Herzlich willkommen!

November 2018: Weinprobe in "Bar Rix", Köln
 
 
Weinbar und Weinschule

Die Bar "Bar Rix" liegt zwischen Rudolfplatz und Friesenplatz.

Das kleine „Gasthaus“ gefällt mit sehr gut. Hier werden zwar „nur“ Weine angeboten (auch Brot, Käse und Wurst gibt es schon als Snacks zu haben).

Aber das Hauptziel ist Wein. Und die werden nach Motto oder Thema wechselnd angeboten.

Zu den normalen Öffnungszeiten gibt es eine Karte mit offenen Weinen.

Ambiente

 

Das Lokal ist wirklich relativ klein. An den Tischen können sicher 14 bis 16 Personen sitzen – mehr geht wohl kaum.

Dafür ist es gemütlich und wohnlich eingerichtet.

Service

Die Chefin ist sehr freundlich und empathisch eingestellt und verwöhnt ihre Gäste.

Sehr schön finde ich es jetzt, dass sie auch Seminare in ihrer Weinbar durchführt.

Valentine Mühlberger hat ein Diplom als Weinakademikerin (DipWSET).
Französische Mutter, fränkischer Vater: die Weinbegeisterung von ihr war daher vorbestimmt. Richtig eingetaucht ist sie mit einer ersten Weinlese in St. Emilion, es folgte eine Winzerausbildung in Beaune und dann das Diplom des Wine and Spirit Educational Trust, London.

Die Karte

An diesem Abend war das Thema „Die Reifeprüfung“. Es wurden vier typische Weine für die Region vorgestellt – und das Beste: Immer ein reifer, also älter Jahrgang und ein noch relativ junger.

Dieser Vergleich ist für mich besonders reizvoll; denn gereifte Weine sind gar nicht so oft zu verkosten.

Zusätzlich gab es den „Wettkampf“ Italien gegen Frankreich. Das ist nicht nur beim Fußball interessant, sondern auch bei Speisen und eben Spitzenweinen.

Snacks

Das Brot ist für mich bei einer Probe wichtig. Auch Wasser muss genug zur Verfügung stehen. Und wenn dann noch Wurst (Salami, Schinken etc.) und etwas Käse gereicht werden, sind meine Wünsche an die Begleitung voll erfüllt.

    

Getränke

So waren wir – zehn Gäste und die Chefin – gespannt auf den „Ausgang“. Wir verkosten vier Pärchen: Burgund und Saint-Émilion auf der einen Seite und Barolo und Taurasi und auf der anderen.

Zum Start gab es vorweg einen Winzer-Sekt.

Andres & Mugler Riesling brut 2016, Ruppertsberg in der Pfalz

Ein erfrischender weißer Einstieg in den roten Abend.

Nach der Begrüßung und einer kleinen Einführung ging es dann schnell los mit den Weinen.

Domaine Cachat-Ocquidant et Fils, Burgund: Corton-Vergennes Grand Cru Clos des Vergennes Monopole 2015 und 1998

Der Corton umfasst auf rund 160 Hektar Grand Cru-Appellationen an der Côte d’Or, die sich mit Ausrichtungen von Südwest bis Ost auf 250 - 330 Metern Höhe rund um den Bergrücken ziehen.

Der im Alleinbesitz der Domain Chachat-Ocquidant befindliche Clos des Vergennes schließt mit östlicher Ausrichtung auf dem Gemeindegebiet von Ladoix an den berühmten Corton-Bressandes an und gilt als einer der Geheimtipps von Burgund (und deswegen auch noch nicht so wahnsinnig teuer wie die berühmten Namen der Gegend).

Beim Öffnen der beiden Jahrgänge gab es die erste Überraschung: Die ältere Flasche hatte einen Fehlton – schon der Duft war nicht in Ordnung und der Geschmack zeigte leider auch unpassende Aromen. Da musste eine zweite her – und die war in Ordnung.

Uns fiel schnell auf, dass der Jahrgang 2015 schon recht reif schmeckte und sehr zugänglich war; aber vielleicht gar nicht typisch Burgund darstellte; er war eher auf den „internationalen“ Zeitstil ausgerichtet und wohl auch der Tendenz, dass ein Wein schneller reif werden soll – heute will wohl kaum jemand mehr 20 Jahre (oder mehr) warten bis der Geschmack rund ist.

Der 1998 war daher nicht nur gereifter, sondern auch immer noch etwas sperriger. Obwohl älter hatte er noch – gut eingebundene – Tannine aufzuweisen. Durch die Reife kamen auch Aromen von Wald und Leder hinzu. Bestimmt kann er noch länger reifen, um geschmeidiger zu werden, wenn kein „Korkfehler“ vorliegt. - Mir persönlich scheinen diese „Probleme“ gerne bei Pinot und auch speziell im Burgund aufzutreten. Aber die moderne Kellertechnik wird dies möglicherweise vermeiden können.

Sicher waren die beiden Vertreter des Burgund ein interessanter Einstieg. Aber umgeworfen haben sie mich eher nicht – obwohl ich Spätburgunder grundsätzlich sehr schätze.

Es folgte ein Vertreter des Bordeaux: Das Weinbaugebiet von Saint-Émilion hat auch einen guten Namen. Innerhalb des Bordelais bildet es – zusammen mit Pomerol – das Kerngebiet des „Rechten Ufers“ der Gironde und der Dordogne.

Die Weinberge von Beau-Séjour Bécot haben eine Lage auf dem Kalkstein-Plateau. Das Gut verfügt über eine Rebfläche von 16,5 Hektar; das Durchschnittsalter der Rebstöcke liegt bei 35 Jahren. Die aktuelle Bepflanzung liegt bei 70 % Merlot, 24 % Cabernet Franc und 6 % Cabernet Sauvignon.

Beau-Séjour Bécot gehört zur Gruppe „Premier Grand Cru Classé“ - nur 18 Güter sind in dieser höchsten Stufe vertreten (Stand 2012). Eine Zeitlang hat Michel Rolland das Chateau beraten.

Anders als im Burgund spielen im Bordeaux die Assemblagen die herausragende Rolle. Der Verschnittanteil der Reben kann von Jahr zu Jahr anders ausfallen. So war es auch hier beim Jahrgang 2014 (Merlot 80 %, Cabernet Franc 16 %, Cabernet Sauvigon 4 %) und 1995 (70% Merlot, 15% Cabernet Franc, 15% Cabernet Sauvignon).

Beide Weine können nach meiner Meinung noch eine Zeit „liegen bleiben“; denn auch 1995 zeigte noch Tannine, die aber nicht hart oder pelzig wirkten.

Nach Burgund zuerst eine Umstellung im Mund, dann aber recht erfreulich.

Nun ging es nach Italien.

Barolo Cannubi 1997 und 2011 standen auf dem Programm.

Cannubi ist eine berühmte und vielleicht auch die interessanteste Lage des gesamten Piemonts. Manche sagen sogar burgundisch im Eindruck: Eine Mischung aus Chambolle-Musigny und Vosne-Romanee.

E. Pira e Figli - Chiara Boschis Barolo Cannubi DOCG ist der Name des Gutes.

Auch hier war der jüngere schon recht zugänglich, aber der 1997 zeigte besonders die Stärken eines Barolo:Kraftvoll und auch noch traditionell in seiner Art durch erdige Aromen. Das Tanningerüst war klar definiert aber angenehm weich.

Die Rebe Nebbiolo liefert tanninreiche, ausdrucksstarke Weine, die lange reifen müssen. Sie gehört zu den am langsamsten reifenden Weinen weltweit, aber damit auch zu denen, die ihre Qualität lange halten können. Der Wein zeigt wie auch Pinot eine relativ helle Farbe.

Die beiden Barolo haben mich schon stark beeindruckt.

Radici Taurasi Riserva 2007 und 1998 - Mastroberardino, Kampanien

Taurasi ist ein trockener Rotwein aus der süditalienischen Region Kampanien, der 1970 den DOC- und 1993 den DOCG Status erhalten hat. Die Gemeinde Taurasi in der Provinz Avellino steht für den Namen. Seinen Ruf verdankt der Wein der Rebsorte Aglianico, welche dunkelfarbige, tannin- und säurereiche Weine hervorbringt, die über ein großes Alterungspotential verfügen.

Der Wein wächst auf etwa 550m in Süd-Ost Ausrichtung auf Kreide-Ton-Böden. Die Ernte wird per Hand durchgeführt. Im Keller wird auf lange Mazeration auf der Schale gesetzt. Der weitere Ausbau findet für 30 Monate in französischer und slowenischer Eiche statt. Anschließend noch 36 Monate Flaschenreifung.

Jung und alt hatten ihre Vorzüge, aber die ältere Version hatte perfekte Noten von dunklen und roten Früchten mit etwas Tabakaroma.

Fazit

Für mich hat heute Italien zwei zu eins gewonnen: Der Barolo liegt für mich knapp vorne vor dem Taurasi. Der Anschluss kommt von Bordeaux und Burgund war für mich leicht abgeschlagen auf Rang vier.

Aber das ist natürlich Geschmackssache.

5 – unbedingt wieder. Die Wein-Schule im Bar Rix werde ich gerne wieder besuchen.

(1 – scher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 26.11.2018 – abends – Weinseminar (10 Teilnehmer*innen)

 

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November 2018: Lunch in Bensberg

Das Entstehen des höchsten Gutes und der Genuss daran sind gleichzeitig - Epikur von Samos

Mögen einige Köche oder Betriebe zur Zeit auch mehr angesagt sein, Joachim Wissler und das Vendome sind in meinem Kosmos einfach die absolute Spitze (aber meine Welt ist ja auf jeden Fall „begrenzt“ – jedoch mache ich gelegentlich einen kleinen Abstecher aus dem Bergischen Land und die Köln-Bonner-Bucht hinaus. Aber nur in Orte mit vielversprechender Küche: als Erweiterung oder Erinnerung – so stehen für mich Christian Bau oder Sonnora weiterhin als Ziele an – die Küche in Perl möchte ich neu kennen lernen bzw. in Dreis im Andenken an Helmut Thieltges speisen und auch die Entwicklung unter Clemens Rambichler erspüren).

Meinem Hobby „Genießen“ kann ich hier ungezwungen und mit Freuden nachkommen.

Service

Nicht nur die Küche erfreut mich immer wieder. Nein auch die Einrichtung und der Service machen mir Freude.

Warum? Weil er so geräuschlos, locker und stimmig abläuft. Auch der neue Maître
Christoph Lange wird sicher in dieses Bild passen; schließlich hat er in Hamburg im „Seven Seas“ ** in gleicher Position erfolgreich gearbeitet.

Und nebenher: Das ganze Team arbeitet wie ein edles „Uhrwerk“: Jedes Rädchen arbeitet präzise, hat seine Funktion und bewegt das Ganze harmonisch und zuverlässig.

Die Sommeliers, die ich hier erleben konnte, sind ebenfalls einfach Spitze. Und ich freue mich daher auf Marco Franzelins Getränkebegleitung. Es sind nicht unbedingt die ganz teuren Weine, aber immer stimmige Exemplare zum Essen. Natürlich kann man auch in die Weinkarte studieren, selbst entscheiden oder ganze Flaschen ordern.

Die Karte(n)

Samstag und Sonntag öffnet das Vendome auch mittags und bietet dafür ein besonderes Menü (Gourmet Lunch) in vier Gängen an inklusive Champagner zur Begrüßung, Wasser und Kaffee am Ende.

Gruß aus der Küche

Vorher werden einige feingliedrige Gänge serviert. Unter dem Namen „Picknick“ kommen diesmal fünf kleine Grüße.

Auch die Patisserie lässt sich nicht lumpen und kredenzt ebenfalls kleine Teller unter dem Motto „Bensberger Weihnachtsmarkt“.

Es gibt also keinen Anlass zur Vermutung bzw. Sorge, dass ein Vier-Gang-Lunch den Hunger nicht vertreibt. Im Gegenteil: Das große Menü besteht aus zehn Gängen und noch mehr Grüßen und stellt dann schon eine echte Herausforderung in Menge und Vielfalt dar.

Die Gerichte waren als Fingerfood gedacht und daher auch ohne Besteck serviert. Am Ende wurde dann eine weiße zylindrische „Pille“ mit heißem Wasser aufgegossen. Darauf hin schoss das weiche Papier wie eine Ziehharmonika nach oben in die Höhe und war eine warme feuchte Serviette zur Handreinigung.

Die verkosteten Speisen

PICKNICK

T H U N F I S C H - S A N D W I C H [Holzkohle-Flavour]

Das kleine Kunstwerk hat mir auch geschmeckt. Außen die krosse dünne Brotscheibe, innen er rohe Tunfisch. Kräuter und Blüten waren als Aromen vorhanden, den Holzkohle-Geschmack habe ich separat nicht gefunden, sicher hat er die kräftigen Töne zum Gericht gegeben.

T O M A T E N M A C A R O N [Wagyu Beef]

Der Tomatengeschmack war deutlich zu spüren; aber leichte Rauchtöne und Röstaromen kamen vom Fleisch, das wie ein Belag zwischen den beiden Hälften des Baisergebäcks steckte. Obenauf war eine Art helle Paste, die den Gesamteindruck abrundete.

Z U C K E R S C H O T E & S H R I M P S [Wasabicrème]

Das kleine Meerestier war auf Erbsen und Zuckerschote gelagert. Die feine Schärfe von Wasabi unterstützte den Abgang; zuerst kam eine dezente Süße und dann die herben Noten.

W I E N E R S C H N I T Z E L [Kapernremoulade]

Ein kleines Schnitzel – was soll daran Besonderes sein? - Es schmeckte einfach köstlich. Warum sind die größeren Verwandten meist nicht so weich, gewürzt und goldbraun wie hier?

M I L C H F E R K E L B A U C H „ K R O S S “ [Senfmayonnaise]

Durchwachsenes Schweinchen mag ich grundsätzlich nicht besonders gerne. Das Stückchen sah jedoch wunderschön aus und schmeckte angenehm; zuerst der Crunch, dann das zarte Fleisch. Der Senf gab etwas Würze.

Ich liebe diese kleinen Kunstwerke und könnte mich davon alleine begeistern lassen (so wie es damals Dieter Müller in Lerbach mit seinem Amuse bouche-Menu vorgemacht hat).

MENU

O C T O P U S S A L A T [mediterranes Gemüse & Tomaten-Minz-Vinaigrette]

Verschiedene Teile vom Tintenfisch wurden in Form und Einsatz gebracht. Einmal waren die Scheiben bzw. halben Stücke kreisförmig angeordnet und lagen auf einer Art Reiscracker. Weitere Stücke waren konzentrisch um das dezentrale Hauptstück angeordnet worden. Dazwischen befanden sich die Gemüseteile. Die Tomaten-Minze-Sauce ergab den verbindenden Geschmack.

Selbstverständlich war der Octopus auf den Punkt gegart und herrlich zart.

C O F I E R T E R L A B E L R O U G E L A C H S & D I L L B U T T E R [Saiblingskaviar : grüner Spargel]

Der Lachs war butterweich und saftig. Grundsätzlich liebe ich Fisch auf der Haut kross gebraten am meisten. Aber dieses confierte Filet hat mir außerordentlich zugesagt. Der orange Kaviar passte mit leichten Salznoten gut dazu.

Einige kleine Muscheln begleiteten den Fisch.

Der grüne Spargel war ebenfalls buttrig überzogen und mild im Geschmack.

Dazu gab es noch ein cremiges Püree und eine helle Sauce.

C H A L L A N S E N T E & B L A U B E E R K O M P O T T [confierte Schwarzwurzel : Ingwerjus geräuchertes Kartoffelmousseline]

Von der Ente gab es verschiedene Fleischarten bzw. Stücke: Brust und Ragout. Auf der Schwarzwurzel waren kleine Kleckse Püree mit winzigen Trüffelröllchen angeordnet. Weitere Pilzstücke waren (vielleicht Shiitake) Begleiter der Blaubeeren und Gemüsescheiben.

Das Kompott passte schmackhaft zu den Wild- bzw. Waldaromen der anderen Zutaten.

Ein Kloß bzw. Knödel – separat in einem Körbchen – gab es ebenfalls. Er war gefüllt und mit einer Marmeladenhalbkugel bekrönt.

 

Das Kartoffelpüree wurde auch in einer extra Schale gereicht.

M E L O N E N S A L A T & V E R V E I N E E I S C R È M E [falsche Lakritze : Orelys-Schokolade Champagner-Verveineaufguss]

Die Melonenstücke waren in Würfelform geschnitten und mariniert worden. Zwei verschiedene Eiscremes waren als Nocken geformt. Teile der Eisenkrautpflanze waren zur Aromatisierung eingesetzt worden. Die blonde Schokolade diente auch dem Geschmack. Die Lakritzschnecke sah durchaus echt aus, war aber wie angesagt aus einer weichen gefärbeten Schokolade gespritzt worden.

Die weiche cremige Konsistenz weicht dabei völlig vom gewohnten Lakritz ab. Der Geschmack war sehr fein und doch leicht an Süßholz erinnernd.

Ein zerstoßenes Wassereis mit einem Aufguss wurde separat gereicht.

B E N S B E R G E R W E I H N A C H T S M A R KT

 

PUNSCH MARSHMALLOW - LINZER-MAGNUM - VANILLE KIPFERL - RUM-BAUMKUCHENSPITZE -HONIGKUCHEN & BITTERORANGENCRÈME - BRATAPFEL - LEBKUCHEN MACARON - RUMKUGEL & HASELNUSS - ZARTBITTERSCHOKOLADEN PRALINE

Die feinen Köstlichkeiten wurden auf drei Unterlagen – eine davon ein Adventskörbchen – präsentiert. Alle neun Teile waren in sich stimmig. Ich habe die Teile einfach langsam im Mund zergehen lassen und Spaß daran gehabt.

Getränke

S.Pellegrino Mineralwasser medium

Champagne Bruno Paillard - Première Cuvée

Weinbegleitung:

Tement - Steinbach - Gelber Muskateller 2016 - Francois Ecot - Troma-Onirique Aligoté - Roero Nebbiolo DOCG 2014 -VALFACCENDA - Milz-Laurentiushof - Trittenheimer Felsenkopf Riesling Spätlese 2007

Espresso

Appleton Estate 21 Jahre Jamaica Rum

Fazit

5 – unbedingt wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 18.11.2018 - Lunch - 2 Personen

 

 

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Oktober bis November 2018: Stutenkerle probieren

Der Niedergang der Weckmänner

In meiner Erinnerung waren früher die Stutenkerle einfach leckerer. Ich habe aber wohl auch fünf Jahre lang keine mehr gekauft oder gegessen.

Es war also an der Zeit nun in Bergisch Gladbach ein paar Bäcker und ihre Backwaren auszuprobieren.

Das Ergebnis war ernüchternd: Fast alle waren (auch frisch gekauft und zeitnah verzehrt) trocken und fest beim Beißen. Also viel kauen und lange kauen und dann Durst oder Hustenreiz haben.

Und das Aussehen war teilweise noch schrecklicher: Arme und Beine kaum herausgearbeitet. Selbst der Kopf war nicht immer rund und abgesetzt.

Mit Rosinen wird auch gespart. Wenigstens eine Pfeife haben fast alle.

Nur beim Preis wurde nicht lange gefackelt. Unter 1,70 € gibt es kaum etwas – gerne kosten sie auch über 2 Euronen.

Aussehen und Geschmack

Die äußere Form des Hefegebäcks bezieht sich je nach Region auf Bischof Nikolaus oder den heiligen Martin.

Verwendet wird ein überwiegend gesüßter Hefeteig (Wecken, Stuten). Er wird mit Rosinen für das Gesicht verziert und bekommt eine Gipspfeife in den Arm gesteckt.

Verkostungen

Zuerst habe ich bei allen Bäckern, die für mich in der Stadt leicht zu erreichen waren, einen Weckmann gekauft. Ich habe es dann aber bei sechs Proben belassen, weil die anderen schon optisch keine Steigerungen vermuten ließen.

1.Platz: Merzenich – Pfeife und Rosinen sind vorhanden, sogar ein Mund wird angedeutet. Der Teig ist leicht süß und relativ frisch.

2.Platz: Busch – Pfeife und Rosinen sind vorhanden, aber der Kopf ist nicht ausgeformt. Der Teig ist noch frisch und nicht völlig trocken. Muss aber relativ schnell aufgegessen werden.

3.Platz: Kamps – Pfeife und Rosinen sind vorhanden. Der Kopf und die Arme sind ordentlich geformt bei den Beinen hapert es etwas an Sorgfalt. Der Teig ist relativ hell und wenig geschmackvoll.

4.Platz: Büsch – Pfeife vorhanden, keine Rosinenaugen. Kopf nur angedeutet. Beine ordentlich gelungen. Der Teig war schon nach dem Kauf relativ trocken. Den Werbespruch „Weckmann sucht neues zu Hause“ fand ich lustig – aber ich muss ihm zukünftig ein Asyl verweigern.

5.Platz: Scherbarth – keine Pfeife, aber Rosinenaugen, sehr klein im Format, aber die Form ist gelungen. Es ist ein Bio-Bäcker und mir scheint, dass zum Weckmann Dinkelmehl nicht recht passt. Jedenfalls war mir das Aroma nicht angenehm im Mund – ziemlich trocken obendrein.

6.Platz: Baltes – Pfeife und Rosinen vorhanden. Aber die Pfeife lag nicht im Arm – war nur aufgelegt. Sehr hell gebacken. Die Form recht nachlässig gestaltet. Relativ klein. Besonders trocken und kaum Aromen vorhanden. Schade; denn es ist einer wenigen Bäcker, die nicht zu einem Filialnetz gehören, sondern noch selber produzieren.

Mein Weckmann: Also muss ich einen Weckmann, der auch in meinen Augen geschmackvoll daherkommt, wohl selber machen.

Mehl, Hefe, Milch, Zucker, Salz kommen wohl immer in den Teig. Aber vielleicht hapert es an Butter, Ei und Aromen (zum Beispiel Zitronenabrieb).

Ein Rezept aus dem Internet hat auch prima geklappt. An der Form kann ich noch etwas verbessern. Und beim Backen muss es nicht ganz so dunkel am Ende ausfallen.

Aber der Geschmack war einfach besser als alle anderen gekauften. Sogar nach einem Tag schmeckte er noch ganz gut.

Aus 250 g Mehl sind genau drei Weckmänner entstanden.

Fazit

Ich werde nächstes Jahr eher selber backen und nur geschenkte andere Exemplare probieren.

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Nachtrag:

In Dinslaken sah der Stutenkerl von Bienemann ganz gut aus. Er hatte eine schöne Backfarbe. Die Falttechnik war ebenfalls originell. - Aber er war staubtrocken. Und am Ende zählt der Geschmack.

Etwa Platz 4a. in der Liste.

Beim Bäcker Ernstling fast gegenüber sah der Weckmann nicht sehr gut in der Backfarbe aus. Auch die Form war irgendwie rechteckig, praktisch für die Backstube.

Aber der Geschmack war überraschend ordentlich - ich konnte Butteraromen feststellen.

Daher im Rang auf Platz 2a etwa.

Der Biobäcker Schomaker aus Rheurdt hat sogar drei Varianten. Sie überzeugten mich optisch nicht (die Rosinen waren seltsam verteilt oder fehlten ganz - der Weckmann mittel war noch das beste Exemplar in meinen Augen) und daher habe ich sie gar nicht verkostet.

 

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November 2018: italienisches Gasthaus

Die Küche sagt uns zu

Bei der Suche nach einem „Lieblingsitaliener“ in Bergisch Gladbach haben wir erneut das Restaurant „Osteria del Corso“ aufgesucht.

Wir glauben auch fündig geworden zu sein.

Ambiente

Der Innenraum ist mit Tischen und Stühlen so eingerichtet, dass man sich wohlfühlen kann. Es ist nicht zu eng und es gibt genug Plätze für kleine Gruppen oder zwei Personen.

Sauberkeit

Alles ist gut gepflegt.

Sanitär

Die Toiletten sind ebenerdig zu erreichen. Auch hier gibt es genug Platz, um sich entspannt frisch zu machen.

Service

Die Juniorchefin ist sehr aufmerksam und freundlich. Ein älterer Herr macht auch einen kompetenten Eindruck. Die beiden jungen Kellner wirken noch nicht so sicher – geben sich aber Mühe.

Die verkosteten Speisen

Wochentags gibt es ein Mittagsmenü. Sonst werden Gerichte einzeln bestellt. Die Karte und eine Tafel mit zusätzlichen Gerichten geben auch genug Auswahl, um sich selber Gänge zusammenzustellen.

Da alles in der Küche frisch und selbst gemacht wird, kann man auch kleine Extrawünsche leicht erfüllen (etwas weglassen oder eine Zutat ändern).

Antipasto-Platte mit Vitello Tonnato, Culatello Schinken, Riesengarnele in Knoblauch, Pulposalat, Gemüse, hausgemachte Ricotta, Büffelmozzarella

Vitello und Schinken waren von angenehmer Qualität. Die Garnele war aromatisch, außen knusprig und innen saftig. Der Pulposalat war ausgezeichnet. Die kleinen Stücke waren zart gegart und angenehm im Geschmack – überhaupt nicht gummiartig oder zäh, wie ich es leider zu oft erlebt habe.

Thunfischtatar

    

Gut abgeschmeckt, feiner Salat dazu – ein ansprechender Zwischengang

Kalbsleber

Die Leber war perfekt gebraten und gewürzt worden. Sie hatte innen noch einen rosa Schimmer. Dazu passten die frittierten Salbeiblätter ausgezeichnet. Eine kleine Portion leicht gebratene Kartoffeln und mediterranes Gemüse wie Zucchini, Paprika, Gurke rundete den Teller ab.

Lachs und Muscheln bzw Lachs mit Risotto

Der Lachs war genau richtig gegart. Die Muscheln waren auf das Filet gelegt worden. Für mich hätte die schmackhafte Sauce nicht über Lachs und Muscheln gegossen werden müssen. Lieber hätte ich es separat oder unter dem Fisch.

Das Gemüse war wieder bissfest und gut abgeschmeckt, wie ich es mir wünsche. Dazu gab es zweierlei von der Kartoffel: als Bratkartoffel und als Gratin. Die Stücke waren kross gebraten, der Gratin hätte für mich knuspriger sein können und mit weniger Sahne versehen.

Das Risotto war mit Kürbis hergestellt. Der Reis hatte noch leichten Biss und war cremig. So mag ich ihn.

Insgesamt zwei ansprechende Teller.

Lamm gegrillt

Das Fleisch war gut gewürzt, kross gebraten und innen saftig. Die Beilagen waren passend. Das Gemüse hatte noch leichten Biss. Die Kartoffeln leicht kross gebraten.

Spaghetti mit Muscheln und Lachs

Sehr harmonisch im Geschmack - ein ausgewogener Gang (Primo piatto).

Tartufo

Tiramisu

Der Biskuit war selbstgebacken und nicht besonders hoch aufgegangen. Es war eine durchgehende Platte, keine Löffelbiskuit. Obenauf war eine feine Schicht Kakao gestreut.

Dessert-Variationen

Der Schokoladenkuchen war wieder gelungen – mit flüssigem Kern. Eine Creme brulee hatte eine krosse Haut und feine Aromen in der Creme. Die schlichte klassische Panna cotta mag ich ebenfalls. Es muss für mich kein weiterer Aromastoff (Espresso zum Beispiel) dazu kommen. Und auch das Eis war prächtig.

Diese vier Teile haben mir auf jeden Fall Spaß gemacht.

Getränke

S. Pellegrino

Acqua Panna

Crodino Sprizz

Pala I Fiori Vermentino di Sardegna DOC

Amarone Selezione Castagnedi DOCG (2013) -Tenuta Sant Antonio · Venetien - Cuvee aus Corvina, Rondinella, Croatia, Oseleta

Preis-Leistungs-Verhältnis

Selbstbewusste Preisgestaltung, aber die Qualität der Zutaten und die Verarbeitung waren recht überzeugend. Das Restaurant schreibt auch, dass alles hausgemacht ist.

Fazit

4 – gerne wieder – dann muss ich mich noch der Pasta und auch der Pizza dort widmen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 10.11.2018 – Mittagessen – zehn Personen

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September bis Oktober 2018: Kölsch und Brauhäuser

In mehreren Gängen durch die Innenstadt am Mittag bis zum Abend hin auf einen eigenen Brauhaus-Spaziergang - ohne Führung aber in Begleitung durchgeführt. Es hat viel Spaß gemacht.

Für ein Treffen mit Freunden oder Bekannten gibt es in Köln eine Menge Brauhäuser bzw. Kneipen, die für eine bestimmte Kölschmarke stehen.

Dabei unterscheide ich neben der Vorliebe für ein bestimmtes Bier auch die Atmosphäre des betreffenden Lokals und den Anlass des Besuchs.

Beim Essen kommt für mich in allen entsprechenden Gaststätten nur die „kleine Karte“ infrage: Mettbrötchen, Halver Hahn (Käse und Röggelchen), Strammer Max oder andere rheinische Tapas. Denn es ist mir schleierhaft, warum dort so viele Gäste normale Tellergerichte bestellen (Steak, Geflügel, Gemüse etc.); dafür gehe ich nur in entsprechende Speiselokale. Aber zum Bier sollten die Kleinigkeiten schon vorhanden und ordentlich gemacht sein.

Mit zwei Bekannten habe ich über einen überschaubaren Zeitraum (etwa einen Monat im September 2018) einige Brauhäuser besucht, um zu einer Empfehlung zu kommen.

Ambiente/Atmosphäre

1. Schreckenskammer

Das Brauhaus kommt meinem Gefühl für ein gemütliches Brauhaus am nächsten. Es ist nicht zu groß. Die Köbesse sind noch echte Typen und dabei gar nicht unfreundlich.

 

Nur der Gang zu den Toiletten im Keller ist recht mühsam und die Anlage auch in die Jahre gekommen.

2. Sünner im Walfisch

Hat mir bei meinen Besuchen sehr zugesagt. Das Brauhaus ist nicht zu groß. Die Einrichtung ist gemütlich. Die Bedienungen sind freundlich. Auch die kleinen Happen von der Karte waren recht gut gemacht. Hier konnten wir uns gut unterhalten.

Die Toiletten sind allerdings nur im Obergeschoss.

3. Päffgen (Friesenstraße)

Das Stammhaus hat zwar schon eine größere Platzzahl inklusive einem überdachten Biergarten, aber auch hier kommt Brauhausstimmung auf. An den langen Tischen rücken die Gäste auch zusammen und schaffen so Platz für neue Gäste.

Die Toiletten sind auch wieder im Keller – zu den Zeiten mit viel Publikum sorgen Klofrauen für Sauberkeit.

4. Malzmühle (Mühlen)

Auch hier ist es sehr gemütlich. Die Gaststätte gliedert sich in mehrere Räume. Auch bei Hochbetrieb findet man meist einen Platz.

Die Toiletten sind im Keller – eine Klofrau sorgt für Sauberkeit.

5. Bierhaus am Rhein (Delfter Haus – Päffgen)

Auch dieses Haus ist nicht übermäßig groß. Es gibt einen Außenbereich mit Blick auf den Rhein.

Die Toiletten sind drinnen – natürlich mit Treppensteigen verbunden.

6. Lommerzheim (Deutz – Päffgen)

Als „Lommi“ noch den Betrieb führte, war das Lokal eine Legende. Es war urig dort und Herr Lommerzheim war ein Original. Die Koteletts von Frau Lommerzheim waren ebenfalls großartig.

Nach seinem Tod führt Päffgen das Haus selber weiter.

Die Räume wurden überholt. Es gibt eine schöne Außenanlage – und die Toiletten sind (jetzt) auch modern.

Das Lokal ist jetzt schöner als früher, aber es fehlt natürlich Herr Lommerzheim und seine Gattin. Ich habe die Beiden noch erlebt – jeder Besuch war ein Treffer.

7. Peters Brauhaus

Das kleine Brauhaus ist gemütlich eingerichtet. Unser Köbes war vielleicht der beste der Tour: Konnte viel erzählen und hatte Ahnung von Kölsch.

Die Toiletten sind ebenerdig zu erreichen – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Das ist alles perfekt. Nur: für mich ist das Bier nicht ganz so Spitze.

8. Em Scheffge (Reissdorf)

Die Gaststätte hat auch echten Kneipenflair. Für ein schnelles Kölsch bleibt man an der Theke auf dem Hocker sitzen. Wenn man im Severinsviertel ist, sollte man hier einkehren – auch wenn man kein Fan von Reissdorf ist.

9. Max Stark (Päffgen)

Die kleine Kneipe ist gemütlich – und hat Päffgen. Was will man mehr?

10.Severin (Dom)

Auch eine gemütliche Kneipe mit Außengelände im Süden der Stadt. Aber es gibt Dom Kölsch. Da muss man durch.

11. Brauhaus Pütz (Mühlen)

Ein größeres Lokal im Bereich des Belgischen Viertels mit Außenbereich. Hier schmeckt das Mühlen Kölsch auch ganz gut.

12. Gilden im Zims

Ein großer Außenbereich und viele Räumlichkeiten im Inneren. Besonders die Kellergewölbe sind sehr sehenswert. Toiletten sind auch im Keller – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Aber es gibt eben Gilden Kölsch. Nicht schlecht. Aber am Heumarkt liegen auch die Malzmühle oder ein paar Schritte weiter Sünner im Walfisch oder Päffgen im Delfter Haus am Rhein. Da schmecken mir die Biere besser.

13. Sion Brauhaus

Ein recht großes Haus. Es gibt mehrere Räume und einen Außenbereich. Das wirkt auf mich etwas unpersönlich. Das Bier schmeckt aber. Und im Keller ist eine sehr saubere Toilettenanlage.

14. Pfaffen am Heumarkt

Das Haus ist durchaus ordentlich eingerichtet, etwas verwinkelt im Inneren für meinen Geschmack. Und das Bier (kein Kölsch, aber helles Ober) sagt mir weniger zu.

15. Bierhaus en d´r Salzgass (Päffgen)

Eine relativ große Kneipe und daher schnell laut bei vielen Gästen. Aber es gibt Päffgen.

16. Gaffel am Dom

Ein sehr großes Haus. Die Lautstärke ist bei vielen Gästen recht groß. Mit dem Köbes kommt so schnell kein Gespräch auf, weil er eher wie am Fließband mit der Kölsch-Kranz umher rennen muss. Aber es gibt das gute Gaffel Kölsch.

Die Toiletten sind auf einer Halbetage. Wenn man weit davon entfernt einen Platz hat, sollte man sich gut die Wege merken, um wieder zurückzukommen.

17. Früh am Dom

Ein sehr großes verwinkeltes Haus mit vielen Räumen auf mehreren Ebenen – auch ein Außenbereich ist vorhanden.

Hier haben die Köbesse auch viel zu tun, denn der Laden brummt. Es ist sicher das bekannteste Brauhaus und direkt am Dom. Alle Touristen kommen wohl hier einmal vorbei.

Das Getümmel ist mir zu viel, obwohl das Haus wirklich schon Ecken und tolle Einrichtungsstücke hat.

Und Früh Kölsch ist einfach nicht mein Ding. Bei großem Durst schmeckt es aber ganz gut. Eine Brauhaustour sollte man daher hier anfangen.

Kölsch

Es geht hier nur um Kölsch, das aus einem Fass in der Gaststätte – am besten ohne Leitungen und Kohlensäure, frisch gezapft wurde. Also nicht Flaschenware.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich die Marken, die etwas herber sind grundsätzlich lieber trinke. Kölsch ist ein helles obergäriges leicht bitteres Bier. Es soll eine deutliche Hopfennote haben und nicht zu viel Malzgeschmack aufweisen.

1. Gaffel

Da es für mich die meisten herben Noten hat und harmonisch wirkt, probiere ich es immer wieder gerne. Früher wurde am Eigelstein gebraut, jetzt in Porz.

Im Glas bildet sich ein schönen Schaum, der auch etwas hält (Kölsch wird frisch getrunken und in 0,2 l – Gläsern (die Stange) angeboten. Da ist keine cremige Schaumkrone nötig). Im Antrunk finde ich sogar leichte Süße, aber dann setzt sich die herbere Note durch. Der Abgang ist nicht lang, es bleiben die Töne von feiner Bitterkeit übrig.

2. Sünner

Auch Sünner weist Herbe und Struktur auf und ist für mich mein „Aufsteiger“ im Geschmack. Ich habe es selten in eioner Gaststätte probiert, wo es gut läuft. Im Glas bildet sich angemessener Schaum, der auch kurz hält. Der erste Schluck zeigt direkt herbe Noten. In der Nase kommen frische Töne an. Der Abgang zeigt einen ausgewogenen Hopfengeschmack. Süße ist wenig im Spiel.

3. Schreckenskammer

Das Kölsch ist sicher nicht herb, aber es schmeckt mir. Dabei wurde es nach dem 2. Weltkrieg nie mehr selbst gebraut. Die Lohnsudbetriebe wechseln dabei sogar, aber das Familienrezept blieb. Zuerst wurde es bei Giesler in Brühl gebraut. Dann kam es zu Dom und Zunft und jetzt sogar bei Früh.

Es hat etwas mehr Alkohol als üblich und bekommt keine Nachgärung, um mehr Kohlensäure zu bekommen. Die Farbe ist gold-gelb, frischer Geruch, beim Antrunk etwas süß, später leicht bitter, Schaum fällt schnell zusammen, kurzer Abgang: insgesamt rund und zugänglich.

4. Päffgen

Päffgen ist ein sehr solides Bier. Es gibt es nur im Fass. Die Familie braut noch am Stammhaus in der Friesenstraße. Sie behaupten selber, dass ihr Bier nicht immer gleich schmeckt, aber immer gut.

Die Gläser haben keinen Reklameaufdruck. Es sind einfache klare Stangen. Der Schaum ist mittelhoch. Das Aroma ist mild-würzig. Ein aromatisches Kölsch, recht mild aber nicht süßlich und einfach süffig.

Auch die Gasthäuser, die Päffgen im Ausschank haben, sind durch die Bank zu empfehlen.

5. Sion

Hans Sion gilt als Vater des Nachkriegskölsch. Damals waren die kleinen Brauereien in Köln fast alle durch Bomben zerstört worden und die Großen Pils- und Exporthersteller konnten auch in Köln den Markt erobern. Sion erkannte, dass die kölschen Brauer mit ihrem eigenen obergärigen Bier dagegen halten mussten, um sich in Geschäft zu halten. Und es hat geklappt: Kölsch wurde wieder die Nummer eins im Köln-Bonner-Bereich.

Auch Sion braute nicht mehr selber. Heute gehört die Marke sogar zum großen Radeberger-Konzern (Oetker).

Im Glas ist schöner Schaum, der auch etwas länger hält, frischer Geruch, angenehm bitter, kaum süß, mittlerer Abgang.

6. Mühlen

Das Bier aus der Malzmühle ist sicher auch alles andere als herb. Aber es in sich stimmig und schmeckt mir daher. Das kleine Brauhaus am Heumarkt gefällt mir auch gut. Im Glas kommt etwas Schaum auf, der aber nicht lange hält. Der Geruch ist frisch, der Geschmack pikant ohne viele Bitternoten, die leichte Süße ist gut eingebunden; bei einem Besuch merkte ich saure Akzente, die unharmonisch wirkten; beim nächsten Besuch schmeckte das Bier wieder angenehm.

7. Peters

Ursprünglich aus Monheim. Aus Traditionsgründen durften sie auch nach der Kölsch-Konvention (Kölsch muss in Köln gebraut sein) ihr Bier Kölsch nennen.

Aber in der Zwischenzeit gehören zum „Haus Kölscher Brautradition" und sind Teil von der Radeberger Gruppe, die wiederum zum Oetker-Konzern gehört. Gebraut wird das Bier in Köln-Mülheim bei Gilden (genau wie Sion, Sester, Peters, Dom, Küppers etc.).

Im Glas steht der Schaum sehr kurz. In der Nase bemerke ich frische malzige Noten. Der erste Schluck war gefällig, aber ohne besondere Note. Da fehlte mir etwas Charakter. Aber insgesamt war das Kölsch süffig mit entfernt herben Tönen.

8. Gilden

Das Bier wurde schon immer in Mülheim gebraut. Heute ist es neben Sion die Premium-Marke vom Haus Kölscher Brautradition.

Im Glas war deutlich Schaum, der aber schnell vergeht. Der erste Schluck war ausgeglichen in herb und süß. Aber die Aromen sind sehr zurückhaltend. Im Abgang auch mild.

9. Reissdorf

Reissdorf ist der Marktführer in Köln. In der Innenstadt haben sie weniger Gaststätten, aber im Severinsviertel sind sie zu Hause.

Im Glas bildete sich frischer feiner Schaum, der sich schnell abbaute. Der Geruch ist frisch, aber auch eher unauffällig. Keine besondere Süße oder herbe Töne. Etwas langweilig, aber durchaus süffig.

10. Dom

Dom Kölsch war lange Zeit sehr geschickt im Marketing. Im Ausland und in der gehobenen Gastronomie in Deutschland war – wenn überhaupt – oft Dom zu bekommen. Aber geschmeckt hat es mir nie. Die Etikett-Farbe war grün. Seit der Übernahme durch das Haus Kölscher Brautradition wechselte man zu „rot“ - vielleicht soll es an Früh erinnern. Ob die Rezeptur auch verändert wurde weiß ich nicht, aber es schmeckte mir beim Besuch im Brauhaus etwas besser als früher.

Im Mund zeigen sich keine besonderen Noten (etwas Süße und mehr herbe Noten, beim Abgang zeigen sich insgesamt etwas fremde, ungewohnte Hopfentöne. Diese leichte Eigenwilligkeit macht es weniger süffig als Früh oder Reissdorf zum Beispiel.

11. Früh

Früh und Gaffel sind etwas gleich stark in Köln vertreten und bilden damit Platz zwei und drei in der Menge beim Ausstoß. Gaffel ist meine Nummer eins und Früh schmeckt mir nur, wenn ich viel Durst habe und vorher kein anderes Kölsch probiert habe.

Im Glas steht Schaum, der schnell zerfällt. Der Antrunk zeigt weder Süße noch herbe Akzente. Weitere Schlucke zeigen keine Tiefe aber auch nichts Störendes. Im Abgang finde ich kaum Nachhall von Kölsch-Noten. Der Geschmack ist schnell weg – was bleibt? - Nichts. Also noch ein Glas, oder doch nicht?

12. Pfaffen

Früher verkauften die Brüder Päffgen in ihren Gaststätten nur Päffgen Kölsch (es waren anfangs nur drei Häuser: Friesenstraße, Heumarkt und Lommerzheim in Deutz).

Aber es gab Streit Max kündigte den Vertrag und sein Sohn braute ein eigenes Bier in Lohmar. Damit durfte es nicht Kölsch heißen. Selbst über den Namen gab es Diskussionen. Schließlich hieß es Original Pfaffen Bier. Als Antwort gründete der Bruder direkt neben dem Haus einen Ausschank mit Päffgen Kölsch ( Bierhaus en d´r Salzgass).

Im Geschmack erinnert es mich etwas an ein Craft-beer. Es ist obergärig und hell, aber es schmeckt irgendwie auch säuerlich. Bei den ersten Schlucken finde ich leicht herbe und würzige Noten, auch etwas Süße. Aber dann stören mich die sauren Töne mehr als die Freude an den anderen Aromen.

 

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Oktober 2018: Kölner Weinkeller

"Rot" war das Thema

Der Kölner Weinkeller macht schon etwas her: tief unter der Erde, große Gewölbe, tausende Flaschen in Regalen. Und in der Schatzkammer sitzt man auch noch gut. Schon früher habe ich hier gerne Veranstaltungen mitgemacht.

Bild von YouDinner

Service

Catharina Boll ist eine großartige Gastgeberin. Bei YouDinner ist sie Managerin für Köln/Düsseldorf/Hamburg. Sie hat sowohl eine Ausbildung zur Köchin als auch eine Ausbildung zur Hotelfachfrau abgeschlossen. Als stellvertretende Restaurantleiterin führte ihr Weg ins Restaurant Vendôme im Schloss Bensberg. Während dieser Zeit absolvierte sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur IHK geprüften Sommelière in Koblenz.

Somit kennt sie alle Facetten in der Gastronomie theoretisch und praktisch.

Sebastian Bordthäuser studierte Germanistik, entschied sich dann aber für einen anderen Weg. Das Studium war aber nicht umsonst, denn es kommt ihm bei seinen Bemühungen für eine ansprechende Sprache über Wein zu reden und zu schreiben, zu gute. Er wurde damit auch zum Sommelier des Jahres.

Er schreibt regelmäßig für Effilee, Falstaff, die Welt am Sonntag, Feinschmecker, BEEF und Vinum. Seine letzte berufliche Station in der Gastronomie war Steinheuers Restaurant „Zur Alten Post“ in Bad Neuenahr. Es gelingt ihm in meinen Augen hervorragend über Wein aber auch über Gott und die Welt zu philosophieren.

Neben viel Spaß im Glas machten dann zu meiner Überraschung auch noch zwei Gäste Musik. Passend zu den Ländern der Weinreise spielte er Lieder auf dem Akkordeon uns seine Frau sang sogar dazu einige Passagen aus den Strophen vor. Es war eine zusätzliche Möglichkeit sich mit den Teilnehmer*innen zu unterhalten.

Getränke

Aperitif: Récolte Rosé - Davy Dosnon

Der trockene Champagner besteht fast ganz aus Pinot Noir und enthält ein klein wenig Pinot Meunier. Gut gekühlt und erfrischend.

Damit blieb das Motto auch beim Schaumwein mit „rote Rebsorten“ auf jeden Fall erhalten.

Runde 1

   

2015 Malterdinger Spätburgunder - Bernhard Huber - Baden

Das Lesegut stammt von Rebstöcken, die zwischen 15 - 23 Jahren alt sind. Es ist der Wein der Ortslage. Der Jahrgang war vom Trinkgefühl recht rund und üppig. Der Ausbau war in gebrauchten Fässern, was sicher angemessen ist, wenn es sich um einen guten „Alltagswein“ handeln soll.

2013 Brauneberger Mandelgraben* Pinot Noir - Markus Molitor - Mosel

Man kann lange darüber diskutieren, ob an der Mosel Spätburgunder richtig aufgehoben ist. Der Wein zeigte schon eine gewisse Reife im Glas, ob wohl er sicher noch länger lagern kann.

Mit persönlich hat der Huber-Wein mehr gefallen.

Runde 2

 

2013 Colledilà Chianti Classico Gran Selezione - Barone Ricasoli

Dieser Chianti Classico stammt von einer der besten Lagen im großen Gebiet des Weinguts. Das Terroir besteht aus ton- und kalkhaltigen Böden auf einer Höhe von 380 Metern.

2013 Casalferro

Der Wein stammt auch aus dem Toskana Weingut Barone Ricasoli und wird seit einigen Jahren reinsortig aus Merlot gekeltert. Die Einzellage Casalferro, die dem Wein seinen Namen gibt, liegt auf ca. 350 bis 400 Metern Höhe und besitzt einen tonig-kalkigen Boden der für eine gewisse Kühle sorgt und so die Frische im Wein erhält.

Sebastian Bordhäuser stellte die beiden Weine und ihre Geschichte ausführlich dar. Das Jahr 2013 brachte in Italien bei fast allen Weinen sehr gute Ergebnisse, 2014 sollte man aber eher meiden.

Beide Proben haben mir zugesagt, aber wenn ich mich für eine Flasche entscheiden müsste, wäre es der Merlot.

Runde 3

 

2015 Victorino - Bodegas Teso la Monja - Toro

Der Wein ist reinsortig aus Tinto de Toro gekeltert, wie hier der Tempranillo genannt wird. Er besticht durch eine besonders tiefe dunkle Farbe in violette Richtung. Satte 14,5 Prozent machen ihn schon recht schwer, aber er war leicht gekühlt und zeigte dadurch eher seine Tannin-Struktur.

2015 Les Terrasses - Alvaro Palacios - Priorat

Der Wein hat spanische Weingeschichte geschrieben, war er doch einer der ersten Weine des neuen Priorat und der Start für die einmalige Winzerkarriere von Alvaro Palacios. Er wird aus 60-90 Jahre alten Rebstöcken auf sehr steilen terrassierten Weinbergen gekeltert. Es handelt sich um eine Cuvee aus 55% Garnacha, 45% Samsó, 1% weiße Rebsorten. Grenache wird in Spanien am meisten angebaut. Wenn dabei auf reduzierte Erträge geachtet wird, können durchaus ansprechende Weine entstehen. Weil die Rebe wenig Tannine liefert, wird sie oft verschnitten.

Mir persönlich hat der Priorat-Wein mehr zugesagt.

Runde 4

 

2010 Château Poujeaux – Bordeaux

Das Gut liegt im Moulis, westlich von Saint-Julien und gehört zur Klasse der Cru Bourgeois. Im Rebsatz überwiegen mit 50 % der Cabernet Sauvignon und mit 40 % der Merlot. Jeweils 5 % entfallen auf Cabernet Franc und Petit Verdot. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 30 Jahren.

2015 Château Belgrave - Haut-Médoc

In der Bordeaux-Klassifikation von 1855 immerhin als 5eme Cru eingestuft, war das Château später lange Zeit eher ein belangloses Weingut. Das änderte sich ab 2009 durch die neuen Besitzer. Das direkt neben Saint-Julien und Château Lagrange gelegene Weingut verfügt über ein starkes Terroir und konnte in wenigen Jahren durch Umstellung auf biologisch organische Weinbergsarbeit bei gleichzeitiger dramatischer Ertragsreduktion eine merkbare Steigerung erreichen.

Für unsere Probe war er einige Stunden belüftet worden, um sein junges Alter auszugleichen.

Trotzdem hat mir zum jetzigen Zeitpunkt der „cru bourgeois“ besser geschmeckt. Aber sowohl das Jahr 2010 als auch 2015 gelten als starke Jahrgänge in der Region. 2012 ist allerdings wohl eher zu meiden.

Runde 5

2015 Geyserville - Ridge Vineyards - Californien

Der Wein ist ein Single-Vinyard-Lage, die zu großen Teil mit Zinfandel bepflanzt ist. Auf sandigen Kiesböden ziehen sich die Stöcke wie ein langes Band durch die Talebene des Alexander Valleys. Die ältesten Reben sind über 100 Jahre alt und gehören damit zu den frühesten Pflanzungen des Gutes. Die Cuvee besteht aus Zinfandel 70%, Carignan 15%, Petite Syrah 12%, Alicante Bouschet 3%. Der Wein wird als Mischsatz ausgebaut.

Geyserville hat mir recht gut zugesagt.

Fazit

5 – unbedingt wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 24.10.2018 – Rotweinverkostung - abends

 

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Oktober 2018: Dinner in Aachen
 

Kleines Haus mit großer Leistung

Gerne machen wir für zwei bis vier Tage eine „Städtereise“. Dieses Mal war Aachen unser Ziel: Die Innenstadt mit Dom, ein Konzert und ein paar Restaurantbesuche – also eine Kulturreise.

Mit der Bahn kommt man gut von Köln nach Aachen.

Ambiente

Aachen hat zwei Sternelokale: La Bécasse und St. Benedikt. In unseren Zeitplan passte am besten Sankt Benedikt.

Wir kamen nach einer kleinen Busfahrt zu dem beschaulichen Kornelimünster pünktlich an.

Das Haus ist von außen recht unscheinbar. Auch innen bleibt das Lokal überschaubar. Maximal 24 Gäste finden Platz.

Wir waren mit unserem Tisch sehr zufrieden und hatten genug Freiraum um uns herum.

Der Platz war mit weißem Tischläufer und Stoffserviette versehen. Gläser und ein kleiner Blumenschmuck waren eingedeckt. Also relativ einfach - aber völlig in Ordnung.

Nach einer Modernisierung des denkmalgeschützten Hauses übernahm Maximilian Kreus Anfang 2011 das Restaurant seiner Eltern, in dem die Mutter, Gisela Kreus, bereits lange Jahre mit der Auszeichnung eines Michelin-Sterns gekocht hatte.  Die Küche ist heute französisch orientiert, aber auch für internationale Richtungen offen.

Service

Die Damen im Service waren äußerst freundlich, kommunikativ und umsichtig. Die Restaurantleiterin Frau Karin Weißer war sehr engagiert. Ihr besonderes Anliegen waren ihr die Weine des Hauses - ausschließlich von deutschen Winzern.

Die verkosteten Speisen

Sieben-Gang-Menü (Menu I)

Färöer Lachs - Kürbis / Birne / Miso

Der Lachs (wahrscheinlich sanft confiert oder gedämpft) war von einer glänzenden Lasur überzogen und machte den Geschmack sehr mild und intensiv. Der Kürbis war sehr dünn geschnitten und dann relativ roh zu Röllchen geformt. Die dünnen Birnenscheibchen waren hingegen etwas weicher und zeigten eine leichte Süße. Geröstete Kürbiskerne gaben eine pikante Note ab. Die grüne aromatische Misosauce sorgte für weitere Kombinationsmöglichkeiten auf dem Teller.

Admiral-Barsch – Sauerrahm / grüne Gartenbohne / Kräuteröl

Der Barsch war fest im Fleisch und sehr saftig. Die Bohnen waren noch fest im Biss und mit einer Art gerösteter Panade-Kügelchen umgeben. Das machte das Gemüse würzig, knackig und buttrig. Auf dem Fisch war filigranes Kartoffel-Stoh aufgetürmt. Sauerrahm und Kräuteröl ergänzten den Teller.

Kalb – Trüffel / Spinat / Büffelmozzarella

Das Fleisch war rosa gegart und saftig. Reichlich Trüffel (Herbstrüffel aus Frankreich) war drüber gehobelt worden. Der Spinat war wie ein Pesto zubereitet und fein im Aroma. In den Rettich-Röllchen war der Mozzarella innen eingefüllt worden. Die Nocke bestand aus geräuchertem Kartoffel-Stampf. Das kannte ich so noch nicht und hat mir sehr zugesagt.

schwarzer Knoblauch – Thai Curry / Yuzu

Der schwarze Knoblauch war im Friséesalat und in der frittierten Praline verarbeitet worden. Die Yuzu-Creme befand sich in einer Halbkugel aus einer Art Reiscracker aus ganz feinen Perlen. Das kleine Curry lag auf einer Rote-Bohnen-Mousse.

Dry aged Landschwein – Pilze / Pastinake / Brunnenkresse

Das Fleisch war nach meiner Einschätzung sous vide gegart worden; denn es war saftig, zart und ohne Röstaromen. Die hauchdünne Speckschicht an einer Seite war jedoch leicht kross zubereitet. Die Sauce war cremig und sanft im Geschmack. Die Pastinaken-Abschnitte waren perfekt gegart und sehr zart abgeschmeckt; dadurch ergaben sich weniger Wurzelgemüsearomen aber ein schönes Spiel von Süße und Säure. Der Pilz-Anteil bestand aus kleinen geschmorten und gewürzten Kräuterseitlingen und Shiitake-Stückchen.

Rohmilchkäse

Auf einer großen Etagere waren die gereiften Käse angeordnet. Es gab Weich- und Hartkäse von Schaf, Ziege und Kuh. Die meisten Namen habe ich vergessen. Einen Teller haben wir mit Kuh-Produkten gewählt und auf dem anderen haben wir „mutig“ kräftige Sorten von Ziege und Schaf servieren lassen.

 

Kokos – schwarze Johannisbeere / Nougat

 

Der Nachtisch bestand aus zwei Teilen: Ein Kokosbällchen mit weißer Schokolade auf einer Fruchtcreme und ein Eis am Stiel mit Nougat-Füllung.

Quitten – Kaffee / Traube

 

Auch das Dessert aus dem anderen Menü hatte zwei Teller: Ein Eis auf Krokant und eine fruchtige Komponente; eine andere Nocke auf Baiser und fruchtige Röllchen mit Geschmacksnoten, die für mich an Früchte und Gemüse erinnerte; es gab vielerlei Zutaten.

Das zweite Nachtisch-Arrangement hat mich wesentlich mehr überzeugt.

Gruß aus der Küche

vorneweg: dreierlei selbst gebackenes Brot (Laugengebäck, Kräuterschnecke, Weißbrot) mit Olivenöl, Salz, Butter

Möhre - Krokant / Gel

Es schmeckte nach dem Gemüse, war gut abgeschmeckt und ein erfrischender Happen.

Quinoa-Taler - Rote Bete / Creme / Kräuter

Optisch schon ansprechend, war der Taler auch kross gebraten. Mit den Rote Bete gab es einen herben Gegenpol. Die Creme und das grüne Blatt rundeten den Geschmack ab.

Stein (Macaron)

Das Gebäck war gelungen und die Füllung (eine Frischkäsepaste vielleicht) passte dazu.

Falsche Tomate - Pfefferbrot / Senfbutter / Rauke

An der „falschen Tomate“ war nur das Grün oben echt. Die Praline in Tomatenform war angenehm weich im Mund. Sie zeigte dabei viele Aromen von süß bis säuerlich in kräftigen und dezenten Tönen. Das knusprige Brot, die Butter und der Salat ergänzten den feinen Gesamtgeschmack perfekt.

aus der Patisserie: Jakobsmuschel – Kaviar

Die nachgebildete Innere der Muschel hatte drei Schichten. Unten war eine Art „Keks“ darüber zwei Pralinen: einmal in Richtung Hagebutte (herb) und einmal etwas lieblicher (Orangen-Note). Die Perlen waren aus Zucker, aber eher als Dekoration gedacht. Der Kaviar war aus Schwarztee, Sauerrahm und weiteren Zutaten hergestellt worden. Ich habe selber einmal in einem Patisserie-Kurs ähnliche Kügelchen mit Hilfe von Agar-Agar und eiskaltem Öl produziert und vermute, dass dies hier auch so gemacht wurde.

Das Bild sah wirklich ansprechend aus und schmeckte auch noch gut.

Petits fours

Aus einer großen Palette von unterschiedlichen Pralinen suchten wir uns eine feine Mischung aus und verkosteten sie zum Kaffee.

Getränke

Winzersekt: Weingut Behringer 2012 Pinot Sekt brut (0,1 l)

Prisecco Jörg Geiger Apfelsinfonie Piccolo (0,2 l)

Tafelwasser 0,75 l

Weinbegleitung (je 0,1 l)

  • Dr. Loosen Null Restzucker Riesling Knochen Trocken 2017

  • Johann Arnold Silvaner trocken 2016 Gutswein

  • Weingut Dörflinger Müllheimer Reggenhag Chardonnay Spätlese trocken 2016 Barrique

  • Flörsheimer Hof Burgunder Cuvée Edition Cru Select Cuvee 2014 Trocken

  • Meyer-Näkel Spätburgunder 2016

  • Weingut Haltinger 2016 Grauburgunder QbA Trocken

  • Weingut Meiser Mandelberg Riesling Auslese 2010

Tasse Kaffee

Fazit

4 – gerne wieder. Die Gerichte waren mit viel Liebe zubereitet und wurden von einem aufmerksamen Service serviert. Die Restaurantleiterin stellte die Weine mit Freude vor. Und die Nachfragen, wie es geschmeckt hat, zeigten uns echtes Interesse; denn es wurde auf Rückmeldungen sofort geantwortet.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 12.10.2018 – abends – zwei Personen

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Juni 2018: Lunch bei "Henne"

Schönes Lokal mit gutem Essen

Carsten Henn vom Stadtanzeiger war in seinem Bericht begeistert bzw. äußerst angetan von der „Henne“ in Köln. Seine Tipps sind mir stets bedenkenswert.

Hendrik Olfen hat sich also selbständig gemacht. Der junge Koch war vorher schon Sous-Chef von Hans Horberth im „La Vision“ und damit mit zwei Sternen dekoriert.

Ganze 82 Plätze hat sein Restaurant, in dem vorher schon mehrere Lokale ihr Glück versucht haben (Sperling, Spitz und Vintage).

Wie sich die Weinbar zur Lunchzeit gibt, wollten wir nun erkunden. Meine Frau und ich sind nämlich absolute Anhänger von Mittagessen – es darf auch etwas länger andauern oder mehrere Gänge umfassen. Aber immer weniger Lokale bieten das neuerdings noch an.

Es muss heute – scheinbar - flott und leicht beim Lunch abgehen.

Ambiente

Ein wirklich schönes Haus: Ein paar Tische am Eingang zur Straße; dann der Bereich vorne mit Theke, einigen Plätzen und Sicht auf die Straße; weiter durch noch mehr Sitzplätze; schließlich der Innenhof als geschützter Außenbereich; eine offene Küche und der Weg zur Toilette im Keller daran vorbei bilden das gesamte Lokal ab.

Alles im Bistrostil mit dunklen Möbeln ausgestattet. Auf dem Tisch Besteck im Kasten (Löffel, Gabel) und das Messer auf einem Holzbänkchen gelagert. Eins schöne große Stoffserviette liegt wie ein Platzteller bereit.

Hier kann man sich schon wohlfühlen.

Sanitär

Ein weiter Weg, wenn man am Eingangsbereich seinen Platz genommen hat, ist zum Besuch nötig. Durch das ganze Lokal geht es, an der Küche vorbei, teilweise kleine Absätze und Stufen beachtend und dann in den Keller mit der langen Treppe abwärts.

Aber dann ist der Ort gut gestaltet und es gibt genug Platz und Bewegungsfreiheit.

Service

Ein bärtiger Mann und eine junge Frau machten ihre Arbeit ausgezeichnet. Freundlich und aufmerksam hielten sie angenehmen Kontakt zu uns: aufmerkdsam aber nicht aufdringlich.

In der Küche stand Hendrik Olfen allein an den Töpfen und bereitete die Speisen frisch zu.

Die Karte

Eine Mittagskarte mit sieben Positionen und zwei Menü-Angeboten wurde uns gereicht: auf einem kleiner Klemmblock.

Die verkosteten Speisen

- Brot und Butter

- Mittagsmenü (drei Gänge - 25,00 €)

Thunfisch, Schnitzel, Erdbeeren

Das Brot hatte eine schmackhafte und krosse Kruste, das Innere war eher langweilig im Mund.

Die Vorspeise hatte Anklänge an Salade niçoise (laut Karte): roher Thunfisch, rote Zwiebeln, Kartoffelstücke, kleine grüne Bohnen, halbe Oliven, eingemachte oder fermentierte Silberzwiebelchen, Zitrone, Olivenöl, Fri­sée, Kerbel, Dill (glaube ich erschmeckt zu haben) – aber keine Tomate, Sardelle, Kapern oder Ei.

Für mich ein kleiner gelungener Ceviche-Teller. Alles passte harmonisch zusammen. Der Thunfisch hatte nur kleine Sehnen oder Hautstückchen, die das Schneiden etwas erschwerten.

Die Hauptspeise bestand aus Kalbsfleisch und Salat. Das Schnitzelchen war perfekt geplättet worden. Die Panierung war wie aus dem Lehrbuch: wellig, kross, gut gewürzt. Der Kartoffel-Gurke-Salat war für mich jedoch fade und langweilig. Eben einfach mit etwas Säure und Öl mariniert und mit etwas Senfsaat bereichert.

Ein tolles Schnitzel auf jeden Fall.

Der Nachtisch bestand aus marinierten frischen halbierten Erdbeeren und einer hellen Eiscreme.

Die Erdbeeren waren dadurch saftig und nicht zu süß. Das Eis bestand aus Dickmilch und gezuckerter Kondensmilch, es war im Ergebnis sehr cremig und erfrischend. Darüber waren feine krosse Sesamsamen und geraspelte dunkle Schokolade gestreut.

Ein gelungener Abschluss.

Insgesamt also ein rundes kleines Menü - aber ich glaube, dass ich das selber vielleicht auch fast so schaffen könnte. Sicher nicht so schön angerichtet, aber dafür teilweise mutiger gewürzt.

Getränke

Gerolsteiner 0,75l medium (7,00)

Grüner Veltliner Handwerk 2016 Stagård Biowein (0,15 l – 6,50 €)

Im Mund saftig und rund, eleganter Körper, zart nach hellen tropischen Früchten schmeckend, angenehme Säure, sowie mineralische Spuren.

Fazit

4 – gerne wieder; aber besser wohl abends, weil die Karte umfangreicher ist und mehr vom Handwerk der Küche zu erwarten ist.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 26.06.2018 – mittags – zwei Personen

 

 

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Juni 2018: Kaffee-Zeit in Köln
 
Suchtgefahr
 

In der Nähe von St. Aposteln befindet sich ein Lokal der Firma Törtchen Törtchen. Am besten geht man dorthin zu Fuß oder kommt mit der Bahn. Einen Parkplatz – zu hohen Preisen – hier zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto.

Wir spazierten zu Fuß dorthiun.

Ambiente

Das Lokal ist innen wie ein langer Schlauch. Nach dem Thekenbereich geht es noch ein ganzes Stück nach hinten weiter. Alles recht eng – aber noch gemütlich. Am Ende des Cafes befinden sich links die Toiletten und geradeaus gibt es einen schönen Freiluftbereich. Der war allerdings bei diesem Wetter nicht besetzt.

Service

Die jungen Damen sind freundlich und hilfsbereit. Sie haben sogar Geduld, wenn man die Auslagen etwas ausgiebiger ansieht und erklären gerne alle Produkte. An der Theke sucht man sein Gebäck aus und bekommt es gebracht. Getränke kann man der Karte auf dem Tisch entnehmen und am Platz bestellen.

Die verkosteten Speisen

Maracujatörtchen

Feiner Boden und saftige Creme mit einer ansprechenden Marakuja-Masse obenauf versehen. Ausgezeichnet.

Cheese-Cake mit Kirschen

Der Käsekuchen war ausgesprochen locker und sahnig. Der Kirschkompott als Abschluss war nicht zu süß und fruchtig im Geschmack.

Wenn wir nicht noch vom Lunch zu satt gewesen wären, hätten wir sicher weitere Stücke probiert.

Für den Abend haben wir uns noch etwas mit kleinem Gebäck versehen: „Das Böse“ und „Ein Traum“.

Der Traum war schon großartig: Mürbeteig, Cheese-Cake, Limetten-Mousse, Himbeere.

Doch das Böse war der Hammer: Brownie-Boden, Himbeerkern, Schoko-Karamell-Mousse. - Das hat schon Sucht-Potential. Ich muss also vor dem Bösen warnen.

Getränke

Schokolade, Cappuccino

Beide Getränke waren kräftig und aromatisch – besser als in den meisten Restaurants oder Cafes.

Fazit

5 – unbedingt wieder. Das Gebäck ist himmlisch

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 13.06.2018 – zwei Personen - nachmittags

 

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Juni 2018: Frühstück in Köln

Sonja Baumann und Erik Scheffler haben den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Bis vor kurzem waren sie die Chefköche im Sternerestaurant Gut Lärchenhof in Pulheim gewesen.

Jetzt haben sie das ehemalige „Poisson imBiss“ übernommen. Eigentlich zentral gelegen, aber auch irgendwie etwas versteckt. Und es gibt sehr viele „Essbetriebe“ in der Gegend.

Das neue Konzept ist recht ambitioniert: morgens ein Frühstücksangebot (Neo) und abends Gourmetküche (Biota).

Wie das besondere Frühstück aussehen könnte, habe ich über YouDinner bereits ausprobieren bzw. erlebt (BRUNCH IST TOT - LANG LEBE FRÜHSTÜCK! Hieß die Veranstaltung).

Das Event war recht vielversprechend gewesen und somit nun das neue Lokal ein Ziel für unsere unregelmäßigen „Club-Treffen“. Unser „Genießer-Club“ ist über Jahre recht klein, aber konstant geblieben: Es gibt genau zwei Mitglieder.

Ambiente

An einer Straßenecke liegt das kleine Lokal (Anschriftmäßig ein Teil der „Ehrenstraße“ - gefühlt jedoch an der Mündung von „Kleine Brinkgasse“ in die „Große Brinkgasse“ - auf der auch noch Autos verkehren (Einbahnstraße)).

Vor der Türe im „Noch-Fußgänger-Bereich“ stehen einige Sonnenschirme und Tische für Gäste bereit. Drinnen fällt die große Theke und offene Küche ins Auge. Gegenüber entlang der Fensterseite sind Sitzplätze. An der Theke stehen zusätzlich Barhocker. Im Keller geht es zu den Sanitäranlagen.

 Auf den Tischen (Bistro-Stil) befanden sich Papierservietten und Besteck im Kasten (Gabeln und Löffel). Das Messer wurde jeweils mit dem Teller serviert. Es handelte sich um Produkte von Laguiole – in mehrfarbiger Ausführung. Ich mag diese Teile sehr: Aussehen und Schärfe der Klingen überzeugen mich.

Service

Die beiden Besitzer und Köche sind selber vor Ort und erledigen fast alle Aufgaben alleine. Nur noch ein junger Mann ist mir als Hilfe ins Auge gefallen.

Die Köchin bereitete heute die Speisen und der Koch servierte an diesem Tag. Beide wirkten entspannt und freundlich. Doch auf die Dauer dürfte der Stress doch recht groß werden: Morgens ab 10 Uhr Frühstück – dann am Nachmittag eine kleine Pause und direkt abends wieder geöffnet. „So ist das, wenn man Selbständiger ist ..“, bemerkt Erik Scheffler lächelnd.

Die Karte

Die Angebote stehen auf kleinen DIN A 5 Karten. Es gibt 11 Positionen. Einzelne Gerichte ändern dabei auch im Laufe der Zeit die Zutaten oder kommen neu auf die Karte.

Sicherlich reicht die Auswahl mehr als genug, um mit Abwechslung ein Frühstück zu gestalten.

Die verkosteten Speisen

Mein Kumpel hat noch nicht so rechten Hunger und wählte nur die „Völkerverständigung“ aus. Ich suche drei Gänge aus dem Angebot. Im Menü sind die Portionen etwas kleiner.

Meine Wahl: „Völkerverständigung“, „Aal Benedikt“ und „Hispaniola Stulle“.

Die Völkerverständigung heißt im Untertitel „English Breakfast nach deutscher Art“. Eine sehr würzige Bratwurst übernimmt den kontinentalen Teil, vielleicht auch noch die Bratkartoffeln. Speck, Tomate und würzige Sauce gehören dann wohl zum U.K. Auch die frischen Champignon-Stücke fügen sich harmonisch in die Komposition ein.

Aal Benedikt wird beschrieben mit: Krosses Röstbrot, pochiertes Ei, Spinat, Aal in Variationen.

Auf diesen Teller habe ich mich besonders gefreut, weil das Ei so herrlich sein kann. Aber es war innen leider nicht flüssig. Erik Scheffler bemerkte auf meine Nachfrage, dass viele Gäste ihr Ei am Anfang beanstandet hätten, weil es zu roh sei. Wenn das zutrifft, sind diese Kunden wohl aus der Abteilung „Steak well done“ oder es ist die ständige Angst vor Salmonellen. Ich liebe Ei-Dotter sehr weich bzw. mit flüssigem Kern. - Nun gut! Trotzdem war das Gericht sehr schmackhaft – meine Bedenken vorher galten eher dem Aal; denn ich habe sehr gerne Fische und andere Meerestiere – nur der Aal gehört nicht so sehr dazu: etwas fett und penetrant im Geschmack. Aber im Zusammenspiel von Spinat, Creme und Brot passte das sehr gut für mich.

Die Hispaniola Stulle besteht aus mariniertem Hähnchenfleisch, Guacamole und gebratenem Salat.

Dieser dritte Gang war für mich dann das absolute Geschmackserlebnis. Ganz dünne Streifen von Staudensellerie bedeckten das Gericht. Darunter war das gebratene kleine Salatherz verborgen. Das Hähnchenfleisch war herrlich würzig und weich und saftig. Der Avocado-Dip war wie Butter als Belag auf das weiche herzhafte Brot aufgetragen.

Getränke

Cappuccino

Wasser (1 Liter in der Karaffe)

Für Wein oder andere geistige Getränke war es uns viel zu heiß.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Wenn man ein Frühstück im Cafe zum Vergleich nimmt, scheint hier ein Frühstück schon stark zur Kasse zu schlagen – aber ich finde, dass eben diese Analogie nicht passend ist.

Fazit

4 – gerne wieder. Frühstück kann so schön sein. Aber auch ein Dinner am Abend steht für mich auf der Liste.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 13.06.2018 – Frühstück – zwei Personen

 

 

 

 

 

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Juni 2018:Auch ein trüber Tag kann Höhepunkte liefern
Meine liebe Gattin – die beste Ehefrau von allen – begleitet mich fast immer zu den Genießer-Ausflügen. Aber zwei Dinge dürfen nicht auf dem Programm stehen: weiche Zutaten und Breichen (Gemüse muss knackig sein – Püree geht gar nicht) – sie zerstören das Erlebnis. Und – ganz wichtig – es darf nicht laut und eng im Lokal sein; dann rettet auch ein tolles Essen nichts.

Das Essen ist hier perfekt – denke ich; aber es ist ein recht lebhaftes Lokal mit sehr kleinen und sogar wackeligen Tischchen.

Also traf es sich gut, dass ein Freund, der neben einigen Hobbys, die ich auch teile, zusätzlich noch feines Essen mag, anfragte, das besternte Bistro zu besuchen.

Er hat mich sogar eingeladen - da konnte diese verregnete Tag nur noch schön werden. Allerdings stand meine S-Bahn fast 30 Minuten auf der Brücke still.

Vincent Moissonnier, der Patron, ist ein unvergleichlicher Geschichten-Erzähler. Und Weinkenner. Bei einigen Proben bei YouDinner konnte ich ihn so erleben. Im Restaurant ist er wesentlich zurückhaltender.

Aber heute sollen die Gerichte in Vordergrund stehen – und dafür ist der wohl eher stille Chefkoch Eric Menchon verantwortlich.

Doch bin ich auch auf die Getränkebegleitung gespannt.

Dieses ungleiche Paar arbeitet jetzt schon jahrzehntelang erfolgreich zusammen: In allen Restaurantführern ist das Lokal die Nummer eins in Köln.

Das Lokal öffnet mittags und abends und macht dabei auch keine Unterschiede bei der Karte oder den Menüangeboten.

Ambiente

Das Restaurant wirkt von außen recht klein und auch innen ist der Raum nicht besonders groß. Ich konnte vor einiger Zeit einmal einen Blick in das leere Lokal werfen.

Dafür sind im Verhältnis jedoch relativ viele Plätze untergebracht. Wenn alle Tische besetzt sind, erscheint mir das schon recht intim. Wir hatten links und rechts von uns jeweils ein Ehepaar sitzen. Und es ergaben sich beim Aufenthalt sogar kleine Gespräche mit ihnen. Aber die Geräuschkulisse ist schon recht hoch (und dabei sind es keine jungen Leute, die hier einkehren; alles gesittete Menschen gesetzten Alters – und trotzdem) – vor allem in der Zeit, wo noch nicht alle Gäste Gerichte vor sich stehen haben. Dann wird es allerdings etwas ruhiger: gefräßiges Schweigen.

Die kleinen Tische reichen ebenfalls gerade so aus, um das nötige Geschirr und Besteck unterzubringen. Aber der Service ist äußerst geschickt und schafft das alles ohne Pannen.

Die Jugendstil-Einrichtung, die die ganze Atmosphäre prägt, hat auch etwas Klares und Geordnetes in seiner Wirkung auf mich.

Service

Unter der Leitung von Liliane und Vincent Moissonnier versorgt das komplette Team gekonnt und routiniert die Gäste. Alle Abläufe sind geübt und perfekt. Die Gerichte werden zügig serviert. Die Getränke kommen passend zum Gang.

Persönlich würde ich jedoch auch gerne die Weinflaschen sehen aus denen eingeschenkt wird und vielleicht auch gelegentlich einen Schluck Nachschlag erhalten. - Aber das ist nur mein Wunsch; denn gerade die klare und ungekünstelte Art wird von den Stammgästen, von denen es eine Vielzahl gibt, wohl sehr geschätzt und stets gelobt. Mir sind einige Personen aus diesem Kreis persönlich bekannt.

Die Karte(n)

Eine abwechslungsreiche Auswahl von Einzelspeisen a-la-carte oder Menüs in vier oder sechs Gängen zeigen eine große Bandbreite; Getränke aus der Karte oder eine Weinbegleitung sind ebenfalls im Angebot. Für Aperitif und Digestif ist das Sortiment ebenfalls sehenswert (Rum zum Beispiel).

Wochentags gibt es sogar ein Tagesgericht auf der Karte.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten das Menü der Woche in vier Gängen (94,00 €) und der glasweisen Weinbegleitung (eine Variante mit einfachen (26,50 €) oder eine mit großen Weinen (41,00 €)) für drei Speisen. Wir wählten die "Anspruchsvollen". Zum Dessert haben wir ein weiteres Glas bestellt. Einen Süßwein mit oxidativen Noten.

Gruß/Grüße aus der Küche

Im eigentlichen Sinne gibt es beim Menu de la Semaine keine Grüße. Das Brot jedoch und die gereichte Butter sind schmackhaft bzw. abwechslungsreich. Doch es wird nicht nachgereicht; denn für die schmackhaften Saucen benutze ich gerne etwas Weißbrot.

Das Menü

Ich weiß, dass jetzt wieder ein Sturm der Entrüstung über mich niedergehen kann. Aber ich habe es trotzdem getan (und verschweige es auch nicht): Eine Portion Foie Gras (+ 19,00 €) - und bereue es nicht wirklich. Die Pastete war köstlich: Cremig, würzig, aromatisch. Ich werde es auch wahrscheinlich wieder tun.

Es“, was immer es sein mag, handelt; auch gegen die Vernunft: „Ich meine nicht, daß Denken und Entscheiden keinen Einfluss auf das Handeln hätten. Aber das Handeln vollzieht einfach nicht, was davor gedacht und entschieden wurde. Es hat seine eigene Quelle ...“ (B. Schlink, der Vorleser) und setzt sich dann oft durch.

Langoustines d´Islande

Der Kaisergranat war in Olivenöl pochiert und lag auf einer Apfelwein-Creme mit Cognac und Foie Gras. Der Geschmack war aromatisch. Die Konsistenz war butterweich. Zusammen mit der Sauce wirklich köstlich.

Dazu gab es in einer Extraschale eine Ajoblanco (eine Suppe auf Mandelbasis) mit Sirup von geräucherter Rote Bete. Durch die verschiedenen Zutaten und auch dem verwendeten Knoblauch eine feine Ergänzung.

Auf einem weiteren Teller lag eine hauchdünne Scheibe von der Charentais-Melone mit aromatischen Pasten. Dieses kleine Zusatzgericht war für mich jedoch das Highlight. So habe ich Melone noch nicht probieren können. Das Fruchtfleisch aber auch die Gewürze, Kräuter und Blüten im Zusammenspiel waren köstlich.

Cabillaud sauvage d´Islande

Das dicke fast würfelförmige Filetstück war perfekt zubereitet und auf der Hautseite leicht kross. Die Gewürze unterstützten den Eigengeschmack harmonisch. Die Kräutercreme darunter war locker und schaumig. Der frische Blattspinat fühlte sich in der Sauce recht wohl und rundete den Teller ab. Ich mag Kabeljau wegen seiner Aromatik grundsätzlich gerne und hier war er wie ein Gedicht.

Doch die Beilage in einer Halbkugel war wiederum für mich ein Knaller: Ein Risotto mit altem Parmesan. Die Reiskörner umwerfend cremig und trotzdem Innen noch leicht fest. Zusammen mit der Paste, den Pinienkernen und dem Käse einfach großartig. Bisher war für mich der Risotto von Helmut Thieltges die Nummer eins in meiner ewigen Bestenliste; aber diese Zubereitung lässt mich nachdenken: vielleicht gemeinsam „Gold“.

Magret de canard nantais

Die zwei kleinen Entenbruststücke waren rosa gegart und das Fleisch war äußerst zart. Geröstete Gewürze bedeckten die Hautseiten.

Aber der Geschmack erzeugte in meinem Gehirn Assoziationen von Leberaromen. Ich mag „Leber“ gerne, aber bei Ente möchte ich andere Anklänge. Vor kurzer Zeit habe ich zu Hause Entenfiletstückchen gebraten. Dabei schmeckte mir der Fleisch ähnlich und ich dachte mir dabei, das brauche ich eigentlich nicht; da bevorzuge ich die „gröbere“ Brust.

Der M'hamsa Couscous mit Ingwer und Roscoff-Zwiebeln aromatisiert schmeckte für mich ordentlich, ohne jedoch tiefe Eindrücke zu hinterlassen.

Doch auch bei dem Hauptgang gab es noch zwei Extra-Tellerchen – und die hatten es wiederum in sich.

Das kleine Sandwich vom Kalbsschwanz mit Sellerie-Püree sah nicht nur köstlich aus, sondern schmeckte auch so. Jeder kleine Bissen war großartig.

Ebenso war das Schüsselchen mit Ofenkartoffeln, Senfkörnern, gebratenen Kräutersaitlingen und einem konfierten Wachtelei eine tolle Bereicherung. Das Ei war wachsweich und verband sich mit den anderen Komponenten perfekt. Das Aussehen filigran die Aromen kräftig, fast bäuerlich deftig. Sehr gelungen.

Wegen einer Allergie kam ich in den Genuss einer anderen Nachspeise als im Menü vorgesehen. Das hat mich sehr erfreut.

Mein Speisepartner war aber auch mit seinen Tellern mehr als zufrieden.

Dessert Réglisse-Bière brune

Orélys-Schokolade und Süßholz Ganache mit Crumble von dunklem Bier und Schokolade und Erdbeerbaum-Gelee. Malt-Weiße-Schokolade-Eis im Extra-Schälchen. Und als dritte Komponente ein kleiner Muscovado Biskuit und brauner Malt Creme.

   

Für mich gab es:

Brownie moelleux

Brownie von Erdbeeren und weißer Schokolade an Lavendelcreme (aus den Alpen der Haute Provence) und leichtes Eisenkraut-Gelée und konfierter Rhabarber.

Erdbeer-Rhabarber-Minz-Eis, Zitronen-Baiser-Müsli mit getrockneten Himbeeren und Koriander-Blatt-Gel.

Wir waren beide mehr als zufrieden mit dem Dessert. Besonders froh war ich, dass auch hier nicht zu viel Gemüse oder andere „untypische“ Zutaten Eingang gefunden hatten. Es waren prächtige saisonale Komponenten vertreten: Erdbeeren, Rhabarber zum Beispiel und klassische Elemente wie Schokolade, Biskuit oder Brownie.

Getränke

Wasser

Les Exceptionnelles (Weinbegleitung) dreimal 0,1l Glas (*)

* POUILLY-FUISSÉ 2015 LES BIRBETTES - Château des Rontets - AOP Pouilly-Fuissé -
Chardonnay

Ein mineralischer und fruchtiger Wein von sehr alten Reben. Er hat mir sehr zugesagt.

* GRAND CRU SCHOENENBOURG 2010 - Marc Tempe - Alsace AOP - Pinot gris - Gewürztraminer

Die Weine von Marc Tempe halte ich für großartig. Auch hier gefiel mir das Spiel aus leichter Süße und etwas Säure ausgezeichnet.

* CHATEAU FONTENIL 2005 (Magnum) - Michel Rolland – Bordeaux – AOP Fronsac – 90 % Merlot, Cabernet Sauvignon

Ein gutes Jahr, eine Magnumflasche, ein sehr bekannter Weinmacher: beste Voraussetzungen; aber mir gefiel dieser Wein am Ende doch nicht so ganz. Angenehm am Gaumen – im ersten Moment – schöne Frucht, harmonische Tannine - aber dann beim Abgang von leichten Bittertönen begleitet. Diese konnten mich auch bei den weiteren Schlückchen nicht versöhnen, weil mich dieser Einschlag nicht anregte, sondern störte. Trotzdem ein ordentlicher Essensbegleiter.

CUVÉE ELISABETH 1999 - Domaine de la Rectorie - AOP Banyuls – Grenache noir - Grenache gris - Carignan

Ich mag diese oxidativen Weine, auch die Süße ist nicht übermächtig, sondern einfach harmonisch zu Süßspeisen.

Kaffee

Fazit

4 – gerne wieder. Das Essen und die Getränke sind großartig – einzig die übrigen Umstände halten mich davon ab, es unter meine absoluten Lieblingslokale aufzunehmen. Aber mit einem Kumpel zusammen für ein relativ schnelles aber ausgezeichnetes Essen ist es jedenfalls mein Toptipp.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 01.06.2018 – Lunch – zwei Personen

 

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April 2018: Ein Lunch zum Verlieben

Im 3-Sterne-Restaurant De Librije von Thérèse & Jonnie Boer bin ich noch nicht gewesen. Bisher habe ich auch nur in Deutschland solche Spitzenhäuser besucht.

Auf der Homepage stellen sich die beiden Gastgeber – für mich besonders verlockend – vor:

Jonnie hat mehr als 20 Jahre in De Librije gekocht. Thérèse trat 1990 als Gastgeber und Sommelier 
in das Team ein. 1993 übernahmen sie "De Librije". Im selben Jahr erhielten wir unseren ersten 
Michelin-Stern. 1999 folgt der zweite Michelin-Stern, der Jonnie Boer zum jüngsten Zwei-Sterne-Koch 
der Niederlande macht. 2004 wird De Librije als zweites Restaurant in den Niederlanden mit 
drei Michelin-Sternen ausgezeichnet.“
Das Ziel der Gastgeber lautet zusammengefasst: Den Alltag zu einem besonderen Erlebnis  
machen und dabei die Liebe zu gutem Essen und schönen Weinen genießen. - Das entspricht voll und 
ganz meiner Auffassung von einem gelungenen Restaurantbesuch.

Und jetzt ergab sich durch YouDinner die Möglichkeit, dort zu speisen.

Besonders wichtig war mir dabei auch, dass ich mich nicht um die An- und Abreise kümmern musste und ein Menü mit allen Getränken zum Festpreis erhalte.

Vom Kölner Hauptbahnhof ging es einfach gemeinsam mit dem Bus los.
 

Ambiente
 
Vor einigen Jahren haben Thérèse & Jonnie Boer sich „vergrößern“ können: Sie konnten das alte Frauengefängnis, das leer stand, erwerben und haben daraus eine Genießer-Oase gemacht – neben dem Restaurant auch noch ein Hotel.

Nur einige alte Türen erinnern noch an die frühere „Verwendung“ des Hauses.

Wir saßen an einem langen Tisch im „Wintergarten“ des Restaurants (mit Blick auf Küche und Theke). In der Mitte des Raumes sind Tresen für das Herrichten der Teller aufgebaut; denn nicht nur in der Küche werden Vorbereitungen getroffen. Rund herum um diesen Bereich sind die Plätze der Gäste.

 

Auch die Küche ist nicht weit – sie wirkte auf mich sehr groß (Sie wurde uns in einer Essenspause gezeigt und die Abläufe erklärt.).

Geschmackvoll sind alle Räume eingerichtet. Manches Detail fiel mir erst im Laufe der Zeit auf. Alles erscheint mir jedoch sehr durchdacht.
 

Service
 
Thérèse & Jonnie Boer waren selbst gar nicht vor Ort; aber die junge Crew hatte auch so alles im Griff. Überhaupt scheint es an Personal nicht zu mangeln. Ich habe nicht gezählt aber es waren schon recht viele. Überall waren Service- und Küchenkräfte im Einsatz. Stets mit großer Ruhe und Klarheit in den Bewegungen und Abläufen (kein lautes Wort in der Küche zum Beispiel) – und alle sehr freundlich und kommunikativ.
 

Die Karte(n) 
 
Wir bekamen ein Degustationsmenü mit Getränkebegleitung serviert. Für mich war es gleichzeitig ein „Überraschungsmenü“, weil ich mir die Karte nicht angeschaut habe und uns die Gänge jeweils beim Servieren erläutert wurden.

Ich habe mir dabei nicht alle Details merken können – aber am Ende erhielten wir kleine Kärtchen, die die Gerichte und Hauptkomponenten aufführten.
 
Die verkosteten Speisen 
 
Zuerst kamen eine Reihe von kleinen Gerichten an den Tisch. Jeweils sehr ansprechend angerichtet.

Der Start war ein Speck-Gurke-Cracker. Knackig und aromatisch im Mund – und schon recht verheißungsvoll. Klarer Räucher-Charakter und salziger Geschmack, aber auch milde und feine Noten durch die weiteren Komponenten.

Gefolgt von einer Garnele und einer kleinen Brioche. Ebenfalls würzig und vielschichtig im Geschmack. Das Meerestier kräftig, das Gebäck weich, locker und fein. Schon hier deutete sich an, dass frische Kräuter und Sprossen eine wichtige Rolle in der Küche spielen. Und das wichtige dazu: Sie geben den Gerichten echte Geschmackssteigerungen.

Nun wurde jedem Gast ein „Freundschaftsring“ angesteckt – ein Her-Ring sozusagen. Denn dieser Fisch stand im Mittelpunkt: Zu oberst befand sich Heringkaviar. Darunter eine Farce aus Kalb, Creme fraiche und Senfsaat. Als Fundament diente eine Fischcreme aus eingelegtem Hering, Joghurt, Eiweiß, Limonensaft und Öl (Das Rezept gab es als kleines Heftchen dazu).

Als weiterer Gruß folgte noch ein Bachforellen-Kaviar in einer Natur-Schale. Für mich das beste Gericht dieser wahrlich vorzüglichen Reihe. Der Sud und der Kaviar waren köstlich.

Auch das Brot war frisch und schmackhaft; dazu gab es ein ungefiltertes Olivenöl und eine cremige Salzbutter.

Gang 1: Kalbsherz, Nordseekrabbe, Hähnchenleber, Sellerie

Ein optimal gegarter Reis von von zwei Gemüse bzw. Blättern übereinander geschichtet bedeckt und bildete so eine Art Beilage zu den Hauptdarstellern. Leber und Krebs waren zu Pasten verarbeitet und zu einer Skulptur (Eiform auf Sockel) geformt und aufgeschichtet worden – mit Kaviarkügelchen bekrönt. In einem kleinen See aus Sud lag das Stückchen Kalbsherz.

Fast jeder Teller wurde zuerst „unfertig“ serviert und dann vom Service mit weiteren Komponenten oder Saucen vervollständigt. Das sah jeweils recht angenehm aus. Aber natürlich erreichten die Kellner nicht die Eleganz und den harmonischen Dreh, den Miguel Calero mit dieser Tätigkeit im Vendome erreicht und die Gäste begeistert hatte. Aber er hatte damit einen neuen bzw. wiederentdeckten Trend in der Gastronomie eingeführt bzw. neu kultiviert.

Aber der Geschmack blieb – Gott sei Dank - nicht hinter der optischen Leistung zurück.

Gang 2: Kaisergranat, Kombucha, Meeresalgen

Der Granat war sous vide gegart worden und daher zart und intensiv im Aroma. Die Sauce war mit Kohlrabi und Zitrusfrüchten aromatisiert worden. So entstand eine Art Seviche-Produkt – als Vergleich, um die Konsistenz und die Geschmacksrichtung zu beschreiben. Die Algen und Gemüsestückchen vollendeten das Gesamterlebnis – wiederum.

Gang 3: Saibling, Sherry, Kokosnuss, Liebstöckel

Der Fisch war versteckt unter einem Mantel aus einem gehobelten Stück Butternut-Kürbis. So konnte mich das Bild an einen kleinen Rochen erinnern. Obenauf waren winzige Pilze und Körner mit einer Paste befestigt. Die Sauce bzw. der Schaum war von eher süßen Kokos-Aromen und leicht sauren Elementen (vielleicht von Joghurt- oder anderen Milchprodukten) geprägt. Die grünen Punkte oder Kugeln kamen vom Liebstöckel; die Flüssigkeit wurde – als Gag gemeint – aus einer „Maggie-Flasche“ hingeträufelt.

Der Saibling war weich und locker; der Kürbis eher fest. Mit den Gewürzen zusammen ein neuartiger Geschmack für mich. Daran könnte ich mich gut gewöhnen. Aber die Sauce aus Kokosflocken und Milchprodukten wird jedoch für mich keine Lieblingskomponente – obwohl ich sie zur Zeit gehäuft in Speisen bemerke. Aber der Liebstöckel gab eine angenehme Note in der Verbindung dazu.

Zwischengericht: Ei mit Kaviar

Die goldene Eierschale als nächster Gang war für mich ein absolutes Highlight. Obenauf lagen wunderschöne schwarz-graue Kaviarperlen. Es handelte sich um Pearl Imperial. Immerhin wurden zehn Gramm aufgetragen. Also zuerst mit dem Löffelchen einige Stücke in den Mund, damit nichts auf den Teller fällt. Herrliches Aroma – kein Salzgeschmack. Davon war ich pur schon erfreut. Aber dann mit der Sour Cream, dem Schnittlauch und dem flüssigen Eidotter ergaben sich bei jedem Pröbchen neue Geschmackserlebnisse. Gut – ich bin kein Kaviar-Kenner und habe sich erst wenige Male verschiedene Sorten in Minimengen verkosten können; aber diese Kreation war für mich ein perfektes Gericht – bisher stand „Kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti“ von Helmut Thieltges unangefochten auf Platz eins – nun gibt es für mich einen weiteres Kaviargericht, das mich sehr anspricht – wobei im Sonnora sogar 20 Gramm verarbeitet wurden.

Gang 4: Kabeljau, Blauschimmelkäse, Tannenspitze

Die kleinen Filetstückchen waren sehr aromatisch und cremig-weich im Mund. Den Käse im Sud konnte ich ausdrücklich erkosten, aber die Sauce zeigte einen leichter Anklang an säuerliche Noten und gab so einen Kontrast zum eher milden Kabeljau. Auch hier haben mich im weiteren Verkosten die Kräuter und Sprossen sehr angesprochen. Das grüne Pulver hingegen (es war wohl aus den Tannenspitzen gemahlen) hat mir nur farblich gefallen und für mich keine besonderen Eindrücke hinterlassen – vielleicht können davon sanfte Bittertöne entstehen.

Gang 5: Seeteufel, fermentierter Mais, Kalbszunge

Der Seeteufel war himmlisch abgeschmeckt und köstlich gegart. Besonders der fermentierte Mais passte vorzüglich dazu. Er war teilweise weich aber auch etwas angeröstet. Als Gemüse waren Petersilenwurzelstücke geröstet worden. Sie waren knusprig wie Chips. Der Kalbsfond brachte mit seinen brauen Tönen nicht nur farblich neue Aspekte auf den Teller, sondern auch geschmacklich feine frische Noten. Daher war auch der Rotwein eine angenehme Begleitung.

Dieser Gang war für mich ein weiterer absoluter Treffer.

Gang 6: Lamm-Nacken, Zitrusfrüchte, helle Sprossen

 

Das Fleisch war 24 Stunden im eigenen Fett bei niedriger Temperatur gegart worden. Vor dem Servieren wurde uns der Topf mit dem Fleisch in einer heller weißen Sauce gezeigt und danach die Teller angerichtet. Der Kefirjoghurt war dann auch gut spürbar zum Fleischaroma. Der Nacken war durch die lange Garzeit butterweich geworden und die Fett- oder Bindegewebeadern, die im rohen Zustand sichtbar sind, wurden in Gelatine gewandelt. So erinnerte mich das Lamm an pulled pork vor dem Zerfetzen (allerdings wird das Schwein meist bei hoher Temperatur lange geschmort).

Der gepuffte Buchweizen, verschiedene Algen, knusprige Crumble-Stückchen und die weißen Sprossen sorgten für eine Vielzahl von Geschmacksnuancen. Auch eine dunkle Sauce begleitete das Gericht.

Ich persönlich hätte mir leichte Röstaromen beim Fleisch gewünscht – aber das ist natürlich Geschmackssache. Insgesamt war der Teller sehr vielfältig und auch schmackhaft.

Gang 7: Kohlrabi, Kefir, Dill (Nachtisch)

Für mich darf ein Dessert durchaus süße Noten haben und braucht eigentlich kein Gemüse. Aber auch die Pâtisserie möchte sich weiterentwickeln und dabei neue Gebiete erobern. Das ist wohl zur Zeit das Gemüse. Also durfte ich auch hier neue Erfahrungen sammeln.

Der Kohlrabi war deutlich im Ursprungsgeschmack zu erkennen. Der Kefir brachte dazu weitere säuerliche Noten. Erstaunlich für mich, war der Dill. Das Kraut passte überraschend gut zu den übrigen Komponenten. Durch verschiedene Baiserplatten (grün und weiß) kamen aber auch noch süße Elemente zum Tragen.

Es hat mir durchaus geschmeckt, aber wie schon gesagt, mag ich zum Abschluss ganz „konservative“ Speisen.

Aber es war ja auch noch nicht das Ende; denn es folgten eben noch weitere Teile.

Abschluss

Schokolade: Sie wurde als After-Ten angekündigt.

In einer Schale aus Eis geformt waren Schokoladentäfelchen mit Minzegeschmack in Speiseeis gesteckt; das war einfach und lecker: eben eine süße Nachspeise.

Espresso

Nach dem kräftigen Kaffee folgte noch etwas Süßes.

Eis

Eine gewendete Orangenschale bildete eine Halbkugel und enthielt weitere cremige und aromatische Eisspezialitäten. Angereichert wurde das Ganze mit Kräutern und Blütenteilen. Zusammen einfach köstlich.

 

Knabberzeug

Verschiedene kleine Überraschungen unter dem Oberbegriff „Aromen in und um den Wald herum“ waren auf einem Holzteller mit verschieden hohen kleinen Ästen verteilt. Es waren Halbkugeln aus aus Elementen mit Lakritzgeschmack, Eiweißkringeln und Pralinchen mit jeweils unterschiedlichen Zutaten verfeinert.

Das war optisch und geschmacklich ein Gruß an die Sinne.

Die Küche war getreu der Ankündigung durch viele lokale Produkte, neue Kochtechniken und innovative Ideen geprägt.


Getränke 
 

Champagne Henriot Blanc de Blancs (Chardonnay)

2016 Grüner Veltliner Ried KLOSTERSATZ – Pichler-Krutzler - Wachau

2016 Zárate - Albariño - Rías Baixas Val do Salnes

2015 Tim Adams - Semillon - Clare Valley

Champagne Eric Rodez Cuvée de Crayeres (60% Pinot Noir und 40% Chardonnay)

2016 Palmento Costanzo - Bianco di Sei – Etna DOC

2016 Maison Bertrand Ambroise - Bourgogne - Pinot Noir

2015 Guimaro - Finca Meixeman - Ribeira Sacra – Mencia (Rebsorte)

2017 Oliver Zeter - Sauvignon Blanc - Sweetheart QbA – Pfalz

Die Getränke passten stets zu dem jeweiligen Gang; schmeckten mir aber auch pur. Mir mundete der zweite Champagner besser als der erste.

Die verschiedenen Weißweine zeigten im direkten Vergleich ihre sortentypischen Unterschiede.

Der rote Bourgogne begleitete dabei den Seeteufel recht angenehm und überraschend für mich.

Es waren insgesamt keine „Knaller“ dabei; aber alle Weine haben mir zugesagt und es war auch eine angenehme und abwechslungsreiche Reihe. Dabei waren mir auch fast alle Winzer bzw. ihre Weine vorher unbekannt. Nur der Süßwein von Zeter war mir schon ein Begriff.

Ausgeschenkt wurden die Weine in Riedel-Gläsern. Darin konnten sich die Aromen gut entwickeln.


Fazit
 
5 – unbedingt wieder: Es war ein großartiger Lunch. Für mich hat alles gepasst.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
Datum des Besuchs: 28.04.2018 – mittags – 1 Person (Gruppe 10 Teilnehmer*innen)

  

 

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April 2018: Ein gelungener Abend mit ansprechenden Speisen und Getränken

Metzger&Marie“ habe ich vor einiger Zeit schon einmal besucht und war ganz angetan. Aber es hatte sich bisher kein neuer Besuch ergeben.

Nun wurde jedoch von YouDinner ein besonderes Motto angeboten: From Nose to Tail – ein Menu rund um das ganze Kalb.

Also ein echter Grund im Lokal endlich erneut einzukehren.

Eigentlich sind Dienstag und Mittwoch die Ruhetage des Hauses. Für unsere Gruppe wurde jedoch extra geöffnet.
 
Die Karte
 
Die reguläre Karte wechselt je nach Saison und ist auf einem Klemmbrett auf einem DIN A 4 Blatt aufgeschrieben. Es gibt also genug Auswahl, aber überschaubar. Eine Abteilung befasst sich auch stets mit Innereien.

 
Die verkosteten Speisen 
 
Für uns hatte Marc Flogaus ein fünf Gänge-Menü rund ums Kalb zusammengestellt.

Gruß: Kalbsleberwurst, Kalbstatar, Butter und Brot

Die Leberwurst war äußerst fein und aromatisch. Sie wird im Hause selbst hergestellt. Zusammen mit dem frischen Brot sehr köstlich.

Mir hat aber das Tatar noch besser gemundet. Es erinnerte mich im Aussehen an feines Hackfleisch mit Gewürzen perfekt abgeschmeckt.

Gang 1: Rosa Tafelspitz & Kopf – grüner Spargel, Sauce Tatar, Pinienkerne

Die feinen Scheiben vom Tafelspitz waren zart und leicht im Mund. Die kleinen Würfel vom Kopf waren frittiert und innen weich. Der Spargelsalat war durch geröstete Pinienkerne, Feldsalat und Tomatenstückchen im Zusammenspiel mit der Sauce ein echtes Gedicht.

Gang 2: Kalbsschwanz-Ravioli – Rote Bete, Morcheln, Portwein

Die Ravioli waren mit einer prächtig gewürzten Farce vom Fleisch des Kalbsschwanzes gefüllt. Das schmeckte auch ohne die Teighülle sehr angenehm. Die Rote Bete war in kleine Stückchen geschnitten und hatte durch die Zubereitung ihre bitteren dumpfen Noten ziemlich verloren. Aber ein weiteres Geschmackserlebnis waren die feinen Streifen von Morcheln. Ihr Aroma kam voll zur Geltung. Die weiße Creme obenauf mit Kräutern garniert war mir etwas zu fest und mächtig. Doch die braune Sauce (Portweinbasis) mundete mir wieder phantastisch.

Gang 3: Kalbsbries – Karotte, Pastinake, Lauch

Mein persönliches Highlight! Die Bries-Stücke lagen wie ein Schaschlik angerichtet zu oberst auf dem Teller. Sie waren zart gebraten, saftig und perfekt gewürzt. Die feinen langen Streifen vom (Schnitt-) Lauch waren leicht gegart worden und hatten ihre natürliche Farbe erhalten. Für mich passte das gut zum Bries. Dagegen waren die etwas gröberen Stücke von der Pastinake eher roh, jedenfalls nicht weich. Vielleicht sollte das ein Kontrast sein zum zarten Möhren-Püree. Da ich kein Freund von Breichen bin, hätte das für mich als leicht blanchierte Kombination aus Möhren und Pastinake sein dürfen.

Insgesamt hat mir das aber sehr zugesagt; insbesondere die feine Balance aus süßen und pikanten Noten war für mich äußerst gelungen.

Gang 4: Haxe vom Kalb – Bärlauch, Kartoffel, Tomate

Der Hauptgang bestand überwiegend aus einem riesigen Stück Fleisch. Es war kein Fett daran zu bemerken. Durch einen langen Gar- bzw. Schmorvorgang waren die wenigen knorpelige Stellen im Inneren zu weichem Kollagen geworden. Die Haxe war zart und weich – ohne zu zerfallen, also noch schnittfest.

Da ich gerne Röstaromen am Fleisch schmecken möchte, war dieses Gericht nicht so ansprechend für mich. Aber es war sicher grundsätzlich gut gemacht. Die Sauce (ich liebe Saucen) war auch recht schmackhaft.

Allerdings war auf dem Tellergrund wieder ein Breichen angeordnet. Dieses Mal auf der Grundlage von Kartoffel und Bärlauch. Die Farbe und der Geschmack des Wildgemüses waren dann auch dominant zu sehen und zu schmecken (und auch zu riechen). Ich mag Bärlauch und daher war die relativ starke Aromatik nach Knoblauch für mich nicht störend.

Aber es gab – zu meinem Glück – auch noch feste Komponenten: einige Romanesco-Röschen und die sehr aromatischen Tomatenstücke; insbesondere die geschmorte und gewürzte Tomate war für mich sehr gelungen.

Gang 5: Überraschungsei – Cocos, Maracuja, Mandarine

Das Überraschungsei sah für mich von Form und Größe eher wie ein Magnum-Eis ohne Stiel aus. Außen gab es eine dicke Schokoladenschicht. Es bedurfte einiger kleiner Schläge mit dem Löffel bis die Hülle aufsprang. Innen sah es dann aber fast wie ein echtes Ei aus: Viel Weißes und einen gold-gelben Kern bzw. eine relativ feste Kugel.

Das „Eiweiß“ bestand aus Kokosflocken in Joghurt aufgelöst. Zuerst dachte ich, es sei eine besondere Form von Kokosmilch. Aber neben dem eher süßlichen Kokos-Geschmack waren saure Töne zu bemerken, die kamen wohl vom Joghurt.

Der Geschmack war für mich ungewöhnlich, aber nicht unangenehm – doch auch nicht so, dass ich ihn unbedingt wieder haben möchte.

Die Maracuja-Sauce war in Ordnung.

Am besten hat mir das Eis geschmeckt. Mich erinnerte es an Vanille; aber es muss ja auch irgendwo die Mandarine versteckt gewesen sein. Erschmeckt habe ich diese Note nicht wirklich.

Somit war der Nachtisch für mich etwas durchwachsen im Ergebnis, aber sicher nicht schlecht.
 

Getränke 
 
Marc&Philipp: Aperol Spritz, Tonic und Grapefruit

Marc Flogaus stellt mit seinem Partner Philipp Cocktails in Flaschen her. Die Produkte werden im Restaurant aber auch im Internet vertrieben - http://marcundphilipp.de.

Der Drink wurde zur Begrüßung gereicht und hat mir durchaus zugesagt.

2016 Wolkentanz – Riesling trocken – Kirsten – Mosel

Ein Wein mit wenig Säure und wenig Alkohol und feinem herben Ton. Gut gekühlt sehr erfrischend und auch ein anständiger Essensbegleiter.

2015 Assemblage unfiltered – Peth-Wetz – Rheinhessen

Der Rotwein ist eine Cuvee aus Cabernet Sauvignon, Dornfelder und Cabernet Mitos. Er passte gut zur Haxe und wusste durch seine Aromen nach dunklen Beerenfrüchten und Kirschen zu überzeugen.

Espresso

Die Bohnen waren wohl stark geröstet, denn die Aromatik des Kaffees war durch leichte Bittertöne geprägt. Aber ich mag durchaus eine solche Richtung.

Wasser (mit und ohne Kohlesäure) von Liz
 

Fazit

Foto: YouDinner - Miguel und Marc
 
4 – gerne wieder. Der Abend hat mir äußerst zugesagt. Einige Gerichte fand ich so toll, dass ich sie gerne wieder essen möchte. Kein Teller hat mich enttäuscht. Ich würde dann wahrscheinlich andere Komponenten auswählen.

Auf jeden Fall möchte ich das Restaurant im Auge behalten und weitere Teller verkosten.

Auch bei den Getränken gibt es sicher noch weitere Angebote, die ich probieren möchte.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 
Datum des Besuchs: 17.04.2018 – abends – eine Person (Gruppe)

 

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April 2018: Brotbacken und zünftige Brotzeit

Frisches Brot gehört für mich zu meiner Ess-Kultur. Deswegen schmeckt mir aber nicht jedes Brot, das ich kaufe oder selber backe, auch wirklich gut.

mein erstes Brot zu Hause

Doch es gibt bei uns (ja immer noch) sehr gute Backwaren – trotz Brotfabriken und Großbäckern - und einige Betriebe, die mit Liebe und Können herrliche Brote produzieren.

Manche Köche „hassen“ es jedoch, sich an Rezepte ziemlich genau halten zu müssen und gehen dem Thema Backen daher lieber aus dem Weg.

Aber in einem „guten“ Restaurant gibt es eigentlich auch immer schmackhafte Brote – oft sogar selber hergestellt.

Mir fallen spontan Benjamin Peifer, Thomas Bühner oder Dirk Seiger ein, bei denen sozusagen das Brot ein eigener Gang darstellt.

Daher hatte ich auch keine Bange, dass bei YouDinner ein Brotbackkurs von Max Richter geleitet wurde. Der Koch ist zwar kein gelernter Bäcker, aber ein erfahrener Küchenprofi, der sich intensiv mit der Thematik theoretisch und praktisch auseinander gesetzt hat. Und fast täglich Brot herstellt.

Der Ablauf

Die fünfzehn Teilnehmer*innen trudelten nacheinander, aber alle pünktlich, ein.

Wir wurden mit Sekt begrüßt und untereinander bekannt gemacht. Das war wieder ein guter Start – denn Catharina Boll von YouDinner ist auch eine Service-Könnerin.

Max Richter hatte schon für jeden die Zutaten für ein Brot an einem eigenen kleinen Arbeitsplatz bereitgestellt.

Weil wir an diesem Abend am Ende das fertige Brot mitnehmen konnten, musste der Sauerteig schon vorbereitet sein. Wir erführen, dass das Anstellgut nicht schwer zu machen ist, aber Geduld braucht; schließlich dauert es fünf Tage, bis man mit einem selbst gemachten Sauerteig das Brotbacken wirklich beginnen kann.

Gutes Brot braucht also viel Zeit und Geduld.

Wir mischten nun unsere Zutaten – nach Anleitung und Hilfestellung – zusammen: Sauerteig, Wasser, Mehl, Salz, Zucker und verschiedene Kerne von Kürbis, Sonnenblume und Leinsamen.

Das war eine riesige Matscherei: Aus dem Mehl einen Berg formen und eine tiefe Kuhle machen. Dann die anderen Zutaten und das viele Wasser vorsichtig in den Krater nach und nach füllen und unterheben.

Zuerst ist das eben eine klebrige und glitschige Masse. Doch mit der Zeit wird daraus ein Rohling.

Langes kneten mit dem Handballen ist dabei besonders wichtig. Danach wird der Teig gefaltet und in Form gebracht. Noch ein paar tiefe Schnitte in die Oberfläche und die ersten Schritte sind abgeschlossen.

Nun „geht“ das Brot wieder. Schließlich kommt es tatsächlich in den Ofen. Dort bekommt es immer Mal wieder etwas Wasserdampf in die Röhre: Zum perfekten Bräunen und für eine knusprige Kruste.

Die verkosteten Speisen

Damit wir nicht dem Brot beim Werden zugucken mussten, gab es schon einmal eine zünftige und kräftige Brotzeit.

Max Richter hatte mehrere frische Brote aus seiner Hand mitgebracht.

Die Teilnehmer*innen bildeten kleine Gruppen von drei bis vier Personen und stellten Wurst- und Käseplatten zusammen, produzierten „Obazda und füllten Brotkörbe mit den Schnitten.

Einen Spargelsalat und gebeizten Lachs lieferte der Koch auch noch dazu. Beides sehr köstlich und auch zu Hause nachmachbar.

Neben dem Spargel kamen im Salat auch noch Pinienkerne, Tomaten, Bärlauch un d Parmesan zum Einsatz. Das Rezept habe ich zu Hause umgehend nachgemacht. Die Zutaten ergänzen sich einfach köstlich.

Zum Abschluss servierte Max Richter noch eine Mascarpone-Creme mit Früchten und kleinen Kuchenstücken und einem Minzeblatt obenauf (da muss ich immer an den Film „Der Sinn des Lebens“ von Monty Python denken - https://www.youtube.com/watch?v=cNV_AUpB5Q8).

Getränke

Sekt, Bier, Wasser und Wein (aus dem Kölner Weinkeller) sorgten dafür, dass wir nicht dursten mussten.

Am Ende gab es auch noch Espresso für die Heimreise.

Fazit

5- unbedingt gerne wieder. Wir hatten viel Spaß beim Teigkneten, herrichten der Brotzeit und bei den Gesprächen am Tisch bzw. bei der „Arbeit“.

Max Richter gab uns viele Tipps und Informationen zum Thema. In einem Handout können wir auch zu Hause alles nachlesen.

      

Auch die Wurst- und Käsespezialitäten von Blut- und Leberwurst über Salami und Speck und Hart- und Weichkäse sowie der frische Obazda waren zum Brot oder pur sehr lecker. Wann macht man zu Hause schon für ein paar Personen so viele Zutaten bereit?

Mein ofenwarmes Brot kam in eine Tüte und ich habe es in einer Stofftasche nach Hause befördert, damit es vom Wasserdampf nicht weich wird.

Am nächsten Morgen habe ich die ersten Scheiben abgeschnitten und verkostet: Ich war sehr zufrieden. Die Kruste war kross und sehr aromatisch. Das Innere war von den Körnern geprägt. Die Masse hatte nur kleine Lufträume im Teig. Auf jeden Fall schmeckte es anders – und besser als ein weiteres Brot von einem Bäcker, das ich zum Vergleich probiert habe. Dort waren größere Luftporen und das Innere war weicher.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 04.04.2018 – abends – eine Person (Gruppe von 15 Teilnehmer*innen)

 

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April 2018: Eis essen in Gladbach-City

Wenn nun die Temperaturen langsam steigen, kommt verstärkt ein Appetit auf Eis auf. Wo können wir in der Innenstadt gemütlich sitzen und leckere Produkte schlecken?

Bisher haben wir fünf Eisdielen gefunden, die italienisch ausgerichtet sind und für uns fußläufig zu erreichen sind.
 
Ambiente
 
In der Einrichtung bzw. Ausstattung unterscheiden sich die besuchten Anbieten kaum; lediglich die Größe der Lokale ist unterschiedlich. „Capuccino“ und „Fanti“ wirken eher klein und eng. Die drei anderen Eisdielen haben mehr Platz.

Alle haben auch eine Außengastronomie zur jeweiligen Straße hin.
 
Sauberkeit 
 
Auch bei der Pflege der Eisdielen gab es keine Ausreißer. Alle waren ordentlich hergerichtet.
 
Service
 
Meist haben die jungen Frauen und Männer genug zu tun, um die Gäste zu versorgen. Große Dialoge oder Gespräche kommen da nicht auf. Distanziert freundlich möchte ich die überwiegende Haltung nennen.

Wobei die vermutlichen Besitzer, wenn sie selbst aktiv agieren, etwas mehr Zeit und Zuwendung ihren Kunden zukommen lassen.
 
Die Karte(n) 
 
Die Angebote unterscheiden sich kaum. Es gibt die Klassiker und ein paar neue Kreationen. Bei den Preisen gibt es kleine Schwankungen von 0,50 bis 1 Euro für einen Becher.
 
Die verkosteten Speisen 
 
Wir haben jeweils ein klassisches Spaghetti-Eis verkostet. Bei der Süße des Vanille-Eises gab es für uns merkliche Unterschiede. Echte – sichtbar durch die kleinen schwarzen Punkte – Vanille haben wir gar nicht gefunden. Auch die Cremigkeit war nicht gleich.

Ebenso fielen auch die Erdbeer-Saucen recht unterschiedlich aus.
 
Fazit
 
Am besten hat uns das Spaghetti-Eis zugesagt:
Eiscaffe Capuccino (4 – gerne wieder)

Sahne und Eis waren gelungen, die Erdbeer-Sauce war etwas schwächer. Der Service war freundlich und aufmerksam.

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Fast direkt gefolgt von Eiscafe Venezia (4 – gerne wieder)

Das Eis war gut gemacht. Die Bedienung machte ihre Arbeit aufmerksam. Die Portion war recht großzügig bemessen, aber auch am teuersten von den Fünfen.

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In der Mitte lag für uns: Eiscafe Leonardo (3 – wenn es sich ergibt)

Hier waren das Eis und die Bedienung in Ordnung. Bei großem Eis-Hunger können wir hier sicher einkehren. Optisch vielleicht sogar am besten gelungen.

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Etwas weniger überzeugt hat uns: Eiscafe de Fanti (3 – wenn es sich ergibt)

Zu süß, zu wenig cremig das Eis; aber eine gute Erdbeer-Sauce - wahrscheinlich sogar die beste von allen. Auch der Service war freundlich.

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Am wenigsten überzeugt haben uns die Stationen von Gelatissimo Eiscafé (2 – eher nicht so schnell wieder)

Der Betrieb liegt zwar besonders günstig an und in einem Einkaufszentrum – sogar mit zwei Verkaufsstellen.

Vielleicht braucht daher der Service keine besondere Freundlichkeit zeigen; aber auch das Produkt konnte uns nicht überzeugen: Die Süße für uns zu hoch und das Eis zu fest in der Konsistenz. Auch die Präsentationdes Telllers war für uns nur mäßig.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

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April 2018: Haus Bieger, Kamp-Lintfort

Gute bürgerliche Küche in angenehmer Umgebung

Ein Osterbesuch führte uns wieder einmal nach Kamp-Lintfort. Wir  verbrachten den Tag in Kloster Kamp. Direkt neben der Kirche befindet sich das Haus Bieger, ein Restaurant und Cafe.

Ambiente

Vor dem Haus befindet sich eine Außengastronomie – bei schönem Wetter sicher ein angenehmer Platz.

Innen geht es erst durch einen längeren Flur. Am Ende sind die Toiletten und links davor geht es zu einem großer Gastraum und rechts ein weiterer kleinerer Bereich.

Dorthin wurden wir zu unseren reservierten Plätzen geführt.

Der Raum hatte helle Wände und die Möbel waren in dunkleren Brauntönen gehalten. Das wirkte recht angenehm und gemütlich auf mich.

Mit Dekoration war nicht übertrieben worden.

Tischläufer und Servietten waren aus Papier und zeigten österliche Motive.

Service

Drei Frauen sorgten sich um die Gäste. Eine davon schien die Chefin zu sein. Alle waren freundlich und aufmerksam. Auskünfte wurden gerne gegeben oder in der Küche nachgefragt. Durch die teilweise mehrfache Belegung der Plätze hatten sie einiges nebenbei einiges aufzuräumen.

Die Karte(n)

Aus der größeren Karte war mittags eine Osterkarte zusammengestellt worden, die aber auch noch genug Auswahlmöglichkeiten bot.

Die verkosteten Speisen

Wir bestellten aus den Hauptgerichten vier verschiedene Teller und nachher noch jeweils ein Dessert.

Lammbraten mit Rosmarinkartöffelchen und Spitzkohlgemüse  

Das Lamm war butterzart geschmort worden. Eine Sauce war über das Fleisch gefügt worden. Als Dekoration war noch ein Ast Thymian verwendet worden. Die Kartoffeln waren mit der Haut gekocht, dann angeschwenkt und mit Rosmarin gewürzt worden. Der Spitzkohl war recht stark gegart und sehr weich geworden.

Meiner Tochter hat´s geschmeckt – mein Teller wäre es nicht gewesen. Das Lamm war schmackhaft; aber die Kartoffeln und das Gemüse sind mir zu pampig gewesen.

Drei Röllchen vom Räucherlachs gefüllt mit Kräuterschmand auf Reibeküchlein, dazu Salat 

Unsere Tante verträgt viele Zutaten nicht, war aber mit dieser Zusammenstellung sehr zufrieden. Besonders die Reibekuchen haben ihr sehr zugesagt. Ich glaube, dass bis auf den Salat alle Komponenten Fertigprodukte waren; aber das kann ja trotzdem schmackhaft sein.

Rumpsteak vom Black Angus (250g), dazu Salat, Kräuterbutter und Pommes frites  

Das Fleisch war in der Tat sehr zart, gut gebraten (medium) und passend gewürzt. Die Kräuterbutter brauchte das Steak gar nicht. Die Pommes waren dick und gut frittiert worden.

Der Salat wurde separat in einer Schale gereicht (Blattsalate, Paprika, Tomate, Krautsalat).

Das war ein Gericht, das mir auch zugesagt hat. Meine Frau war auch sehr zufrieden damit.

Grillplatte Bieger: Rindermedaillon vom Rumpsteak, Schweinefilet, Hähnchenbrustmedaillon, Bacon, Bohnenbündchen, rosa Pfeffersauce und Kartoffelchips  

Hochachtung vor der Küche – auch die kleineren Fleischstücke vom Grillteller waren medium gebraten und perfekt gewürzt. - Die Bohnen mit Speckmantel waren ebenfalls knusprig und mutig abgeschmeckt. Das Salz vom Speck und etwas Bohnenkraut ergaben einen runden Geschmack. Neben der Pfeffersauce war eine weitere helle cremige Paste – jeweils in eigenen Schälchen – auf dem Teller. Daher konnte ich sie auch leicht entfernen und auf den Tisch neben den Teller stellen. Auch diese Saucen halte ich für zugekauft. Sie waren für micht gar nicht nötig. Weil sie aber – Gott sei Dank – nicht über das Fleisch getunkt waren, störten sie mich auch nicht. - Die dicken Kartoffelchips haben mir wiederum sehr gut gemundet. Sie waren knusprig und fast so dick wie Pommes.

Auch der Salat war auf einem Extra-Teller und machte daher weder Fleisch noch Kartoffeln weich.

Dir Grillplatte würde ich jederzeit wieder bestellen, denn er hat mit im Geschmack und der Anrichteweise zugesagt: Fleisch, Bohnen und Chips waren genau nach meinem Geschmack.

Wir waren dann noch neugierig auf den Nachtisch und bestellten ein Schokotörtchen und die Cremespeise.

Mascarpone-Creme mit Kirschgrütze und Eierlikör (3,90 €)

Das war eine kleine überschaubare Menge. Die angekündigten Komponenten waren erkennbar verarbeitet worden.

Die Damen sagten mit, dass es ihnen zugesagt hat.

Warmes Schokotörtchen mit Kirschgrütze und Eis (5,90 €)

Das Schokotörtchen war warm und innen locker. Aber ich vermute, dass es ein Fertigprodukt war. Die Schokolade war nicht besonders intensiv im Geschmack. Anstelle vom Eis war eine recht große Menge Sahne neben dem Kuchen platziert. Sie war locker, aber nicht besonders verfeinert oder aromatisiert worden. Zwei halbe Scheibchen von der Orange mit Schale waren noch auf dem Teller. Ebenso drei frische Heidelbeeren. Die Kirschgrütze war für mich eine Art Marmelade, die als Steifen unter dem Küchlein oval verteilt worden war.

Das war solide, fiel aber gegen die anderen Teller ertwas ab. Trotzdem schmälerte das Dessert nur wenig den guten Eindruck der Hauptgerichte.

Getrunken haben wir nur Mineralwasser von Gerolstein aus großen Flaschen.

Fazit

4- gerne wieder. Den Nachtisch lasse ich dann weg und nehme eine Vorspeise oder probiere den Kuchen des Hauses.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 02.04.2018 – mittags – vier Personen

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März 2018: Entenleber, Schnecken und Froschschenkel

Das Restaurant Wackes wird von Helmut Gote (WDR) als eines seiner  Lieblingsrestaurants in Köln genannt und auch Carsten Henn (Kölner Stadtanzeiger) nimmt es in seine Liste „111 mal lecker essen in Köln“ auf.

Außenansicht

Da traf es sich gut, dass YouDinner ein Überraschungsmenü ankündigte und sich am Ende ein Besuch bei Romain Wack als Ergebnis herausstellte.

Ambiente

Das kleine Gebäude in der Nähe vom Rudolfplatz fällt schon durch seinen Außenanstrich auf: sehr farbenfroh.

Innen bleibt dieser Eindruck der individuellen Gestaltung auch erhalten (viel Holz). Im Erdgeschoss befinden sich die Theke und einige Sitzplätze.

Dort gab es zur Begrüßung sofort Cremant und Flammkuchen.

In der ersten und zweiten Etage sind dann die eigentlichen Gästeplätze.Die Tische stehen eng, aber das Lokal wirkte auf mich trotzdem gemütlich. Wir speisten mit 30 Personen im ersten Stock.

Service

Der Chef und Namensgeber des Restaurants war eine außergewöhnliche Erscheinung: herzlich, begeistert, humorvoll. Mit Herz und Seele Gastronom.

Die Damen im Service waren ebenfalls aufmerksam und freundlich.

Romain Wack erläuterte seine Speisen selber. Seine Sprache war eine Mischung aus Hochdeutsch und Elsässerdeutsch. Dieser Dialekt hatte für mich viel Lebendigkeit.

Besonders ging er auf seine Entenleber, Schnecken und Froschschenkel ein:

Es handelt sich nicht um Stopfleber; die Tiere wurden mit Mais gefüttert und wurden nicht gemästet. Gänse könnte man wohl zwangsfüttern, aber mit Enten ginge das gar nicht. Daher gibt es bei ihm nur Enten.

Schnecken und Frösche wurden früher in seiner Heimat morgens von den Kindern eingesammelt und dann von den Müttern als Freitags- oder Fastengerichte regelmäßig auf den Tisch gebracht.

Heute bezieht er seine Produkte jedoch aus anerkannten Zuchtstationen.

Die verkosteten Speisen

Für uns stand ein Fünf-Gang-Menü inklusive aller Getränke an.

1. Elsässer Flammkuchen: Creme Fraiche, Speck, Zwiebeln

Cremant D´Alsace brut – Charles Wantz – Barr – Elsass

Herrlich dünnes leicht knuspriges Brot war mit der Creme bestrichen und mit feinem Speck und kleinen Zwiebelstücken belegt.

Der Gastgeber ging mit einem Tablett durch die Reihen und bot kleine Tortenstücke davon an. Er empfahl direkt zwei Stücke zu nehmen und sich übereinander zu klappen – wie eine doppelte Stulle.

Sein Flammkuchen schmeckte mir sehr lecker – es soll sogar der beste im Rheinland um Köln sein. Ich habe mehrfach zugegriffen.

2. Gänselieselsalat: Löwenzahn, pochiertes Ei, gebratene Entenleber, Entenpastete, Foie- Gras-Terrine

Pinot Gries Reserve Personelle 2013 – Trimborn – Elsass

Für mich war das der beste Teller des Tages. Und diese Aussage bezieht sich speziell auf die Variationen von der Entenleber. Und das Stück Entenschinken. Diese vier Komponenten harmonierten köstlich und waren gleichzeitig unterschiedlich auf ihre Art.

Dafür alleine überlege ich mir, wieder hier zu speisen.

Der gut spürbare bittere Löwenzahn wurde durch Bohnenstücke (gelb und grün) sowie rote Paprikastreifen etwas abgemildert. Auch der butterweiche cremige Dotter des Ei gab neue Geschmacksnoten.

3. Variation: Schnecken, Froschschenkel

Unsere Tischgruppe bestand aus fünf Personen: drei Damen und zwei Herren.

Dieser Gang bescherte den Männern eine doppelte Portion, weil bei den Frauen die zwei Komponenten nicht so gut ankamen. Eine „verweigerte“ ganz und die anderen aßen tapfer (fast) alles auf.

Ich habe bisher selten Froschschenkel verkostet (ich erinnere mich gut an die Portion im Poêle d`Or – der ehemalige Sterne-Koch Jean-Claude Bado ist - wie ich eben in der Zeitung lese – am 17. März 2018 verstorben). So große Stücke habe ich aber bisher nicht auf dem Teller gehabt. Sie waren phantastisch gebraten: teilweise außen knusprig und innen weich. Sie schmeckten wie zartes Hühnerbrustfleisch. Schön, dass ich dann noch eine halbe Portion zusätzlich abbekam (siehe oben). Aber so etwas darf doch nicht weggeworfen werden (man muss manchmal Opfer bringen).

Die Schnecken waren für mich in Ordnung, aber davon habe ich schon interessantere Exemplare vorgesetzt bekommen.

Die Kräuterbutter bzw. –sauce war kräftig abgeschmeckt und gab den kleinen Weichtieren etwas Pfiff. Das frische Brot schmeckte mir jedoch noch besser zu der Butter.

Also die Froschschenkel waren für mich prächtig.

4. Kartoffelbratwurst: grüne Linsen, Senfsauce

Pinot Noir 2016 – Charles Wanz – Rouge D´Ottrott – Elsass

Kartoffelbratwurst kannte ich bisher nicht und habe sie wohl auch noch nie gegessen. Aber das könnte sich ändern; denn sie schmeckte mir ausgezeichnet. Es handelt sich um eine Kochwurst aus Fleisch und Speck vom Schwein oder Rind mit Kartoffeln, Zwiebeln sowie verschiedenen, regional unterschiedlichen Gewürzen – hier war wohl Bohnenkraut zugesetzt worden.

Die Linsen waren gut gemacht, sie hatten noch Biss. Aber ich glaube, dass ich Linsen nicht besonders schätze (denn sie haben mich auch bei anderen Köchen nicht umstimmen können). Das konnte auch das weitere kleine Gemüse (wie Möhre und Zwiebel) nicht wirklich ändern.

Die Senfsauce passte jedoch gut zur Wurst und zum Gemüse.

Der junge, frische und leicht gekühlte Spätburgunder passte sehr gut zum deftigen Gericht. Seine sanften Aromen von roten Früchten (Himbeere bzw. Erdbeere) überzeugten mich.

5. Geeistes Souflee mit Marc de Gewürztraminer

Ein paar Früchte wie Orangenfilet, Brombeere, Heidelbeeren und Kapstachelbeere lagen zu „Füßen des Eisberges bzw. des Vulkans“. Das Eisparfait war erfrischend und der Zusatz vom Schnaps gab den Geschmack vor. Oben im „Krater“ war wohl auch noch Orangenlikör (Grand Marnier) als „Maar“ eingefüllt.

Das war ein würdiger Abschluss – dazu noch ein frischer heißer Espresso.

Fazit

4 – gerne wieder. Einige typische Gerichte aus dem Elsass habe ich durch den Besuch kennen lernen können. Die Geflügelgerichte wären wohl dann bei einem weiteren Besuch an der Reihe.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 25.03.2018 – mittags – eine Person (Gruppe 30 Leute)

 

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März 2018: Wein und Käse

Alles Käse – aber gut

Unter allen Nahrungsmitteln, die ich gerne mag, schätze ich besonders einige Käsesorten. Daher war ich hocherfreut, als YouDinner den Käsesommelier und –händler Carsten Wionczeck aus Düsseldorf nach Köln eingeladen hatte.

Carsten Wionczeck absolvierte 2015 eine Ausbildung am European Cheese Center (ECC). Er ist seither ein diplomierter Käsesommelier. Aber er führt auch im Hauptberuf zwei Düsseldorfer Käsefachgeschäfte.

   Foto: YouDinner

Ambiente

Als Ort der Verkostung hatte YouDinner das Dominium (ehemaliges Generali-Quartier) ausgewählt. Im neunten Stockwerk gab es einen grandiosen Blick auf den Dom. Die Etage war im Übrigen restaurantmäßig eingerichtet. Wir saßen alle (wie bei YouDinner fast immer) an einer langen Tafel und konnten uns verwöhnen lassen.

Service

Die jungen Kräfte machten einen prächtigen Dienst. Die Gläser wurden stets nachgefüllt. Und die Speisen wurden zügig und sorgfältig eingedeckt und auch flott abgeräumt. Wie in einem Sternerestaurant eben!

Das Programm

In fünf Durchgängen wurden thematisch sortiert 14 Käsearten und neun passende Getränke dazu gereicht.

Der Käsemeister stellte alle Spezialitäten mit Anekdoten und Besonderheiten vor und beantwortete gerne und humorvoll alle Fragen.

Eröffnet wurde mitSaint Maure“ – ein Ziegenfrischkäse mit Asche aus der Touraine in Frankreich.

Sein frischer und milder Geschmack erfreute den Gaumen zum Einstieg. Der Ziegen-Charakter war moderat. Später kamen heftigere Sorten an die Reihe.

Dazu wurde Sekt Drink Elbling von Ernst Hein an der Mosel gereicht (Bio – Kölner Weinkeller – 9,50 €). Ebenfalls frisch und leicht im Geschmack.

Nun folgte ein Teller mit drei Käsen unter dem Motto „Die Milden“:

im Uhrzeigersinn verkostet

Peyrigeaux – Kuh – Frankreich

Es war ebenfalls ein sanfter Weichkäse – zu ihm passte das gereichte Landbier recht gut als Ergänzung.

Vorarlberger Heumilchkäse – Kuh – sechs Monate gereift

Die Herstellung von Heumilch ist eine sehr alte Form der Milchgewinnung. Die Tiere erhalten als Futter nur Heu und Getreideschrot - keine vergorenen Futtermittel wie Gras- oder Maissilage. Die Rohmilch wird dann ohne Konservierungsstoffe weiter verarbeitet.

Wildblütenkäse – Kuh - Allgäu

Er wird erst nach einer Reifezeit von 6 Wochen mit einem feinen Kräuter- und Blumenmix überzogen und durchläuft danach eine weitere Ruhephase.

Heumilchkäse und Wildblumenkäse hatten schon je besondere Noten, die mir zugesagt haben: die feine Würze aber nicht aufdringliche Art überzeugte mich.

White Thing 2016 – Savignon Blanc, Scheurebe, Rivaner – Kühling Gillot – Rheinhessen

Land Bier – Richrath´s Original – naturtrüb

Es kommt aus dem Hause Bolten in Korschenbroich und ist obergärig gebraut; also etwa ein ungefiltertes Alt.

Nun folgten „die Aromatischen“. Auf dem Teller waren vier verschiedene Stücke.

im Uhrzeigersinn verkostet

Le Montagnard – Kuh – Rotschiere – Frankreich

Ein Weichkäse aus den Vogesen. Er hat eine aromatische Rinde und einen cremigen Kern. Für mich in Ordnung; aber er ist mir nicht besonders im Gedächtnis geblieben.

Morbier – Kuh – Wacholderasche – Frankreich

Dieser halbfeste Schnittkäse hat in der Mitte eine Asche-Schicht. Die Entstehung dieses Streifens hängt mit der Art der ursprünglichen Herstellung des Käses vor mehr als 200 Jahren zusammen. Viele Kleinbauern hatten nicht genug Milch für einen großen Laib. Sie füllten trotzdem die Formen und schichten von Tag zu Tag darauf die neue Masse. Damit sich auf dem frischen Bruch keine Kruste bildete und um ihn gegen Austrocknung und Verkeimung zu schützen, wurde die Käsemasse morgens mit Holzasche bestreut.

Rote Hexe – Bergkäse – Kuh – Schweiz

Dieser Rohmilchkäse hat durchaus geschmeckt. Aber ich kann durchaus mehr Geschmack vertragen und bevorzuge daher diese Richtung mehr. Aber genau davon kamen jetzt auch einige ausgezeichnete Beispiele.

Taleggio – Kuh – Italien

Dieser norditalienische Weichkäse ist mir schon vor einiger Zeit über den Weg gelaufen. Er erinnert mich geschmacklich vielleicht an Brie. Aber durch seinen Rotschimmel ist er eigentlich unverwechselbar.

Es gibt Produkte aus Rohmilch oder aus haltbarer Milch – einmal mehr von einem Handwerker und der andere in einer Fabrik hergestellt.

So gereift wie heute und als Rohmilchprodukt, schmeckt er mir sehr gut

Joseph 2016 (Gewürztraminer) – J. Hofstätter – Südtirol 

Saint-Véran blanc 2014 - Domaine de la Croix Senaillet – Burgund 

Für mich passte der Gewürztraminer besser zum Käse.

Der vierte Durchgang hatte den Oberbegriff „Die Besonderen

Valençay Pyramide – Ziege – Asche – Frankreich

Laut einer Legende soll der Käse ursprünglich die Form einer Pyramide gehabt haben. Als Napoleon auf seinem Heimweg vom Ägypterfeldzug an Valençay vorbeigekommen sei, habe er dort den Käse gesehen und ihm aus Wut über die Niederlage die Spitze abgeschlagen.

Wie dem auch sei. Ich bin ein Fan von kräftigem Käse, aber dieser war mir doch zu speziell nach Ziege schmeckend.

Brie de Meaux – Kuh – Frankreich

Es ist ein Weichkäse mit Weißschimmel aus roher Kuhmilch. Auch dieser Käse hat eine besondere Geschichte: Auf dem Wiener Kongress gab es zur Entspannung der Staatsmänner einen Wettbewerb um den besten Käse aller Länder. Unter den 30 teilnehmenden Käsesorten gewann der Brie de Meaux mit weitem Abstand. Seither wird der Weichkäse auch als “König der Käse” bezeichnet.

Ich bin auch ein Fan vom Brie de Meaux und kaufe davon regelmäßig.

Pecorino al Tartufo – Schaf – 18 Monate – Italien

Pecorino al Tartufo

Manchmal ist Pecorino ein bisschen zu salzig. Aber sonst gehört er zu meinen absoluten Lieblingen. Es gibt ihn in verschiedenen Zubereitungsarten und Altersstufen.

Heute mit dem Zusatz Trüffel war es ganz großes Kino. So gut hat mir Pecorino wohl bisher noch nie geschmeckt.

Allein dafür müsste ich sofort in einen Laden, der diese Sorte in der Qualität führt.

St. Romain "Sous le Chateau" 2014 - Germain Pere et Fils – Burgund 

Biskero 2016 - Chianti Colli Senesi – Salcheto – Sangiovese – Siena/Toscana

Auch in diesem Durchgang konnte mich der Burgunder nicht überzeugen, aber der frische Chianti – leicht gekühlt – passte prima.

Den Abschluss bildeten dann “die Kracher”:

im Uhrzeigersinn verkostet

Epoisses – Kuh – Frankreich

Dieser kleine Stinker hat es mir seit dem ersten Verzehr vor Jahren absolut angetan. Gut, wenn ich davon kaufe und damit mit dem Bus nach Hause fahre, ist mir auch ein freier Platz sicher. Das ist mir manchmal peinlich, aber der wahnsinnige Geschmack rechtfertigt den Kauf schon.

Heute war er auf einer schönen Reifestufe, doch noch leicht fest. Mit größerem Alter wird er jedoch sehr weich und fast flüssig – aber das mag ich auch noch.

Isny – Kuh – Ur-Bergkäse – Allgäu

Auch dieser Käse hat einen kräftigen und eigenwilligen Geschmack. Davon muss ich aber wohl erst eine neue Probe nehmen, ohne vorher so viel anderen Käse verkostet zu haben.

Fourme d’Ambert – Blauschimmel – Frankreich

Er gilt als einer der mildesten Blauschimmelkäse. Seine Rinde ist trocken, der Teig cremig fest.

Auch hier war mir die Sorte an diesem Abend zu sanft. Ich mag es da etwas kräftiger und bevorzuge Blue Stilton oder Roquefort – selbst manche Gorgonzola-Variationen sind mir zu cremig und harmonisch.

Konstantinopeler Apfelquittennektar – van Namen Obstkelterei – Niederrhein 

Graacher Himmelreich 2014 – Riesling Kabinett – J.J. Prüm – Mosel 

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Zum Ende gab es auch noch einige Tipps oder Verbraucherhinweise:

Käse wenn es geht immer in das spezielle Papier wickeln und im Gemüsefach vom Kühlschrank aufbewahren. Dort hält er sich auch zu Hause einige Zeit. Aber weiter „reifen“ wird er dort nicht; dafür braucht es andere Bedingungen (mehr Wärme und sehr hohe Luftfeuchtigkeit unter anderem).

Und Käse sollte nicht mit Hefe (also Brotkrümel etc.) in Berührung kommen und dann so eingepackt wieder ins Kühlfach wandern. Hinterher wir der Käse sein Aroma und seine Konsistenz ändern und schnell ungenießbar werden.

Guter Käse ist seinen Preis wert, aber er wird nie billig sein. Die Produkte von kleinen Betrieben werden in der Regel mehr Geschmack haben als Fabrikware – aber teuerer sein.

Fazit

5 – unbedingt wieder. Wenn ich mal nach Düsseldorf komme, werde ich natürlich Käsespezialitäten Wionczeck - Carlsplatz besuchen. Ich hoffe, dass ebenso YouDinner diese Reihe fortsetzt oder wiederholt.

Auch in Bergisch Gladbach habe ich sofort nach passenden Geschäften für Käse gesucht. Und bin auch schon fündig geworden: Im BioSuperMarkt in der Rheinberg Galerie und auf dem Wochenmarkt mittwochs und samstags an mehreren Ständen.

In Köln wurde wärmstens das Käsehaus Wingenfeld in der Ehrenstraße ans Herz gelegt.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 12.03.2018

 

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Februar 2018: Fischmenü in "HERZHAFT"

Eine runde Sache – Fischmenü im „Herzhaft“

Seit 1995 betreiben Petra und Ulrich Heldmann die Gastronomie in der Concordia. Es handelt sich dabei um die ehemalige Villa des bergischen Unternehmers Moritz Böker.

Es gibt zwei Lokale im Hause: Heldmann Restaurant (ein Stern) und Herzhaft (Bistro mit Bib).

Die Tester des Michelin beschreiben das Bistro mit dem Satz: „Die gastronomische Alternative im Hause Heldmann ist bodenständiger, setzt aber ebenso auf Qualität und Geschmack.“

Ambiente

Auch die Räume, die zum Bistro gehören, sind hell und freundlich eingerichtet. Auf dem blanken Tisch befindet sich ein Tischläufer. Stoffservietten sind natürlich auch vorhanden.

Die kleinen Sessel sind bequem.

Der Platz ist eingedeckt. Als Dekoration befinden sich auf dem Tisch ein Teelicht und ein Vase mit einem kleinen Gesteck.

Die Pflanzen im Raum sind zwar künstlich, wirken auf mich aber dezent und gut gepflegt.

Service

Elisa Piwitt arbeitet im Bistro und im Restaurant als Bedienung und Sommelière. Ihre offene und fröhliche Art gepaart mit Fachwissen macht den Besuch recht angenehm.

Der junge Mann, der ebenfalls im Service tätig war, machte seine Sache ebenfalls gut, aber noch nicht so souverän und locker.

Die verkosteten Speisen

Fischmenü zur Fastenzeit (vier Gänge zu 44 € - zusätzlich 5 € als Spende für die „Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisches Land“ unter dem Motto „Schlemmen für Remscheid)

Etwas Brot (drei Sorten) mit Butter und Kräutersalz

Schwertfisch Carpaccio mit CousCous

Ich habe das Buch von Anthony Bourdain: „Geständnisse eines Küchenchefs - Was Sie über Restaurants nie wissen wollten“ mit Vergnügen gelesen. Aber es bleiben natürlich „Geschichten“ im Kopf, die mir dann bei (un)passender Gelegenheit wieder einfallen. Besonders das Kapitel WAS MAN IM RESTAURANT NIE TUN SOLLTE – ACHT TIPPS VON ANTHONY BOURDAIN:

„Punkt 6. Schwertfisch? - Schmeckt eigentlich gut. Aber mein Fischlieferant bestellt nie welchen. Weil er schon 3-Fuß-lange Parasitenwürmer durch deren Fleisch hat krabbeln sehen.“

Einfach weg mit dem Gedanken! Denn hier sah der Fisch optisch sehr gut aus, war hauchdünn geschnitten, hatte einen angenehmen Duft und schmeckte auch kräftig und war gut gewürzt.

Frischer Blattsalat war in der Mitte des Tellers hübsch aufgetürmt. Kerne, Körner und Samen waren in die Vinaigrette eingearbeitet. Zusätzlich waren noch Möhrenstückchen und Radieschenscheiben verarbeitet worden.

Der CousCous war mit einer angenehmen frischen Curry-Mischung gewürzt. Mutig gewürzt – auch das Salz war ordentlich zu spüren, mehr wäre nicht gut gewesen.

Heldmanns Fischsuppe

Nochmals schoss „Anthony Bourdain“ durch meine Gedanken:

„Punkt 2. Keine Muscheln, außer man kennt den Küchenchef persönlich. Oder hat selbst gesehen, wie die Dinger gelagert werden. Die meisten Köche sind im Umgang mit Muscheln äußerst schlampig.“

Ich kenne zwar die beiden Küchenchefs Ulrich Heldmann und Tobias Rocholl

nicht wirklich persönlich, aber ich vertraue ihnen voll und ganz (durch bisherige Besuche). Zusätzlich verfolge ich viele Medienberichte und höre die Informationen von Bekannten und Freunden. Da gibt es gar nichts, was mir nur ansatzweise Angst machen könnte. Sie sind wohl mit Herz und Seele in ihrem Beruf tätig.

Die Grundbrühe schmeckte durchaus nach Fischfond; aber ich habe es aber gerne etwas kräftiger – zum Beispiel gerne etwas Safran- und Hummeraromen.

Doch bei der Einlage war auf keinen Fall gespart worden. Viele kleine Gemüsestreifen bzw. –stückchen gaben eine angenehme Frische.

Und beim Fisch bzw. Meeresgetier war ebenfalls reichlich eingearbeitet: einige Muscheln, eine Garnele und diverse Fischstücke.

Zusätzlich habe ich Fenchelaromen verspürt, wenn ich mich nicht irre.

Eine krosse Weißbrotscheibe lang als Bekrönung obenauf.

Es war eine schmackhafte und sättigende Speise zugleich.

Kokos-Currysuppe mit Shrimps

Suppen, die in eine „Bouillabaisse-Richtung“ gehen, mag meine bessere Hälfte nicht gerne. Daher tauschten wir den Gang aus. Das war auch kein Problem. Die feinporige Suppe sah nicht so üppig aus wie die Fischsuppe. Sie war aber sehr fein im Geschmack und hatte eine prächtige Konsistenz. Der Geschmack war gelungen ausgeglichen zwischen Kokos und Curry. Frische Schnittlauchstückchen und einige Shrimps rundeten das Gericht ab.

Winterkabeljau auf Linsengemüse

Die Linsen waren auf den Punkt gegart. Wenn sie durch längere Wärme mehlig werden, sind sie für uns fast ungenießbar. Das geschieht leider sehr schnell. Aber wie gesagt, hier waren sie absolut gelungen. Auch die ganz feinen, kleinen Möhrenstückchen passten gut dazu. Die schaumige und cremige Saucenbegleitung machte das Gemüse perfekt.

Der Fisch – wohl ein Loin vom Skrei – war kross auf der Haut gebraten und wohl auch unter einem Grill oder Salamander gewesen.

Die Lamellen des Kabeljau waren dadurch nicht so locker untereinander, wie wenn er pochiert wird. Der Fisch neigt nämlich – nach meiner Erfahrung - beim Braten (ohne Haut) leicht dazu zu zerfallen. Zu Hause nehme ich das in Kauf, weil der Skrei so wunderbar aromatisch im Grundgeschmack ist.

Doch die Knusprigkeit dieser Variante hat uns gut zugesagt, auch wenn das Fleisch dann etwas fester wird.

Crème brûlée mit Mangosorbet

Die Creme brulee war perfekt gemacht. Sie hatte herrliche Vanillearomen – das besondere daran war, dass dazu Tonkabohnen verwendet worden waren. Die karamellisierte Oberschicht war knackig und harmonisch zur locken Masse darunter.

Das Mangosorbet war dazu ein kalter Gegenpart. Erstaunlich war die lockere und cremige Konsistenz der Sorbet-Masse. Ich hatte es auch für Frucht-Eis durchgehen lassen.

Ein Klassiker, aber immer wieder gut. Besonders erfreulich, wenn es so schmackhaft ausfällt.

Getränke

Haaner Felsenquelle feinherb (0,75l) 

Gratien & Meyer Crémant de Loire Brut (50 % Chenin Blanc, 10 % Cabernet Franc, 40 % Chardonnay) 

Akoholfreier Cocktail: Monin Bitter mit Tonic Water 

Weinbegleitung

Haus Sonnenberg Neuleiningen (Pfalz) Familie Nippgen, 2016 Blanc de Noir – trocken  

Weingut Neef-Emmich Bermersheim (Rheinhessen) 2016 Grauer Burgunder trocken  

Weingut Landauer Beerenauslese Cuvee von Rieden 2015 (Burgenland/Österreich

Kaffee – Espresso/Espresso macchiato je 3,00 € pro Tasse mit einem kleinen Gebäck

Fazit

4 – gerne wieder. Im Bistro geht der Lunch zügig von der Hand. Die Gerichte sind klar und zugänglich.

Für einen längeren Besuch oder mehrere Gänge werden wir aber nach wie vor lieber im Gourmetrestaurant einkehren (dort: unbedingt wieder).

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 22.02.2018 – mittags – zwei Personen

 

 

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Februar 2018: Fischmenü in der Post

Das Fischmenü ist für uns ein Muss

2018 fielen „Aschermittwoch“ und „Valentinstag“ auf das gleiche Datum. Gibt das ein Problem oder ein Gewissenskonflikt (für mich)? Traditionelles Fischessen oder ein romantisches Valentinstags-Dinner bei Kerzenschein?

Nein! Für mich ist das keine Frage. Feste wie Halloween oder Valentinstag sind mir schnuppe (sorry America).

In diesem Jahre blieb ich sogar am Mittwoch ganz zu Hause, aber buchte den Freitag für das Fischmenü – in der Post in Odenthal. Mir wäre auch der Aschermittwoch recht gewesen, aber terminlich passte es nicht so gut für die beiden anderen Teilnehmerinnen aus der Familie.

Genau zum Freitag passt ein Fischmenü (für einen Katholiken) sogar (fast) immer: Das Kirchenrecht bestimmt in den Canones 1250–1253 des CIC, dass alle Freitage, die nicht auf ein Hochfest (und der Valentinstag gehört keinesfalls dazu) fallen, für die Gläubigen als Bußtage gelten.

Dies bedeutet allgemein die Abstinenz von Fleischspeisen. Aber es gibt auch eine Menge Möglichkeiten das Gebot zu umgehen (insbesondere zu Fastenzeiten). Mönche im Mittelalter zum Beispiel waren darin besonders erfinderisch. Fisch als „Fleischersatz“ war ja erlaubt. Viele Stifte und Abteien  legten sich daher Teiche an, um stets versorgt zu sein. - Soweit so gut.

Aber die „Naturbetrachtungen“ der frommen Klostermenschen führte auch dazu, dass auch neue „Fisch-Spezies“ entdeckt wurden: Zum Beispiel der Biber. Mönche erklärten ihn einfach zu einem fischähnlichen Wassertier und schon war er ein „erlaubter Leckerbissen" auf dem vorösterlichen Speiseplan.

In der „Post“ werden wir sicher keine solchen „Überraschungen“ auf den Teller bekommen.

Nach dem Motto „Was flüssig ist, bricht kein Fasten“, brauchen wir uns bei den Getränken auch keine Sorgen machen.

So machten wir uns frohgemut zu dritt auf den Weg ins Gourmetrestaurant.

Die verkosteten Speisen

Fischmenü an Aschermittwoch, Donnerstag und Freitag, den 16. Februar 2018 –

Sieben Gänge und mehrere Grüße aus der Küche

Wir bekamen gleich einen kleinen Windbeutel gereicht, der mit Forellenkaviar und geräucherter Lachsforelle angereichert war.

Auf dem Löffel sah das kleine Backwerk sehr einladend aus.

Der Brandteig außen war zwar leicht trocken aber die Füllung war schmackhaft und die Räucheraromen angenehm im Mund.

In einem Holzkasten wurden danach viererlei Brotscheiben mit zweierlei Aufstrichen  (Kräuter- bzw. Salzbutter) serviert.

Es handelte sich um verschiedene helle und dunkle Arten sowie von locker bis knackig.

Weitere Grüße aus der Küche bestanden aus einer Auster und einer Fischsuppe.

Die Auster war gratiniert und auf Blattspinat angerichtet. Sie mundete uns ausgezeichnet. Und die Fischessenz im Reagenzgläschen war so kräftig und aromatisch, dass wir davon gerne mehr probiert hätten.

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Red King Salmon| Rote Bete | Quinoa

Der herrlich frische “König der Lachse” hatte absolute Sashimi-Qualität und hatte tollen Schmelz. Zusammen mit den diversen Rote-Bete-Zubereitungen (mariniert, Chip, Saft etc. – von herb bis süß) ein köstlicher Genuss – da musste der kleine Quinoa-Salat den dritten Platz belegen – aber er war auch gut gemacht.

Zu unserer großen Freude kam nun ein weiterer Gruß: ein Störgericht.

Der Zuchtstör kommt aus dem oberbergischen Wipperfürth (und hat uns schon bei früheren Besuchen erfreut). Er war kross gebraten und von Möhrenschaum und Sellerie-Püree begleitet. Aber oben hatte der Fisch auch noch eine kleine Haube von Kaviar aus St. Augustin.

Das Gericht hat uns sehr angesprochen.

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Seeteufel gebraten | Meeresfrüchteragout | Kopfsalataufguss

Nach dem Stör-Gruß fiel das Niveau in keiner Weise ab. Der Seeteufel war perfekt gewürzt und gebraten. Ein krosser Chip lag obenauf und darauf befand sich noch ein kleiner Ast vom Meeresspargel. Unter dem Filet war aus Muscheln ein schmackhaftes Ragout angerichtet. Der Aufguss war feinporig aufgeschäumt. Ich mag diese luftigen Saucen.

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Jakobsmuschel | Cerealien | Joghurt

Wir lieben Jakobsmuscheln – und in der Post werden sie stets außen kross und innen glasig zubereitet. Aber heute war die Muschel für uns nicht der Hauptdarsteller auf dem Teller; denn das „Buttermilchsorbet“ war für uns der große Knaller. Auch die Stückchen von „Apfelkuchen“ gaben eine feine Süße als Kontrast zum herberen Sorbet ab. Die „Frühstücksflöckchen“ wussten uns auch zu überzeugen. Eine Art Joghurt-Dressing rundete das Gericht ab.

Für uns war gerade dieser Gang überraschend und eine neue Facette in der Post-Küche.

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Skrei von den Lofoten | Senfsauce | Pak Choi

Winterkabeljau braten wir uns auch oft zu Hause. Der Skrei überzeugt mit kräftigen Grundaromen. Er besticht durch seine Lockerheit, seine Lamellen lösen sich direkt nach dem Anschnitt. Damit unterscheidet er sich von den festen Sorten wie Stör oder Seeteufel. Der Kabeljau war auch eher konfiert oder gedünstet worden und nicht kross gebraten; so kommt der Eigengeschmack besonders gut zur Geltung.

Der köstliche Fisch war oben noch mit einer großzügigen Portion Perigord-Trüffel behobelt worden. Eine erfreuliche Ergänzung. Etwas Kartoffelpüree befand sich noch auf dem Teller. Eine Senfsauce verband die einzelnen Komponenten harmonisch. Ein Stück Pak Choi setzte einen farblichen Kontrast dar. Das Gemüse war leicht blanchiert – es wird sonst in Windeseile weich oder sogar matschig.

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Kalamansi – Zitronengranitée

Das kleine Glas mit Granitée erfüllte seine Aufgabe: Das gestoßene Eis war erfrischend und hatte feine bittere Noten. Die Kreuzung von Kumquat und Mandarine ist weder ausgesprochen süß noch sauer, aber eben etwas bitter.

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Atlantik Steinbutt mit Champagnerschaum | Pommes Dauphine | Cima di rapa

Der Fisch wurde wiederum kross gebraten. Auch wenn Kaviar schon einmal im Spiel war, gefiel mir der erneute Einsatz. Die Kombination überzeugte mich. Der Kaviar hatte für mich keine spürbaren salzigen Noten, sondern war sehr ausgewogen. Das Fischfilet war aber auch pur sehr schmackhaft, die feinen nussigen Noten mag ich besonders gerne.

Das Gemüse (der Stängelkohl) erinnerte mich geschmacklich an Spinat bzw. Brokkoli. Die Schaumsauce passte sowohl zum Fisch als auch zum Gemüse. Die Kroketten-Birnen waren außen kross und innen cremig. Die rot-braunen Halbkugeln im Außenbereich des Tellers brachten durch ihre Tomatennoten herb-süße Aromen zum Gericht.

Ein würdiges Hauptgericht.

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Warmes Mohntörtchen| Marillensorbet | Schokoladenerde

Das Gebäck war locker und leicht zubereitet. Die Mohntöne waren dezent im Geschmack und der reichlich eingearbeitete Mohn war nicht feucht, wie bei einigen Kreationen in Konditoreien, sondern eher trocken. Damit war für mich das Küchlein nur Begleiter der beiden herrlichen Eiskreationen: das kräftige Aprikosen-Eis und das dezente cremige Joghurt-Eis. Dazu die Schokoladen-Erde, die weniger Kakaoanteile enthielt als eine dunkle Sorte und so ebenfalls nicht markant, sondern zurückhaltend wirkte. Ein großer Krokantchip in Form eines zweidimensionalen Eishörnchens brachte Süße noten.

Zusätzlich bekamen wir noch ein Glas, das oben eine üppige Zuckerwatte und unten einen kräftigen, weichen Karamell enthielt.

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Zum Abschluss orderten wir noch zwei Espresso und einen Tee aus frischer Minze. Dazu wurden diverse Pralinen in verschiedenen Geschmacksnoten als Petit fours angeboten. Dabei gibt es helle und dunkle Ausrichtungen.

Die gewählten Exemplare wurden in kleine Porzellanschüsselchen befördert. Die Schleckereien werden zugekauft und nicht im Hause hergestellt. Wahrscheinlich sind es belgische Exemplare. Sie schmecken durchaus gut.

Weinbegleitung

* Gewürztraminer Classic AOC 2015 - Hugel & Fils Alsace / France

* Grauburgunder trocken 2016er - Fischer Kaiserstuhl / Baden

* Alvarinho trocken 2016 – Künstler Rheingau

* Sancerre AC Cuvée "Genèse" 2015 (Sauvignon Blanc) - Jean-Max Roger Loire / France

* Birkweiler Rosenberg Chardonnay Erste Lage 2014 - Weingut Dr. Wehrheim Pfalz

* Kracher Cuvée Beerenauslese edelsüß (Rebsorten: 60% Welschriesling | 40%   

   Chardonnay) – Burgenland / Österreich

Die glasweise Weinbegleitung passte recht gut zu den Fischgerichten bzw. dem Dessert. Die Sorten waren abwechslungsreich gewählt; insbesondere die portugiesische Rebe Alvarinho hatte ich bisher nicht im Anbau aus dem Rheingau kennen gelernt (laut Wikipedia heißt Albariño übersetzt „die kleine Weiße vom Rhein“ – aber wohl nicht mit dem Riesling verwandt – wird in Portugal überwiegend für Vinho Verde eingesetzt)

Alkoholfreie Getränkebegleitung

* Markus Molitor Haus Klosterberg Traubensaft Rivaner

* Basilikum-Limomade

* Gurken-Limonade mit Ingwer Aromen

* Ginger Ale mit Dillöl-Zusatz

* Kräuterlimonade mit aufgeschlagenem Basilikum

* Rosenlimonade

Die sehr abwechslungsreichen Aromen dieser Getränke stellen durchaus eine Alternative zum Wein dar. Besonders die Gurken- bzw. Dillöl-Limo fand ich bemerkenswert.

Fazit

5 – unbedingt wieder - in der „Post“ in Odenthal schmeckt es uns; ebenso sind für uns Ambiente und Service stimmig.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 16.02.2018 – abends – drei Personen

Die Post bei Nacht.

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Dezember 2017: Kloster Kamp - Lunch im Haus Alte Schmide

Kleines Bistro neben der Abteikirche mit prächtiger Küche

Wir waren vor ein paar Monaten (Ostern) hier nachmittags Kuchen essen. Das Lokal hat uns so gut gefallen, dass wir hier gerne auch einmal lunchen wollten. Beim Verlassen des Hauses warfen wir einen Blick auf die aktuelle Menü-Karte an der Türe. Das las sich äußerst viel versprechend.

Der Pächter und Koch Leon Mratschkowski übernahm 2012 das Haus. In einem Zeitungsbericht im Jahre 2014 beschrieb er seinen Stil als moderne europäische Küche mit klaren Komponenten. Ein bestimmtes Thema gibt es auf seinen häufig wechselnden Speisekarten jedoch nicht.

Ambiente

Die klare Gliederung des Gastraumes hatte mir schon beim ersten Besuch zugesagt. Die Ziegelsteinmauern geben eine klare Struktur. Die Holzdecke im Fachwerkstil passt dazu.

Die Dekoration an den Wänden ist nicht überladen. Zwei Leuchter geben das passende Licht.

Tische und Stühle sind aus dunklem Holz. Die Platte zeigt eine Maserung und wirkt durch die Schattierungen darauf recht rustikal. Nur eine kleine Vase mit einer frischen Blume dient als weiterer Blickfang.

Die Abstände der Plätze sind groß genug, um sich wohl zu fühlen.

Im Sommer oder bei warmem Wetter gibt es draußen einen großen Bereich zum Verweilen und Entspannen.

Service

Der junge Mann, der uns betreute war freundlich und gab uns bereitwillig Auskünfte zu unseren Fragen. Er erkundigte sich auch im Weiteren nach unserem Befinden. Das machte er alles routiniert und tadellos. In kleinere Gespräche ließ er sich aber nicht unbedingt verwickeln; aber er hat seine Arbeit ordentlich erledigt.

Die Karte(n)

Mittags ist die Karte, die es als DIN-A-4-Druck auf schwerem Papier und gut lesbarer Schriftgröße gibt, relativ klein; aber durchaus ausreichend, um mehrere Gänge zusammenzustellen. Das Menü besteht aus drei Gängen, bei dem es zum Hauptgericht zwei Angebote gibt und eine vegetarische Variante.

Die verkosteten Speisen

Dreimal wählten wir das Menü (20,00 €). Wegen vieler Unverträglichkeiten wollte unsere Verwandte jedoch nur puren Thunfisch (22,00 €) mit Pommes Frites und etwas Salat (4,50 €) als Vorspeise.

Vorweg bekamen wir frisches selbstgebackenes Kartoffelbrot. Wir erhielten zwei kleine Laibe. Sie waren sehr schmackhaft und hatten auch eine leicht krosse Kruste. Sie waren in mundgerechte Stücke geschnitten.

Dazu gab es eine Paste in zwei Schüsselchen: Ein Preiselbeerfrischkäse. Obwohl er eine süße Ausrichtung hatte, passte er harmonisch zum Brotaroma.

Herbstliche Vorspeisenvariationen

Dazu erhielten wir drei Schüsselchen mit einer Kartoffelsuppe, einer Kürbissuppe und einem Salat.

Die Kartoffelkreation war ein cremiger Schaum; für eine Suppe zu dick, aber trotzdem schmackhaft. Vielleicht etwas zu wenig gewürzt, doch dadurch blieb natürlich die Kartoffel sehr präsent.

Der Salat bestand aus Radicchio, Apfel, Büffelmozzarella, Körnern und Walnüssen. Eine delikate Kombination aus Süße und Säure, Cremigkeit und dezenten Bitternoten. Etwas Salz und Pfeffer am Dressing aus Öl und Essig verband die Einzelteile. Für mich sehr gelungen.

Auch das Kürbisgericht hat mich äußerst angesprochen. Für eine Suppe vielleicht zu dick, aber mit gerösteten Kernen, etwas Kürbisöl und Salz und Pfeffer herrlich abgeschmeckt und luftig aufgeschäumt, genau mein Fall.

Der Wildkräutersalat bestand aus Blättern von verschiedenen Salaten und Gemüseteilen. Dazu eine wunschgemäß einfache Öl-Essig-Mischung.

Thunfischsteak, Katsuobushi-Sauce, Brokkoli, Wildreisbällchen.

Aus geräuchertem und getrocknetem Bonito wird diese Sauce gewonnen. Die zu Fischflocken verarbeiteten Stücke dienen in Japan als Grundlage zu Dashi. Recht intensive Geschmacksnoten bestimmten die Aromatik der Sauce. Ich fand diese Richtung nicht nur interessant, sondern gut passend zum Teller. Aber nicht alle am Tisch waren ebenfalls der Meinung. Es war eher ein Unentschieden 2:2 von Gefallen und Ablehnung.

Der Brokkoli war schön grün, hatte noch Biss und war nur sanft gewürzt. So mag ich das Gemüse; schrecklich ist es für mich, wenn er total weich ist und seine Farbe ins Grau-braun wechselt.

Der Wildreis war ebenfalls nicht zu weich gekocht, zu Kugeln geformt und leicht frittiert. Auch hier war eine Rauchnote eingearbeitet worden.

Wem diese Zusammenstellung suspekt erscheint, ist auch mit den dicken krossen Pommes gut bedient.

Der Thun war perfekt gebraten: außen kross und innen rosa.

Gleichfalls sehr schmackhaft pur sowie in Kombination mit der Sauce.

Käsekuchencreme, Passionsfruchtschaum und Orangen-Granité

In einer tiefen Schale kamen diese drei Bestandteile zu uns an den Tisch. Die helle Käsekuchencreme hatte mit Käsekuchen nichts zu tun. Die Konsistenz war weich, der Geschmack entsprach aber einer Kuchenfüllung. Das Granité schmeckte stark nach Orange und war durch die körnigen lockeren Kristalle sehr erfrischend auf der Zunge. Der Fruchtschaum hatte eine dritte bzw. weitere Art fürs Mundgefühl.

Auch dieser Nachtisch war gelungen.

Getränke

Mineral-Wasser 

Riesling: Fruchtig mit feiner Säure

Chardonnay: Etwas kräftiger, Anklänge an Holz, leichte Tannine

Beerenauslese: Passende Süße zum Dessert

Die Weine waren glasweise zu haben.

Espresso: Nicht zu kräftig geröstet, eher sanft

Tee von Minze: Erfreulich aus frischen Kräutern

Preis-Leistungs-Verhältnis

Das Lunch-Menü halte ich für wirklich günstig. A-la-carte sind die Gerichte einzeln etwas teuerer, aber noch im Rahmen (zum Beispiel: Thunfisch als Hauptgang 22 € - Menü mit Thun 20 € und noch zwei weitere Gerichte). Weil ich Käse mag, würde ich beim nächsten Mal wahrscheinlich eine Portion dazu nehmen. Aber man wird auch von den drei Gängen angenehm gesättigt. Allerdings kann man das wohl mit nur einem Hauptgang nicht erreichen

Fazit

4 – gerne wieder. Das Menü machte uns Spaß. Auf dem Teller befanden sich wenige Komponenten, die aber wirklich in meinen Augen optimal zubereitet waren und untereinander bestens harmonierten.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 03.12.2017 – 4 Personen - mittags

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Helmut Thieltges (* 24. September 1955 in Dreis † 26. Juli 2017 in Trier) war ein deutscher Dreisterne-Koch.

In Dankbarkeit für großartige Stunden.

Kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti

Imperial-Kaviar ist die Bezeichnung für hellen, goldbraun schimmernden Kaviar mit einer Korngröße von 2–2,5 mm. Herr Thieltges bezieht ihn aus einer Zuchtstation in Belgien wie mir der Kellner verriet. Bisher habe ich noch nie ein Gericht mit 20 Gramm Kaviar verkostet. Lediglich auf einer Food-Messe habe ich einmal deutschen und russischen Zuchtkaviar probiert. Die eine Sorte war ganz angenehm, die andere überwog in salzigem Geschmack. Daher war ich recht neugierig.

Der Gold-Kaviar heute war viel aromatischer und mit den bisherigen Erfahrungen nicht vergleichbar. Das Rindertatar war ebenfalls traumhaft abgeschmeckt. Unten war das Kartoffelrösti wie ein Boden bei einer Torte die Grundlage. Darauf war eine üppige Schicht vom Tatar. Eine weitere Schicht besteht aus gewürzter Crème fraîche und darauf als Abschluss ein herrlicher Belag aus nussig-jodigem Kaviar. Das Geschmackserlebnis, das ich dabei hatte, möchte ich nicht missen. Ich hoffe mich lange daran erinnern zu können; denn es war köstlich. In einigen Berichten haben Genießer dieses Gericht als einzigartig bezeichnet – nun gehöre ich auch dazu.

Kross gebratene Medaillons vom Kalbsbries mit Maccaroni-Charlotte und Pfifferlingen uns Sauce Perigourdine

Damit nicht genug: Jetzt folgte das Bries (welch ein Glück, dass wir diesen Gang auch bestellt haben – eigentlich schaffen wir im Sonnora nur fünf Gänge und lassen zwei aus. Auch der Käse ist hier gut gereift und wird in einem fahrbaren Klimaschrank zum Gast gefahren – wir nennen das Gerät scherzhaft „Inkubator“).

Wir haben schon in vielen Restaurants Bries verkostet und auch fast immer gute Ergebnisse erhalten. Aber besser ist der Feind von gut. Hier sind die gebratenen Medaillons einfach unvergleichlich für mich (ich bin noch nicht überall gewesen und daher gibt es sicher auch in anderen Gasthäusern beste Varianten). Die Röstaromen und die Zartheit überzeugen mich. Aber selbst das ist nicht der einzige Pluspunkt auf dem Teller. Die Charlotte aus der italienischen Teigware ist ein Ganzstück. Die Füllung mit den Pilzen und der Sauce ist der Hammer. Eine Demi-Glacé wird mit Trüffelstückchen verfeinert. Gelegentlich habe ich Trüffel als Teil eines Gerichtes serviert bekommen; oft war ich enttäuscht, weil ich den typischen Geschmack oder den unvergleichlichen Duft vermisst habe. In dieser Sauce habe ich die Aromatik aber gefunden. Jeder kleine Bissen hat meinen Gaumen erfreut.

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