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Mai 2022 - PVLS, Köln

Neues Konzept in einer Umgebung von diversen Brauhäusern und Kneipen

Allgemein

YouDinner konnte einen Termin zum Pre-Opening der neu eröffneten Restobar Puls von Gastronom und Sternekoch Daniel Gottschlich festmachen. Ende Mai 2022 soll dann der offizielle Start sein.

Die Restobar „Puls“ liegt in der Kölner Altstadt; mitten im historischen Stadtzentrum. Sie befindet sich direkt auf der Via Culturalis auf dem Fundament der römischen Stadtmauer. In unmittelbarer Nähe liegt das Praetorium, der ehemalige Sitz des Statthalters sowie das Kölner Standesamt.

Der Name des Lokals soll auf eine römische Speise hinweisen. Die Puls war ein zumeist aus Dinkel oder Emmer hergestellter Getreidebrei. Im antiken Rom war er das Grundnahrungsmittel der Bevölkerung und besaß auch eine religiöse Bedeutung. Einige Gerichte auf der Karte lehnen sich auch an römische Rezepte an.

Das Konzept „Resto-Bar“ soll auf vielerlei Weise umgesetzt werden: Es wird kein „normaes“ Menü geben, sondern Gerichte zum Teilen und Probieren und Selbstzusammenstellen.

So hat man die Wahl von kleinen Gerichten bis zum ausgiebigem Mahl. Die Bar ist ein weiteres Kernstück mit Champagner und Drinks an der Theke. Aber es gibt auch Kölsch vom Fass (Früh) und ein breites Weinangebot.

Man kann an dabei an der Bar sitzen, an Hochtischen oder normalen Tischen Platz nehmen – im Sommer soll es auch noch Außengastronomie geben. Die Gäste sollen von kurzen bis längeren Aufenthalten abwechslungsreich versorgt werden. Also umgangssprachlich handelt es sich um eine „Eierlegende Wollmilchsau“ - auf jeden Fall ist das Angebot sicher einzigartig unten all den Brauhäusern in der Altstadt.

Sauberkeit

Alles wirkte perfekt gepflegt.

Sanitär

Die Anlagen sind im hinteren Teil untergebracht und ebenerdig zu erreichen. Für Damen und Herren gibt es je einen geräumigen Bereich (kann zu „Wartezeiten“ führen).

Service

Vier junge Männer und Frauen kümmerten sich um uns. Sie waren aufmerksam und freundlich und waren offen für kleine Gespräche. Auch der Patron Daniel Gottschlich war anwesend und erklärte Speisen und Konzept des Hauses.

Die Stimmung war stets heiter und erwartungsvoll.

Die verkosteten Speisen

Snacks

Tatar vom Thunfisch – Limette – Jalapenjo – Buttermilch

Arancini – Mimolette – Pistazie – Piment d'Espelette

Knusper Tartelettes – Räucheraal – Grüner Spargel – Rhabarber – Rucola

Maggi Ei – Nussbutter – Liebstöckel – Bio Eigelb - Croûtons

Das Tatar war in einer ausgehöhlten Zitronenschale untergebracht. Das sah schon interessant aus. Oben konnte ich zuerst nur die Buttermilchcreme mit einigen Kräutern erkennen. Aber unter der Oberfläche waren reichlich Thunfischstückchen zu finden. Jedoch war der Geschmack der an sich feinen Creme recht dominant und leicht scharf. Da hatte der zarte Thun es etwas schwer sich durchzusetzen.

Das Reisbällchen mit der Käsefüllung hatte herrliche Aromen und konnte mich voll überzeugen. Davon hätte ich noch ein paar mehr gegessen; aber es folgten schließlich weitere Kreationen, die auch volle Aufmersamkeit verdienten.

Denn schon das nächste Küchlein war ebenfalls eine Aromenbombe. Fisch und Gemüse ergaben köstliche Geschmackserlebnisse. Auch ein Treffer – für mich.

Das Ei ist ein Klassiker aus Ox&Klee. In einer Eierschale befinden sich diverse Zutaten, die zu einer Creme gemischt wurden. Mit dem kleinen Löffel in den Mund geführt, werden die Geschmackssinne ebenfalls herausgefordert und erfreuen das Herz.

To Share

Puls Fabata – Creme von Weißen Bohnen – Artischocke – Tomate

Deutscher Spargel – Macadamia – Passionsfrucht – Kerbel

Moretum mit Maisbrot

In dieser Abteilung kamen nun die Anklänge zur Römerzeit zur Geltung. Der „Getreidebrei“ befand sich in einer Schüssel und konnte dort entnommen werden. Schließlich waren das die Gerichte zum Teilen.

Geschmack war erdig und kräftig. Eine kleine Portion war anregend und schmackhaft; allerdings würde ich mich davon nicht wie ein Römer alleine sättigen lassen. Aber die Leute bekamen eben diesen „Eintopf“ recht häufig.

Der Spargel war für mich ein Höhepunkt der Speisenfolge. Die Stücke waren noch knackig, aber sehr aromatisch; sicher trug dazu der köstliche grüne Sud erheblich bei.

Die Pesto artige Creme war ebenfalls durch fruchtige und kräftige Zutaten sehr schmackhaft und passte sehr gut zum gerösteten Maisbrot.

Special

Wild gefangener Heilbutt – Kaviar – Beurre Blanc – Erbse

Das Fischfilet war fein gegart, es hatte eine feste Konsistenz und war trotzdem saftig und hatte einen feinen Geschmack. In der hellen Sauce befanden sich auch bunte Kugelchen; das muss der Kaviar gewesen sein. Geschmacklich sind mir die perlen nicht besonders aufgefallen. Das Erbsengemüse hat mir zugesagt und neue Aromen zum Fisch geliefert.

Main

Onglet vom Rind – Trüffeljus – Gerösteter Knoblauch

Das Fleischstück war sorgfältig gebraten. Dadurch entfalteten sich die Geschmacksstoffe. Saftig war dass Stück auch noch.

Sides

Kartoffel-Parmesanschaum – Puls Wildkräuter – Gebackenes Topinambur – Gelbe Bete mit Orange und Ingwer

Diese Zutaten wurden in einzelnen Schälchen serviert und sollten auch wieder mit den anderen Tischgenoss*innen geteilt werden. Sogar die Salatsauce wurde in einem Fläschchen gereicht und wir „dürften“ das Dressing selber anschütten.

Der Salat war schmackhaft, das Dressing passte. Die Gelben Bete Stücke waren durch die Aromatisierung für mich neu im Geschmack, aber recht angenehm.

Die Topinamburchips waren relativ fest und leicht hart. Der Parmesanschaum passte sehr fein zu den anderen Zutaten.

Dessert

Caesars Gold“ by Hannes Radeck

Der Nachtisch sah kupferfarben und wie eine große alte Münze aus. Der Teig war aus Nüssen, Beeren und Kräutern gebildet. Wegen meiner Nussunverträglichkeit bekam ich jedoch eine Alternatve.

Erdbeerschale

In der großen Schale befand sich eine weiße Creme. Ich vermute es war Joghurt. Obeauf schwamm eine Nocke von rotem Fruchteis – wahrscheinlich Erdbeere. Das Eis cremig und intesiv im Geschmack. Unter der Sauce befanden sich reichlich marinierte kleine Erdbeerstücke. Das schmeckt erfrischend und bodenständig. Meine Nachbar*innen fanden übrigens das Godtstück nicht besonders interessant im Geschmack.

Windbeutel und Pistazienpraline

Bei Windbeutel waren wir uns wieder einig, dass er sehr gelungen sei. Der Teig war fluffig und die Füllung cremig und sahnig. Die Praline hatte angenehme Aromen von Schokolade und Pistazie.

Espresso

Der kräftige Kaffee rundete ein recht gelungenes Abendessen passend ab.

Getränke

Minaeralwasser still und medium / Haus-Cocktail / Gunderloch Nierstein Riesling

Ich habe mich auf die Speisen konzentriert und nur etwas Wein und den Cocktail verkostet. Ggf. mache ich demnächst einmal eine Runde und nehme mir dann die Getränke schwerpunktmäßig vor.

Fazit

4 – gerne wieder. Paare können an den kleinen Tischen gut sitzen; auch kleinere Gruppen finden an zusammengefügten Plätzen Möglichkeiten zu verweilen. Ob sich der Bar- oder Restaurant-Sektor mehr durchsetzen wird, erscheint mir offen. Ob das Konzept auch mit „Laufkundschaft“ oder „Altstadtbummlern“ angenehm bleibt, wird sich zeigen.

Die Speisen waren jedenfalls für mich ausgezeichnet und haben mich fast durchgängig sehr efreut.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 20.05.2022 – abends – 1 Person (Gruppe von YouDinner)

 

 

 

 

 

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Mai 2022 - Postschänke, Odenthal

Angenehmer Aufenthalt

Allgemein

Die Post in Odenthal ist eben eines unserer Lieblingsorte. Mittags macht allerdings in der Woche das Gourmetrestaurant nicht mehr auf. Aber auch die Schänke ist nicht zu verachten. Den BIP gibt es zwar nicht mehr, aber eine positive Erwähnung im Führer schon.

Und wir lieben eben den Lunch bzw. das Mittagessen grundsätzlich und ziehen es dem Abendmahl meist vor.

Ambiente

Das Lokal ist das Bistro der Post. Es ist im gleichen Haus untergebracht. Nach dem Betreten liegt es rechts – das Sternelokal etwas weiter hinten links.

Die Tische stehen eng beieinander – wie das so verbreitet ist. Uns sind größere Abstände persönlich lieber – bei drei Personen hat man aber immerhin schon zwei kleine Tische für sich.

Auf dem blanken Tisch gibt es eine weiße Platzdecke. Das Besteck ist ordentlich und auch eine kunstvoll gefaltete Stoffserviette steht auf dem Brotteller.

Service

Heute stemmte die Chefin selbst den Service. Das machte sie mit gewohnter Routine und Eleganz. Sie machte das locker alleine. In der Gourmetabteilung am Abend wieseln wesentlich mehr Leute umher. Aber das war mittags auch gar nicht nötig. - In der Küche werkelten deutlich mehr Köche umher.

Die Karte(n)

Ein Menü in 3 oder 4 Gängen (auch einzeln bestellbar) und die Empfehlungen des Küchenchefs (jeweils saisonal und schnell wechselnd) sowie eine Getränkekarte.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten das Schänkenmenü in drei Gängen

Thunfischtatar mit Mango - Asiasud | Sesam (13 Euro)
oder
Carpaccio von alten Tomatensorten - Burrata | Basilikum-Pesto | Rucola (13 Euro)

Vorweg bzw. dazu gab es Brot. Es handelte sich um drei Sorten. Das Körnerbrot hat uns am besten gefallen.

Beide Gerichte der Vorspeise haben wir probiert (wie waren drei Personen und da haben wir unterschiedlich gewählt).

Ich liebe alte Tomatensorten und mag auch Basilikum-Pesto. Jedoch stehe ich nicht so auf Burrata; der Käse ist mir oft zu weich und cremig.

Thun

Und Thunfischtatar war dann die größere „Versuchung“. Ich habe die Wahl auch nicht bereut. Der Fisch war pikant und der Sud schmeckte mir großartig. Die Reste davon habe ich mit Brot aufgetunkt.

Aber auch die Tomatenscheiben waren gut gewählt und schmackhaft angerichtet (wurde mir berichtet).

Tomaten

Lammhaxe - Bohnenragout | neue Kartoffeln | Thymianjus (26 Euro)

oder
Island Lachs - Blattspinat | hausgemachte Tagliarini | Beurre Blanc (24 Euro)

Die Suppe haben wir nach kurzer Beratung ausgelassen. Eigentlich lieben wir alle Arten von Spargelgerichten; aber heute wollten wir auch noch später ein Stück Kuchen essen – und da wurde die Suppe gestrichen.

Beim Hauptgang musste ich auch nachdenken. Vor einigen Tagen hatte noch Bergisches Weiderind auf der Karte gestanden (Internet). Dort wurden auch kurzfristige Änderungen angekündigt. Die Maultasche wollte ich auch nicht unbedingt.

Fisch wollte ich aber nicht; vor den Schmorgericht hatte ich leichte Bedenken. Aber dann habe ich die Haxe bestellt.

Und es war auch kein Fehler! Das Fleisch war mager, saftig und weich gegart. Auch die Sauce passte ausgezeichnet dazu. Das Bohnengemüse war auch recht gelungen. Die grünen Bohnen waren noch leicht bissfest und die weißen und roten Bohnenkerne waren noch leicht knackig.

Die Kartoffeln waren normal gegart und passten zur Jus.

Es war ein deftiger und schmackhafter Teller.

Meine „Damen“ nahmen den Fisch. Die Haut war kross, das Fleisch recht saftig – also gut gelungen. Der Spinat war nicht übergart und hatte noch eine schöne Farbe. Die selbst gemachten Nudeln wurden besonders gelobt.

Die helle Buttersauce wurde auf unseren Wunsch in einer extra Schale gereicht. So kann man die Menge und den Ort auf dem Teller selber bestimmen und dosieren.

Somit waren auch hier Geschmack und Menge genau richtig.

Marinierte Erdbeeren - Vanillerahmeis | Butterstreusel | Erdbeersorbet (9 Euro)

Der Nachtisch war abwechslungsreich und schön angerictet als Türmchen. Die Erdbeerstücke bildeten mit der Marinade den Unterbau. Etwas Butterstreusel lag daneben. Dann folgten Eis und Sorbet im Duett.

Am Tellerrand war noch eine kleine Scheibe Schokoladen-Kuchen. Das war sehr saftig und cremig und bestand fast pur aus dunkler Schokolade.

Getränke

Taunusquelle 0,75 l medium – 7,50 €

Hausaperitif 0,1l – 11,50 €

Rieslingsekt 0,1- - 9,50 €

2017 Artas Primitivo Salento Castello Monaci, I.G.T. Apulien - 0,1l – 7,50 €

2020 „Finesse“, Riesling Q.b.A. Weingut Kallfelz, Mosel - 0,1l – 6,50 €

Preis-Leistungs-Verhältnis

Am Menü-Preis gibt es nichts zu meckern. Die Getränke sind dagegen schon etwas höher kalkuliert. Aber durchaus im Rahmen.

Fazit

4 – gerne wieder. Als Lunch fast konkurrenzlos in der Gegend.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 12.05.2022 – mittags – drei Personen

 

 

 

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Mai 2022 - Neustadtschänke, Opladen

Ehemaligen-Treffen

Allgemein

Vor langer Zeit habe ich für einige Jahre in Opladen gelebt. Das war eine aufregende und auch prägende Zeit für mich. Ich besuchte mit über 100 jungen Frauen und Männern damals die Oberstufe des Landrat-Lucas-Gymnasiums (LLS1).

Heute war das Ehemaligen-Treffen unseres Abschlussjahrgangs in der Stadt.

Ich kann mich noch an einige Lokale von damals erinnern, aber an die Neustadtschänke gar nicht. Doch ich habe später dort an dieser Ecke oft beim jährlichen Karnevalsumzug gestanden. Früher war das Gasthaus wohl eine Kneipe mit Ganser Kölsch im Ausschank.

Vor der eigentlichen Wirtschaft war wohl noch ein Fenster mit Süßigkeiten und weiteren Artikeln eines Kiosks gewesen.

Ganser wird heute nicht mehr (regelmäßig) gebraut. Also wurde die Marke gewechselt und nun gibt es hier Sion Kölsch.

Das ist aus meiner Sicht sogar eine Verbesserung; denn Sion mag ich gerne, Ganser war nie mein Fall.

Weiterhin sehr günstig (für mich): Eine Buslinie hält direkt vor der Türe. Somit kann ich ohne Umsteigen sogar zurück nach Bergisch Gladbach fahren.

Das wichtigste bei einem Treffen sind natürlich die Gespräche untereinander.

Leider waren nur rund ein Drittel der damaligen Schüler*innen vor Ort. Aber über Verhinderte möchte ich nicht klagen, sondern mich über die Geschichten, die zur Sprache kamen, bedanken.

Quelle: Dr. med. Michael Kurre

Viele Einzelheiten hatte ich längs vergessen – durch das Treffen wurden einige Erinnerungen geweckt.

Somit war es ein ganz guter Tag in Opladen; schön, dass ich dabei sein konnte

Ambiente

Von außen ist die Wirtschaft wirklich nicht besonders schön anzusehen. Das liegt vor allem daran, dass das frühere Schaufenster von der Trinkhalle nicht mehr zu erkennen ist. Es wirkt wie ein schwarzer Verschlag – also nicht gerade einladend.

Doch innen erscheint eine Wirtschaft wie aus alter Zeit. Alles ist ordentlich gepflegt, aber auch leicht abgenutzt oder in die Jahre gekommen.

Es hat eben einen besonderen Charme – es erinnert mich zum Beispiel etwas an das berühmte Lokal Lommerzheim in Deutz – keine großen Veränderung seit dem Beginn der Bundesrepublik in den Fünfziger Jahren wurden vorgenommen.

Ein Glasfenster erinnert noch an die Ganser-Brauerei. Auch die Kölsch-Stangen sind teilweise noch aus der Zeit.

Es gibt aber auch schon Stücke, die auf Sion verweisen.

Sauberkeit

Alles wirkte ordentlich gepflegt.

Sanitär

Die Toiletten sind ebenerdig zu erreichen. Alles ist sauber. Jedoch klein und alt. Die Luft war leider nicht besonders angenehm. Aber man bleibt ja auch nicht lange dort.

Service

Die Wirtin der Neustadtschänke, Helga Müdder, ist eine rüstige ältere Dame, die unheimlich viel freundlichen Charme verbreitet. So soll bzw. muss eine „echte“ Wirtin sein: Aufmerksam, hilfsbereit und schlagfertig.

Sie ist das Lokal!

Getränke

Es gibt eben Sion Kölsch. Das war perfekt temperiert und optimal gezapft.

Andere haben Wasser, Bitburger, alkoholfrei oder Wein getrunken. Es gibt auch klassische Schnäpse.

Wer Hunger hatte, konnte im Haus nichts bestellen. Aber nebenan war eine Pizzeria und die lieferte auch in die Kneipe.

Davon habe ich keinen Gebrauch gemacht. Ich hatte lieber vorher in Bergisch Gladbach bei „Extrablatt“ das Frühstück eingenommen. Das ist solide und schmackhaft.

Aus Pappschachteln oder vom Plastikteller esse ich nicht gerne.

Auch wenn ich bei einem Bringdienst bestelle, richte ich auf Porzellan an. Aber das wusste ich ja durch den Text der Einladung vorher.

Das Essen sollte bei dieser Zusammenkunft auch keine Rolle spielen. Es ging um einen Ort an dem man sich unterhalten kann und ein paar Drinks einnimmt.

Mit Sion – für günstige 1,60 € in der 0,2 Liter-Stange – war ich völlig zufrieden.

Fazit

4 – gerne wieder. Für ein Kölsch-Nachmittag mit einer geselligen Truppe gut geeignet.

Es gibt auch „moderne“ Einrichtungsstücke. Wer Sportereignisse sehen möchte, kann auf große Monitore schauen und die Ereignisse verfolgen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 14.05.2022 – ab Mittag etwa 30 Personen

 

 

 

 

 

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April 2022 - Tanica, Köln
 

Meeresfrüchte gelingen vorbildlich

Allgemein

Vor längerer Zeit konnte mich das Team von Tanica mit seinen Meeresfrüchten recht gut überzeugen. Auch damals war YouDinner im Spiel. Allerdings fand das Treffen auf einer Terrasse am Hansaring statt – es war ein Sommer-Event.

Nun soll es aber ins Stammlokal vor Ort gehen. - Ich bin gespannt, ob es mir wieder zusagen wird.

Ambiente

Das Lokal hat viele Plätze, es gibt auch Außengastronomie. Die Einrichtung ist schlicht und funktional. Die Stühle sind bequem, die Tische sind blank und jeweils als Zweiertisch konzipiert – sie können daher auch variabel zu größeren Einheiten aufgestellt werden. Der Raum ist schon mit vielen Gästen - meist relativ jung - gefüllt. Oft sind es kleine Gruppen.

Insgesamt wirkt das Restaurant wie ein Bistro. Eine Tropfkerze und etwas Trockenblumen in Glasbehältern dienen als Dekoration. Das Besteck ist einfach, die Servietten sind aus Papier.

Service

Die jungen Damen und Herren waren sehr freundlich und empathisch zu den Gästen. Es wurde zügig serviert und abgeräumt. Besteck und Servietten wurden jeweils neu eingedeckt. Das war auch angemessen, denn einige Gänge erforderten etwas „Handarbeit“ (die Meerestiere waren überwiegend in großen Stücken gehalten und mussten von den „Schalen“ befreit werden – dazu gab es zusätzlich kleine Feuchttücher).

Das Minearlwasser wurde in Flaschen auf den Tisch gestellt und wurde stets gegen volle Ausgetauscht, wenn sie leer waren. Der Wein wurde aus Flaschen aufmerksam ausgeschenkt und bei Bedarf gerne nachgefüllt.

Auch der Restaurantleiter kümmterte sich um uns. Mathieu Clairon ist ein ausgewiesener Weinexperte; er war dafür eine Zeit im Vendome zuständig.

Wir hatten mit YouDinner eine Ecke mit fünf Tischgruppen zu vier bis sechs Personen.

Die verkosteten Speisen - Seafood Menü

Brot und Butter - Gillardeau Austern

Das Brot war ordentlich. Bei der Butter war man etwas knausrig in der Menge. Aber Brot wurde nachgelegt.

Die Austern (es gab zwei Stück) waren frisch und schmackhaft. Ich habe aber wiederum festgestellt, dass ich sie lieber leicht überbacken mag. Aber schlecht geschmeckt haben sie auf keinen Fall.

Gang 1: Thunfisch Sashimi – Rosso di Mazara – Lachsforelle

Auf einer Schiefertafel wurden für drei Personen die Stücke serviert. Davon konnten wir uns dann bedienen.

Die rote Garnele war mariniert und schmeckte mir recht gut. Beim Thunfisch hätte ich gerne (mehr) Sojasauce gehabt. Aber der frische Fisch war auch so nicht schlecht. Am besten mundet mir der Happen von der Lachsforelle.

Gang 2: Fregola – Carabinero – Bisque

Fregola ist eine in Sardinien verbreitete Nudelart aus Hartweizengrieß in kleiner Kugelform. Die Zubereitung erinnert an Risotto. Und da liegt dann auch mein Problem. Nudeln oder auch Reis mag ich eigentlich nur, wenn das Korn noch Biss hat. Und besonders cremige Saucen mag ich auch nicht so gerne. Das muss aber wohl so sein. Ich habe es tapfer gegessen – und der Geschmack überzeugte auch durchaus, aber das weiche Mundgefühl relativierte für mich das Erlebnis.

Die Riesengarnele war am Stück gegart. Das bedeutete einige Arbeit, um die Krusten zu entfernen. Doch dafür gab es ja kleine Feuchttücher für die Finger. Nachdem der „Abfall“ auf dem Extrateller entladen war, konnte ich das feine Fleisch in Ruhe genießen.

Reste der Brühe konnte ich mit Brotstücken aufnehmen, sie war recht angenehm im Geschmack.

Am Tisch fand das Gericht viel Zustimmung – aber für mich war es die kleinste Freude des Abends. Doch das ist jammern auf hohem Niveau.

Gang 3: Jakobsmuschel – Blutorangen-Hollandaise

Dieser schon optisch schöner Teller war für mich ein Höhepunkt im Menü. Die beiden Stücke waren sanft gebraten und sehr saftig. Die Hollandaise war köstlich dazu. Zusammen mit den Orange-Filetstückchen eine feine Variante.

Gang 4: Oktopus – Estragonöl

Ebenfalls der nächste Gang überzeugte mich voll. Das Krakenärmchen war leicht knusprig und tortzdem saftig. Zusammen mit dem Estragon-Pesto ergaben sich angenehme Geschmacksnuancen.

Gang 5: Krustentierplatte – Couscous – Nussbutter

Hier wurde wieder für sechs Personen am Tisch eine große Schüssel mit Meerestieren auf einer Grießkügelschen Unterlage.

Es durfte wieder mit Händen und Fingern „gesaut“ werden. Besonders die Arbeit mit der Hummerzange war ein Erlebnis.

Doch das Fleisch, das zutage kam, belohnte die Mühe. Es war köstlich und es gab reichlich Beute.

Die diversen Muscheln waren auch nicht schlecht. Blieben aber dahinter etwa zurück. Vom Couscous habe ich kaum probiert; schließlich wollten wir alle Schalen knacken und Fleisch aushöhlen. Da ergab sich kaum Hunger nach der Unterlage.

Gang 6: Rhabarberkompott – Limettenparfait

Schon gut gesättigt folge noch ein Dessert. Nachtisch geht schließlich immer. Und es wäre auch schade gewesen die kleinen Happen nicht verkostet zu haben. Das Kompott war sehr gut abgeschmeckt. Und das Parfait steuerte noch etwas Säure und Süße dazu.

Auch der Gang überzeugte mich voll.

Kaffee

Ein Espresso macchiato bildet dann den Abschluss des Abends.

Ich habe mich gut unterhalten und feine Seafood mit runden Getränken verkosten können.

Getränke

Mineralwasser still und medium

Tasca d'Almerita Brut Almerita Regaleali – Schaumwein – Chardonny + Seckinger Blanc de Noir 2021 – Pfälzer Landwein – Spätburgunder + Fattoria San Lorenzo Le Oche Elevato 12 Mesi Sui Propri Lieviti – Marche IGT – Verdicchio + 2016 Mâcon-Uchizy Les Maranches - Mâcon-Villages AOC - Les Héritiers du Comte Lafon

Etwa nach je zwei Gängen wurde der Wein gewechselt. Alle harmonierten gut mit den Speisen. Besonders zugesagt hat mir der Macon. Ich bin immer wieder von dieser Ortschaft in Burgund sehr angetan.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Für die gebotenen Speisen und Getränke in meinen Augen angemessen. Schließlich war alles zu einem Komplettpreis gefügt – und die Getränke wurden großzügig nachgeschenkt.

Fazit

4 – gerne wieder. Allerdings am besten in einer Gruppe. Das Lokal wirkte auf mich recht laut; daher finde ich es für ein entspanntes Dinner für zwei zu eng und zu hoher Geräuschpegel. - Aber gute Produkte und angenehm zubereitet.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 27.04.2022 – abends 1 Person (Gruppe 24 Gäste von YouDinner)

 

 

 

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Februar 2022 - Post Fischmenü

Ein schöner Abend, genauer: ein wunderschöner Abend

Allgemein

2021 fiel das Fischmenü aus; denn Restaurants waren damals ganz geschlossen. Aber dieses Jahr können wir unsere Tradition fortsetzen und am Aschermittwoch einkehren.

Es war ein gutes Gefühl.

Die Erwartungen waren hoch, aber es gab keinen Zweifel, dass der Besuch uns erfreuen würde.

Service

Es wirken immer noch relativ viele Leute im Service mit. Unsere Hauptansprechpartnerin war gewohnt souverän. Sie beantwortete uns viele Fragen und machte Vorschläge zu den Getränken. Absolut top.

Aus der Küche kamen leicht verwirrende „Maßnahmen“: einmal wurde ein Gang übersprungen, aber er wurde sofort nachgeliefert. Und einmal waren in einer Beilage Haselnüsse und Mandeln enthalten – sonst wurde jedoch darauf ständig „peinlich genau“ geachtet. Gott sei Dank ist es keine ausgeprägte Allergie, aber eine starke Unverträglichkeit. Doch es ist alles gut gegangen.

Die Köche erfreuen uns grundsätzlich immer wieder mit ihren Kreationen und auch kleine Korrekturen wegen Abneigungen oder Pollinose werden akzeptiert; besonders die diversen Grüße kommen bei uns sehr gut an.

Fischmenü zu Aschermittwoch

Zum Aperitif: 3 x Fingerfood 

Sülze mit Nordseekrabben – Lachstatar im Hörnchen – Estragonpraline

Feine unterschiedliche kleine Kunstwerke erfreuten Auge und Gaumen.

Kleiner Gruß aus der Küche 

Thunfisch mit Kräutern – Safranschaumsüppchen mit Miesmuschel

Der rohe Fisch war sehr fein mit Kräutern und Pasten abgerundet. Die Suppe im Glas war heiß und locker aufgeschäumt; auf dem Grund lag noch eine kleine Muschel als Überraschung.

Schon diese fünf Mini-Gänge trafen voll unser Herz.

Gang 1 - Sashimi von der Gelbflossenmakrele-Yuzusoja | Spinat | schwarzer Knoblauch

Neben der mediterranen und regionalen Küche gibt es auch Ausflüge in die asiatische Welt. Der Fisch war durch die kleine Sauce im Geschmack unterstützt. Gemüse und Gewürze brachten weitere Anregungen für die Zunge.

Kleiner Gruß

Auster frittiert mit Tom Kha Gai

Diese kleine „Unterbrechung“ war höchst gelungen. Die Auster bekam auch einen asiatischen Touch. Davon hätten wir sofort weitere Exemplare verkosten können.

Gang 2 - Atlantiksteinbutt - (Upgrade: 20 g Imperial Auslese Kaviar 29 Euro) - Sellerie | Cerealien | Kalamansi | Champagneraufguss

Der Edelfisch war sanft gegart und mit einer Portion Kaviar verfeinert. Sogar ein Stückchen Seeigel war oben auf dem Fisch (umgeben vom Kaviar) Die umgebenden Zutaten ergaben schöne Varianten im Geschmack.

      

Eine Dose Kaviar extra wollte ich nicht auslassen. Besonders, da ich vor kurzer Zeit im Prunier, Köln eine ähnliche Kombination verkosten durfte. Beide Lösungen schmeckten mir in der Erinnerung ausgezeichnet, aber auch irgendwie anders – das macht die Handschrift der Köche eben aus.

Gang 3 -Softshellcrab - Blumenkohl | Kokosnuss | Thai-Pesto

Auch hier blieb es wohl asiatisch. Das Krebstier war außen mit einer knusprigen Panade umgeben und innen weich und zart. Der Blumenkohl hatte noch leichten Biss und war leicht gewürzt. - Blumenkohl mag ich zur Zeit am liebsten in der Pfanne heiß angebraten und mit Ras el-Hanout gewürtzt. Aber auch diese Variante war lecker.

Gang 4 - Pulpo knusprig geröstet - Senfkohlroulade | Limettengel | Paprikagremolata | Chorizochips

Das war vielleicht der beste Pulpo, den ich bisher gegessen habe. Die Stücke waren äußerst knusprig außen und trotzdem saftig. Oft sind diese Tiere nur gegart und dann noch weich oder gummiartig. Der Chip war ebenfalls ein Gewinn. Die Paprikapaste hätte ich gar nicht gebraucht. Die Gemüseroulade war wohl eine Sättigungsbeilage.

Gang 5 - Schwarzer Perigordtrüffel (Tuber melanosporum vitt.) - Topinambur | Bergkäseschaum

Eine Art Püree bildete die Grundlage; Gemüse und Käse gingen eine Liason ein. Darüber waren feine Fäden von schwarzem Trüffel.

Die Kombination passte gut und mundete daher.

Gurkensorbet mit gelierter Tomatenessenz

Ein Gurkeneis in einer Tomatenpaste war neu für mich. Aber schmackhaft. Und machte den Gaumen für die Hauptspeise frei.

Gang 6 - Skreifilet confiert - Tomatentapioka | Cima di Rapa | Parmesanweichbrot | Schnittlauch

Der Fischloin war klassisch sanft gegart und dadurch stark im Eigengeschmack. Die Beilagen passten gut dazu. Nur mit dem weichen Parmesanbrot konnte ich mich nicht so anfreunden. Aber es war eine Erfahrung. Der Rest war wieder köstlich.

Gruß - Himbeereis

  

Eis am Stiel habe ich im Restaurant zuerst im Vendome erlebt (es war an „Magnum“ orientiert). Dieses Eis war nun ein Fruchteis. Sehr erfrischend und aromastark. Davon würde ich sofort ein Sechsepaket aus der Kühltruhe kaufen.

Gang 7 - Dessertvariation „ZUR POST“ oder Käseauswahl vom Wagen

Wir wählten das Süße: Physalis am Stiel – Walnusskuchen – Passionsfruchttörtchen – Mango-Sorbet - Crème brûlée – Rhabarber-Kompott - Torrone

  

Auch wenn der Käse mich immer lockt, habe ich doch die Süßspeisen gewählt – genau wie die anderen. Es ist ein Klassiker aus der Post. Früher waren sie oft auf einem großen Teller wie auf einem Zifferblatt angeordnet. Heute waren die „Verführer“ auf Schalen und in Gläsern angeordnet. Jedes Teil hat mir auf seine Weise geschmeckt: Die Breite des Angebots war überzeugend. Von süß bis herb – von warm und kalt.

Macaron | Mandelsplitter  bzw. Pralinen ohne Mandeln

Die Petit Fours ließen dann den Abend würdevoll ausklingen.

  

Getränke

Taunusquelle medium 

Hausaperitif – 0,1 l – Winzersekt mit Yuzu-Saft

Joseph Burrier (Château de Beauregard) Viré-Clessé Quintaine 2018

Weingut Künstler Sauvignon Blanc 'Kalkstein' trocken 2020

Wir wählten keine Weinbegleitung, sondern entschieden uns für Flaschenweine. Die Beratung war gut, denn die beiden Weine ergänzten das Menü perfekt.

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

In der Corona-Zeit sind die Preise aus meiner Sicht spürbar gestiegen. Das gilt aber wohl für alle Restaurants, die ich kenne.

Aber es gibt hier immer noch recht viele Grüße aus der Küche und die Zutaten sind ebenfalls hochwertig. Daher immer noch in Ordnung.

Fazit

5 – unbedingt wieder. Aber es wird nicht mehr so oft gehen wie früher.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 02.03.2022 – abends – 4 Personen

 

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Februar 2022 - Prunier, Köln

Tolle Stimmung und feine Speisen

Allgemein

KAVIAR-DINNER“ stand auf der YouDinner-Seite als Angebot. Das Ereignis wurde wortreich beschrieben:Edel, dekadent, teuer? – aber Kaviar ist so viel mehr. … Das zeigt uns das Team rund um Spitzenkoch Enrico Hirschfeld und Restaurantleiterin Ronja Morgenstern im neuen Kölner Gastro-Hotspot «Prunier Boutique & Restaurant». Seit Ende des Jahres können Kaviar-Begeisterte die edle Delik.“atesse unweit des Kölner Doms entdecken, kaufen und vor Ort in einem köstlichen Menu genießen. Enrico Hirschfeld, lange Zeit als Küchenchef an der Seite von Sternekoch Maximilian Lorenz, widmet sich ganz dem Thema Prunier und Balik. Verkoste mit uns die edlen Delikatessen und genieße ein Menu mit ‚Pariser Touch‘ im stilvollen Ambiente. … Seit fast 150 Jahren steht der Name Prunier für Kaviar; die Familie hatte einige Zeit lang sogar das weltweite Exklusivrecht für den Import der schwarzen Perlen. 2004 fusionierte Prunier dann mit Caviar House, dem weltweit größten Importeur iranischen Kaviars. Das Traditionsunternehmen ist heute der einzige Händler, der seinen Kaviar selbst erzeugt – ökologisch und nachhaltig. ...“

Das klang schon recht „dekadent“ einerseits - aber auch vielversprechend! Was soll es schon: Man lebt nur einmal. Ich habe mir also einen Platz gebucht.

Mit „echtem“ Kaviar habe ich in der Regel wenig zu tun. Rosa Lachs- oder Forellenkaviar kommt als Dekoration schon gelegentlich öfter auf den Teller. - Aber auch die Stör-Produkte habe ich manchmal in einem Menü serviert bekommen.

Vor vielen Jahren bei der Messe „Eat & style“ in Köln-Deutz haben wir an verschiedenen Ständen kleine Proben verkostet. Manche schmeckten angenehm, andere waren doch recht salzig. Die Farben unterschieden sich leicht und natürlich der Durchmesser der Perlen.

Mein absoluter Favorit ist bisher von Helmut Thieltges zubereitet: Die Rinderfilet-Tatar-Torte mit Kaviar (Imperial Gold Kaviar) auf Kartoffelrösti.

Aber auch im Lärchenhof gab es eine Portion N25 Oscietra Kaviar. Die Störe werden frühestens nach 16 Jahren geschlachtet, wodurch ihr Rogen besonders lange reifen kann. Sodann durchläuft der N25 Kaviar eine spezielle Fermentation bevor er in den Handel kommt.

In der Post in Odenthal gab es zum Seeigel Kaviar (es war Caspian Gold Premium Selection) – Stör selber kommt in der Post aus der Fischzucht Hahn in Wipperfürth.

Doch in einem Restaurant, das sich auf Kaviar und Balik spezialisiert hat, war ich noch nie vorher (man kann auch in der Botique am Eingang alle Produkte für zu Hause erwerben).

Ambiente

Der Gastraum ist schon ziemlich klein. Mehr als die 10 Tische und Plätze für 20 Personen daran gehen wohl kaum noch. Jeder Winkel wird genutzt.

An der Decke sind Lampen, die eine Ringform haben, befestigt. Wünschenswert wäre zusätzlich ein Belag, der Schall schlucken könnte.

Besonders viel Platz hat man als Gast also nicht. Für Besteck und Geschirr reicht es gerade noch so.

Die Servietten haben einen „Stör“-Aufdruck.

Service

Alle Mitarbeiter*innen sind freundlich und geben auch gerne eine Auskunft. Aufmerksam wird aufgetragen und abgeräumt.

Die verkosteten Speisen

PRUNIER TASTING EXPERIENCE - Büffelmilch Burrata mit Prunier Kaviar - Kaviartoast nach Jean-Georges Vongerichten - Balik Tsar Nikolaj mit Wasabi und grüner Chili - Sashimi von Balik und Yellow Fin Thuna

Auf einem länglichen Teller waren die ersten drei Speisen angerichtet. In einer weiteren runden Schale befanden sich die beiden weiteren Fischstücke.

Der Burrata-Käse war weich und geschmeidig, die Kugel war von einer Portion schwarzem Kaviar umgeben. Das war in Ordnung, aber für mich nicht originell.

Ganz anders war das jedoch bei dem „Toast“. Die beiden Brotschalen waren knusprig. Dazwischen waren zwei wachsweiche Eidotter eingefügt. Sie hatten keinen flüssigen Kern wie bei einem pochierten Ei, waren aber cremig und passten für mich wunderbar zum Kaviar obenauf.

Auch die Scheibe Lachs mit kleinem Gemüse und der Paste schmeckte harmonisch und das Fischfleisch war zart und geschmacksintensiv.

Ebenso waren die Röllchen von Lachs und Thun angenehm im Mund.

Insgesamt hat mir die ganze Komposition gut gefallen und geschmeckt.

TRANCHE VOM STEINBUTT AUF KRUSTENTIERRISOTTO - mit wildem Brokkoli und weißer Kaviarbutter

Der Risotto war schon Weltklasse; das heißt, er war genau so zubereitet, wie ich ihn mag. Cremig außen und leichter Biss im Kern. Dazu war die „Sauce“ herrlich aromatisch. Der Fisch war fest in der Konsistenz und zeigte feine Aromen; so soll die Zubereitung sein. Bei der Butter war auch viel Kaviar im Spiel. Die Gemüsestange war gut gegart und war nicht weich, sondern noch schneidbar.

Dieser Teller hat mich voll überzeugt - er war mein Favorit des Abends.

FILET VOM KALB AUF PINIENKERNPOLENTA - mit bretonischen Artischocken und Trüffeljus

Das Fleisch war perfekt zartrosa gegart und angenehm im Geschmack. Die Sauce passte gut dazu. Die Polentastange war nicht unbedingt mein Fall; aber meistens mundet mir Polenta nicht besonders. Auch die Pinienkerne, die ich sehr schätze, konnten da für mich keine Steigerung bringen.
Jedoch die „Knusperecke“ aus verschiedenen Zutaten hatte herrliche Aromen und war knackig bzw. knusprig. Es war ein gebackener Artischockenboden. Ein schöner Kontrast zu den überwiegend weichen anderen Teilen auf dem Teller.
Im großen und ganzen haben mir auch auf diesem Teller fast alle Komponenten sehr zugesagt. Ohne Polenta und dafür zwei Aritschockenecken - dann wäre das Gericht für mich wiederum ganz große Klasse.

MOELLEUX VON DER VIRUNGA SCHOKOLADE - mit Himbeeren und Sauerampfer

Der saftige Schokoladenkuchen zeigte die köstliche Aromen der dunklen Kakaobohnen. Auch ohne flüssigen Kern hat mir diese Zubereitung sehr zugesagt. Die Himbeeren waren als cremige Nocke und ganze Früchte vertreten. Die grüne Creme war durch Sauerampfer geprägt, ohne jedoch herb zu wirken.

Getränke

Champagne Lombard Cuvée Caviar House

Macon Villages Jadot

Stephane Magnien Coteaux Bourguignons Pur Pinot Noir 2018

Mineralwasser (still, medium)

Espresso

Die beiden angebotenen Weine waren grundsolide und passten zu den Speisen und schmeckten auch solo. Allerdings gab es den Roten auch zur Nachspeise.  Der Begrüßungschampagner perlte angenehm und machte Appetit auf die folgenden Gänge.

Alle Getränke gehörten zum Gesamtpaket von YouDinner. - Die Weinkarte enthält sehr viele und auch recht hochwertige Weine. Diese müsste ich bei einem erneuten Besuch genauer anschauen.

Fazit

Ich habe nun hier einmal mittags und einmal abends gegessen. Die Gerichte haben mir jeweils recht gut gemundet; aber mir ist das Lokal etwas zu eng und zu laut. Für eine Runde mit YouDinner würde ich sicher wieder einkehren, weil die Mitglieder alle begeisterte Esser sind und sich herrliche Gespräche ergeben. Mittags für einen schnellen Lunch halte ich das Restaurant ebenfalls für recht geeignet. Jedoch für ein Besuch zu zweit wäre es mir zu laut und zu ungemütlich; da möchte ich mich leise unterhalten und nicht die Gespräche aller anderen übertönen müssen.

Daher kann ich das Lokal für eine angeregte Gruppe gut empfehlen; für einen entspannten Abend eher weniger.

So schwankt die Einstellung von wenn es sich ergibt bis gerne wieder.

Der Abend in diesem Rahmen war jedoch wunderbar.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 15.02.2022 – abends – 1 Person (20 YouDinner-Gäst*innen)

 

 

 

 

 

 

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Januar 2022 - Prunier, Köln

Kleines Haus mit großen Speisen

Allgemein

Treffen von unserem Genießer-Club (zwei Mitglieder) sollen auch 2022 weiter stattfinden. Corona breitet sich zwar immer mehr aus, aber die Schutzmaßnahmen werden immer undurchsichtiger. Wir haben unsere Impfungen – also stehen uns die Lokale wohl alle offen.

Mittags muss unser Start sein, denn ein Lunch gehört einfach für uns zum Ablauf eines Genießer-Tages!
Das neue „Prunier“ bietet sogar einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch an.
Also haben wir reserviert und waren sehr gespannt.

Ambiente

Das Haus liegt in Domnähe. Es ist recht schmal und unauffällig von außen. Innnen steht man dann vor einer Theke und einer „Bar“ mit diversen Getränken.

Nach der Begrüßung wurde die Garderobe abgenommen und der Weg zum Platz gewiesen.

Der Gastraum erschien mir geradezu winzig: an der einen Wand standen 5 Tische für zwei Personen und auf der anderen Seite standen zwei Vierertische.

Es ist also eng wie in einem Bistro.

Die Speisekarte (ein riesiger Bogen) jedoch ist fast so groß wie der halbe Tisch. Schüchtern am Rand steht die kleine Mittagskarte. Sie war das Ziel unserer Wünsche.

Sauberkeit

Es war gut und perfekt gepflegt.

Service

Die Restaurant-Leiterin und Sommeliere wird von zwei weiteren Frauen unterstützt. Alle sind ausgesprochen freundlich und den Gästen zugewandt. Das gefällt uns schon einmal recht.

Karten

Menu du Jour
À La Carte
Le Menu „Paris – Cologne“ (abends)

Getränke

Die verkosteten Speisen

Wir wählten „MENU DU JOUR“

Das MENU DU JOUR Angebot wechselt wöchentlich.

Kleiner Gruß aus der Küche und Brot mit Butter

In einer kleinen Schale befand sich ein kleiner Klecks fein geschnittener Lachs, der mit einer grünen Emulsion und etwas Dill abgeschmeckt war.

Das war ein gelungener Einstieg in den Lunch – mit dem ich gar nicht gerechnet hatte, weil es meist mittags keine Grüße gibt.

Das Brot hingegen wird oft gereicht. Es war locker und großporig in der Krume, die Kruste war gebräunt aber ebenfalls weich. Daher gut geeignet, um Suppen- oder Saucenreste aufzunehmen.

Die Butter war weich und leicht aufgeschlagen und aromatisiert.

Rote Bete Schaumsüppchen mit Wurzelgemüse und Dillöl

Die Suppe war durchaus gelungen. Die Bete sorgten für den leichten Rosa-Rot-Ton. Das Gemüse war noch leicht im Biss und bereicherte die Suppe. Die Portion war auch mehr als ein Süppchen und Schaum habe ich nicht bemerkt, aber auch nicht vermisst. Das gereichte Brot schmeckte auch gut zur Suppe.

Pochierte Klößchen vom Steinbutt und Lachs mit Krustentier Sauce und Blattspinat

Das Fischgericht wirkte auf mich wie eine feine Frikadelle. Innen war das Stück angenehm weich und gewürzt. Außen war die Hülle leicht knusprig. Die Garnele war gebraten und schmeckte angenehm. Der Spinat war kurz erhitzt worden und hatte eine dunkle Farbe angenommen. Die Sauce war reichlich vorhanden und fein abgeschmeckt, die Konsistenz war gelungen.

Zwischen Frikadelle und Sauce war ein ansehnlicher Zylinder Püree aufgeschichtet worden. Ob außer Kartoffeln noch andere Wurzelgemüse oder Kürbis enthalten waren, konnte ich nicht erschmecken. Ich halte es für ein Kartoffelgericht. Es war fein püriert worden, aber mit Butter oder Gewürzen war gespart worden. Daher war diese Zutat die schwächste des ganzen Essens.

Alles andere war sogar in meinen Augen perfekt gelungen.

Mascarpone Mille-feuilles mit Himbeer-Schokoladeneis

Der Nachtisch war für uns eine große Freude. Die feinen Blätterteig-Schichten waren luftig und knusprig. Die Creme zwischen den Lagen war locker schaumig. Die kleinen Früchte passten gut dazu.

Das Eis befand sich in einer eigenen Schale. Die Schokolade wirkte relativ hell, war aber wunderbar mit Himbeeressenz verarbeitet worden und dadurch ergab sich der Farbton.

Das Dessert war also ein Höhepunkt und ein runder Abschluss.

Getränke

Mineralwasser mit Sprudel Karaffe 1 Liter

Domaine Ricard Le Bouc 2020 Touraine Sauvignon Blanc 0,75 l

Espresso

Der Wein war ein angenehmer Essensbegleiter, ein geradliniger Sauvignon Blanc mit klaren Aromen von grünen Früchten und einer feinen Mineralität.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Für den Lunch war der Preis angemessen, fast günstig. Andere Gerichte aus der Karte haben deutlich ambitioniertere Preise. Man kann aber auch kleine Probiertellerchen ordern und muss nicht gleich den vollen Betrag hinblättern.

Hier geht es schon um ausgewählte Spezialitäten, das sieht man an der Breite von Kaviargängen und der langen Liste von Champagner-Größen.

Fazit

4 – gerne wieder zum Lunch

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 28.01.2022 – mittags – 2 Personen

 

 

 

 

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Januar 2022 - Sahila - Julia Komp, Köln

Ein guter Einstieg

Allgemein

Julia Komp war die jüngste Sterneköchin in Deutschland (2016); sie wirkte damals als Chefin im „Schloss Loersfeld“. 2019 machte sie dort Schluss und wollte die Welt und deren Aromen erkunden. Nach der Rückkehr beabsichtigte sie dann ihre Erfahrungen in einem eigenen Haus zu verwirklichen. Doch zuerst versuchte sie in Köln Mülheim ihre Ideen im „Lokschuppen“ umzusetzen; aber dabei kam es zu unterschiedlichen Ansichten über die Umsetzung. Es kam schließlich zur Trennung – doch dann konnte sie das Restaurant „L'Accento“ des Ehepaars Medaina übernehmen (Ende September 2021). Diese waren dort 30 Jahre sehr erfolgreich und wollen sich zur Ruhe setzen.

Ende Dezember sollte dann das neue Lokal eröffnen. Sie hat sogar zwei Konzepte anbieten. Das „Sahila“ als ein Fine-Dining-Restaurant wird um eine Mezze Bar namens „Yu*lia“ ergänzt. Dafür wurde das ursprüngliche Lokal in zwei Teile getrennt.

Foto: YouDinner

Julia Komp berichtete in mehreren Interviews, dass sie nun durchstarten will und auch „Sterne“ anstrebt.

Jedes Menü ist eine Weltreise“ – so lautet im Sahila das Motto.

Durch Corona und Lieferengpässe und Warten auf Handwerker konnte erst Mitte Januar 2022 die Arbeit beginnen. Das erste Menü begleitete die Phase der Voreröffnung für Freunde und Präsentation für diverse Medien.

YouDinner bekam das Menü , das nun im Regelbetrieb angeboten wird, zuerst serviert.

Da habe ich mich sofort angemeldet. Schnell waren alle 24 Plätze ausgebucht.

Ambiente

Das Lokal ist in meinen Augen schon recht klein in der Größe und schlicht bzw. funktional oder asiatisch puristisch in der Ausstattung. Viel mehr Gäste als 24 Personen passen wohl kaum in den Raum. Die Tische sind blank, die Sitze sind Rundsessel. Es wirkt also wie ein Bistro. Auch die Theke ist schmal geraten.

Durch den Verzicht auf Tischdecken, Vorhänge oder andere dämmende Materialien erscheint mir die Lautstärke bei voller Besetzung und Unterhaltungen recht grenzwertig.

Aber an der Decke sollen noch Schallschlucker installiert werden, habe ich vernommen. Das scheint mir ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.

Service

Vier junge Leute (3 Männer, 1 Frau) kümmerten sich fleißig um uns. Sie waren freundlich und kompetent. Besonders der Mann für die Weine machte auf mich einen starken Eindruck.

Bild: YouDinner

Die Karte(n)

Es gibt eine Karte mit mehreren Gängen, die auch einzeln bestellt werden können. Vegetarische Alternativen werden bei Nachfrage ebenfalls angeboten.

Die verkosteten Speisen 

Für die YouDinner-Gruppe wurde das Fünfgang-Menü serviert. Vorher gab es auch Grüße aus der Küche.

Gruß aus der Küche

Zuerst wurden Kenzolie Oliven und gebeizte Tomaten auf einen Holzbrett für je zwei Personen serviert. Es war als Fingerfood gedacht und dazu kleine feuchte Tücher bereitgestellt.

Das Öl ist eine Kreation der Köchin. Die Olive und der Tomatenhappen (er erinnerte mich an einen Sushi-Happen) schmeckten fruchtig und angenehm gewürzt.

Dann folgte Brot und Tomatenbutter. Die Stücke waren gut gebacken und herzhaft im Geschmack.

Die Butter war cremig und aromenstark. Eine gelungene Kombination.

Der zweite Gruß nannte sich orientalische Köstlichkeiten. Auf einen hübschen Teller befanden sich die Zutaten. Unten war eine Creme (Hummus), darauf befanden sich kleine Stücke von Gemüse und Salat (Fattoush) und obenauf war eine Kugel (Falafel).

Das hat mir einzeln oder auch in Kombination angenehm geschmeckt: allerlei Gewürze und Aromen erfüllten den Mund.

Das Menü

Der erste Gang nannte sich Rosengarten (Rote Bete, Ziegenkäse, Pistazie - Marokko).

Rote Bete bildeten den Hauptanteil. Der Anblick war sofort ein Augenschmaus (auf dem Foto kommen die Farbnuancen leider nicht angemessen zur Geltung).

Ein Rote-Bete-Hummus stand im Mittelpunkt. Er war in Rosenform herrlich angerichtet. Aber wir waren ja nicht nur zum Gucken, sondern auch zum Essen gekommen. Da musste die Form also leiden. Der Geschmack war köstlich.

Weitere kleine Bete-Stücke waren ebenfalls zu Blüten geformt, aber noch bissfest und brachten erdige und herbe Noten hervor. Auch der Ziegenkäse (Gottseidank nicht aufdringlich im Geschmack) passte gut zu den Zutaten; ebenso fein geschnittene weitere Gemüsestückchen.

Im Rückblick hat mich dieser Teller besonders begeistert – ohne die anderen Gänge herabsetzen zu wollen.

Der zweite Gang hatte den Namen Shakshuka (Bio-Ei, Paprika, Tomate – Tunesien).

Schakschuka ist eine Spezialität der nordafrikanischen und israelischen Küche; aus dem Arabischen übersetzt bedeutet „schakschuka“ in etwa „Mischung“. Das Gericht wird aus pochierten Eiern in einer Sauce aus Tomaten, Chilischoten und Zwiebeln zubereitet. Zuerst habe ich solch eine Speise einmal beim Frühstück im neoBiota *, Köln verkostet.

Die Kellnerin sagte an, dass es sich um ein Onsen-Ei handelt. Dafür fand ich das Endprodukt nicht so typisch, weil es mir etwas an Cremigkeit fehlte und auch noch Eiweiß dabei war. Für ein pochiertes Ei hätte der Dotter – finde ich – etwas flüssig sein können.

Aber egal das Ei schmeckte auch so nicht schlecht.

Das Gemüse war ebenfalls gut gegart. Die Sauce jedoch war für mich grenzwertig scharf. Eine knusprig frittierte dünne Nudel, die für mich wie eine Art Spaghetti aussah, brachte etwas Crunch ins Gericht.

Interessant war das Gericht also schon, aber nicht unbedingt mein Fall.

Der dritte Gang war Oktopus „Anticucho“ (Chili, Koriander, Causa – Peru)

Das Meerestier war köstlich zubereitet; es war weich und zart.

Causa ist wohl ein landestypisches Kartoffelgericht, eine Art Brei. Anticucho heißen in Peru verschiedene Gerichte, die auf Straßen verkauft werden. Hier war es sicher eleganter zubereitet.

Der Teller sah nicht nur gut aus, sondern schmeckte auch angenehm.

Der vierte Gang hatte die Überschrift Flanksteak von Miguel Vergara (Kimchi, Süßkartoffel, Rettich – Korea).

Es handelt sich beim Fleisch also um eine Rinderrasse und eine besondere Aufzucht. Das Stück war jedenfalls perfekt gegart, saftig und zart.

Es gab zwei Saucen – unter dem Fleisch natürlich – und die waren angenehm würzig. Überraschenderweise gefiel mir die helle Ausgabe sogar noch besser als die dunkle. Eigentlich bevorzuge ich immer die braunen glänzenden Versionen.

Die schön im Bogen um das Fleisch herum arrangierten Beilagen waren ebenfalls eine Bereicherung.

Auch mit diesem Teller war ich völlig zufrieden.

Nun kam das Pré Dessert (Banane, Yuzu, Sesam – Japan)

Banane mag ich eigentlich nur „roh“ aus der Schale noch möglichst hart. Diese Variante war natürlich weich – aber ich habe sie gerne verzehrt. Es wird wohl nicht meine Lieblingsspeise, aber es war schon gut gemacht. Das cremige Eis gefiel mir auf jden Fall besser.

Der letzte Gang nannte sich Goldene Milch (Milch, Kurkuma, Honig – Indien)

Jeweils zwei dünne längliche Quader bildeten den Mittelpunkt. Die mit Kurkuma gewürzte Variante sah etwas wie ein dünnes Fischstäbchen aus, schmeckt aber schon ganz anders: Einfach lecker. Die helle Ausgabe war cremiger und auch nach meinem Geschmack. Das Eis rundete den Gang perfekt ab. Auch die begleitenden Accessoires trugen zur Aromenvielfalt bei.

Getränke

Mineralwasser mit Kohlensäure (Gerolsteiner)

Hubertus Reis - Riesling Sekt brut

Weinbegleitung

Hans Wirsching 2020 Iphöfer Scheurebe trocken

Springfontein 2017 Chenin Blanc Jil´s Dune

Chateau Barka 2019 Tanit Vin Rosé

Bodegas Remelluri 2007 Reserva Rioja

Braida di Giacomo Bologna 2021 Moscato d´Asti Vigna Senza Nome

Von den Weinen hat mir der Chenin Blanc besonders gut gemundet; aber auch die anderen Weine aus der Begleitung waren passend zu den Gerichten.

Neben dem Vorschlag des Hauses gab es auch noch eine ansehnliche Ausgabe von Flaschenweinen in einer separaten Karte.

Auch Biertrinken müssen nicht verzichten. Es gibt zwar kein Fassbier, aber drei Flaschenbiere (Weizen (Benediktiner), Kölsch (Gaffel), Pils (Bitburger).

Fazit

4 – gerne wieder – wegen der Enge und der Lautstärke jedoch mit kleiner Einschränkung. Für ein intimes Essen scheint es mir schwierig, in einer kleinen Gruppe jedoch sicher großartig; denn bei der YouDinner-Truppe ist immer viel Stimmung.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 20.01.2022 – abends – 1 Person (24 Gäst*innen)

 

 

 

 

 

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Dezember 2021 - Bierlager, Köln (Südstadt)

Herrliche Bierprobe in der Südstadt

Allgemein

Zum Geburtstag bekam ich eine Bierverkostung geschenkt. Das war eine große Freude für mich, weil ich die großen Unterschiede bei den Bierstilen immer wieder überraschend finde. Die Breite ist wahnsinnig groß.

Über mehr als ein Dutzend verschiedene Geschmacksrichtungen wird dabei gesprochen.

Grundsätzlich mag ich herbere Sorten lieber als malzige Versionen.

Eine Verkostung (neudeutsch: Tasting) unter fachlicher Anleitung könnte da neue Erkenntnisse bringen.

In der Bierbar „Bierlager“ in der Südstadt in der Nähe vom Chlodwigplatz müsste dafür auch ein perfekter Ort sein.

Ambiente

Es ist sicher selten, dass eine Verkaufsstelle auch Sitzplätze hat und Bier vor Ort ausschenkt. Das ist im „Bierlager“ aber möglich; daher nennen sie sich auch Bierbar.

Neben dem Verkauf und dem Flaschenausschank werden auch Verkostungen durchgeführt. Man kann sie vor Ort oder über die Homepage buchen.

Der Verkaufsraum ist natürlich mit Regalen und vielen Flaschen- und Dosenbieren ausgestattet.

Vor dem Eingang stehen auch ein paar Tische am Straßenrand.

Die Verkostung wurde jedoch in einem Nachbarraum durchgeführt. Die Einrichtung war funktional (kleine Tische und Sitze) und durchaus spartanisch.

Aber es ging ja auch mehr um die Bierprobe.

Service

Wir bekamen alle einen Platz zu gewiesen. Eine junge Frau führte als „Bier Sommelière“ durch den Abend. Das machte sie mit Charme und Fachwissen.

Vorab erklärte sie einige Sachen wie zum Beispiel, dass bei acht Bieren – um gut verkosten zu können – jeweils eine halbe Flasche reichen würde.

Dem kann ich nur voll zustimmen. Anders als bei Weinproben wird alles getrunken: Winzer spucken, Brauer schlucken!

Das liegt am Geschmackssinn: Die Zunge hat verschiedene Zonen und erkennt süß, sauer, salzig, bitter und herzhaft-würzig, auch umami genannt – und bittere Noten kommen erst beim Abgang zum Tragen.

Zum Neutralisieren des Mundes zwischen den Bieren lagen Brot und salzige Erdnüsse bereit.

Jedes Bier (es waren acht) bekam etwa eine Viertelstunde für Probieren und Berichten.

Die verkosteten Biere

Nr. 1: Mücke Himbeer Gose

Brauerei: Mücke-Bier in Essen - Braustil: Gose - Zutaten: Koriander, Himbeeren, Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe, Milchsäure, Salz - Alkohol: 4,4% - Bittereinheiten: IBU 14

Das Bier hatte eine helle Farbe, war trüb und bildete wenig Schaum. Es wirkte auf mich leicht herb und fruchtig–sauer.

Bisher waren die wenigen Gose-Biere, die ich bisher probiert habe, recht sauer und fast unangenehm im Mund. Diese Variante hatte durch die Fruchtnoten die Säure abgemildert. Das kleine Glas war also überraschend angenehm im Geschmack; jedoch weiß ich nicht, ob ich das auch nach einer größeren Mengen noch meine.

Nr. 2: BRLO Helles

Brauerei: BRLO (gesprochen: Berlo) in Berlin - Braustil: Lager - Zutaten: Brauwasser, GERSTENMALZ (Pilsener Malz, Münchener Malz), Hopfen (Opal, Spalter Select, Tettnanger), Hefe - Alkohol: 5,0 % - Bittereinheiten: 25 IBU

Nach dem obergärigen Bier kam nun ein untergäriges Bier (diese Hefen „arbeiten“ nur bei tiefen Temperaturen und sinken nach dem Gärprozess nach unten). Helles oder auch Lager-Bier fällt meist nicht so herb wie Pils aus.

Beim Einschenken sah es relativ hell aus und war trübe (also nicht gefiltert). Der Schaum bildete sich auch nur mäßig. Im Mund war es süffig – mild. Davon würde ich auch noch mehr (bei anderen Gelegenheiten) trinken.

Nr. 3: Mashsee Beverly Pils

Brauerei: Mashsee in Hannover - Braustil: Pils - Zutaten: Wasser, GERSTENMALZ (Pilsner, Carapils), Hopfen (Citra, Magnum), Hefe - Alkohol: 4,7 % - Bittereinheiten: 30 IBU

Im Glas war das Bier auch noch hell und trübe im Anblick. Aber die Schaumbildung war relativ heftig. Der Geschmack war fein herb und für mich sehr angenehm. Das Bittere war gut eingebunden in die anderen Aromen.

Die Marke werde ich sicher nochmals probieren. Ich mag eine gewisse Note Bitterkeit; sie darf aber für mich nicht eindimensional sein (wie zum Beispiel bei „Flensburger“).

Nr. 4: BrewDog Pale Ale West Coast

Brauerei: BrewDog in Berlin - Braustil: West Coast Pale Ale - Zutaten: Hopfensorten: Chinook, Citra, Simcoe - Malzsorten: Crystal, München, Pale - Alkohol: 4,5 % - Bittereinheiten: 30 IBU

Hier war das Bier dunkler (Richtung Bernstein etwa) und leicht trüb; eine kleine weiße Schaumkrone bildet sich auch.

In der Nase bemerkte ich herbe und fruchtige Töne.- Im Mund merkte ich auch malzige und fruchtige Noten; beim Abgang kam auch leichte Bitterkeit zu Tage. -Also durchaus ein Bier, das mir noch zusagt; aber mehr Frucht brauche ich nicht. Das Pils vorher, wäre bei mir noch vorne.

Nr. 5: Munich Brew Mafia - Mr. Gelato

Brauerei: Munich Brew Mafia in München - Braustil: Milkshake New England India Pale Ale - Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Pfirsich, Vanille, Hopfen, Hefe - Hopfen: Citra, Cryo, Sultana - Alkohol: 7,0 % -

Bittereinheiten: 38 IBU

Nun wurde es aber „exotischer“. Die Farbe war ebenfalls etwa Bernstein, die Konsistenz erschien mir recht trübe. Der Schaum war mäßig vorhanden. - Im Mund wirkte es leicht cremig; im Mund waren deutliche Fruchttöne und Süße spürbar. - Unsere Vorkosterin nannte das Bier: Ein Milkshake IPA. - Es war schon recht fruchtig. - Für mich eine neue Erfahrung und sicher eine interessante Abwechslung. Aber ich glaube eine ganze Flasche brauche ich nicht unbedingt davon.

Nr. 6 : Bierlager Strammer Max

Brauerei: Freigeist Bierkultur im Auftrag von Bierlager (Lohnsud) - Braustil: Double IPA - Zutaten: Wasser, GERSTENMALZ, WEIZENMALZ, Hopfen (Cascade, Zeus, Simcoe, Summit, Citra, Tettnanger), Hefe

Alkohol: 8,0 % - Bittereinheiten: 65 IBU

Das Bier war nun schon wesentlich dunkler also alle vorher; Schaum gab es wenig. In der Nase spürte ich hopfenherbe Töne und auch fruchtige Elemente. Diese Bier haben viel Alkohol; ursprünglich tranken es Engländer in Indien. Wegen der Haltbarkeit musste es stärker gehopft und der Alkoholgehalt erhöht werden, um die Seereise damals zu überstehen.

Mir schmeckte es weniger wie ein IPA. Es erinnerte mich eher an ein Red Ale, denn dort stehen die malzigen Töne auch im Vordergrund. Daher würde ich ein „normales“ IPA wahrscheinlich vorziehen.

Nr. 7: Westmalle Tripel

Brauerei: Westmalle Trappist - Braustil: Tripel - Zutaten: Wasser, GERSTENMALZ, Hopfen, Hefe, Zucker - Alkohol: 9,5 % - Bittereinheiten: 36 IBU

Das Klosterbier aus Belgien (geschützte Herkunft) war wieder etwas heller im Glas, es schäumt recht ordentlich. Der Alkohol war noch höher als vorher; aber es war weniger herb. Auf mich wirkte es malzig – süß mit feinen Bitternoten. Es hat mir geschmeckt, aber ich muss wohl noch mehr aus dieser Richtung verkosten, um ein gesichertes Urteil abzugeben.

Nr. 8: Riedenburger Dolden Dark

Brauerei: Riedenburger - Braustil: Porter - Zutaten: Wasser, GERSTENMALZ, EMMERMALZ, Hopfen, Hefe -

Alkohol: 6,9 % - Bittereinheiten: 28 IBU

Das Bier war fast schwarz im Glas und bildete auch viel Schaum. In der Nase spürte ich fast nur Malznoten (Es erinnerte mich an das deutsche Malzbier – aber das „Mutterbier“ hat kaum Alkohol. Das war hier schon anders).

Den Geschmack empfand ich als sehr malzig und röstig. Diese Richtung wird wohl nie mein Fall werden. Ich brauche etwas bittere und herbe Noten im Bier. - Aber es war eine weitere Erfahrung – und eine halbe Flasche schaffe ich schon; es war ja nicht abstoßend – nur nicht mein Geschmack. - Die Reihenfolge der Verkostung war gut gewählt, wäre das letzte Bier das erste gewesen, hätte ich wohl später kaum noch den Malz verdrängen können.

Fazit

5 – unbedingt wieder. Es macht einfach Spaß kleine Mengen von diversen Bieren zu verkosten und zu vergleichen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 29.12.2021 – abends – 2 Personen

Das „Erlebnis“ weckte die Lust auf die „Krone“ der Trapisten-Biere ...

Westvleteren ...

sind Trappistenbiere, die in der Trappistenabtei Sankt Sixtus in Vleteren (Westflandern) gebraut werden. Neben Westvleteren dürfen in Belgien nur wenige weitere Trappistenbiere das gesetzlich geschützte Label „Authentic Trappist Product“ tragen.

Biersorten

Westvleteren 6 (blond), 5,8% vol., grüner Kronkorken
Auge: gold-gelb, leicht trübe Farbe; feiner reichhaltiger Schaum -

Nase: Honig und Banane kamen mir in den Sinn -

Mund: ganz entfernt bitter oder herb. Beim Abgang wirkte es auf mich fruchtig und etwas bittere Noten.

Nicht übel im Geschmack; aber es war für mich auch nicht das große Erlebnis.

Schulnote: 3

Westvleteren 8 (bruin), 8 % vol., blauer Kronkorken
Auge: dunkel - dezenter feiner Schaum -

Nase: malzig und fruchtig - ohne jetzt aufgesetzt süß zu wirken -

Mund: feine amzige Noten - hat mir überraschen gut geschmeckt; da ich für
etwas bittere und helle Sorten eher Vorlieben habe (zum Beispiel Mashsee Beverly Pils).

Schulnote: 2 Es war für mich wohl das beste dunkle malzige Bier überhaupt bisher.

Westvleteren 12 (bruin), 10,2 % vol., gelber Kronkorken

Bierstil: Quadrupel
Auge: sehr dunkel, wenig Schaum -

Nase: einige Hefe- und Karamell-Noten; recht angenehme volle Malzaromen -

Mund: die Malznoten waren voll vorhanden, aber nicht aufdringlich, die Karamell-Aromen waren deutlich – ohne den Geschmack zu dominieren. Ausgewogen und fast cremig im Abgang. Eine recht satte, aber sehr aromatische Süß. Nicht zuckrig, sondern der Geschmack reifer Früchte.

Schulnote: 2-

Tatsächlich hat mir der kleine Bruder des 12er irgendwie etwas besser geschmeckt.

Die Flaschen bekommen kein Etikett, sondern werden nur am Kronkorken gekennzeichnet. Das Bier wird ausschließlich im Kloster beziehungsweise beim Café „In de Vrede“ gegenüber verkauft. Es werden nur geringe Mengen pro Kunde ausgehändigt. Dafür muss man sich sogar anmelden und bekommt, wenn man Glück hat, eine Zuweisung. Dadurch ist das Bier selten.

Westvleteren 12 wurde mehrfach zum besten Bier der Welt gewählt.

Trappistenbier sollte mindestens eine Woche stehend in einem dunklen Raum lagern, bevor es bei einer Temperatur zwischen 12 °C und 16 °C konsumiert wird. Zum Einschenken wird es vorsichtig in ein Kelchglas gegossen, damit der Bodensatz, etwa ein Zentimeter, in der Flasche bleibt. Danach kann im zweiten Gang unbedenklich der letzte ebenfalls schmackhafte Zentimeter mit dem vitaminreichen Hefesatz getrunken werden.

Meine Flaschen habe ich bei „Bier macht schön“ gekauft.

 

 

 

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November 2021 - Osteria del Corso, Bergisch Gladbach

Der Italiener unseres Vertrauens - Ordentliche italienische Landhausküche
 

Allgemein

Wir warten tatsächlich schon lange nicht mehr vor Ort. Natürlich haben wir in den Corona-Zeiten von dort Gerichte abgeholt. Und dann wurde auch wieder geöffnet. Aber zuerst nur abends.

Aber jetzt gibt es wenigstens wieder sonntags einen Lunch. Also haben wir einen Tisch gebucht und wollten endlich live im Restaurant Zeit verbringen.

Gut, dass Wetter war heute stürmisch und herbstlich. Da will man nicht auf der schönen Terrasse sitzen, sondern lieber im Trockenen. Der Außenbereich war auch schon freigeräumt. So wie die Sommerzeit: Frühjahr Tische raus und eine Stunde vor – Herbst Tische rein und eine Stunde zurück.

Service

Die Mitarbeiter sind freundlich, aber reden auch nicht viel und schauen nur gelegentlich vorbei. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass viele Gäste nur einmal bestellen und später nur noch zahlen.

Wir hingegen wollen in der Regel gerne mehrere Gerichte verkosten, dabei etwas trinken und uns auch unterhalten.

Insgesamt ist die Bedienung völlig in Ordnung.

Die Karte(n)

Es gibt die Standardkarte und auch aktuelle Angebote auf einer Tafel, die zum Tisch gebracht wird. Heute wurde sogar noch eine Ansage gemacht: Es gab frische Austern.

Wir bestellten aus der Karte und von der Tafel zuerst einmal je zwei Teller.

Den Nachtisch wollten wir nach Sättigungslage aussuchen; denn die Gänge sind meist relativ groß. Und ein Menü wird leider nicht angeboten.

Die verkosteten Speisen

Antipasto Vegetariano

Gebratenes Gemüse wie Paprika, Tomate, Zucchini, Obergine ich Scheiben bzw. Stücken und vier kleine „Päckchen“ gebraten oder frittiert mit einer krossen Hülle bildeten den Kern des Tellers. Vermutlich waren in den kompakten Formen im Inneren Mozarella-Stücke bzw. Blumenkohl-Späne verarbeitet worden. Also Dekoration gab es noch ein paar Salatblätter.

Das war schmackhaft und nicht zu weich zubereitet. Die kleinen krossen „Gebilde“ haben besonders zugesagt. Auch das „normale“ Gemüse war in gewohnter Qualität

Cacciucco alla Livornese

Die toskanische Fischsuppe war reichlich mit Meeresgetier versehen: Allerlei Tintenfisch-Abschnitte, verschiedene Muscheln und diverse Fischfilethappen befanden sich in der Brühe. Und auch eine knusprige Brotscheibe war dabei. Den Grundsud hätte ich mir würziger und kräftiger vorstellen können – aber ich kenne nicht das genaue Rezept dieser Spezialität.

Insgesamt war der Teller jedoch schmackhaft und von den Aromen her recht abwechslungsreich.

Die kalte würzige Tomate und der üppige Strauß Petersilie dienten als Dekoration, waren aber auch gut zu verzehren.

Penne alla Sorrentina
Mozzarella, Tomatensauce, etwas pikant

Die Nudeln waren noch bissfest. Die Sauce war tatsächlich etwas scharf durch den Einsatz von Chili. Dadurch kam eine angenehme Aromen ins Spiel. Mit geriebenem Käse war sparsam umgegangen worden, um die sanften Töne des Mozzarella nicht zu übertönen. Zur Dekoration waren einige Basilikumblätter aufgesteckt worden. Das Kraut passt gut zu Tomatenaromen und war daher passend verwendet worden.

Gefüllte Wachtel mit schwarzem Wintertrüffel auf Kürbis-Perlgraupen

Die beiden Brusthälften waren gut gegart. Die kleinen Bein- und Armknöchlein ließen sich mühelos ablösen. Mit Trüffelspänen war durchaus nicht gespart worden. Das Aroma war typisch, der Duft war zart. Die Sauce war leicht gebunden und cremig. Sie hätte für mich nicht auf dem Fleisch sein müssen. Die Haut lag in der Jus und war daher etwas aufgeweicht. Ich hätte die gebratene Haut nach oben gelegt, damit sie knusprig bleibt. Meinetwegen hätte dann die Sauce unter dem Brustteil auf dem Teller etwas ausgebreitet sein können. Der Risotto von Kürbis und Graupen war gut gelungen. Der Geschmack war angenehm und er zeigte noch neben der Cremigkeit auch etwas Biss.

Als Dekoration gab es wieder die geschmackvolle kalte kleine Tomate (wie bei der Fischsuppe; war wohl die „Aussatattung des Tages“) und – für mich völlig daneben – ein Busch roher Thymian. Essen konnte man ihn nicht, also war er nicht nötig – selbst fürs Auge war er überflüssig. Aromen oder Duft kann solch ein Ast auch nicht verbreiten. Ich wollte ihn mir schon hintes Ohr stecken, aber da wurde er abgetragen.

Auf einem Extra-Teller waren noch Gemüse serviert worden. Es handelte sich um Rosenkohl, Böhnchen mit Speck und ein frittiertes Blumenkohlgemüse in Quaderform (es hatte Ähnlichkeit mit einem „Päckchen“ der Vorspeise.

Alle drei Gemüse waren bissfest aber gutr gegart und gewürzt.

Dieser „Beiteller“ hatte also sehr schmackhafte Teile geladen. Allerdings machten sie recht satt.

Fast hätten wir keine Nachspeise mehr schaffen können. Daher wählten wir Kleinigkeiten.

Eis nach italienischer Tradition – Kugel Vanille

Die Kugel war cremig und hatte Schmelz. Sie machte den Mund wieder frei und frisch.

Crème brûlée

Die Creme war herrlich gelungen. Der untere Teil war weich und zart. Die obere Schicht zeigte eine knusprige Karamellschicht.

Getränke

San Pellegrino

Scaia Bianco (Garganega/Chardonnay) Tenuta Sant'Antonio

Wir wählten aus den Monatsweinen einen angenehmen Weißwein. Er passte gut zu den Speisen. Natürlich nicht zum Nachtisch – aber da war die Flasche auch schon leer.
Venetien

Fazit

4 – gerne wieder. Alles war schmackhaft – Kleinigkeiten hätten für uns noch etwas besser gelöst werden können. Aber das ist meckern auf hohem Niveau. Das Essen war gut: Nicht mehr aber auch nicht weniger.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 7.11.2021 – mittags – 2 Personen

 

 

 

 

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Oktober 2021 - Bosporus Restaurant, Bergisch Gladbach

 

Fast immer geöffnet

Allgemein

Frisch und schmackhaft - Das beste Restaurant der Stadt! - Essen ist unsere Leidenschaft“ - das sind die drei Eigenaussagen auf der Homepage. - Ziemlich „vorlaut“; wenn man erst ein paar Tage auf dem Markt ist, oder?

Das Gebäude steht an der Stationsstraße – direkt neben dem bekannten „Beyoglu Restaurant“ auf der selben Seite – beide schräg gegenüber vom S-Bahnhof Bergisch Gladbach.

Viele Monate wurde innen und außen am Ausbau gearbeitet – wir vermuteten, dass es schon ein Einzelhandels-Geschäft werden würde. Aber wir hatten keine echte Ahnung. Immer wieder wurde außen und innen gebrasselt. Mal im Ergesschoss mal im ersten Stock. Dann kam vor Wochen der Hinweis: Es wird ein Restaurant.

Zuerst dachten wir, dass sich das „alte“ Gasthaus noch mehr „ausbreitet“; denn das Außengelände erstreckt sich bis zur Außenwand des neuen Lokals.

Dass es am Ende sogar das gleiche Angebot haben sollte, wie das benachbarte türkische Gasthaus, hat uns noch mehr als verwundert.

Als dann die Homepage erschien und wir das Angebot verglichen haben, mussten wir nämlich feststellen, dass es eine fast identische Karte ist und nur die Preise leicht abweichen – mal nach unten mal nach oben.

Es könnten fast Zwillinge sein, wenn es nicht verschiedene Besitzer gäbe.

Ambiente

Vor der Türe befindet sich ein „Roter Teppich“. Ständig kehrt ein Mitarbeitet die herbstlichen Blätter, die darauf landen, weg.

Drinnen kommt dann zur linken Seite die Theke und der Kochbereich. Rechts stehen ein paar Tische und Sitze.

Die meisten Plätze sind aber wohl in der ersten Etage. Dort befindet sich auch eine Art „Barbereich“.

Um das halbe Haus herum in der Etage gibt es einen großen Terrassen_ bzw. Ballonbereich.

Service

Eine Menge Mitarbeiter*innen tummelten sich im Restaurant. Einige arbeiten wohl in der Küche, andere im Service und weitere erledigen „Hilfsarbeiten“ (vor der Türe kehren, Flaschen und Gläser transportieren etc.). Ständig laufen Menschen vom Erdgeschoss in die obere Etage, weil wohl dort viele Getränke aufbewahrt werden.

Es gibt aber auch Kellerräume; denn vor der Türe befindet sich ein Aufzug, der im Ruhezustand nicht zu sehen ist (er hat einen roten Teppich auf der Oberseite; wenn er hochfährt, wird er beladen und nach der Fahrt in den Keller, ist das „Loch“ wieder zu und ein Teil des Roten Teppichs außen).

Auch aus der „Tiefe“ werden häufig „Zutaten“ geholt.

Das geschieht aber alles ohne Lärm. Wir bemerkten es, weil wir „volle“ Sicht von unserem Tisch aus hatten.

Ein älterer Mann brachte und dann die Karten und schlug einige Speisen vor.

Die Karte(n)

Die Karte ist ein Bilderbuch; denn neben den Speisen sind auch Bilder von Gladbach und Istanbul enthalten und sowie von den Speisen und Getränken.

Die verkosteten Speisen

Tavuk Sac Kavurma

Dieses Gericht besteht aus Hähnchenfleischstücken, die mit Zwiebeln, Paprika und Peperoni in einer türkischen Pfanne (Sac) gebraten werden.

Karışık ızgara 1 Kişilik

Gemischte Grillplatte (1 Person) mit Reis und Salat

Vorweg gab es ein großes Fladenbrot und zwei Aufstriche. Das Gebäck war bereits in Streifen geteilt. Die eine Paste war weiß und schmeckte nach Joghurt und war sanft gewürzt, die andere war rot und hatte eine leichte Schärfe.

Damit alleine könnte man sich bereits satt essen.

Aber wir wollten ja unsere Hauptgerichte verkosten.

In einer Pfanne waren alle Zutaten angeordnet. Es gab viel zartes Hähnchenfleisch. Auch mit Gemüse war nicht gespart worden. Der Reis war köstlich gewürzt und auf den Punkt gegart.

Solche Teller scheinen uns hier besonders zu gelingen.

Auf dem großen Grillteller waren Hackfleischgerichte, Hähnchenfleischstücke, Rindfleischwürfel und ein Lammkotelett am Knochen.

Das Lamm war saftig und gut gewürzt. Für mich das beste Stück auf dem Teller. Aber auch die Geflügelhappen waren saftig und schmackhaft. Die Rindfleischwürfel hingegen waren recht kompakt, relativ trocken und recht bissfest.

Die Hackfleischgerichte bestanden wohl aus Rind oder vielleicht auch aus Hammel. Jedenfalls waren mir diese Stücke auch zu trocken und zu fest in der Konsistenz.

Das sollte für die Zukunft bedeuten, dass Gerichte mit Geflügel oder Lamm für mich eher die Wahl sein werden.

Der Reis war gut angemacht und schmackhaft.

Pilze und Tomate waren gegrillt worden und fanden meine Zustimmung.

Der Berg rohe Zwiebeln war mir zu viel.

In einer Extra-Schale war der Salat angerichtet. Er bestand aus Tomaten, Petersilie und Blattsalaten. Alles war frisch und knackig. Das Dressing war relativ neutral und von daher etwas langweilig.

Zum Abschluss wurde uns ein Glas starker Tee gereicht. Sonst trinken wir Tee meist pur ohne Zusätze; hier fanden wir etwas Zucker unerlässlich. Aber er war sehr heiß und erfrischend.

Getränke

Apollinaris Mineralwasser 0,75 l

Preis-Leistungs-Verhältnis

An den Preisen ist nicht viel auszusetzen.

Fazit

3 – wenn es sich ergibt. Positiv sind jedenfalls die Öffnungszeiten: Von Frühstück bis Abendessen ist hier alles im Angebot. Das Personal ist freundlich. - Einzig: Beim Nachbarn hat es uns einen Tick besser geschmeckt.

Die Zukunft wird zeigen, ob beide Lokale auf die Dauer genug Kunden anziehen können oder ob es zu „Marktbereinigungen“ kommt. Allein andieser Ecke der Stadt gibt es zwei Schnellimbisse, einen griechischen Anbieter und eben nun zweimal türkisch.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 26.10.2021 – mittags – 2 Personen

 

 

 

 

 

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Oktober 2021 - Rademacher *, Dellbrück

 

Der „Junge“ kann kochen!

Allgemein

La Cuisine Rademacher“ in Köln-Dellbrück erhielt 2021 einen Michelin-Stern zugesprochen. Marlon Rademacher erreichte diese Auszeichnung schon in recht jungen Jahren.

Das Restaurant liegt auch nur eine S-Bahn-Station von uns entfernt.

Mittags habe ich dort schon den Lunch probiert. Auch das Corona-Menü zum Abholen haben wir erworben und selber auf den Teller gebracht.

Das war alles recht solide.

Nun soll das Abend-Menü vor Ort folgen. YouDinner schreibt dazu: „Das kulinarische Zentrum Kölns liegt nicht unbedingt rechtsrheinisch – mit dem 2018 eröffneten Restaurant La Cuisine Rademacher gibt es nun aber einen neuen Stern am Gastrohimmel auf der Schäl Sick! Gastgeber und Spitzenkoch Marlon Rademacher hat sich mit seinem eigenen Restaurant in seiner Heimatstadt einen Traum erfüllt. Hier kreiert er uns an unserem YouDinner-Abend ein fantastisches französisches Menu mit internationalen Einflüssen – bei den Produkten allerdings legt er viel Wert auf Regionalität.“

Marlon Rademacher (26 Jahre alt) machte seine Ausbildung zum Koch in der Post in Odenthal. Im Anschluss folgte ein Praktikum in Hamburg im The Table von Kevin Fehling. Auch im Waldhotel Sonnora von Helmut Thieltges machte er Station. Danach zog es Marlon nach Mallorca in das Restaurant Tirso unter Carlos Abad. Bis zur Verwirklichung des Traumes der Selbstständigkeit war Marlon Rademacher im Restaurant Wein am Rhein Sous Chef.

Ich war recht gespannt und erwartete einiges.

Ambiente

Das Lokal ist recht unspektakulär eingerichtet. Es gibt direkt hinter dem Eingang einen Gastraum. Dort steht auch die Theke. Und einen „Nebenraum“ links vom Eingang aus. Dort fand unser Dinner statt.

Die Tische standen zu einer Tafel zusammen und boten 16 Gästen Platz.

Weiße Tischdecken bedeckten die Platte.

Große graue Stoffservietten lagen auf dem Platz. Wasser- und Weinglas waren ebenso eingedeckt wie Brotteller und Besteck. Eine schlichte Blume brachte etwas Farbe auf den Tisch. Teelichter dienten als weitere Dekoration. An der Decke befanden sich „Kronleuchter“ aus leeren Flaschen als Lampenschirm.

Service

Zwei junge Frauen (eine davon wohl die Chefin) sorgten für uns. Das geschah freundlich und unaufdringlich. Die Gerichte wurden kurz zentral für alle vorgestellt. Die Getränke wurden aufmerksam – je nach Wunsch und Bedarf - nachgeschenkt.

Der Koch und sein Team standen auch gelegentlich für Fragen bereit und kamen an unsere Tafel.

MENU LA CUISINE
 

MARLONS TRÜFFELSANDWICH HERBST EDITION
Brioche | Kürbis | Burgundertrüffel

 

Die Brioche-Schnitte war luftig und recht kross geröstet. Das knackte schön und ergab ein angenehmens Mundgefühl. Darauf war eine Kürbispaste aufgetragen. Obenauf lagen reichlich feine Trüffelspäne. Sie hatten eine feine Duftnote und schmeckten ausgezeichnet nach „Wald“.

Es war ein köstlicher Gruß aus der Küche, der viel Freude auf das weitere Menü machte.

Zwischenzeitlich waren auch das frische Sauerteigbrot und zwei Brotaufstriche auf der Tafel verteilt worden. Brot wurde je nach Bedarf nachgelegt.

Die eine Butter war im Buddha-Form dargeboten. Es waren rote Wurzelgemüse zugesetzt worden. In einen Topf war eine cremige würzige Paste, die wie eine Majonäse in der Konsistenz wirkte.

Das Brot hatte einen kernigen Geschmack – beide Aufstriche passten gut dazu.


BURRATA
Tatar von der Zebratomate | Crôuton | Olive | Basilikum

Die Tomaten waren in winzige Würfel geschnitten und mit einer Creme aus Basilikum und Oliven umhüllt. Das war recht aromatisch abgeschmeckt. Die kleinen Brotstückchen waren wunderbar kross und knackig, obwohl sie doch in einer „flüssigen“ Umgebung eingebunden waren. Der Hauptdarsteller – die Frischkäsevariante – war cremig gerührt und gleichzeitig noch so strukturiert, dass sie eine Zylinderform halten konnte. Obenauf befanden sich noch einige „Fischeier“.

Auch hier zeigte die Küche, dass sie ausgezeichnet würzen kann und zielsicher mit den Aromen arbeitet.
 

CEVICHE VON DER WILDFANG SEEZUNGE
rote Bete | Hummus | Ghoa Cress

Auffällig war hier zierst die große krosse Hippe, die im Gericht steckte, sie sorgte für etwas knackige Momente. Die Bete prägten die Farbe. Die besonderen Kräuterfäden ergaben leichte Zitrusnoten. Insgesamt war der Teller recht feurig gewürzt, aber noch angenehm. Doch der Fisch ging darin etwas unter; jedenfalls habe ich die Seezunge nicht geschmacklich ausmachen können. Trotzdem war auch diese Kombination durchaus abwechslungsreich und gelungen. Würzig, sauer und scharf war es auf jeden Fall.

Vielleicht hätte ein Fisch mit robusteren Noten (Wolfsbarsch, Kabeljau zum Beispiel) mehr Ceviche-Charakter erzeugt.

SELLERIE MILLE-FEUILLE
Granny Smith | Champagner Beurre Blanc

Die „Gemüse“-Komposition hat mich voll überzeugt. Das Würzelgemüse war fein gehobelt, leicht gedünstet und aromatisch gewürzt. Der Apfel brachte spürbare Noten von Säure dazu. Zusammen war es ein köstliches Spiel von mild, süß, würzig und sauer. Dazu die gelungene helle Sauce. Ein echter Höhepunkt.

BLAUFLOSSEN THUNFISCH
Avocado | Sesam | Yuzu Emulsion

Doch der nächste „Fischgang“ waren ebenfalls eine äußerst stimmige Kombination. Der Fisch war würzig und saftig wie selten. Obenauf waren verschiedene Kräuter und Samen zu einer pikanten Haube vereinigt. Die Sauce hatte Potenzial zur Suchtgefahr.

Wieder war ein Gang von einer großen Breite an Aromen gelungen.

JOHN STONE RINDERFILET DRY AGED
grüne Kräuter | Roscoff Zwiebeln

Das Fleisch war saftig und rosig. Weich und geschmeidig verzauberte es den Mund. Die frischen rohen Kräuter waren zu einem kleinen „Strauß bzw. Besen“ gebunden. Sie waren also nicht zum Verzehr gedacht, sondern sollten über das Fleisch gestrichen werden. Ich glaube nicht, dass das wirklich große Auswirkungen bringt, aber es macht vielleicht Freude. Doch die Sauce konnte schon zum Fleisch punkten.

EXOTISCHE FRÜCHTE
Pistazie | weiße Valrhona Schokolade

Eine kleine Einlage mit Kräutern und Trockeneis sorgte für „Nebel“ am Tisch. Es hat mich nicht gestört, aber ich sehe auch wenig Sinn darin. Etwas Show halt.

Dann konnten wir uns jedoch dem Nachtisch widmen. Der kalte grün überzogene feste Quader mit Pistaziengeschmack und die cremige weiche Schokolade bildeten den Hauptbestandteil. Wie kleine Satelliten waren um dieses Zentrum herum Kugeln in verschiedenen Fruchtaromen angeordnet.

Es gab also wieder einige Kombinationen von süßen und herberen Richtungen. Genau wie ich es mag.

MARLONS CRÈME BRÛLÉ

Zum Abschluss gab es noch eine kleine Schale mit „gebrannter Creme“. Sie schmeckte gut – im Geschmack hatte ich sie auch so erwartet.

Eine Tasse Espresso folgte noch. Und dann war das Menü beendet.

Mir haben die Würzkombinationen von Marlon Rademacher sehr angesprochen. In meinem Empfinden zeigt sich hierin die Handschrift der Küche. Es war also eine gute Entscheidung das Degustationsmenü verkostet zu haben. Es war kein Vergleich zum Mittagslunch.

Getränke

Mineralwasser still und medium

Louis Chavy, Tastevinage Crémant de Bourgogne Brut

Christian Bamberger, Nahe, Merlot Blanc de Noir trocken - Merlot ist Weiß 2019

Weingut Wittmann, Rheinhessen, Westhofener Weisser Burgunder & Chardonnay trocken 2018

Telmo Rodriguez, Castilla, Dehesa Gago DO Tempranillo 2019

La Cave de Die Jaillance, Die, Clairette de die Cuvée Excellence Tradition Muscat Blanc

Espresso

Die Getränke passten alle gut zu den Speisen. Weißen Merlot hatte ich bisher noch nicht kennen gelernt. Aber Blanc de Noirs vom Spätburgunder sind ja auch nicht so ungewöhnlich.

Fazit

4 – gerne wieder. Und es geht ab jetzt auch nur noch abends; denn der Lunch wurde gestrichen. Die neuen Öffnungszeiten sind nur noch Mi – So  18-22 Uhr.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 13.10.2021 – 1 Person (Gruppe von YouDinner mit 16 Teilnehmer+innen)

 

 

 

 

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September 2021 - Phaedra

Ein köstlicher Nachmittag in der Südstadt

Allgemein

Damit Feriengefühle nicht verloren gehen, bot YouDinner einen Termin im Phædra an: KOSTAS FISCHMENU – lautete das Motto. - Seit dem ersten Besuch dort, habe ich das Lokal in guter Erinnerung. Diesmal wird Konstantin Tzikas ein griechisches Fischmenu kreieren, das auch Einheimischen genießen würde, war die Ansage.

Also auf in die Südstadt. Rund um den Chlodwigplatz ist schon mittags viel los. Besonders auf der Bonner Straße waren auch schon viele Lokale (und es sind verdammt viele) gut besetzt.

Aber mein Ziel war ja die Elsaßstraße.

Ambiente

Foto: YouDinner

Es war herrliches Wetter. Und die Wirtsleute spannten die Sonnenschirme auf. Die zwei Kinder der Familie spielten noch mit dem Opa vor der Türe.

Miguel Calero von YouDinner begrüßte uns und führte die Gäste an die gedeckte Tafel im Inneren des Restaurants.

Der Raum ist nicht besonders groß aber gemütlich eingerichtet. Die Theke mit den Getränken und die offene Küche dahinter erzeugen einen einladenden Eindruck.

Wir setzten uns nieder – und kurz darauf brachte die Chefin auch schon erfrischende kühle Cocktails.

Damit waren gute Bedingungen für einen entspannten Nachmittag vorhanden. Denn auch die kleinen Ouzo-Fläschchen, Eiswürfel und Wasser standen auf dem Tisch bereit.

Service

Die Wirtsleute strahlten Gastfreundschaft aus – der Chef war etwas heiser und daher erläuterte die Dame des Hauses die Speisen und Getränke.

Die weiteren Mitarbeiter*innen waren freundlich und halfen beim Servieren; sonst waren sie jedoch recht schweigsam.

Die verkosteten Speisen

Vorspeisen: OUZO – MEZZE

Die Gerichte wurden auf kleinen passenden Tellern für mehrere Personen auf dem Tisch ausgebreitet. Jeder konnte so zugreifen und sich mit den entsprechenden Zutaten versorgen.

Weiße Crème Tarama

mit Forellenkaviar | Schnittlauch | Frühlingszwiebeln

Es war eine Art Brotaufstrich, die aber auch pur schmeckte. Zusammen mit dem frischen Brot war die Creme einfach lecker. Ich musste mich richtig bremsen; denn schließlich kamen noch andere Speisen auf uns zu.

Frittierte Alici

Basilikum-Mayonnaise | Zitrone

Die kleinen Sardellen waren als ganze Stücke zubereitet. Die Haut war knusprig. Und die winzigen Gräten im Inneren machten keine Probleme beim Schlucken. Die köstliche Mayonnaise passte ebenfalls sehr gut dazu.

Oktopus-Carpaccio

mit Fava und Kapern aus Santorini | Vinaigrette

Die Tintenfisch-Ringe waren sehr dünn aufgeschnitten und fein gewürzt. Die Erbsencreme und die Kapernstücke waren eine perfekte Begleitung.

Blitzschnell waren die Teller verputzt. Aber niemand kam zu kurz dabei.

Garnelen „Saganaki"

Ouzo | Tomaten | Feta | Basilikum

Das war schon alles recht fein und erfreulich; aber die Garnelen waren noch eine Steigerung. Sie waren gut gegart und zusätzlich mit köstlichen Gewürzen, die zu einer Sauce vermischt waren, abgerundet.

Lauwarmer Spinatsalat

Mangold | Olivenöl | Zitrone

Der Salat war gut angemacht – ist mir aber sonst nicht besonders in Erinnerung geblieben. Doch Gemüse ist gesund. Popeye hätte sich große Freude daran gehabt.

ZWISCHENGANG: «KRITHAROTO»

Crèmige Risoni mit Sepiatinte und gebratenen Calamaretti

Die kleinen Nudeln waren bissfest gegart, aber auch schön cremig an der Außenhülle. Die schwarze Tinte umgab die Risoni. Die Tintenfisch-Stücke waren gut gegart und auf den Punkt im Biss. Nichts von Gummi oder Kompaktheit! So wünsche ich sie mir immer – doch leider sind sie oft bei anderen Lokalen nicht so gelungen wie hier.

HAUPTGANG: Schwertfisch vom Lavastein-Grill

mit Sommergemüse, Kalamata-Oliven und Zitronenzesten

Als ich die Karte las, müsste ich an ein Zitat aus einem Buch denken: „Schwertfisch? Schmeckt eigentlich gut. Aber mein Fischlieferant bestellt nie welchen. Weil er schon 3-Fuß-lange Parasitenwürmer durch deren Fleisch hat krabbeln sehen“ (aus Anthony Bourdain: Geständnisse eines Küchenchefs. Was Sie über Restaurants nie wissen wollten).

Aber als ich den Teller sah, waren alle „Bedenken“ wie weggewischt. Der Fisch war ein Gedicht: Herrlich gebraten, köstlich gewürzt und himmlisch weich und saftig. Wir waren uns alle einig, das war Spitze. Miguel Calero winkte dem Koch zu und wir spendeten ihm spontan Applaus.

Hier war der Hauptgang auch tatsächlich die Hauptattraktion.

DESSERT: «BAKLAVA» - Geschichteter Blätterteig mit Nüssen

Mandarinencrème und Mandarinensorbet

Baklava ist ja meist in türkischen Lokalen so süß und klebrig, dass es mir nicht mundet. Doch hier war es wohl ausgewogener, erzählten die Nachbarn. Ich selber bekam wegen meiner Nuss-Unverträglichkeit ein zweites Eis – mit Basilikum-Geschmack.

Damit war ich auch sehr zufrieden. Zusammen mit dem Manarinen-Gericht ergab es einen guten Abschluss vom Lunch.

Dann noch einen Kaffee – so endete ein toller Nachmittag. Zufrieden trat ich die Heimfahrt an und bewegte mich dabei nochmals durch die Straßen mit dem pulsierenden fröhlichen Flair und den multi-kulturellen Menschen in der Südstadt

Getränke

Stilles Wasser

Mineralwasser medium

Skinos Spritz (Skinos, Cremant, Grappefruit, Eis)

Quzo Kazanisto – Stroupakis

Retsina“ - Assyrtiko & Rodits - Kamara Winewry – Thessaloniki

2019 Aplá – Malagousia, Assyrtiko, Roditis – Oenops Wines – Drama

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute, frische Zutaten und interessanter Cocktail, einfache Weine, viel Ouzo – da kann man nicht meckern. Schließlich war der Preis ein Komplett-Angebot.

Fazit

4 – gerne wieder. Für mich stimmt hier das ganze Paket: Ausgezeichnete Küche und sympathischer Service. Das Besitzer-Ehepaar macht einen vorbildlichen Job.

(1– sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 25.09.2021 – mittags – 1 Person (Gruppe von YouDinner – insgesamt 12 Teilnehmer*innen)

 

 

 

 

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September 2021 - Rheinberg im Ratskeller

Wir waren zufrieden – einige interessante Kombinationen bei den Gerichten

Allgemein

Bekannte unserer Tante hatten das Restaurant empfohlen. Hier soll es moderne deutsche Küche geben. Das Lokal gehört zum Hotel „Am Fischmarkt“. Da wir in Kamp-Lintfort schon einige Speiselokale besucht haben, war der Tipp eine willkommene Abwechslung. Die Entfernung der beiden Städte ist auch nicht groß.

Also wurden Plätze für einen Lunch gebucht.

Ambiente

Beim Namen Ratskeller hatten wir mit einem Gewölbe gerechnet. Aber das Lokal ist ebenerdig angelegt. Es liegt recht zentral in der Innenstadt. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, kann es dort Park-Probleme geben (unsere Tante ist mit einen „Ausweis“ ausgestattet, was das Parken leicht macht).

Direkt neben dem Hotelbereich befindet sich das Stammhaus von „Underberg“.

Vor dem Eingang befindet sich ein relativ großer Außenbereich. Innen fanden wir eine moderne Einrichtung vor – sie war im Bistro-Stil gestaltet.

Aber recht gemütlich.

Service

 

Der Mann und die Frau, die den Service erledigten, waren freundlich und unkompliziert. Sie erfüllten uns gerne alle „Sonder“-Wünsche. Allerdings hätten wir mehr Getränke verzehrt, wenn die Bedienung zwischendurch öfter gekommen wäre.

Die verkosteten Speisen 

Gebratener Lachs – kleiner Salat – Salzkartoffeln

Unsere Tante war vom Fisch begeistert. Er war auch sehr schön auf der Haut gebraten und kross. Innen war der Fisch saftig und zart.

Die Kartoffeln waren wunschgemäß nur gekocht und der Salat ohne Dressing. So konnte sie mit den Gewürzen am Tisch (Öl, Pfeffer, Salz) selber die Mischung vollenden.

 Currywurst „ Ratskeller “: Wurst vom Metzgermeister Axel Brandt - in fruchtiger Currysauce mit Pommes Frittes & Salat

Meine Frau war vom Geschmack der Wurst sehr angetan, auch die Sauce war genau richtig gewürzt. Die Pommes waren knusprig und der Salat frisch und mit einem leichten Dressing versehen.

Egg Benedict Burger mit Lachs: 100 g Räucherlachs, grüner Spargel, Burgersauce, rote Zwiebeln, marinierter Feldsalat & pochiertes Ei, im Reibekuchen-Bun

Unsere Tochter war vom Teller ebenfalls recht angetan. Jedoch fand sie den Oberbegriff „Burger“ nicht passend bzw. treffend. Es war auf jeden Fall eine Schichtung oder ein Turm.

Daher war die Kreation für sie auf jeden Fall sehr phantasievoll und kreativ. Das übliche Brötchen war durch zwei kleine Reibekuchen ersetzt worden. Der Lachs stellte wohl ein Patty dar. Salat, Spargel, Zwiebel und Sauce entsprachen schon eher einem Burger. Doch das Größte am Gericht war schon das pochierte Ei. Es war genau richtig gelungen.

Den „typischen“ Burger soll man ja aus der Hand essen – egal ob da Teile abbrechen oder man sich ordentlich bekleckert. Aber das war mit diesem Gericht schier unmöglich.

Also wurde der Turm mit Messer und Gabel abgearbeitet.

Der Gesamtgeschmack war recht ansprechend – das Gericht irgendwie gelungen.

Blumenkohl-Curry mit Cashewkernen, Koriander, Granatapfel & Duftreis mit Tandori-Chicken

Dieses indisch anmutende Gericht war ursprünglich vegetarisch ausgerichtet. Es stand daher in der Karte auch unter diesem Motto. Aber es gab dazu auch Zusatzangebote. Ich wählte das Hühnchen. Das Fleisch war schön mariniert und leicht gebraten. Es handelte sich um ein Stück Brust und ein Stück Schenkel mit Knochen. Der Blumenkohl war mit Gewürzen versehen und hatte noch leichten Biss. Weitere Gemüse-Stücke bereicherten das Curry Die Kerne von Cashew und Granatapfel ergaben einen angenehmen Crunch. Die zusätzlichen Kräuter erzeugten weitere Geschmackskombinationen.

Getränke

Gerolsteiner medium

Riesling Hausmarke

Geilings-Bräu Kellerpils (vom Fass)

Das Bier stammt aus einer kleinen Brauerei im Kamp-Lintfort. Ich kannte es bisher nicht und musste es daher probieren. Es war für ein Pils recht mild, aber es war schmackhaft und angenehm zum Essen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Uns erschienen die Preise recht moderat. Die Portionen waren so angelegt, dass man davon schon relativ gesättigt wird.

Daher haben wir die Nachspeisen nicht probiert.

Fazit

4 – gerne wieder. Es scheint, dass wir für die Region Niederrhein eine neue interessante Adresse gefunden zu haben. Es gibt vegetarische Gerichte, aber auch Fisch und Fleisch und eine Reihe von Burgern.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 19.09.2021 – mittags – 4 Personen

 

 

 

 

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September 2021: Moissonnier **, Köln

Foto: YouDinner

L’AMOUR - LE PLAISIR - LE MOISSONNIER (Liebe – Genuss - Moissonnier)

Allgemein

Bereits seit über 30 Jahren gibt es dieses französische Lokal in Köln. Seit langer Zeit halten sie zwei Sterne und gelten als das „erste“ Haus in Köln. 2020 kam eine weitere Auszeichnung hinzu: Der Feinschmecker kürte Eric Menchon – seit Restaurantbeginn als Chefkoch im Le Moissonnier tätig – zum Koch des Jahres.

Das feierte YouDinner mit zwei Terminen. Der erste war sofort ausgebucht. Dann konnte ich noch einen Platz zum nächsten Treffen ergattern (Buchung Ende 2019).

Doch dann kam Corona – und das winzige Restaurant wurde ganz geschlossen. Aber das Unternehmen war nicht faul und bot seine Köstlichkeiten als Abholmenü an. So lief das mehrere Monate.

Dann wurde das Restaurant wieder für Gäste geöffnet. Mit viel Mühe wurden alle Vorschriften umgesetzt. Ein Kunststück, denn es war immer sehr „eng“ im Lokal. Die Tische für zwei Personen hatten untereinander einen gefühlten Abstand von einer Handbreite.

Aber ehe YouDinner seinen Termin abhalten konnte, kam die neue Welle und die Veranstaltung wurde von Monat zu Monat weiter verschoben. Schließlich machte das Team auch seine wohlverdienten Ferien.

Ich hoffe nun auf den Monat September 2021 (und die Bestätigung kam auch!).

Wenn jetzt nicht wieder die Bahn streikt, komme ich vielleicht auch pünktlich an.

Meine Erwartungen sind hoch und ich bin gespannt.

Ambiente

Der Raum ist wirklich recht klein, durch die Trennwände wegen Corona sieht es auch nicht größer aus. Das Lokal hat aber trotzdem optisch seinen Charme. Die Plätze sind eben bistroartig aufgestellt bzw. angerichtet. Für mich ist das aber zu eng, es bedrückt mich etwas. Andere finden gerade diese Dichte besonders anregend.

Service

Die Gastgeber – das Ehepaar Moissonnier – sind freundlich und empathisch. Das weitere junge Personal ist ebenfalls höflich und zuvorkommend; aber sie haben eher keine kommunikativen Aufgaben. Gut, sie sagen Gerichte an und beantworten auch Fragen.

Da ich mit YouDinner hier zu Gast war, hatte ich gehofft, dass wir – wie eigentlich üblich – auch „Geschichten“ zum Haus und Erklärungen vom Küchenchef bzw. dem Gastgeber erhalten würden. Denn ein Motto des Clubs ist: „Köche ganz persönlich erleben.“

Das geschah leider nicht; denn wir waren auch nicht die einzigen Gäste. YouDinner hatte zwei Tischreihen: Einmal mit sechs und einmal mit acht Personen.

Der größere Rest an Plätzen war von Menschen, die reserviert hatten, besetzt. - Gut, eigentlich kein Wunder, wenn das Lokal am Samstagabend öffnet. Aber dadurch war eben wohl keine Zeit für die gewohnten Einblicke in die Arbeit des Hauses. Gerne hätte ich speziell einmal den Chefkoch bei uns gesehen.

Vincent Moissonnier habe ich hingegen schon bei Weinproben erlebt und er tritt auch im Fernsehen regelmäßig bei „Kochen mit Stern - Live nach Neun - ARD | Das Erste“ auf. Er ist für mich ein großartiger Entertainer – aber eben im Restaurant ist dafür wohl keine Zeit.

Die verkosteten Speisen

Wir erhielten ein Sechs-Gang-Menü und Grüße aus der Küche. Die Karte für den Abend bekamen wir in gedruckter Form eines Faltblattes zur Hand.

Hier blieben keine Wünsche offen. Auf der linken Seite standen alle Weine und rechts waren die Gerichte – ziemlich kleinschrittig – aufgeführt. Das erleichtert die Verfolgung der relativ vielen kleinen Tellerchen, Schüsselchen und Gläschen mit Zutaten und Beilagen. Denn im Moissonier besteht ein Gang niemals aus einem Teller.

Das macht sicher ein Essen zum Erlebnis, weil dadurch so viele Eindrücke auf einen hereinbrechen.

Vorweg gab es einen Brotkorb und Butter zum „Knabbern“. Und dann wurde schon der Gruß serviert. Schon hier waren mehrere Teile auf dem Teller: Eine Leberpastete, ein Spinatgericht mit Teigmantel und Stückchen von Radieschen auf einer Creme. Einige Gewürze in grober Pulverform rundeten das Bild ab. Die Leberkomposition schmeckte mir sehr angenehm. Die Teiggeschichte mit Füllung war mir außen etwas zu dick und elastisch, aber sonst in Ordnung. Eine aromatische Sauce konnte mit den Zutaten kombiniert werden. Die kleinen etwas scharfen Radieschenabschnitte wiederum machten den Mund durch die leichte Säure frei für die kommenden Genüsse.

Gang 1: Petite bouillabaisse à la mandarine

Loup de mer, gegrillter Saint-Piere und Pulpo - lauwarm auf Fischsuppen-Sud mit Mandarinen-Öl, Zitronengras und Seeigel-Zunge - Taschenkrebssalat mit rosa Grapefruit
und Brioche-Croutons mit Aioli und Räucherfisch

Ein recht großer Teller mit einer kleinen Portion Fischsuppe wurde eingedeckt. Auf einem Extrateller waren die Meereseinlagen für zwei Personen bereitgestellt. Ebenso waren die Croutons auf einem länglichen Teller nebenan aufgereiht. In einer weiteren Schale befanden sich die eher süßlichen Komponenten. Alle Zutaten der Liste konnte ich nicht entdecken. Aber alle Teller und Schalen brachten viele Aromen hervor. Ich habe versucht möglichst viele Teile pur und in Kombination zu probieren.

Die Bouillabaisse erschien mir recht mild, aber harmonisch; ich hatte sie mit stärkeren Meeresaromen erwartet. Für mich neu waren eben die Mandarinen-Noten.

Die Fisch-Stückchen waren fein gegart und saftig. Allein das Pulpostückchen konnte bei mir nicht punkten: Wahrscheinlich werden Tintenfisch und ich nicht echte Freunde – aber ich habe (allerdings selten) Pulpo auch schon schmackhaft gefunden.

Gang 2: Langoustine grillée au caviar d´aubergine et miso

Gegrillte Langustine mit Auberginen-Kaviar und Miso, Salzzitrone und XO Hollandaise Sauce - Kalbszunge mit Meerrettich und Sellerie-Püree, dazu Krustentier-Bouillon Provençal - Millefeuille von Spitzkohl und Colonnata-Speck

Auch hier kamen wieder zwei Tellerchen zum Hauptdarsteller. Das Meerestier – also das Schwanzstück – befand sich unten noch in seiner natürlichen Schale. Das Fleisch war herrlich gewürzt und butterzart. Die Sauce war kräftig und rund abgeschmeckt. Auf den Nebentellerchen waren der gefächerte Kohl und die Mixtur der anderen Zutaten. Sicher habe ich nicht alle Komponenten entdeckt oder erschmeckt. Aber es war eine kleine Geschmacksexplosion bei jedem Happen.

Jedenfalls war die Langustine allein schon ein Gedicht und hat mich sehr erfreut.

Gang 3 Rouget des Antilles laqué et grillé

Filets von Atlantik Rotbarbe lackiert und auf Holzkohle gegrillt - mit Avocado-Mousse, Tomatensalsa nach Rougail Art und Kafirlimetten-Öl - Süppchen von Kokosnuss und weiße Bohnen mit Mumbai Curry - Braisierte Romana an Taggiache-Oliven-Emulsion
Schwarze Tagliolini mit Forellen-Caviar

Nun wurden sogar vier Teller gereicht. Den Romana-Salat habe ich auch sofort erkannt. Ebenso glaube ich ein Gundermann-Blatt erkannt zu haben. Dieses Wildkraut verwende ich nämlich auch manchmal zu Hause in einen Salatgemisch. Die Emulsion passte sehr gut zum gegarten Gemüse. In einer weiteren Schüssel waren die schwarzen Nudeln, Eine dünne Hippe und der Kaviar. Die Pasta schmeckte wie ordentliche Pasta. Das Süppchen wiederum brachte auch asiatische und süße Noten zu Tage.

Der Fisch war allerdings das beste von diesem Gang. Der Lack gab dem Fisch zusätzliche Noten. Ein tolles Gericht. Davon hätte ich gerne einen „Nachschlag“ gehabt (kleiner Scherz am Rande).

Zwischengang Chili de fruits de mer – Sorbet sangria

Auch hier kamen zwei Schalen an den Platz. Dieser „Meeresgulasch“ war recht pikant durch die Chili-Komponente. Aber ich fand das genau richtig getroffen. Ein recht angenehmer Teller. Auch das „Eis“ war recht gelungen, ich habe auch alkoholische Anteile geschmeckt. Die „Sauce“ erinnerte mich an Kirschen.

Eine feine Kombination: Zuerst den Abschied vom Meer und dann die Vorbereitung des Gaumens auf den Fleischgang.

Gang 4 Canard Nantais au jus de chorizo

Gegrillte Nanteser Entenbrust und kleines Sandwich von gebratener Foie Gras -mit Topinambour-Barigoule-Mousse und Chorizo-Sherry-Essig Jus - Cappuccino von Entenklein-Saupiquet - geschmorte und lackierte Aubergine mit Zimt-Sirup, gegrillte Kirschtomaten, Humus von roten Linsen und Fritto Misto von süßen Zwiebeln 

Hier wurden drei Teller platziert. Dann wurde von der Kellnerin am Ende das zweite Sößchen ums Fleisch angegossen. Die Entenbrust war saftig und zart. Sie lag auf einem Bett aus Stopfleber. Für mich ist diese Kombination köstlich gewesen. Die Topinambur-Scheiben lagen obenauf.

Das „Süppchen“ vom Entenklein war recht schmackhaft (das Bild dazu ist mir eher misslungen).

Die dritte Schale war für mich eine Art „Salatbeilage“ de luxe des Hauses.Ich konnte kleine Tomatenhalbkugeln, ein Blatt Blutampfer und Gundermann erkennen. Der Humus war wohl die Creme darunter. Die Aubergine stelle wohl den kleinen Quader neben der Tomate dar. Obenauf waren dann die frittierten Teile angeordnet.

Gang 5 Coco Praliné

Kokos-Biskuit und -Praliné, Kokosmousse und Jivara Schokolade mit Zitronen-Waffel Hippe - Exotische Früchte-Suppe mit Chili-Öl, Ananas in Rum, dazu Mango-Curry Krokant und Kombawa-Zesten - Kurkuma-Eis

Zwei Schalen kamen an den Tisch. In der einen Schüssel war die Früchte-Suppe. Auf dem Teller waren Mousse und Eis. Auch hier waren wieder viele Aromen und Zutaten im Spiel. Es ergaben sich feine Zusammenspiele.

Kaffee und Petit Four

Espresso, Zuckerlutscher, Macaron, Karamell-Bonbon und Marshmallow-Würfel

Getränke

MUSCAT DE RIVESALTES 2018 Muscat à petits grains
Domaine des Chênes - AOP Muscat de Rivesaltes

Es war ein angenehmer süßer Wein. Als Aperitif hätte ich mir jedoch einen trockenen Schaumwein gewünscht. Aber sicher hat sich Vincent Moissonnier bei der Auswahl etwas gedacht.

SAINT-BRIS 2015 - CORPS DE GARDE - Domaine G & JH Goisot - AOP Saint-Bris -
Sauvignon gris (aus der Magnum-Flasche)

Für mich ein robuster Gegenpart zum vorher gereichten Süßwein. Aber vielleicht konnte sich mein Gaumen nicht so schnell umstellen. Jedenfalls wurde er für mich bei jedem Schluck sanfter.

CȎTES DU JURA BLANC 2018 – Fleur de Savagnin - Domaine Labet - AOP Côtes du Jura / Sud-Revermont - Savagnin

Das war ein Wein, der für mich wie gemacht war. Seine starken Aromen sagten mir sehr zu. Im Mund war die Säure angenehm vorhanden, aber nicht dominierend, denn die Komposition ist für mich elegant und ausgewogen.

MAS LAVAL ROUGE 2018 - LA GRANDE CUVÉE - Joël Laval - IGP de l’Hérault - 55% Syrah, 40% Grenache noir et gris, 5% Cabernet franc (aus der Magnum-Flasche)

Ein angenehmer Rotwein, der Duft von dunklen Früchte zeigte und am Gaumen würzige Noten erzeugte. Ein guter Begleiter zum Fleischgang und auch pur recht zugänglich.

PINOT GRIS 2015 LA DEMOIZELLE
Marc Tempé - AOP Alsace - Pinot gris (Auslese)

Dieser Süßwein war ein Gedicht, großartig in der Aromatik und wunderbar zum Dessert.

Wenn ich von dieser Weinbegleitung etwas für mich zu Hause kaufen würde, stehen der Fleur de Savagnin von Labet und der Marc Tempé Pinot gris auf der Liste.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Sicher kann ich in einem Zwei-Sterne-Restaurant kein Schnäppchen vermuten bzw. erwarten, schließlich werden viele Zutaten geboten und die Weinbegleitung war auch recht stark – es wurde auch gerne nachgeschenkt. So sind in guter Gesellschaft schon denkwürdige Erlebnisse möglich. Genießen steht im Vordergrund.

Fazit

4 – gerne wieder. Wichtig dabei ist auch, dass hier immer noch mittags geöffnet wird. Es muss aber schon etwas Besonderes anstehen. Und ich muss mich vorher geistig auf die Enge einstellen. Die Vielzahl der keinen Tellerchen und die Aromenkombinationen helfen dabei

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 11.09.2021 – abends – 1 Person (als Mitglied der Gruppe von YouDinner)

 

 

 

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August 2021: Marcolino, Bergisch Gladbach

Für uns eine weitere Adresse für landestypische Gerichte

Allgemein

Bei der Suche nach einigen Dingen für den häuslichen Gebrauch kamen wir zufällig an einem kleinen unscheinbaren Restaurant vorbei. Es war uns bisher noch nie aufgefallen; aber die Strecke war auch etwas abseits unserer gewohnten Einkaufspfade.

Das Haus wirkte sehr schmal und sah eher wie ein Zugang zu einem Wohnhaus auf. Auf einem Zettel stand der Hinweis, dass nun nach langem Umbau und Corona- Beschränkungen wieder geöffnet sei.

Montag und Dienstag sind Ruhetage; aber sonst wird sogar mittags geöffnet.

Also machten wir uns an einem Mittwoch auf den Weg.

Die Türen wurden gerade geöffnet und wir traten ein.

Der Flur sah schon wie ein Mietshaus aus (ein paar Stufen aufwärts); aber leicht rechts befand der Eingang zum Restaurant. Wir sahen einen kleinen Raum und links befand sich die offene Küche. Doch durch einen „Durchbruch“ kamen wir in ein größeres Zimmer. Und am Ende war noch eine offene Türe, die ins Freie führte – dort war also auch noch eine Außenanlage.

Es war also gar nicht so klein, aber auch nicht riesig.

Ambiente

Die Tische und Stühle waren einfach gehalten, etwa wie in einem „Brauhaus“: Glatte, blanke Tische und stabile Stühle. Die Wände waren in ruhigen Farben gehalten. An einer Wand befand sich eine große gemalte Landkarte von Sardinien.

Service

Die Dame des Hauses war freundlich, aber etwas kühl und ruhig im Auftreten. Vielleicht sind Sarden nicht so impulsiv wie die „Festland“ Italiener.

Beim zweiten Besuch war das Wetter gar nicht so schlecht und so bot uns die Chefin einen Platz im Außenbereich an. Doch wir entschieden uns für drinnen. - Später zeigte sich, dass das eine gute Wahl gewesen war; denn wie aus heiterem Himmel gab es eine heftige Schauer – mit etwas Hagel sogar.

Die Chefin, die den Service alleine macht, konnte uns beraten und unsere Wünsche gut umsetzten. Sie taute also schon etwas auf.

Die Karte(n)

Die Karte ist gut gegliedert und bietet zu verschiedenen Bereichen jeweils ein kleines Angebot. Schon auf der ersten Seite wurde darauf hingewiesen, dass es hier sardische Küche gibt. Die Schwerpunkte sind Fleisch, Brot, Käse, Wein und Meeres- und Landfrüchte. „Pane Carasau“ gehört zum Beispiel dazu (ein dünnes getrocknetes Hirtenbrot).

Die Gerichte werden wohl alle frisch zubereitet und mit Liebe gekocht. Es dauert manchmal etwas länger, aber der Koch ist auch alleine in der Küche.

Bei der Pasta waren wir uns nicht sicher, ob sie fertig gekauft oder selbst gemacht ist. Doch sie war gut verarbeitet.

Die verkosteten Speisen

Um die Vielfalt der Vorspeisen kennen zu lernen, wählten wir eine gemischte Platte. Sie war aus dem Bereich „Terra“: Also Gemüse und Käse, sowie angeröstetes Weißbrot und eben Hirtenbrot. Dazu wurden noch Öl und grüne und schwarze Oliven gereicht. Bei einem nächsten Besuch probiere wir vielleicht auch die Version „Mare“.

Die gerösteten Brotscheiben schmeckten mit dem Olivenöl zusammen recht gut. Das dünne Pane Carasau gefiel uns auch, war aber nicht besonders intensiv in der Aromatik: eben ziemlich trocken, fast durchsichtig und recht knusprig.

Terra classico

Schinken, Käse, Salat, Oliven

Es gab zweierlei Sorten von rohem Schinken; beide waren würzig – einmal mit mehr Fettadern durchsetzt und einmal recht mager. Beim Käse handelte es sich wohl um Pecorino (möglicherweise um verschiedene Arten; Schafskäse spielt auf Sardinien eine große Rolle). Radicchio und Chicorée bildeten die Salatbeilagen, die nicht extra angemacht waren.

Zusammen mit dem Brot waren die Zutaten alle angenehm und schmackhaft.

Beilagen-Salat

Terra verdura

Aubergine, Zucchini, Pilze, Oliven

Das gegrillte Gemüse hat uns am besten zugesagt. Es war perfekt gegart: leichte Röstaromen außen und innen saftig – auch die Form blieb erhalten und konnte geschnitten werden, ohne zu zerfallen.

Bei den Pilzen handelte es sich um braune Champignons.

Auch die Würzung war gelungen. Selten haben wir pflanzliche Kost so angenehm zubereitet serviert bekommen.

 

Gegrilltes Spanferkelkotelett

Fleisch, gegrillt oder gebraten und mit Kräutern kräftig gewürzt, spielt eine wichtige Rolle in der sardischen Küche.

Das Kotelett war mutig gewürzt und angenehm gebraten. Es war saftig. Außen war noch ein kleiner Fettrand. Zum Knochen hin wurde das Fleisch saftiger.

Die Kartoffeln sahen von außen wie Bratkatoffeln mit Schale aus. Aber sie waren auch außen relativ weich, innen leicht mehlig. Für eine Aufnahme von Sauce also gut geeignet. Aber es gab ja keine Sauce – habe ich auch nicht erwartet – so hätten sie durchaus etwas krossen sein dürfen.

Es gab auch noch eine Schale frischen Salat dazu (sicher ein Entgegenkommen für deutsche Gäste; den klassisch wird das Fleisch ohne viele Beilagen serviert, glaube ich. Gut, dass er nicht auf dem Hauptteller war, so konnte das Dressing keinen „Schaden“ am Fleisch anrichten. Neben vielerlei Blattsalaten waren auch Tomate, Möhre und Gurke zum Einsatz gekommen. Das Gemüse hatte natürlichen Biss, denn es war roh, in kleinste Stücke geschnitten, dazu gefügt worden. Die Salatsauce bestand wohl aus leichtem Essig und etwas Öl und war relativ neutral gehalten. Die Portion war relativ groß.

 

Sardische Ravioli mit frischen Pfifferlingen

Wie in ganz Italien haben auf Sardinien Pasta-Gerichte wohl auch ihren wichtigen Platz.

Die Ravioli hatten eine relativ große Form. Sie erinnerten fast an kleine Maultaschen. Sie waren reichlich mit einer Ricotta-Mischung gefüllt und rund abgeschmeckt. Eine leichte cremige fruchtige Sauce begleitete die Speise.

Für mich waren die Ravioli überraschend weich; ich hatte sie etwas fester erwartet und vielleicht in warmer Butter leicht angeschwenkt. Aber auch so waren sie recht schmackhaft. Die Pilze waren eher weich und nicht so gebraten worden wie die Champignons vorher. Kleine Minitomaten waren dazugemischt worden; deren Saft dürfte für die leichte Schlotzigkeit verantwortlich sein. Der geriebene Käse war relativ sanft und brachte leichte herbe Noten ins Gericht.

Vielleicht werden auf Sardinien die Nudeln schon etwas anders hergestellt bzw. verarbeitet. Es ergaben sich für mich kleine neue Aromenkombinationen. Grundsätzlich habe ich es aber bisher lieber etwas mehr al dente.

Der Vorspeisenteller und die beiden Hauptgerichte hatten einen hohen Sättigungsfaktor. Daher haben wir schweren Herzens auf einen Nachtisch verzichtet. Aber das wollen wir nachholen, denn die Angebote klangen vielversprechend.

Beim zweiten Besuch wählten wir folgende Speisen:

 

terra classico

Schinken, Salami, Käse, Oliven

Da kann man nichts falsch machen, wir hatten sie schon einmal probiert. Die frischen Zutaten schmecken einfach gut. Und das geröstete Brot passt auch perfekt dazu.

 

Marcolinos Meer

lange Pasta, Garnelen, Muscheln, Kalmar, Cherrytomaten, Knoblauch

Die Nudeln waren al dente gegart. Die Beilagen waren angenehm und gut gegart bzw. gebraten. Die Garnelen hatten jedoch ihre „Schalen“ behalten. Das ist gut für den Geschmack, aber für mich lästig beim Essen. Das Pulen macht mir während der Mahlzeit einfach keinen Spaß. Da bereiteten die Muscheln bedeutend weniger Arbeit, weil das Fleisch relativ einfach zu entnehmen ist. Die Tintenfischstücke waren in Ordnung; aber ich habe sie auch schon „geschmeidiger“ verkostet.

Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Komposition gut gefallen hat und auch feine Aromen aufzeigte.

 

Steak

gegrilltes Rumpsteak, Tagesbeilage

Das Fleisch stammte von einer Kuh aus der Umgebung; das Teilstück war vom Rib Eye bzw. Entrecôte. Es war leicht gebraten und sanft zu Ende gegart.

So war es weich und saftig. Ein Steak stelle ich mir außen knusprig und innen rosa vor. Aber auch diese Version hat mir gut geschmeckt.

Rosmarinkartoffeln gab es als Beilage. Sie waren gegart und leicht in Fett und Kräutern geschwenkt.

Auch ein gemischter Salat gehörte noch dazu. Die Blätter waren frisch und knackig. Auch Tomate, Gurke und Paprika wurden zu den Salaten gefügt. Das Dressing einfach auf Essig- und Ölbasis gemischt.

 

Pasta mit Rind

kurze Pasta, Rinderstreifen, Cherrytomaten, Rucola, Parmesan

Die Nudeln waren al dente. Die Streifen waren schmal geschnitten und hatten eine angemessene Würzung erfahren. Tomate, Salat und Käse rundeten den Teller ab.

gegrilltes Spanferkelkotelett

Koteletts, Rosmarinkartoffeln, Myrte

Die Schweinekoteletts waren leicht gegrillt und innen saftig. Dazu gab es – wie wohl bei allen Hauptgerichten – Kartoffeln und Salat. Das Gericht hatte schon beim ersten Besuch gefallen.

 

Zitronensorbet

Das Eis war wunderbar „sauer“ gehalten. Es war in einer ausgehöhlten Zitronenhälfte untergebracht. Der Geschmack war sehr erfrischend. Als Dekoration und kleiner Zusatz waren noch Feigenstücke und eine Orangenscheibe dazu gelegt worden.

 

Schokotörtchen

Das Törtchen hatte einen flüssigen Kern und bestand aus dunkler Schokolade. Als Kontrast war noch eine Kugel Vanille-Eis auf dem Teller. Feigenstücke, Trauben und eine Orangenscheibe dienten als verzehrbare Dekoration.

Uns hat es gefallen. Die Speisen werden ohne viel Schnörkel handwerklich gekonnt zubereitet und auf den Teller gebracht. Es sind ehrliche und landestypische Gerichte. So werden wir sicher wieder hier her kommen.

 

Getränke

Gerolsteiner medium, Vermentino (0,1 l), Cannonau (0,1 l)

Die beiden sardischen Weine in rot und weiß waren ordentliche Essensbegleiter. Um mehr über die einheimischen Weine zu erschmecken, sollten wir wohl eine „Flasche“ aus dem Angebot wählen und verkosten. Die offene Ware war in Ordnung, aber auch ohne besondere Noten.

Ramazotti rosato

Tonic, Hibiskus, Orangenblüten, Limette

Bicicletta

Campari, Weißwein, Soda, Zitrone

Die Cocktails waren erfrischend und ansprechend in der Aromatik. Das „Fahrrad“ werden wir sicher zu Hause nachmachen. Die Mischung aus herb und sauer und leichter Süße war für uns angenehm.

Der andere war in der Ausrichtung wesentlich lieblicher; aber genau der Geschmack unserer Tochter.

Vermentino Dolia 0,75

Es gibt zur Zeit nur drei sardische Weine als Essensbegleitung. Das soll aber ausgeweitet werden. Dieser Weiße war fürs Essen völlig in Ordnung: leicht, etwas spritzig und frisch, trocken und kurz im Abgang.

Fazit

4 – wir wollen gerne wieder kommen. Der gute Eindruck vom Erstbesuch wurde bestätigt.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 

Daten der Besuche: 21.07.2021 – Mittag – 2 Personen und 08.08.2021 – mittags – 3 Personen

 

 

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August 2021: Henne, Köln

Das Konzept überzeugt mich: Speisen, Weine, Ambiente sind stimmig

Allgemein

Ende 2020 wurde ein Essen bei Julia Komp im Lokschuppen in Aussicht gestellt. So fort habe ich das Event „IN 5 GÄNGEN UM DIE WELT“ auch gebucht. Doch Corona ließ die Umsetzung nicht zu. Der Termon musste mehrfach verschoben werden. - Und dann hätte es wohl geklappt, aber Lokschuppen und Julia Komp trennten sich kurz vorher. So musste YouDinner dieses Fest endgültig absagen.

Doch wenn die Köchin ein eigenes Lokal aufmacht, dann hoffe ich auf einen Besuch.

Damit keine „Lücke“ entsteht, konnte YouDinner aber für den Termin einen anderen Koch gewinnen: „UNTER UNS: PRIVATE DINING IN DER HENNE. YOUDINNER-ABEND BEI HENDRIK OLFEN.“

Ich freute mich ungemein, dass es zu einem Essen mit „Freunden“ kommt; denn die Mitglieder sind durch die Bank „Genießer“.

Im Private Dining Room der HENNE - Weinbar & Restaurant erwarte ich daher Genuss und Geselligkeit, Soulfood und eine besondere Weinbegleitung.

Ambiente

Es war ein sonniger Tag. Mit Bahn und Bus reiste ich also mit einem guten Gefühl an. Sogar die öffentlichen Verkehrsmittel waren pünktlich. So war ich etwas zu früh vor Ort. Aber ich konnte mich vor dem Lokal an den Straßenrand setzen und bekam auch noch Sprudelwasser gereicht.

So konnte ich mich entspannen und das bunte Treiben in der Pfeilstraße beobachten.

Dann gab mir der Kellner ein Zeichen, dass nun der Raum hergerichtet sei. Es ging eine Treppe hoch und Miguel Calero von YouDinner begrüßte mich und zeigte mir den vorgesehenen Platz an einem der Tische.

Nun konnte auch die Maske fallen und das Event beginnen. Es wurde umgehend ein Schaumwein gereicht und Brot und Butter standen bereit.

Der Raum ist nicht besonders groß, aber einige Tischgruppen passten hinein. Eine kleine Theke und ein Tisch zum Herrichten von Speisen gehörte auch noch dazu.

Service

Fabrice Thumm und Hendrik Olfen erschienen mir stets präsent zu sein; obwohl ja „unten“ auch das normale Geschäft lief und der Gastraum gut gefüllt war.

Der Chefkoch erklärte jeden Gang und gab auch gerne weitere Auskünfte. Ebenso machte es der Sommelier bei den ausgewählten Weinen.

Jetzt zu Corona-Zeiten wird montags bis samstags durchgängig von 12:00 Uhr bis 0:00 Uhr (letzte Bestellung 22:00 Uhr) geöffnet, damit etwas Umsatz gemacht werden kann.

Auch die Speisekarte ist etwas anders als üblich aufgebaut: „Die wesentliche Grundlage unserer Küche ist es, auf die klassische Menü-Folge Vorspeise-Zwischengang-Hauptgang-Dessert zu verzichten. Der Gast soll, ähnlich wie in den vielen sehr erfolgreichen spanischen Restaurants, jedes Gericht jederzeit bestellen können, also nach Lust und Laune nachbestellen, mit Freunden teilen oder einfach hintereinander weg als großes Menü essen. Dabei haben alle Gerichte die gleiche Größe und es wird keinen Hauptgang im dimensionierten Sinne geben.“

Die verkosteten Speisen

Menü und Weine wurden vom Haus zusammengestellt.

ZUM APERITIF

Kartoffelrösti | Forellentatar | Forellenkaviar

Dieser Happen sah sehr ansprechend aus. Er hatte eine Größe, die man gerade noch per Hand in den Mund befördern konnte. Natürlich konnte er auch auf den Brotteller gekegt werden und in mehreren Schritten verzehrt werden.

Die untere Schicht das Rösti war knusprig und luftig ausgebacken. Dann folgte das Tatar, das frisch und sanft gewürzt war. Etwas Creme türmte sich darüber und den Abschluss bildete der Forellenkaviar.

Es war insgesamt eine ansprechende Eröffnung. Der knochentrockene Schaumwein harmonierte dazu.

THUNFISCH - Erbsensaft | Chili Öl | Edamame-Bohnen

Das Thunfischstück erschien mir optisch fast wie ein „Fischstäbchne“. Aber der Fisch war natürlich nicht gebraten oder frittiert, sondern eher mit „Säure“ gegart und komplett mit relativ scharfen Chilistückchen umhüllt. Dadurch war das Fleisch für mich nicht mehr schmeckbar, sondern einfach nur „scharf“. Ich habe versucht mit dem Messer diese Schicht zu entfernen, aber der Geschmack blieb etwa wié vorher. Der Fisch war innen schön roh, aber ich habe nichts mehr davon gespürt. Gott sei Dank könnte ich mit dem Brot meine Zunge etwas neutralisieren.

Die Erbsensauce und die Bohnen waren in diesem Zusammenhang für mich relativ neutral. Die beiden Weine hatte ich schon vorher bei der Vorstellung probiert und durchaus daran Gefallen gefunden. Zum Fisch könnten sie für mich die Würze nicht abmildern.

Aber einige Nachbarn waren von der Schärfe sehr angetan; es ist eben Geschmackssache und auch eine Frage der Gewöhnung.

KALBSLEBERSCHAUM - Kartoffelchips | Apfel in Salzbutter gebraten

Dieser Gang war dann für mich schon wieder recht sanft gewürzt. Aber ich habe mich darüber sehr gefreut. Ich konnte alle Komponenten erschmecken. Die Aromatik hatte eine gewisse Parallele zur Berliner Leber: Der Apfel war da – er bildete die untere Schicht: Leicht gegart und feine Säure. Knusprige Zwiebelstücke und krosse Kartoffelchips bildeten die äußere Umrandung. Und in der Mitte war die Leber, die zu einem cremigen Schaum verarbeitet worden war.

Die Kombination fand ich harmonisch und ausgeglichen. Der Orange Wine passte sehr gut dazu. Ich fand den Wein auch pur ansprechend; ob wohl ich diese Art der Kellertechnik oft als unharmonisch bei früheren Proben empfunden habe. Meist hatte ich sehr viele Bitterstoffe auf der Zunge und wenig andere Aromen. Das kommt sicher davon, dass eben alle Teile der weißen Reben mit in die Maische kommen und lange zusammen gären.

US BEEF - Kimchi-Saft | Sesamcrème | Soja-Lack

Das Fleisch hatte viele Stunden bei niedriger Temperatur im Sous Vide Bad verbracht. Es war angenehm weich und würzig. Es erinnerte mich an Tafelspitz in seiner Konsistenz. Doch der Geschmack war intensiever – sicher kam dies durh den Kimchi-Saft und den Soja-Lack.

Auf dem Teller befand sich eine Art Sauce und darin waren winzige Möhrenstückchen, die noch leichten Biss hatten, enthalten. Das Fleisch lag darauf. Obenauf waren gerösteter Sesam und etwas knackiges kohlartiges Gemüse aufgeschichtet worden.

Obwohl ich Rindfleisch lieber kross gebraten und innen medium esse, fand ich diese Zubereitung schmackhaft und gelungen.

TARTELETTE AUX FRUITS - Brombeersorbet | Crème Pâtissière

Hendrik Olfen bemerkte zum Nachtisch, dass er kein Gemüse im Dessert verarbeitet und sich hier völlig klassisch verhält – vielleicht sogar langweilig. Ich war darüber nicht entsetzt, sondern im Gegenteil sehr erfreut. Warum soll Nachtisch nicht wie bei „Oma“ schmecken?

Am meisten hat mir das Brombeersorbet zugesagt. Es war kräftig beerig, kalt und erfrischend. Mehr brauche ich auch nicht.

Der kleine Mürbeteigboden war kompakt, relativ hell und fest. Bei Oma war er allerdings früher etwas weicher, goldgelber, buttriger und leicht brüchig. Aber das nur am Rande.

Die feine Creme und die kleinen Fruchtstücke waren wieder für mich exzellent geraten.

Es gab auch tatsächlich einige Nachbarn um mich herum, die den Nachtisch zu „einfach“ fanden (wahrscheinlich, die die auch den Thunfisch passen scharf fanden).

Mir hat der Nachtisch jedenfalls „einfach“ geschmeckt!

Getränke

Mineralwasser (still, medium), Espresso zum Abschluss

Weinbegleitung

Das Konzept der Weinkarte ist etwas anders als normal üblich. Die Weine werden nicht nach Ländern oder Regionen gelistet, sondern nach Rebsorten. Und diese wiederum werden nach drei Kategorien bzw. Typen aufgeführt: #classic: Von leicht bis komplex, erkennbare Charakteristik. - #freakshow: Die außergewöhnlichen Weine von außergewöhnlichen Typen, die halt das ein oder andere anders machen. - #icon: Die Weine, die man schon immer einmal getrunken haben wollte...

Zum Start gab es einen erfrischenden trockenen Schaumwein.

#freakshow - Can Sumoi - Serra de l'homme - Ancestral Montonega 2018 - Rebsorte: Parellada – Katalonien (Penedes) - Nach der Lese werden die Trauben entrappt und sanft gekeltert. Die Gärung iindet zuerst in Edelstahltanks statt und wird anschließend unmittelbar ohne Zusätze in der Flasche beendet. Das Gut arbeitet bio-dynamisch. Es handelt sich um ein Verfahren, das sich von der Champagner-Methode klar unterscheidet.

In der Nase zeigen sich Aromen von reifen hellen Früchten mit blumigen Noten. Am Gaumen ist er angenehm, mit einer feiner Perlage und einem leicht salzigen Finale.

 

Weißer Burgunder im Vergleich

 

#freakshow - Carsten Saalwächter - Weißer Burgunder trocken 2017 La Rochè. Rheinhessen.

Der Ausbau findet in gebrauchten Halbstück- und Stückfässern für ein Jahr auf der vollen Hefe statt. Seine Mineralik hat mich beeindruckt.

 #classic - Dr. Wehrheim - Birkweiler Weißer Burgunder Muschelkalk trocken 2020

Auch dieser Terroir-Wein zeigte kühle, würzige Noten und wies mineralische Struktur und Säure am Gaumen auf. Er war vielleicht ein Spur harmonischer.

Aber der andere war für mich etwas herausfordernder.

#freakshow - Orange Wine – Fio - Glou Glou – Mosel - Rebsorten: Weißburgunder 50%, Müller Thurgau 50%

Dieser Verschnitt aus Müller-Thurgau vom Schiefer und Weißburgunder vom sandigen Moselschwemmland hat mich erfreut. Der Wein wird auf den Schalen spontan vergoren und ausgebaut im Moselfuder.

In der Nase spüre ich Zitrusfrüchte und feine Frische. Am Gaumen war er auch nicht anstrengend, sondern eher saftig und fein und erfrischend. Er hat aber auch eine herbe Art, die einen gewissen Kick ergibt und trotzdem erfreut.

Merlot im Vergleich

 #classic - Valori, Inkiostro Merlot – Abruzzen

Merlot aus den Abruzzen, kann das sein? Ja das kann und auch in überzeugender Qualität.  Der Besitzer ist studierter Theologe, Agronom und Ex-Fussballprofi. Er kümmert sich um die Qualität im Weinberg und den Ausbau der Weine quasi alleine, lediglich zur Ernte der Trauben hat er Helfer.

Schöne, aber nicht dominierende Vanille und Toast-Aromen durch den Barrique-Ausbau, eine wunderschön präsente Frucht, gestützt von einer angenehmen Tannin-Struktur, dicht und kraftvoll am Gaumen und trotzdem finessenreich und vielschichtig.

#freakshow - Magnus Merlot - Domaine Dominique Andiran - Bio-Wein – Gascogne.

15 Jahre alte Rebstöcke auf lehm-, kalk- und steinhaltigen Böden geben Charakter. Die Trauben werden entrappt und ohne Aufrühren der Maische (Remontage) oder Runterdrücken des Tresterhuts (Pigeage) in Tanks bei 21 Grad vergoren. Der Most wird ohne Pressung abgezogen. Die Abfüllung erfolgt nach dem Mondkalender in drei Etappen.

Beide Roten hatten ihre Stärken und haben mir recht zugesagt

Süßwein rot:

#freakshow - Franz Haas Moscato Rosa 2018 DOC – Südtirol

Rosenmuskateller ist eine autochthone Südtiroler Rebsorte. Der Wein hat eine rubinrote Farbe. In der Nase zeigen sich Noten von Rosen, Gewürznelken, Zimt und Orangenschalen. Am Gaumen sind Fruchtsäure, Süße und Gerbstoffe zu spüren. Der Wein wurde süß ausgebaut. Gut gekühlt waren diese Momente nicht aufdringlich, sondern harmonisch zum Dessert passend.

Fazit

 4 – gerne wieder. Die Speisen sind schmackhaft, aber nicht besonders abgefahren. Die Weine sind für mich teilweise ungewöhnlich bzw. anregend und daher eine Bereicherung. Ob das alles so zusammen läuft, wenn man einfach als Gast kommt und sich das Menü und die Getränke selber zusammenstellt, habe ich noch nicht ausprobiert, macht aber neugierig.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 04.08.2021

 

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Juli 2021: Das Wirtshaus in und für Odenthal

Allgemein

Jetzt nach acht Monaten Pause (Juni 2021) kamen endlich wieder zwei Dinge zusammen: Es ist wieder möglich ein Restaurant zu besuchen und der Herzogenhof in Odenthal wurde neu eröffnet. Die Pächter sind die Wilbrand-Brüder. Das verspricht einigen Spaß.

Durch Corona verzögerte sich der Start schon recht lange. Ich denke, es sollte schon 2020 losgehen, aber erst jetzt klappte es.

Dieses Mal wird es also nicht die Gourmet-Küche sein, sondern das neue Gasthaus. Das Motto der Sterneköche lautet dazu: Mit guter Brauhausküche wollen wir den Herzogenhof wieder zum gastronomischen Treffpunkt machen!”

Wir waren gespannt.

Das Wetter war recht durchwachsen, aber wir wollten schon draußen bleiben.

Ambiente

Das Gasthaus befindet sich direkt am Odenthaler Verteilerkreis in der Ortsmitte. Eine Bushaltestelle liegt auch dort. Parkplätze gibt es auch genug.

So gingen wir an den Eingang und wurden dort freundlich empfangen und erledigten die Corona-Formalitäten.

Unter einem großen Sonnen- bzw. Regenschirm fanden wir unseren Platz. Es war ein Vierertisch. Wir machten es uns bequem und erhielten noch eine Decke zum Sitzen.

Getreu dem Motto eines Brauhauses war alles gestaltet. In einem Bierkrug befanden sich das Besteck und die Papierservietten. Ebenso lagen Bierdeckel und standen Gewürze (Salz,Pfeffer, Senf) bereit.

In den geräumigen Außengelände standen auch Biertische und Bänke für größere Gruppen.

Drinnen befinden sich auch mehrere Bereiche mit ganz schön vielen Plätzen. Ebenso befinden sich dort die Küche, die Theke und die Sanitäranlagen.

Sauberkeit

Alles wirkte sehr sauber und gepflegt – das Lokal wurde schließlich komplett überholt und neu ausstaffiert.

Sanitär

Auch hier war alles bestens in Ordnung.

In Köln gab es Anfang Juli einen Aufschrei der Empörung über die Gestaltung der WC-Zugänge für Herren (bla) und Damen (bla bla bla bla...) im Brauhaus „Kölscher Boor“. Der Express berichtete und auch der Stadtanzeiger nahm sich dem Thema (etwas moderater) an.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt sieht jedenfalls darin eine Diskriminierung. Nur ein Gag sei das, wehrte sich hingegen die Brauhaus-Chefin daraufhin.

In Odenthal haben sich die Wilbrands ebenfalls für die Türen mit dieser Aufschrift entschieden.

Sicher kann jeder dazu eine eigene Meinung haben. Die Türen sind also eine Geschmackssache; aber die Räume dahinter scheinen mir wiederum recht gelungen. Doch auch da werden sicher einige die Farbgestaltung kritisch sehen.

Mal sehen, ob sich die Aufschriften für Damen und Herren halten werden.

Noch eine mögliche Diskriminierung: Bei den Herren gibt es ein Speibecken und bei den Damen nicht, ist das gerecht?

In bayrischen Gasthäusern haben diese Becken aber auch noch kräftige Griffe zur beidseitigen Benutzung.

Service

Mehrere junge Damen, eine „Zapferin“ und der Betriebsleiter kümmerten sich freundlich um die Gäste. Wir wurden stets nach unseren Wünschen gefragt. Auch um Rückmeldungen wurde gebeten.

Es scheinen recht viele Kräfte angestellt zu sein. Ich habe etwa sechs bis acht Kellner*innen gezählt – es können auch noch mehr sein!. Einige tragen eine dunkle Schürze, einige eine hellblaue. Ob das etwas zu bedeuten hat, weiß ich nicht. Zuerst dachte ich, dass die Damen in Blau nur servieren (dürfen) und die anderen auch Bestellungen aufnehmen. Aber das mischte sich auch später.

Alle sind jedoch freundlich, wenn auch manchmal etwas „unorientiert“; denn sie sind ständig in Bewegung, aber oft auch mit „leeren“ Händen unterwegs oder bringen Sachen an „falsche“ Tische.

Da es alleine drei verschiedene Biere vom Fass gibt und weitere aus Flaschen, kommt der „Nachschub“ nicht „automatisch“, sondern es wird stets nach weiteren Wünschen gefragt.

Es geht eben kein Köbes mit frischem Bier durch die Hallen und serviert bei Bedarf sofort.

Aber das wird sich sicher auch noch alles einspielen.

Die Karte(n)

Die Karte enthält einige Gerichte, die typisch für ein rheinisches Wirtshaus sind. Das Angebot ist überschaubar, aber sicher groß genug, um passende Speisen zu finden.

Die verkosteten Speisen

Wir wollten einige Kleinigkeiten auswählen und auch das vorhandene Bier probieren. Daher wählten wir zuerst eine Platte mit „kölschen“ Köstlichkeiten.

Kölsche Tapas: Alter Gouda, Flönz, Tagesuppe, Zwiebelmett, herzhaftes Herzogenhofbrot

Die Portion war größer als erwartet und gestaltete sich zu einer veritablen „Hauptspeise“. Das Stück Käse war mächtiger als es sonst für einen „Halven Hahn“ gereicht wird. Auch drei Scheiben Blutwurst hatten wir nicht erwartet.

Um es schon vorweg zu sagen: Der Käse war würzig und schön alt. Die Flönz war fein abgeschmeckt. Sie hatte eine passende Farbe – und das wichtigste sie war sehr schmackhaft. Die Aromen waren sehr ausgeglichen und angenehm. Ich bin bei Blutwurst im allgemeinen recht vorsichtig. Oft ist sie mir zu grob oder das „Blut“ zu kräftig. Aber diese Sorte werde ich sicher gerne wieder essen.

Auch die Mettkugel war relativ groß. Der Geschmack war angenehm. Die Würze sogar relativ sparsam. Aber das ist in meinen Augen optimal; denn so kann ich etwas Pfeffer oder Salz selber nach meinem Empfinden nachwürzen. Wenn das Gehackte „stark“ gewürzt ist, stört das sicher manche Gäste. Und es ist üblich, wenn man das Mett auf Brot schmiert, selber etwas zu würzen.

Damit wäre ich dann auch beim Brot. Es wird extra für den Herzogenhof in einer befreundeten Bäckerei hergestellt; es hat auch einen Anteil Biertreber. Also es war äußerst passend zu den Wurst und Hack. Es wurde auch Brot nachgereicht.

Die Tagessuppe war eine kräftige, sahnige Tomatensuppe. Sie war herzhaft abgeschmeckt und herrlich deftig. Wir waren von diesem Ensemble recht angetan.

Doch ich wollte schon noch ein weiteres Gericht probieren.

Brauhausburger: Würzig und saftig mariniertes pulled Pork vom Landschwein (16h gegart) mit Smoky BBQ.Sauce, Cole Slaw mit Meerrettich, Strauchtomate und Kräuterschmand im Brioche bun vom Hausbäcker Pieper.Dazu unsere Brauhaus Pommes frites rut wiess

Diese Kreation hatte meine Neugier geweckt, weil ich die Version im Pig Bull von Sebastian Franke entwickelt - damals noch an der Aachener Straße in Köln - so umwerfend fand. Doch da war ich etwas enttäuscht. Der Burger war bei „Gott“ nicht schlecht, wirklich nicht.

Aber mir fehlte die geniale Kombination von weichem und saftigem Fleisch, knackigem Cole Slaw und kräftiger BBQ Sauce.

Hier im Herzogenhof war der Bun ebenfalls gut gelungen. Doch die Tomatenstücke und die Salatblätter passten in meinen Augen nicht zum Pork. Sie „verwässerten“ etwas den Mundeindruck und in der Sauce fehlte mir der Wums: Etwa durch Sternanis, Kümmel oder auch Knoblauch.

Die Pommes waren wiederum genau richtig: Außen Kross und innen weich. Die Majonäse aus der Plastikflasche und den Heinz Tomato Ketchup habe ich nicht verwendet. Diese Produkte liegen mir nicht.

Getränke

Die Biere vom Fass wollten wir auch unbedingt probieren.

Gaffel Kölsch 0,2 l

Es gehört zu meinen Lieblingssorten. Hier kam es frisch und gut gekühlt ins Glas: Prima.

Gaffel Wiess 0,3 l

Das Wiess habe ich zu Hause aus der Flasche bereits probiert. Ich mag auch diese leichtere Version von Gaffel ganz gerne. Vom Fass schmeckte es mir noch besser. Aber das „echte“ Kölsch bleibt schon etwas mehr vorne bei mir.

Moritz Fiege Pils 0,3 l

Auf das Pils war ich am meisten gespannt; denn vor Jahren war ich des öfteren in Bochum. Und das Fiege hat mir damals gar nicht zugesagt. Doch heute zeigte es sich von seiner guten Seite. Es schmeckte recht frisch und ausgewogen, etwas mild sogar. Es wird jetzt nicht direkt mien Lieblingspils, aber es hat enorm an Zustimmung gewonnen.

Dukebergh ́s Dubbel 0,33-Flasche

Ich finde es sehr passend, dass der Herzogenhof auch ein „einheimisches“ Bier führt. Das Dukebergh´s kommt aus dem benachbarten Schildgen (in Bergisch Gladbach). Ich habe es ebenfalls zu Hause bereits als Wiess und Dubbel probiert. Das helle Obergärige finde ich für mich passender als das dunklere malzige Bier. Allerdings mag ich noch etwas lieber das Craft-Beer aus der Dellmann´s Bräu in Wermelskirchen (Biir und DePA).

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Ein weiterer Besuch stand an

Auf einem Bein kann man nicht stehen“, sagt ein Sprichwort (wörtlich genommen ist das natürlich Unsinn; denn selbst ich kann noch auf einem Bein stehen und sogar noch etwas hüpfen). Man sollte sich immer eine weitere Möglichkeit offenhalten: Also besuchten wir das Brauhaus an einem Sonntag zur Mittagszeit mit drei Personen.

Ambiente

Da es auch heute wieder regnete, hatten wir um Plätze im Inneren gebeten. Wir saßen in einer Ecke und hatten einen guten Blick auf diesen Teil der Gastronomie. Es gibt Hochtische und normale Sitzhöhe zur Auswahl.

Um die Essflächen herum stehen Stühle oder befinden sich an den Außenwänden Sitzbänke.

Besonders bequem sind die Bänke nicht, da dürften ruhig Sitzkissen angeschafft werden. Aber auf Nachfrage gab es eine flauschige Decke, die sofort den Komfort erhöhte.

 

Die verkosteten Speisen

Kölsche Tapas: Alter Gouda, Flönz, Tagesuppe, Zwiebelmett, herzhaftes Herzogenhofbrot

Diese Kombination hatte ich bereits beim ersten Besuch probiert und auch gelobt. Damals waren die Zutaten auf einem großen Teller, heute kamen sie auf einem schönen kleinen Holzbrett. Leider war die Käseportion zum letzten Mal deutlich kleiner. Aber Mett und Wurst waren unverändert und sehr lecker. Als Tagessuppe kam heute eine Broccoli-Creme-Suppe dazu. Auch sie war gut abgeschmeckt.

Die Curry Woosch: Unsere Metzgercurrywurst mit einer rassigen, aber trotzdem milden Currysauce nach einen alten Berliner Rezept (auf Wunsch auch extra hot!) – dazu unsere Brauhaus Pommes Frites

Meine Frau mag besonders gerne Curry-Wurst. Sie war mit dem Geschmack der Wurst zufrieden. Die Sauce hat sie normal ohne Zusatzwunsch bestellt. Sie würde sie demnächst etwas pikanter wünschen. Die Pommes sind wieder gut ausgefallen: breit, knusprig und innen leicht weich. Dazu wird Majo und Ketchup von Markenherstellern in kleinen Plastikflaschen angeboten.

½ Hähnchen aus unserer Rôtisserie: aus ausgesuchter bergischer Hofhaltung, mariniert mit einem würzigem Süßpaprika-Rub – knusprig am Spieß gegrillt, serviert mit Brauhaus-Fritten aus frischen Kartoffeln und einem Gurken-Kräuterschmand.

Seit Jahrzehnten habe ich wohl kein Brathähnchen mehr gegessen. Zu Studentenzeiten war es damals ein Grundnahrungsmittel. Insgesamt habe ich zu den „Gummiadlern“ ein geteiltes Verhältnis. Jetzt wollte ich es aber doch noch einmal wissen. Und ich habe es auch nicht bereut. Die Haut war komplett vorhanden und recht würzig und knusprig. Flügel, Bein und Brust schmeckten jeweils typisch: Die Flügel sehr knusprig. Der Schenkel saftig und die Brust zart. Mehr konnte ich nicht erwarten und war sehr zufrieden. Die Pommes gefallen mir auch. Vielleicht hätte ich mir noch ein klein wenig Salat gewünscht; doch ein Extrateller wäre mir auch zu viel gewesen. Die Schmand-Mischung passte gut zum Fleisch und auch den Kartoffeln.

Gefülltes Landschweinschnitzel: gefüllt mit Schinken, Bergkäse und Schmorzwiebeln, kräftige Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln und ein kleiner Saisonsalat

Dieses Gericht wäre meine zweite Wahl gewesen. Die Beschreibung erinnerte mich an Cordon bleu; in einer deftigen Schweine-Variante. Meine Tochter hat mich auch probieren lassen. Die Füllung war sehr gut gemacht und würzig abgeschmeckt. Die Panierung hätte ich mir gleichmäßiger und etwas knuspriger vorstellen können. Aber der Geschmack war angenehm und sicher werde ich es irgendwann einmal auch bestellen. Die Kartoffel-Kreation entsprach in einem Teilaspekt völlig der Beschreibung: Sie war kräftig und deftig im Geschmack. Doch Bratkartoffeln sollten vielleicht knusprig und leicht gebräunt sein. Diese waren eben weich und cremig; sicher auch eine Möglichkeit – und auch hier der Geschmack recht angenehm.

Der kleine Salatteller war wiederum perfekt gestaltet. Frische Blätter und feines Dressing.

Genau diese Größe wünschte ich mir zum Hendl.

Fazit

4 – gerne wieder. Wir werden nicht unbedingt dort einen längeren Aufenthalt planen. Aber hier ist mittags geöffnet und als Rast oder Pause (wenn wir zum Beispiel im benachbarten REWE-Markt einkaufen) sehr gut geeignet. Und es gibt noch einige Gerichte, die auch probiert werden wollen.

Das Lokal hat durchaus den Charme für ein Bierhaus. Fürs „Entspannen“ scheint mir das Brauhaus genau richtig.

Fürs „Genießen“ werde ich aber weiterhin in die „Post“ (eine Haltestelle weiter) gehen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 

 

 

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Juni 2021: Schwäke - ein Genuss

Schwäke ist empfehlenswert – ich stehe dazu!

Allgemein

Durch die sinkenden Zahlen bei Corona dürfen sich wieder mehr Menschen treffen. Gleichzeitig richten sich Restaurants aufs Neue auf die geänderte Situation ein. Die Türen wurden geöffnet.

Das Gasthaus Schwäke passte sich stets schnell an. Abholen und liefern gehörte zum Alltag während der Schließzeiten. Nun gab es zuerst nur Außengastronomie und eben anschließend auch die Restaurant-Öffnung – nur der Mittagstisch fehlt noch.

Ein guter Bekannter, der wie ich Essen schätzt und auch weitere Hobbys mit mir teilt, wollte sich nach Monaten gerne mal wieder mit mir treffen. Davon war ich direkt angetan und schlug einige Adressen vor. Wir einigten uns schnell auf Schwäke am Abend.

Ambiente

Das Lokal war recht gut am Abend besucht, denn es war gar nicht so leicht einen Parkplatz in Hausnähe zu ergattern.

Das Wetter war eher kühl und es sah nach Regen aus – da war der Biergarten total leer.

Am Eingang wurden wir empfangen und auf den reservierten Platz gebracht.

In dem kleinen Raum in Thekennähe standen vier Tischgruppen, die auch alle (im Laufe des Abends) besetzt waren.

Dieser Bereich war im Stile eines Gasthauses gehalten: Stabile Tische und Stühle; wenig Tischdekoration, Papierservietten, einfaches Besteck, Wein- und Wassergläser.

Service

Die Kräfte waren alle freundlich und dem Gast zugewandt. Holger ist wohl so etwas wie der Restaurantleiter. Er gab gerne Auskünfte und empfahl uns den begleitenden Wein. Insgesamt wirkte er etwas wie ein kölscher Köbes: Im Inneren herzlich und äußerlich etwas rau bzw. kernig, also ein echter unverwechselbarer Typ. Auf jeden Fall aufrecht und ehrlich.

Die Karte(n)

Es gab das Schlemmermenü und eben einzelne Gänge als Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch.

Wir wählten aus der Karte jeweils drei Gänge.

Gruß aus der Küche

asiatisach-chinesische Nudel, geräucherter Lachs, Wasabipaste

In einem kleinen Gläschen war diese kleine Speise angerichtet. Sie war etwas schwer auf das Gäbelchen zu bringen, aber dafür sehr aromatisch und vielschichtig im Geschmack.

Die verkosteten Speisen 

 Cobiafilet aus Panama - mit Ananas-Chili-Sorbet - Gurkenvariation / Pastinake / Ananas / Yuzu

Die Kombination wurde von meinem Bekannten gelobt und als gelungen und schmackhaft bezeichnet.

Verkehrte Welt - Vitello Tonnato von Gelbflossen Thunfisch mit Saiblingskaviar - Kurzangebratener Thunfisch / Kalbsjus / 3mal Sellerie / Oliven / Kapernschaum / Nussbutterbrösel

Diese „Umkehrung“ hat mir äußerst zugesagt: Thunfisch-Filet angebraten also am Stück und Kalbsfeisch-Sauce als Creme. Der Geschmack war auch sehr angenehm. Der Thun war eben noch innen rosa-roh und außen schön ummantelt mit Sesam. Der Kaviar befand sich auf einer hauchdünnen knusprigen Platte. Der Schaum war kräftig abgeschmeckt. Die Brösel, einige frische Kräuterblättchen und die Sellerie-Komponenten rundeten den Gang perfekt ab.

Argentinisches Rinderfilet unter einer Kruste von getrockneten Tomaten und Pinienkernen Jus / Romana Salatherz / Parmesan / Gebratener weißer Spargel / Vaudauvan Hollandaise / Ochsenherztomate / Cesar Cream / Fregola Sarda

Auch das Hauptgericht mundete und gefiel.

Wiener Schnitzel im Butterschmalz Gold Braun gebraten - mit Porzer Stangenspargel l Vadauvan-Hollandaise / Hand gerührte Preiselbeeren / Wildkräutersalat / Kartoffelgurkensalat

Ich habe mich aus mindestens zwei Gründen für das Schnitzel entschieden: Zuerst wollte ich gerne die wohl letzten Spargelstangen der Saison 2021 probieren und außerdem war ich neugierig auf den Klassiker.

Und ich muss sagen, es war eine gute Wahl. Das Schnitzel war sehr dünn plattiert worden. Die Hülle war wunderbar gebräunt und extrem wellig. Das Fleisch hatte Saft und Kraft. Es war sicher eines der besten Wiener, die ich je probiert habe. Selten finde ich sie besser als meine eigenen Ergebnisse zu Hause – heute war es aber der Fall.

Die Preiselbeeren war gut angemacht. Den Kartoffel-Gurken-Salat habe ich wohl auch bisher kaum besser serviert bekommen.

Der Salat war frisch und gut abgeschmeckt. Da wollte auch der Spargel nicht zurücktreten: Die Stangen waren gar, aber hatten noch leichten Biss und die Hollandaise war auch gelungen; durch die Gewürzmischung Vadauvan wurde sie noch aufgepeppt.

Die Ersten Italienischen Platt Pfirsiche - dazu Tahiti Vanille und Schokoladenfondant / Pfirsichsorbet / Pfirsich-Mandel-Tarte / Schokocrumble

Die Vielzahl der Komponenten kam sehr gut an.

Nicks saftiger Schokoladen-Brownie – Kirschen / Dolce Karamell /Sorbet /Crumble / Schokolade (8,90 €)

Ich liebe Brownies, wenn sie saftig und schokoladig sind und das war genau der Fall. Zuerst bekam ich einen Schreck, als ich sah, dass der „Kuchen“ mit einer cremigen Masse umhüllt war. Aber der erste Happen versöhnte mich sofort; es war die passende Abrundung zum Gebäck. Die beiden „Eis-Kreationen“ waren recht unterschiedlich: einmal fruchtig einmal cremig und machten auf mich einen schmackhaften Eindruck. Die Schokoladenpaste und die buttrigen Streusel brachten weitere Geschmackselemente. Auch die Kirschhälften gehörten dazu, konnten jetzt aber keine besonderen Akzente setzen, aber das mussten sie auch nicht; denn der Teller zeigte ein Feuerwerk an fienen Süßspeisen.

Für mich hat sich bestätigt, dass das Gasthaus Schwäke mit Dominik Eßer an der Spitze zu meinen absoluten Lieblingsrestaurants gehört. Immer kleine Überraschungen in der Aromatik, aber auch klassisches zuverlässiges Handwerk. Die Freude am Kochen glaube ich zu erspüren.

Getränke

Taunusquelle 0,75 l medium

2020 Blanc de Noir trocken / Gutswein / Meier / Pfalz (0,75 l )

Ein Rotwein als Blanc de Noir - Weiß aus Rot. Aromen von Birne, Apfel und Quitte. Der ideale Essensbegleiter im Sommer.“, stand auf der Karte.

Die Flasche war gut gekühlt und passte köstlich zu allen Speisen, außer dem Nachtisch natürlich; denn dafür war er zu herb bzw. trocken. Doch die Flasche war ja auch schon leer und Kaffee passt zum Dessert auf jeden Fall.

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Ich glaube, dass man hier nicht meckern darf: Die Zutaten sind gut, die Verarbeitung pefekt. Aber etwas teurer als vor Corona – doch moderat.

Fazit

5 – unbedingt wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 30.06.2021 – abends – 2 Personen

 

Das Lokal hat einen Biergarten und natürlich gibt es mehrere Sorten vom Fass.

 

 

 

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November 2020 bis Mai 2021: Restaurants geschlossem

Mittwoch, 28.10.2020, waren wir noch einmal in der Stadt auf dem Markt. Unser Fischverkäufer wünschte uns noch eine gute Zeit. So lange es den Markt noch gibt, können wir dort wenigstens köstliche Grundprodukte kaufen.

Die schon gebuchten Restaurantbesuche im November sind jetzt natürlich abgesagt (worden). Es folgte Dezember und Januar und Februar und März und April und Mai ! - Also ab in die Küche !

Der besondere Nachtisch aus: Feige, Limette, Kokos-Creme, Kokos-Öl,Kokosraspel, Cashew, Avocado als Törtchen.

Filet-Steak mit Spargel

Erdbeer-Quark-Schichttörtchen

Tomaten-Frischkäse-Terrine

Pesto mit Huhn- bzw. Schinken-Chip

Hühnerbrust pikant

Schichteis Himbeer-Vanille

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Räucherlachs-Tatar mit Garnelen

Kassler-Mousse auf Blattsaalt mit Parmesan-Plätzchen

Kartoffel und Tomate aus dem Ofen

Kaninchen-Rolle im Schinken

Sauerkraut-Päckchen

Entenbrust

Lachs-Spinat-Frischkäse-Rolle (Vorspeise)

Hüftsteak, Pilze, Sauce

Dessert (3. Advent)

Kuchen

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Heute konnte ich auf dem Markt am Fischstand ein herrliches Stück frisches Seeteufel-Filet einkaufen.
Zu Hause wurden daraus Steaks. Zusammen mit einem Tomatensalat, Reis und einer Sauce ein köstlicher Teller.

von rechts: Entenbrust, Reis mit Sauce und gemischte Pilze und Möhren

Cheesecake mit dunkler Beeren-Creme

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Dry Aged Beef vom Hohenloher Weiderind ...

Beef Sashimi mit Kräutersauce

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März, April, Mai 2020: Bergisch Gladbach - einkaufen - selber kochen

Samstag, 14.03.2020, waren wir noch einmal in der Stadt und haben gefrühstückt. Dann wurden Lokale geschlossen und Besuche von Freunden und Verwandten von uns eingestellt.

Da haben wir - eigentlich wie vorher auch - zu Hause gekocht. Aber wir haben uns mehr Mühe gegeben, neue Rezepte ausprobiert und Zutaten im Haus kreativ eingesetzt.

Vieles ist recht gut gelungen, an anderen werden wir weiter arbeiten oder einfach den Profis überlassen.

pulled pork im Ofen mit Krautsalat und Bratkartoffeln

Ente mit Fenchel und Möhre

Krabbenbrot mit Ei und Kräutern auf Roggenschnitte

Kaiserschmarrn

Zanderfilet mit Pasta

Ostermontag: Ente, Gurken und Gemüse, Naan

Ostern: Lamm - Gemüse - Pfannenbrot (alle Zutaten vom Markt (Robbe: Fleisch; Gemüse vom Stand)

Karfreitag: Schlesische Gurkensauce mit Ei

Frischer Bärlauch, Cashew-Kerne, Reis

Skrei - grüner Spargel und Gemüse

Unsere "Matschpanne" - mediterranes Schmorgemüse, mit Schweinemett und Weißbrot

selbstgemachte Pommes - zweifach frittiert

Strindberg mit Bohnen und Pasta

 

 

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Oktober 2020: Alfredo *, Köln

Es geht nichts über Kultur!

Allgemein

Einige Male war ich schon bei Roberto Carturan zu Gast (zuletzt mit meiner Frau im Juli 2020); aber immer nur mittags. Berühmt bzw. besonders hingegen ist der Freitagabend; denn dann singt der Chef am Ende des Dinner. Roberto ist nämlich ein gelernter Bariton.

Da habe ich mir einen Platz gesichert.

Sein Vater Alfredo Carturan eröffnete 1973 das Restaurant neben der Kölner Oper (die Oper wird seit 2012 renoviert und die Arbeiten sollten 2015 abgeschlossen sein. Man schätzt aber heute 2020, dass es noch bis 2024 dauern könnte) und Roberto übernahm 1999 die Leitung.

YouDinner stellte nun in Aussicht: Ein Abend wie „die ganz große Oper“ - also Dinner und Konzert bzw. Soiree. Das Menü endet nicht mit Dessert und Espresso. Es folgt der Höhepunkt des Abends. Der Küchenchef singt zur Klavierbegleitung Arien und Lieder italienischen Meister, Mozart, Schumann und sogar Willi Ostermann.

Für das Vortragen musste sogar eine Genehmigung bei der Stadt eingeholt werden (wir sollten nicht mitsingen, erzählte Roberto Carturan mit einem Lächeln, weil nur eine Person vortragen dürfe).

Über die Küchenleistung wird immer wieder gestritten. Die einen sagen, sie ist gut, aber nicht viel besser als bei anderen italienischen Restaurants ohne Stern – so mein Nachbar zur Rechten zum Beispiel. Doch links neben mir wurde viel gelobt.

Und ich muss sagen: Auch ich finde die Küche mindestens eine Stufe höher, als gute italienische Restaurants in meiner Umgebung, die ich auch sehr schätze.

Es gibt jedoch auch ein Aber; denn die Portionen sind nicht besonders groß, die Weine nicht aus der Riege, der namhaften Winzer und so erscheinen die Preise insgesamt recht selbstbewusst kalkuliert.

Jedoch waren die Meinungen zum Gesang ungeteilt positiv. Ich fand die italienischen Arien sehr persönlich vorgetragen, das Mozart-Lied großartig („Non piu andrai farfallone amoroso“ - aus Le nozze di figaro) und die Zugabe seine Interpretation von „Wenn ich so an Wenn ich ming Heimat denke“ sogar rührend. Auch sein Vortrag eines Gedichtes von Heinrich Heine vertont von Robert Schumann (als „Gruß“ nach Düsseldorf) hat mich beeindruckt. Romantische Lieder, die von hochdramatischen Sopranistinnen interpretiert werden, kann ich meist kaum ertragen. Aber die sonore Baritonstimme war angenehm.

Für die gute halbe Stunde Musik – übrigens von Thomas Taliesin Weber am Piano kongenial begleitet – gab es auch viel Applaus.

Ambiente

Das Lokal ist sachlich und schlicht eingerichtet. Bei Besteck und Porzellan werden ausgesuchte Marken eingesetzt. Die klassischen Schwingstühle am Tisch sind bequem.

Service

Die Crew (bestehend aus der Gattin, dem Sohn (der nun die 3. Generation darstellt) und einigen jungen Damen) erledigt ihre Aufgaben geräuschlos und umsichtig und aufmerksam.

Das Dinner

Es handelte sich um vier Gänge und die anschließende musikalische Darbietung.

Amuse Bouche: Zwei kleine Grüße zur kulinarischen Einstimmung: Salat von Moscardini mit Mangold und Cannellini Bohnen sowie Tartelette mit Ziegenkäse, Spinatcreme und Zitronen Streusel

Auf einem Löffel war das Bohnengericht angerichtet und der zweite Gruß bestand aus einer dunkelgrünen Halbkugel, die innen fast flüssig war. - Beide Gerichte waren angenehm im Mund.

Der Brotkorb mit mehreren Sorten Brot, kleinen Knusperstangen und knusprigen Croutons stand bereit und wurde auch nachgefüllt im Laufe des Abends.

                      

Gang 1: Aquarium: Wilde, rote Garnele, Ricciola, Jakobsmuschel

Diesen Teller würde ich mir jederzeit wieder bestellen. Die Garnele war gerollt und mit Lachskaviar bekrönt. Das war sehr fein abgestimmt und machte mir große Freude. Das Fleisch der Großen Bernsteinmakrele war roh in dünne Tranchen geschnitten wurde wirkte auf mich wie Ceviche: Die Aromatik überzeugte mich durch die Puristik.

Aber am besten hat mir die Jakobsmuschel gemundet. Sie war für mich so perfekt gebraten, gewürzt und angerichtet wie lange nicht mehr. - Davon hätte ich bleich drei mehr bestellen können.

Gang 2: Risotto classico: mit frischen Steinpilzen

Dieser Teller sah – erwartungsgemäß – nicht besonders einladend aus. Außer den Reiskörnern und den Pilzstücken war nichts auf dem Teller zusätzlich untergebracht.

Der Reis war auf jeden Fall für mich optimal gegart; denn er war weich aber noch mit leichtem Biss. Die Pilze waren leicht gebraten und gaben den besonderen Geschmack der Edelsorte angenehm weiter. Mit Parmesan oder Zwiebel war auf jeden Fall sparsam bzw. umsichtig umgegangen worden; denn die Creme um den Reis und die Pilze herum gab eine gute Bindung, war aber nicht aufdringlich.

Somit war der Risotto schon nach meinem Geschmack.

Gang 3: Trilogie vom Ochsen

Links auf dem Teller war geschmortes Fleisch. Es war butterweich, saftig und würzig. Es erinnerte an Tafelspitz oder auch pulled beef im Geschmack. Es war das größte Stück auf dem Teller und war kalt angerichtet. Darunter war eine kräftige Sauce drapiert.

In der Mitte war ein kleiner Klecks Püree; sehr fein abgeschmeckt. Außer Kartoffel wohl noch Wurzelgemüse. Davon hätte ich auch einen zweiten Löffel aufgegessen.

Rechts außen war das Fleisch wie eine lange Scheibe Wurst aufgeschnitten worden und dan gerollt. Das war das kleinste Stück auf dem Teller; es erinnerte mich an einen Braten, der noch nicht weich geschmort ist, sondern noch eine feste Struktur hat. Das Fleisch war ebenfalls mit Kräutern verziert worden.

Unterhalb vom Püree lag das kurzgebratene Stück. Es könnte Filet gewesen sein; jedenfalls war es super zart, leicht rosa im Inneren und köstlich im Geschmack.

Dieser Teller war zurecht für mich das Hauptgericht und der Höhepunkt.

Gang 4: Dolce: Zitrone, Basilikum, Pflaume

Rechts auf der langen Schale befand sich eine Art Küchlein (der Zitronen-Anteil wohl). Es war mit Pflaumenspalten, einer Creme und krossen Chipstücken oben abgeschlossen. Das schmeckte fruchtig und erfrischend.

Eine dünne grüne Spur reichte dann bis nach rechts außen zum Pflaumen-Eis bzw. Sorbet. Die „Schlange“ war wohl der Basilikum-Teil der Trilogie. Ich persönlich konnte jedoch den Geschmack nicht mit dem Kraut in Verbindung bringen. Es war für mich eine Creme, die wenig Eigengeschmack frei gab, aber auch keine störenden Aromen zeigte.

Das Eis hingegen war für mich das beste auf diesem Teller.

Optisch wirkte dieser Teller auf mich unharmonisch, weil er sehr lang und dabei schmal war. So war links relativ viel auf dem Geschirr, dann kam die lange dünne Spur zur anderen Seite und dort war eine kleine Nocke Sorbet. Ich hätte eine kleinere Form gewählt und die Hauptteile näher zusammen positioniert. Aber das ist eine Stilfrage und tut dem Geschmack keinen Abbruch. Positiv fand ich noch, dass der Nachtisch dezente Süße zeigte und sehr ausgeglichen war. Doch ich fand das Dessert insgesamt etwas schwächer als die anderen Gänge. Leider gab es dazu auch keinen passenden Wein, sondern weiterhin den Rotwein.

Foto: YouDinner

Abschluss

Zum Kaffee gab es noch kleine Nusspralinen; daher bekam ich dafür einen aufgeschlagenen Schaum, der cremig und aromatisch war. Das hat mir sehr gut geschmeckt.

Dann folgte der musikalische Teil.

Getränke

Mineralwasser

Borgoluce, „Rive di Collalto” Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG brut 2018 - Cusumano Sicilia Grillo Shamaris 2019 - Monte del Fra Monte del Frà Custoza Superiore "Cà del Magro" 2018 DOC (Rebsorten: Garganega, Trebbiano, Tocai, Cortese, Chardonnay) - Le Pupille Morellino di Scansano Riserva DOCG 2015 (Rebsorten: 90% Sangiovese, 10% Cabernet Sauvignon)

Die Weine waren jeweils gut temperiert und es wurde gerne nachgeschenkt. Am besten hat mir der Rotwein gefallen.

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Hier werden sehr gute Produkte verwendet und aufwendig zubereitet; das hat seinen Preis. Aber sie sind schon recht hoch angesiedelt. Im Verhältnis zu einem guten italienischen Restaurant ohne Punkte in den bekannten Führern schon eine Hausnummer.

Fazit

4 – trotzdem: gerne wieder, weil mir die Gerichte einfach zusagen. Und: Es wird wochentags jeden Mittag geöffnet (Samstag und Sonntag ist aber geschlossen – wer kann sich das noch als Gastronom leisten?)

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 10.10.2020 – abends – 1 Person

 

 

Roberto und Miguel

 

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September 2020: Vendome ***, Bergisch Gladbach
 
 
 
Besuche, die mich glücklich machen

Allgemein

Mein letzter Aufenthalt liegt (leider) schon etwas zurück.                                                               Als „YouDinner“ nun das Event „20-JÄHRIGES JUBILÄUM IM VENDÔME“ anbot, konnte ich nicht widerstehen.

Doch Corona machte erst einmal einen Strich durch die Rechnung. Doch ein neuer Termin erschien schnell auf der Seite. Und dann wurde die Eröffnung nochmals verschoben. Das ganze Schloss Bensberg war geschlossen worden und erst zum September wieder in Betrieb genommen (vom 15. März bis 31. August 2020 zu).

In der örtlichen Presse wurde die Nachricht „gefeiert“ - einige Journalisten hatten schon befürchtet, dass die Althoff-Gruppe vielleicht Bensberg ganz aufgibt.

Ambiente

Foto: YouDinner

Optisch habe ich kaum Unterschiede in der Ausrichtung der Tische festgestellt. Schließlich waren die Abstände schon immer recht groß.

Ich mag diese „nüchterne bzw. kühle Ausrichtung“, aber es gibt auch andere Meinungen. Wir saßen in Sechser-Gruppen.

Service

Gespannt war ich neben dem Essen auch auf den Service. Beim letzten Besuch waren noch Restaurantleiter Markus Klaas und Sommelier Marco Franzelin tätig. Nun machen das Christoph Lange bzw. Maria Rehermann, dachte ich. Herr Lange hatte „nur“ geheiratet und heißt nun Strahl, aber als Sommelier fungierte Jochen Büscher als Herr über den Weinkeller von Schloss Bensberg. Er lernte im Benen-Diken-Hof auf Sylt den Beruf. Seit Juli 2019 arbeitete er als Sommelier im Gut Lärchenhof in Pulheim. Über Frau Rehermann habe ich nichts erfahren; außer, das sie nicht mehr hier wirkt, sie arbeitet derzeit wohl auf einem Weingut in der Pfalz.

Die beiden Männer machten einen ruhigen und souveränen Job.

Alle übrigen jungen Damen und Herren machten ebenfalls einen einwandfreien Service. Sie waren freundlich und gaben gerne Auskunft bei Fragen. Früher waren diese Kräfte eher „stumm geschaltet“ und durften nur Teller oder Platten halten und auf ein Zeichen servieren.

Insgesamt war der Service relativ unkompliziert; also etwas lockerer als ich es in Erinnerung hatte – auf jeden Fall sympathisch und herzlich.

Foto: YouDinner

Das Menü – Spätsommer JW

Auftakt

Toffee von karamellisierter Gänseleber und Piemonteser Haselnuss

Es ist ein Klassiker auf der Karte. Joachim Wissler hat wohl Spaß daran, verschiedene durch Werbung sehr bekannte Marken der Süßspeisen-Industrie als Grüße aus der Küche zu „imitieren“ und mit anderen Aromen zu präsentieren. Tatsächlich sehen die kleinen Gerichte optisch wie die bekannten Naschereien aus (Toffifee, Celebrations , Magnum).

Ibericoschinken auf Röstbrot und Parmesanchip

Da ich Haselnuss nicht vertrage, wurde mir kurzfristig ein Ersatz serviert. Damit war ich mehr als zufrieden; denn das Brot war knusprig und aromatisch, der Schinken war luftgetrocknet und hatte eine große Breite an Aromen. Zusammen mit dem kleinen Parmesanstückchen einfach köstlich.

Rote Bete Macaron & Beef-Tatar

Der Macaron wurde ohne Mandeln hergestellt und zeigte die fruchtig herben Noten der Bete. Zischen den beiden Teilen war das Tatar als Füllung aufgetragen. Ebenfalls ein feiner Happen.

Octopussalat & gepickelte Ananas [Bulgursalat & Chirizo]

Der nächste Happen fiel etwas größer aus. Auf der marinierten bzw. geköchelten Ananasscheibe befanden sich die Bulgurpaste und darüber das gekochte Octopusstückchen. Bekrönt mit einem Krautplättchen und dem krossen Chirizo-Chip. Sehr schmackhaft.

Nicolais Räucheraal & Kräuterschaum [Purple-Currymayonnaise]

Die Unterlage bestand aus einem weichen Kräcker, der im Mund in der Konsistenz an eine dünne Reiswaffel erinnerte, aber eben nack Kräutern schmeckte. Darauf lag das marinerte Aal-Stück. Ein Tupfer Mayonnaise bildete den Abschluss. Rauchnoten und würzige Kräuter ergaben einen breiten Geschmacksrahmen.

GLASIERTE GÄNSELEBER & GEBRANNTE BLAUMOHNCRÈME [karamellisierte Blutwurst & Apfelsalat : Trüffelvinaigrette]

Im Mittelpunkt des Tellers befand sich die Blutwurstscheibe mit dem Apfel. Es war daher für mich ein Anklang an „Himmel un Äd“. Die Leber war rechts daneben platziert und lag auf dem Mousse. Auf der anderen Seite befanden sich Salat- bzw. Gemüse-Blättchen. Hier wurde durch die Kellnerin noch die Vinaigrette angegossen (wie das bei fast jedem Teller stattfand). Eingelegte schwarze Walnussstücke lagen auf beiden Seiten als weitere Komponente. Insgesamt waren auf dem Teller vielerlei kleine Teilgerichte, die sehr unterschiedliche Geschmacksmomente ergaben.

GROSSE EIFELER BACHKREBSE IM LEMON-PEPPER GINSUD [gepickeltes Dillgurkengemüse & Glücksrübchen : Kokoscrème]

Foto: YouDinner

Am Beispiel dieses Ganges bekamen wir die „Arbeitsweise“ des Chefskochs verdeutlicht; denn er berichtete uns selber über die Zutatenbeschaffung. Er versucht regionale und frische Produkte so oft es geht zu verwenden. Aber die Qualität steht dabei noch davor an erster Stelle. Bachkrebse waren früher gar nicht in ansprechender Güte zu bekommen – oft wurden sie von weit her z.B. der Türkei importiert. Aber ein junger Züchter aus der Eifel bot ihm eines Tages Bachkrebse an. Von den Geschmackseigenschaften war er überrascht und er bat den Züchter um regelmäßige Lieferung. Allerdings ist die Menge stets sehr gering im Vergleich zu den Einsatzmöglichkeiten. Schließlich fand er in räumlicher Nähe noch eine kleine Brennerei, die ihn mit Gin überzeugte. Und so waren bei diesem Teller zwei Produkte aus der Eifel verarbeitet worden.

Der Geschmack erinnerte mich an Hummer oder Languste, aber auch irgendwie sanfter und feiner. Zusammen mit dem Sud sehr ausbalanciert und besonders.

Das Gemüse bildete die Unterlage für die Hauptkomponeten.

Zusätzlich kamen wir auch noch in den Genuss einer Krustentiersuppe. Sie war enorm ausdrucksstark und gleichzeitig leicht und schaumig.

LECHTAL SAIBLING & FRANKFURTER GRÜNE SOSSE [Meerrettich : Ochsenhornbete : Saiblingskaviar]

Der Teller wurde mit dem Fischfilet auf dem Betesalat, der mich an süßlich-herbe Möhren erinnerte, und dem Kaviar serviert. Obenauf war eine knusprige dünne Brotscheibe mit kleinen Kräutern gelegt. Die Sauce wurde danach angegossen.

Der Fisch war butterzart gehalten und leicht gewürzt – wahrscheinlich bei niedriger Temperatur in Öl bzw. dem eigenen Saft konfiert.

Das knackige Brot bildete dazu einen Kontrast. Der Fisch war weich und cremig, das Brot hatte Röstaromen und war fest bzw. brach beim Biss in keine Einzelstücke.

Die Frankfurtersoße war wie der Fisch eher zart und sanft im Geschmack.

ROSA GESCHMORTE WAGYU-OCHSENRIPPE & PERIGORDTRÜFFEL [Rindermark : confierte Zwiebel : grüner Spargel]

Zwei Stücke vom Wagyu hatten schon äußerlich deutliche Signale auf diese besondere Rasse. Das Fleisch glänzt und zeigt eine Oberfläche, die die ursprüngliche Fettmaserung erkennen lässt, die aber durch eine sanfte Garung in Gelatine verwandelt wird und das Muskelfleisch so zart und weich macht. Es zergeht auf der Zunge. Die Sauce wurde wieder erst nach dem Einstellen des Tellers angegossen. Sie war cremig, dunkel und kräftig; aber nicht wuchtig. Das hätte auch sonst den Fleischgeschmack überlagert.

Die kleine Spargelstange war gut gegart, zwei oder drei davon hätte ich auch gut gefunden, um eine Variation mit den anderen Komponenten zu ermöglichen.

Rechts auf dem Teller war eine Paste aus Rindermark, die von besonders geschmorter Zwiebel begleitet wurde. Diese Aromen haben mir sehr gefallen.

POLTINGER WEIDELAMM IN OLIVENCRÈME [confierte Aubergine : Steinpilze : Artischocken]

Das Lammfleisch hatte eine für mich umwerfende Geschmacksvielfalt. Außen war es leicht angebraten und inneen saftig und weich, aber auch noch etwas Biss. Diese Balance war für mich hervorragend getroffen. Die angegossene Sauce war leicht bräunlich und natürlich cremig glänzend gehalten.

Die Kombination von Artischocke und Waldpilz war ebenfalls angenehm und harmonisch.

Wiederum auf der rechten Tellerseite – etwas abseits – befand sich die geschmorte Aubergine, die mit einer erhitzten Tomate belegt war. Ich hatte vermutet, dass die Frucht für einige Sekunden in heißem Fett frittiert worden war. Aber die Kellnerin sagte, das die Tomate nur unter der Wärmelampe diese Hitze erhalten hatte. Ein kleiner Chip steckte noch in der Frucht.

Wenn ich aus der Vielzahl der gelungenen Teller einen als Primus inter Pares wählen müsste, wäre es dieser Teller.

SONNENBLUMENMOUSSE & MANGO [Topinambur : Passionsfrucht-Champagnersorbet]

Einen Preis für Anmut bekäme jedoch dieser Teller von mir – das Bild gefiel mir sogar ohne Anguss noch etwas besser.

Der Teller zeigte eine stilisierte Sonnenblume. Unten waren die Topinambur-Scheibchen rosettenaritg angeordnet. Darauf war das Mousse wie in einer Schüssel verteilt. Kleine gelbe Blätter deuteten den Kranz der Sonnenblumenblütenblätter an. In der Mitte lag die Nocke aus Mangoeis. Blätter aus Zucker lagen an der anderen Seite. Dann wurde die Fruchtsauce als Abschluss hinzugefügt.

GRIESFLAMMERIE & HASELNUSSEIS [Cerealien : Brombeercoulis : Yuzu-Schokolade]

Anstelle des hellen Haselnusseis bekam ich ein rotes Fruchteis, ich glaube es war Kirsche.

Ich bin kein Freund von Gries; aber das Flammerie war durchaus schmackhaft. Die Masse bildete die unterer Schicht auf dem Teller; sie war nach dem Anguss farblich nicht mehr zu erkennen. Die Yuzu-Schokolade vermute ich in den weißen Kügelchen, die in der Form an Puffreis-Schokolade erinnern. Allerlei Beeren und Früchte waren kreisförmig als äußerer Rand um die Sauce und das Eis angerichtet. Die kleinen Stifte aus Apfel auf dem Eis waren ausgesprochen fein in süß-sauren Tönen.

Einzelne Bestandteile schmeckten etwas „gesund“; aber durchaus harmonisch gestaltet.

Süßer Abschluss: „Vendome Celebrations“

Zum Kaffee wurden weiße Schokloadeneis und eine Dose voll mit Macarons, Pralinen, kleinen Milchschnitten und Marshmallows gereicht.

Das Menü war überaus abwechslungsreich gestaltet und hatte einige Bezüge zu Gerichten, die für das Haus typisch sind und absolut die Handschrift von Joachim Wissler deutlich aufzeigen. Aber sie werden auch variiert oder neu ausgerichtet. So ist für mich ein Aufenthalt stets ein köstliches Erlebnis.

Getränke

Gerolsteiner still und medium

2012 Grand Vintage - Moet & Chandon

2015 Weingut Bernhard Kirsten - Mosel – Riesling 1904

2017 Castell - Schlossberg Silvaner - Großes Gewächs trocken

2016 Les Héritiers du Comte Lafon - Mâcon Prissé AOC

2017 Carnix Cabernet Franc - *BIO* - Domaine la Taupe - Loire

2013 Roda Reserva – Magnum - Rioja DOCa

1999 Riesling Spätlese halbtrocken - Trittenheimer Apotheke - Josef Milz - Große Lage - Mosel

2018 Brachetto d´Acqui - Braida di Giacomo Bologna - Piemont

Die Weine waren für mich teilweise erfreuliche Bekannte. Vielleicht hatte es mit dem Jubiläum zu tun oder auch mit dem neuen Sommelier, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich Roda durch die Sommelière Romana Echensperger – heute Master of Wine - im Vendome damals kennen gelernt und war begeistert. Ebenso habe ich den Silvaner vor langer Zeit schon sehr genossen. Das Gebiet Macon sagt mir auch fast ausnahmslos zu. Die Rieslinge waren ebenfalls ausgezeichnet. Der Brachetto mit seinen leichten 5,5 % und der feinen Perlage war ein passender Begleiter der Süßspeise.

Somit war nur der Demeter Biowein eine Neuheit für mich. Mir sagte er durchaus zu, aber er hatte schon eine andere bzw. ungewohntere Aromatik für mich. 14 Monate im Holzfass auf der Hefe gereift, zeigte er sanfte pfeffrige, erdige Noten in der Nase und am am Gaumen dezent dunkle Früchte und eine eigenwillige Erdigkeit.

Kaffee

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Preise in den Top10 der Volkenborn-Rangliste sind seit Januar insgesamt unterdurchschnittlich gestiegen. Der Menüpreis liegt im Durchschnitt bei 257,66 und damit 0,4 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Das hat eine Auswertung von Restaurant-Ranglisten.de ergeben, für die jeweils zu Monatsbeginn die Preise für das teuerste Menü erfasst werden. Trotz Mehrwertsteuersenkung liegen die Menü-Preise jedoch höher als vor Beginn der Corona-Epidemie.

Die aufgerufenen Preise sind für mich schon eine Hausnummer; aber es wird auch eine Menge geboten. Sicher ist es also eine Abwägung, ob ich mir das leisten kann bzw. darf. Aber ich habe nur wenige andere Hobbys außer „Genießen“ und besitze auch kein Auto, sondern eine Monatskarte. Und manchmal muss es eben Vendome sein.

Fazit

5 – unbedingt wieder. Für mich ist Joachim Wissler ein großartiger und kreativer Koch und auch sein Team in Küche und Service leisten ebenbürtige Arbeit.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 05.09.2020 – mittags – 1 Person – 289,00 € (inklusive alle Getränke für YouDinner-Mitglieder)

 

 

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Juli 2020: Lärchenhof *, Pulheim
 
 
Absolut einen Besuch wert – herrliche Gerichte – ruhige Landschaft

Allgemein

Torben Schuster ist hier Chefkoch seit November 2017; er konnte den Stern des Hauses halten und Gault&Millau nannte ihn die Entdeckung des Jahres 2019.

Nach seiner Ausbildung bei Holger Berens (Berens Am Kai *, Düsseldorf) durfte er in der Küche des „Noma“ mitarbeiten. Von dort aus ging es zu Jonnie Boer im De Librije ***, Zwolle in den Niederlanden. Zuletzt arbeitete er als Sous Chef bei Yoshizumi Nagaya (Nagaya *, Düsseldorf).

Einige Mitglieder von YouDinner lobten seine Küche und empfahlen einen Besuch. Da kam die Einladung von Schwiegersohn und Tochter zusammen einmal richtig zu schlemmen genau passend und reservierten - nach kurzer Überlegung und Studium der Menü-Karte - im Lärchenhof.

Die Eigenaussagen auf der Homepage zur Philosophie des Hauses (Spitzengastronomie mit Charme; Tradition und Moderne; hochwertiger Genuss, gemütliches Ambiente; Service auf Sterne-Niveau) schraubten die Erwartungen eigentlich noch höher.

Aber vielleicht muss man heute so dick auftragen – ich versuche jedoch relativ unvoreingenommen das Haus zu besuchen: Ich besuche ein Restaurant nie, um es zu testen. Ich besuche ein Restaurant in der Hoffnung und Erwartung, genüsslich essen und trinken zu können. Ich möchte erleben, wie Gerichte in Perfektion zubereitet und angerichtet werden, wie sie duften und wie sie schmecken und mit welchen Getränken sie harmonieren.

Wenn ich diesem Ziel nahe komme, bin ich schon zufrieden. Ganz im Sinne von Oscar Wilde: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“

Ambiente

Von der der Terrasse aus hat man einen schönen Ausblick auf die Golfanlage, insbesondere auf das Übungsgelände zum Putten. Es herrschte ein leichter bis kräftiger Wind, die Sonne schien, aber verschwand auch teilweise hinter Wolken und wir empfanden daher das Wetter fast wie am Meer.

Die runden großen Tische waren weiß eingedeckt, ebenso die Servietten; bei Bedarf wurden Sonnenschirme aufgespannt. Der Wind blies teilweise sogar einige Gläser, die leer waren um; es waren im übrigen sehr schöne Gläser im Einsatz – immer passend zum Wein. Ich mag das Gabriel-Glas besonders gerne.

Im Inneren des Hauses hielten sich nur wenige Gäste auf. Aber die verschiedenen Bereiche sahen recht ansprechend aus. Am Eingang ein Klavier bzw. ein Flügel. Es gibt einen Thekenbereich mit teilweise Hochstühlen.

Die Übergänge von Bistro und Gourmetrestaurant scheinen fließen, bestehen aber; denn es wurden Gäste, die eintrafen, gefragt welchen Bereich sie reserviert hätten.

Service

Alle jungen Damen und Herren machten einen freundlichen und sympathischen Kellner+innen-Dienst. Sie trugen eine einheitliche Bekleidung in dezenten dunklen Farbtönen. Deutlich davon hoben sich der Patron Peter Hesseler (Freizeitlook), der Restaurantleiter Christoph Barciaga (hellblauer Anzug) und der Chefkoch Torben Schuster (Küchenweiß) ab.

Mit dem Chef des Hauses gab es keine persönlichen Berührungspunkte; er war ständig sichtbar auf der Terrasse präsent, kümmerte sich aber wohl nur um Stammgäste.

Der Restaurantleiter kümmerte sich jedoch aufmerksam auch um uns.

Mit dem Chefkoch konnten wir sogar am Ende ein paar Sätze zum Essen wechseln. Ich wollte gerne meiner Freude über das gelungene Menü zum Ausdruck bringen und nur zu einigen Details Fragen stellen, die ihn aber „verlegen“ machten bzw. etwas verunsicherten. Ich wollte ihm jedoch eigentlich mitteilen, dass ich seine Kombinationen positiv mutig fand und für den Gaumen eine angenehme Herausforderung darstellten. Jedenfalls ein freundlicher und aufgeschlossener Mensch!

Die Karte(n)

Degustationsmenü

Amuse-Bouche

Gänseleber: Terrine von der Gänseleber, Ziegenkäse, Holunderbeeren & Kohlrabi

Taschenkrebs: Schwarze Olive, Zitrone, dicke Bohnen, Nordseekrabben & Macadamia

Kaisergranat: Perlzwiebel, Granny Smith, Pommes Soufflé & Boudin noir

Muscheln: Handgerollter Cous Cous, Herz- & Schwertmuschel, Butternut Kürbis & Baharat

Seezunge: Eingelegter Spinat, N25 Oscietra Kaviar, Daniel Sorlut Speciale Auster & Kombu Beurre Blanc - Zwischengang

N25 Oscietra Kaviar - Ei ‚Jonnie Boer‘ - krokante Kartoffel, Schnittlauch & Creme Fraiche - Intermezzo - zusätzlich (nicht im Menü)

Quercy Lamm: Lammrücken & Bries, Aubergine, Blumenkohl & Kurkuma oder Mieral Taube: Spitzkohl, Pinienkerne, Roggen & Hafer

Rohmilchkäse vom Affineur Tourette - zusätzlich (nicht im Menü)

Cannelloni: Karotte, Johannisbeere & Rohmilchkäse vom Affineur Tourette

Himbeere: Monkey 47, Dulcey Schokolade & Estragon

8 Gänge € 169 - 6 Gänge € 139,- (Gänseleber, Taschenkrebs, Muscheln, Seezunge, Lamm oder Taube & Himbeere) - 4 Gänge € 99,- (Gänseleber, Seezunge, Lamm oder Taube & Himbeere) und nur zusätzlich: Oscietra Kaviar Intermezzo - Rohmilchkäse vom Affineur  Tourette

Auf Wunsch gibt es eine passende Weinbegleitung.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten dreimal das Sechs-Gänge-Menü (Gänseleber, Taschenkrebs, Muscheln, Seezunge, Lamm & Himbeere) unter dem Namen „Ausflug“ (wenn schon kein Urlaub ohne Probleme möglich ist, soll man im Restaurant wenigstens einen schönen Ausflug genießen können).

Gruß aus der Küche

Es wurden uns neben Brot und Butter vier kleine Überraschungen serviert: Hummer-Tatar, Sashimi von der Gelbschwanzmakrele, Granité gaspacho mit Speckschaum und ein Tatar vom geangelten Zander auf Tomatenessenz mit rotem Rettich und Petersilienöl.

Es handelte sich um dreierlei Brotsorten: knuspriges dunkles Brot, helles Brot mit Kräutern und Gemüsestückchen sowie weiches Brot, das mit Sepia-Tinte gefärbt war. Mir schmeckte das Brot mit der krossen Kruste am besten.

Ein Aufstrich war cremig geschlagen und das andere war eine feine Salzbutter, die mir sehr zusagte.

Der Hummer-Snack war sehr gut gewürzt und war mein Favorit von den drei Begrüßungs-Happen. Auch der Gelbschwanz war fein mariniert und konnte noch in eine kleine Schale mit selbst gemachter Sojasauce getunkt werden.

Die geeiste Gaspacho kam mir sehr mild vor und wurde daher in meiner Wahrnehmung von der würzigen und salzhaltigen Creme schon etwas erschlagen. Den Geschmack vom Speck hatte ich noch einige Zeit am Gaumen präsent.

Die Essenz war eine perfekte Konzentration von Tomatenaromen. Das Petersilienöl rundete den Geschmack optimal ab. Der Fisch war fein geschnitten und aromatisch. Die rotrandigen Rettichscheiben gaben etwas Schärfe und Säure zum Gericht.

Dieser Gruß war für mich ausgezeichnet. Der gesamte Einstieg war auf jeden Fall recht vielversprechend.

Gang 1 - Gänseleber: Terrine von der Gänseleber, Ziegenkäse, Holunderbeeren & Kohlrabi

Die Gänseleber war cremig und zart im Geschmack. Als Gegenpart war der Ziegenkäse dafür recht dominant. Die Komponenten waren jeweils zu runden Gebilden geformt, aber keine Kugeln oder Zylinder, eher fast wie Nocken. Holunder und Kohlrabi waren als Tupfen oder hauchdünnen Scheiben präsent. Einige Kräuter wie Schafgarbe und Kleeblatt verzierten die Gebilde. Am Ende wurde vom Service noch eine Holunder-Jus per Hand um die Zutaten angegossen. Hier bin ich mir gar nicht sicher, ob das jeweils eine Abrundung bildet; denn die Sauce wirkte auf mich etwas säuerlich bzw. essiglastig – besonders pur verkostet.

Insgesamt ein kontrastreicher Teller, der mir schon gut gefallen hat.

Gang 2 - Taschenkrebs: Schwarze Olive, Zitrone, dicke Bohnen, Nordseekrabben & Macadamia

Auch dieser Turm aus vielerlei Zutaten sah prächtig und frisch aus. Die kleinen Blüten erzeugten eine abrundende Note. Die Olive war gut sichtbar, ebenso die Nordseekrabben. Das Taschekrebsfleisch tauchte als kleine Stücke auf. Dadurch ergaben sich im Geschmack abwechslungsreiche kleine Gabelzusammenstellungen mit wechselnder Aromatik im Mund. Die Macadamianuss tauchte in der untersten Schicht auf – als Paste und kleine Stücke. Diese Kombination war mir in Gerichten nur bei Kuchen oder Süßspeisen vorgekommen. Sie passte hier aber auch perfekt zu Meeresgetier und Gemüse.

Auch hier wurde eine Jus angegossen, die mir aber zusagte und nicht so kontrastreich wie beim ersten Teller erschien.

Gang 3 - Muscheln: Handgerollter Cous Cous, Herz- & Schwertmuschel, Butternut Kürbis & Baharat

Der Teller sah wiederum köstlich aus. Er war auch fertig und es wurde nichts am Tisch hinzugefügt.

Der Kürbis fiel mir direkt ins Auge. Die Stückchen waren tropfenförmig geschnitten und kunstvoll in den zylindrischen Cous-Cous-Ring gesteckt worden. Als Gemüse tauchte noch winziger Pak Choi auf. Er war knackig und aromatisch. Die kleinen Muschelstücke waren angenehm gewürzt. Alles war mit einem hellen Schaum überzogen, der neben der arabischen Gewürzmischung für zusätzliche Aromen sorgte.

Gang 4 - Seezunge: Eingelegter Spinat, N25 Oscietra Kaviar, Daniel Sorlut Speciale Auster & Kombu Beurre Blanc

Der Fischgang war optisch für mich noch eine Steigerung. Aber auch geschmacklich waren einige Überraschungen verborgen. Das Fischfilet war butterweich und zart gegart. Die Austernstückchen waren obenauf zu finden.

Auf dem Fisch und zwischen den Austerteilen waren zwei kleine Ladungen Kaviar angehäuft. Ich habe einen winzigen Happen davon pur in den Mund geschoben und war überrascht wie weich und samtig die Perlen waren. Ich kannte sie bisher eher kleine Perlen, die im Mund platzen und den typischen Geschmack erzeugen – wenn die Qualität gut ist, aber nicht salzig erscheinen – für ewig in Erinnerung die „kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti“ von Helmut Thieltges. Es war also wieder eine neue Erfahrung: Die Störe für den N25 Kaviar werden frühestens nach 16 Jahren geschlachtet, wodurch ihr Rogen besonders lange reifen kann. Sodann durchläuft der N25 Kaviar einen weltweit einzigartigen Reifeprozess in Form einer speziellen Fermentation. Dieser Reifevorgang dauert 3-6 Monate und führt zu einem besonderen Geschmacksprofil.

Neben diesen Köstlichkeiten war aber auch der Spinat ein Höhepunkt. Er war wohl leicht fermentiert und mit einer asiatischen hellen Buttersauce angerichtet worden. Das hat mir sehr zugesagt und wenn es technisch nicht zu schwer sein sollte, möchte ich so etwas auch zu Hause einmal entwickeln – mal sehen, ob ich ein entsprechendes Rezept finde.

Gang 5 - Quercy Lamm: Lammrücken & Bries, Aubergine, Blumenkohl & Kurkuma

Nun folgte der Hauptgang – das Fleischgericht. Wir entschieden uns alle für das Lamm; sicher wäre auch die Taube interessant gewesen. Aber ich war neugierig auf das Lamm-Bries. Und ich glaube, dass das ein guter Griff war ( aber ich habe auch nichts gegen Taube).

Der Rücken hatte – ähnlich beim Schweinebraten – eine krosse Kruste. Sie war wirklich lecker. Darunter war eine kleine Schicht von fester Haut und darunter ein rosa-farbenes zartes Lammfleisch. Das war gut gegart und schmackhaft.

Aber der Höhepunkt des Tellers war wirklich das Bries: herrliche Aromen, saftig, zart und wunderbar weich.

Die Aubergine war zu einer Art Sphäre verarbeitet. Die Halbkugel glänze leicht dunkel-lila und war innen weich. Diesem Teil konnte ich nichts abgewinnen, weil es wenig Geschmack in meinen Augen entwickelte.

Die dünnen Blumenkohlscheiben waren gebraten bzw. gegrillt und dann mit Kurkuma gewürzt worden. Das mag ich, wenn Blumenkohl nicht weich gekocht wird – und auch die Würze mit Kurkuma war gelungen und neu für mich. Aber mein Lieblingsgewürz für gebratenen Kohl bleibt Ras el Hanout und ggf. noch geröstete Cashew- oder Pinienkerne.

Die Sauce wurde natürlich erst am Tisch angegossen. Sie war würzig und fein abgeschmeckt; für mich dürfte sie noch etwas mehr eingekocht sein und dadurch cremiger und dichter.

Insgesamt war es ein sehr vielschichtiger Teller mit diversen Geschmacksnoten.

Gang 6 - Himbeere: Monkey 47, Dulcey Schokolade & Estragon

     

Das Himbeereis war eine Fruchtbombe und wirklich der Star auf dem Teller. Aber auch der Weiße-Schokolade- Quader war gelungen und sehr intensiv im Geschmack. Die dritte Komponente Estragon war wohl in einem weiteren hellen Quader versteckt; aber ich habe es nicht erschmeckt. Dann kam der Keller noch mit zwei Gin-Flaschen. Er stellte den Monkey 47 und den Ferdinand's Saar Gin zur Auswahl. In beide Sorten waren noch Fruchtkomponenten eingearbeitet worden, sodass rosa-farbene süße Saucen entstanden waren. Wir wählten den Monkey - ohne die beiden Destillate wirklich zu kennen. Der Keller erläuterte natürlich kurz die Besonderheiten der beiden Produkte. Vom Gin habe ich nur etwas gespürt, aber die cremige Flüssigkeit passte harmonisch zum Eis.

Petit fours

Zum Kaffee gab es vier feine Überraschungen: Macaron, Sphäre aus dunkler Schokolade, Canelé de Bordeaux und „Exotic Kölsch“.

Das Mandelgebäck war locker und aromatisch. Die Schokoladenhalbkugel bestand aud dunkler Schokolade, die schone Kakaonoten zeigte. Auch der kleine Kuchen war extrem locker und luftig und enttäuschte nicht.

Natürlich war das kleine Kölsch-Glas der Hingucker schlechthin. In der kleinen Kölschstange war eine sirupartige cremige Masse, die wirklich wie Bier aussah. Sie war recht süß und intensiv nach Süd-Früchten im Geschmack. Als Schaum war eine Art Sahne (mit Vanille verfeinert) obenauf platziert worden.

Das waren nochmals recht ansprechende Süßigkeiten zum Abschluss.

Getränke

Billecart Salmon Brut Reserve (0,1 l ) - Für mich ein ordentlicher Champagner; aber ich bin kein besonderer Liebhaber bzw. Kenner dieser Weinart. Er war gut gekühlt und prickelte im Glas. Ein guter Einstieg für einen Sonntagslunch.

Weinbegleitung (6 Glas a 0,1 l )

Forstmeister Geltz Zilliken Saarburg Riesling feinherb 2016 -Der Riesling passte gut zum ersten Gang. Die Süße hielt sich in Grenzen.

Weingut am Stein Pure & Naked - PetNat - brut nature - Jede Flasche ist ein Einzelstück und kann daher etwas variieren. Geschmacklich steht dieser knochentrockene Schaumwein irgendwo zwischen Champagner, Cidré und Naturwein. Bei dieser Art der Weinverarbeitung habe ich meist Probleme. Auch diese Sorte würde ich mir nicht unbedingt für zu Hause kaufen; aber zum Tellergericht passte er recht gut. Also war die Wahl des Hauses durchaus gelungen.

Bernhard Ott 2019 - Grüner Veltliner trocken - FASS 4 - Die Reben stammen von kleinen Parzellen rund um Spiegel und Rosenberg. Weine aus dem Hause Ott sind eigentlich immer eine sichere Bank. Er schmeckte mir pur und auch zum Gericht.

Joseph Drouhin - Mâcon-Bussières - Les Clos AOC 2018 – Chardonny - Die trockenen Weine aus dem Gebiet Macon bringen die Rebsorte Chardonny fast immer gut zur Geltung. Auch heute passte der Weiße gut zum Fisch.

2014 Brunello di Montalcino Altesino - Prugnolo Gentile (Sangiovese) - Auch der Rote war eine Freude zum Essen. Ich habe auch fast noch nie einen Brunello vorgefunden, der mir nicht zugesagt hätte. Der klassische Ausbau ohne neue Holzfässer bringt einen eleganten Sangiovese-Extrakt hervor. Er war rund und zeigte keine Schwere, sondern elegante Fruchtnoten.

2017 JULIUSSPITAL Rieslaner Auslese (edelsüß) - Pur sind Süßweine schon manchmal anstrengend zu verkosten. Aber bei Käse und Süßspeisen finde ich sie eigentlich immer wieder recht passend.

Den Veltliner, den Macon und den Brunello würde ich auch jederzeit für zu Hause bei entsprechender Gelegenheit anschaffen.

Wasser (0,75 l)

doppelter Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute Produkte und vorbildliche Verarbeitung rechtfertigen entsprechende Preise nach meiner Meinung. Und – die Gerichte waren durchdacht gestaltet, sowie gerade auch optisch sehr ansprechend angerichtet.

Fazit

 

4 – schon gerne wieder. - Was mich abhält eine „5“ zu geben, ist die Anreise: Busse und Bahnen sind wohl weit weg; natürlich kann man auch für die letzte Strecke ein Taxi nehmen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 26.07.2020 – mittags – 3 Personen

 

 

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Juni 2020: taku *, Köln

Feine Speisen, passende Weine – ein großes Erlebnis

Allgemein

Auch beim Club „YouDinner“ kam die Corona-Krise plötzlich und umfassend – wie eine Naturgewalt eben. Viele Termine lagen im April und Mai und fielen daher flach. Die Events sollen aber alle nachgeholt werden.

Für mich war nun das „taku“ die erste Veranstaltung nach dem Lockdown.

Seit einigen Jahren war ich nicht mehr dort. Damals wurde mittags eine kleine Karte angeboten, die ich gerne nutzte. Heute wird nur noch abends geöffnet. Aber die asiatischen Gerichte haben mich stets überzeugt und sind positiv in der Erinnerung.

Daher hatte ich schon früh das Dinner gebucht, das nun im Juni wirklich stattfand.

Bei YouDinner hieß es dazu:

Japanisch, Thailändisch oder Chinesisch? Vietnamesisch oder vielleicht doch Indonesisch? … Erlebt unsere kulinarische YouDinner-Reise durch Asien mit Spitzenkoch Mirko Gaul im Sternerestaurant taku. Sich zwischen den verschiedenen asiatischen Länderküchen zu entscheiden, ist manchmal gar nicht so einfach. Müsst ihr an diesem Abend auch nicht; denn Sternekoch Mirko Gaul zaubert euch ein feines Asian-Fusion-Menu auf die Teller. Korrespondierende Getränke – von Sake bis Naturwein – zu den fünf Gängen sind natürlich auch am Start und machen den asiatischen Genusstrip in Köln zu einer spannenden Aromenreise. Bereits seit 2011 führt Mirko Gaul die Küche des taku. Jedes Jahr reist der Spitzenkoch nach Asien und bringt neue Ideen und Eindrücke aus Bangkok, Chengdu, Xiamen, Vietnam, Hong Kong und Tokyo mit zurück nach Köln. Mit seinem Drang, stets Neues zu entdecken und den Erfahrungshorizont zu erweitern, nutzt er jede Möglichkeit der Inspiration für neue Gerichte und Ideen.“

Der Chefkoch war heute nicht da, aber er hatte einen guten Grund und unser Verständnis: Er war am Morgen Vater geworden. - Glückwunsch!

Und ein gutes Küchenteam kocht immer im Geiste des Meisters.

Sake gab es nicht an diesem Abend, aber die kredenzen Weine waren so was von köstlich und passen (wie lange nicht mehr für mich).

Ambiente

Das Lokal war nach Corona-Regeln auf 24 Plätze reduziert und die Tische standen mit riesigem Abstand im Raum. Die Beleuchtung hatte ich als etwas heller in Erinnerung.

 

damals                                                                                                                             heute

Aber es war schon recht abendliche Stimmung im Restaurant. Ich konnte alles im Lokal gut erkennen; aber meine alte kleine Kamera schaffte einfach keine Bilder, die die Stimmung und die Gerichte richtig erfassen. Die Treppe, die an einen Bachlauf in seiner blauen Beleuchtung erinnern soll, war das hellste im Raum. Mit Maske habe ich recht vorsichtig die Stufen genommen.

Sauberkeit

Alles wirkte gut gepflegt. Tischdecke und kleine Stoffserviette in zarten Braunton auf dunklem Holz unterstützen das.

Service

Der eigentliche Eingang neben dem Hotel war verschlossen. Aber der aufmerksame Concierge trat auf mich zu, fragte nach meinen Wünschen und wies mir dann den rechten Weg durch die Eingangshalle des Grand-Hotels.

Vorsichtig stieg ich die Stufen zum Restaurant hinab und wartete im Halbdunkel auf eine Kraft. Die erschien auch aus dem Thekenbereich, fragte nach meinem Namen, schaute in die Liste und wies mir den Eckplatz an einem Sechsertisch zu. Kurz darauf wurde mir auch der Champagner zur Begrüßung gereicht.

Der Service war durchgehend freundlich und empathisch.

Aber ich bemerkte dabei, dass Catharina Boll von YouDinner eben unübertroffen beim Umgang mit Gästen ist: sie bemerkt alles und versorgt einen ehe man es selbst merkt. Sie fehlte; aber unbedingt zurecht; denn sie ist Mutter geworden und eben in Elternzeit

Doch die Damen am Tisch haben die Kellner stets freundlich zum Nachschenken des Weins und mehr Sauce veranlasst. Also wieder einmal: Reden hilft.

Die Tischgruppe

Ich habe schnell gemerkt, dass mir die Runden bei YouDinner in den letzten Monaten irgendwie schon gefehlt haben. Es ist eben ein großer Unterschied, ob man mit Familie oder Freunden essen geht. Diese Treffen sind absolut wichtig und unverzichtbar für mich und stehen an erster Stelle. Aber mit relativ unbekannten Menschen am Tisch oder in der Runde zu sitzen, ist noch etwas ganz anderes – teilweise eine fremde Welt – und eben „unverbindlich“. Lockere Themen, das Verbindende auch eine Lust am Genießen, das vereinbarte „Du“ am Abend nur auf Zeit, das alles bringt eine erweiterte bzw. ergänzende Dimension hervor.

Die Vielfalt der Themen war heute geradezu unheimlich, der Vortrag einzelner Personen dazu göttlich. Mir sind die Ohren fast abgeflogen und habe so herzhaft gelacht wie lange nicht mehr. Aber fast jede Runde bei YouDinner bringt besondere Akzente.

Die verkosteten Speisen: Menü – Degustation – 5 Gänge und Getränkebegleitung

Brot

Wenn Brot frisch gebacken ist und im Hause selbst zubereitet wird, halte ich das stets für bemerkenswert. Und diese Stücke waren schmackhaft und würzig. Sie überzeugten pur, mit dem Aufstrich und auch als „Schwamm“ für Saucenreste auf dem Teller.

Spargelsuppe

Das kleine Glas voll cremiger intensiver Suppe war ausgezeichnet abgeschmeckt und hatte volle kräftige Spargelaromen. Das war sehr angenehm.

Kalbsbries

Der zweite Happen war ein kleines Kunstwerk aus Pilzstückchen, paniertem Bries und einer festen Unterlage mit cremigem Aufstrich.

Ein wirklich herzhafter würziger und knuspriger Snack.

Rinderschulter

Die Füllung mit Gemüse und Rindfleisch war sehr apart gewürzt und schmackhaft. Der Teigmantel darum war jedoch etwas ledrig bzw. fest und wurde im Mund immer länger und breiter. Wenn das typische „Bao Bun“ waren, werden wir eben keine großen Freunde.

Alle Grüße waren also bis auf den kaugummiartigen Mantel sehr vielversprechend für mich gewesen.

Gang 1: WILDLACHS (soft gebeizt) mit Kimchi, Mango und Chili

Die Ansage aus der Küche nannte diese Kombination koreanisch und thailändisch geprägt.

Kimchi nennt man in der koreanischen Küche sowohl die Zubereitung von Gemüse durch Milchsäuregärung als auch das auf diese Art fertig zubereitete Gemüse. Mir hat diese mir vorher nicht so bekannte Art sehr gut gemündet. Die Balance von Schärfe und Süße hat mich überzeugt. Der Fisch war großartig und erinnerte mich etwas an Ceviche. Später wurde verraten, dass es sich um besonderen Lachs aus Alaska gehandelt hat (den Namen konnte ich mir nicht merken). - Jedenfalls sehr intensiv im Geschmack.

Gang 2: KRUSTENTIER mit Nussbutter, Schalotten-Dashi, Schnittlauch-Öl und Yuzu

Der Teller hatte einen stark japanischen Einschlag, den ich so auch noch kaum erfahren hatte.

Dashi ist ein japanischer Fischsud. Das Grund-Dashi wird aus Bonitoflocken und braunem Seetang gewonnen. Die Kombination war pikant und erfrischend zugleich. Der King-Crab war für mich der vielleicht beste „Meerestier-Fleisch“, das ich je verkostet habe. Die hellen „Kaviarkugel“ aus Zitrone obenauf rundeten den Genuss ab. Die Menge und die Konsistenz der Nussbutter passten für mich nicht auf gleicher Geschmackshöhe wie die anderen Komponenten auf den Teller. Insgesamt war aber dieser Gang eine wunderbare Erfahrung für mich.

Gang 3: RAMEN mit Schweinebauch-Chashu, Ramen-Nudeln, Miso, Enoki und jungem Lauch

Ramen sind eine eigene Art japanischer Nudeln. Diese Nudeln, vor allem die daraus hergestellte Nudelsuppe, werden Ramen genannt. Die Scheibe Schweinefleisch war wohl lange gegart worden. Sie war herrlich weich und saftig. Einige Gemüse waren in einem frittierten bzw. gebackenen Teigmantel zubereitet. Die Hülle war dünn und sehr knusprig, das Innere saftig und weich. Auch dieser Gang war für mich voller neuer Geschmacksmomente und äußerst gelungen.

Gang 4: ENTE (aus der Vendée) mit Pfeffer-Sud, Spargel-Katsu, Honig und Soba

Beim Hauptgang waren mir zumindest Ente und Spargel vertraut. Das Fleisch hatte eine knusprige Haut und war Innen saftig und rosa. Die Struktur der Entenfasern waren relativ fest. Das Fleisch war also weniger zart, hatte aber sehr angenehme Aromen und feine Würze.

Der Spargel war innen leicht weich und außen angenehm knusprig. Für mich der beste Spargel in diesem Jahr. Besonders die feinen Gemüsestreifen über der Stange als Topping waren eine köstliche Abrundung. Die Nudeln - Soba sind dünne, braun-graue Nudeln aus Buchweizen – wurden in einer Schale dazu gereicht.

Gang 5: ROTE BEEREN mit Yuzu und Sesam

Die Früchte wurden als Sobet bzw. Creme in weicher bzw. flüssiger Form dargeboten und weniger mit Stückchen. Dazu gab es ein cremiges Eis mit Vanille- und Zitrusaromen. Besonders interessant für mich waren die gebäckartigen Teile auf dem Teller: unten eine helle Version und oben eine dunkle knusprige Ringscheibe, die ich optisch zuerst für dunkle Schokolade gehalten habe. Aus Sesam, Honig und Zucker waren eine Hippe und kleine Würfel gebacken worden.

Ein gelungener und abwechslungsreicher Abschluss.

Ende: Kaffee und Petit Fours

Der Espresso war angenehm gebrannt. Die cremige kleine „Praline“ und die dünnen Schokoladen-Plättchen mit Nüssen passten dazu. Der Geschmack ist mir nicht besonders in Erinnerung geblieben.

Getränke

Ruinart Champagner brut classic - Cuvée: 40% Chardonnay, 57% Pinot Noir und 3% Pinot Meunier

Für mich erfrischend und prickelnd – aber zu Champagner habe ich immer noch nicht den ganz großen Zugang gefunden.

2017 Burgberg Riesling GG - Schlossgut Diel VDP – Nahe

Ein feiner Riesling mit starken Aromen – vielleicht etwas jung. Um seine Möglichkeiten voll zu entfalten. Insgesamt sehr gut zum ersten Gang.

2016 Löwengang bio Chardonnay Alois Lageder Südtirol

Löwengang war für mich schon immer ein großartiger Chardonnay – auch heute klasse.

2018 SYLVANER "KALKOVEN" Collective Z - Pfalz , Naturwein

Reiner Kalkboden und Fels, 2-3-tägiger Mazeration auf den Schalen, spontanvergoren, keine Schönung oder Filtration und 8 Monate in alten Barriques gereift, langes Hefelager. Mineralisch, samtig, Brioche, Kräuter. Ich fand es sehr gut, dass der Sommelier uns etwas mehr zu diesem Wein erzählte. Mich erinnerte er im Antrunk etwas an trockenen Cidre, ich merkte Rauch bzw. Feuerstein mit der Nase. Ich habe noch nicht viele Naturweine verkostet. Diesen würde ich auch wieder probieren. Eigenwillig? Ja, das trifft zu. Außergewöhnlich? Ja, auch das ist richtig.

2006 Alenza Gran Reserva - Ribera del Duero DO - Alejandro Fernández - 100% Tempranillo

Ein gut gealterter Tempranillo gefällt mir fast immer – und so war es auch hier.

2017 Rosalack Riesling Auslese Große Lage - edelsüß - Schloss Johannisberg VDP - Rheingau

Dieser Wein passte ausgezeichnet zum Nachtisch. Er war dezent in seiner Süße und zeigte viele Aromen von exotischen Früchten.

So eine großartige Weinbegleitung habe ich schon lange nicht mehr in einem Restaurant erlebt.

Fazit

4 – gerne wieder – vielleicht sogar mit der Tendenz zu unbedingt wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 18.06.2020 – 1 Person (Gruppe: 22 Teilnehmer*innen)

 

 

 

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Kölsch und Brauhäuser

In mehreren Gängen durch die Innenstadt am Mittag bis zum Abend hin auf  eigenen Brauhaus-Wanderungen- ohne Führung - Erfahrungen gesammelt. Es hat viel Spaß gemacht.

Für ein Treffen mit Freunden oder Bekannten gibt es in Köln eine Menge Brauhäuser bzw. Kneipen, die für eine bestimmte Kölschmarke stehen.

Dabei unterscheide ich neben der Vorliebe für ein bestimmtes Bier auch die Atmosphäre des betreffenden Lokals und den Anlass des Besuchs.

Beim Essen kommt für mich in allen entsprechenden Gaststätten nur die „kleine Karte“ infrage: Mettbrötchen, Halver Hahn (Käse und Röggelchen), Strammer Max oder andere rheinische Tapas. Denn es ist mir schleierhaft, warum dort so viele Gäste normale Tellergerichte bestellen (Steak, Geflügel, Gemüse etc.); dafür gehe ich nur in entsprechende Speiselokale. Aber zum Bier sollten die Kleinigkeiten schon vorhanden und ordentlich gemacht sein.

Mit zwei Bekannten habe ich über einen überschaubaren Zeitraum (etwa einen Monat im September 2018) einige Brauhäuser besucht, um zu einer Empfehlung zu kommen.

Ambiente/Atmosphäre

1. Schreckenskammer

Das Brauhaus kommt meinem Gefühl für ein gemütliches Brauhaus am nächsten. Es ist nicht zu groß. Die Köbesse sind noch echte Typen und dabei gar nicht unfreundlich.

 

Nur der Gang zu den Toiletten im Keller ist recht mühsam und die Anlage auch in die Jahre gekommen.

2. Sünner im Walfisch

Hat mir bei meinen Besuchen sehr zugesagt. Das Brauhaus ist nicht zu groß. Die Einrichtung ist gemütlich. Die Bedienungen sind freundlich. Auch die kleinen Happen von der Karte waren recht gut gemacht. Hier konnten wir uns gut unterhalten.

Die Toiletten sind allerdings nur im Obergeschoss.

3. Päffgen (Friesenstraße)

Das Stammhaus hat zwar schon eine größere Platzzahl inklusive einem überdachten Biergarten, aber auch hier kommt Brauhausstimmung auf. An den langen Tischen rücken die Gäste auch zusammen und schaffen so Platz für neue Gäste.

Die Toiletten sind auch wieder im Keller – zu den Zeiten mit viel Publikum sorgen Klofrauen für Sauberkeit.

4. Malzmühle (Mühlen)

Auch hier ist es sehr gemütlich. Die Gaststätte gliedert sich in mehrere Räume. Auch bei Hochbetrieb findet man meist einen Platz.

Die Toiletten sind im Keller – eine Klofrau sorgt für Sauberkeit.

5. Bierhaus am Rhein (Delfter Haus – Päffgen)

Auch dieses Haus ist nicht übermäßig groß. Es gibt einen Außenbereich mit Blick auf den Rhein.

Die Toiletten sind drinnen – natürlich mit Treppensteigen verbunden.

6. Lommerzheim (Deutz – Päffgen)

Als „Lommi“ noch den Betrieb führte, war das Lokal eine Legende. Es war urig dort und Herr Lommerzheim war ein Original. Die Koteletts von Frau Lommerzheim waren ebenfalls großartig.

Nach seinem Tod führt Päffgen das Haus selber weiter.

Die Räume wurden überholt. Es gibt eine schöne Außenanlage – und die Toiletten sind (jetzt) auch modern.

Das Lokal ist jetzt schöner als früher, aber es fehlt natürlich Herr Lommerzheim und seine Gattin. Ich habe die Beiden noch erlebt – jeder Besuch war ein Treffer.

7. Peters Brauhaus

Das kleine Brauhaus ist gemütlich eingerichtet. Unser Köbes war vielleicht der beste der Tour: Konnte viel erzählen und hatte Ahnung von Kölsch.

Die Toiletten sind ebenerdig zu erreichen – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Das ist alles perfekt. Nur: für mich ist das Bier nicht ganz so Spitze.

8. Em Scheffge (Reissdorf)

Die Gaststätte hat auch echten Kneipenflair. Für ein schnelles Kölsch bleibt man an der Theke auf dem Hocker sitzen. Wenn man im Severinsviertel ist, sollte man hier einkehren – auch wenn man kein Fan von Reissdorf ist.

9. Em Altertümche (Gaffel)

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In der Nähe von Saturn am Hansaring in der Ritterstraße gelegen. Recht urig in der Einrichtung. Nicht besonders groß. Es gibt Gaffel.

10. Brauhaus Johann Schäfer

Das Haus liegt in der Südstadt in der Elsasstraße. Hier kann man gut essen. Das Kölsch kommt von Gaffel

11. Max Stark (Päffgen)

Die kleine Kneipe ist gemütlich – und hat Päffgen. Was will man mehr?

12.Severin (Dom)

Auch eine gemütliche Kneipe mit Außengelände im Süden der Stadt. Aber es gibt Dom Kölsch. Da muss man durch.

13. Brauhaus Pütz (Mühlen)

Ein größeres Lokal im Bereich des Belgischen Viertels mit Außenbereich. Hier schmeckt das Mühlen Kölsch auch ganz gut.

14. Brauhaus Stüsser (Sion)
 
 
Hier gibt es Sion - und das ist schon mal gut. Im Sommer kann man gut draußen sitzen. Auch innen ist es gemütlich.
 

15. Gilden im Zims

Ein großer Außenbereich und viele Räumlichkeiten im Inneren. Besonders die Kellergewölbe sind sehr sehenswert. Toiletten sind auch im Keller – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Aber es gibt eben Gilden Kölsch. Nicht schlecht. Aber am Heumarkt liegen auch die Malzmühle oder ein paar Schritte weiter Sünner im Walfisch oder Päffgen im Delfter Haus am Rhein. Da schmecken mir die Biere besser.

16. Sion Brauhaus

Ein recht großes Haus. Es gibt mehrere Räume und einen Außenbereich. Das wirkt auf mich etwas unpersönlich. Das Bier schmeckt aber. Und im Keller ist eine sehr saubere Toilettenanlage.

17. Em Kölsche Boor

Das alte Brauhaus liegt hinter dem Eigelsteintor. Imposantes Haus, aber sehr groß im Inneren - es gibt Mühlen Kölsch.

18. Pfaffen am Heumarkt

Das Haus ist durchaus ordentlich eingerichtet, etwas verwinkelt im Inneren für meinen Geschmack. Und das Bier (kein Kölsch, aber helles Ober) sagt mir weniger zu.

19. Bierhaus en d´r Salzgass (Päffgen)

Eine relativ große Kneipe und daher schnell laut bei vielen Gästen. Aber es gibt Päffgen.

20. Gaffel am Dom

Ein sehr großes Haus. Die Lautstärke ist bei vielen Gästen recht groß. Mit dem Köbes kommt so schnell kein Gespräch auf, weil er eher wie am Fließband mit der Kölsch-Kranz umher rennen muss. Aber es gibt das gute Gaffel Kölsch.

Die Toiletten sind auf einer Halbetage. Wenn man weit davon entfernt einen Platz hat, sollte man sich gut die Wege merken, um wieder zurückzukommen.

21. Früh am Dom

Ein sehr großes verwinkeltes Haus mit vielen Räumen auf mehreren Ebenen – auch ein Außenbereich ist vorhanden.

Hier haben die Köbesse auch viel zu tun, denn der Laden brummt. Es ist sicher das bekannteste Brauhaus und direkt am Dom. Alle Touristen kommen wohl hier einmal vorbei.

Das Getümmel ist mir zu viel, obwohl das Haus wirklich schon Ecken und tolle Einrichtungsstücke hat.

Und Früh Kölsch ist einfach nicht mein Ding. Bei großem Durst schmeckt es aber ganz gut. Eine Brauhaustour sollte man daher hier anfangen.

Kölsch

Es geht hier nur um Kölsch, das aus einem Fass in der Gaststätte – am besten ohne Leitungen und Kohlensäure, frisch gezapft wurde. Also nicht Flaschenware.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich die Marken, die etwas herber sind grundsätzlich lieber trinke. Kölsch ist ein helles obergäriges leicht bitteres Bier. Es soll eine deutliche Hopfennote haben und nicht zu viel Malzgeschmack aufweisen.

1. Gaffel

Da es für mich die meisten herben Noten hat und harmonisch wirkt, probiere ich es immer wieder gerne. Früher wurde am Eigelstein gebraut, jetzt in Porz.

Im Glas bildet sich ein schönen Schaum, der auch etwas hält (Kölsch wird frisch getrunken und in 0,2 l – Gläsern (die Stange) angeboten. Da ist keine cremige Schaumkrone nötig). Im Antrunk finde ich sogar leichte Süße, aber dann setzt sich die herbere Note durch. Der Abgang ist nicht lang, es bleiben die Töne von feiner Bitterkeit übrig.

2. Sünner

Auch Sünner weist Herbe und Struktur auf und ist für mich mein „Aufsteiger“ im Geschmack. Ich habe es selten in eioner Gaststätte probiert, wo es gut läuft. Im Glas bildet sich angemessener Schaum, der auch kurz hält. Der erste Schluck zeigt direkt herbe Noten. In der Nase kommen frische Töne an. Der Abgang zeigt einen ausgewogenen Hopfengeschmack. Süße ist wenig im Spiel.

3. Schreckenskammer

Das Kölsch ist sicher nicht herb, aber es schmeckt mir. Dabei wurde es nach dem 2. Weltkrieg nie mehr selbst gebraut. Die Lohnsudbetriebe wechseln dabei sogar, aber das Familienrezept blieb. Zuerst wurde es bei Giesler in Brühl gebraut. Dann kam es zu Dom und Zunft und jetzt sogar bei Früh.

Es hat etwas mehr Alkohol als üblich und bekommt keine Nachgärung, um mehr Kohlensäure zu bekommen. Die Farbe ist gold-gelb, frischer Geruch, beim Antrunk etwas süß, später leicht bitter, Schaum fällt schnell zusammen, kurzer Abgang: insgesamt rund und zugänglich.

4. Päffgen

Päffgen ist ein sehr solides Bier. Es gibt es nur im Fass. Die Familie braut noch am Stammhaus in der Friesenstraße. Sie behaupten selber, dass ihr Bier nicht immer gleich schmeckt, aber immer gut.

Die Gläser haben keinen Reklameaufdruck. Es sind einfache klare Stangen. Der Schaum ist mittelhoch. Das Aroma ist mild-würzig. Ein aromatisches Kölsch, recht mild aber nicht süßlich und einfach süffig.

Auch die Gasthäuser, die Päffgen im Ausschank haben, sind durch die Bank zu empfehlen.

5. Sion

Hans Sion gilt als Vater des Nachkriegskölsch. Damals waren die kleinen Brauereien in Köln fast alle durch Bomben zerstört worden und die Großen Pils- und Exporthersteller konnten auch in Köln den Markt erobern. Sion erkannte, dass die kölschen Brauer mit ihrem eigenen obergärigen Bier dagegen halten mussten, um sich in Geschäft zu halten. Und es hat geklappt: Kölsch wurde wieder die Nummer eins im Köln-Bonner-Bereich.

Auch Sion braute nicht mehr selber. Heute gehört die Marke sogar zum großen Radeberger-Konzern (Oetker).

Im Glas ist schöner Schaum, der auch etwas länger hält, frischer Geruch, angenehm bitter, kaum süß, mittlerer Abgang.

6. Mühlen

Das Bier aus der Malzmühle ist sicher auch alles andere als herb. Aber es in sich stimmig und schmeckt mir daher. Das kleine Brauhaus am Heumarkt gefällt mir auch gut. Im Glas kommt etwas Schaum auf, der aber nicht lange hält. Der Geruch ist frisch, der Geschmack pikant ohne viele Bitternoten, die leichte Süße ist gut eingebunden; bei einem Besuch merkte ich saure Akzente, die unharmonisch wirkten; beim nächsten Besuch schmeckte das Bier wieder angenehm.

7. Peters

Ursprünglich aus Monheim. Aus Traditionsgründen durften sie auch nach der Kölsch-Konvention (Kölsch muss in Köln gebraut sein) ihr Bier Kölsch nennen.

Aber in der Zwischenzeit gehören zum „Haus Kölscher Brautradition" und sind Teil von der Radeberger Gruppe, die wiederum zum Oetker-Konzern gehört. Gebraut wird das Bier in Köln-Mülheim bei Gilden (genau wie Sion, Sester, Peters, Dom, Küppers etc.).

Im Glas steht der Schaum sehr kurz. In der Nase bemerke ich frische malzige Noten. Der erste Schluck war gefällig, aber ohne besondere Note. Da fehlte mir etwas Charakter. Aber insgesamt war das Kölsch süffig mit entfernt herben Tönen.

8. Gilden

Das Bier wurde schon immer in Mülheim gebraut. Heute ist es neben Sion die Premium-Marke vom Haus Kölscher Brautradition.

Im Glas war deutlich Schaum, der aber schnell vergeht. Der erste Schluck war ausgeglichen in herb und süß. Aber die Aromen sind sehr zurückhaltend. Im Abgang auch mild.

9. Reissdorf

Reissdorf ist der Marktführer in Köln. In der Innenstadt haben sie weniger Gaststätten, aber im Severinsviertel sind sie zu Hause.

Im Glas bildete sich frischer feiner Schaum, der sich schnell abbaute. Der Geruch ist frisch, aber auch eher unauffällig. Keine besondere Süße oder herbe Töne. Etwas langweilig, aber durchaus süffig.

10. Dom

Dom Kölsch war lange Zeit sehr geschickt im Marketing. Im Ausland und in der gehobenen Gastronomie in Deutschland war – wenn überhaupt – oft Dom zu bekommen. Aber geschmeckt hat es mir nie. Die Etikett-Farbe war grün. Seit der Übernahme durch das Haus Kölscher Brautradition wechselte man zu „rot“ - vielleicht soll es an Früh erinnern. Ob die Rezeptur auch verändert wurde weiß ich nicht, aber es schmeckte mir beim Besuch im Brauhaus etwas besser als früher.

Im Mund zeigen sich keine besonderen Noten (etwas Süße und mehr herbe Noten, beim Abgang zeigen sich insgesamt etwas fremde, ungewohnte Hopfentöne. Diese leichte Eigenwilligkeit macht es weniger süffig als Früh oder Reissdorf zum Beispiel.

11. Früh

Früh und Gaffel sind etwas gleich stark in Köln vertreten und bilden damit Platz zwei und drei in der Menge beim Ausstoß. Gaffel ist meine Nummer eins und Früh schmeckt mir nur, wenn ich viel Durst habe und vorher kein anderes Kölsch probiert habe.

Im Glas steht Schaum, der schnell zerfällt. Der Antrunk zeigt weder Süße noch herbe Akzente. Weitere Schlucke zeigen keine Tiefe aber auch nichts Störendes. Im Abgang finde ich kaum Nachhall von Kölsch-Noten. Der Geschmack ist schnell weg – was bleibt? - Nichts. Also noch ein Glas, oder doch nicht?

12. Pfaffen

Früher verkauften die Brüder Päffgen in ihren Gaststätten nur Päffgen Kölsch (es waren anfangs nur drei Häuser: Friesenstraße, Heumarkt und Lommerzheim in Deutz).

Aber es gab Streit Max kündigte den Vertrag und sein Sohn braute ein eigenes Bier in Lohmar. Damit durfte es nicht Kölsch heißen. Selbst über den Namen gab es Diskussionen. Schließlich hieß es Original Pfaffen Bier. Als Antwort gründete der Bruder direkt neben dem Haus einen Ausschank mit Päffgen Kölsch ( Bierhaus en d´r Salzgass).

Im Geschmack erinnert es mich etwas an ein Craft-beer. Es ist obergärig und hell, aber es schmeckt irgendwie auch säuerlich. Bei den ersten Schlucken finde ich leicht herbe und würzige Noten, auch etwas Süße. Aber dann stören mich die sauren Töne mehr als die Freude an den anderen Aromen.

 

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Helmut Thieltges (* 24. September 1955 in Dreis † 26. Juli 2017 in Trier) war ein deutscher Dreisterne-Koch.

In Dankbarkeit für großartige Stunden.

Kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti

Imperial-Kaviar ist die Bezeichnung für hellen, goldbraun schimmernden Kaviar mit einer Korngröße von 2–2,5 mm. Herr Thieltges bezieht ihn aus einer Zuchtstation in Belgien wie mir der Kellner verriet. Bisher habe ich noch nie ein Gericht mit 20 Gramm Kaviar verkostet. Lediglich auf einer Food-Messe habe ich einmal deutschen und russischen Zuchtkaviar probiert. Die eine Sorte war ganz angenehm, die andere überwog in salzigem Geschmack. Daher war ich recht neugierig.

Der Gold-Kaviar heute war viel aromatischer und mit den bisherigen Erfahrungen nicht vergleichbar. Das Rindertatar war ebenfalls traumhaft abgeschmeckt. Unten war das Kartoffelrösti wie ein Boden bei einer Torte die Grundlage. Darauf war eine üppige Schicht vom Tatar. Eine weitere Schicht besteht aus gewürzter Crème fraîche und darauf als Abschluss ein herrlicher Belag aus nussig-jodigem Kaviar. Das Geschmackserlebnis, das ich dabei hatte, möchte ich nicht missen. Ich hoffe mich lange daran erinnern zu können; denn es war köstlich. In einigen Berichten haben Genießer dieses Gericht als einzigartig bezeichnet – nun gehöre ich auch dazu.

Kross gebratene Medaillons vom Kalbsbries mit Maccaroni-Charlotte und Pfifferlingen uns Sauce Perigourdine

Damit nicht genug: Jetzt folgte das Bries (welch ein Glück, dass wir diesen Gang auch bestellt haben – eigentlich schaffen wir im Sonnora nur fünf Gänge und lassen zwei aus. Auch der Käse ist hier gut gereift und wird in einem fahrbaren Klimaschrank zum Gast gefahren – wir nennen das Gerät scherzhaft „Inkubator“).

Wir haben schon in vielen Restaurants Bries verkostet und auch fast immer gute Ergebnisse erhalten. Aber besser ist der Feind von gut. Hier sind die gebratenen Medaillons einfach unvergleichlich für mich (ich bin noch nicht überall gewesen und daher gibt es sicher auch in anderen Gasthäusern beste Varianten). Die Röstaromen und die Zartheit überzeugen mich. Aber selbst das ist nicht der einzige Pluspunkt auf dem Teller. Die Charlotte aus der italienischen Teigware ist ein Ganzstück. Die Füllung mit den Pilzen und der Sauce ist der Hammer. Eine Demi-Glacé wird mit Trüffelstückchen verfeinert. Gelegentlich habe ich Trüffel als Teil eines Gerichtes serviert bekommen; oft war ich enttäuscht, weil ich den typischen Geschmack oder den unvergleichlichen Duft vermisst habe. In dieser Sauce habe ich die Aromatik aber gefunden. Jeder kleine Bissen hat meinen Gaumen erfreut.

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