eine Art Sahne (mit Vanille verfeinert) obenauf platziert worden.

Das waren nochmals recht ansprechende Süßigkeiten zum Abschluss.

Getränke

Billecart Salmon Brut Reserve (0,1 l ) - Für mich ein ordentlicher Champagner; aber ich bin kein besonderer Liebhaber bzw. Kenner dieser Weinart. Er war gut gekühlt und prickelte im Glas. Ein guter Einstieg für einen Sonntagslunch.

Weinbegleitung (6 Glas a 0,1 l )

Forstmeister Geltz Zilliken Saarburg Riesling feinherb 2016 -Der Riesling passte gut zum ersten Gang. Die Süße hielt sich in Grenzen.

Weingut am Stein Pure & Naked - PetNat - brut nature - Jede Flasche ist ein Einzelstück und kann daher etwas variieren. Geschmacklich steht dieser knochentrockene Schaumwein irgendwo zwischen Champagner, Cidré und Naturwein. Bei dieser Art der Weinverarbeitung habe ich meist Probleme. Auch diese Sorte würde ich mir nicht unbedingt für zu Hause kaufen; aber zum Tellergericht passte er recht gut. Also war die Wahl des Hauses durchaus gelungen.

Bernhard Ott 2019 - Grüner Veltliner trocken - FASS 4 - Die Reben stammen von kleinen Parzellen rund um Spiegel und Rosenberg. Weine aus dem Hause Ott sind eigentlich immer eine sichere Bank. Er schmeckte mir pur und auch zum Gericht.

Joseph Drouhin - Mâcon-Bussières - Les Clos AOC 2018 – Chardonny - Die trockenen Weine aus dem Gebiet Macon bringen die Rebsorte Chardonny fast immer gut zur Geltung. Auch heute passte der Weiße gut zum Fisch.

2014 Brunello di Montalcino Altesino - Prugnolo Gentile (Sangiovese) - Auch der Rote war eine Freude zum Essen. Ich habe auch fast noch nie einen Brunello vorgefunden, der mir nicht zugesagt hätte. Der klassische Ausbau ohne neue Holzfässer bringt einen eleganten Sangiovese-Extrakt hervor. Er war rund und zeigte keine Schwere, sondern elegante Fruchtnoten.

2017 JULIUSSPITAL Rieslaner Auslese (edelsüß) - Pur sind Süßweine schon manchmal anstrengend zu verkosten. Aber bei Käse und Süßspeisen finde ich sie eigentlich immer wieder recht passend.

Den Veltliner, den Macon und den Brunello würde ich auch jederzeit für zu Hause bei entsprechender Gelegenheit anschaffen.

Wasser (0,75 l)

doppelter Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute Produkte und vorbildliche Verarbeitung rechtfertigen entsprechende Preise nach meiner Meinung. Und – die Gerichte waren durchdacht gestaltet, sowie gerade auch optisch sehr ansprechend angerichtet.

Fazit

 

4 – schon gerne wieder. - Was mich abhält eine „5“ zu geben, ist die Anreise: Busse und Bahnen sind wohl weit weg; natürlich kann man auch für die letzte Strecke ein Taxi nehmen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 26.07.2020 – mittags – 3 Personen

 

 

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Juli 2020: Capricorn i Aries (BIP), Köln

Irgendwie französisch

Allgemein

Spontan haben wir am Mittwoch überlegt und beschlossen kurzfristig am Freitag nach Köln zu fahren und dort am Abend in einem für uns noch nicht besuchten Lokal ein lockeres Dinner zu verkosten.

Die Liste möglicher Restaurants war gar nicht so kurz. Also zum Telefon gegriffen und nach Terminen gefragt. Viele Gasthäuser haben seit „Corona“ einen Schichtbetrieb; schließlich sind die Platzzahlen durch die „Regeln“ stark dezimiert.

Aber wir wollten nicht in die erste Schicht von 18 bis maximal 20 Uhr rutschen, weil uns da die psychologische Geschwindigkeit zu hoch erscheint. Doch fast alle Häuser waren ab 20 Uhr schon belegt.

Anders war das bei „Capricorn i Aries“: Hier gab es noch freie Tische und keine Zeitbeschränkung.

Im Internet sind überwiegend positive Berichte zum Lokal zu finden. Es hat auch den „Bib Gourmand“ und „Gusto“ 5/10 Punkte aufzuweisen.

Ambiente

Auf der Alteburger Straße gibt es Gaststätte an Gaststätte. Alle haben einen Außenbereich. Aber wir sitzen nicht gerne so nahe an einer Straße.

Beim Capricorn i Aries ist das aber nicht so schlimm; denn die Plätze sind eng an der Hauswand platziert; aber es gab an dem Tag immer wieder Regenschauern und da wollten wir lieber ins Innere.

Wegen Corona gibt es nur einen Eingang an der Seite zum Inneren der Brasserie und man wird dort empfangen und zum Tisch geführt.

An der anderen Türe gab es jetzt eine Ausgabe von bestellten Gerichten zum Mitnehmen (auch schon zur Mittagszeit).

Die Bestuhlung im Inneren gefiel uns sehr gut, weil wir gar nicht so gerne eng mit unbekannten Nachbarn zusammen sitzen. Wir hörten, dass das früher doch eher dicht mit Tischen besetzt war.

Weil mehrere Türen und Fenster leicht geöffnet waren, erschien uns der Raum frisch und luftig; das passte uns sehr gut (es gab durchaus keinen Durchzug).

Designer-Lampen gaben ein gedämpftes Licht und auf den weißen Tischdecken standen Kerzenständer oder Tischlampen. Es sitzt sich angenehm im „Capricorn i Aries“ (Steinbock und Widder), die Akustik ist angenehm, die Musik nicht zu laut.

Schön fanden wir auch die Karte auf unserem Tisch, die unsere Reservierung anzeigte: Ein Bild mit vielen Kellnern, die auf die Ankunft warten.

Sauberkeit

Alles wirkte gut gepflegt. Tische mit weißer Decke und weißer Stoffserviette.

Sanitär

Die Toiletten befinden sich fast ebenerdig auf der Restaurantebene (nur eine kleine Stolperkante gibt es am Übergang des Holzbodens des Gastraums zum Sanitärbereich).

Auch hier ist alles sauber und gepflegt; aber etwas in die Jahre gekommen: Kahle Fliesen, ein wackeliger Wasserhahn am Waschtisch bei den Männern. Aber es gibt einige witzige Kacheln an den Wänden mit leicht „anzüglichen“ aber harmlosen Motiven. Es handelt sich um die Karikaturen- Serie des Österreichers Manfred Deix, die vor vielen Jahren Villeroy & Boch, Mettlach, herausgebracht haben.

Service

Ausschließlich Frauen versahen den Service. Freundlich und empathisch waren sie alle vier eingestellt; einige hatten auch Ahnung von Wein. Sonst erschien aber auch die versierte Chefin am Tisch. Es machte schon Freude, wie engagiert sich die Kräfte um die Gäste kümmerten: Ob es geschmeckt hat, ob noch etwas Brot nachgereicht oder ein anderer Wunsch erfüllt werden sollte. Und das immer, ohne aufdringlich zu sein – einfach aufmerksam waren sie alle.

Die Karte

Es handelt sich um ein bedrucktes DIN A 4 Blatt (wohl immer so und bei Corona noch besser):

6 Vorspeisen, 1 Suppe, 3 Zwischengerichte, 2 Fisch, 1 vegetarisch, 3 Fleisch, 4 Desserts, gemischte Rohmilchkäse nach Tagesangebot von Fromagerie Tourette, Straßburg

und ein Überraschungsmenü in drei Gängen.

Auf der linken Seite des Blattes stehen dann die Getränkeangebote aufgeführt.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten zum Kennenlernen das Überraschungsmenü (35,00 €).

Gruß aus der Küche

Kurz nach der Bestellung wurde einen kleinen Käsewindbeutel serviert. Und dann kamen noch zweierlei Brotscheibchen mit zwei Aufstrichen und ein Gläschen mit einer Matjes-Variation.

Der cremige Aufstrich passte gut zum Brot – ebenso die salzige Butter. Der Windbeutel erwies sich als relativ trocken und zeigte uns kaum Käsegeschmack. Aber das kleine Gläschen mit eingelegtem Fisch, Gewürzen und Algensalat mundete uns sehr gut.

Als Vorspeise wurde uns gebeizte Buttermakrele serviert. Dazu gab es einen Salat, eine grüne Paste und sieben helle und dunkle Cremetupfer.

Die hellen Halbkügelchen erinnerten uns im Geschmack an Aioli; die dunklen waren etwas fester in der Konsistenz, schmeckten herzhaft; aber wir konnten sie keiner konkreten Frucht zuordnen.

Die Salatblätter waren mit einer kräftigen hellen Sauce perfekt abgerundet.

Der Fisch war wirklich butterzart und fein im Aroma.

Die grüne Paste bzw. Püree erinnerte farblich an ein Pesto; jedoch keineswegs im Geschmack; denn es war sehr sanft und unauffällig gewürzt – etwas langweilig in unserer Beurteilung.

Das Überraschungsmenü wurde im Hauptgang dann zum Fischmenü; denn es gab Kabeljau.

Es war ein relativ großes Stück Filet ohne Haut. Der Kabeljau war sanft gegart und oben etwas angeflämmt worden. Die Lamellen waren saftig, leicht glasig und butterzart. Gewürze waren recht wenig verwendet worden und dadurch kam das Aroma des Fleisches sanft auf die Zunge voll zum Zuge.

Als Gemüse gab es ein kleines Bündel von relativ rohen ggf. auch leicht fermentiertem Frühlingslauch – die äußere Hülle war wohl etwas angeflämmt worden. Die dünnen Stangen waren von einem Schnittlauchfaden umschlungen und geknotet. Das Gemüse war mit dem Fischmesser nicht gut zu schneiden. Der Geschmack war auf jeden Fall für uns recht natürlich und im Mund musste gut gekaut werden. Das hätten wir uns etwas mehr gedünstet gewünscht.

Außerdem waren auf dem Teller noch vier kleine Rollen aus Gemüse. Wir vermuten Paprika, Tomate, Olive oder auch Lauch. Diese Päckchen waren relativ weich und im Geschmack intensiv. Problemlos konnten sie im Mund ihre Aromen verbreiten – ohne kauen.

Eine hellbraune Sauce war auch noch im Spiel; sie passte zum Püree – ohne viel Eigengeschmack zu erzeugen.

Das Püree war wohl aus Kartoffeln zubereitet, es war relativ kompakt. Wir vermuten, dass wenig Butter im Spiel war, denn es zeigte sich keine Cremigkeit. Aber der Gemüse-Geschmack war dadurch im Vordergrund.

Zum Nachtisch gab es eine Glasschale voll mit marinierten Erdbeerstücken, Himbeersorbet und Crème-fraîche-Eis. Jede Komponente war angenehm im Mund: die Erdbeeren waren süß und saftig, das Sorbet brachte leichte Säurenoten und das Eis war herrlich sahnig und cremig.

Es war ein für uns ein einfacher aber denoch schmackhafter Abschluss - ohne Fehl und Tadel.

Getränke

Taunusquelle – Aperol Spritz – Lillet Spritz – Macon Village – Süßwein

Wasser aus der Taunusquelle passt gut zu Wein und Essen. Die beiden Cocktails waren in Ordnung und gut gekühlt.

Beim Weißwein zum Kabeljau hanelte es sich um Deux Roches Macon Village Blanc Tradition 2018 Collovray et Terrier. Der Wein zeigte angenehme florale und mineralische Noten. Ich habe schon längere Zeit keine Weine mehr aus dieser Region verkostet und denke, dass ich das durchaus überdenken muss. Der Wein war nämlich recht erfreulich – pur oder zum Fisch.

Beim Süßwein konnten wir zwei Proben vorab verkosten und uns dann entscheiden: Château Roumieu Sauternes oder Chez Jau Muscat de Rivesaltes AOP. Der Sauternes erschien mir zu süß für den Anlass und ich bevorzugte den Muscat. Ich denke, die Wahl war richtig; denn es passte zu den Fruchtkomponenten.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Preise auf der Karte sind für Kölner Verhältnisse recht moderat gehalten. Die Produkte sind frisch und von ansprechender Qualität.

Fazit

Das Resümee fällt uns (meiner Frau und mir) nicht ganz so leicht. Die Speisen waren einfach und gut. Uns fehlte es manchmal an etwas mehr Raffinesse. Wenn wir in der Südstadt von Köln sind und Lust auf ein Essen bekommen sollten, dann wäre eine Einkehr durchaus wieder auf dem Plan. Wir würden dann aber sicher aus der Karte wählen, um die Gerichte jenseits von Fisch noch kennen zu lernen.

Aber eine Extra-Fahrt von Bergisch Gladbach aus, können wir uns zur Zeit nicht vorstellen. Schließlich bleibt die Liste der Lokale, die wir eigentlich unbedingt auch noch besuchen wollen, so groß und wollen abgearbeitet werden.

3 – 4 wenn es sich ergibt (gerne wieder).

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 10.07.2020 – abends – 2 Personen

 

 

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Juni 2020: taku *, Köln

Feine Speisen, passende Weine – ein großes Erlebnis

Allgemein

Auch beim Club „YouDinner“ kam die Corona-Krise plötzlich und umfassend – wie eine Naturgewalt eben. Viele Termine lagen im April und Mai und fielen daher flach. Die Events sollen aber alle nachgeholt werden.

Für mich war nun das „taku“ die erste Veranstaltung nach dem Lockdown.

Seit einigen Jahren war ich nicht mehr dort. Damals wurde mittags eine kleine Karte angeboten, die ich gerne nutzte. Heute wird nur noch abends geöffnet. Aber die asiatischen Gerichte haben mich stets überzeugt und sind positiv in der Erinnerung.

Daher hatte ich schon früh das Dinner gebucht, das nun im Juni wirklich stattfand.

Bei YouDinner hieß es dazu:

Japanisch, Thailändisch oder Chinesisch? Vietnamesisch oder vielleicht doch Indonesisch? … Erlebt unsere kulinarische YouDinner-Reise durch Asien mit Spitzenkoch Mirko Gaul im Sternerestaurant taku. Sich zwischen den verschiedenen asiatischen Länderküchen zu entscheiden, ist manchmal gar nicht so einfach. Müsst ihr an diesem Abend auch nicht; denn Sternekoch Mirko Gaul zaubert euch ein feines Asian-Fusion-Menu auf die Teller. Korrespondierende Getränke – von Sake bis Naturwein – zu den fünf Gängen sind natürlich auch am Start und machen den asiatischen Genusstrip in Köln zu einer spannenden Aromenreise. Bereits seit 2011 führt Mirko Gaul die Küche des taku. Jedes Jahr reist der Spitzenkoch nach Asien und bringt neue Ideen und Eindrücke aus Bangkok, Chengdu, Xiamen, Vietnam, Hong Kong und Tokyo mit zurück nach Köln. Mit seinem Drang, stets Neues zu entdecken und den Erfahrungshorizont zu erweitern, nutzt er jede Möglichkeit der Inspiration für neue Gerichte und Ideen.“

Der Chefkoch war heute nicht da, aber er hatte einen guten Grund und unser Verständnis: Er war am Morgen Vater geworden. - Glückwunsch!

Und ein gutes Küchenteam kocht immer im Geiste des Meisters.

Sake gab es nicht an diesem Abend, aber die kredenzen Weine waren so was von köstlich und passen (wie lange nicht mehr für mich).

Ambiente

Das Lokal war nach Corona-Regeln auf 24 Plätze reduziert und die Tische standen mit riesigem Abstand im Raum. Die Beleuchtung hatte ich als etwas heller in Erinnerung.

 

damals                                                                                                                             heute

Aber es war schon recht abendliche Stimmung im Restaurant. Ich konnte alles im Lokal gut erkennen; aber meine alte kleine Kamera schaffte einfach keine Bilder, die die Stimmung und die Gerichte richtig erfassen. Die Treppe, die an einen Bachlauf in seiner blauen Beleuchtung erinnern soll, war das hellste im Raum. Mit Maske habe ich recht vorsichtig die Stufen genommen.

Sauberkeit

Alles wirkte gut gepflegt. Tischdecke und kleine Stoffserviette in zarten Braunton auf dunklem Holz unterstützen das.

Service

Der eigentliche Eingang neben dem Hotel war verschlossen. Aber der aufmerksame Concierge trat auf mich zu, fragte nach meinen Wünschen und wies mir dann den rechten Weg durch die Eingangshalle des Grand-Hotels.

Vorsichtig stieg ich die Stufen zum Restaurant hinab und wartete im Halbdunkel auf eine Kraft. Die erschien auch aus dem Thekenbereich, fragte nach meinem Namen, schaute in die Liste und wies mir den Eckplatz an einem Sechsertisch zu. Kurz darauf wurde mir auch der Champagner zur Begrüßung gereicht.

Der Service war durchgehend freundlich und empathisch.

Aber ich bemerkte dabei, dass Catharina Boll von YouDinner eben unübertroffen beim Umgang mit Gästen ist: sie bemerkt alles und versorgt einen ehe man es selbst merkt. Sie fehlte; aber unbedingt zurecht; denn sie ist Mutter geworden und eben in Elternzeit

Doch die Damen am Tisch haben die Kellner stets freundlich zum Nachschenken des Weins und mehr Sauce veranlasst. Also wieder einmal: Reden hilft.

Die Tischgruppe

Ich habe schnell gemerkt, dass mir die Runden bei YouDinner in den letzten Monaten irgendwie schon gefehlt haben. Es ist eben ein großer Unterschied, ob man mit Familie oder Freunden essen geht. Diese Treffen sind absolut wichtig und unverzichtbar für mich und stehen an erster Stelle. Aber mit relativ unbekannten Menschen am Tisch oder in der Runde zu sitzen, ist noch etwas ganz anderes – teilweise eine fremde Welt – und eben „unverbindlich“. Lockere Themen, das Verbindende auch eine Lust am Genießen, das vereinbarte „Du“ am Abend nur auf Zeit, das alles bringt eine erweiterte bzw. ergänzende Dimension hervor.

Die Vielfalt der Themen war heute geradezu unheimlich, der Vortrag einzelner Personen dazu göttlich. Mir sind die Ohren fast abgeflogen und habe so herzhaft gelacht wie lange nicht mehr. Aber fast jede Runde bei YouDinner bringt besondere Akzente.

Die verkosteten Speisen: Menü – Degustation – 5 Gänge und Getränkebegleitung

Brot

Wenn Brot frisch gebacken ist und im Hause selbst zubereitet wird, halte ich das stets für bemerkenswert. Und diese Stücke waren schmackhaft und würzig. Sie überzeugten pur, mit dem Aufstrich und auch als „Schwamm“ für Saucenreste auf dem Teller.

Spargelsuppe

Das kleine Glas voll cremiger intensiver Suppe war ausgezeichnet abgeschmeckt und hatte volle kräftige Spargelaromen. Das war sehr angenehm.

Kalbsbries

Der zweite Happen war ein kleines Kunstwerk aus Pilzstückchen, paniertem Bries und einer festen Unterlage mit cremigem Aufstrich.

Ein wirklich herzhafter würziger und knuspriger Snack.

Rinderschulter

Die Füllung mit Gemüse und Rindfleisch war sehr apart gewürzt und schmackhaft. Der Teigmantel darum war jedoch etwas ledrig bzw. fest und wurde im Mund immer länger und breiter. Wenn das typische „Bao Bun“ waren, werden wir eben keine großen Freunde.

Alle Grüße waren also bis auf den kaugummiartigen Mantel sehr vielversprechend für mich gewesen.

Gang 1: WILDLACHS (soft gebeizt) mit Kimchi, Mango und Chili

Die Ansage aus der Küche nannte diese Kombination koreanisch und thailändisch geprägt.

Kimchi nennt man in der koreanischen Küche sowohl die Zubereitung von Gemüse durch Milchsäuregärung als auch das auf diese Art fertig zubereitete Gemüse. Mir hat diese mir vorher nicht so bekannte Art sehr gut gemündet. Die Balance von Schärfe und Süße hat mich überzeugt. Der Fisch war großartig und erinnerte mich etwas an Ceviche. Später wurde verraten, dass es sich um besonderen Lachs aus Alaska gehandelt hat (den Namen konnte ich mir nicht merken). - Jedenfalls sehr intensiv im Geschmack.

Gang 2: KRUSTENTIER mit Nussbutter, Schalotten-Dashi, Schnittlauch-Öl und Yuzu

Der Teller hatte einen stark japanischen Einschlag, den ich so auch noch kaum erfahren hatte.

Dashi ist ein japanischer Fischsud. Das Grund-Dashi wird aus Bonitoflocken und braunem Seetang gewonnen. Die Kombination war pikant und erfrischend zugleich. Der King-Crab war für mich der vielleicht beste „Meerestier-Fleisch“, das ich je verkostet habe. Die hellen „Kaviarkugel“ aus Zitrone obenauf rundeten den Genuss ab. Die Menge und die Konsistenz der Nussbutter passten für mich nicht auf gleicher Geschmackshöhe wie die anderen Komponenten auf den Teller. Insgesamt war aber dieser Gang eine wunderbare Erfahrung für mich.

Gang 3: RAMEN mit Schweinebauch-Chashu, Ramen-Nudeln, Miso, Enoki und jungem Lauch

Ramen sind eine eigene Art japanischer Nudeln. Diese Nudeln, vor allem die daraus hergestellte Nudelsuppe, werden Ramen genannt. Die Scheibe Schweinefleisch war wohl lange gegart worden. Sie war herrlich weich und saftig. Einige Gemüse waren in einem frittierten bzw. gebackenen Teigmantel zubereitet. Die Hülle war dünn und sehr knusprig, das Innere saftig und weich. Auch dieser Gang war für mich voller neuer Geschmacksmomente und äußerst gelungen.

Gang 4: ENTE (aus der Vendée) mit Pfeffer-Sud, Spargel-Katsu, Honig und Soba

Beim Hauptgang waren mir zumindest Ente und Spargel vertraut. Das Fleisch hatte eine knusprige Haut und war Innen saftig und rosa. Die Struktur der Entenfasern waren relativ fest. Das Fleisch war also weniger zart, hatte aber sehr angenehme Aromen und feine Würze.

Der Spargel war innen leicht weich und außen angenehm knusprig. Für mich der beste Spargel in diesem Jahr. Besonders die feinen Gemüsestreifen über der Stange als Topping waren eine köstliche Abrundung. Die Nudeln - Soba sind dünne, braun-graue Nudeln aus Buchweizen – wurden in einer Schale dazu gereicht.

Gang 5: ROTE BEEREN mit Yuzu und Sesam

Die Früchte wurden als Sobet bzw. Creme in weicher bzw. flüssiger Form dargeboten und weniger mit Stückchen. Dazu gab es ein cremiges Eis mit Vanille- und Zitrusaromen. Besonders interessant für mich waren die gebäckartigen Teile auf dem Teller: unten eine helle Version und oben eine dunkle knusprige Ringscheibe, die ich optisch zuerst für dunkle Schokolade gehalten habe. Aus Sesam, Honig und Zucker waren eine Hippe und kleine Würfel gebacken worden.

Ein gelungener und abwechslungsreicher Abschluss.

Ende: Kaffee und Petit Fours

Der Espresso war angenehm gebrannt. Die cremige kleine „Praline“ und die dünnen Schokoladen-Plättchen mit Nüssen passten dazu. Der Geschmack ist mir nicht besonders in Erinnerung geblieben.

Getränke

Ruinart Champagner brut classic - Cuvée: 40% Chardonnay, 57% Pinot Noir und 3% Pinot Meunier

Für mich erfrischend und prickelnd – aber zu Champagner habe ich immer noch nicht den ganz großen Zugang gefunden.

2017 Burgberg Riesling GG - Schlossgut Diel VDP – Nahe

Ein feiner Riesling mit starken Aromen – vielleicht etwas jung. Um seine Möglichkeiten voll zu entfalten. Insgesamt sehr gut zum ersten Gang.

2016 Löwengang bio Chardonnay Alois Lageder Südtirol

Löwengang war für mich schon immer ein großartiger Chardonnay – auch heute klasse.

2018 SYLVANER "KALKOVEN" Collective Z - Pfalz , Naturwein

Reiner Kalkboden und Fels, 2-3-tägiger Mazeration auf den Schalen, spontanvergoren, keine Schönung oder Filtration und 8 Monate in alten Barriques gereift, langes Hefelager. Mineralisch, samtig, Brioche, Kräuter. Ich fand es sehr gut, dass der Sommelier uns etwas mehr zu diesem Wein erzählte. Mich erinnerte er im Antrunk etwas an trockenen Cidre, ich merkte Rauch bzw. Feuerstein mit der Nase. Ich habe noch nicht viele Naturweine verkostet. Diesen würde ich auch wieder probieren. Eigenwillig? Ja, das trifft zu. Außergewöhnlich? Ja, auch das ist richtig.

2006 Alenza Gran Reserva - Ribera del Duero DO - Alejandro Fernández - 100% Tempranillo

Ein gut gealterter Tempranillo gefällt mir fast immer – und so war es auch hier.

2017 Rosalack Riesling Auslese Große Lage - edelsüß - Schloss Johannisberg VDP - Rheingau

Dieser Wein passte ausgezeichnet zum Nachtisch. Er war dezent in seiner Süße und zeigte viele Aromen von exotischen Früchten.

So eine großartige Weinbegleitung habe ich schon lange nicht mehr in einem Restaurant erlebt.

Fazit

4 – gerne wieder – vielleicht sogar mit der Tendenz zu unbedingt wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 18.06.2020 – 1 Person (Gruppe: 22 Teilnehmer*innen)

 

 

 

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Kölsch und Brauhäuser

In mehreren Gängen durch die Innenstadt am Mittag bis zum Abend hin auf  eigenen Brauhaus-Wanderungen- ohne Führung - Erfahrungen gesammelt. Es hat viel Spaß gemacht.

Für ein Treffen mit Freunden oder Bekannten gibt es in Köln eine Menge Brauhäuser bzw. Kneipen, die für eine bestimmte Kölschmarke stehen.

Dabei unterscheide ich neben der Vorliebe für ein bestimmtes Bier auch die Atmosphäre des betreffenden Lokals und den Anlass des Besuchs.

Beim Essen kommt für mich in allen entsprechenden Gaststätten nur die „kleine Karte“ infrage: Mettbrötchen, Halver Hahn (Käse und Röggelchen), Strammer Max oder andere rheinische Tapas. Denn es ist mir schleierhaft, warum dort so viele Gäste normale Tellergerichte bestellen (Steak, Geflügel, Gemüse etc.); dafür gehe ich nur in entsprechende Speiselokale. Aber zum Bier sollten die Kleinigkeiten schon vorhanden und ordentlich gemacht sein.

Mit zwei Bekannten habe ich über einen überschaubaren Zeitraum (etwa einen Monat im September 2018) einige Brauhäuser besucht, um zu einer Empfehlung zu kommen.

Ambiente/Atmosphäre

1. Schreckenskammer

Das Brauhaus kommt meinem Gefühl für ein gemütliches Brauhaus am nächsten. Es ist nicht zu groß. Die Köbesse sind noch echte Typen und dabei gar nicht unfreundlich.

 

Nur der Gang zu den Toiletten im Keller ist recht mühsam und die Anlage auch in die Jahre gekommen.

2. Sünner im Walfisch

Hat mir bei meinen Besuchen sehr zugesagt. Das Brauhaus ist nicht zu groß. Die Einrichtung ist gemütlich. Die Bedienungen sind freundlich. Auch die kleinen Happen von der Karte waren recht gut gemacht. Hier konnten wir uns gut unterhalten.

Die Toiletten sind allerdings nur im Obergeschoss.

3. Päffgen (Friesenstraße)

Das Stammhaus hat zwar schon eine größere Platzzahl inklusive einem überdachten Biergarten, aber auch hier kommt Brauhausstimmung auf. An den langen Tischen rücken die Gäste auch zusammen und schaffen so Platz für neue Gäste.

Die Toiletten sind auch wieder im Keller – zu den Zeiten mit viel Publikum sorgen Klofrauen für Sauberkeit.

4. Malzmühle (Mühlen)

Auch hier ist es sehr gemütlich. Die Gaststätte gliedert sich in mehrere Räume. Auch bei Hochbetrieb findet man meist einen Platz.

Die Toiletten sind im Keller – eine Klofrau sorgt für Sauberkeit.

5. Bierhaus am Rhein (Delfter Haus – Päffgen)

Auch dieses Haus ist nicht übermäßig groß. Es gibt einen Außenbereich mit Blick auf den Rhein.

Die Toiletten sind drinnen – natürlich mit Treppensteigen verbunden.

6. Lommerzheim (Deutz – Päffgen)

Als „Lommi“ noch den Betrieb führte, war das Lokal eine Legende. Es war urig dort und Herr Lommerzheim war ein Original. Die Koteletts von Frau Lommerzheim waren ebenfalls großartig.

Nach seinem Tod führt Päffgen das Haus selber weiter.

Die Räume wurden überholt. Es gibt eine schöne Außenanlage – und die Toiletten sind (jetzt) auch modern.

Das Lokal ist jetzt schöner als früher, aber es fehlt natürlich Herr Lommerzheim und seine Gattin. Ich habe die Beiden noch erlebt – jeder Besuch war ein Treffer.

7. Peters Brauhaus

Das kleine Brauhaus ist gemütlich eingerichtet. Unser Köbes war vielleicht der beste der Tour: Konnte viel erzählen und hatte Ahnung von Kölsch.

Die Toiletten sind ebenerdig zu erreichen – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Das ist alles perfekt. Nur: für mich ist das Bier nicht ganz so Spitze.

8. Em Scheffge (Reissdorf)

Die Gaststätte hat auch echten Kneipenflair. Für ein schnelles Kölsch bleibt man an der Theke auf dem Hocker sitzen. Wenn man im Severinsviertel ist, sollte man hier einkehren – auch wenn man kein Fan von Reissdorf ist.

9. Em Altertümche (Gaffel)

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In der Nähe von Saturn am Hansaring in der Ritterstraße gelegen. Recht urig in der Einrichtung. Nicht besonders groß. Es gibt Gaffel.

10. Brauhaus Johann Schäfer

Das Haus liegt in der Südstadt in der Elsasstraße. Hier kann man gut essen. Das Kölsch kommt von Gaffel

11. Max Stark (Päffgen)

Die kleine Kneipe ist gemütlich – und hat Päffgen. Was will man mehr?

12.Severin (Dom)

Auch eine gemütliche Kneipe mit Außengelände im Süden der Stadt. Aber es gibt Dom Kölsch. Da muss man durch.

13. Brauhaus Pütz (Mühlen)

Ein größeres Lokal im Bereich des Belgischen Viertels mit Außenbereich. Hier schmeckt das Mühlen Kölsch auch ganz gut.

14. Brauhaus Stüsser (Sion)
 
 
Hier gibt es Sion - und das ist schon mal gut. Im Sommer kann man gut draußen sitzen. Auch innen ist es gemütlich.
 

15. Gilden im Zims

Ein großer Außenbereich und viele Räumlichkeiten im Inneren. Besonders die Kellergewölbe sind sehr sehenswert. Toiletten sind auch im Keller – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Aber es gibt eben Gilden Kölsch. Nicht schlecht. Aber am Heumarkt liegen auch die Malzmühle oder ein paar Schritte weiter Sünner im Walfisch oder Päffgen im Delfter Haus am Rhein. Da schmecken mir die Biere besser.

16. Sion Brauhaus

Ein recht großes Haus. Es gibt mehrere Räume und einen Außenbereich. Das wirkt auf mich etwas unpersönlich. Das Bier schmeckt aber. Und im Keller ist eine sehr saubere Toilettenanlage.

17. Em Kölsche Boor

Das alte Brauhaus liegt hinter dem Eigelsteintor. Imposantes Haus, aber sehr groß im Inneren - es gibt Mühlen Kölsch.

18. Pfaffen am Heumarkt

Das Haus ist durchaus ordentlich eingerichtet, etwas verwinkelt im Inneren für meinen Geschmack. Und das Bier (kein Kölsch, aber helles Ober) sagt mir weniger zu.

19. Bierhaus en d´r Salzgass (Päffgen)

Eine relativ große Kneipe und daher schnell laut bei vielen Gästen. Aber es gibt Päffgen.

20. Gaffel am Dom

Ein sehr großes Haus. Die Lautstärke ist bei vielen Gästen recht groß. Mit dem Köbes kommt so schnell kein Gespräch auf, weil er eher wie am Fließband mit der Kölsch-Kranz umher rennen muss. Aber es gibt das gute Gaffel Kölsch.

Die Toiletten sind auf einer Halbetage. Wenn man weit davon entfernt einen Platz hat, sollte man sich gut die Wege merken, um wieder zurückzukommen.

21. Früh am Dom

Ein sehr großes verwinkeltes Haus mit vielen Räumen auf mehreren Ebenen – auch ein Außenbereich ist vorhanden.

Hier haben die Köbesse auch viel zu tun, denn der Laden brummt. Es ist sicher das bekannteste Brauhaus und direkt am Dom. Alle Touristen kommen wohl hier einmal vorbei.

Das Getümmel ist mir zu viel, obwohl das Haus wirklich schon Ecken und tolle Einrichtungsstücke hat.

Und Früh Kölsch ist einfach nicht mein Ding. Bei großem Durst schmeckt es aber ganz gut. Eine Brauhaustour sollte man daher hier anfangen.

Kölsch

Es geht hier nur um Kölsch, das aus einem Fass in der Gaststätte – am besten ohne Leitungen und Kohlensäure, frisch gezapft wurde. Also nicht Flaschenware.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich die Marken, die etwas herber sind grundsätzlich lieber trinke. Kölsch ist ein helles obergäriges leicht bitteres Bier. Es soll eine deutliche Hopfennote haben und nicht zu viel Malzgeschmack aufweisen.

1. Gaffel

Da es für mich die meisten herben Noten hat und harmonisch wirkt, probiere ich es immer wieder gerne. Früher wurde am Eigelstein gebraut, jetzt in Porz.

Im Glas bildet sich ein schönen Schaum, der auch etwas hält (Kölsch wird frisch getrunken und in 0,2 l – Gläsern (die Stange) angeboten. Da ist keine cremige Schaumkrone nötig). Im Antrunk finde ich sogar leichte Süße, aber dann setzt sich die herbere Note durch. Der Abgang ist nicht lang, es bleiben die Töne von feiner Bitterkeit übrig.

2. Sünner

Auch Sünner weist Herbe und Struktur auf und ist für mich mein „Aufsteiger“ im Geschmack. Ich habe es selten in eioner Gaststätte probiert, wo es gut läuft. Im Glas bildet sich angemessener Schaum, der auch kurz hält. Der erste Schluck zeigt direkt herbe Noten. In der Nase kommen frische Töne an. Der Abgang zeigt einen ausgewogenen Hopfengeschmack. Süße ist wenig im Spiel.

3. Schreckenskammer

Das Kölsch ist sicher nicht herb, aber es schmeckt mir. Dabei wurde es nach dem 2. Weltkrieg nie mehr selbst gebraut. Die Lohnsudbetriebe wechseln dabei sogar, aber das Familienrezept blieb. Zuerst wurde es bei Giesler in Brühl gebraut. Dann kam es zu Dom und Zunft und jetzt sogar bei Früh.

Es hat etwas mehr Alkohol als üblich und bekommt keine Nachgärung, um mehr Kohlensäure zu bekommen. Die Farbe ist gold-gelb, frischer Geruch, beim Antrunk etwas süß, später leicht bitter, Schaum fällt schnell zusammen, kurzer Abgang: insgesamt rund und zugänglich.

4. Päffgen

Päffgen ist ein sehr solides Bier. Es gibt es nur im Fass. Die Familie braut noch am Stammhaus in der Friesenstraße. Sie behaupten selber, dass ihr Bier nicht immer gleich schmeckt, aber immer gut.

Die Gläser haben keinen Reklameaufdruck. Es sind einfache klare Stangen. Der Schaum ist mittelhoch. Das Aroma ist mild-würzig. Ein aromatisches Kölsch, recht mild aber nicht süßlich und einfach süffig.

Auch die Gasthäuser, die Päffgen im Ausschank haben, sind durch die Bank zu empfehlen.

5. Sion

Hans Sion gilt als Vater des Nachkriegskölsch. Damals waren die kleinen Brauereien in Köln fast alle durch Bomben zerstört worden und die Großen Pils- und Exporthersteller konnten auch in Köln den Markt erobern. Sion erkannte, dass die kölschen Brauer mit ihrem eigenen obergärigen Bier dagegen halten mussten, um sich in Geschäft zu halten. Und es hat geklappt: Kölsch wurde wieder die Nummer eins im Köln-Bonner-Bereich.

Auch Sion braute nicht mehr selber. Heute gehört die Marke sogar zum großen Radeberger-Konzern (Oetker).

Im Glas ist schöner Schaum, der auch etwas länger hält, frischer Geruch, angenehm bitter, kaum süß, mittlerer Abgang.

6. Mühlen

Das Bier aus der Malzmühle ist sicher auch alles andere als herb. Aber es in sich stimmig und schmeckt mir daher. Das kleine Brauhaus am Heumarkt gefällt mir auch gut. Im Glas kommt etwas Schaum auf, der aber nicht lange hält. Der Geruch ist frisch, der Geschmack pikant ohne viele Bitternoten, die leichte Süße ist gut eingebunden; bei einem Besuch merkte ich saure Akzente, die unharmonisch wirkten; beim nächsten Besuch schmeckte das Bier wieder angenehm.

7. Peters

Ursprünglich aus Monheim. Aus Traditionsgründen durften sie auch nach der Kölsch-Konvention (Kölsch muss in Köln gebraut sein) ihr Bier Kölsch nennen.

Aber in der Zwischenzeit gehören zum „Haus Kölscher Brautradition" und sind Teil von der Radeberger Gruppe, die wiederum zum Oetker-Konzern gehört. Gebraut wird das Bier in Köln-Mülheim bei Gilden (genau wie Sion, Sester, Peters, Dom, Küppers etc.).

Im Glas steht der Schaum sehr kurz. In der Nase bemerke ich frische malzige Noten. Der erste Schluck war gefällig, aber ohne besondere Note. Da fehlte mir etwas Charakter. Aber insgesamt war das Kölsch süffig mit entfernt herben Tönen.

8. Gilden

Das Bier wurde schon immer in Mülheim gebraut. Heute ist es neben Sion die Premium-Marke vom Haus Kölscher Brautradition.

Im Glas war deutlich Schaum, der aber schnell vergeht. Der erste Schluck war ausgeglichen in herb und süß. Aber die Aromen sind sehr zurückhaltend. Im Abgang auch mild.

9. Reissdorf

Reissdorf ist der Marktführer in Köln. In der Innenstadt haben sie weniger Gaststätten, aber im Severinsviertel sind sie zu Hause.

Im Glas bildete sich frischer feiner Schaum, der sich schnell abbaute. Der Geruch ist frisch, aber auch eher unauffällig. Keine besondere Süße oder herbe Töne. Etwas langweilig, aber durchaus süffig.

10. Dom

Dom Kölsch war lange Zeit sehr geschickt im Marketing. Im Ausland und in der gehobenen Gastronomie in Deutschland war – wenn überhaupt – oft Dom zu bekommen. Aber geschmeckt hat es mir nie. Die Etikett-Farbe war grün. Seit der Übernahme durch das Haus Kölscher Brautradition wechselte man zu „rot“ - vielleicht soll es an Früh erinnern. Ob die Rezeptur auch verändert wurde weiß ich nicht, aber es schmeckte mir beim Besuch im Brauhaus etwas besser als früher.

Im Mund zeigen sich keine besonderen Noten (etwas Süße und mehr herbe Noten, beim Abgang zeigen sich insgesamt etwas fremde, ungewohnte Hopfentöne. Diese leichte Eigenwilligkeit macht es weniger süffig als Früh oder Reissdorf zum Beispiel.

11. Früh

Früh und Gaffel sind etwas gleich stark in Köln vertreten und bilden damit Platz zwei und drei in der Menge beim Ausstoß. Gaffel ist meine Nummer eins und Früh schmeckt mir nur, wenn ich viel Durst habe und vorher kein anderes Kölsch probiert habe.

Im Glas steht Schaum, der schnell zerfällt. Der Antrunk zeigt weder Süße noch herbe Akzente. Weitere Schlucke zeigen keine Tiefe aber auch nichts Störendes. Im Abgang finde ich kaum Nachhall von Kölsch-Noten. Der Geschmack ist schnell weg – was bleibt? - Nichts. Also noch ein Glas, oder doch nicht?

12. Pfaffen

Früher verkauften die Brüder Päffgen in ihren Gaststätten nur Päffgen Kölsch (es waren anfangs nur drei Häuser: Friesenstraße, Heumarkt und Lommerzheim in Deutz).

Aber es gab Streit Max kündigte den Vertrag und sein Sohn braute ein eigenes Bier in Lohmar. Damit durfte es nicht Kölsch heißen. Selbst über den Namen gab es Diskussionen. Schließlich hieß es Original Pfaffen Bier. Als Antwort gründete der Bruder direkt neben dem Haus einen Ausschank mit Päffgen Kölsch ( Bierhaus en d´r Salzgass).

Im Geschmack erinnert es mich etwas an ein Craft-beer. Es ist obergärig und hell, aber es schmeckt irgendwie auch säuerlich. Bei den ersten Schlucken finde ich leicht herbe und würzige Noten, auch etwas Süße. Aber dann stören mich die sauren Töne mehr als die Freude an den anderen Aromen.

 

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Helmut Thieltges (* 24. September 1955 in Dreis † 26. Juli 2017 in Trier) war ein deutscher Dreisterne-Koch.

In Dankbarkeit für großartige Stunden.

Kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti

Imperial-Kaviar ist die Bezeichnung für hellen, goldbraun schimmernden Kaviar mit einer Korngröße von 2–2,5 mm. Herr Thieltges bezieht ihn aus einer Zuchtstation in Belgien wie mir der Kellner verriet. Bisher habe ich noch nie ein Gericht mit 20 Gramm Kaviar verkostet. Lediglich auf einer Food-Messe habe ich einmal deutschen und russischen Zuchtkaviar probiert. Die eine Sorte war ganz angenehm, die andere überwog in salzigem Geschmack. Daher war ich recht neugierig.

Der Gold-Kaviar heute war viel aromatischer und mit den bisherigen Erfahrungen nicht vergleichbar. Das Rindertatar war ebenfalls traumhaft abgeschmeckt. Unten war das Kartoffelrösti wie ein Boden bei einer Torte die Grundlage. Darauf war eine üppige Schicht vom Tatar. Eine weitere Schicht besteht aus gewürzter Crème fraîche und darauf als Abschluss ein herrlicher Belag aus nussig-jodigem Kaviar. Das Geschmackserlebnis, das ich dabei hatte, möchte ich nicht missen. Ich hoffe mich lange daran erinnern zu können; denn es war köstlich. In einigen Berichten haben Genießer dieses Gericht als einzigartig bezeichnet – nun gehöre ich auch dazu.

Kross gebratene Medaillons vom Kalbsbries mit Maccaroni-Charlotte und Pfifferlingen uns Sauce Perigourdine

Damit nicht genug: Jetzt folgte das Bries (welch ein Glück, dass wir diesen Gang auch bestellt haben – eigentlich schaffen wir im Sonnora nur fünf Gänge und lassen zwei aus. Auch der Käse ist hier gut gereift und wird in einem fahrbaren Klimaschrank zum Gast gefahren – wir nennen das Gerät scherzhaft „Inkubator“).

Wir haben schon in vielen Restaurants Bries verkostet und auch fast immer gute Ergebnisse erhalten. Aber besser ist der Feind von gut. Hier sind die gebratenen Medaillons einfach unvergleichlich für mich (ich bin noch nicht überall gewesen und daher gibt es sicher auch in anderen Gasthäusern beste Varianten). Die Röstaromen und die Zartheit überzeugen mich. Aber selbst das ist nicht der einzige Pluspunkt auf dem Teller. Die Charlotte aus der italienischen Teigware ist ein Ganzstück. Die Füllung mit den Pilzen und der Sauce ist der Hammer. Eine Demi-Glacé wird mit Trüffelstückchen verfeinert. Gelegentlich habe ich Trüffel als Teil eines Gerichtes serviert bekommen; oft war ich enttäuscht, weil ich den typischen Geschmack oder den unvergleichlichen Duft vermisst habe. In dieser Sauce habe ich die Aromatik aber gefunden. Jeder kleine Bissen hat meinen Gaumen erfreut.

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