Herzlich willkommen!

Oktober 2020: Alfredo *, Köln

Es geht nichts über Kultur!

Allgemein

Einige Male war ich schon bei Roberto Carturan zu Gast (zuletzt mit meiner Frau im Juli 2020); aber immer nur mittags. Berühmt bzw. besonders hingegen ist der Freitagabend; denn dann singt der Chef am Ende des Dinner. Roberto ist nämlich ein gelernter Bariton.

Da habe ich mir einen Platz gesichert.

Sein Vater Alfredo Carturan eröffnete 1973 das Restaurant neben der Kölner Oper (die Oper wird seit 2012 renoviert und die Arbeiten sollten 2015 abgeschlossen sein. Man schätzt aber heute 2020, dass es noch bis 2024 dauern könnte) und Roberto übernahm 1999 die Leitung.

YouDinner stellte nun in Aussicht: Ein Abend wie „die ganz große Oper“ - also Dinner und Konzert bzw. Soiree. Das Menü endet nicht mit Dessert und Espresso. Es folgt der Höhepunkt des Abends. Der Küchenchef singt zur Klavierbegleitung Arien und Lieder italienischen Meister, Mozart, Schumann und sogar Willi Ostermann.

Für das Vortragen musste sogar eine Genehmigung bei der Stadt eingeholt werden (wir sollten nicht mitsingen, erzählte Roberto Carturan mit einem Lächeln, weil nur eine Person vortragen dürfe).

Über die Küchenleistung wird immer wieder gestritten. Die einen sagen, sie ist gut, aber nicht viel besser als bei anderen italienischen Restaurants ohne Stern – so mein Nachbar zur Rechten zum Beispiel. Doch links neben mir wurde viel gelobt.

Und ich muss sagen: Auch ich finde die Küche mindestens eine Stufe höher, als gute italienische Restaurants in meiner Umgebung, die ich auch sehr schätze.

Es gibt jedoch auch ein Aber; denn die Portionen sind nicht besonders groß, die Weine nicht aus der Riege, der namhaften Winzer und so erscheinen die Preise insgesamt recht selbstbewusst kalkuliert.

Jedoch waren die Meinungen zum Gesang ungeteilt positiv. Ich fand die italienischen Arien sehr persönlich vorgetragen, das Mozart-Lied großartig („Non piu andrai farfallone amoroso“ - aus Le nozze di figaro) und die Zugabe seine Interpretation von „Wenn ich so an Wenn ich ming Heimat denke“ sogar rührend. Auch sein Vortrag eines Gedichtes von Heinrich Heine vertont von Robert Schumann (als „Gruß“ nach Düsseldorf) hat mich beeindruckt. Romantische Lieder, die von hochdramatischen Sopranistinnen interpretiert werden, kann ich meist kaum ertragen. Aber die sonore Baritonstimme war angenehm.

Für die gute halbe Stunde Musik – übrigens von Thomas Taliesin Weber am Piano kongenial begleitet – gab es auch viel Applaus.

Ambiente

Das Lokal ist sachlich und schlicht eingerichtet. Bei Besteck und Porzellan werden ausgesuchte Marken eingesetzt. Die klassischen Schwingstühle am Tisch sind bequem.

Service

Die Crew (bestehend aus der Gattin, dem Sohn (der nun die 3. Generation darstellt) und einigen jungen Damen) erledigt ihre Aufgaben geräuschlos und umsichtig und aufmerksam.

Das Dinner

Es handelte sich um vier Gänge und die anschließende musikalische Darbietung.

Amuse Bouche: Zwei kleine Grüße zur kulinarischen Einstimmung: Salat von Moscardini mit Mangold und Cannellini Bohnen sowie Tartelette mit Ziegenkäse, Spinatcreme und Zitronen Streusel

Auf einem Löffel war das Bohnengericht angerichtet und der zweite Gruß bestand aus einer dunkelgrünen Halbkugel, die innen fast flüssig war. - Beide Gerichte waren angenehm im Mund.

Der Brotkorb mit mehreren Sorten Brot, kleinen Knusperstangen und knusprigen Croutons stand bereit und wurde auch nachgefüllt im Laufe des Abends.

                      

Gang 1: Aquarium: Wilde, rote Garnele, Ricciola, Jakobsmuschel

Diesen Teller würde ich mir jederzeit wieder bestellen. Die Garnele war gerollt und mit Lachskaviar bekrönt. Das war sehr fein abgestimmt und machte mir große Freude. Das Fleisch der Großen Bernsteinmakrele war roh in dünne Tranchen geschnitten wurde wirkte auf mich wie Ceviche: Die Aromatik überzeugte mich durch die Puristik.

Aber am besten hat mir die Jakobsmuschel gemundet. Sie war für mich so perfekt gebraten, gewürzt und angerichtet wie lange nicht mehr. - Davon hätte ich bleich drei mehr bestellen können.

Gang 2: Risotto classico: mit frischen Steinpilzen

Dieser Teller sah – erwartungsgemäß – nicht besonders einladend aus. Außer den Reiskörnern und den Pilzstücken war nichts auf dem Teller zusätzlich untergebracht.

Der Reis war auf jeden Fall für mich optimal gegart; denn er war weich aber noch mit leichtem Biss. Die Pilze waren leicht gebraten und gaben den besonderen Geschmack der Edelsorte angenehm weiter. Mit Parmesan oder Zwiebel war auf jeden Fall sparsam bzw. umsichtig umgegangen worden; denn die Creme um den Reis und die Pilze herum gab eine gute Bindung, war aber nicht aufdringlich.

Somit war der Risotto schon nach meinem Geschmack.

Gang 3: Trilogie vom Ochsen

Links auf dem Teller war geschmortes Fleisch. Es war butterweich, saftig und würzig. Es erinnerte an Tafelspitz oder auch pulled beef im Geschmack. Es war das größte Stück auf dem Teller und war kalt angerichtet. Darunter war eine kräftige Sauce drapiert.

In der Mitte war ein kleiner Klecks Püree; sehr fein abgeschmeckt. Außer Kartoffel wohl noch Wurzelgemüse. Davon hätte ich auch einen zweiten Löffel aufgegessen.

Rechts außen war das Fleisch wie eine lange Scheibe Wurst aufgeschnitten worden und dan gerollt. Das war das kleinste Stück auf dem Teller; es erinnerte mich an einen Braten, der noch nicht weich geschmort ist, sondern noch eine feste Struktur hat. Das Fleisch war ebenfalls mit Kräutern verziert worden.

Unterhalb vom Püree lag das kurzgebratene Stück. Es könnte Filet gewesen sein; jedenfalls war es super zart, leicht rosa im Inneren und köstlich im Geschmack.

Dieser Teller war zurecht für mich das Hauptgericht und der Höhepunkt.

Gang 4: Dolce: Zitrone, Basilikum, Pflaume

Rechts auf der langen Schale befand sich eine Art Küchlein (der Zitronen-Anteil wohl). Es war mit Pflaumenspalten, einer Creme und krossen Chipstücken oben abgeschlossen. Das schmeckte fruchtig und erfrischend.

Eine dünne grüne Spur reichte dann bis nach rechts außen zum Pflaumen-Eis bzw. Sorbet. Die „Schlange“ war wohl der Basilikum-Teil der Trilogie. Ich persönlich konnte jedoch den Geschmack nicht mit dem Kraut in Verbindung bringen. Es war für mich eine Creme, die wenig Eigengeschmack frei gab, aber auch keine störenden Aromen zeigte.

Das Eis hingegen war für mich das beste auf diesem Teller.

Optisch wirkte dieser Teller auf mich unharmonisch, weil er sehr lang und dabei schmal war. So war links relativ viel auf dem Geschirr, dann kam die lange dünne Spur zur anderen Seite und dort war eine kleine Nocke Sorbet. Ich hätte eine kleinere Form gewählt und die Hauptteile näher zusammen positioniert. Aber das ist eine Stilfrage und tut dem Geschmack keinen Abbruch. Positiv fand ich noch, dass der Nachtisch dezente Süße zeigte und sehr ausgeglichen war. Doch ich fand das Dessert insgesamt etwas schwächer als die anderen Gänge. Leider gab es dazu auch keinen passenden Wein, sondern weiterhin den Rotwein.

Foto: YouDinner

Abschluss

Zum Kaffee gab es noch kleine Nusspralinen; daher bekam ich dafür einen aufgeschlagenen Schaum, der cremig und aromatisch war. Das hat mir sehr gut geschmeckt.

Dann folgte der musikalische Teil.

Getränke

Mineralwasser

Borgoluce, „Rive di Collalto” Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG brut 2018 - Cusumano Sicilia Grillo Shamaris 2019 - Monte del Fra Monte del Frà Custoza Superiore "Cà del Magro" 2018 DOC (Rebsorten: Garganega, Trebbiano, Tocai, Cortese, Chardonnay) - Le Pupille Morellino di Scansano Riserva DOCG 2015 (Rebsorten: 90% Sangiovese, 10% Cabernet Sauvignon)

Die Weine waren jeweils gut temperiert und es wurde gerne nachgeschenkt. Am besten hat mir der Rotwein gefallen.

Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Hier werden sehr gute Produkte verwendet und aufwendig zubereitet; das hat seinen Preis. Aber sie sind schon recht hoch angesiedelt. Im Verhältnis zu einem guten italienischen Restaurant ohne Punkte in den bekannten Führern schon eine Hausnummer.

Fazit

4 – trotzdem: gerne wieder, weil mir die Gerichte einfach zusagen. Und: Es wird wochentags jeden Mittag geöffnet (Samstag und Sonntag ist aber geschlossen – wer kann sich das noch als Gastronom leisten?)

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 10.10.2020 – abends – 1 Person

 

 

Roberto und Miguel

 

---

 

 

 

 

Oktober 2020: Restaurant Brücken, Köln

Kleines Haus – große Küche

Allgemein

Durch Corona verursacht und dadurch auch geänderten Bedingungen und Öffnungszeiten von Gaststätten, konnten unsere Genießer-Club-Treffen nicht wie gewohnt stattfinden. Gut, dass wir nur zwei Mitglieder haben und dadurch viele Auflagen von grundauf erfüllen können.

Das Treffen sollte in Köln stattfinden und mit einem Lunch starten – am liebsten in einem Lokal, das wir noch nicht kennen, aber einigen Genuss verspricht, getreu unserem Club-Zweck: Genießen.

Fast alle Restaurants, die wir noch auf der Liste hatten, öffneten erst abends. Nach kurzer Recherche fiel die Wahl dann auf das Restaurant Brücken – sogar in Bahnhofsnähe.

Feine Saisonale & Griechische Landhaus Küche“ verspricht die Homepage.

Das hörte sich gut an, also haben wir reserviert: Für zwei Personen.

Ambiente

Das Haus sieht von außen nicht besonders einladend aus. Aber wie sagte schon Helmut Thieltges: "Nicht der Käfig, sondern der Vogel muss singen".

Innen stellt sich heraus, dass das Restaurant recht klein ist und auch nur wenige Tische hat – gut reserviert zu haben.

Die Einrichtung entspricht auch eher einem Brauhaus; denn die Tische sind „blank“. An der einen Außenwand befindet sich ein großes Bild mit einer Brücke, passend zum Namen. Auf der anderen Seite befindet sich ein riesiger Spiegel – dadurch erscheint das Lokal etwas größer.

Sogar eine Kegelbahn gehört zum Haus.

Bevor das Lokal zum Restaurant wurde, war es ein Cafe: An den Fenstern steht noch die kleine Inschrift: Kuchen selbst gemacht.

Aber seit über vier Jahren wirken nun die Eheleute Melios hier.

Service

 

Die Homepage gibt einen groben Überblick über die Speisen und Getränke. Aber mir war trotzdem unklar, was uns mittags erwartet. Daher schrieb ich eine Mail an die Chefin. Sie bat um eine Telefonnummer und rief umgehend zurück, weil ein Gespräch einfach einfacher ist, als Texte hin und her zu schicken. So einen Service im Vorfeld habe ich selten erlebt. Wir besprachen dann grob drei Gänge: griechische Vorspeisen, ein Stück von der „alten Kuh“ und eine Dessert-Überraschung. Der Mann kam auch noch ans Telefon und schlug einige griechische Weine zu Begleitung vor.

Als wir dann ankamen und unseren Namen nannten, wurden wir herzlich begrüßt und an einen Fensterplatz geführt. Auch der Koch kam aus der Küche und fragte, ob er so wie besprochen loslegen könnte.

Während des gesamten Aufenthalts wurde immer wieder sehr freundlich nach unseren Wünschen gefragt und sich erkundigt, ob alles zu unserer Zufriedenheit abliefe. Es war eine natürliche und echte Gastfreundschaft in meinen Augen.

Die Karte(n)

Die Angebote sind in mehreren Kategorien aufgegliedert: Mittag, Woche, Abend, Tapas, kleine Gerichte, griechische Vorspeisen, aus dem Garten, Hauptgerichte, aus dem Meer, vom Rind – manche Gerichte gibt es nur abends.

Die verkosteten Speisen

Menü nach Absprache - in drei Schritten

Runde 1: Mezze bzw. Tapas (als Überraschung aus der Küche)

Die Wirtin und der Koch brachten mehrere Schüsseln und Schalen mit verschiedenen griechischen Speisen:

Brot und Tzatziki: griechischer Joghurt mit Gurke, Knoblauch und Olivenöl - Dips und Pasten

Gebackener Schafskäse  mit Waldblüten-Honig und Sesam

Pantzarosalata: Rote Beete Salat nach griechischer Art

Pimientos de padrón

Wolfsbarsch-Filet und Pulpo-Stücke

Alle Namen und Details habe ich nicht behalten können, aber es waren viele Teile.- Ich gehe einfach nur auf die Gerichte ein, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Da denke ich an erster Stelle an den feinen Wolfsbarsch und die Pulpo-Stücke. Auch der gebackene Käse hat mich überzeugt. Der Rote-Bete-Salat ist mir durch seine feine Würzung aufgefallen. Sehr schön weich und gleichzeitig auch leicht knusprig waren die kleinen grünen Paprika.                                                                                     Und dann haben wir auch die unzähligen scharfen, milden, süßen und pikanten Pasten, Cremes und Aufstriche mit Brot probiert.

Davon könnte man alleine schon völlig satt sein. Also haben wir nicht alles verputzt, denn schließlich sollte noch ein großes Fleischstück kommen.

Aber bei einem nächsten Besuch bleibe ich vielleicht sogar bei diesen kleinen Tellern und probiere die weiteren Gerichte aus diesem Teil der Karte.

Runde 2: Fleisch

Entrecôte von der „alten Kuh“ mit Kartoffeln und mediterraner Paste

Das Fleisch war sanft gebraten und hatte dadurch außen leichte Röstaromen. Innen war es medium im Gargrad. Es war nur gesalzen und gepfeffert. Dazu erhielten wir noch drei Dips in scharf, mild und würzig.

Aber mir hat das Fleisch am besten pur geschmeckt. Da die „Steaks“ auch am Rand und im Inneren „Fettstellen“ hatten, war der Geschmack angenehm würzig. Natürlich haben wir nicht alle diese „wabbeligen“ Teile aufgegessen. Aber schon probiert; denn sie haben schließlich Geschmack, sind aber auch manchmal schwer zu kauen. Aber das war uns vorher klar. Die durchwachsenen und mageren Abschnitte waren außerdem köstlich – nicht so weich wie Filet, aber sehr charaktervoll und aromenintensiv.

Die Kartoffeln haben wir etwas vernachlässigt.

Die Paste oder Creme, die wohl hauptsächlich aus Aubergine, Tomate und Zucchini bestand, erinnerte mich geschmacklich an Ratatouille, dass man zu einem Stampf verarbeitet hat. Es war cremig, weich aber auch gut gewürzt.

Runde 3: Nachtisch

Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern

Zum Abschluss erhielten wir noch einen kleinen Schokoladenkuchen. Er hatte einen flüssigen Kern und schmeckte, wie man diese Art erwartet.

Gut, dass dazu keine großen weiteren Komponenten gereicht wurden, sonst hätten wir auch „platzen“ können.

Seit dem Film „Der Sinn des Lebens“ (Teil VI – Die Herbstjahre) weiß man ja, was ein Minzblättchen zu viel, anrichten kann!

Getränke

Mineralwasser – 0,75 l

Ktima Gerovassiliou - 2019 Malagousia Single Vineyard – Rebsorte: Malagousia - Geschützte geografische Angabe Epanomi – Alkoholgehalt: 13.5% - Ausbau: Stahltank, Teilbarrique

Ktima Biblia Chora - Plagios Sideways red 2012 – Rebsorten: 85% Merlot und 15% Agiorgitiko - Geschützte geografische Angabe PANGEON - Alkoholgehalt: 15% - Ausbau: 16 Monate in neuen französischen Eichenfässer

Die beiden Weine wurden uns empfohlen und sie haben uns sehr erfreut: „Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde.Komm', schenk dir ein!“. Sie waren überhaupt nicht dünn oder süß oder wuchtig, sondern elegant und wuderbar zum Essen.

Espresso

Fazit

4 – gerne wieder. Die Gerichte und die Zubereitung haben mir zugesagt: üppig, deftig, lecker. Wir haben so viele kleine und große Gerichte erhalten und dadurch die Küche schon recht gut kennen lernen dürfen. Aber es bleiben noch offene Stellen ...

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 07.10.2020 – mittags – 2 Personen

 

 

 

 

 

 

 

---

 

 

 

 

September 2020: Grappolo D' Oro, Bergisch Gladbach

Für uns bleibt das Restaurant auf der Liste für angenehme italienische Küche

Allgemein

Wir waren längere Zeit nicht mehr im „ Grappolo D'Oro“ essen – in der Zwischenzeit wurde sogar ein Ortswechsel durchgeführt. Das Restaurant liegt immer noch in Schildgen. Aber sie sind vom Nittumer Weg in die Altenberger-Dom-Straße vor etwa zwei Jahren umgezogen.

Für uns wichtig: Sie machen immer noch mittags auf und eine Haltestelle liegt in unmittelbarer Nachbarschaft.

Wir hatten Lust auf italienische Küche und fuhren einfach mal mit dem Bus – nach telefonischer Anmeldung – zum Lokal.

Ambiente

Die Wände sind durchgängig in angenehmen Grau- bzw. Weißtönen gehalten. Das wirkte ruhig und entspannend auf uns.

Wir konnten uns einen Tisch am Fenster aussuchen und fühlten uns in dieser Ecke wohl.

Auch die übrige Einrichtung bzw. Dekorationen wirkten nicht überladen. An einigen Stellen sind Bücher – überwiegend Kochbücher - ausgelegt und kleine Schwarz-Weiß-Bilder aufgehängt.

Service

Eine ruhige und souveräne Dame versorgte uns mit Informationen, Essen und Getränken. Sie war freundlich, aber nicht überhöflich (wie da manchmal italienische Männer sind), sondern genau richtig in Ton und Verhalten.

Die Karte(n)

Fisch- und Fleisch-Menü; A la carte Gerichte; Tagesangebote; Weinkarte

Gruß aus der Küche

Garnele frittiert

frisches Brot mit drei Dips

Die Garnele hatte eine ordentliche Größe und war knusprig frittiert und innen saftig weich. Also ein guter Start.

Das Brot war warm und frisch die drei Dips passten gut dazu.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten einmal das Fisch- und einmal das Fleisch-Menü (je 49,50 €). Beim Hauptgang gibt es dabei zwei Angebote zur Auswahl.

Duett von der Ente: gebratene Entenleber mit Aceto Balsamico und geräucherte Entenbrustscheiben

Die Leberstücke waren sanft gebraten und angenehm im Geschmack. Die Sauce passte gut dazu, aber ich hätte sie lieber separat gehabt. Doch es schmeckte auch so. Die geräucherten dünnen Scheiben waren kalt aufgeschnitten und boten einen Kontrast zur warmen Leber.

Ein Kräutersalat komplettierte den Teller. Mir hat die Zusammenstellung zugesagt.

Iberico Kotelett in Estragon-Pfefffer-Jus mit Rosmarinkartoffeln und Kenia-Bohnen

Das Fleisch war zart und saftig. Die Sauce hätte ich wiederum nicht über das Kotelett geschüttet. Aber die Aromatik passte gut zum Schwein und war daher geschmacklich eine runde Sache. Vor oder nach dem Anbraten waren die Fettränder entfernt worden, was ich durchaus in Ordnung fand, weil sie zwar Geschmack geben, aber auch nicht von allen Gästen gerne verspeist werden. Ich probiere immer Fettstücke, aber verzehre sie selten alle – manchmal enthalten sie auch knorpelige Teile.

Die Rosmarinkartoffeln zeigten mir wenig Kräuteraromen. Sie waren auch nicht gebraten, sondern nur in der Pfanne nach dem Garen kurz angeschwenkt worden. Ich mag solche Kartoffeln lieber gebraten oder nur gekocht. Sie sahen aber gut aus.

Die grünen Bohnen waren hingegen genau mein Geschmack. Sie hatten eine natürliche Farbe, waren noch fest in der Struktur, aber nicht mehr hart oder quietschend. Sie waren fein gewürzt und haben mir ausgezeichnet gemundet.

Duett von Mousse au Chocolat

Es gab eine helle und eine dunkle Mousse – jeweils in separaten Gläsern. Mir hat die helle persönlich besser gescheckt, weil in der dunklen Variante eher Vollmilch- oder Zartbitter-Schokolade verarbeitet worden war. Da ziehe ich relativ herbe, kakaolastige Sorten vor.

Aber auch so hat mir der Nachtisch geschmeckt.

---

Antipasto di Mare: Garnelen, Flusskrebse, Carpaccio vom Fisch und gebeizter Lachs

Die Portion war ziemlich groß und vielfältig. Die kleinen Garnelen waren saftig, genau wie die Flusskrebsstücke. Der Lachs war dünn aufgeschnitten und hatte kräftige Rauchnoten. Das Carpaccio war mit Tomate und Avocado angereichert. Eine Art „Reibekuchen“ lag auch noch auf dem Teller; er hatte krautige Noten und war relativ weich und saftig. Ein Salatbouquet rundete die Speise ab.

Kabeljaurücken auf Steinpilzragout mit Tagliolini

Das dicke Stück Kabeljau-Loin war auf der Haut gebraten. Sie war knusprig. Der Fisch war saftig und zerfiel beim Scheiden in leicht glasige Lamellen. Also perfekt.

Die Steinpilze waren sanft gegart und kräftig im Geschmack. Sie wurden mit einer hellen Sauce zu einem Ragout. Die Nudeln waren fast noch al dente und waren in Butter geschwenkt worden.

Mandeltarte und Espresso Panna Cotta auf Vanille-Creme

Das Kuchenstück hatte eine ordentliche Größe und zeigte Mandelaromen. Der Teig war nicht zu dick und etwas knusprig. Für die abschließende Süße sorgte eine Puderzuckerschicht.

Die Panna cotta war genau richtig in der Festigkeit und gab Kaffeearomen ab. Die Creme passte gut dazu. Und einige Beeren rundeten das Bild ab.

Meine Frau war mit dem Fisch-Menü sehr zufrieden und mir erging es mit dem Fleisch-Menü ebenso.

Getränke

Campari-Tonic - Weißer Port mit Tonic - Pellegrino - Primitivo Crocco - Espresso bzw. Espresso macchiato

Aufs Haus: Grappa und Limoncello (0,02 l oder mehr)

Fazit

4 – gerne wieder. Das Essen hat uns zugesagt. Wir können gut mit dem Bus anfahren. Auch mittags wird geöffnet.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 30.09.2020 – mittags – 2 Personen

 

 

 

 

---

 

 

 

 

September 2020: Great Wall, Köln

Besonders und für mich gleichzeitig gewöhnungsbedürftig

Allgemein

Das chinesische Restaurant in Domnähe hat den Ruf, echte chinesische Spezialitäten im Angebot zu haben. - YouDinner nannte deshalb sein Event dort auch: AUTHENTIC CHINESE CUISINE.

Viele Profi-Kritiker (Gote und Henn, Kritiker vom Kölner Stadtanzeiger zum Beispiel) loben die Speisekarte mit diversen Spezialitäten.

Ich war bisher nur vor langer Zeit einmal zum Mittagsbuffet dort; und das hat natürlich mit den a la carte „Köstlichkeiten“ des Hauses nicht so viel zu tun; aber es war ein ordentliches und schmackhaftes Angebot damals.

Um über typische Küchen mehr Informationen zu bekommen, muss man wohl wirklich selber probieren und nicht nur lesen oder von anderen hören.

Der wahre Gourmet ist ja vor allem sehr tolerant und immer an Neuem interessiert. Schließlich würde er sich ja selber blockieren wenn er - wie das die Scheinschmecker oft tun - immer nur die gleichen Sachen sucht.“, sagte schon Jürgen Dollase über unbekannte Küchen.

Also habe ich mich angemeldet und war gespannt.

Ambiente

Das Lokal liegt für den Öffentlichen Nahverkehr recht günstig, denn es befindet sich in Domnähe. Von Außen sieht das Restaurant recht unscheinbar und schmal aus.

Aber innen ist es gar nicht so klein, wie es scheint, weil neben dem Erdgeschoss weitere Stockwerke zum Unternehmen gehören.

Nach dem Betreten des Lokals musste ich dann über eine Wendeltreppe bis zur zweiten Etage klettern. Dort hatte YouDinner seine Zelte aufgeschlagen.

Da die S-Bahn eine große Verspätung hatte (ein Polizeieinsatz wurde als Grund genannt), eilte ich etwas schneller zum Restaurant. Dann noch die zwei Etagen hoch kraxseln – mit Maske – da war ich schon in Wallung und war froh über ein Glas Sprudel vorweg und einen Sitzplatz.

Der Raum war mehr als schlicht ausgestattet: blanke Tische, einfaches Geschirr, keine große Dekoration. Auch das ist wohl authentisch – denn viele Speisen wurden in kleinen Schüsseln zeitgleich auf dem Tisch verteilt. Da ist man um jeden freien Millimeter ohne Gläser, Flaschen, Teller und Gerichte froh.

Für mich bedeutet dies innerlich jedoch etwas Stess, weil ich gerne viel Platz für mich habe.

Sauberkeit

Alles war ordentlich gepflegt.

Sanitär

Gottseidank auch auf der Etage – ebenerdig zu erreichen. Recht klein und sehr einfach gehalten.

Service

Die drei jungen Kräfte (ein Mann, zwei Frauen) stellten ohne Ende Schüsseln auf den Tisch, räumten Teller ab, bzw. deckten neu ein oder brachten neue Getränkeflaschen. Im Übrigen haben wir uns dann selbst versorgt.

Zu einem Gespräch mit dem Personal konnte es dabei kaum kommen. Ich hätte gerne mehr zu den Gerichten und Zutaten erfahren. Auch ein Blick in die Küche oder Erklärungen zu den Zutaten oder Zubereitungsarten hätten mir gefallen.

Sicher ist das auch eine Frage der Sprache; denn ich kann kein Chinesisch und mein Schulenglisch hätte auch nicht gereicht, um über das spezielle Essen zu reden. Aber das soll keine „Klage“ sein, sondern nur mein Wunsch nach mehr Verständnis für die Landesküche zum Ausdruck bringen.

Authentic Chiniese Cuisine

Ein Menü in 5 Runden

Runde 1: Vorspeisen

Gewürzte Entenzungen

Für mich sahen die Teile wie getrocknete Chilischoten aus. Sie waren auch außen sehr widerstandsfähig; also recht zäh bzw. hart. Innen lag wohl der Geschmack. Ich habe etwa drei Stücke auf verschiedene Arten gekaut, aufgebrochen bzw. ausgesaugt. Dabei habe kein Ekel empfunden, aber auch keinen Genuss erfahren. Sicher waren sie typisch zubereitet, aber ich brauche Entenzungen wohl nicht unbedingt.

Marinierte Schweineohren mit Gurken

Dieses Gericht brauche ich sicher auch nicht (oft). Von der Konsistenz her erinnerte es mich an Schweineschwänzchen oder Hühnerhälse (bei der Oma hieß das Stross (Gurgel) kauen) – nur ohne die vielen Knöchlein bzw. Gelenke. Nur am Rande: Vom Huhn habe ich als Kind gerne Herz, Magen und Leber gegessen – aber nicht den wabbeligen Hals. Die knorpeligen Stücke habe ich auch tapfer abgenagt und teilweise geschluckt.

Mit den Gurkenstücken hatte ich keine Probleme.

Quallensalat mit Gurke

Vielleicht hatte ich durch die für mich hohe Schärfe bei den Saucen der Gerichte vorher, meinen Geschmack etwas „verloren“. Der Salat war daher für mich im Mund nicht einzuordnen. Ich konnte es essen, aber die „Streifen“ haben bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die dünnen Stücke erinnerten etwas an dicke Spaghetti, waren aber nicht so lang, was ich sehr gut fand.

Tofu mit tausendjährigen Eiern

Egal wie diese Paste bzw. Bohnenquark jeweils hergestellt, zubereitet bzw. verarbeitet wird, für mich schmeckt es entweder langweilig oder auch etwas unangenehm. Es ist mir einfach bisher immer zu weich und glitschig und unangenehm im Mund.

Die schwarzen kleingeschnittenen Eierteile, die in dem Gericht ebenfalls verarbeitet waren, hatten für mich ebenfalls eine zu weiche Konsistenz, aber zeigten doch mehr Geschmack als der Tofu. Der Geruch war nicht so toll, aber das salzig-würzige Element müsste ich noch intensiver probieren, war aber heute für mich etwas Besonderes.

Mini-Frühlingsrolle mit Gemüse

Hier fühlte ich mich doch zu Hause. Sie waren knusprig und war angenehm gewürzt. Sie schmeckten wie erwartet; also eigentlich zu normal im Verhältnis zu den anderen Gerichten der Runde.

Gut war es auch für mich, dass ich die Röllchen frühzeitig verkostet habe. Die anderen Gerichte waren teilweise für mich sehr scharf oder sehr streng: viel Koriander, Chili etc. beherrschten den Mundraum.

Runde 2: Suppe

Enten-Suppe nach Schanghai-Art

Die Suppe war für mich erst einmal eine „Beruhigung“ für Zunge und Gaumen. Sie spülte die würzigen und heftigen Aromen weg. Die Brühe war relativ klar, mit leicht milchigen Noten. Die Gemüseeinlage war reichhaltig. Aber es war weniger scharf als die Gerichte davor. Und so kam mir die Brühe sogar leicht neutral vor. Doch sie erfrischte meine Geschmacksnerven erfreulich.

Runde 3: Fisch und Meeresfrüchte

Barsch nach Schanghai-Art

Der Fisch war im Ganzen gegart worden. Das Filet war butterzart und würzig. Wir konnten Stücke einfach von den Gräten abtragen. Für mich der beste Happen dieser Runde. So möchte ich ihn gerne wieder verkosten.

Scharf-saurer Tintenfisch

Die länglichen Stücke sahen auf den ersten Blick von Weitem gedreht aus und erinnerten mich spontan an Nudeln, an Fusilli. Aber als die Schüssel näher an mich herankam, sah ich doch die Abweichungen in Form, Farbe und Länge.

Das Fleisch war durchaus weich und würzig zubereitet, aber es schmeckte für mich fraglos anders als die mediterrane Zubereitung von Oktopus.

Gebratener Krebs mit Chili und Pfeffer

Wie es wohl in China üblich ist, wurden die Tierchen mit Panzer nur grob gehackt und so weiter verarbeitet. Das machte das Essen schon recht schwer; zusätzlich waren in der feurigen Sauce überall harte Splitter der Meerestiere enthalten. Also hatte ich ab und an „Fremdkörper“ im Mund, die ich nicht schlucken wollte.

Ich habe ein paar Stücke ausgelutscht und versucht auszukratzen. Aber das war mir zu mühsam auf die Dauer. Da stimmte für mich nicht das Verhältnis Genuss und Geschmack. Es erinnerte mich etwas an das Verzehren von Seeigel – nur noch schwerer zu handhaben.

Daher stehen für mich Arbeit und Genuss in einem Widerspruch und ich würde den Teller nicht mehr bestellen; auch wenn es fachlich so gemacht sein soll.

Schweineblut mit Garnelen, Tintenfisch und Pilzen

Die große Schüssel war randvoll mit Flüssigkeit und festen Bestandteilen gefüllt. Optisch war die Oberfläche bräunlich und erschien fettig schimmernd. Der Duft erinnerte mich an Panhas, was auch kein Wunder ist, weil meine Oma nach dem Schlachten aus den Resten, die nicht in die Blutwurst kamen, eine dickliche Sauce bzw. Suppe in der Pfanne machte und mit Brot auslöffelte.

Mir hat hat das leider nie geschmeckt und ich esse Blutwurst auch heute nur in sehr geringen Mengen. Das war jetzt vom Geschmack her gar nicht so heftig wie in der Erinnerung, aber es war für mich auch recht mutig bis sehr scharf gewürzt und überdeckte daher viel.

Die kleinen Garnelen schmeckten leicht durchgegart, die Pilze waren relativ weich in der Suppe und dem Tintenfisch konnte ich wiederum wenig abgewinnen.

Das war auf jeden Fall eine reichhaltige und spezielle Speise – und sicher nicht ekelig für mich.

Runde 4: Hauptgerichte

Schweinebauch mit Hoi-Sin-Sauce

Das Fleisch war recht dünn aufgeschnitten und dabei außen leicht gebraten und innen sogar saftig. Nach den Ohren vom Anfang war dies für mich schon eher ein wirklicher Genuss. Auch die pikante Sauce passte dazu und war für mich gerade richtig in der Schärfe.

Rindfleisch mit Pak Choi nach Szechuan-Art

Auch das Rindfleisch war weich und zart. Das Gemüse war noch in der Form zu erkennen und nicht zu weich. - Ebenfalls für mich jederzeit wieder bestellbar.

Lammfleisch mit Chili und Koriander

Auch das Lamm war noch saftig geraten. Hier nahm aber durch Chili und Koriander die Schärfe wieder Fahrt auf. Aber die Kombination konnte mich überzeugen.

Gebratene Ente nach Peking-Art

Wenn Entenbrust eine krosse Haut hat und innen noch saftig ist, schmeckt mir das immer. Zu Hause bereite ich oft solche Kurzbratstücke vor: In der kalten Pfanne lasse ich dann das Fett aus der Haut kross ausbraten, lege das Stück bei 80 Grad in den Backofen und wende es dann in Butter und Kräutern noch einmal sanft auf Serviertemperatur; die Haut muss kross bleiben und das Fleisch sollte dünn aufgeschnitten sein.

Hier war es für mich sehr schmackhaft gelungen.

Mapo-Tofu mit Hackfleisch

Auch diese Tofu-Variante war nicht mein Fall. Aber nun weiß ich, dass ich wohl nie ein Freund dieses Produktes werde. Aber Probieren will ich auch in Zukunft nicht ausschließen; ich gehe, so gut ich kann, immer ergebnisoffen an Verkostungen heran.

Wasserspinat mit Knoblauch

Diese Gemüsezubereitung war in Ordnung, hat sich aber bei mir nicht nachhaltig im Gedächtnis festgesetzt.

Gebratene Auberginen nach Art des Hauses

Die länglichen Stücke waren auf der Schale gebraten und dann wohl gedünstet worden. Die Hülle war also spröde hart und das Fleisch völlig weich. Der Geschmack war typisch für das Gemüse. Also völlig in Ordnung, aber es war für mich auch kein besonderes Erlebnis. Das Auberginenpüree in der Dröppelminna bleibt daher der Star unter den „weichen“ Varianten des Gemüse.

Grüne Bohnen mit Olivenpaste

Das war bei den Bohnen völlig anders. Sie haben mich voll überzeugt. Sie hatten einen schönen Grünton und waren wohl genau richtig aufgekocht worden. Dann mit Fett wahrscheinlich auf Glanz gebracht und herrlich gewürzt.

Das war für mich das beste Gemüse des Abends. Und „Bohnen“ müssen sich zukünftig an dieser Zubereitung messen lassen.

Runde 5: Dessert

Gebackene Banane mit Honig

Banane mag ich eigentlich nur „roh“ aus der Schale – und dann auch nicht zu reif, sondern mit leichtem Biss. Das war natürlich hier nicht der Fall; denn die Banane wurde gebraten. Die Stücke wurden zu kleinen Kugeln geformt und mit Honig getränkt bzw. übergossen.

Das war sehr süß, aber eben außen knackig – und somit für mich das beste Teil vom Nachtisch.

Süßkartoffel-Reiskuchen

Das lockere Bällchen war außen knusprig; es war innen hohl – also luftgefüllt. Und relativ dünn in der Außenwand. Auch dieser Süßigkeit konnte ich nicht viel abgewinnen. Aber es war durchaus essbar, weil es auch festere Bestandteile aufwies. Ziemlich süß war es natürlich auch.

Gebackene kandierte Banane

Die Stücke waren ebenfalls gebacken aber durchgängig relativ weich. Außen waren ein klebriger Guss und Erdnussstücke aufgetragen worden.

Das kann ich essen, aber brauche es nicht unbedingt.

Nachtisch – wenn er so typisch sein sollte – brauche ich dann nicht. In griechischen und türkischen Lokalen sind die Nachspeisen ebenfalls meist quietsche-süß. Eine positive Ausnahme war da das „phaedra“ mit seinem „ Ekmek“ (trotz Engelhaar, Honig und Feige).

Getränke

Klassische chinesische alkoholische Getränke sind der Reiswein, starker Schnaps und der chinesische Pflaumenwein, sowie Bier. Weinkonsum war in China eher unüblich, wird aber bei Chinesen der Mittelschicht und reiche chinesische Familien immer beliebter (Quelle Wikipedia).

Für uns gab es Gerolsteiner medium oder natur und zwei Weine.

Der Weißwein wurde bis zu den Hauptgerichten gereicht: Dr. Loosen Riesling trocken 2019. Er war gut gekühlt und konnte sich auch gegen scharfe Zutaten durchsetzen.

Dann folgte als Rotwein: 2018 Côtes du Rhône Tradition Domaine de la Janasse. Das erste Glas konnte bei mir nur die Zunge frei machen von den Restaromen von den Meeresfrüchten. Aber dann stellte er sich noch als ganz manierlich heraus: Rote Früchte, etwas würzig und leichte mineralische Noten.

Vorweg hatte es einen „Pflaumenwein“ gegeben, der schon in Gläschen abgefüllt auf dem Tisch bereitstand.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Für die große Palette an Speisen und die Auswahl quer durch die Gesamtkarte war der Betrag völlig angemessen. Schließlich waren auch die Getränke mit eingeschlossen – lediglich Kaffee oder Tee gab es am Ende gar nicht.

Fazit

Ein Resümee ist immer sehr persönlich geprägt. Schließlich waren wohl alle Gerichte handwerklich so gelöst, wie man sich eine authentische Küche vorstellt. Meine Tochter hat mehrfach mit Bekannten chinesischer Herkunft in verschiedenen Städten gegessen und konnte meine Beschreibungen der Aromen und der Anrichteweise nur als typisch bestätigen.

Daher kann man hier tatsächlich Gerichte abseits von Büfett und Mittagstisch bekommen. - Allerdings habe ich teilweise einfach Probleme mit dem Geschmack und der Konsistenz gehabt. - Die gleichen Gerichte würde ich mir nicht mehr durch die Bank bestellen. Aber es gab auch für mich herrliche Portionen und auf der Karte auch noch Teilgebiete, die ich durchaus erkunden möchte.

Daher mein Fazit: Heute war es ein denkwürdiges und einmaliges Erlebis.

3 – wenn es sich ergibt – für mich.

Für Liebhaber von Innereien und speziellen Gerichten sicher auch:

4 (gerne wieder) - denn einige „Mit-Esser“ waren hier schon mehrfach und waren voll des Lobes – auch ein Mann, der mehrere Jahre beruflich in China tätig war.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 21.09.2020 – abends – 1 Person

  Foto: YouDinner

 

 

 

---

 

 

 

 

September 2020: Dröppelminna, Bergisch Gladbach

Auch wenn die Einrichtung "Beregisch" ausfällt, sind die Speisen  "Französisch": Insgesamt ein besonderes Erlebnis

Allgemein

Das Restaurant bekommt in Bergisch Gladbach durchweg nur gute Bewertungen. „Wer die „Dröppelminna" nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen“, schreibt zum Beispiel Carsten Henn, dessen Meinung ich sehr schätze, im Kölner Stadtanzeiger.

Mit dem Bus ist die kleine Ortschaft jedoch am Wochenende und abends nicht besonders gut zu erreichen.

Da traf es sich gut, dass unsere Tochter zu Besuch war.

Die Dröppelminna hat eine "Assiette" (MICHELIN Teller: eine Küche mit guter Qualität): „In dem kleinen Fachwerkhaus sorgen allerlei liebevolle Details für Gemütlichkeit. Gerne sitzen die Gäste hier bei saisonalen Menüs und schönen Weinen - die Leidenschaft des Chefs, seines Zeichens Sommelier. Hübsch auch die Terrasse.“, schreiben die Tester. - Es fehlen mir klarere Hinweise auf die Speisen und ihre Zubereitung, was mich etwa verwundert.

Eine Kranenkanne (im Bergischen Land als Dröppelmin(n)a bekannt, von Dröppel für Tropfen und Min(n)a für Wilhelmine, die Hausdienerin) ist eine bauchige Kaffeekanne mit drei Füßen und einem Zapfhahn. Dieses typische Haushaltsgerät früherer Jahre war wohl namensgebend für das Restaurant und damit auch Sinnbild für Gastlichkeit. Denn die Kanne steht auch bei jeder Bergischen Kaffeetafel bereit. Natürlich wird diese Speisefolge (vielerlei süße und herzhafte Komponenten) auch im Hause auf Vorbestellung angeboten.

Hier treffen wohl französische Küche auf bergischen Flair.

Das hört sich doch gut an – und ich wollte schon lange hier einmal einkehren, aber es klappte irgendwie nicht.

Ambiente

So viel liebevollen „Kram“ als Dekoration im Raum habe ich lange nicht mehr in einem Restaurant bemerkt. Es ist eine Sammlung von „Bergischen Dingen“.

Sauberkeit

Alles wirkte gut gepflegt.

Sanitär

Die Anlagen waren im Keller. Alles war sauber und ordentlich.

 

Service

Von der offenen Küche aus hat Faton „Toni” Sadiki unsere Gäste immer im Blick und verwöhnt Sie mit feinen französischen Speisen. Unser oberstes Ziel im Service ist, dass Sie sich rundum wohl bei uns fühlen.“, steht auf der Homepage.

Der Koch ist mir weniger aufgefallen. Die jungen Männer im Service waren aber wirklich sehr bei der Sache. Sie waren kommunikativ und engagiert. Der Chef war aufmerksam und hatte alle Tische im Auge. Viele Gäste waren wohl Stammgäste, denn sie wurden überwiegend besonders empathisch begrüßt.

Die Karte(n)

Menü in 4 oder 6 Gängen

An Sonn- und Feiertagen wird nur das große Menü angeboten. Die Karte steht in einem kleinen Bilderrahmen auf dem Tisch. Die Gerichte wechseln dabei je nach Bedarf, sodass es fast täglich kleine Änderungen gibt. In der Woche wird auch ein kleines Menü angeboten.

Die Weinkarte ist recht gut bestückt und enthält günstige und auch hochpreisige Angebote – aber recht fair bewertet nach meiner ersten Einschätzung.

Grüße aus der Küche gibt es nicht; aber das Brot, das gereicht wurde, war recht schmackhaft und der Korb enthielt auch verschiedene Sorten. Es wurde auch nachgereicht. Es gab jedoch keine Butter oder Dip dazu.

Die Portionen auf den Tellern waren jedoch großzügig bemessen, fanden wir.

Die verkosteten Speisen

Thunfisch-Tatar mit exotischen Früchten (Mango, Papaya vielleicht) und Büffelmozzarella

Der Thun war in kleine Stücke geschnitten, mariniert und mit den Früchten zusammen angenehm süß und sauer gehalten. Der Mozarella war angenehm im Geschmack. Mit Blüten und Kräutern war der Teller noch dekoriert.

Ein ordentlicher Vorspeisengang also.
*****************
Fisch-Suppe

Die Suppe hatte eine sehr ansprechende Farbe. Safran und Krustentiersud haben wir dafür verantwortlich gemacht. Sie war leicht aufgeschäumt. Der Geschmack war jedenfalls wie erwartet und angenehm.

Es war auch noch reichlich Einlage in der Tasse. Jedoch waren diese Happen etwas hart bzw. gummiartig im Mund bzw. beim Kauen. Ob es sich um Garnele oder auch Seeteufel gehandelt hat, kann ich nur vermuten. Jedenfalls erinnerte es mich an leicht übergarte Meerestiere.

Somit war hier das Geschmackserlebnis etwas getrübt.

*****************
Jakobsmuscheln auf Kürbisrisotto bzw. Kräutersalat

Da meine Frau „weiche“ Gerichte nicht gerne mag, bekam sie einen frischen Salat aus verschiedenen Blattsorten mit Kürbis- und Pinienkernen. Die helle Marinade passte gut und die Blüten ergaben ein hübsches Bild.

Der Risotto war sogar noch relativ fest im Kern, so wie ich es mag; denn weichen Reis habe ich auch nicht gerne. Zusammen mit gerösteten Kürbiskernen und feingeschnittenem Kürbisfleisch ergab sich eine feine Balance aus Süße und Säure. Die „Sauce“ war schaumig und feinporig. Vielleicht hätte für mich etwas mehr Würze im Risotto sein können, Parmesan habe ich kaum bzw. nicht erschmeckt. Trotzdem war ich angetan vom Rezept.

Bei den Jakobsmuscheln fanden wir den Garpunkt nicht so glücklich. Außen war die Oberfläche zwar leicht gebräunt, aber kaum kross, sondern eher weich. Innen war sie nicht sehr glasig, sondern schon auf dem Weg zur Festigkeit. Gewürzt waren sie nur etwas mit Salz und Gewürz. Aber jeder hatte zwei Stücke auf dem Teller.

Der Risotto war für mich prächtig, die Muschel jedoch nur in Ordnung, weil ich sie mir anders vorgestellt hatte.
*****************
Pfirsich-Sorbet mit Rosmarin

Das Eis hatte einen angenehmen und kräftigen Obstgeschmack. Es war zart und fluffig. Den Rosmarin konnte man als zweite Komponente deutlich aber auch zurückhaltend erkennen.

Ein erfrischender und schmackhaften Zwischengang.
*****************
Lammrücken mit Aubergine-Püree bzw. Salzkartoffeln

Da meine Frau kein Püree mag, bekam sie ohne Probleme einfache, gekochte Kartoffelstücke dafür. Sie war damit sehr zufrieden und fand die Sorte zusätzlich aromatisch im Geschmack.

Allerdings hat sie damit in meinen Augen etwas herrliches verpasst. Das Aubergine-Püree war „Weltklasse“. Es war cremig, aromatisch und perfekt abgeschmeckt.

Auch die drei grünen Spargelstangen waren genau richtig im Biss und gut gewürzt. Die Sauce war kräftig und passte zu Fleisch, Brotstückchen und den Kartoffeln.

Der Lammrücken war außen schon gebräunt und innen saftig und rosa. Das Fleisch hatte leichten Biss, was die Aromen beim Kauen gut zum Ausdruck bzw. Entfaltung brachten.

Der Hauptgang war also eine große Freude.
*****************
Mousse au Chocolat mit Kokos-Sorbet bzw. Creme brulee

Da in der Schokoladenmousse Nüsse bzw. dunkle Schokolade verarbeitet worden war, erhielten meine Frau (Schokolade) und ich (Nüsse) eine Alternative.

Die Creme brulee war aber für uns kein „Ersatz“, sondern reine Freude. Die Creme war sehr aromatisch, luftig und cremig. Und die Kruste war knackig und knusprig.

Einfach, klassisch, perfekt.

Meine Tochter hatte alle Gänge wie in der Karte verkostet und war vom Nachtisch genauso angetan wie von den anderen Gängen. Die Mousse war locken und kräftig. Sie bildete im Glas die untere Schicht. Darauf war das Kokos-Eis angeordnet, sie liebt Kokosgeschmack und war daher sehr zufrieden. Obenauf waren noch eine Physalis und ein Knuspersegel aus Zucker und Samen bzw. Nüssen.

*****************

Zum Kaffee wurden frische warme Madeleine gericht.

Getränke

Mineralwasser in einer großen Glaskaraffe (1 l)

Cremant auf Holundersirup - Lillet mit Tonic-Wasser (Thomas Henry in der kleinen Flasche)

Offene Weine – glasweise:

Vigne-Lourac Sauvignon Prestige Sud Ouest – Sipp Mack Alsace Riesling Vieilles Vignes bio Elsass – L'Enclos de Ferrand Vin rouge - AOP Corbières (Cuvee aus zwei verschiedenen Rebsorten: Mourvèdre und Grenache Noir) - La Douceur Vigné Lourac - AOP Gaillac - Blanc Doux (Rebsorten: Muscadelle, Mauzac Blanc, Loin de l'Oeil)

Die Weine passten gut zum jeweiligen Gang. Sie boten zusätzlich geschmackliche Unterschiede und waren jeweils passend temperiert.

Espresso bzw. doppelter Espresso macchitato

Fazit

4 – gerne wieder. Wenige Kleinigkeiten haben uns nicht komplett zugesagt, aber sonst waren die Speisen, Getränke und der Service recht überzeugend. Wir möchten noch mehr probieren.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 06.09.2020 – mittags – 3 Personen

 

---

 

 

 

 

 
September 2020: Vendome ***, Bergisch Gladbach
 
 
 
Besuche, die mich glücklich machen

Allgemein

Mein letzter Aufenthalt liegt (leider) schon etwas zurück.                                                               Als „YouDinner“ nun das Event „20-JÄHRIGES JUBILÄUM IM VENDÔME“ anbot, konnte ich nicht widerstehen.

Doch Corona machte erst einmal einen Strich durch die Rechnung. Doch ein neuer Termin erschien schnell auf der Seite. Und dann wurde die Eröffnung nochmals verschoben. Das ganze Schloss Bensberg war geschlossen worden und erst zum September wieder in Betrieb genommen (vom 15. März bis 31. August 2020 zu).

In der örtlichen Presse wurde die Nachricht „gefeiert“ - einige Journalisten hatten schon befürchtet, dass die Althoff-Gruppe vielleicht Bensberg ganz aufgibt.

Ambiente

Foto: YouDinner

Optisch habe ich kaum Unterschiede in der Ausrichtung der Tische festgestellt. Schließlich waren die Abstände schon immer recht groß.

Ich mag diese „nüchterne bzw. kühle Ausrichtung“, aber es gibt auch andere Meinungen. Wir saßen in Sechser-Gruppen.

Service

Gespannt war ich neben dem Essen auch auf den Service. Beim letzten Besuch waren noch Restaurantleiter Markus Klaas und Sommelier Marco Franzelin tätig. Nun machen das Christoph Lange bzw. Maria Rehermann, dachte ich. Herr Lange hatte „nur“ geheiratet und heißt nun Strahl, aber als Sommelier fungierte Jochen Büscher als Herr über den Weinkeller von Schloss Bensberg. Er lernte im Benen-Diken-Hof auf Sylt den Beruf. Seit Juli 2019 arbeitete er als Sommelier im Gut Lärchenhof in Pulheim. Über Frau Rehermann habe ich nichts erfahren; außer, das sie nicht mehr hier wirkt, sie arbeitet derzeit wohl auf einem Weingut in der Pfalz.

Die beiden Männer machten einen ruhigen und souveränen Job.

Alle übrigen jungen Damen und Herren machten ebenfalls einen einwandfreien Service. Sie waren freundlich und gaben gerne Auskunft bei Fragen. Früher waren diese Kräfte eher „stumm geschaltet“ und durften nur Teller oder Platten halten und auf ein Zeichen servieren.

Insgesamt war der Service relativ unkompliziert; also etwas lockerer als ich es in Erinnerung hatte – auf jeden Fall sympathisch und herzlich.

Foto: YouDinner

Das Menü – Spätsommer JW

Auftakt

Toffee von karamellisierter Gänseleber und Piemonteser Haselnuss

Es ist ein Klassiker auf der Karte. Joachim Wissler hat wohl Spaß daran, verschiedene durch Werbung sehr bekannte Marken der Süßspeisen-Industrie als Grüße aus der Küche zu „imitieren“ und mit anderen Aromen zu präsentieren. Tatsächlich sehen die kleinen Gerichte optisch wie die bekannten Naschereien aus (Toffifee, Celebrations , Magnum).

Ibericoschinken auf Röstbrot und Parmesanchip

Da ich Haselnuss nicht vertrage, wurde mir kurzfristig ein Ersatz serviert. Damit war ich mehr als zufrieden; denn das Brot war knusprig und aromatisch, der Schinken war luftgetrocknet und hatte eine große Breite an Aromen. Zusammen mit dem kleinen Parmesanstückchen einfach köstlich.

Rote Bete Macaron & Beef-Tatar

Der Macaron wurde ohne Mandeln hergestellt und zeigte die fruchtig herben Noten der Bete. Zischen den beiden Teilen war das Tatar als Füllung aufgetragen. Ebenfalls ein feiner Happen.

Octopussalat & gepickelte Ananas [Bulgursalat & Chirizo]

Der nächste Happen fiel etwas größer aus. Auf der marinierten bzw. geköchelten Ananasscheibe befanden sich die Bulgurpaste und darüber das gekochte Octopusstückchen. Bekrönt mit einem Krautplättchen und dem krossen Chirizo-Chip. Sehr schmackhaft.

Nicolais Räucheraal & Kräuterschaum [Purple-Currymayonnaise]

Die Unterlage bestand aus einem weichen Kräcker, der im Mund in der Konsistenz an eine dünne Reiswaffel erinnerte, aber eben nack Kräutern schmeckte. Darauf lag das marinerte Aal-Stück. Ein Tupfer Mayonnaise bildete den Abschluss. Rauchnoten und würzige Kräuter ergaben einen breiten Geschmacksrahmen.

GLASIERTE GÄNSELEBER & GEBRANNTE BLAUMOHNCRÈME [karamellisierte Blutwurst & Apfelsalat : Trüffelvinaigrette]

Im Mittelpunkt des Tellers befand sich die Blutwurstscheibe mit dem Apfel. Es war daher für mich ein Anklang an „Himmel un Äd“. Die Leber war rechts daneben platziert und lag auf dem Mousse. Auf der anderen Seite befanden sich Salat- bzw. Gemüse-Blättchen. Hier wurde durch die Kellnerin noch die Vinaigrette angegossen (wie das bei fast jedem Teller stattfand). Eingelegte schwarze Walnussstücke lagen auf beiden Seiten als weitere Komponente. Insgesamt waren auf dem Teller vielerlei kleine Teilgerichte, die sehr unterschiedliche Geschmacksmomente ergaben.

GROSSE EIFELER BACHKREBSE IM LEMON-PEPPER GINSUD [gepickeltes Dillgurkengemüse & Glücksrübchen : Kokoscrème]

Foto: YouDinner

Am Beispiel dieses Ganges bekamen wir die „Arbeitsweise“ des Chefskochs verdeutlicht; denn er berichtete uns selber über die Zutatenbeschaffung. Er versucht regionale und frische Produkte so oft es geht zu verwenden. Aber die Qualität steht dabei noch davor an erster Stelle. Bachkrebse waren früher gar nicht in ansprechender Güte zu bekommen – oft wurden sie von weit her z.B. der Türkei importiert. Aber ein junger Züchter aus der Eifel bot ihm eines Tages Bachkrebse an. Von den Geschmackseigenschaften war er überrascht und er bat den Züchter um regelmäßige Lieferung. Allerdings ist die Menge stets sehr gering im Vergleich zu den Einsatzmöglichkeiten. Schließlich fand er in räumlicher Nähe noch eine kleine Brennerei, die ihn mit Gin überzeugte. Und so waren bei diesem Teller zwei Produkte aus der Eifel verarbeitet worden.

Der Geschmack erinnerte mich an Hummer oder Languste, aber auch irgendwie sanfter und feiner. Zusammen mit dem Sud sehr ausbalanciert und besonders.

Das Gemüse bildete die Unterlage für die Hauptkomponeten.

Zusätzlich kamen wir auch noch in den Genuss einer Krustentiersuppe. Sie war enorm ausdrucksstark und gleichzeitig leicht und schaumig.

LECHTAL SAIBLING & FRANKFURTER GRÜNE SOSSE [Meerrettich : Ochsenhornbete : Saiblingskaviar]

Der Teller wurde mit dem Fischfilet auf dem Betesalat, der mich an süßlich-herbe Möhren erinnerte, und dem Kaviar serviert. Obenauf war eine knusprige dünne Brotscheibe mit kleinen Kräutern gelegt. Die Sauce wurde danach angegossen.

Der Fisch war butterzart gehalten und leicht gewürzt – wahrscheinlich bei niedriger Temperatur in Öl bzw. dem eigenen Saft konfiert.

Das knackige Brot bildete dazu einen Kontrast. Der Fisch war weich und cremig, das Brot hatte Röstaromen und war fest bzw. brach beim Biss in keine Einzelstücke.

Die Frankfurtersoße war wie der Fisch eher zart und sanft im Geschmack.

ROSA GESCHMORTE WAGYU-OCHSENRIPPE & PERIGORDTRÜFFEL [Rindermark : confierte Zwiebel : grüner Spargel]

Zwei Stücke vom Wagyu hatten schon äußerlich deutliche Signale auf diese besondere Rasse. Das Fleisch glänzt und zeigt eine Oberfläche, die die ursprüngliche Fettmaserung erkennen lässt, die aber durch eine sanfte Garung in Gelatine verwandelt wird und das Muskelfleisch so zart und weich macht. Es zergeht auf der Zunge. Die Sauce wurde wieder erst nach dem Einstellen des Tellers angegossen. Sie war cremig, dunkel und kräftig; aber nicht wuchtig. Das hätte auch sonst den Fleischgeschmack überlagert.

Die kleine Spargelstange war gut gegart, zwei oder drei davon hätte ich auch gut gefunden, um eine Variation mit den anderen Komponenten zu ermöglichen.

Rechts auf dem Teller war eine Paste aus Rindermark, die von besonders geschmorter Zwiebel begleitet wurde. Diese Aromen haben mir sehr gefallen.

POLTINGER WEIDELAMM IN OLIVENCRÈME [confierte Aubergine : Steinpilze : Artischocken]

Das Lammfleisch hatte eine für mich umwerfende Geschmacksvielfalt. Außen war es leicht angebraten und inneen saftig und weich, aber auch noch etwas Biss. Diese Balance war für mich hervorragend getroffen. Die angegossene Sauce war leicht bräunlich und natürlich cremig glänzend gehalten.

Die Kombination von Artischocke und Waldpilz war ebenfalls angenehm und harmonisch.

Wiederum auf der rechten Tellerseite – etwas abseits – befand sich die geschmorte Aubergine, die mit einer erhitzten Tomate belegt war. Ich hatte vermutet, dass die Frucht für einige Sekunden in heißem Fett frittiert worden war. Aber die Kellnerin sagte, das die Tomate nur unter der Wärmelampe diese Hitze erhalten hatte. Ein kleiner Chip steckte noch in der Frucht.

Wenn ich aus der Vielzahl der gelungenen Teller einen als Primus inter Pares wählen müsste, wäre es dieser Teller.

SONNENBLUMENMOUSSE & MANGO [Topinambur : Passionsfrucht-Champagnersorbet]

Einen Preis für Anmut bekäme jedoch dieser Teller von mir – das Bild gefiel mir sogar ohne Anguss noch etwas besser.

Der Teller zeigte eine stilisierte Sonnenblume. Unten waren die Topinambur-Scheibchen rosettenaritg angeordnet. Darauf war das Mousse wie in einer Schüssel verteilt. Kleine gelbe Blätter deuteten den Kranz der Sonnenblumenblütenblätter an. In der Mitte lag die Nocke aus Mangoeis. Blätter aus Zucker lagen an der anderen Seite. Dann wurde die Fruchtsauce als Abschluss hinzugefügt.

GRIESFLAMMERIE & HASELNUSSEIS [Cerealien : Brombeercoulis : Yuzu-Schokolade]

Anstelle des hellen Haselnusseis bekam ich ein rotes Fruchteis, ich glaube es war Kirsche.

Ich bin kein Freund von Gries; aber das Flammerie war durchaus schmackhaft. Die Masse bildete die unterer Schicht auf dem Teller; sie war nach dem Anguss farblich nicht mehr zu erkennen. Die Yuzu-Schokolade vermute ich in den weißen Kügelchen, die in der Form an Puffreis-Schokolade erinnern. Allerlei Beeren und Früchte waren kreisförmig als äußerer Rand um die Sauce und das Eis angerichtet. Die kleinen Stifte aus Apfel auf dem Eis waren ausgesprochen fein in süß-sauren Tönen.

Einzelne Bestandteile schmeckten etwas „gesund“; aber durchaus harmonisch gestaltet.

Süßer Abschluss: „Vendome Celebrations“

Zum Kaffee wurden weiße Schokloadeneis und eine Dose voll mit Macarons, Pralinen, kleinen Milchschnitten und Marshmallows gereicht.

Das Menü war überaus abwechslungsreich gestaltet und hatte einige Bezüge zu Gerichten, die für das Haus typisch sind und absolut die Handschrift von Joachim Wissler deutlich aufzeigen. Aber sie werden auch variiert oder neu ausgerichtet. So ist für mich ein Aufenthalt stets ein köstliches Erlebnis.

Getränke

Gerolsteiner still und medium

2012 Grand Vintage - Moet & Chandon

2015 Weingut Bernhard Kirsten - Mosel – Riesling 1904

2017 Castell - Schlossberg Silvaner - Großes Gewächs trocken

2016 Les Héritiers du Comte Lafon - Mâcon Prissé AOC

2017 Carnix Cabernet Franc - *BIO* - Domaine la Taupe - Loire

2013 Roda Reserva – Magnum - Rioja DOCa

1999 Riesling Spätlese halbtrocken - Trittenheimer Apotheke - Josef Milz - Große Lage - Mosel

2018 Brachetto d´Acqui - Braida di Giacomo Bologna - Piemont

Die Weine waren für mich teilweise erfreuliche Bekannte. Vielleicht hatte es mit dem Jubiläum zu tun oder auch mit dem neuen Sommelier, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich Roda durch die Sommelière Romana Echensperger – heute Master of Wine - im Vendome damals kennen gelernt und war begeistert. Ebenso habe ich den Silvaner vor langer Zeit schon sehr genossen. Das Gebiet Macon sagt mir auch fast ausnahmslos zu. Die Rieslinge waren ebenfalls ausgezeichnet. Der Brachetto mit seinen leichten 5,5 % und der feinen Perlage war ein passender Begleiter der Süßspeise.

Somit war nur der Demeter Biowein eine Neuheit für mich. Mir sagte er durchaus zu, aber er hatte schon eine andere bzw. ungewohntere Aromatik für mich. 14 Monate im Holzfass auf der Hefe gereift, zeigte er sanfte pfeffrige, erdige Noten in der Nase und am am Gaumen dezent dunkle Früchte und eine eigenwillige Erdigkeit.

Kaffee

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Preise in den Top10 der Volkenborn-Rangliste sind seit Januar insgesamt unterdurchschnittlich gestiegen. Der Menüpreis liegt im Durchschnitt bei 257,66 und damit 0,4 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Das hat eine Auswertung von Restaurant-Ranglisten.de ergeben, für die jeweils zu Monatsbeginn die Preise für das teuerste Menü erfasst werden. Trotz Mehrwertsteuersenkung liegen die Menü-Preise jedoch höher als vor Beginn der Corona-Epidemie.

Die aufgerufenen Preise sind für mich schon eine Hausnummer; aber es wird auch eine Menge geboten. Sicher ist es also eine Abwägung, ob ich mir das leisten kann bzw. darf. Aber ich habe nur wenige andere Hobbys außer „Genießen“ und besitze auch kein Auto, sondern eine Monatskarte. Und manchmal muss es eben Vendome sein.

Fazit

5 – unbedingt wieder. Für mich ist Joachim Wissler ein großartiger und kreativer Koch und auch sein Team in Küche und Service leisten ebenbürtige Arbeit.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 05.09.2020 – mittags – 1 Person – 289,00 € (inklusive alle Getränke für YouDinner-Mitglieder)

 

 

---

 

 

 

 

 

August 2020: Schwäke, Bergisch Gladbach

Hier ist es gemütlich und es wird gut gekocht

Allgemein

Bisher waren wir nur in der Woche zum Lunch einige Male hier. Aber wir wollten auch unbedingt die „große“ Karte probieren – und das sollte wohl sonntags möglich sein. Das Wetter war „schön“ angesagt, sodass wir auch draußen an der Luft sitzen könnten. Aber es war uns selbst dort zu heiß und wir haben drinnen Platz genommen.

Die verkosteten Speisen

Das Schlemmermenü in drei Gängen bestand aus Kalbsfilet, Rehkeule und Kirsch-Variationen – wir haben es zweimal bestellt und einmal à la carte ausgewählt.

Gruß aus der Küche

Es gab ein kleines Gläschen mit Matjes und Gürkchen gefüllt. Das war erfrischend und schmackhaft.

Das frische Brot hier gefällt uns immer wieder gut. Es hat eine herrlich krosse Kruste und das Innere ist würzig und weich. So sollte es für mich immer sein.

Das Menü

Ziegenkäse piemontesische Haselnusskruste / Aprikosen / eingelegte Erdbeere / Rote Bete fruchtig & pikant / Wildkräuter

Meine Tochter berichtete, dass der Käse – genau wie erhofft – nach Ziege schmeckte; kräftig aber auch nicht aufdringlich. Die Kruste passte sehr gut dazu. Die Früchte waren leicht mariniert und das Gemüse bildete zur Süße eine angenehme Säure. Auch die Wildkräuter hatten ein leichtes Dressing erhalten.

Gebratenes Seeteufelfilet „Ras el-Hanout“ / Minz-Schmand / Pfirsich /Couscous / Walnuss-Dattel-Bete-Ragout (im Tausch mit Kalb)

Der Fisch war angenehm angebraten und mit der Gewürzmischung dezent bestäubt worden. Das war gut gemacht. Aber die Beilagen waren noch besser: der Couscous war perfekt gegart und köstlich mit Obst, Nüssen und Gemüse verfeinert und abgeschmeckt. Das war einfach Spitze.

Rosa pochiertes Kalbsfilet / Minze / dreimal Broccoli / Amalfi Zitrone /Parmesan / Zitronen-Thymian Sorbet

Auch hier zeigte sich die Liebe zum Detail: Broccoli gab es als Püree (Parmesanchips steckten darin), leicht gebraten und gedünstet. Das Fleisch war sanft über längere Zeit gegart worden und sehr saftig. Ein Kräutermantel war um das Filet gehüllt worden. Ein kühles Eis lag als Nocke auf dem Teller und ein Zitronendressing war als kleine Tupfer auf dem Teller an vielen Stellen aufgetragen. Helle, grüne und rosafarbene Töne bestimmten das Gericht. Meine Frau war recht angetan.

Gebratenes Lachsforellenfilet / Safransauce / gebratene Wassermelone / Gewürz-Orangen / hausgemachte Zitronen-Ricotta-Ravioli

Der wunderbar luftige Schaum fiel bei diesem Teller besonders ins Auge. Meine Tochter meinte dazu, dass dieses Gericht einen Menschen mit Trypophobie in den Wahnsinn getrieben hätte. Die gegrillte Wassermelone war gut gelungen und erfrischend. Der Raviolo war locker und weich. Das Obst passte harmonisch zu den anderen Komponenten. Der Fisch war noch gut im Geschmack, aber man könnte auch etwas Kritik anbringen: Die Haut war nicht besonders kross und das Fleisch etwas wenig gwürzt und etwas zu lange gebraten. Aber insgesamt war das Filet schon noch locker und saftig. Und der Teller hatte eben viele Stärken bei den Beilagen.

Medaillons aus der Eifler Rehkeule rosa gebraten / Cranberry-Jus / Topinambur / Pastinaken / Geschmorte Schalotten / Kakao-Chili-Crunch

Das Reh war sehr gut zubereitet, es war saftig und zart. Die Sauce hatte ordentlich Aroma und zeigte auch fruchtige Noten. Die Pastinaken sahen wie große Fritten aus; sie waren fast knusprig gebraten und hatten tatsächlich auch noch etwas Biss – ich fand das sehr gut gelöst.

Und wie die Geschmäcker verschieden sind: Meine Frau konnte das Topinambur-Püree mit knusprigen Zwiebelringen wegen der weichen Konsistenz nicht essen und ich fand es großartig – ein Püree der Extraklasse. Meine Tochter und ich haben diese Schale natürlich nicht stehen lassen, sondern ebenfalls „vernichtet“.

Variation von der Kirsche / Milchreis /Schokolade / Haselnuss bzw. Vanilleeis und Kirsch-Kompott

Meine Frau und ich mögen keinen Milchreis und meine Frau verweigert auch dunkle Schokolade. So bekam sie Eis und Kirsch-Gemüse und war damit zufrieden.

Ich vertrage keine Haselnüsse und bekam so die Zartbitterschokolade und Kirschsorbet.

Allerlei von der Kirsche: Brownie / Milchreis / Zartbitterschokoladencreme / Haselnüsse / hausgemachtes Kirschsorbet / eingelegte Kirschen

Unsere Tochter mag alle Bestandteile und erfreute sich daher an allen Komponenten. Es war auch alles zu ihrer Zufriedenheit. Wenn es einen kleinen Wermutstropfen gab, war es der Browie. Er sah sehr interessant aus, denn er erinnerte an ein Stück Blutwurst. Doch innen war er eher trocken und hatte keinen großen Schokoladenwumms. Aber auch das tut dem sehr erfreulichen Gesamteindruck keinen Abbruch.

Getränke

Taunusquelle medium

Aperol Spritz - Lillet Wild Berry – Weißer Port mit Tonicwater

Primitivo 0,2 l

Da das Restaurant auch einen kleinen Weinhandel führt, habe ich noch ein paar Flaschen für die heißen Tage nach Hause mitgenommen.

Fazit

5 – unbedingt wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 09.08.2020 – mittags – 3 Personen

 

 
 
----
 
 
 
 
 
 

August 2020: Otto Gourmet, Heinsberg

Gutes Fleisch – und ein toller Abend

Allgemein

Ein aktiver „Griller“ bin ich sicher nicht. Selber habe ich nicht einmal die Geräte dafür. Ich benutzte eine Pfanne und dann den Backofen (als kurz und heiß anbraten, dann bei Niedertemperatur in die Röhre und am Ende noch einmal bei milder Hitze in die Pfanne).

Aber Fleisch mag ich schon und auch gerne besondere Teile.

Als daher „YouDinner“ das Paket „DAS BESTE FLEISCH DER WELT“ anbot, war es für mich klar, da muss ich dabei sein.

Es gab sogar eine Anreise vom Kölner Hauptbahnhof nach Heinsberg und zurück als Fahrdienst (wenn man wollte; nur ich habe das gebucht und bin so mit Miguel Calero im Smart gefahren worden – tolle Unterhaltungen über alles rund ums Genießen).

Ich war sehr gespannt auf das Event. Bloß die wahnsinnige Hitze am Samstag machte mir Sorge.

Ambiente

Wir waren draußen am Haus unter einem großen Sonnendach an einer langen Tafel positioniert. Umgeben von diversen Grillgeräten, die viele Herzen der Teilnehmer höher schlagen ließen und zu Fachsimpeleien anregten. Es war ein heißer Tag und auch im Schatten nur bei leichtem Wind angenehm. Ich habe versucht mich möglichst wenig zu bewegen und viel Wasser zu trinken.

Service

Eine junge Frau (Lisa Binia) und zwei Männer (Carsten Kreuz und Stefan Schneider, Köche) von Otto Gourmet machten einen guten Dienst (nicht unterschlagen möchte ich den Spüler im Hintergrund).

Die beiden Griller waren sehr humorvoll bei aller Sachlichkeit der Informationen zum Fleisch. Sie zeigten Freude und Spaß an ihrer Arbeit und wirkten lebensfroh. Es gab viel zu lachen – und auch Miguel Calero von YouDinner steuerte noch einige Anekdoten bei (Familie mit Tochter: Können Sie mir bitte den Tomahawk-Knochen für unseren Hund einpacken? - Oh, Papa, bekommen wir endlich einen Hund?).

v.l. Stefan Schneider, Wolfgang Otto

Wolfgang Otto (einer der drei Brüder des Fleisch-Imperiums) ließ es sich nicht nehmen, selber durch die Firma zu führen. Wir erhielten sehr fundierte Einblicke in die Arbeitsbereiche, die Entstehungsgeschichte und die Unternehmensphilosophie (So wie man bei Taschentüchern von „Tempo“ spricht, soll man bei Fleisch an „Otto“ denken. Die Manufaktur beliefert Sternköche aber auch Privatkunden – die Qualität und der Service stehen im Vordergrund – und das hat natürlich auch seinen Preis). Otto kann auf 15 erfolgreiche Jahre zurückblicken.

Das Programm

Auf dem Gelände der OTTO Gourmet GmbH gab es einen prickelnden Aperitif, um anschließend eine geführte Tour durch die Firmenzentrale zu erhalten. Neben vielen Details gab es auch schon dreimal eine Fingerfood-Stärkung und Nachschlag in die Gläser unterwegs.

Danach verkosteten wir mit dem Küchenchef und Fleischkenner Stefan Schneider (ehemals Schwarzwaldstube*** und Vendôme***) aus der großen Produktpalette sechs Proben und konnten Fragen zum Fleisch und zum Grillen stellen.

Nach diesen köstlichen Happen ging es zur YouDinner-Tafel und erhielten ein Vier-Gang-Menu mit passenden Weinen, Bier oder Limonaden und Wasser. Jedes Gericht wurde von den beiden Grillmeistern vorgestellt und alle Fragen fachlich, aber auch mit viel Humor beantwortet.

Am Ende gab es noch Kaffee und eine Tragetasche mit einen Paket Salz und einem Küchentuch aus dem Hause sowie einige Faltblätter mit Vorschlägen zur Zubereitung von Fleisch zu Hause.

Was macht gutes Fleisch aus?, war eine Frage von uns und an uns. Die Farbe wird oft genannt, aber mit Licht und Chemie wird da oft nachgeholfen. Eine schöne Maserung mit Fettadern – sicher nicht unerheblich. Zartheit und Saftigkeit – sind mir wichtig; aber es muss ja nicht immer Filet sein – das ganze Tier sollte angemessen auf den Tisch kommen. - Otto Gourmet nennt fünf Qualitätskriterien (https://www.otto-gourmet.de/qualitaetskriterien), die ich kurz zusammenfasse:

Fleischrasse beachten, denn mache Tiere haben von Natur aus ein optimales Verhältnis von Muskelmasse zu Fettmarmorierung.

Futter und Haltung - wie reichlich ist der Weidegang und Auslauf, welches Nahrung erhalten die Tiere.

Schlachtalter - Tiere liefern eine bessere Fleischqualität, wenn sie auswachsen können.

Reifung - Fleisch, das für den Verzehr bestimmt ist, sollte gut abgehangen sein und das braucht Zeit.

Rückverfolgbarkeit – wo kommt das Tier her, wo wurde es geschlachtet, wer hat es weiter verarbeitet.

Die verkosteten Speisen

Fingerfood (beim Rundgang)

Joselito Ibérico Jamón Gran Reserva de Bellota (auf Markknochen serviert)

Seit einiger Zeit habe ich neben Käse auch eine Lust auf Schinken bekommen. Auf dem Markt in Gladbach steht ein Händler, der viele italienische Sorten anbietet. Bis jetzt hat mich dort San-Daniele besonders überzeugt. Aber dieser spanische Schinken könnte ihm Konkurrenz machen. Es fällt mir schwer den Geschmack in Worte zu fassen: aromatisch-nussige Momente am Gaumen. Einfach eine dünne Scheibe in den Mund nehmen, etwas kauen und genießen.

Wagyu Griebenschmalz auf Sauerteigbrot

Schmalz schmeckt von Tier zu Tier unterschiedlich. Schweine-, Enten- und Gänseschmalz waren mir schon immer geläufig. Vom Rind habe ich bewusst noch kaum Schmalz verkostet. Aber warum sollte man nicht aus Fleischresten, Griebenschmalz herstellen, im Sinne von alles verwenden.

Dieser Happen mit ein paar Kräutern oder Gemüsestückchen auf einen dünnen Scheibchen Brot hat mir wunderbar gefallen. Also ab jetzt Augen auf bei Schmalz!

Beef tea "shake"

Quelle: Otto Gourmet

Knochen, Fleischreste und Gemüse können aber auch durch langes köcheln und geklärt werden, zu einer atemberaubenden Brühe führen. Unsere kleine Probe war erhitzt und mit kalter Butter aufgeschäumt worden (hier im Verhältnis 2:1).

Auch dieser Tee könnte zu meiner Lieblingssorte werden.

Querverkostung (mit Abstand im Halbkreis um die Grillstationen)

Wir sahen das „rohe“ Fleisch, dann kam es auf den Grill (oder ein anderes Gerät), dann wurde es aufgeschnitten, in Happen geteilt und leicht gesalzen und uns mit einer langen Pinzette auf unsere Tellerchen platziert.

Irish Hereford Prime Beef Tomahawk

Morgan Ranch US Black Angus Ribeye bone

Morgan Ranch US Black Angus Ribeye "dry aged"

Westholme Wagyu Ribeye Australien

Mangalica-Woll-Schwein

Joselito Iberico Pluma Bellota

Im direkten Vergleich konnte ich von Happen zu Happen einige Unterschiede erschmecken. Das irische Steak war saftig und kernig, Fett war kaum zu erkennen, beim Ripeye erschien mir das Fleisch etwas kompakter und zeigte auch mehr Fettaromen, etwas mehr kauen war nötig, aber es gab auch kräftigere Aromen; das dry aged Fleisch kam mir noch etwas „fettiger“ vor, es war aber auch weicher im Biss und hatte einen starken Eigengeschmack; das australische Fleisch erschien mir wiederum sehr gleichmäßig in der Struktur und relativ zart. Ich habe am meisten Freude am irischen und australischen Rind gehabt; mit dem US Beef muss ich mich noch anfreunden. Es ist für mich „anstrengender“ in seiner Art: etwas cremiger und weicher aber auch kräftig im Geschmack.

Dann folgten noch zwei Schweine-Proben. Das Wollschwein hatte schon einiges an Fett zu bieten. Auch diese Stellen hatten ihren Charme; aber so ganz meine Richtung ist es vielleicht doch nicht. Und das Pluma-Fleisch war eine völlig neue Erfahrung; solch ein Fleisch habe ich wohl noch nie verkostet. Aber es schmeckte vorzüglich. Das Fleisch war intensiv rot und fest. Es zeigte ein kräftiges Aroma und war gleichzeitig saftig und zart.

Menü

Irish Hereford Prime Beef Tatar – geschmolzene Tomate – Avocado - Foccacia – Gazpacho

Das Fleisch war mit der Hand gehackt worden und war daher noch in der Struktur als Fleisch zu erkennen, es war nur wenig gewürzt worden. Somit schmeckte ich den Fleischgeschmack; er war angenehm rund. Meist kenne ich Tatargerichte mit mehr Würze durch Senf, Schalotte, Gürkchen und auch Dotter. Das war hier minimalistisch abgeschmeckt, aber nicht uninteressant. Bei der Tomate könnte es sich um eine Ochsenherzsorte gehandelt haben; Kerne und wässrige Teile waren entfernt worden. Die Avocado tauchte als Creme auf. Blutampferblättchen und Olivenscheiben waren um das Fleisch herum angeordnet. Es ergab für mich fast ein Bild von einem dekonstruiertem Tatar. Eine kleine Scheibe Foccacia lag als Beilage am Tatar. Das Brot war eher wie ein Bisquitteig gehalten als an das derbe mit Olivenöl getränkte ligurische Fladenbrot.

In einem Extraglas wurde uns noch eine Gazpacho gereicht. Sie war in der Brühe klar gehalten, weil man die Tomaten sanft entsaftet hatte. In diese angenehm kräftige Essenz waren dann noch winzig kleine Gemüsestücken eingelegt worden, vielleicht Tomate und Paprika. Das Süppchen war herrlich erfrischend.

Miéral Schwarzfederhuhn (Brust und Keule) - Erbse – Pfifferlinge

Die kleinen Pfifferlinge waren sanft geschmort worden. Es gab Erbsen als ganzes Gemüse und eine Creme bzw. Sphäre. Beide Zubereitungen hatten eine angenehme grüne Farbe. Die Hauptdarsteller waren natürlich das Bruststück mit gebratener Haut und das geschmorte Keulenstück. Das Brustfleisch war zart und würzig. Die Keule war kräftiger im Geschmack und weicher im Fleisch. Die Haut war angenehm im Geschmack, aber nicht besonders kross.

Morgan Ranch Wagyu Beef Top Blade Roast - Wirsing - Kartoffel - Belper Knolle

Das Fleisch war aus dem Stück geschnitten, das wir Schulterscherzel (englisch Flat Iron) nennen. Es war geschmort und äußerst saftig – obenauf befand sich der Käseraspel von der Belper Knolle. Das Fleisch kann aber auch kurzgebratenes Steak zubereitet werden und das war das zweite Stück auf dem Teller. Das Fleisch war insgesamt prima zubereitet - mir hat sogar das geschmorte Stück einen Kick besser gemundet. Der Wirsing war gegart und umgeklappt und zu einer Art Raviolo verarbeitet worden. Im Inneren waren Gemüsestückchen mit Speck zur Füllung verwendet. Aus der Kartoffel hatte man ein buttriges Püree gemacht. Rundum war eine Spur von einer feinen braunen Sauce angerichtet worden.

Weiße Schokolade - Erdbeere – Basilikum - frittierte Schokoladen-Garnache-Kugel

Die helle cremige Nocke aus Schokolade stand optisch im Mittelpunkt. Sie war luftig und leicht im Mund. Die kleinen Erdbeerstücke waren wohl leicht mariniert und nicht zu süß. Etwas Schokoladencrumble oder -streusel bildete den Untergrund auf dem Teller. Das Basilikum verbarg sich wahrscheinlich in den dunklen Tupfern neben den Hauptkomponenten. Die gefüllte und leicht frittierte dunkle Kugel sah ebenfalls gut aus, schmeckte mir etwas zu wenig nach dunkler Schokolade und das Innere hätte für mich cremiger ausfallen können. Aber das ist Klagen auf sehr hohem Niveau und ich will es nicht vertiefen.

Schließlich folgte noch ein starker Espresso und damit war auch das Ende des Besuchs erreicht und es folgte die Rückreise bei sternenklarem Himmel und einem sehr großen leicht rötlichen Halbmond bei großer Resthitze außen aber einem klimatisiertem Auto innen.

Getränke

Gerolsteiner (still, medium), Limonaden, Braufactum-Biere

Champagne Gosset Extra Brut, Weingut Bamberger Riesling Reserve, Weißburgunder, Schneider Blackprint

Kaffee

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute Produkte sind nicht billig, aber jeden Cent wert.

Fazit

5 – unbedingt wieder; ebenso besteht eine Neugier auf die Otto Gourmet Lokalitäten im „Normalbetrieb“ (MännerMetzger; Villa Glanzstoff) außerhalb von YouDinner.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 08.08.2020 – abends – 1 Person (Gruppe: 15 Teilnehmer*innen)

 

 

---

 

 

 

 

 
Juli 2020: Lärchenhof *, Pulheim
 
 
Absolut einen Besuch wert – herrliche Gerichte – ruhige Landschaft

Allgemein

Torben Schuster ist hier Chefkoch seit November 2017; er konnte den Stern des Hauses halten und Gault&Millau nannte ihn die Entdeckung des Jahres 2019.

Nach seiner Ausbildung bei Holger Berens (Berens Am Kai *, Düsseldorf) durfte er in der Küche des „Noma“ mitarbeiten. Von dort aus ging es zu Jonnie Boer im De Librije ***, Zwolle in den Niederlanden. Zuletzt arbeitete er als Sous Chef bei Yoshizumi Nagaya (Nagaya *, Düsseldorf).

Einige Mitglieder von YouDinner lobten seine Küche und empfahlen einen Besuch. Da kam die Einladung von Schwiegersohn und Tochter zusammen einmal richtig zu schlemmen genau passend und reservierten - nach kurzer Überlegung und Studium der Menü-Karte - im Lärchenhof.

Die Eigenaussagen auf der Homepage zur Philosophie des Hauses (Spitzengastronomie mit Charme; Tradition und Moderne; hochwertiger Genuss, gemütliches Ambiente; Service auf Sterne-Niveau) schraubten die Erwartungen eigentlich noch höher.

Aber vielleicht muss man heute so dick auftragen – ich versuche jedoch relativ unvoreingenommen das Haus zu besuchen: Ich besuche ein Restaurant nie, um es zu testen. Ich besuche ein Restaurant in der Hoffnung und Erwartung, genüsslich essen und trinken zu können. Ich möchte erleben, wie Gerichte in Perfektion zubereitet und angerichtet werden, wie sie duften und wie sie schmecken und mit welchen Getränken sie harmonieren.

Wenn ich diesem Ziel nahe komme, bin ich schon zufrieden. Ganz im Sinne von Oscar Wilde: „Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.“

Ambiente

Von der der Terrasse aus hat man einen schönen Ausblick auf die Golfanlage, insbesondere auf das Übungsgelände zum Putten. Es herrschte ein leichter bis kräftiger Wind, die Sonne schien, aber verschwand auch teilweise hinter Wolken und wir empfanden daher das Wetter fast wie am Meer.

Die runden großen Tische waren weiß eingedeckt, ebenso die Servietten; bei Bedarf wurden Sonnenschirme aufgespannt. Der Wind blies teilweise sogar einige Gläser, die leer waren um; es waren im übrigen sehr schöne Gläser im Einsatz – immer passend zum Wein. Ich mag das Gabriel-Glas besonders gerne.

Im Inneren des Hauses hielten sich nur wenige Gäste auf. Aber die verschiedenen Bereiche sahen recht ansprechend aus. Am Eingang ein Klavier bzw. ein Flügel. Es gibt einen Thekenbereich mit teilweise Hochstühlen.

Die Übergänge von Bistro und Gourmetrestaurant scheinen fließen, bestehen aber; denn es wurden Gäste, die eintrafen, gefragt welchen Bereich sie reserviert hätten.

Service

Alle jungen Damen und Herren machten einen freundlichen und sympathischen Kellner+innen-Dienst. Sie trugen eine einheitliche Bekleidung in dezenten dunklen Farbtönen. Deutlich davon hoben sich der Patron Peter Hesseler (Freizeitlook), der Restaurantleiter Christoph Barciaga (hellblauer Anzug) und der Chefkoch Torben Schuster (Küchenweiß) ab.

Mit dem Chef des Hauses gab es keine persönlichen Berührungspunkte; er war ständig sichtbar auf der Terrasse präsent, kümmerte sich aber wohl nur um Stammgäste.

Der Restaurantleiter kümmerte sich jedoch aufmerksam auch um uns.

Mit dem Chefkoch konnten wir sogar am Ende ein paar Sätze zum Essen wechseln. Ich wollte gerne meiner Freude über das gelungene Menü zum Ausdruck bringen und nur zu einigen Details Fragen stellen, die ihn aber „verlegen“ machten bzw. etwas verunsicherten. Ich wollte ihm jedoch eigentlich mitteilen, dass ich seine Kombinationen positiv mutig fand und für den Gaumen eine angenehme Herausforderung darstellten. Jedenfalls ein freundlicher und aufgeschlossener Mensch!

Die Karte(n)

Degustationsmenü

Amuse-Bouche

Gänseleber: Terrine von der Gänseleber, Ziegenkäse, Holunderbeeren & Kohlrabi

Taschenkrebs: Schwarze Olive, Zitrone, dicke Bohnen, Nordseekrabben & Macadamia

Kaisergranat: Perlzwiebel, Granny Smith, Pommes Soufflé & Boudin noir

Muscheln: Handgerollter Cous Cous, Herz- & Schwertmuschel, Butternut Kürbis & Baharat

Seezunge: Eingelegter Spinat, N25 Oscietra Kaviar, Daniel Sorlut Speciale Auster & Kombu Beurre Blanc - Zwischengang

N25 Oscietra Kaviar - Ei ‚Jonnie Boer‘ - krokante Kartoffel, Schnittlauch & Creme Fraiche - Intermezzo - zusätzlich (nicht im Menü)

Quercy Lamm: Lammrücken & Bries, Aubergine, Blumenkohl & Kurkuma oder Mieral Taube: Spitzkohl, Pinienkerne, Roggen & Hafer

Rohmilchkäse vom Affineur Tourette - zusätzlich (nicht im Menü)

Cannelloni: Karotte, Johannisbeere & Rohmilchkäse vom Affineur Tourette

Himbeere: Monkey 47, Dulcey Schokolade & Estragon

8 Gänge € 169 - 6 Gänge € 139,- (Gänseleber, Taschenkrebs, Muscheln, Seezunge, Lamm oder Taube & Himbeere) - 4 Gänge € 99,- (Gänseleber, Seezunge, Lamm oder Taube & Himbeere) und nur zusätzlich: Oscietra Kaviar Intermezzo - Rohmilchkäse vom Affineur  Tourette

Auf Wunsch gibt es eine passende Weinbegleitung.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten dreimal das Sechs-Gänge-Menü (Gänseleber, Taschenkrebs, Muscheln, Seezunge, Lamm & Himbeere) unter dem Namen „Ausflug“ (wenn schon kein Urlaub ohne Probleme möglich ist, soll man im Restaurant wenigstens einen schönen Ausflug genießen können).

Gruß aus der Küche

Es wurden uns neben Brot und Butter vier kleine Überraschungen serviert: Hummer-Tatar, Sashimi von der Gelbschwanzmakrele, Granité gaspacho mit Speckschaum und ein Tatar vom geangelten Zander auf Tomatenessenz mit rotem Rettich und Petersilienöl.

Es handelte sich um dreierlei Brotsorten: knuspriges dunkles Brot, helles Brot mit Kräutern und Gemüsestückchen sowie weiches Brot, das mit Sepia-Tinte gefärbt war. Mir schmeckte das Brot mit der krossen Kruste am besten.

Ein Aufstrich war cremig geschlagen und das andere war eine feine Salzbutter, die mir sehr zusagte.

Der Hummer-Snack war sehr gut gewürzt und war mein Favorit von den drei Begrüßungs-Happen. Auch der Gelbschwanz war fein mariniert und konnte noch in eine kleine Schale mit selbst gemachter Sojasauce getunkt werden.

Die geeiste Gaspacho kam mir sehr mild vor und wurde daher in meiner Wahrnehmung von der würzigen und salzhaltigen Creme schon etwas erschlagen. Den Geschmack vom Speck hatte ich noch einige Zeit am Gaumen präsent.

Die Essenz war eine perfekte Konzentration von Tomatenaromen. Das Petersilienöl rundete den Geschmack optimal ab. Der Fisch war fein geschnitten und aromatisch. Die rotrandigen Rettichscheiben gaben etwas Schärfe und Säure zum Gericht.

Dieser Gruß war für mich ausgezeichnet. Der gesamte Einstieg war auf jeden Fall recht vielversprechend.

Gang 1 - Gänseleber: Terrine von der Gänseleber, Ziegenkäse, Holunderbeeren & Kohlrabi

Die Gänseleber war cremig und zart im Geschmack. Als Gegenpart war der Ziegenkäse dafür recht dominant. Die Komponenten waren jeweils zu runden Gebilden geformt, aber keine Kugeln oder Zylinder, eher fast wie Nocken. Holunder und Kohlrabi waren als Tupfen oder hauchdünnen Scheiben präsent. Einige Kräuter wie Schafgarbe und Kleeblatt verzierten die Gebilde. Am Ende wurde vom Service noch eine Holunder-Jus per Hand um die Zutaten angegossen. Hier bin ich mir gar nicht sicher, ob das jeweils eine Abrundung bildet; denn die Sauce wirkte auf mich etwas säuerlich bzw. essiglastig – besonders pur verkostet.

Insgesamt ein kontrastreicher Teller, der mir schon gut gefallen hat.

Gang 2 - Taschenkrebs: Schwarze Olive, Zitrone, dicke Bohnen, Nordseekrabben & Macadamia

Auch dieser Turm aus vielerlei Zutaten sah prächtig und frisch aus. Die kleinen Blüten erzeugten eine abrundende Note. Die Olive war gut sichtbar, ebenso die Nordseekrabben. Das Taschekrebsfleisch tauchte als kleine Stücke auf. Dadurch ergaben sich im Geschmack abwechslungsreiche kleine Gabelzusammenstellungen mit wechselnder Aromatik im Mund. Die Macadamianuss tauchte in der untersten Schicht auf – als Paste und kleine Stücke. Diese Kombination war mir in Gerichten nur bei Kuchen oder Süßspeisen vorgekommen. Sie passte hier aber auch perfekt zu Meeresgetier und Gemüse.

Auch hier wurde eine Jus angegossen, die mir aber zusagte und nicht so kontrastreich wie beim ersten Teller erschien.

Gang 3 - Muscheln: Handgerollter Cous Cous, Herz- & Schwertmuschel, Butternut Kürbis & Baharat

Der Teller sah wiederum köstlich aus. Er war auch fertig und es wurde nichts am Tisch hinzugefügt.

Der Kürbis fiel mir direkt ins Auge. Die Stückchen waren tropfenförmig geschnitten und kunstvoll in den zylindrischen Cous-Cous-Ring gesteckt worden. Als Gemüse tauchte noch winziger Pak Choi auf. Er war knackig und aromatisch. Die kleinen Muschelstücke waren angenehm gewürzt. Alles war mit einem hellen Schaum überzogen, der neben der arabischen Gewürzmischung für zusätzliche Aromen sorgte.

Gang 4 - Seezunge: Eingelegter Spinat, N25 Oscietra Kaviar, Daniel Sorlut Speciale Auster & Kombu Beurre Blanc

Der Fischgang war optisch für mich noch eine Steigerung. Aber auch geschmacklich waren einige Überraschungen verborgen. Das Fischfilet war butterweich und zart gegart. Die Austernstückchen waren obenauf zu finden.

Auf dem Fisch und zwischen den Austerteilen waren zwei kleine Ladungen Kaviar angehäuft. Ich habe einen winzigen Happen davon pur in den Mund geschoben und war überrascht wie weich und samtig die Perlen waren. Ich kannte sie bisher eher kleine Perlen, die im Mund platzen und den typischen Geschmack erzeugen – wenn die Qualität gut ist, aber nicht salzig erscheinen – für ewig in Erinnerung die „kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti“ von Helmut Thieltges. Es war also wieder eine neue Erfahrung: Die Störe für den N25 Kaviar werden frühestens nach 16 Jahren geschlachtet, wodurch ihr Rogen besonders lange reifen kann. Sodann durchläuft der N25 Kaviar einen weltweit einzigartigen Reifeprozess in Form einer speziellen Fermentation. Dieser Reifevorgang dauert 3-6 Monate und führt zu einem besonderen Geschmacksprofil.

Neben diesen Köstlichkeiten war aber auch der Spinat ein Höhepunkt. Er war wohl leicht fermentiert und mit einer asiatischen hellen Buttersauce angerichtet worden. Das hat mir sehr zugesagt und wenn es technisch nicht zu schwer sein sollte, möchte ich so etwas auch zu Hause einmal entwickeln – mal sehen, ob ich ein entsprechendes Rezept finde.

Gang 5 - Quercy Lamm: Lammrücken & Bries, Aubergine, Blumenkohl & Kurkuma

Nun folgte der Hauptgang – das Fleischgericht. Wir entschieden uns alle für das Lamm; sicher wäre auch die Taube interessant gewesen. Aber ich war neugierig auf das Lamm-Bries. Und ich glaube, dass das ein guter Griff war ( aber ich habe auch nichts gegen Taube).

Der Rücken hatte – ähnlich beim Schweinebraten – eine krosse Kruste. Sie war wirklich lecker. Darunter war eine kleine Schicht von fester Haut und darunter ein rosa-farbenes zartes Lammfleisch. Das war gut gegart und schmackhaft.

Aber der Höhepunkt des Tellers war wirklich das Bries: herrliche Aromen, saftig, zart und wunderbar weich.

Die Aubergine war zu einer Art Sphäre verarbeitet. Die Halbkugel glänze leicht dunkel-lila und war innen weich. Diesem Teil konnte ich nichts abgewinnen, weil es wenig Geschmack in meinen Augen entwickelte.

Die dünnen Blumenkohlscheiben waren gebraten bzw. gegrillt und dann mit Kurkuma gewürzt worden. Das mag ich, wenn Blumenkohl nicht weich gekocht wird – und auch die Würze mit Kurkuma war gelungen und neu für mich. Aber mein Lieblingsgewürz für gebratenen Kohl bleibt Ras el Hanout und ggf. noch geröstete Cashew- oder Pinienkerne.

Die Sauce wurde natürlich erst am Tisch angegossen. Sie war würzig und fein abgeschmeckt; für mich dürfte sie noch etwas mehr eingekocht sein und dadurch cremiger und dichter.

Insgesamt war es ein sehr vielschichtiger Teller mit diversen Geschmacksnoten.

Gang 6 - Himbeere: Monkey 47, Dulcey Schokolade & Estragon

     

Das Himbeereis war eine Fruchtbombe und wirklich der Star auf dem Teller. Aber auch der Weiße-Schokolade- Quader war gelungen und sehr intensiv im Geschmack. Die dritte Komponente Estragon war wohl in einem weiteren hellen Quader versteckt; aber ich habe es nicht erschmeckt. Dann kam der Keller noch mit zwei Gin-Flaschen. Er stellte den Monkey 47 und den Ferdinand's Saar Gin zur Auswahl. In beide Sorten waren noch Fruchtkomponenten eingearbeitet worden, sodass rosa-farbene süße Saucen entstanden waren. Wir wählten den Monkey - ohne die beiden Destillate wirklich zu kennen. Der Keller erläuterte natürlich kurz die Besonderheiten der beiden Produkte. Vom Gin habe ich nur etwas gespürt, aber die cremige Flüssigkeit passte harmonisch zum Eis.

Petit fours

Zum Kaffee gab es vier feine Überraschungen: Macaron, Sphäre aus dunkler Schokolade, Canelé de Bordeaux und „Exotic Kölsch“.

Das Mandelgebäck war locker und aromatisch. Die Schokoladenhalbkugel bestand aud dunkler Schokolade, die schone Kakaonoten zeigte. Auch der kleine Kuchen war extrem locker und luftig und enttäuschte nicht.

Natürlich war das kleine Kölsch-Glas der Hingucker schlechthin. In der kleinen Kölschstange war eine sirupartige cremige Masse, die wirklich wie Bier aussah. Sie war recht süß und intensiv nach Süd-Früchten im Geschmack. Als Schaum war eine Art Sahne (mit Vanille verfeinert) obenauf platziert worden.

Das waren nochmals recht ansprechende Süßigkeiten zum Abschluss.

Getränke

Billecart Salmon Brut Reserve (0,1 l ) - Für mich ein ordentlicher Champagner; aber ich bin kein besonderer Liebhaber bzw. Kenner dieser Weinart. Er war gut gekühlt und prickelte im Glas. Ein guter Einstieg für einen Sonntagslunch.

Weinbegleitung (6 Glas a 0,1 l )

Forstmeister Geltz Zilliken Saarburg Riesling feinherb 2016 -Der Riesling passte gut zum ersten Gang. Die Süße hielt sich in Grenzen.

Weingut am Stein Pure & Naked - PetNat - brut nature - Jede Flasche ist ein Einzelstück und kann daher etwas variieren. Geschmacklich steht dieser knochentrockene Schaumwein irgendwo zwischen Champagner, Cidré und Naturwein. Bei dieser Art der Weinverarbeitung habe ich meist Probleme. Auch diese Sorte würde ich mir nicht unbedingt für zu Hause kaufen; aber zum Tellergericht passte er recht gut. Also war die Wahl des Hauses durchaus gelungen.

Bernhard Ott 2019 - Grüner Veltliner trocken - FASS 4 - Die Reben stammen von kleinen Parzellen rund um Spiegel und Rosenberg. Weine aus dem Hause Ott sind eigentlich immer eine sichere Bank. Er schmeckte mir pur und auch zum Gericht.

Joseph Drouhin - Mâcon-Bussières - Les Clos AOC 2018 – Chardonny - Die trockenen Weine aus dem Gebiet Macon bringen die Rebsorte Chardonny fast immer gut zur Geltung. Auch heute passte der Weiße gut zum Fisch.

2014 Brunello di Montalcino Altesino - Prugnolo Gentile (Sangiovese) - Auch der Rote war eine Freude zum Essen. Ich habe auch fast noch nie einen Brunello vorgefunden, der mir nicht zugesagt hätte. Der klassische Ausbau ohne neue Holzfässer bringt einen eleganten Sangiovese-Extrakt hervor. Er war rund und zeigte keine Schwere, sondern elegante Fruchtnoten.

2017 JULIUSSPITAL Rieslaner Auslese (edelsüß) - Pur sind Süßweine schon manchmal anstrengend zu verkosten. Aber bei Käse und Süßspeisen finde ich sie eigentlich immer wieder recht passend.

Den Veltliner, den Macon und den Brunello würde ich auch jederzeit für zu Hause bei entsprechender Gelegenheit anschaffen.

Wasser (0,75 l)

doppelter Espresso

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute Produkte und vorbildliche Verarbeitung rechtfertigen entsprechende Preise nach meiner Meinung. Und – die Gerichte waren durchdacht gestaltet, sowie gerade auch optisch sehr ansprechend angerichtet.

Fazit

 

4 – schon gerne wieder. - Was mich abhält eine „5“ zu geben, ist die Anreise: Busse und Bahnen sind wohl weit weg; natürlich kann man auch für die letzte Strecke ein Taxi nehmen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 26.07.2020 – mittags – 3 Personen

 

 

---

 

 

 

 

Juli 2020: Capricorn i Aries (BIP), Köln

Irgendwie französisch

Allgemein

Spontan haben wir am Mittwoch überlegt und beschlossen kurzfristig am Freitag nach Köln zu fahren und dort am Abend in einem für uns noch nicht besuchten Lokal ein lockeres Dinner zu verkosten.

Die Liste möglicher Restaurants war gar nicht so kurz. Also zum Telefon gegriffen und nach Terminen gefragt. Viele Gasthäuser haben seit „Corona“ einen Schichtbetrieb; schließlich sind die Platzzahlen durch die „Regeln“ stark dezimiert.

Aber wir wollten nicht in die erste Schicht von 18 bis maximal 20 Uhr rutschen, weil uns da die psychologische Geschwindigkeit zu hoch erscheint. Doch fast alle Häuser waren ab 20 Uhr schon belegt.

Anders war das bei „Capricorn i Aries“: Hier gab es noch freie Tische und keine Zeitbeschränkung.

Im Internet sind überwiegend positive Berichte zum Lokal zu finden. Es hat auch den „Bib Gourmand“ und „Gusto“ 5/10 Punkte aufzuweisen.

Ambiente

Auf der Alteburger Straße gibt es Gaststätte an Gaststätte. Alle haben einen Außenbereich. Aber wir sitzen nicht gerne so nahe an einer Straße.

Beim Capricorn i Aries ist das aber nicht so schlimm; denn die Plätze sind eng an der Hauswand platziert; aber es gab an dem Tag immer wieder Regenschauern und da wollten wir lieber ins Innere.

Wegen Corona gibt es nur einen Eingang an der Seite zum Inneren der Brasserie und man wird dort empfangen und zum Tisch geführt.

An der anderen Türe gab es jetzt eine Ausgabe von bestellten Gerichten zum Mitnehmen (auch schon zur Mittagszeit).

Die Bestuhlung im Inneren gefiel uns sehr gut, weil wir gar nicht so gerne eng mit unbekannten Nachbarn zusammen sitzen. Wir hörten, dass das früher doch eher dicht mit Tischen besetzt war.

Weil mehrere Türen und Fenster leicht geöffnet waren, erschien uns der Raum frisch und luftig; das passte uns sehr gut (es gab durchaus keinen Durchzug).

Designer-Lampen gaben ein gedämpftes Licht und auf den weißen Tischdecken standen Kerzenständer oder Tischlampen. Es sitzt sich angenehm im „Capricorn i Aries“ (Steinbock und Widder), die Akustik ist angenehm, die Musik nicht zu laut.

Schön fanden wir auch die Karte auf unserem Tisch, die unsere Reservierung anzeigte: Ein Bild mit vielen Kellnern, die auf die Ankunft warten.

Sauberkeit

Alles wirkte gut gepflegt. Tische mit weißer Decke und weißer Stoffserviette.

Sanitär

Die Toiletten befinden sich fast ebenerdig auf der Restaurantebene (nur eine kleine Stolperkante gibt es am Übergang des Holzbodens des Gastraums zum Sanitärbereich).

Auch hier ist alles sauber und gepflegt; aber etwas in die Jahre gekommen: Kahle Fliesen, ein wackeliger Wasserhahn am Waschtisch bei den Männern. Aber es gibt einige witzige Kacheln an den Wänden mit leicht „anzüglichen“ aber harmlosen Motiven. Es handelt sich um die Karikaturen- Serie des Österreichers Manfred Deix, die vor vielen Jahren Villeroy & Boch, Mettlach, herausgebracht haben.

Service

Ausschließlich Frauen versahen den Service. Freundlich und empathisch waren sie alle vier eingestellt; einige hatten auch Ahnung von Wein. Sonst erschien aber auch die versierte Chefin am Tisch. Es machte schon Freude, wie engagiert sich die Kräfte um die Gäste kümmerten: Ob es geschmeckt hat, ob noch etwas Brot nachgereicht oder ein anderer Wunsch erfüllt werden sollte. Und das immer, ohne aufdringlich zu sein – einfach aufmerksam waren sie alle.

Die Karte

Es handelt sich um ein bedrucktes DIN A 4 Blatt (wohl immer so und bei Corona noch besser):

6 Vorspeisen, 1 Suppe, 3 Zwischengerichte, 2 Fisch, 1 vegetarisch, 3 Fleisch, 4 Desserts, gemischte Rohmilchkäse nach Tagesangebot von Fromagerie Tourette, Straßburg

und ein Überraschungsmenü in drei Gängen.

Auf der linken Seite des Blattes stehen dann die Getränkeangebote aufgeführt.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten zum Kennenlernen das Überraschungsmenü (35,00 €).

Gruß aus der Küche

Kurz nach der Bestellung wurde einen kleinen Käsewindbeutel serviert. Und dann kamen noch zweierlei Brotscheibchen mit zwei Aufstrichen und ein Gläschen mit einer Matjes-Variation.

Der cremige Aufstrich passte gut zum Brot – ebenso die salzige Butter. Der Windbeutel erwies sich als relativ trocken und zeigte uns kaum Käsegeschmack. Aber das kleine Gläschen mit eingelegtem Fisch, Gewürzen und Algensalat mundete uns sehr gut.

Als Vorspeise wurde uns gebeizte Buttermakrele serviert. Dazu gab es einen Salat, eine grüne Paste und sieben helle und dunkle Cremetupfer.

Die hellen Halbkügelchen erinnerten uns im Geschmack an Aioli; die dunklen waren etwas fester in der Konsistenz, schmeckten herzhaft; aber wir konnten sie keiner konkreten Frucht zuordnen.

Die Salatblätter waren mit einer kräftigen hellen Sauce perfekt abgerundet.

Der Fisch war wirklich butterzart und fein im Aroma.

Die grüne Paste bzw. Püree erinnerte farblich an ein Pesto; jedoch keineswegs im Geschmack; denn es war sehr sanft und unauffällig gewürzt – etwas langweilig in unserer Beurteilung.

Das Überraschungsmenü wurde im Hauptgang dann zum Fischmenü; denn es gab Kabeljau.

Es war ein relativ großes Stück Filet ohne Haut. Der Kabeljau war sanft gegart und oben etwas angeflämmt worden. Die Lamellen waren saftig, leicht glasig und butterzart. Gewürze waren recht wenig verwendet worden und dadurch kam das Aroma des Fleisches sanft auf die Zunge voll zum Zuge.

Als Gemüse gab es ein kleines Bündel von relativ rohen ggf. auch leicht fermentiertem Frühlingslauch – die äußere Hülle war wohl etwas angeflämmt worden. Die dünnen Stangen waren von einem Schnittlauchfaden umschlungen und geknotet. Das Gemüse war mit dem Fischmesser nicht gut zu schneiden. Der Geschmack war auf jeden Fall für uns recht natürlich und im Mund musste gut gekaut werden. Das hätten wir uns etwas mehr gedünstet gewünscht.

Außerdem waren auf dem Teller noch vier kleine Rollen aus Gemüse. Wir vermuten Paprika, Tomate, Olive oder auch Lauch. Diese Päckchen waren relativ weich und im Geschmack intensiv. Problemlos konnten sie im Mund ihre Aromen verbreiten – ohne kauen.

Eine hellbraune Sauce war auch noch im Spiel; sie passte zum Püree – ohne viel Eigengeschmack zu erzeugen.

Das Püree war wohl aus Kartoffeln zubereitet, es war relativ kompakt. Wir vermuten, dass wenig Butter im Spiel war, denn es zeigte sich keine Cremigkeit. Aber der Gemüse-Geschmack war dadurch im Vordergrund.

Zum Nachtisch gab es eine Glasschale voll mit marinierten Erdbeerstücken, Himbeersorbet und Crème-fraîche-Eis. Jede Komponente war angenehm im Mund: die Erdbeeren waren süß und saftig, das Sorbet brachte leichte Säurenoten und das Eis war herrlich sahnig und cremig.

Es war ein für uns ein einfacher aber denoch schmackhafter Abschluss - ohne Fehl und Tadel.

Getränke

Taunusquelle – Aperol Spritz – Lillet Spritz – Macon Village – Süßwein

Wasser aus der Taunusquelle passt gut zu Wein und Essen. Die beiden Cocktails waren in Ordnung und gut gekühlt.

Beim Weißwein zum Kabeljau hanelte es sich um Deux Roches Macon Village Blanc Tradition 2018 Collovray et Terrier. Der Wein zeigte angenehme florale und mineralische Noten. Ich habe schon längere Zeit keine Weine mehr aus dieser Region verkostet und denke, dass ich das durchaus überdenken muss. Der Wein war nämlich recht erfreulich – pur oder zum Fisch.

Beim Süßwein konnten wir zwei Proben vorab verkosten und uns dann entscheiden: Château Roumieu Sauternes oder Chez Jau Muscat de Rivesaltes AOP. Der Sauternes erschien mir zu süß für den Anlass und ich bevorzugte den Muscat. Ich denke, die Wahl war richtig; denn es passte zu den Fruchtkomponenten.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Preise auf der Karte sind für Kölner Verhältnisse recht moderat gehalten. Die Produkte sind frisch und von ansprechender Qualität.

Fazit

Das Resümee fällt uns (meiner Frau und mir) nicht ganz so leicht. Die Speisen waren einfach und gut. Uns fehlte es manchmal an etwas mehr Raffinesse. Wenn wir in der Südstadt von Köln sind und Lust auf ein Essen bekommen sollten, dann wäre eine Einkehr durchaus wieder auf dem Plan. Wir würden dann aber sicher aus der Karte wählen, um die Gerichte jenseits von Fisch noch kennen zu lernen.

Aber eine Extra-Fahrt von Bergisch Gladbach aus, können wir uns zur Zeit nicht vorstellen. Schließlich bleibt die Liste der Lokale, die wir eigentlich unbedingt auch noch besuchen wollen, so groß und wollen abgearbeitet werden.

3 – 4 wenn es sich ergibt (gerne wieder).

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 10.07.2020 – abends – 2 Personen

 

 

---

 

 

 

 

 

 

 

 

Juni 2020: taku *, Köln

Feine Speisen, passende Weine – ein großes Erlebnis

Allgemein

Auch beim Club „YouDinner“ kam die Corona-Krise plötzlich und umfassend – wie eine Naturgewalt eben. Viele Termine lagen im April und Mai und fielen daher flach. Die Events sollen aber alle nachgeholt werden.

Für mich war nun das „taku“ die erste Veranstaltung nach dem Lockdown.

Seit einigen Jahren war ich nicht mehr dort. Damals wurde mittags eine kleine Karte angeboten, die ich gerne nutzte. Heute wird nur noch abends geöffnet. Aber die asiatischen Gerichte haben mich stets überzeugt und sind positiv in der Erinnerung.

Daher hatte ich schon früh das Dinner gebucht, das nun im Juni wirklich stattfand.

Bei YouDinner hieß es dazu:

Japanisch, Thailändisch oder Chinesisch? Vietnamesisch oder vielleicht doch Indonesisch? … Erlebt unsere kulinarische YouDinner-Reise durch Asien mit Spitzenkoch Mirko Gaul im Sternerestaurant taku. Sich zwischen den verschiedenen asiatischen Länderküchen zu entscheiden, ist manchmal gar nicht so einfach. Müsst ihr an diesem Abend auch nicht; denn Sternekoch Mirko Gaul zaubert euch ein feines Asian-Fusion-Menu auf die Teller. Korrespondierende Getränke – von Sake bis Naturwein – zu den fünf Gängen sind natürlich auch am Start und machen den asiatischen Genusstrip in Köln zu einer spannenden Aromenreise. Bereits seit 2011 führt Mirko Gaul die Küche des taku. Jedes Jahr reist der Spitzenkoch nach Asien und bringt neue Ideen und Eindrücke aus Bangkok, Chengdu, Xiamen, Vietnam, Hong Kong und Tokyo mit zurück nach Köln. Mit seinem Drang, stets Neues zu entdecken und den Erfahrungshorizont zu erweitern, nutzt er jede Möglichkeit der Inspiration für neue Gerichte und Ideen.“

Der Chefkoch war heute nicht da, aber er hatte einen guten Grund und unser Verständnis: Er war am Morgen Vater geworden. - Glückwunsch!

Und ein gutes Küchenteam kocht immer im Geiste des Meisters.

Sake gab es nicht an diesem Abend, aber die kredenzen Weine waren so was von köstlich und passen (wie lange nicht mehr für mich).

Ambiente

Das Lokal war nach Corona-Regeln auf 24 Plätze reduziert und die Tische standen mit riesigem Abstand im Raum. Die Beleuchtung hatte ich als etwas heller in Erinnerung.

 

damals                                                                                                                             heute

Aber es war schon recht abendliche Stimmung im Restaurant. Ich konnte alles im Lokal gut erkennen; aber meine alte kleine Kamera schaffte einfach keine Bilder, die die Stimmung und die Gerichte richtig erfassen. Die Treppe, die an einen Bachlauf in seiner blauen Beleuchtung erinnern soll, war das hellste im Raum. Mit Maske habe ich recht vorsichtig die Stufen genommen.

Sauberkeit

Alles wirkte gut gepflegt. Tischdecke und kleine Stoffserviette in zarten Braunton auf dunklem Holz unterstützen das.

Service

Der eigentliche Eingang neben dem Hotel war verschlossen. Aber der aufmerksame Concierge trat auf mich zu, fragte nach meinen Wünschen und wies mir dann den rechten Weg durch die Eingangshalle des Grand-Hotels.

Vorsichtig stieg ich die Stufen zum Restaurant hinab und wartete im Halbdunkel auf eine Kraft. Die erschien auch aus dem Thekenbereich, fragte nach meinem Namen, schaute in die Liste und wies mir den Eckplatz an einem Sechsertisch zu. Kurz darauf wurde mir auch der Champagner zur Begrüßung gereicht.

Der Service war durchgehend freundlich und empathisch.

Aber ich bemerkte dabei, dass Catharina Boll von YouDinner eben unübertroffen beim Umgang mit Gästen ist: sie bemerkt alles und versorgt einen ehe man es selbst merkt. Sie fehlte; aber unbedingt zurecht; denn sie ist Mutter geworden und eben in Elternzeit

Doch die Damen am Tisch haben die Kellner stets freundlich zum Nachschenken des Weins und mehr Sauce veranlasst. Also wieder einmal: Reden hilft.

Die Tischgruppe

Ich habe schnell gemerkt, dass mir die Runden bei YouDinner in den letzten Monaten irgendwie schon gefehlt haben. Es ist eben ein großer Unterschied, ob man mit Familie oder Freunden essen geht. Diese Treffen sind absolut wichtig und unverzichtbar für mich und stehen an erster Stelle. Aber mit relativ unbekannten Menschen am Tisch oder in der Runde zu sitzen, ist noch etwas ganz anderes – teilweise eine fremde Welt – und eben „unverbindlich“. Lockere Themen, das Verbindende auch eine Lust am Genießen, das vereinbarte „Du“ am Abend nur auf Zeit, das alles bringt eine erweiterte bzw. ergänzende Dimension hervor.

Die Vielfalt der Themen war heute geradezu unheimlich, der Vortrag einzelner Personen dazu göttlich. Mir sind die Ohren fast abgeflogen und habe so herzhaft gelacht wie lange nicht mehr. Aber fast jede Runde bei YouDinner bringt besondere Akzente.

Die verkosteten Speisen: Menü – Degustation – 5 Gänge und Getränkebegleitung

Brot

Wenn Brot frisch gebacken ist und im Hause selbst zubereitet wird, halte ich das stets für bemerkenswert. Und diese Stücke waren schmackhaft und würzig. Sie überzeugten pur, mit dem Aufstrich und auch als „Schwamm“ für Saucenreste auf dem Teller.

Spargelsuppe

Das kleine Glas voll cremiger intensiver Suppe war ausgezeichnet abgeschmeckt und hatte volle kräftige Spargelaromen. Das war sehr angenehm.

Kalbsbries

Der zweite Happen war ein kleines Kunstwerk aus Pilzstückchen, paniertem Bries und einer festen Unterlage mit cremigem Aufstrich.

Ein wirklich herzhafter würziger und knuspriger Snack.

Rinderschulter

Die Füllung mit Gemüse und Rindfleisch war sehr apart gewürzt und schmackhaft. Der Teigmantel darum war jedoch etwas ledrig bzw. fest und wurde im Mund immer länger und breiter. Wenn das typische „Bao Bun“ waren, werden wir eben keine großen Freunde.

Alle Grüße waren also bis auf den kaugummiartigen Mantel sehr vielversprechend für mich gewesen.

Gang 1: WILDLACHS (soft gebeizt) mit Kimchi, Mango und Chili

Die Ansage aus der Küche nannte diese Kombination koreanisch und thailändisch geprägt.

Kimchi nennt man in der koreanischen Küche sowohl die Zubereitung von Gemüse durch Milchsäuregärung als auch das auf diese Art fertig zubereitete Gemüse. Mir hat diese mir vorher nicht so bekannte Art sehr gut gemündet. Die Balance von Schärfe und Süße hat mich überzeugt. Der Fisch war großartig und erinnerte mich etwas an Ceviche. Später wurde verraten, dass es sich um besonderen Lachs aus Alaska gehandelt hat (den Namen konnte ich mir nicht merken). - Jedenfalls sehr intensiv im Geschmack.

Gang 2: KRUSTENTIER mit Nussbutter, Schalotten-Dashi, Schnittlauch-Öl und Yuzu

Der Teller hatte einen stark japanischen Einschlag, den ich so auch noch kaum erfahren hatte.

Dashi ist ein japanischer Fischsud. Das Grund-Dashi wird aus Bonitoflocken und braunem Seetang gewonnen. Die Kombination war pikant und erfrischend zugleich. Der King-Crab war für mich der vielleicht beste „Meerestier-Fleisch“, das ich je verkostet habe. Die hellen „Kaviarkugel“ aus Zitrone obenauf rundeten den Genuss ab. Die Menge und die Konsistenz der Nussbutter passten für mich nicht auf gleicher Geschmackshöhe wie die anderen Komponenten auf den Teller. Insgesamt war aber dieser Gang eine wunderbare Erfahrung für mich.

Gang 3: RAMEN mit Schweinebauch-Chashu, Ramen-Nudeln, Miso, Enoki und jungem Lauch

Ramen sind eine eigene Art japanischer Nudeln. Diese Nudeln, vor allem die daraus hergestellte Nudelsuppe, werden Ramen genannt. Die Scheibe Schweinefleisch war wohl lange gegart worden. Sie war herrlich weich und saftig. Einige Gemüse waren in einem frittierten bzw. gebackenen Teigmantel zubereitet. Die Hülle war dünn und sehr knusprig, das Innere saftig und weich. Auch dieser Gang war für mich voller neuer Geschmacksmomente und äußerst gelungen.

Gang 4: ENTE (aus der Vendée) mit Pfeffer-Sud, Spargel-Katsu, Honig und Soba

Beim Hauptgang waren mir zumindest Ente und Spargel vertraut. Das Fleisch hatte eine knusprige Haut und war Innen saftig und rosa. Die Struktur der Entenfasern waren relativ fest. Das Fleisch war also weniger zart, hatte aber sehr angenehme Aromen und feine Würze.

Der Spargel war innen leicht weich und außen angenehm knusprig. Für mich der beste Spargel in diesem Jahr. Besonders die feinen Gemüsestreifen über der Stange als Topping waren eine köstliche Abrundung. Die Nudeln - Soba sind dünne, braun-graue Nudeln aus Buchweizen – wurden in einer Schale dazu gereicht.

Gang 5: ROTE BEEREN mit Yuzu und Sesam

Die Früchte wurden als Sobet bzw. Creme in weicher bzw. flüssiger Form dargeboten und weniger mit Stückchen. Dazu gab es ein cremiges Eis mit Vanille- und Zitrusaromen. Besonders interessant für mich waren die gebäckartigen Teile auf dem Teller: unten eine helle Version und oben eine dunkle knusprige Ringscheibe, die ich optisch zuerst für dunkle Schokolade gehalten habe. Aus Sesam, Honig und Zucker waren eine Hippe und kleine Würfel gebacken worden.

Ein gelungener und abwechslungsreicher Abschluss.

Ende: Kaffee und Petit Fours

Der Espresso war angenehm gebrannt. Die cremige kleine „Praline“ und die dünnen Schokoladen-Plättchen mit Nüssen passten dazu. Der Geschmack ist mir nicht besonders in Erinnerung geblieben.

Getränke

Ruinart Champagner brut classic - Cuvée: 40% Chardonnay, 57% Pinot Noir und 3% Pinot Meunier

Für mich erfrischend und prickelnd – aber zu Champagner habe ich immer noch nicht den ganz großen Zugang gefunden.

2017 Burgberg Riesling GG - Schlossgut Diel VDP – Nahe

Ein feiner Riesling mit starken Aromen – vielleicht etwas jung. Um seine Möglichkeiten voll zu entfalten. Insgesamt sehr gut zum ersten Gang.

2016 Löwengang bio Chardonnay Alois Lageder Südtirol

Löwengang war für mich schon immer ein großartiger Chardonnay – auch heute klasse.

2018 SYLVANER "KALKOVEN" Collective Z - Pfalz , Naturwein

Reiner Kalkboden und Fels, 2-3-tägiger Mazeration auf den Schalen, spontanvergoren, keine Schönung oder Filtration und 8 Monate in alten Barriques gereift, langes Hefelager. Mineralisch, samtig, Brioche, Kräuter. Ich fand es sehr gut, dass der Sommelier uns etwas mehr zu diesem Wein erzählte. Mich erinnerte er im Antrunk etwas an trockenen Cidre, ich merkte Rauch bzw. Feuerstein mit der Nase. Ich habe noch nicht viele Naturweine verkostet. Diesen würde ich auch wieder probieren. Eigenwillig? Ja, das trifft zu. Außergewöhnlich? Ja, auch das ist richtig.

2006 Alenza Gran Reserva - Ribera del Duero DO - Alejandro Fernández - 100% Tempranillo

Ein gut gealterter Tempranillo gefällt mir fast immer – und so war es auch hier.

2017 Rosalack Riesling Auslese Große Lage - edelsüß - Schloss Johannisberg VDP - Rheingau

Dieser Wein passte ausgezeichnet zum Nachtisch. Er war dezent in seiner Süße und zeigte viele Aromen von exotischen Früchten.

So eine großartige Weinbegleitung habe ich schon lange nicht mehr in einem Restaurant erlebt.

Fazit

4 – gerne wieder – vielleicht sogar mit der Tendenz zu unbedingt wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 18.06.2020 – 1 Person (Gruppe: 22 Teilnehmer*innen)

 

 

 

---

 

 

 

 

Mai 2020: Bergisch Gladbach - Altes Pastorat

Für Pasta und Pizza eine gute Adresse – konstant in der Qualität

Allgemein

Wir gingen durch die Fußgängerzone in Bergisch Gladbach. Dabei besorgten wir uns einige Kleinigkeiten für zu Hause.

Und es war schon wieder mehr los als vor Tagen in der Stadt. Schlangen bildeten sich nur noch vor der Post, der Apotheke und dem Bäcker. Dabei hatten alle brav ihre Masken an. Auf Sitzbänken – für eine Verschnaufpause, ein Telefonat oder eine Zigarette - wurden aber diese Geräte gerne auf Halbmast gezogen oder an einem Ohr baumeln gelassen.

Bei Lokalen mit Außenbereich saßen auch wieder deutlich mehr Gäste beim Plausch; aber weit weniger als früher.

Das „Alte Pastorat“ - ein Bistro-Restaurant mit den Schwerpunkten Pasta und Pizza – hatte schon immer eine schöne schattige Terrasse zur Fußgängerzone hin. Über einige Treppenstufen gelangt man zu diesem Bereich und dem Restaurant dahinter. Es liegt also leicht erhöht zur Straße.

Nur wenige Gäste saßen großzügig verteilt an den Tischen. Spontan beschlossen wir dort einfach einen kleinen Lunch einzunehmen.

Ambiente

Am Eingang standen Hinweise und Regeln zum Besuch und die Tageskarte auf einer Tafel gab Eindrücke zu den Speisen. Desinfektionsmittel standen auf einem Tisch bereit. Wir blieben stehen bis der Kellner auf Hörweite herantrat. Er zeigte uns einige Tische zur Auswahl und wir nahmen ein schattiges Plätzchen ein. Der Zettel für den Eintrag der Kontaktdaten lag bereit.

Wir schauten noch einmal auf eine Tafel mit den Tagesgerichten außerhalb der Karte und wählten dann Lamm und Leber aus.

Sauberkeit

Alles war ordentlich gepflegt und ansprechend den Corona-Regeln ausgestattet.

Service

Der Kellner war höflich und freundlich und bemühte sich gute Abstände einzuhalten.

Die Karte(n)

Auf Tafeln stehen aktuelle Gerichte; daneben gibt es die Karte mit überwiegend Pizze und Getränken.

Die verkosteten Speisen

Ein paar Scheiben frisches Weißbrot und ein Schälchen mit Öl und etwas Balsamico wurde auf den Tisch gestellt.

Das Besteck war in eine große Papierserviette gebettet und wurde auf einer Papierunterlage abgelegt.

Der Viertisch stand quer zur Laufrichtung im Gang und war nur für zwei Personen freigegeben.

Kalbsleber mit Pasta

Die Leber war angenehm in der Dicke geschnitten und perfekt gegart worden. Sie war saftig innen. Ich konnte sie mit dem Löffel leicht in kleine Stücke teilen. Sie war mit Salbei und Sauce bedeckt. Die Konsistenz und der Geschmack erinnerten mich an eine Saltimbocca -Tunke. Ich mag diese Kombination recht gerne.

Die Nudeln waren ebenfalls gut im Geschmack. Sie waren relativ weit gegart, aber durchaus noch leicht al dente. Sie waren in Butter aromatisiert worden. Parmesan war nicht aufgetrtagen.

Der Teller war optisch italienisch einfach gehalten. Der Geschmack war genau für mich getroffen.

Lamm-Koteletts mit gemischtem Salat

Die Lammstücke waren perfekt gegart und pikant gewürzt. Außen leichte Röstaromen und innen saftig und leicht rosa.

Die Beilage bestand aus frischen Tomaten, knackigen Salatblättern, etwas Zwiebeln und Paprika und auch fertigen Maiskörnern, die für uns immer überflüssig erscheinen. Das Dressing war angenehm mild-säuerlich.

Auch dieser Teller war überzeugend im Geschmack.

Getränke

Selters classic 0,75 l

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die eingesetzten Zutaten waren frisch und schmackhaft. Daher sind die Preise angemessen. Ein Schnäppchen sind sie aber auch nicht (Wasser 6,50 €; Leber 19,90 €; Lamm 15,90 € - Sie sind aber auch über zwei Jahre fast konstant geblieben und nicht erhöht worden).

Fazit

Für einen Lunch halten wir das Lokal genau richtig. Auch nachmittags für Kaffee, Kuchen und Waffeln können wir uns einen Besuch gut vorstellen. Allerdings für ein Dinner erscheint uns das Angebot zu sehr auf Pizza und Pasta beschränkt. Die Weine haben wir noch nicht genügend ausprobiert, um ein Urteil abzugeben.

4 - Für ein schnelles Essen gerne wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 28.05.2020 – mittags – 2 Personen

 

 

---

 

 

 

Mai 2020: Odenthal - Post

Für uns das Maß der Dinge - auch weiterhin

Allgemein

Die „Post“ in Odenthal öffnete auch wieder nach der Corona-Sperre ihre Tore. Durch geschicktes Tische verschieben blieben von früher 14 Gruppen nun noch neun bestehen.

Aber für das Haus sind neben den Restaurants auch der Festsaal und das Hotel wichtig. Alle Hochzeiten, Geburtstage oder Feste wurden abgesagt. Einige Dutzend Events wurden so nicht durchgeführt.

Ob sich unter diesen Umständen das Unternehmen zur Zeit wirtschaftlich lohnt, ist noch nicht entschieden.

Doch der Anfang war wohl ordentlich; jedenfalls konnten wir den letzten Tisch für uns buchen. Als wir schon auf unserem Platz saßen, klingelte das Telefon ständig und die Chefin musste die Anrufer vertrösten oder auf eine Warteliste setzen – Pfingsten wird das Haus also wohl – im Rahmen des möglichen – ausgebucht sein. Bei gutem Wetter auch draußen (wenn man da bucht, kann man jedoch bei schlechtem Wetter nicht unbedingt nach drinnen, wenn nicht Plätze frei sind).

An den aktuellen Tischen können bis zu vier Personen Platz finden und haben auch den geforderten Abstand zu den Nachbarn.

Aber meist kommen nur zwei Personen; jedenfalls sah es heute so aus.

Ambiente

Durch die ungewohnte Tischaufstellung mit den großen Abständen wirkte das Lokal etwas anders. Die Beistelltische waren mit Besteck und Tellern versehen und wirkten dadurch auch etwas seltsam im Raum.

Aber nach kurzer Zeit waren wir daran gewöhnt und konnten uns entspannt auf das Essen konzentrieren und dabei wie sonst unbeschwert unterhalten (auch über andere Themen als Corona oder „Risikogruppe“ - für mich übrigens das Unwort des Jahres).

Sauberkeit

Weiße Tischdecken und Servietten aus Stoff wirken auf uns einfach stilvoll und gemütlich. Und der makellose Glanz bringt auch das Gefühl von Sauberkeit.

Sanitär

Wie gewohnt im Aussehen; jedoch nun mit Hinweisen zu den Regeln versehen.

Service

Alle Damen und Herren trugen Mund- und Nasenschutz und Handschuhe. Die Ansagen der weiblichen Kräfte konnte ich jedoch akustisch meist nicht so recht verstehen; aber das war nicht weiter schlimm, sondern eher etwas lustig oder irgendwie komisch – wie ein Running Gag.

Da die Weine nicht am Tisch eingeschenkt werden durften, hat uns Frau Wilbrand die Namen aufgeschrieben, ebenso einige Käsebezeichnungen; denn die mündliche Ansage klappte eben kaum.

Ich hoffe, dass wir dies gegenseitig in Ordnung fanden und als eine heitere Einlage gesehen haben.

Die Karte(n)

Es gab eine Tageskarte mit drei Menü-Angeboten.

Die verkosteten Speisen

Degustationsmenü am Mittag in vier Gängen (79 €)

Die Gerichte konnten auch einzeln bestellt werden. Es gab im Menü fast immer eine Alternative, sodas es eigentlich zwei Angebote waren. Ebenso gab es ein Tagesmenü in drei Gängen. Beim großen Menü am Abend wird auch noch ein Fischgang angeboten.

Kleiner Gruß aus der Küche“
Wachtelterrine | Sellerie | Krustentierbisque

Brot wird oft als nebensächlich betrachtet. Aber die Auswahl in der Post hebt sich geschmacklich weit vom Weißbrot in vielen Gasthäusern ab.

Es ist knusprig und frisch und hat Geschmack nach Sauerteig und Körnern.

Die beiden Aufstriche dazu haben einen buttrigen bzw. cremigen Geschmack.

Die Terrine war köstlich gewürzt und angenehm im Mund. Die „Meeressuppe“ war wieder köstlich. Die Aromen und der Duft deuteten auf Hummer-Anteile.

Pavé von der Entenleber
Joghurt | Rhabarber | Brioche

oder


Bretonische Makrele geflämmt
Bete x 3 | Ziegenkäse

Wir haben uns jeweils eine Portion ausgewählt. Da ich Leber-Gerichte sehr schätze und meine Frau davon gar nichts hält, war die Aufteilung sehr einfach.

Der Teller war hübsch angerichtet und war mit allerlei Würfel- bzw. Quaderstücken und Halbkugeln dekoriert. Der Rhabarber war als eine Art Paste der Untergrund. Obenauf waren feine Brotkrümmel drapiert worden.

Die Makrele war nur oberflächlich leicht geröstet und erinnerte mich fast an Sashimi. So kam der Eigengeschmack voll zu Tage. Auf dem Teller dominierte im übrigen die Bete in Stückchen, als Törtchen und als cremige Suppe. Meine Frau war recht angetan; eigentlich ist sie kein Fan der Richtung japanischen Küche.

Doppelte Kraftbrühe vom Odenthaler Freilandhuhn

Limonenblätter | Gemüse

Auch die klare Brühe erinnerte an asiatische Küche. Ich hätte sie nicht als „Hühnersuppe“ erkannt. Sie hatte viele Aromen, die ich nicht direkt zuordnen kann; aber recht interessant im Mund. Die Limonenblätter erzeugten auf jeden Fall frische Noten. Das helle Gemüse erinnerte mich auch nicht direkt an bestimmte Pflanzen.

Im Mittelpunkt war ein Teiggebilde mit einer Füllung – vielleicht etwas Huhn. Es erinnerte mich insgesamt an eine übergroße Spätzle-Form.

Nach diesem ersten Teller kann ich noch nicht sagen, ob die Kreation in meine Lieblingssuppen-Topliste einziehen kann. Ich liebe vielerlei Richtungen von „dicker“ Gemüsesuppe der Art Minestrone oder Kartoffelsuppe bis hin zu Cremesuppen oder eben Fischsuppen und Rindfleischsuppe mit Markbällchen aber ohne Nudeln.

Williams-Birnensorbet

Die frische kühle Eisnocke machte den Gaumen frei für den Hauptgang. Und lecker war sie auch.

Rücken vom bergischen Maibock
Gegrillte Melone | Lakritzjus | dicke Bohnen

oder


Filet vom bergischen Weiderind unter der Kräuterkruste
Deutscher Stangenspargel | neue Kartoffeln | Morchelsauce

Wir buchten wieder beide Versionen einmal. Wegen der Pilze und dem Spargel wählte ich das Rind. Morcheln sind für mich mit die besten Pilze, die ich kenne. Daher war es eine Freude sie auf dem Teller zu haben. Die weißen Spargelstangen waren relativ bissfest gegart. Das bevorzuge ich auch gegenüber weichen Zubereitungsarten. Die Erdäpfel waren ebenfalls schnörkellos gekocht und konnten so die Sauce gut aufnehmen.

Das Filet war wie gewünscht medium gebraten und die Kruste auf dem Fleisch war tatsächlich auch kross und keine weiche Haube.

Es war also ein sehr guter Teller.

Aber meine Frau ließ mich auch ein Stück Bock probieren – und das weckte schon Neid; denn dieses Fleisch war einfach eine Wucht: zart, saftig, aromatisch, köstlich.

Die Lakritzsauce war auch eine neue Erfahrung: leicht süß, starke Süßholzaromen, cremig – passte zum Fleisch. Auch die anderen Beilagen waren recht apart – allerdings ist meine Frau keine Freundin von Püree oder Stampf. Aber die gegrillte Melone fand sie köstlich.

Käseauswahl vom Käsehaus Wingenfeld
Früchtebrot | Feigensenf

oder

 

Dessertvariation „Zur Post“

Wir kennen die großartigen Dessertvariationen im Hause recht gut und sind absolute Fans davon. Aber heute wollten wir beide noch lieber Käse. Und die Produkte kamen schließlich aus dem vielleicht besten Käsehaus in ganz Köln.

Auf dem Teller waren Camembert, Ziegenkäse, Karamell- bzw. Braunkäse, Comte, Munster und Fourme d’Ambert.

Alle Stücke waren gut gereift und ergaben eine breite Palette an Aromen. Da die Happen im Restaurant natürlicherweise nicht übergroß ausfallen – sie sollen ja Spaß machen und nicht den Magen überfüllen – schmecken sie oft in einer größeren Menge ganz anders. Daher habe ich mir die Namen so gut ich konnte gemerkt und beim Markthändler meines Vertrauens in Bergisch Gladbach mittwochs drauf nachgekauft. Natürlich hatte Käse Fuchs auch alle Sorten vorrätig – außer dem Karamellkäse. Die Chefin erzählte mir, dass dieser Käse aus Skandinavien vor einigen Jahren recht im Mode war. Da er aber relativ süß ist, ließ die Nachfrage rasch nach. Sie könnte ihn mir natürlich besorgen, aber ich müsste schön das ganze Stück erwerben, da sie den Rest sicher nicht verkauft bekäme. Das war also ein Beispiel dafür, dass eine kleine Portion überrascht, aber mehrere Scheiben auch keine Freude mehr machen. Aber Munster, der Schimmelkäse und Camembert waren pur und zu Brot einfach Klasse. Und eine Portion Époisses musste auch mit.

Zum Kaffee
Praline | Schokoladenbrownie

Eine feine Tasse Espresso Macchiato rundete den Mittag ab. Dazu schmeckten die Petit Fours recht gut und auch die Waldhimbeere war erfreulich.

Getränke

Hauscocktail – eine Gin-Tonic-Kreation mit viel Limettenaromen

Taunusquelle medium

Weinbegleitung:

Kracher 2017 Beerenauslese (Cuvée: 60% Welschriesling, 40% Chardonnay)

Poss Weißburgunder 2017 Nahe

Dominio do Bibei Lalama 2014 (Cuvée: Mencia, Brancellao, Mouraton, Souson, Garnacha)

Taylor's Late Bottled Vintage Port 2014 (Rebsorten: Touriga Franca / Touriga Nacional / Tinta Barroca)

Espresso

Hausbrennerei Roth Waldhimbeere (muss ich mir unbedingt besorgen)

Fazit

5 – unbedingt wieder. Die Post war und ist genau das Restaurant bzw. das Paket, das uns einfach zusagt.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 24.05.2020 – mittags – 2 Personen

 

 

 

---

 

 

 

 

Mai 2020: Bergisch Gladbach - Bey Oglu

Auch das Kebap-Haus hat wieder geöffnet:

Fleisch gibt es reichlich, aber auch die Beilagen sind in Ordnung

Allgemein

Das türkische Kebap-Restaurant liegt nahe zur Fußgängerzone und zum Busbahnhof in Bergisch Gladbach City. Es war täglich von morgens bis ab abends in der Vergangenheit geöffnet und stets sehr gut besucht.

In der ersten Zeit der Schließung durch die Pandemie hat es sich schnell auf Bring- und Abholdienste eingestellt. Nun hat auch das Haus aber auch wieder geöffnet. Die relativ enge Bestuhlung wurde durch Sperrung vieler Plätze auf Corona-Vorschriften umgestellt.

Weil uns die Gerichte vom Holzkohlegrill gut in Erinnerung waren, bestellten wir zwei Plätze zum schnellen Mittagslunch.

Ambiente

Das Lokal war fast menschenleer – also kaum Gäste; aber Kellnerin und Thekenmannschaft standen schon gewohnt bereit.

Am Eingang standen die Handwaschmittel bereit und die junge Frau bat uns herein. Sie trug Mundschutz und erklärte uns, dass alle Plätze, die ein Blatt zum Eintagen der Kontaktdaten aufweisen für uns zur Auswahl standen.

Wir gingen also weit durch und setzen uns an einen großen Tisch, der früher für vier Personen gereicht hätte.

Später kamen noch vier Personen und setzten sich weit weg, ebenfalls an zwei freie Tische.

Sauberkeit

Die Holztische waren sauber poliert und in großen Papierservietten waren die Bestecke eingewicket.

Sanitär

Auch dieser Bereich (erste Etage) war gepflegt und für Corona ausgerüstet.

Service

Die junge Frau erklärte uns, dass zur Zeit wenig Gäste ins Lokal kommen; aber besonders der Bringdienst würde gut angenommen und so liefe der Laden noch einigermaßen. Im Service seien aber mehrere Kolleg*innen in Kurzarbeit.

Die Karte(n)

Die Angebote haben sich gegenüber der früheren Zeit nicht geändert.

Die verkosteten Speisen 

Da die Gerichte immer als große Portionen auftreten und auch noch ein ganzes Fladenbrot dazu gereicht wird, riet uns die Kellnerin von zusätzliche Vorspeisen ab.

Doch etwas Neues wollten wir schon ausprobieren und bestellten eine Portion:

Icli Köfte – gefüllte Bulgurklöße (5,90 €)

Bulgur, Hackfleisch und Zwiebeln werden durch den Fleischwolf gedreht. Charakteristisch ist die Eiform. Außen sollen sie knusprig gebacken sein und innen eine würzige und saftige Füllung aufweisen.

Sigara böreği (fingerdicke, gefüllte und frittierte Teigröllchen) hatten uns vor einiger Zeit recht gut als Vorspeise geschmeckt.

Die Klöße waren meiner Frau jedoch außen nicht knusprig genug, zu fettig und auch zu dick in der Hülle.

Da hatte ich also vier dieser Kameraden vorweg mehr oder weniger alleine für mich. Schlecht haben sie mir nicht gescheckt, aber so richtig toll fand ich sie auch nicht. Die Füllung war gut gewürzt aber sehr weich in der Konsistenz. Und die Fülle fand ich auch zu fettig.

Ein Versuch also, den wir hier wohl nicht noch einmal bestellen werden – aber es gibt ja noch weitere typische Vorspeisen zu entdecken.

Dana Şiş. Kalbspieß (12,90 €)

als Beilage werden Salat und Reis oder Pommes gereicht.

Die Fleischwürfel waren scharf angebraten bzw. gegrillt worden. Sie waren würzig und innen noch saftig. Das Fleisch war nicht besonders zart, aber insgesamt gut im Geschmack.

Der Blattsalat war frisch und mariniert. Die Tomatenstücke waren teilweise auf dem Grill gewesen oder als frische Scheiben beim Salat. Die Gurkenstücke waren roh und relativ dick. Die grüne gegrillte Peperoni war für mich in der Schärfe gerade noch akzeptabel, also pikant.

Das ganze Gericht lag auf einem dünnen, weichen Fladenbrot.

Die Pommes wurden in einer eigenen Schal gereicht. Die Portion war üppig. Die Kartoffelstäbchen waren relativ dünn und lang geschnitten. Sie waren nicht besonders knusprig , aber ordentlich im Geschmack – vielleicht hätte ich besser den Reis gewählt, denn er war in der anderen Portion ansprechend gelungen.

Saç Kavurma, Hähnchen (12,90)

Dieses Gericht besteht speziell aus Hähnchenfleischstücken, die mit Zwiebeln, Paprika und Peperoni in einer Pfanne gebraten und darin auch darin serviert werden.

Obwohl die Fleischstücke relativ klein gehalten sind, waren sie sehr saftig und schön weich im Mund. Die Portion ist riesig. Auch das Gemüse hatte noch erkennbare Formen und den typischen Geschmack.

Der Reis war ebenfalls gut gegart.

Getränke

Mineralwasser 0,75 l (4,50 €)

Preis-Leistungs-Verhältnis

Da es so reichlich zu essen gibt – auch wenn man nur ein Gericht bestellt – erscheint uns ein Besuch relativ günstig zu sein. Rind, Lamm und Geflügel werden ordentlich zubereitet und schmackhaft gewürzt. Der Service ist umsichtig und freundlich. Also können wir nicht meckern.

Fazit

4 – gerne wieder. Die Lage ist günstig für uns. Wir bekommen solide Grill- und Pfannengerichte. Natürlich ist das Lokal kein Genuss-Tempel für schöne Stunden. Aber solide Alltagsküche hat auch ihren Platz bei uns.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 22.05.2020 – mittags – 2 Personen

 

 

---

 

 

 

 

Mai 2020: Bergisch Gladbach - Osteria del Corso

Bei Sonne im Freigelände - ein schöner entspannter Mittag

Allgemein 1

Wie fühle ich mich als Mensch, dem „Genießen“ eigentlich ein Lebensmotto bedeutet? Außer Essen und Trinken leiste ich mir kaum andere Dinge, die für viele wichtig sind.

Ich habe kein Auto, kein Handy und bin auch sonst recht unmodern. Mache keinen Urlaub im engeren Sinn. Ich besuche einen bestimmten Ort, weil man in meinen Augen dort vor allem gut genießen kann. Ich schaue mir dann dort auch gerne Kirchen, Konzerte, Kinos, Museen oder andere Sehenswürdigkeiten an. Ich möchte die Erlebnisse jedoch unbedingt mit anderen teilen (Familie, Freude).

Bin ich also froh, dass Geschäfte und Lokale wieder mehr öffnen? Ja!; aber wie ist die Auswirkung: Wenn ich mir ein „Bein“ breche, dann geht es mir nach der Heilung anders als vorher. Nun haben alle Menschen Einschränkungen und Behinderungen erlebt!

Also bin ich mir unschlüssig, wie es weitergeht:

anders

mir ist so anders
als mir war
als mir noch nicht
so anders war
wie war dir denn
als dir noch nicht
so anders war
wie eben jetzt
als mir noch nicht
so war wie jetzt
war mir ganz anders
bis zuletzt
wann war zuletzt
dass dir noch nicht
so anders war
wie eben jetzt
immer war mir
bis knapp zuvor
ganz anders
ohne übergang

 


(Ernst Jandl)

Allgemein 2

Besonders Jahrestage feiern wir gerne am konkreten Datum mit einem gemeinsamen Essen in einem Restaurant an einem ausgewähltem Ort. - Das hatten wir dieses Jahr schon abgeschrieben. Schließlich brach die Pandemie in unser Leben. Nebenbei war es auch noch ein Montag und da haben viele Betriebe ihren Ruhetag.

Als dann die Lockerungen in NRW bekannt gegeben wurden, gab es etwas Hoffnung. Aber eigentlich hatten wir auch viel Angst vor einem Besuch in geschlossenen Räumen und mit den vielen Vorschriften.

Da fand ich auf der Homepage von einem uns gut bekanntem italienischen Restaurant den Hinweis, dass sie just am Montag, den 18. Mai zum ersten Male wieder öffnen:

HURRA HURRA!!
DER TAG DER WIEDER-ERÖFFNUNG IST ENDLICH DA!

Liebe Gäste und Freunde der Osteria,wir freuen uns sehr, Ihnen allen mitteilen zu dürfen,
dass wir unsere Tür wieder für Sie geöffnet haben!

Um einen reibungslosen Ablauf für alle zu gewährleisten, bitten wir Sie vorab um eine telefonische Tischreservierung.

Also habe ich für Montag einen Tisch für zwei bestellt; der Wetterbericht versprach einen sonnigen Tag und so konnten wir auch noch im Außengelände sitzen.

Ambiente

Die Tische waren weit auseinander aufgestellt; jedoch relativ spartanisch eingedeckt. Aber das war durch die umfassenden Vorgaben zur Hygiene nicht anders zu erwarten gewesen.

Sauberkeit

Das Lokal war tatsächlich gut vorbereitet. Am Eingang stand auf einem Schild, dass man sich die Hände desinfizieren soll und dann auf den Service warten soll.

So kam es auch wir wurden von weitem freundlich begrüßt und nach draußen ins freue Gelände geführt.

Der Hof ist recht groß und die Tischen standen recht weit auseinander. Die Karte (ein Blatt) lag auf dem Tisch, das Besteck unter einer Abdeckung. Die Zettel für die Daten (Name, Adresse etc.) lag bereit und die Belehrung über die Verwendung der Angaben war auch vorhanden.

Sanitär

Die Wege zur Toilette waren frei und im Waschraum je nur eine Türe für Damen bzw. Herren geöffnet.

Service

Wir waren mittags die ersten und auch einzigen Gäste. Wir konnten uns gut auf Abstand mit dem Kellner (älterer Herr mit Maske) und der Juniorchefin (ebenfalls mit Schutz und Handschuhen) unterhalten bzw. die Bestellungen aufgeben.

Am ersten Tag war die Karte allein schon wegen der Unsicherheit, ob viele Gäste kommen, von den Zutaten her knapp gehalten. Aber durchaus ausreichend.

Die Karte(n)

Der Kellner entschuldigte sich sogar für die kleine Auswahl. Aber sie war vernünftig aufgebaut und bot somit genug Möglichkeiten.

Wir waren froh an der Luft zu sein und an unserem Tag etwas entspannen zu können. Was will man mehr, als bei schönem Wetter unter einem Sonnenschirm im angenehmen Schatten zu sitzen. - Maske runter und durchatmen.

Auch wenn wir nicht besonders auf Prosecco stehen, fanden wir das Prickelwasser heute angemessen.

Das Brot war zwar nur langweiliges Stangenweißbrot; aber mit Olivenöl getränkt, war es in Ordnung.

Die verkosteten Speisen

gemischte Vorspeisenplatte (klein)

Da wir mehrere Speisen probieren wollten, bestellten wir zuerst die gemischte Platte mit gegrilltem Gemüse, Mozzarellabällchen, Parmesanspänen, Tintenfischstückchen, etwas mariniertem Rind, rohem Schinken und einem Klecks Vitello tonnato.

Das war gut angemacht und ordentlich zubereitet. Das hätten wir auch selber ähnlich hergestellt; aber wir wollten ja auch endlich nicht mehr nur am eigenen Herd stehen.

Riesengarnelen

Um noch mehr Meer zu verkosten wählten wir dann noch eine Portion Garnelen. Sie waren gut gegart und würzig angemacht worden. Wir waren schon recht zufrieden.

Lachs

Die Hauptspeisen waren jeweils mit mediterranem Gemüse und Rosmarinkartoffeln ergänzt.

Das Gemüse erinnerte an Ratatouille. Es war perfekt gebraten und mutig gewürzt. Es war für uns besonders gut gelungen und machte Spaß.

Die Kartoffeln waren wohl leicht gekocht und dann etwas in der Pfanne angebraten worden. Sie waren daher außen leicht knusprig und innen weich und geschmackvoll. Das „Fleisch“ hatte einen satten Gelbton. Auch diese Beilage war und willkommen.

Der Lachs war auf der Haut gebraten. Sie war knackig und mit krossen Bröseln garniert. Das Fleisch war noch saftig; aber für unseren Geschmack etwas zu lange in der Pfanne gewesen. Dadurch waren die Lamellen etwas fester und nicht glasig – vielleicht war das jedoch so gewollt; denn viele Menschen mögen Fisch nur durchgebraten.

Ingesamt war der Teller also eine erfreuliche Angelegenheit.

Saltimbocca

Die Beilagen waren wie oben beschrieben – also richtig lecker.

Beim Fleisch war nicht gespart worden. Es gab drei Fleischstücke. Sie waren mit etwas Salbei und viel Schinken belegt. Die Sauce war relativ kräftig und hatte angenehme Weinnoten.

Auch hier hätte das Fleisch für uns weniger lange in der Pfanne sein müssen.

Doch insgesamt hat uns der Klassiker auch zugesagt.

Käseplatte (klein)

Da bei den süßen Nachspeisen „nur“ Eis und etwas Obst zur Wahl standen, haben wir lieber Käse genommen. Wir fanden das völlig in Ordnung am ersten Öffnungstag nicht zu viel anzubieten.

Auf der Platte lagen Stücke von Parmesan, etwas Pecorino und Weichkäse. Zusammen mit Brot und einigen Früchten auf dem Teller war das ein ordentlicher Abschluss.

Ein starker Espresso bildete dann den Abschluss. Wir waren rundum zufrieden und haben die Zeit auf der Terrasse entspannt genossen. Der Besuch hat uns darin bestärkt, weitere Lokale in der Stadt zu besuchen.

Wir sind auf dem Rückweg daher in die Eisdiele am Weg gegangen und haben draußen ein Spaghetti-Eis genossen.

Getränke

Prosecco

San Peegrino – 0,75 l

Lugana - Cantina Franzosi -Lombardei

Syrah - Vigneti Zabù - Sizilien

Moscato d'Asti - Piemont

Espresso

Fazit

Wir haben zaghaft das Lokal betreten. Aber mit der Zeit haben wir uns recht wohlgefühlt. Es war insgesamt anders; aber gut – gepflegte Lokale, die auch noch die Vorschriften einhalten, sind für uns wieder besuchenswert.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 18.05.2020 – mittags – zwei Personen

---

Es hatte uns beim Start nach den Corona-Lockerungen für Restaurants so gut gefallen, dass wir für den ersten Besuch unserer Tochter (Kontaktverbot bzw. Risikogruppe) nach langer Zeit wieder in die Osteria gegangen sind.

Wir haben für drei Personen einen schattigen Platz im Außenbereich reservieren lassen. Im Freien fühlten wir uns auch sicherer.

Ambiente

Wie vor ein paar Tagen haben wir am Eingang auf die Junior-Chefin gewartet. Sie führte uns zu dem gewünschten Tisch.

Heute waren schon ein paar Gäste vor Ort; aber alle hatten sehr weiten Abstand, weil das Gelände wirklich weitläufig sich darstellt.

Die Karte(n)

Das Angebot war schon wieder gewachsen. Neben der kleinen Karte wurde auch wieder eine große Tafel mit aktuellen Speisen an den Tisch gerückt.

Die verkosteten Speisen

Wir eröffneten dieses Mal mit frischen Cocktails. Sie waren eisgekühlt und erfrischten herrlich; das war angenehmer als Prosecco.

Brot und Butter

Zum frischen Weißbrot gab es diesmal eine cremige Butter als Aufstrich.

Bruscetta

Knuspriges Brot, frisches Basilikum und reife Tomaten mit gutem Olivenöl. Das ist schlicht, schmeckt aber trotzdem gut.

Spargelsalat: grüner und weißer Spargel mit Garnelen

Auch hier standen die Zutaten im Vordergrund. Der Spargel war roh mariniert worden, die Garnelen kurz angebraten und eine helle Sauce darüber gegeben worden.

Eine frische Vorspeise, die den Appetit anregte, aber noch Platz für eine Hauptspeise ließ.

Spargelcremesuppe

Eine solide Grundsuppe, passierte Spargelstücke, etwas Sahne. Aufgeschäumt und fertig ist eine erfrischende Frühlingssuppe.

Farfalle mit Spargel und Lachs

Gute Pasta herstellen und richtig kochen bereitet der Küche keine Probleme. Mit Nudeln aller Art kann man in der Osteria keinen Fehler machen. Sie überzeugen bisher immer. Dazu etwas leicht erhitzen Lachs und kleine Spargelabschnitte, schon ist ein perfekter Teller gezaubert. Wenn man den Teller sieht, denke ich immer wieder, ob das wohl satt macht? Aber die Portion ist immer größer als sie aussieht.

Das ist wohl nur „mein“ Problem: Ich liebe Pasta, aber ich möchte danach noch Fleisch oder Fisch als Secondo hanen und gerne noch Dolce als Abschluss.

Doch das machen die „deutschen“ Kunden nicht mit bzw. sind es nicht gewohnt; sie wollen von einem Teller satt werden. Das mache ich niemandem zum Vorwurf; schließlich habe ich in Köln vor vielen Jahren mit einem italienischen Kollegen ein klassisches Restaurant seiner Wahl besucht besucht: Ich war überrascht, dass ein Tortellini-Teller nur fünf Exemplare enthielt und später der Fleisch-Teller zwar aus einem üppiges Steak bestand und sonst nur noch einige Tomatenstücke als Dekoration hatte (kein Salat, Pommes etc.). Da brauchten wir dann schon vier bis fünf köstliche Gänge bis ein wohliges Gefühl ohne Magenschwere entstand.

Deutsche „Italiener“ haben zwar eine Karte mit Antipasti, Primo, Secondo und Dolce. Aber jeder Teller ist in der Lage den Hunger zu besiegen und den Appetit zu stillen – da geht höchstens noch ein Eis, sonst platzt man. Aber ein Menü mit kleinen Gerichten wird auch selten angeboten.

Lachsfilet mit geröstetem Knoblauch und Tagesbeilagen

Der Teller war dafür ein gutes Beispiel. Zum Lachs (der wieder saftig aber eher durchgegart war) gab es – zugegeben – köstliche mediterranes Gemüse und eine Portion leicht angebratene Kartoffeln.

Das war ein schmackhafter Teller und machte satt.

Lammkoteletts mit Rosmarinkartoffeln und Beilagensalat

Das Lammfleisch war köstlich gebraten. Es war außen knusprig und innen saftig und rosig. Die Knochen waren sauber pariert und so konnte man mit den Fingern zugreifen und einfach abbeißen. Jeder Happen war köstlich. Den schönen Salat gab es in einer Zusatzschüssel. Aber den musste ich teilweise stehen lassen, weil ich gerne noch einen Nachtisch essen wollte.

Unsere Tochter konnte nach zwei Gängen keine Süßspeise oder Käse mehr.

Schokoladentörtchen

Der kleine warme Kuchen hatte natürlich auch noch einen flüssigen Kern und zeigte Aromen von dunkler Schokolade. Dazu passt einfach etwas kaltes cremiges Vanille-Eis.

Erdbeeren und Vanilleeis

Da Erdbeeren jetzt rot, süß, saftig und reif sind, kann man damit keinen Fehler machen. Und Eis passt auch dazu.

Nun waren wir fast reif für einen Mittagsschlaf; aber wir hatten ja noch so viel zu besprechen und machten einen kleinen Spaziergang nach Hause und haben dort unseren Kaffee getrunken.

Insgesamt hat uns der Aufenthalt im garten des Restaurants wieder viel Freude gemacht.

Getränke

San Pellegrono 0,75 l

Lillet mit Tonic

Negroni

Verdicchio "Serra del Conte" – Garofoli - Marken

 Rosso di Montepulciano - La Combàrbia - Toskana 

Fazit

4 – gerne wieder – mittags auf eine Pizza oder etwas Pasta - und abends vielleicht mal ein abgestimmtes Menü.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 21.05.2020 – mittags – drei Personen

 

 

 

---

 

 

 

 

 

 

März, April, Mai 2020: Bergisch Gladbach - einkaufen - selber kochen

Samstag, 14.03.2020, waren wir noch einmal in der Stadt und haben gefrühstückt. Dann wurden Lokale geschlossen und Besuche von Freunden und Verwandten von uns eingestellt.

Da haben wir - eigentlich wie vorher auch - zu Hause gekocht. Aber wir haben uns mehr Mühe gegeben, neue Rezepte ausprobiert und Zutaten im Haus kreativ eingesetzt.

Vieles ist recht gut gelungen, an anderen werden wir weiter arbeiten oder einfach den Profis überlassen.

pulled pork im Ofen mit Krautsalat und Bratkartoffeln

Ente mit Fenchel und Möhre

Krabbenbrot mit Ei und Kräutern auf Roggenschnitte

Kaiserschmarrn

Zanderfilet mit Pasta

Ostermontag: Ente, Gurken und Gemüse, Naan

Ostern: Lamm - Gemüse - Pfannenbrot (alle Zutaten vom Markt (Robbe: Fleisch; Gemüse vom Stand)

Karfreitag: Schlesische Gurkensauce mit Ei

Frischer Bärlauch, Cashew-Kerne, Reis

Skrei - grüner Spargel und Gemüse

Unsere "Matschpanne" - mediterranes Schmorgemüse, mit Schweinemett und Weißbrot

selbstgemachte Pommes - zweifach frittiert

Strindberg mit Bohnen und Pasta

März 2020: Genuss Ecke, Bergisch Gladbach

Kaffee und Kuchen gut!

Als Geschäfte noch öffnen durften.

Allgemein

In der Innenstadt von Bergisch Gladbach haben wir im Laufe der Zeit schnell die Eisdielen gefunden und drei Lokale davon gefallen uns. Es sind insgesamt fünf an der Zahl.

Bei den Cafés fiel uns das deutlich schwerer: Viele Läden befinden sich in Bensberg oder anderen Ortsteilen und daher zu Fuß nicht einfach und schnell zu erreichen. Beim Suchen im Internet werden als Café dann einfach zu viele Bäckereien mit Café-Bereich (Der Käsekuchen von Merzenich ist gar nicht so schlecht) oder Ketten wie BackWerk oder Extrablatt (hier gehen wir durchaus mal ein Brötchen essen) aufgeführt. Aber wir haben die Suche nicht aufgegeben und neben „Tilda“ (ein gemütliches Café mit viel Charme) eine neue Adresse ausgemacht.

Das kleine Lokal befindet sich am Ende der Fußgängerzone hinter dem Konrad-Adenauer-Platz neben der Sparkasse (die Eisdiele Venezia liegt ebenfalls dort).

Wir haben es bisher einfach für ein Geschäft für Wohnaccessoires und Kleinmöbel gehalten und nicht weiter beachtet. Dann habe ich jedoch einmal die ganze Homepage angesehen und festgestellt hier gibt es auch Kuchen und Getränkespezialitäten wie Kaffee und Tee - sogar Frühstück wird angeboten.

Ambiente

Im Schaufenster sieht es tatsächlich nicht nach Kaffee und Kuchen aus. Aber innen befinden sich zahlreiche Tische und Stühle. Es saßen auch eine größere Zahl von Gästen im Haus.

An der Theke fragten wir, ob wir ein paar Stücke Kuchen zum Mitnehmen erhalten könnten. Dabei erfuhren wir, dass sie nur im Laden eigenes Gebäck servieren dürfen – für außer Haus bedarf es einer Konzession bzw. man muss in der Handwerksrolle als Konditor eingetragen sein.

Aber wenn wir etwas Zeit hätten, könnten wir doch vor Ort etwas verkosten! Gesagt getan.

Wir suchten zwei Tortenstücke aus und setzten uns an einen freien Tisch.

Bis zur Servierung schauten wir uns etwas im Raum um. Der ebenerdige Teil des Ladens war recht individuell mit verschiedenen Tischen und Sitzen ausgestattet. An der Decke hingen allerlei farbige Kronleuchter und andere Lichtkonstruktionen. Man sitzt kurz gesagt zwischen Leckereien und diversem Vintage-Nippes.

Am Ende des Raumes befand sich eine Treppe nach oben, die wohl zu einem weiteren Raum führte: der blaue Salon. Im Sommer gibt es auch noch ein Gartencafé.

Wir saßen auf einer Bank an einem größeren Tisch für vier Personen und schauten zu, wie die Tortenstücke frisch vom Kuchen abgeschnitten wurden.

Service

An der Theke arbeitete wohl die Besitzerin. Ein junger Mann servierte uns die Bestellungen.

Die Frau war freundlich und gab uns gerne Auskunft zu ihren Angeboten. Der Kellner war ebenfalls sympathisch und beantwortete uns weitere Fragen. So erfuhren wir, dass es auch Frühstück gibt und man das besser reserviert.

Die Karte(n)

Eine Speisekarte haben wir nicht gefunden, aber auch nicht verlangt. An der Theke standen drei frische Kuchen, die selbst gebacken waren. Kaffee und Tee gab es in verschiedenen Sorten.

Die verkosteten Speisen 

Apfel-Wein-Torte

Der Boden war ein feiner Mürbeteig. Es war ordentlich Butter darin und erinnerte mich schon fast an Streuselmasse. Dadurch war er saftig und knusprig zugleich. Die Apfelscheiben – angenehm süß-sauer – waren wohl mit Wein getränkt worden und jedenfalls saftig. Darüber war eine Gussmasse, die leicht Aprikose erinnerte. Die Haut war aber nicht elastisch, sondern weich und mit dem Apfel verbunden.

Insgesamt sehr rund und optimal abgeschmeckt.

Rotkäppchen-Kuchen

Der Kuchen sah ansprechend aus und war sogar komplexer im Aufbau. Der Boden war ähnlich, aber am Rand nicht hochgezogen. Dann folgte eine weitere dunklere Schicht aus einem weichen aromatischen Biskuit. Nun kam eine Creme-Schicht – nicht zu schwer im Mund, aber gehaltvoll; vielleicht aus Sahne oder auch Mascarpone. Aber gut aufgeschlagen – ggf. mit Eischnee. Obenauf war eben die rote fruchtige Kappe – rote Beeren, vielleicht auch Kirsche, aber eher keine Erdbeere.

Eine lockere cremige fruchtige Sache.

Getränke

Espresso und Cappuccino

Die Getränke wurden auf einem Holztablett im abgestoßenem Emaille-Look serviert – das war mal etwas anderes.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Uns erschienen die Preise völlig in Ordnung. Zum Bezahlen geht man an die Kasse – jedenfalls machten andere Gäste das so und wir auch.

Fazit

4 – gerne wieder – die Kuchen waren einfach-lecker und überzeugend. Sicher probieren wir auch noch das Frühstück – das sah bei einem Nachbartisch ganz gut aus. Auch die vielen Teesorten haben ihren Reiz.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 18.02.2020 – mittags – 2 Personen (wir wollten eigentlich den Kuchen für nachmittags mitnehmen).

---

Frühstück: Sehr schön angemacht und stilvoll präsentiert

Die Karte(n)

Die kleine Karte bot ein schnelles kleines Frühstück und die große Variante in der Etagere. Da wir uns Zeit nehmen wollten und vier Personen waren, bestellten wir zweimal den Turm und etwas zusätzliches Brot.

Die verkosteten Speisen

Die einzelnen Zutaten waren mit viel Liebe angerichtet worden. Ein Schwerpunkt war der Käse: verschiedene Hart- und Weichkäse – teilweise von regionalen Produzenten, aber auch Fertigprodukte mit Kräutern angereichert. Hier lag eine breite Palette von Produkten bereit. Bei der Wurst sah es dagegen etwas dürftig aus; etwas gekochter Schinken und zwei Minisalami.

Aber auch eine Eierspeise, etwas Konfitüre, diverses Obst in kleinen Menge wie rote Trauben, Erdbeere, Apfelspalte, Orangenscheibe und Feige.

Butter und einige Saucen oder Pesto befanden sich ebenfalls im Angebot. Gurkenscheiben, Tomatenstücke, Mozzarella, Basilikum komplettierten das Arrangement.

Das war schon ein optisches Kunstwerk.

Allerdings fanden wir das Brotangebot etwas übersichtlich und daher orderten wir zusätzliche Teile. Besonders knusprig waren die Teile jedoch nicht.

Ein Glas Fruchtsaft gehörte auch noch dazu.

Den Kaffee oder Tee musste man jedoch zusätzlich bezahlen. Wir probierten Espresso , Latte Macchiato und Cappuccino. Auch die Getränke hatten ein volles Aroma und entsprach unseren Vorstellungen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Es gab viele kleine Teilgerichte und daher ist der relativ hohe Preis schon irgendwie in Ordnung.

Fazit

Das war also eigentlich recht abwechslungsreich und vielfältig. Für einen ganz großen Jubel fehlte es uns an etwas Originellem oder Besonderem. Die Wurst war etwas langweilig und das Gebäck hätte für uns knuspriger sein können. Trotzdem war es ein gutes Frühstück – und fußläufig zu erreichen. Wenn man aber gelegentlich im neoBiota (Köln – Anfahrt mit der S-Bahn) frühstückt, steigen die Ansprüche vielleicht auch zu sehr.

In Bergisch Gladbach sehen wir das Lokal auf fast einer Ebene mit Cafe Tilda, das aber oft ausgebucht ist und auch eingeschränkte Öffnungszeiten hat. Selbst das Filialunternehmen „Extrablatt“ hat seine Stärken und bleibt für uns im Rennen beim Frühstück.

3 – wenn es sich ergibt – und weiterhin 4 (gerne wieder) für eine Pause mit Kaffee und Kuchen in der Stadt.

Es war der letzte Besuch in einem Gastrobetrieb vor der landesweiten Schließung wegen der Pandemie.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 14.03.2020 – morgens – 4 Personen

 

 

---

 

November 2019: Phaedra, Köln (Südstadt)
 

Sonntags-Lunch in der Südstadt – locker und angenehm

Allgemein

Mit YouDinner war ich hier vor kurzer Zeit (September 2019) zum Fischmenü im Phaedra. Nun wollte ich auch mit meiner Frau dort einen Lunch einnehmen und anschließend etwas durch die Innenstadt bummeln und sehen, was uns dort in der kommenden Adventszeit an Weihnachtsmärkten bevorsteht bzw. angeboten wird.

Ambiente

Sonntags am Mittag war das Haus nicht voll besetzt. Dadurch hatten wir einen Viertisch für zwei Personen und das war recht angenehm; denn später saßen einige Paare an einem kleinen Tisch und das wäre uns wohl zu eng gewesen.

Service

Ein junger Mann kümmerte sich überwiegend um uns. Er hatte eine freundliche Art und wirkte kundenorientiert. Er gab gerne Auskünfte zu unseren Fragen.

Auch der Chef hielt sich im Gastraum auf und fungierte als Gastgeber; die Küche überließ er seinen Mitarbeitern.

Die Cocktails mischte er selber und servierte sie auch persönlich am Tisch.

Die Karte(n)

Es gibt ein Blatt mit den Vorspeisen, Mezze, Suppe, Zwischengang und Hauptgang. Auf dem Klemmbrett dahinter stehen Getränke aufgeführt.

Für Nachtisch gibt es ein eigenes Blatt mit Desserts und hausgemachten Sorbets.

Ebenfalls gibt es eine umfangreiche Weinkarte

Die verkosteten Speisen

Wir bestellten einige Gerichte aus der Mezze-Abteilung und einen Fleisch- sowie einen Fischhauptgang. Danach wählten wir noch zwei Nachspeisen.

Mezze

Keftedes" Hackbällchen mit frischen Kräutern und Weiße-Bohnen-Salat

Die Bohnen waren gut gegart und keineswegs weich, wie sie so oft auf den Teller kommen. Sie waren würzig abgeschmeckt. Die kleinen Hackbällchen waren reichlich mit frischen Kräutern gemischt und sehr weich im Mund. Meine Frau hat es gerne knuspriger, aber ich fand sie gut gemacht.

Feta im Filoteig mit karamellisierter roter Paprika und Kalamata Oliven

Die kleinen Gebilde erinnerten uns an Tortellini im Aussehen. Sie waren auch gefüllt. Der Teig war aber frittiert und sehr knusprig. Sie haben uns gut geschmeckt. Die süßen weichen Paprikastücke waren wiederum nichts für meine Frau; ich fand sie auch grenzwertig süß. Die Oliven waren in Ordnung.

Frittierte Alici mit Basilikummayo und Zitrone

Diese kleinen knusprigen Fische haben uns sehr gut geschmeckt. Die Majonäse war recht mächtig und kräftig. Wir haben sie nicht zum Fisch gegessen, weil sie den Geschmack zu sehr überlagerten. Aber mit Brot war sie recht ordentlich als Happen.

Lamm im Brickteig mit Gewürzjoghurt und Limette

Das Lamm war zu einer Art Hackfleisch verarbeitet, gut gewürzt und angebraten worden. Der Teigmantel war wiederum sehr knusprig. Der Joghurt war auch wieder mächtig und kräftig gewürzt. In kleinen Mengen konnte er aber gut mit dem Lamm harmonieren.

Hauptgang

Geschmorte Lammschulter mit Nuss-Couscous Orangen-Fenchel und Berberitze

Das Fleisch war längere Zeit geschmort worden und dadurch weich und aromatisch. Der Couscous war sehr locker und luftig. Das Gemüse war fein untergearbeitet. Die Sauce war gut abgeschmeckt – ich mag sie etwas mehr gebunden.

Filet vom weißen Heilbutt mit Brotkruste, Kalbs-Kapern-Jus, Rote Bete Creme, Spinat und Knoblauchchips

Das Filet war gut gegart und fein gewürzt. Die Kruste war schmackhaft aber keineswegs kross, allenfalls also eine Haube. Die Sauce war angenehm gewürzt und ordentlich gebunden. Die Rote Bete Creme war sehr fein püriert und daher eben breiartig. Das war meiner Frau viel zu weich; aber ich habe davon probiert und fand sie sehr aromatisch im Geschmack – für mich also lecker, weil der Geschmack des Gemüse noch gut erkennbar war und auch nur sanft gewürzt war. Der Spinat war aber nur kurz blanchiert worden und daher sehr aromatisch und noch kein Brei. Die Knoblauchstücke passten gut zu Bete und Spinat.

Desserts

Ekmek" mit krossem Engelshaar mit Pistazien- und Orangen-Creme, Gewürz-Kirschen und Kardamom-Eis

Der Nachtisch war in einem großen Ring geschichtet worden. Das Engelhaar war knusprig und kleinteilig. Es bildet die untere Schicht. Darauf waren dann Kringel von weißer und grüner Creme aufgespritzt. Eine weitere Schicht Engelhaar folgte. Dazwischen waren die Kirschen untergebracht. Krosse Pistazienstücken waren als Dekoration aufgestreut worden.

Ganz oben lag die große Nocke vom Eis. Das sah gut aus und schmeckte meiner Frau sehr. Besonders gelungen war die Mischung bzw. Balance aus Würze und angenehmer Süße.

Callebaut–Schokoladen-Soufflé mit Vanillesauce und Mango-Passionsfrucht-Sorbet

Auch für mich war der Nachtisch ein Hochgenuss. Der Schokoladenkuchen war innen flüssig. Die dunkle Schokolade hatte prächtige Aromen. Die Vanillesauce war für mich eine Pistaziensuppe: Aromatisch und würzig, aber kaum gebunden und Vanille habe ich kaum gespürt, aber auch nicht vermisst. Die Bindung hätte für mich stärken ausfallen können, eben cremig.

Die kleine Kugel Eis wurde separat gereicht und schmeckt ausgezeichnet nach den verwendeten Früchten.

Getränke

* Taunusquelle – 0,75 l

* Skinos Sour

* Skinos Spritz

An diesem griechischen Likör haben wir Gefallen gefunden. Der Sour wurde neben dem Skinos mit Zitronensaft, Zuckersirup, Angostura, Eis und einer Eiweißhaube serviert. Das machte ihn relativ cremig und leicht süß.

Der andere Cocktail bestand aus Skinos – Cremant – Grapefrucht – Eiswürfel.

Hier fanden wir die Süße zurückhaltender und die Säure angenehmer.

*Apollonio – Salice Salentino Rosso ‘Mani del Sud’ – 0,15 l

80 % Negroamaro und 20 % Malvasia Nera

Ausbau während 6 Monaten in amerikanischen Barriques. Weitere Reifung für 6 Monate in der Flasche. Der Wein wird nicht filtriert.

Der Wein war süffig und unkompliziert. Er hat mit 14% einen würzigen runden Geschmack.

* Gaia Estate - Vinsanto Santorini - 2006 – 0,05 l

Rebsorte: Assyrtiko – im Edelstahl vergoren, dann in Holz ausgebaut.

Die Süße ist sehr fein ausbalanciert, volle dichte Noten von Karamell und Kaffeebohnen und der Abgang ist lang.

* Espresso

* Macchiato

Preis-Leistungs-Verhältnis

Sonntags gibt es zum Lunch einen Sonderpreis, wenn man YouDinner-Mitglied ist, das haben wir auch genutzt (10 Prozent auf die Rechnung).

Die Speisen bestehen aus hochwertigen Zutaten und sind überwiegend nach unserem Geschmack. Die Küche geht auf kleine Wünsche gerne ein und so würden wir in Zukunft einige Kleinigkeiten uns anders zubereiten lassen.

Die Getränkepreise halte ich für angemessen.

Fazit

4 – gerne wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 24.11.2019 – mittags – 2 Personen

 

---

 

***

 

November 2019: Landhaus Scherrer*, Hamburg

Traditionshaus mit Stern - mit Licht aber auch Schatten

Allgemein

Unsere Kinder hatten uns eine „Wochenendreise“ nach Hamburg geschenkt. Da bot es sich an, neben „Musik“ auch „Essen und Trinken“ - ebenfalls ein absolutes Kulturgut - einzubauen.

Die Liste der Restaurants, die wir in Hamburg gerne besuchen wollten, war jedoch zu lang für drei Tage. Da musste schon eine gründliche Vorauswahl her.

Allerdings gab es nur wenige Restaurants, die montags und auch noch mittags öffnen. Eigentlich war das Landhaus Scherrer wohl das einzige Sternelokal, das diese Möglichkeit anbot. Da fiel die Entscheidung also recht schnell. Die Reservierung war per Telefonat und Email kein Problem und verlief durchaus freundlich.

Ambiente

Gourmetraum

Service

Wir kamen mit dem Bus an – und freuten uns, dass das Restaurant fast direkt neben der Haltestelle stand. - Gerade arbeiteten einige Handwerker auf dem Dach und an den Fenstern am Haus. Wir betraten das Lokal und standen an der Rezeption. Dort befanden sich der Chefkoch und einige Damen im Gespräch. Eine junge Frau kam auf uns zu und schlug vor wegen des Lärms an der Hausfront das Essen im Bistro einzunehmen, weil dort Ruhe herrschte.

Bistroraum

Das Angebot nahmen wir an. Die restlichen Personen schauten mit steinernen Minen durch den Raum. Eine weitere Servicekraft nahm uns dann die Mäntel ab und überreichte uns eine Garderobenmarke.

Im Bistro saßen einige Gäste, die nur einen Lunch einnahmen. Im Gourmetrestaurant saßen später die Mitglieder einer kleinen gemischten Gruppe mit Kindern.

Hauptsächlich kümmerte sich dann die junge Frau um uns. Sie antwortete stets kurz auf unsere Fragen und gab auch einige Auskünfte zum Menü.

Nach dem Essen kamen wir nochmals am Chefkoch vorbei und es ergab sich doch noch ein Dialog über das Essen und das Haus. Wir lobten die Öffnungszeiten und die Speisekarte; sprachen aber auch über kleine Pannen im Menü. Dabei zeigte sich der Hausherr souverän und interessiert. Spät ist besser als gar nicht.

Die Karte(n)

Es wurden zwei Menüs angeboten. Aber man kann variieren oder auch jedes Gericht einzeln  - auch als halbe Portion - bestellen. Und mittags gibt es auch einen kleinen Lunch nach Ansage.

Die verkosteten Speisen

Wir wählten das große Menü – aber ohne Käse - und das kleinere Menü ohne die Fischsuppe und eine geänderte Nachspeise.

Wehmanns Menü (Sechs-Gang - ohne Käse)

Gruß aus der Landhaus-Küche: Handwerkliche Köstlichkeiten zur Einstimmung ins Menü

Auf einer länglichen Schieferplatte stand eine Schüssel mit einer schmackhaften Suppe, daneben befand sich eine Schale mit einer Creme oder Paste. Dazwischen waren Gemüsestücke gegart oder relativ roh - in Form geschnitten – angeordnet. Ein Stück sah wie ein Puzzleteil aus. Eine Creme auf Rote Bete-Basis (vermutlich) war wie eine Nocke geformt, Ebenso gab es noch einen Brot-Würfel aus lockerem luftigen Teig mit einer Creme und einer geformten stilisierten kleinen Möhre mit Grün bekrönt.

Das war alles nicht schlecht – aber wir hatten gehofft, dass es „interessanter“ ausfallen würde.

Unsere Erwartungen ans Menü sanken daher ein wenig.

‹‹››

1.) Geräucherter Saibling mit Portulak und Senf-Aromen 

Das Stück Saibling war sanft geräuchert. Die Haut lag aufgeklappt auf der rechten Seite. Das Fleisch war zart und weich. Die Haut war labbelig und ich habe sie entfernt. Auf das Saiblingsfilet war ein Spiegelei (wahrscheinlich vom Perlhuhn) angerichtet. Es war mit Pfeffer und Salz gewürzt. Unter dem Saibling war das Gemüse mit der Senfsauce auf den Teller gebracht. Um diese Hauptkomponenten herum lagen kreisförmig verteilt kleine aromatische Tomatenhälften, Kleckse von verschiedenen Dips und etwas Kaviar.

Der Gang hat mir ordentlich geschmeckt – ohne mich zu begeistern.

‹‹››

2.) Flußkrebse á la nage im Krustentier-Sud mit Dill

Der Teller war lauwarm und das Gericht auch. Ich habe mir zuerst nichts dabei gedacht und angefangen zu essen. Dann kam mir die Temperatur von Bissen zu Bissen relativ kühl vor. Die Servicedame war allerdings nicht in der Nähe und so habe ich weiter gegessen. Die Krebse schmeckten schließlich relativ aromatisch und das Fleisch war saftig. Allerdings fand ich keinen Zugang zu der eigentlich gut duftenden Fischsuppe. - Beim Gespräch mit dem Chefkoch beim Verlassen des Hauses räumte er das Servieren als Fehler ein. Der Teller hatte wohl zu lange am Pass gestanden.

‹‹››

3.) Gratinierte Seezungen-Filets mit Rosenkohl-Blätter

Meine Erwartungen war nun nicht mehr sehr hoch. Aber es kam dann doch noch anders: Der Teller mit der Seezunge war phantastisch! Der Fisch war kross überbacken mit einer köstlichen Kruste. Und der Fisch schmeckte ebenfalls sehr aromatisch. Dazu gab es reichlich geschmorte Herbsttrompeten. Auch diese Pilze waren köstlich. Rosenkohl und verschiedene Blätter von Kräutern rundeten den Teller ab.

‹‹››

4.) Krosser Ferkel-Bauch mit Kalbskopf-Graupen und Süßholz-Sauce

Auch das Schweinefleisch war sehr gelungen. Der fette Bauch war schön geschmort und die Haut war knusprig ohne spröde zu sein. Die Graupenbeilage erinnerte an ein Risotto und hatte eine gute Konsistenz. Graupen sind durchaus nicht meine Lieblingszutat, aber hier waren sie durchaus gelungen präsentiert. Die leicht süße Jus passte gut zum Fleisch.

Der Teller brauchte sich keineswegs vor dem „Haerlin-Ferkel“ verstecken. Wenn ich sie parallel verkostet hätte, weiß ich nicht. Wem ich den Vorzug gegeben hätte – vielleicht sogar dem Haus Scherrer.

‹‹››

5.) Holsteiner Rehrücken mit Steckrübe und Brombeeren-Jus

Das Fleisch war gut gegart und auch saftig. Vielleicht hätte ich mir außen etwas mehr Röstaromen gewünscht. Das Püree und die Gemüsestücke waren in Ordnung. Die Sauce war kräftig, aber etwas wenig in der Menge. Da hatte das Haerlin deutlich die Nase vorn. Aber die Brombeerpaste harmonierte gut zum Fleisch.

‹‹››

6.) Birne und Granatapfel mit Knusperschnitte, Sanddorn, Schlehe und Eis

Auf dem abschließenden Dessert-Teller waren allerlei kleine Komponenten vertrteten. Es gab einen quadratischen Quader, der außen wie Karamell aussah, daneben befand sich ein kleiner gefüllter Windbeutel, daran schloss sich die Eisnocke an und abschließend lag ein Dreiecksprisma in roten Tönen zum Probieren bereit. Als Dekoration und Geschmacksgeber waren zwischen den vier Speisen einige Kleckse und Tupfer aus den beteiligten Früchten angeordnet.

Die verschiedenen Konsistenzen der Produkte machten den Teller interessant und schmackhaft. Ich habe mich über die klassischen Zutaten gefreut und kein Gemüse vermisst.

‹‹››

Landhaus Scherrers Klassiker Menü (Vier-Gang ohne die Fischsuppe und geändertes Dessert)

Brot und Grüße entsprachen dem großen Menü.

In einem schmucklosen Metallkorb lagen drei Sorten Brot – jeweils zwei Schnitten. Dazu zwei Kringel Butter. Da hatten wir mehr erwartet: Selbst gebacken oder mehr Abwechslung. Und die Butter war halt Butter – noch etwas hart aus dem Kühlschrank.
‹‹››


1.) Bio-Salate mit lauwarmem Hummer - Hummer-Medaillons mit gebratenen Waldzwergen, Mango und Estragon-Vinaigrette

Der Hummer war gegart, die Stücke mit einer schaumigen und luftigen Sphäre eingehüllt. Die Salatblätter waren kugelartig daneben angerichtet. Tomatenstücke und Mangoscheiben waren dazwischen eingebunden. Die Sauce war geschmeidig und kraftvoll.

Der Teller war schmackhaft, aber auch nicht besonders außergewöhnlich im Mund.


‹‹››


2.) Steinbutt-Rücken im Stück gekocht am Tisch vorgelegt mit grünem Apfel- und geriebenem Meerrettich, Gemüse Jullien

Der Fisch wurde in einer Schale mit Deckel auf einem Sieb lagernd an den Tisch gebracht. Die Servicekraft befreite das Filetstück von Haut und Gräten und platzierte die Stücke auf dem Teller. Dort waren auch der Rettich-Hobelstücke aufgetürmt. Die Apfelpaste war in einer separaten kleine Schale untergebracht. Winzige Gemüsestücke lagen neben dem Fisch – erkannt haben wir Möhre. - Der Fisch war saftig, aber wir mögen auch gerne gebratene Versionen, weil sie etwas kross sind und damit mehr Aromen in unseren Augen zu Tage bringen. Der Schwerpunkt des Tellers lag deutlich beim Fisch – das Stück war wirklich ansprechend groß und kaum bei den weiteren Komponenten. Da hatten wir etwas mehr erwartet.
 

‹‹››


3.) Krosse Vierländer Ente mit Rotkohl, Kronsbeeren und Bio-Bergpfeffer-Soße

Das Stück Fleisch war gut gebraten und noch saftig – aber vielleicht auch eine Spur zu lange gegart. Die Haut war sehr kross und aromatisch. Und zersprang wie Karamellhaube auf einer Crème brûlée und erschien etwas sandig. Aber das gesamte Entenstück war durchaus schmackhaft.

Der Rotkohl war zu einer cremigen Variante verarbeitet. Er war kräftig abgeschmeckt und hatte typische Aromen. So wird das Gemüse fast immer dargeboten. Meine Frau mag es lieber nur blanchiert und etwas knackig; aber das soll kein Vorwurf an die Küche sein – das Gemüse war klassisch gut. Die Beeren und die Sauce waren in der Menge kleingehalten. Neben der Ente bzw. dem Rotkohl war auch noch eine Nocke Püree.


‹‹››


4.) Granatapfel-Eis und Tonkabohnen-Eis

Meine Frau mochte die Haupt-Zutaten des Desserts nicht (Knödel mit Quark und Pflaumen-Röster) und wählte daher zwei Eis aus.

Der Geschmack war ordentlich, die Kugel recht groß. Daher war der Nachtisch in Ordnung.

‹‹››

Ein Kaffee bildete dann den Abschluss. Dazu gab es einige Petit fours – ohne großen Erinnerungswert.

‹‹››

Getränke

Mineralwasser Fürst Bismarck feinperlig 0,75 l

Offene Weine je Glas 10,00

* Grauburgunder knokendröög - Weingut Poss, Nahe

* Cantina Zaccagnini - Montepulciano d'Abruzzo Tralcetto

Espresso

Macciato

Fazit

Heute muss ich zwischen den objektiven und den subjektiven Eindrücken unterscheiden. Das Essen war teilweise sogar sehr gut; allerdings auch mit einigen Dingen, die wir nicht so mögen oder auch nicht optimal an den Tisch kamen.

Die Weine fand ich geschmacklich einfach, aber gut zu den Gerichten passend. Es wurde auch großzügig eingeschenkt. - Ambiente und Service konnten uns nicht so begeistern.

Daher ist das persönliche Fazit: 3 – wenn es sich ergibt: Das Essen war keineswegs schlecht – einige Gänge sogar prächtig. Der Service war uns etwas kühl, sehr sachlich und zu kurz angebunden; aber keineswegs unfreundlich. Wir haben uns eben persönlich nicht besonders wohl gefühlt. Daher: Wenn wir nochmals in Hamburg sind, werden wir eher andere interessante Lokale aufsuchen.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 11.11.2019 – mittags – 2 Personen

Kellerraum

 

---

 

Nachtrag

Die Rückreise mit der Deutschen Bahn war vielleicht noch etwas schlimmer als die Hinfahrt.

Wir wussten ja schon, dass die Fahrt eine Stunde länger dauern würde, wegen der Umleitungen auf der Strecke.

Aber am Nachmittag erfuhren wir, dass der Zug eine Stunde früher abfährt, damit die Fahrgäste zum alten Zeitpunkt am Abend an ihren Zielen ankommen können; sogar die Reservierungen blieben bestehen. - Eigentlich also eine gute Nachricht. Daher eilten wir ins Hotel, um unsere Sachen zu holen.

Auf dem Bahnhof herrschte reges Treiben aber wir hatten uns die Wege gut eingeprägt und konnten sogar einige Rolltreppen und Aufzüge mit Gepäck nutzen. Es schien alles gut. Der Zug hatte auch nur eine kurze Verspätung, die Wagenanzeige klappte und wir fanden unsere Plätze. Auch die Heizung funktionierte.

Dann kam aber die erste Durchsage, dass wir auf einen anderen Zug warten müssten. Nun gut – dadurch versäumten wir aber später auf der Fahrt die neue Mannschaft im IC. Und wir warteten dann weitere 30 Minuten auf einem Bahnsteig. Dadurch war es wohl auch nicht mehr möglich Köln Hauptbahnhof und Bonn anzufahren, sondern dafür ab Düsseldorf Deutz und Beuel. Natürlich war es dadurch so spät, dass auch die S-Bahn gerade vor uns abfuhr und wir 30 Minuten auf die nächste Verbindung warten konnten. Immerhin sahen wir noch einige Menschen in Kostümen, die vom Elften im Elften angeheitert die Bahnsteige in Deutz eroberten – übrigens alle recht freidlich, aber auch müde.

Am Ende hatte die Fahrt dann doch über zwei Stunden länger gedauert. Dafür fanden wir aber sofort ein freies Taxi in Bergisch Gladbach und fuhren erschöpft nach Hause.

 

---

 

 

 

November 2019: Haerlin**, Hamburg

Dinner bei Christoph Rüffer: Gediegene Atmosphäre und gutes Essen

Vorweg

Unsere Kinder hatten uns eine „Kulturreise“ (Konzert) nach Hamburg geschenkt. - Wir reisten mit der Bahn an. Es war wieder ein Erlebnis, leider der negativen Art.

Der Start war gar nicht so übel: Die S-Bahn kam pünktlich; der Zug in Köln ebenfalls. Doch dann stockten die positiven Eindrücke. Wir hatten schon die Nachricht erhalten, dass wegen Bauarbeiten die Fahrt eine Stunde länger dauern würde. Doch das dachten wir in der 1. Klasse leicht zu überbrücken. Doch es kam anders. Das Abteil war unbeheizt – es wurde uns schnell kühl. Aber es kam mehrere Haltepunkte lang kein Personal - niemand konnte angesprochen werden. Im Bistro gab es auch nicht viel zu bekommen, weil der Strom teilweise ausgefallen war: Kein Kaffee, kein warmes Essen.

Doch dann zeigte uns der Schaffner, als er endlich auf dem Gang zu sehen war, ein leeres Abteil in einem anderen Wagen. Die Anzeigen für Reservierungen waren auch ausgefallen und daher konnte bei jedem Halt ein Fahrgast einsteigen, der gerade hier seinen Platz hatte. Dort kamen weitere „Frostopfer“ ebenfalls unter. Es entwickelten sich unterhaltsame Gespräche über die Bahn und auch über Hamburg. Alles schien nun gut zu laufen.

Bis Hamburg-Harburg. Dort blieb der Zug lange stehen. Die Durchsage kam, dass ein Stellwerkproblem alle Züge zum Hauptbahnhof auf unbestimmte Zeitam Weiterfahren hindere. Die Empfehlung lautete, auf Busse und Nahverkehr auszuweichen. Das Chaos war danach recht groß. Wir irrten viele Treppen auf und abwärts und fanden am Ende eine U-Bahn. So kamen wir dann mit fast 1,5 Stunden Verspätung im Hotel an.

Unsere Pläne für den Tag waren dadurch etwas verändert. Aber den Abend konnten wir planmäßig nutzen.

Allgemein
 

Wenn man dann schon in Hamburg ein Wochenende verbringt, bietet es sich an an neben der Musik auch „Essen und Trinken“ einzubauen.

Die Liste der Restaurants, die wir dort gerne besuchen möchten, war jedoch zu lang für drei Tage. Da musste schon eine gründliche Vorauswahl her.

Da wir an einem Wochenende in der Stadt waren, verringerte sich schon die Liste; weil eben am Sonntag und Montag doch viele Lokale Ruhetage einlegen und mittags schon gar nicht öffnen.

Aber für den Samstag blieben viele Möglichkeiten, da mussten wir schon überlegen. Natürlich müsste an erster Stelle „The Table“ stehen. Aber wir waren uns gar nicht sicher, ob wir das Konzept an diesem Abend wirklich wollten. Eigentlich wollten wir uns entspannen und Zeit für uns haben. Also einen eigenen Tisch und viel freier Platz um uns herum bis zu den nächsten Gästen.

Da fielen auch weitere „moderne“ Ansätze raus.

Ob es unbedingt ein Fernseh-Koch sein sollte, war auch noch die Frage.

Doch dann fiel die Wahl doch auf „Haerlin“ und „Christoph Rüffer“: Warum denn nicht das „zweitbeste“ Restaurant in Hamburg nach der Einschätzung vieler Kritiker besuchen. Und die Einrichtung wirkte auf den Bilder der Homepage so herrlich plüschig. Die Reservierung war per Telefonat und Emails kein Problem und verlief sehr freundlich.

Beim Gedanken an Qualität fiel mir auch eine alte Fernsehwerbung ein, in der ein Mann mit seiner Frau essen geht. Er bestellt unter den verdutzten Augen seiner Frau und des Kellners für sich das zweitbeste Steak und für seine Frau den zweitbesten Fisch. Der Spot suggeriert, man solle sich nicht mit dem Zweitbesten zufrieden geben. Ist das aber wirklich ein guter Rat? Da spielen wohl auch neben dem Preis noch andere Größen eine wichtige Rolle.

Ambiente

Das Hotel an der Binnenalster ist bei Tag und Nacht imposant. Das Restaurant betritt man durch den Haupteingang und wendet sich dann links – vorbei an der Bar – zum Restaurant. Der gläserne riesige Weinschrank fällt sofort ins Auge. In der Mitte des Raumes hängt ein üppiger Leuchter von der Decke und darunter ebenfalls reichlicher Blumenschmuck.

Die Wände sind aber ruhig in einer in einem Beige-Ton gehalten und nur einige Fotobilder hängen aus. Die Tische sind rundum das Blumenzentrum an den Wänden entlang oder um die Mitte angeordnet. Vor dem Weinschrank sind noch einige Hochtische mit Hocker untergebracht.

Die Tische sind mit Tischdecken in Beige ausgerüstet. Die Sitze sind bequem und der Abstand zu den anderen Plätzen ist angenehm.

Gläser und Besteck sind von hoher Qualität. Für das Beef zum Beispiel klassische Steakmesser von Laguiole und zum Reh Messer mit schwarzer Karbonklinge.

Service

Das Personal war sehr freundlich und empathisch. Sogar kleine Späße wurden humorvoll aufgenommen und Gespräche zu Speis und Trank waren möglich.

Sehr angenehm ist es, dass alle Gerichte von einem „Zettel begleitet“ werden: Kurz bevor ein neuer Gang serviert wird, steckt die Kraft ein kleines Kärtchen in einen entsprechenden Halter auf dem Tisch. Darauf sind die Zutaten fast komplett aufgeführt. Am Ende des Abends kommen alle Blätter in einen passenden Briefumschlag. So kann der Gast immer nachlesen, was auf dem Teller ist und der Service braucht nur noch Fragen dazu beantworten – und man hat sogar eine Erinnerung, die man zu Hause nachlesen kann.

Am Ende drehte auch der Chefkoch eine Runde durch das Restaurant und unterhielt sich auch mit uns. Er schien dabei echtes Interesse an unserer Rückmeldung zum Essen zu haben.

Die Karte(n)

Zwei Menüs wurden angeboten und auch auf kleine Wünsche Rücksicht genommen.

Die verkosteten Speisen

In der Abendkarte waren zwei Menüs verzeichnet. Das eine bestand aus sehcs Gängen das andere aus vier. Die Grüße aus der Küche und das Vordessert waren dabei gleich ausgewiesen.

Wir wählten jedes Menü einmal.

d i e g r o ß e G A U M E N P A R TY

Kleine kulinarische Einstimmung mit drei Gerichten:

Selleriejoghurt mit geriebener Nussbutter & flüssiger Yuzuperle

Meerrettichbaiser mit Kalbssülze & violetter Senfcrème

Ziegenkäseschaum mit Karotte in Hühnerfett gegart, Sanshopfeffer-Pulver & Vogelmiere

Die Happen waren harmonisch gestaltet, ansprechend im Aussehen und machten Freude auf das folgende Menü. Besonders interessant war der Gemüsejoghurt mit der Zitronenperle. Auch der Ziegenkäse war sehr gelungen verarbeitet; er verleugnete nicht seine Herkunft und war trotzdem nicht aufdringlich im Geschmack . Und auch der dritte Gruß überzeugte uns: Schöne Baisermasse und delikate Sülze aus Kalbsbries und -kopf.

zweite Runde:

Regenbogenforelle in brauner Butter confiert mit gegrilltem Tomatensud

Tomatenmarmelade & Chilifäden

Buttermilch Kardamomeis mit Tomatenflocken

Gegrillter Tomatensud mit Zwiebelöl

Leichtes Tamarindengel

Der weitere Gruß war schon ein Hinweis auf die Komplexität der weiteren Gänge; denn er bestand schon aus einer langen Liste von Zutaten. Neben der Forelle war das Thema Tomate variiert worden und mit sanften und scharfen Elemneten versehen worden.

---

Zweierlei Brot mit Heubutter & Sauerkrautcrème

Es handelte sich um kleine warme Sauerteigkugeln und um glutenfreie Körnerbrothappen. Dazu gab es zwei unterschiedliche Brotaufstriche. Das Roggenbrot schmeckte mir sehr gut – pur und mit der Heubutter. Das andere Brot war mir zu krümmelig und schmeckte mir auch nicht besonders; auch die Sauerkrautcreme belegte bei mir nur den zweiten Platz.

---

1: Thunfischbauch mit Spitzkohlsud, Meerrettich & Mandarin Kaviar

1.1.: Kurz geröstete Thunfischtranche mit rosa Ingwer

1.2.: Spitzkohlsud mit Algen & Bonito aromatisiert

1.3.: Avocado-Jalapenocremé & Gurkensorbet

1.4.: Tatar vom Thunfisch mit Mandarin Imperial Kaviar

1.5.: Weiße Meerrettichcremé & Yuzugel

Der Thunfisch war klar der Hauptdarsteller. Er mariniert und zeigte voll seine Eigenaromen. Dazu waren viele asiatische Komponenten angerichtet worden. Es waren dadurch viele Geschmacks-Kombinationen möglich. Aber auch eine Brücke zu Europa war durch Spitzkohl und Gurke zu finden. Der Kaviar war ebenfalls mild und würzig. Für mich war es aber überwiegend eine japanisch-asiatische Anmutung.

---

2. Barsch

2.1.: Geangelter Wolfsbarsch aus La Turballe auf der Haut gebraten mit Salzblume aus Es Trenc

2.2.: Apfel-Linsengemüse mit Verweine & geräucherte Fisch-Beurre blanc

2.3.: Geflämmte Stabmuscheln mit Seegrasvinaigrette

2.4.: Passe Pierre-Créme & geröstete Kartoffelperlen

2.5.: Forellenkaviar, Fenchelgrün & Meerspinat

Dieser Gang bestand aus zwei getrennten Gerichten. Da war natürlich optisch der Hauptdarsteller Fischfilet mit Zutaten und die Teile auf der halben Stabmuschelschale.

Der Fisch war wunderbar weich und aromatisch im Inneren. Er war auf der Haut gebraten worden. Diese war aber nicht besonders kross, sondern eher weich. Ich hätte die Haut lieber etwas knuspriger gehabt; aber Service und Küchenchef berichteten mir, dass die Haut nicht zu trocken werden sollte. Egal – ich habe sie abgenommen und beiseite gelegt. Das Fleisch war ja wunderbar zart und saftig. Das Linsengemüse war schön im Biss und die aufgeschäumte Sauce passte herrlich dazu.

Auf der Muschelschale waren köstliche kleine Teile angeordnet: Muschelfleisch, Kaviar, Kartoffelperlen und verschiedenes Grünzeug. Verschiedene Saucen und Cremes verbanden die Zutaten harmonisch.

---

3. Kabeljau

3.1.: Mit Limettenblättern pochierter Kabeljau aus Island-Kabel

3.2.: Avocadofächer mit marinierten Büsumer Krabben

3.3.: Blumenkohlpüree & geröstete Blumenkohlröschen

3.4.: Pikante Avocadocrème & knuspriger Krabbenpanzer

3.5.: Petersilien-Beurre blanc & Garnelen-Limettencrème

Der Kabeljau war sanft gegart bei niedriger Temperatur. Das Ergebnis herrlicher Fisch. Die Krabben waren der Abschluss eines Türmchens aus Filet und Avocado. Auf dem Tellergrund war eine köstliche Sauce kreisförmig verteilt worden. Gegenüber vom Fisch waren die Blumenkohlanteile platziert worden. Der Teller sah nicht nur gut aus, sondern schmeckte auch so.

---

4. Ferkel

4.1.: Knuspriges Juvenil Ferkel mit Magic Dust Rub (kräftige Gewürzmisvhung aus schwarzem Pfeffer, Senfpulver, gemahlenem Kümmel, Paprka edelsüß, Cayennepfeffer & Knoblauchpulver)

4.2.: Marinierter Rotkohlsalat & karamellisierte Rotkohlcrème

4.3.: Boudin Noir Praline mit Majoran

4.4.: Sautierte Polenta mit knuspriger Schweinehaut & Piment d'Espelette

4.5.: Ferkelsud mit Ponzu & Korianderöl

Das Schwein hat längs seinen Siegeszug in die Sterneküche fortgesetzt. Grundsätzlich bin ich kein Freund von „fetten“ Teilen auf dem Teller. Schließlich ist das Produkt oft etwas wabbelig, wenn es fertig verarbeitet worden ist. Aber hier war der Bauch gut gewürzt und mit einer Creme lecker abgerundet. Die Haut war kross aber nicht knackig und passte so gut zum Teller. Auch Rotkohl mag ich nicht besonders. Doch hier war er für mich „erträglich“ verarbeitet. Mein Lieblingskohl wird er trotzdem nicht. Aber die Blutwurstpraline war sehr gelungen – und eigentlich mag ich Blutwurst auch nicht, aber wenn sie in kleinen Dosen verarbeitet wird, scheint das für mich die Lösung zu sein. Die Sauce war wiederum ein Gedicht.

---

5. Rehbockrücken in Honig-Chillijus mit grünen Pistazien & Preiselbeere

5.1.: Rebockrücken in Wacholderbutter gebraten mit Wildsalami

5.2.: Eingelegte Preiselbeeren mit Mädelsüß

5.3.: Kartoffelgnocchi mit Rehragout & geriebenem Parmesan

5.4.: Geräucherte Pistaziencrème & Pistaziensplitter

5.5.: Warm aufgeschlagene Sabayon von grünem Wacholder

5.6.: Wildjus mit Akazienhonig, Chilli und Sherryessig aromatisiert

Die köstliche Sauce und das perfekte Fleisch waren natürlich die Hauptdarsteller. Die diversen Beilagen verkostete ich jeweils zwischendurch. Der Gnocco war gefüllt und mit Parmesan verziert; das erinnerte mich mehr an einen Raviolo, aber es schmeckte und das ist die Hauptsache. Auch hier ergaben sich viele Kombinationsmöglichkeiten bei der Vielzahl der Komponenten.

---

Geschmorte Victoria-Ananas mit Sauerampfer & Kokos

1: Victoria-Ananas aus La Reunion in Gewürz-Karamellsud mit Rum geschmort

2: Geeister & marinierter Wiesensauerampfer von Bauer Seibold

3: Schaum von Kokosnuss & weißer Schokolade von Original Beans

4: Kokoswasser mit Sauerampferöl

5: Getrocknete Kokosnusschips & geröstete Mandelsplitter

6: Ananaschutney mit Kokosnussmark & Rum

Seine Ausstrahlung bekam diese Kreation für mich aus der Kombination der Aromen von Kokosnuss und Ananas auf der einen Seite und den Noten vom leicht säuerlichen Geschmack des Sauerampfers. Die Kokos-Aromen sind deutlich zu spüren. Die Süße einer Ananas aber bleibt dezent erhalten bzw. eingebunden. Schokolade und Rum drängen ebenfalls nicht in den Vordergrund. Für uns war es das beste Dessert vom ganzen Abend.

---

6. gerösteter Hafer mit Vanille, Zwetschgen, Whiskey & Fichtensprossencrème

6.1.: Geröstetes Hafermousse mit Schokoladen-Whiskeyganache

6.2.: Marinierte Zwetschge & Whiskeyessiggelee

6.3.: Crème von jungen Fichtentrieben & Körner Knäckebrot

6.4.: Vanille Noir Eis & Quitten-Verbeneragout

6.5.: Zwetschensud mit Sigle Malt Whiskey

Das Gericht sah für mich sehr schön aus. Es erinnerte mich spontan an eine Waldlandschaft oder ein Maar in der Eifel: den grünen Ring empfand ich als Wiese um einen See, der dunkel und geheimnisvoll am Abend erscheint. Halbseitig darum herum waren Felsen, Bäume und Büsche angeordnet.

Doch der Geschmack der „echten“ Produkte konnte mich nicht so fangen wie die Optik. Ich liebe klassische süße Desserts. Gemüse und Getreide bereiten mir gedankliche und aromatische Probleme. Wahrscheinlich hätte ich lieber den Whiskey im Glas, das Vanille-Eis pur und die Pflaumen als Kompott. Dafür könnten dann Hafer und Nadelbäume wegbleiben. - Aber es war eine weitere Erfahrung – und ich gebe auch immer wieder den nordischen Nachtischen eine Chance; vielleicht gefällt mir irgendwann eine solche Kombination.

---

Petit Fours „Sweets for My Sweet“

Auf zwei riesigen Tellern bzw. Blumengebinden waren Pralinen und Gebäck in Zwischenräumen „versteckt“. Eine optisch interessante Variante. Mir fiel der Spruch von Wilhelm Busch ein: „Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt“. - Aber hier sah es gut aus und schmeckte auch noch.

***

d i e k l e i n e A R O M E N B E H A N D L U N G

Die Grüße aus der Küche, das Pre-Dessert und die Petit fours waren identisch in beiden Menüs. Es gab sogar zwei kleine Speisen zusätzlich, damit der Gast mit dem „kleineren Menü“ nicht auf einen leeren Platz ohne Essen blickt, sondern auch einen Teller vor sich hat - einen kleinen Gruß aus der Küche also bekommt.

---

1: Gillardeau Auster mit Aubergine, grüner Mango & Passionsfrucht

1: Gillardeau Auster mit Aubergine, grüner Mango & Passionsfrucht

1.1.: Pochierte Gillardeau Auster mit Austern-Beurre Blanc

1.2.: Salat von grüner Mango, Papaya & Seegras

1.3.: Austern-Seegrascrème mit knusprigen Speckfasern

1.4.: Geschmorte Aubergine mit Passionsfrucht & Gurke

1.5.: In Misovinaigrette marinierte Auster

1.6.: Auberginenkompott mit flüssiger Gurken-Passionsfruchtperle

Meine Frau war mit dem Teller sehr zufrieden. Ich habe auch etwas davon probiert. Die Bestandteile waren riesig und alles wirklich schmackhaft. Aber unerreicht sind für mich die Austern von Helmut Thieltges im Sonnora. Doch die Zubereitung war dort ganz anders: klassisch mit einer unvergleichlichen Marinade. Hier gab es eben viel Gemüse und Frucht dazu, auf keinen Fall schlecht, eine andere Art der Verarbeitung. Auf jeden Fall war die Perle zur Auster außen mit weißer Schokolade geformt und innen mit flüssigem Kern etwas sehr Überraschendes und auch mit besonders intensiven Aromen.

Gruß aus der Küche - Süppchen

Sah gut aus und war auch fein abgeschmeckt. Eine prächtige Idee als ergänzender Gang.

2: Steinbutt mit Bergamotte, Sellerie & würzige Chorizovinaigrette

2: Steinbutt mit Bergamotte, Sellerie & würzige Chorizovinaigrette

2.1.: Geflämmter Steinbutt mit Zitrusabrieb

2.2.: Knollensellerie mit grünem Apfel & Bergamottengel

2.3.: Chorizovinaigrette & Selleriekresse

2.4.: Zitronenhollandaise mit Kräutern verfeinert

2.5.: Nussbutterschaum von gerösteter Sellerie

Der Fisch war prächtig im Geschmack und ausgezeichnet in der Konsistenz. Die Saucen waren wiederum ein Gedicht. Meine Frau ist keine große Verehrerin von Dipps und Jus, aber sie war trotzdem auch angetan. Und ich – als Saucen-Liebhaber – habe sie auch probiert und sie köstlich empfunden. Sie wurden auch richtig angeordnet; denn ich hasse es, wenn Saucen direkt auf´bzw. Sogar über das Fleisch kommen – auch in einem Töpfchen extra serviert sind sie gut untergebracht. Wenn n noch etwas Brot vorhanden ist, macht das Spaß – oder auch pur dem Gourmetlöffel verzehrt.

Gruß aus der Küche - Sorbet

Auch diese kleine Aufmerksamkeit war fein zubereitet und sehr erfrischend.

3: Wagyu-Rind mit BBQ-Kartoffel & Miso-Tamarindenhollandaise

3: Wagyu-Rind mit BBQ-Kartoffel & Miso-Tamarindenhollandaise

3.1.: Rosa gebratener Wagyurücken in fermentiertem Pfefferjus

3.2.: Geröstete Zwiebeln & glaciertes Short-Rip mit Meerrettich

3.3.: BBQ-Kartoffel über Biuchenholz geräuichert

3.4.: Rote Spitzpaprika mit eingelegten Perlzwiebeln

3.5.: Liebstöckelcrème & Miso-Tamarindenhollandaise

Ja, wie halten wir es für uns mit dem Beef? Das Stück Wagyu war perfekt im Aussehen und im Geschmack. Aber? - Die Konsistenz ist durch das feine Fett recht weich und saftig. Der Geschmack ist auf seine Art einzig. Doch am Ende scheinen wir noch nicht reif für dieses Fleisch. Vor ein paar Wochen habe ich US-Roastbeef zu Hause zubereitet: Kurz angebraten dann bei niedriger Temperatur im Ofen ruhen lassen. Und es sah sehr ähnlich wie das Wagyu aus; es war nur noch saftiger und weicher in der Struktur. Und das mag meine Frau doch lieber etwas fester und rustikaler im Geschmack. Also ein deutsches oder europäisches Rind kommt bei ihr eher an und argentinisches oder südamerikanisches Fleisch manchmal noch besser. Wir haben daher das Fleisch teilweise getauscht und das Reh war für sie genau richtig – solches Fleisch kommt gut.

Ich bin noch im Prozess des Abwägens: Das Fleisch hat mir gut geschmeckt – zweifelsohne – aber Onglet zum Beispiel ist auch besonders weich und konnte mich vor langer Zeit im La Poêle d'Or in Köln nicht begeistern. Aber meinem Freund schmeckte es ausgezeichnet. Es ist wohl eine Glaubens- oder Geschmacksfrage.

Die wiederum zahlreichen Beilagen waren ebenfalls gut gemacht und schmackhaft obendrein.

4: Heidelbeere mit Schokolade, Quark & Macadamianuss

4: Heidelbeere mit Schokolade, Quark & Macadamianuss

4.1.: Heidelbeer-Schokoladenganache mit marinierten Heidelbeeren

4.2.: Quarkschaum mit Heidelbeergraniteé

4.3.: Macadamianusscréme & Heidelbeerchip

4.4.: Flüssige Heidelbeerpraline & Macadamiamilch

4.5.: Quark-Milcheis & grüne Kerbelcrème

Dieses Dessert fiel deutlich klassischer aus als die anderen Nachspeisen. Es war unauffälliger als das Vor-Dessert, aber jedoch insgesamt näher an unserem Geschmack als die „nordische Kombination“ im großen Menü.

Macadamia mögen wir beide über alle Maßen. Und Quarkspeisen und Waldfrüchte sind uns auch willkommen – aber die Heidelbeere ist dabei nicht unser absoluter Liebling.

---

Es waren schöne und abwechslungsreiche Stunden im Restaurant. Genau wie wir es lieben – ein perfektes Dinner darf ruhig fünf Stunden dauern. Die Pause zwischen den Gängen sollen aber auch nicht zu lang ausfallen; wenn man denkt, jetzt könnte es weitergehen, sollte auch bald der Gang kommen. Hier war das genau passend.

Getränke

Aperitif Apfelsecco im Champagnerglas

Cocktail Americano

San Pelligrino – 0,75 l

Jörg Geiger PriSecco Nr. 15 alkoholfrei - 0,375 l

kleine Weinbegleitung

* Clos Bellane - Valréas Blanc 2017 - Côtes Du Rhône Villages

* Stahl Winzerhof - 2016 Edelstahl Silvaner – best of

* Bodega Chacra - Cincuenta Y Cinco - 2014 Pinot noir - Patagonia Argentina - Piero Incisa della Rocchetta

 * Filipa Pato - Espirito de Baga - Uma Saga – Likörwein aus Bairrada Portugal

Meine Frau hat die alkoholfreien Produkte aus dem Hause Jörg Geiger verkostet und auch Gefallen an den beiden Geschmacksrichtungen gefunden.

Ich selber wollte nicht sechs Weine der großen Weinbegleitung verkosten und habe daher nur vier Gläser zum Essen gewählt. Die beiden Weißen passten jeweils gut zu den Fisch-Gängen. Der Rote aus Argentinien hatte kräftige angenehme Noten und schmeckte schon anders als deutsche oder französische Burgunder, aber auch nicht so aufdringlich wie manche Übersee-Pinots. Der Likörwein erinnerte schon an Portwein; das Besondere an ihm ist die Verwendung von Brandy, um die Gärung zu stoppen.

Espresso

Macchiato

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Getränkepreise erscheinen mir insgesamt vom Wasser bis zu Wein recht hoch kalkuliert. Den Americano von der Bar möchte dabei ausschließen; er kostet bei Seiberts in Köln ähnlich, obwohl dort das Eis eine Stufe besser ist, weil die Kugeln nicht so schnell schmelzen. Aber die Menge und der Geschmack waren ausgezeichnet.

Die Getränkepreise halte ich für einen Minuspunkt, aber die Speisen waren aus hochwertigen Zutaten und perfekt verarbeitet und somit das Geld absolut wert.

Fazit

4 – gerne wieder. Die Speisen sind ausgezeichnet und der Service agiert freundlich und ruhig.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 09.11.2019 – abends – 2 Personen

Foto: YouDinner

 

 

 

 

 

---

 

 

 

Juli 2019: astrein - essen und trinken, Köln
 

Ein wirklich gelungener Start - oder: astrein !

Eric Werner wurde 1985 in Halle an der Saale geboren. Er ergriff nach der Schule den Beruf des Koch. Nach seiner Ausbildung wechselte er zum Restaurant „Sao Gabriel“ in Portugal.

Von 2008 bis 2009 kochte er bei Berthold Bühler in der „Résidence“ in Essen.

Danach war er von 2009 bis 2010 Sous Chef bei Heiko Antoniewicz.

Anschließend war er bis Ende 2011 als Sous Chef des Clara von Krüger im „Spatzenhof“ bei Philipp Wolter in Wermelskirchen tätig.

2012 wurde er Küchenchef im „Résidence“ in Essen, bis Ende 2014 teilte er die Aufgabe gemeinsam mit Erik Arnecke. Ab Anfang 2015 war er alleiniger Küchenchef.

2017 wurde er nach Schließung (Bühler ging in den Ruhestand) neuer Küchenchef im Restaurant „Himmel un Äd“ im Hotel Im Wasserturm in Köln. Im Mai 2018 wurde jedoch das Himmel un Äd (überraschend) geschlossen.

Ab August 2019 wird er nun Chef und Koch in seinem eigenen Lokal „astrein“.

Ich fand es großartig, dass YouDinner zu einer „Vor-Eröffnung“ eingeladen hat.
 

Ambiente



Die Krefelder Straße am Bahnhof Hansaring ist sicher nicht die schönste Gegend in Köln. Aber hier liegt das „Le Moissonnier“ ** und damit das Restaurant mit den höchsten Werten in Ranglisten.

Und nun findet sich hier auch Eric Werner, der auch schon Sternekoch war.

Das neue Lokal sieht von außen recht unscheinbar aus. Graffiti auf den Rollläden. Aber drinnen ist das anders. Mehrere Monate dauerte die Renovierung. Und es ist ein Bistro mit mehreren Raumteilen entstanden: Drei Bereiche für Gäste und auch für Küche und Theke ist ordentlich Platz vorhanden.

Im Hauptraum zur Straße sind die beiden Wände gestaltet worden. Vom Eingang aus links ist ein Urwald-Motiv mit vielerlei Affen angebracht. Es soll den Großstadt-Dschungel verbildlichen. Ab der anderen Seite ist ein großer Spiegel aufgehängt.

Dazwischen war unsere Tafel heute aufgebaut. Die Tische standen alle zusammen und so konnten 24 Personen Platz finden. Die drehbaren Sessel waren bequem zum Sitzen. Es war „gemütlich eng“ zum Nachbarn.

Kupferfarbene Leuchten an der Decke gaben gedämpftes Licht. - Tische, Sessel und Fußboden sind dunkel gehalten.

Für unsere Runde war das alles in Ordnung. Für ein Essen zu Zweit hätte ich jedoch gerne etwas mehr Bewegungsfreiheit.

Aber wie Tische am Ende angeordnet werden, ist noch offen. Eric Werner probiert das noch mit seinem Restaurant-Leiter aus.
 

Service
 
Der mögliche Restaurant-Leiter ist schon vor Ort; aber das weitere Personal ist noch nicht im Einsatz. Heute machten Catharina von YouDinner und Thomas Minderop den Service. Und der klappte sehr gut und war locker bzw. angenehm: wie eingespielt.

Auch in der Küche stand noch nicht die endgültige Crew am Herd. Extra für uns hatte Eric Werner einige Koch-Kollegen als Verstärkung geholt. Er berichtete, dass alle schon mit ihm gearbeitet haben – in Essen oder in Köln. So erkannte ich zum Beispiel Sven Wesholek, der bei „Top Chef Germany“ von SAT 1 mitgemacht hatte und früher Souschef bei Eric gewesen war.

Foto: YouDinner
 
Die Karte(n)

Die erste Karte ist im Internet schon veröffentlicht. Es wird zwei Menüs (Fisch und Fleisch sowie vegetarisch) geben – und zusätzlich einen Mittagstisch.

Die Küchenausrichtung wird auf der Homepage so beschrieben: „Auf unserer Karte stehen klassische Gerichte mit internationalen Akzenten. Wir kochen kreativ und mit viel handwerklicher Präzision. Wir legen Wert auf eine frische, leichte Küche, mittags wie abends. Unser Anspruch ist es, dass Sie sich wohlfühlen, genießen und auf jeden Fall wiederkommen.“

Der Name „astrein“ soll dies sicher unterstreichen. Es handelt sich um ein umgangssprachliches Adjektiv mit drei Aussagerichtungen: frei von Ästen (wörtlich gesehen); aber auch moralisch einwandfrei (die Sache hat keinen Haken); gut oder sogar sehr gut (die Sache ist gelungen).
 
Die verkosteten Speisen

Für den heutigen Abend gab es einen Querschnitt durch die zukünftige Karte, mit kleinen Varianten.

0: Dreierlei Brot mit Butter und Gemüseaufstrich – Pilz-Praline, Möhrentörtchen, Rote-Bete-Kartoffel-Puffer

Das Brot war in Ordnung. Die beiden Aufstriche waren schmackhaft. Die Pilz-Praline hat mir besonders zugesagt. Sie war außen knusprig und innen weich und hatte starke Pilzaromen. Die kleine Möhren-Kreation war harmonisch gewürzt und hatte noch leichten Biss. Auch die Rote Bete mit einer Creme auf einem kleinen Kartoffel-Kuchen war aromatisch.

Also ein schöner Start in den Abend.


1: Gebeizter Heilbutt mit Grünen-Früchte-Gemüse, Ingwerschaum, Gillardeau Auster und Bronze-Fenchel

Der Fisch war angenehm gewürzt und hatte eine feste Struktur. Um das Filet herum war die feingeschnittenen Gemüse angerichtet. Etwas Salat, eine Blüte und winzige Zucchini-Stücke, sowie der Fenchel komplettierten die Beilage. Ein Gemüsesud und Ingwerschaum gaben die Würze ab. Die Auster lag auf dem Fischfleisch und passte harmonisch dazu.

Ein durchaus gelungener Teller.

2: Terrine vom Portobello mit Parmesan und schwarzem Trüffel, Grüner Spargel, Erbsensalat und Balsamico-Kalbsvinaigrette

(links - "Papst-Teller" --- rechts - "Urwaldteller" - gleiches Gericht - verschiedene Teller)

Die Terrine allerdings hat mir noch mehr zugesagt. Die Pilze waren in einer kräftigen Sülze eingelegt. Zusammen mit Käse und Trüffel hat mir das ausgezeichnet gemundet. Der Spargel, der Friéesesalat und die kleinen Erbsenkerne rundeten den Teller überzeugend ab. Die Vinaigrette war ebenfalls herrlich kräftig und würzig.

Für mich ein besonderer Teller in einem gelungenen Menü.

3: Gefüllte Zucchiniblüte mit grüner Olivensauce, Getrocknete Honigtomaten

Auf jeden Fall sah der Teller gut aus. Auf dem weißen Porzellan kamen die Farben sehr gut zum Ausdruck. Eric Werner erzählte, dass er eine besondere Vorliebe für „Teller“ hat. Daher sind in seinem Restaurant sehr unterschiedliche Produkte im Gebrauch. Mir persönlich erscheinen viele farbige Teller mit zusätzlichen Motiven jedoch weniger geeignet die Gerichte zu Geltung zu bringen. Ich möchte Teller und Zutaten klar unterscheiden können. Aber sicher sind auch „Sammelteller“ etwas Originelles: Meine Terrine im Gang davor zum Beispiel verschwand fast in einen „Dschungel-Motiv“, meine Nachbarin hatte dagegen einen „Papst Johannes XXIII-Teller“ erwischt. Aber geschmeckt hat es uns beiden.

Zurück zum dritten Gang. Mir haben hier die kleinen Tomaten großartig geschmeckt. Sie zeigten Süße und Säure in einem hervorragenden Verhältnis. Die Zucchini-Stücke und die Olivensauce passten auch gut zusammen. Mit der gefüllten Zucchini-Blüte konnte ich hingegen weniger anfangen. Die Füllung war in meinen Augen eine Art Püree und kam mir relativ geschmacksarm vor.

Mir hat daher diese Komposition insgesamt weniger zugesagt, aber sie war auch kein Ausreißer nach unten. Einige Nachbarn fanden den Teller sogar besonders gut. Es bleibt eben Geschmackssache!

4: Kabeljau mit Räucherfischsauce mit Grünkern-Wurzelgemüse und Rotwein-Nudelblatt

Der Kabeljau war wohl sanft pochiert worden. Er zerfiel in kleine Lamellen noch der Berührung durch den Löffel und butterzart. Vorher war er jedoch zusammenhängend und fest in der Struktur. Für mich war der Fisch perfekt zubereitet.

Das Rotwein-Nudelblatt habe ich abgehoben und separat probiert. Und so schmeckte es wie perfekte Pasta. Das Würzelgemüse war sehr fein geschnitten und so gegart, dass es noch leichten Biss hatte.

Die Räucherfischsauce fand ich sehr passend und verfälschte die Fischaromen für mich nicht; aber einige Nachbarn am Tisch fanden sie zu kräftig zum zarten Kabeljau.

5: Bäckchen vom Weiderind mit Geschmorter Kartoffel und Lauch mit Madeirasauce

Meistens sagen mir „Bäckchen“ nicht besonders zu; wenn sie sehr weich sind, geht das für mich gar nicht. Aber hier war alles prächtig. Das Fleisch war saftig und hatte noch Struktur. Die Würze – unterstützt vom der Madeirasauce – war perfekt. Obenauf lagen frittierte knusprige grüne „Fäden“. Sie erzeugten im Mund neue Aromen zum Fleischgeschmack.

Auch die Lauchabschnitte waren leicht gebraten, aber auch noch fest und saftig.

Die geschmorte Kartoffel war zylindrisch geform worden und hatte einen knusprigen Deckel.

6: Himbeer-Joghurt-Cream mit Zitronenthymian und Bretonischer Zucker-Keks

Auf dem Teller war links eine Nocke aus heller Creme. Im Mittelpunkt stand ein Türmchen aus dem runden Keks als Fundament, einer Schicht weißer Creme darüber, einen geleeartigem Zwischenstück und der roten Abschluss-Haube obenauf. Rechts daneben befanden sich noch zerlegte Himbeer-Frucht-Stücke.

Für mich muss ein Nachtisch eine gewisse Süße vorweisen; und ich habe auch gelegentlich Probleme mit den neuen Gemüse-Kompositionen auf dem Teller geschmacklich zurecht zu kommen. - Hier war aber alles genau richtig für mich. Die Zuckernoten war dezent und nicht klebrig aufdringlich. Der Keks war knusprig und aromatisch. Die Fruchtnoten bei den weiteren Zutaten konnte ich deutlich schmecken.

Also war auch das Dessert für mich gelungen.

Nicht zu vergessen: Es gab auch noch leckere Pralinchen am Ende.
 
Getränke 
 
Mineralwasser

Cocktail: Asbach Aperitif Rosé , Gin, Tonic, Eis

Kräuter-Cocktail aus den Zutaten der Beize zum Heilbutt

Der Aperitif war erfrischend und harmonisch, wenig Säure oder Bitterkeit, sondern mild und fruchtig.

Das Getränk aus grünen Kräutern hat mich mit seinen Aromen überrascht, er passte gut zur Vorspeise. Gut gekühlt wurde er in schwarzen Probiergläsern serviert.


2016 Les Hauts de Montarels - Chardonnay – Cotes de Thongue, Languedoc

2017 Herdade do Rocim - Touriga Nacional – Alentejano, Portugal

Die beiden Weine waren gut gekühlt und durchaus schmackhaft; aber es gibt sicher noch etwas Luft nach oben, denn sie waren gefällig – aber ohne Ecken und Kanten, eben etwas eindimensional für mich.

Herbert Beaufort - Cuvée Yllen - Pinot Noir Brut Rosé - Champagne - Grand Cru 'Bouzy'

Ein erfrischendes Glas Rose-Champagner gab es zum Abschluss zum Dessert. Der passte gut zur Nachspeise und war ein würdiger Abschluss. Ein Prosit auf das Lokal.

Foto: YouDinner


Fazit
 
4 – gerne wieder. Sowohl den Mittagstisch als auch das komplette Abendmenü möchte ich gerne zeitnah verkosten und die Entwicklung des Lokals auch weiter verfolgen. Eric Werners Einstellung zum Essen gefällt mir. Wenn die Raumenge nicht zu groß sein wird bzw. die Tische zu nah stehen und der Service so freundlich bleibt, könnte ich hier ein neues „Lieblingsrestaurant“ gefunden haben.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 
Datum des Besuchs: 20.07.2019 – abends – 1 Person

 

 

 

 

---

 

 

 
 
 
Juli 2019: neoBiota *, Köln - Frühstück

Wenn ein Frühstück etwas Besonderes sein soll, gehe ich gerne zu neoBiota. Das Angebot verbindet herrlich die Zeit des Frühstücks mit der Mittagszeit.- Daher besonders vor einem Einkaufsbummel durch die Stadt zu empfehlen: Denn mit leerem Magen macht das keinen Spaß. Aber der Bauch sollte auch nicht schwer und voll sein, um noch Entscheidungen treffen zu können.

 

Ambiente
 
Das Lokal relativ klein. Um die Theke herum, die auch gleichzeitig offene Küche ist, stehen an der Fensterseite zur Straße kleine Tische für zwei Personen. Man kann auch am Tresen auf Hockern sitzen oder einige Hochtische benutzen. Draußen stehen Sonnenschirme und darunter gibt es weitere Tische.

Das Restaurant wirkt auf mich wie ein Bistro bzw. ein De-Luxe-Imbiss: Blanke Tische aus Holz und Stein an der Oberfläche. Bequeme Sessel davor. In einem kleinen Behälter sind Gabeln und Löffel sowie Papierservietten untergebracht. Die Speisekarte hängt mit einem Magneten befestigt an dem Besteckkasten. Das Besteck ist jedoch hochwertig ( Produkte von Laguiole). Als Geschirr dienen überwiegend vielerlei Holzschalen und emaillierte Metallteller.

Sanitär

Die Toiletten befinden sich im Keller und sind über einige Stufen abwärts zu erreichen. Die Anlage ist klein und relativ eng. Da könnte etwas verschönert werden, denke ich.
 

Service
 
Heute – an einem sonnigen Samstagmorgen sind drei Kräfte mit der Bedienung betraut. Die jungen Frauen und der  - Hinter der Theke kochen die beiden Chefs Sonja und Eric konzentriert und freundlich die Bestellungen ab.

Das gebrauchte Besteck und Geschirr wird in einem Schrank gesammelt, in Kisten die Treppen herunter getragen und im Keller gespült (mindestens eine weitere Kraft arbeitet dort).
 

Die Karte(n) 
 
Zum Frühstück stehen etwa 10 Gerichte auf der Karte. Die Zusammenstellung wechselt von Zeit zu Zeit. Es gibt aber auch einige Klassiker, die immer wieder aufgeführt werden – oft mit anderen Gewürzen oder saisonalen Zutaten.

Ein Teller kostet zwischen 8 und 12 Euro als Einzelprodukt. Für 25 Euro kann man sich aber auch ein Drei-Gang-Menü frei zusammenstellen.

Dazu gibt es natürlich verschiedene Kaffee-Spezialitäten, alkoholfreie Getränke und auch Bier oder Wein bzw. Sekt zur Begleitung.

Wir haben uns für jeweils drei Speisen entschieden.
 
Die verkosteten Speisen 
 

Spanischer Benedict

Röstbrot | Pochiertes Ei| Romanasalat | Mojo Rojo | Chorizo |Kräuterhollandaise

Wenn ein pochiertes Ei im Angebot steht, kann ich nicht widerstehen. Es war auch köstlich zubereitet. Der Dotter war noch flüssig. Der Salat war reichlich vorhanden. Die würzige Wurst passte sehr gut dazu; genau wie die scharfe Salatsauce und die cremige sanfte Hollandaise.

Überhaupt würzen Soja und Eric recht mutig. Für mich genau richtig – an der Grenze zu scharf.

Green Curry Stulle

Sprossensalat | Hühnchen | Korianderschmand | Sauerteigbrot

Das Gericht war nicht so feurig wie „mein“ Teller. Aber auch sehr ausgewogen und schmackhaft.

Nordischer Bagel

Büsumer Krabben | Gurke | Dill | Skyr-Meerrettich-Creme

Das Brötchen war reichlich mit kleinen Krabben belegt und mit Gurke und Dill garniert. Die Creme war pikant gewürzt. Auch dieser Happen hat mir zugesagt. Aber das Ei-Benedict bleibt mein Favorit.

Shakshuka

Tomaten-Paprika-Pfanne mit Ei |Kräuter |Hausbrot

Diese arabisch-israelische Spezialität zeigte auch eine gewisse Schärfe. Das pochierte Ei wird hier von Gemüse und Kräutern begleitet, die eher das Augen fesseln. Es erscheint mir ein Löffelgericht zu sein bzw. man kann es sicher auch mit Brot direkt aus der Pfanne genossen werden. Sicher ein Gericht, dass ich zu Hause einmal nachkochen werde – Rezepte gibt es dazu reichlich.

Blueberry Pancakes (Gut Ding braucht Weile. Zubereitungszeit ca. 20-25min)

Heidelbeere| Mohn| Zitronen-Frischkäse-Creme | Haferflockencrumbles

Die kleinen ausgestochenen Pfannekuchen waren aufgetürmt und mit reichlich Waldfrüchten bedeckt. Die Creme erfüllte zwei Aufgaben: Sie hielt das Gebilde zusammen und gab zusätzlichen Geschmack. Die Crumbles schmeckten etwas „gesund“ - mein Fall sind buttrige aus Mehl.

Zimtschnecke Deluxe (Frisch gebacken)

Gebäck | Kaffeesahne

Form und Aussehen erinnern an schwedische Zimtschnecken (Kanelbullar). Der Teig war fluffig und geschmeidig. Die Gewürze kamen dezent zum Vorschein. Die Sahne gab dem Gericht etwas Fülle und Geschmack.

Ein süßer Abschluss macht ein Frühstück für uns erst richtig rund.
 
Getränke 
 
Saft des Tages (0,2l)

Das Getränk war erfrischend. Es bestand aus Melonensaft und Kräutern und einem scharfen Anteil aus Peperoni und Korinader.

Wasser medium (1l)

Auf Kaffee haben wir verzichtet, weil wir ggf. nach den Einkäufen noch ein Cafe aufsuchen wollten.
 

Fazit
 
4 – gerne wieder – wenn wir morgens in Köln sind, werden wir hier immer wieder einkehren: Wo sonst kann man von 10 bis 15 Uhr so frühstücken?
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

 
Datum des Besuchs: 06.07.2019 – morgens – 2 Personen

 

----

 

 

 

Juni 2019: Haus Alte Schmiede, Kamp-Lintfort

Der Lunch ist empfehlenswert.

 

Neben dem Museum Kloster Kamp und gegenüber der alten Abteil liegt das kleine Bistro vielleicht sogar etwas versteckt gelegen.

Aber für mich ist es eines der besten Lokale in Kamp-Lintfort.

Wenn es geöffnet hat, ist es für mich die bevorzugte Adresse bei einem Besuch bei Verwandten in der Stadt.


 
Ambiente
 
Wenn man auf das Haus zugeht, fallen zuerst die Außenplätze unter großen Sonnenschirmen auf. Hier kann man sicher gemütlich eine Rast machen oder seine Speisen im Freien einnehmen.

Heute war es aber für uns dort immer noch zu heiß. Drinnen war es deutlich angenehmer. Eine kleine Theke mit Barbereich liegt auf der linken Seite. Daneben geht eine Tür zur Küche ab. Im Gastraum sind einige Tische großzügig verteilt.

Die Wände sind twilweise von einer Ziegelmauer eingefasst oder schlicht weiß verputzt. Die Decke erinneert mit weißen Balken an ein Fachwerkhaus.

Die Einrichtung ist zweckmäßig und geschmackvoll hergerichtet.

Die Tische sind blank. Es gibt Papierservietten.
 
Service
 
Zwei Männer kümmerten sich um die Gäste. Sie waren freundlich und umsichtig.
 
Die Karte(n) 
 
Die Karte ist klein und übersichtlich. Saisonal werden Gerichte zusammengestellt. Es gibt einen Mittagsmenü. Auch eine vegetarische Variante ist im Angebot.
 
Die verkosteten Speisen 
 
Wir wählten aus der Karte Einzelgerichte und das Tagesmenü sowie das Überraschungsangebot.
 

Vorab gab es frisches Brot und eine Aioli-Creme.

Wegen verschiedener Unverträglichkeiten wurde ein Teller mit Lachs (keine Butter), Drillingen (keine Sauce) und gelben Tomaten (ohne Dressing nur etwas Öl und Essig) zusammengestellt.

Das Tagesmenü (20,00 €) bestand aus Suppe, Maishuhn, Eis mit Erdbeeren

Die Melonensuppe war dezent abgeschmeckt und hzeigte typische fruchtige Noten. Durch den ausgelassenen Speck und die frischen Kräuter kamen als Kontrast salzige und feine Bittertöne dazu.

Eine erfrischende und kühle Vorspeise – genau richtig an einem heißen Tag und nicht so schwer wie zum Beispiel ein Gazpacho-Teller.

Das Maishuhnschnitzel war saftig und weich im Inneren und leicht kross außen gebraten. Die Beilage bestand aus einem Salat aus Rucola, Tomaten und Gurken. Auf Wunsch war das vorgesehene Püree weggelassen worden und dafür mehr frischer Salat auf dem Teller. Meine Frau mag keinerlei weiche Bestandteile oder Saucen auf ihren Tellern (natürlich sind Salatdressings erwünscht – aber auf Fleisch niemals eine Sauce).

Der Nachtisch bestand aus einem cremigen Vanille-Eis, frischen marinierten Erdbeeren und Nuss-Krokant-Crumble.

Ein wirklich schmackhaften Abschluss.

Das Überraschungsmenü (35,00 €) konnte mit Fleisch oder Fisch im Hauptgang gewählt werden. Die Vorspeise war eine Lachsfrikadelle und der Nachtisch ein Dessert-Potpourri

Die Frikadelle bestand aus Lachsstückchen. Die Bindung wurde mit Ei und Panade erzeugt. Sie war leicht kross und innen saftig. Eine Schmandcreme war obenauf dappiert worden. Unter der Frikadelle war ein Salat aus Gurken und Kräutern. Das wässrige Innere der Gurke war ausgeschnitten worden. Dadurch waren die Scheiben knackig und geschmackvoll. Ein Dressing aus körnigen Gewürzen gab feine Aromen ab.

Als Fisch gab es ein Lachsfilet. Da in der Vorspeise schon Lachs enthalten war, hatte ich auf einen anderen Fisch gehofft. Aber dem war nicht so. Das Stück war grundsätzlich gut gebraten, hatte vielleicht am Ende etwas zu viel Hitze abbekommen, denn es traten Eiweißspuren auf. Aber der Geschmack war noch in Ordnung. Gerne hätte ich noch etwas „Verzierung“ auf dem Filet gesehen.

Die Kartoffeln waren gut gegart und leicht gebraten. Sie hatten einen feinen Geschmack. Die Möhrenstücke waren in Form geschnitten worden und nur leicht gegart. Dadurch hatten sie noch etwas Biss, was ich sehr gerne so zubereitet habe.

Die Pilze waren kleine Pfifferlinge. Sie waren leicht gegart und in einer sahnigen Sauce. Das schmeckte harmonisch; allerdings mag ich Pilze lieber nicht in einer Tunke, die sich etwas matschig werden lassen; sondern knackig und nur mit Zwiebeln und etwas Butter zum Beispiel.

In der Fleisch-Variante gab es ein schönes Stück Rinderfilet. Es war rundum angebraten und innen durchaus medium-saftig. Ich hätte auch besser das Fleisch gewählt. Die übrigen Beilagen waren natürlich identisch.

Der Nachtisch war eine Trilogie aus Kuchen, Eis und Früchten.

Der Schokoladenkuchen hatte einen flüssigen Kern und bestand aus dunkler Schokolade. Also gut gelungen. Das Fruchteis (Mango-Maracuja) war erfrischend und kräftig im Geschmack. Etwas Krokant war als Beilage um die Nocke drapiert worden. Die Erdbeermenge war überschaubar, aber ordentlich im Geschmack.

Somit war die Vorspeise durchaus gelungen, der Hauptgang hatte ein paar Schwächen und der Abschluss war ebenfalls wieder schmackhaft.


Getränke 
 
Erath-Water - you never drink allone

Die Flasche hatte ein auffälliges Etikett. Die Erzeuger spenden vom Überschuss Geld für Wasser-Projekte. Eine gute Idee - und das Wasser schmeckte auch.
 
Fazit
 
4 – gerne wieder – wahrscheinlich is(s)t man mit dem Mittagslunch auf der besseren Seite als mit dem Überraschungsmenü (zumindest heute – vor einiger Zeit war es jedoch auch prächtig gewesen).
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
Datum des Besuchs: 29. Juni 2019 (Peter und Paul) - mittags - 4 Personen

Wikipedia

 

---

 

 

Januar 2019: Bar Rix, Köln

Riechen, Gurgeln, Aromen-Raten und Vergleichen – Weinschule in der Bar

Valentine Mühlberger betreibt seit 2018 eine Weinbar unter dem Namene „Bar Rix“ in Köln. Sie hat ein Diplom als Weinakademikerin (DipWSET).
Neben dem normalen Betrieb bietet sie an einigen „Ruhetagen“ auch Seminare an (zur Zeit meist dienstags).

Schon die Ankündigung zu einer „hedonistischen“ Weinprobe lässt mein Herz höher schlagen; denn ich liebe das „Genießen“. Es ist für mich eine Lebenseinstellung, die ich anstrebe.

Epikur ist ein bedeutender Vertreter des Hedonismus. Er verbindet mit dem Wort „Lust“ die Lebenslust als Prinzip gelingenden Lebens. Die höchste Form ist kurz gesagt eine Gelassenheit. Sie stellt sich ein , wenn man für sich die wichtigsten Lebensfragen geklärt hat.

Forscher beschreiben diese epikuräische Lebenslust heute als natürliche und gesunde Verfassung aller vitalen Funktionen.

Heute sollten durch eine „Blindverkostung“ Zugänge zu verschiedenen Weinen gewonnen und dabei die Sinne geschärft werden.

Die verkosteten Weine

Vorweg gab es zwei Schaumweine zur Einstimmung. Danach wurden die Weine „blind“ verkostet (die Flaschen wurden eingehüllt und der Inhalt in neutrale Gläser eingeschenkt, jeweils zwei oder drei Weine parallel). Dadurch sollten wir uns nur auf unsere Wahrnehmung verlassen und versuchen die Eindrücke zu beschreiben und mit anderen Gläsern auch zu vergleichen. Unser „Gehirn“ sollte nicht durch „Vorwissen“ über Winzer, Rebsorte, Preise etc. beeinflusst werden.

Gerade deswegen gefiel mir dieser Abend besonders – auch wenn es für mich gar nicht so leicht war, meine Eindrücke zu ordnen, zu unterscheiden oder zu benennen: Riecht etwas süß oder schmecke ich Früchte, wie heißen sie möglicherweise etc.?

Bodega Cueva by Mariano - Ancestral Brutal Moscatel

Ein Schaumwein nach dem Ancestral-Verfahren (Der Most aus voll­reif gele­se­nen Trau­ben wird nicht voll­stän­dig durch­ge­go­ren, son­dern her­un­ter gekühlt, um die Akti­vi­tät der Hefen zu dros­seln. Im folgenden Früh­jahr wird der halb ver­go­re­ne Wein ohne Do­sa­ge auf die Fla­sche gefüllt. Bei stei­gen­den Kel­ler­tem­pe­ra­tu­ren wird die Gärung aber durch die verbliebe­nen, mostei­ge­nen Hefen wie­der auf­ge­nom­men. Man­gels Sauer­stoff (die Fla­sche ist bereits end­gül­tig ver­schlos­sen) endet sie dann von allein).

Rebsorte: Muskateller-Reben; Weinbau: Naturwein mit wilden Hefen vergärt, ohne Filtrierung, ohne Klärung; Allergene: nur mit natürlichen Sulfiten; Alkoholgehalt:13,5%

Die Farbe erschien mir gelb wie Zitronenschale, die Flüssigkeit war trübe und es gab viele Schwebstoffe darin so wie eine Bio-Orangenlimonade. Der Duft war angenehm, aber ich konnte mir keine passende Frucht vorstellen. Im Mund erschien mir der Geschmack erfrischend und eher trocken als süß.

Beim zweiten Schluck fand ich ihn recht ansprechend. Ob ich mir davon etwas kaufen würde, weiß ich nicht abschließend noch nicht. Einen traditioneller Winzersekt aus Riesling ziehe ich noch vor.

Domaine Robert Serol Turbullent Sparkling Rose, Loire

Rebsorte: 100% Gamay Saint Romain; Terroirs: Mischung aus Granit und Porphyr; Ernte : Handverlesen; Weinbau: Nachhaltig; Weinbereitung: Ancestral-Verfahren - Direktpressung und Saftabscheidung. Alkoholische Gärung in Zement bei niedriger Temperatur. Ohne zusätzlichen Zucker – aber geklärt; Alkoholgehalt: 8,5%

Die Farbe war leicht Rosa, es gab feine Perlen im Glas, die Flüssigkeit war klar. Ich hatte das Gefühl süße Früchte zu riechen. Auch der Geschmack war für mich süßer als beim anderen Schaumwein.

Aber die Werte sprechen eine andere Sprache: er war recht trocken und hatte weniger Alkoholgehalt.

Beide Weine waren nach der gleichen Art zubereitet worden, aber eben im Glas sehr unterschiedlich.

 

Das gab schon einen „Vorgeschmack“ auf die nächsten Weine und deren Unterschiedlichkeit (Säure, Tannine, Extrakte, Fruchtnoten, Zuckergehalt etc.)

Der Geschmack und die Lagerfähigkeit von Weinen wird daneben auch stark von der Art und Menge der im Wein gelösten Gase beeinflusst. So wird unter anderem vielen Weinen CO2 vom Winzer zugesetzt. Bei kräftigen, gerbstoffreichen Rotweinen stören erhöhte Gehalte an CO2 meist. Die Wahrnehmung der Phenole wird unangenehm beeinflusst, teilweise werden solche Weine als hart und bitter empfunden. Leichte, fruchtbetonte Rotweine können aber durch höhere Gehalte an CO2 im Geschmack gesteigert werden. Bei Weißwein können ungünstige Gehalte an CO2 den Wein lasch und müde erscheinen lassen; aber er kann auch bei passender Menge dadurch frisch und jugendlich wirken.

Wir bekamen die ersten drei Gläser gefüllt.

Es gab keine Hinweise auf die Weine. Später erfuhren wir, dass alle aus der Rebsorte Sauvignon blanc reinsortig hergestellt waren.

Links: Die Farbe war leicht gelb, aber klar und fehlerfrei im Licht. Der Duft war für mich leicht herb. Im Mund leichte Säure, aber angenehm. Besondere Fruchtnoten konnte ich zuerst nicht erkennen.

Laut Winzer soll man aber Aromen von Stachelbeeren, Melone und frisch gemähtem Gras, im Abgang grüne Paprikaschoten und Fenchel schmecken.

Weingut Neumer - Weinmann Herrnsheimer 2017 Sauvignon blanc – Rheinhessen

Deutscher Qualitätswein; Alkohol 12,0%; Gärung im Stahltank; im großen Fass ausgebaut; ökologisches Weingut; Schraubverschluss; enthält Sulfite; Restsüße 4,5g/l; Säuregehalt 5,8 g/l

---

Mitte: Dieser Wein war fast schon blass, klar und fehlerfrei. In der Nase hatte ich leichte Anklänge an grüne Früchte. Für den Geschmack hatte ich süße Töne erwartet, aber der der Wein war trocken und aromatisch. Exotische Früchte habe ich nicht erschmecken können.

2017 Philippe Gilbert Menetou-Salon, Loire

Appellation Menetou-Salon Contrôlée; Rebsorten: Sauvignon Blanc; Weinlese: von Hand mit Selektion des Traubengutes; Vinifizierung: Ausbau 14 Monate auf Hefe ohne Batonnage im Stahltank; enthält Sulfite; Alkoholgehalt: 13%

---

Rechts: Hier war eine relativ kräftige Farbe zu erkennen, satt gelb; ebenfalls klar und fehlerfrei im Aussehen. In der Nase war der Wein am kräftigsten von den dreien. Im Mund erschmeckte ich nun auch Früchte: Stachelbeere oder auch Pfirsich. Eine leichte Cremigkeit war zu erspüren – er war wohl im kleinen Holzfass für ein Zeit gewesen. Aber einige vanillige Töne störten mich auch etwas. Vielleicht braucht der Wein noch etwas Zeit, um zu reifen.

Siegrist, Leinsweiler, Pfalz - 2016, Sauvignon Blanc VDP. ERSTE LAGE "Primus - Rèserve" trocken

14% Alkoholgehalt; konventioneller Weinbau; Sulfide enthalten; 106° Oechsle; vollreife Trauben ; im Holzfass ausgebaut

Die Auflösung dann war für mich daher eher „ernüchternd“, denn ich hatte wenig selber mit meinen Sinnen herausbekommen. Ich war auch überrascht, dass es jeweils die gleiche Rebsorte war; denn sie waren in Farbe, Geruch und Geschmack schon recht unterschiedlich. Aber ich glaube, dass ich keinen davon für mich kaufen würde.

Auch die nächste Runde war „weiß“.

Links: leicht gold-gelb im Glas und klar fürs Auge. In der Nase frische Aromen nach Früchten. Im Mund zeigte sich etwas Säure, etwas mineralisch. Insgesamt kam der Verdacht auf Riesling auf – und so war es denn auch. Beide Weine waren Rieslingprodukte.

2017 Riesling trocken BIO - Weingut Scheuermann - Pfalz

Qualitätsstufe: Qualitätswein; Geschmack: Trocken; Alkoholgehalt: 12,0 %; Allergene: Sulfite

---

Rechts: vielleicht etwas mehr Farbe als im anderen Glas. Die Säure kam mir weniger intensiv vor. Leichte „Holznoten“ ließen mich dann an der Vermutung „Riesling“ wieder zweifeln, weil doch Riesling eigentlich nicht in kleine Fässer bei traditioneller Art gehört.

Wagner-Stempel Höllberg Siefersheim Riesling VDP, Großes Gewächs trocken 2017 - Rheinhessen

VDP Großes Gewächs; Säuregehalt 7,8 g/l; Restzucker 3,9 g/l; Alkoholgehalt 13 %; Anbau: zertifizierten Biobetrieb; vergoren wird der trockene Weißwein zunächst in Edelstahltanks und später in traditionellen Stückfässern aus deutscher Eiche ausgebaut.

Immerhin war dieses Mal die Spur richtig gewesen. Mit meiner Ausbeute an Sinneseindrücken war ich aber noch nicht zufrieden.

In der dritten Runde kamen dann zwei Rotweine zum Zug.

Links: Die Farbe war relativ hell. Die Nase war dezent würzig und der Geschmack frisch und nach roten Früchten. Da war ich mir ziemlich sicher, dass es ein deutscher Spätburgunder sein könnte.

Jürgen Leiner, Ilbesheim 2015 Spätburgunder trocken

Traditionelle Maischegärung mit der natürlichen Hefeflora in offenen Behältern und anschließender Holzfassausbau in 500 Liter Fässern; Alkoholgehalt: 13.5%; biodynamisches Gut

---

Rechts: Das Aussehen war etwas dunkler und auch der Duft war stärker und kräftiger. Das könnte vom Holzeinsatz stammen. Dann waren aber beim Abgang saure oder bittere Töne zu bemerken. Unsere Gastgeberin stoppte sofort diese Flasche und öffnete eine zweite. Sie probierte und befand, dass nun kein Fehler vorlag; sie vermutete eine ungewollte Oxidation, weil beim biologischen Ausbau auf Schwefel möglichst fast ganz verzichtet wird.

Nun waren die Tannine präsenter und der Abgang harmonisch. Noten von roten Früchten und Kirschen konnte ich mir vorstellen.

Als Anbaugebiet kam jetzt Frankreich in die Überlegungen. Und da bietet sich für Pinot noir auf jeden Fall auch Burgund an.

Domaine Anne et Herve Sigaut Chambolle-Musigny 1er Cru 'Les Noirots' 2015

Chambolle-Musigny vist ein Teil der Côte de Nuits in Burgund. Es wird Pinot noir angebaut. Die Lage der Parzelle wurde als 1er Cru eingestuft und stellt damit die zweitbeste Stufe hinter den Grand crus dar. Obwohl das Weingut nicht offiziell als biologisch oder biologisch-dynamisch zertifiziert ist, verweist das Besitzer-Ehepaar auf ihre aktive Arbeit nach biologischen Grundsätzen.

In der letzten Runde folgten zwei weitere Rotweinpaare. Diesmal waren es keine reinsortigen Exemplare, sondern Cuvees.

Links: Die Farbe war kräftig und dunkelrot. Der Duft war vom Holzeinsatz bestimmt. Beim Verkosten waren die Tannine aber weniger deutlich als erwartet, aber deutlich zu spüren, dunkle Früchte waren spürbar. Meine Vermutung war eine Bordeaux-Cuvee vor mir zu haben. Aber ob es nun eher viel Merlot oder Cabernet sein sollte, konnte ich nicht entscheiden.

Chateau Lauretan Bordeaux Superieur 2015

Das Chateau Lauretan liegt auf einem steinigen Hügel mit Blick auf die Garonne und damit in der Appellation Premieres Cotes de Bordeaux. Rotwein-Cuvee: Merlot 60%, Cabernet Sauvignon 33%, Cabernet Franc 5%, Petit Verdot 2%; es handelt sich um einen Bio-Betrieb.

---

Rechts: der Wein war etwas dezenter in der Nase, aber die Farbe war auch dunkel. Beim Verkosten war der Wein kräftiger als der andere. Er zeigte auch für mich mehr Säure. Nach einigen Minuten im Glas wurde der Geschmack aber runder.

Château des Graviers Margaux 2012

Die Domaine verteilt sich auf vier Parzellen in der Gemeinde Arsac. Damit gehören sie zu der Appellation Margaux. Seit dem Jahrgang 2009 werden alle Weinberge nach biodynamischen Richtlinien bewirtschaftet. Rotwein-Cuvee: 61% Cabernet Sauvignon, 26% Merlot, 5% Cabernet Franc, 3% Petit Verdot, 3% Malbec, 2% Carmenere; Alkoholgehalt 12,5 %; Ausbau: 15 Monate in Barriques (40% neu), unfiltriert

Am Ende fand ich den Margaux etwas interessanter, aber ob ich mir eine Flasche davon kaufen werde, glaube ich nicht.

Auf jeden Fall war die Weinprobe für mich ein anregendes Erlebnis. Ich werde mir sicher nicht zu jedem Wein in Zukunft Notizen machen. Aber: Die Farben und Reflexe im Licht werde ich bewusster ansehen, mehrmals ins Glas hinein riechen, im Mund den Wein kreisen lassen und den Abgang genießen.

Bei der Probe habe ich um den Überblick möglichst zu behalten viel Wasser getrunken, Häppchen gegessen und den Wein überwiegend aus dem Mund in den Spucknapf befördert. Getreu dem Spruch Winzer spucken, Brauer schlucken.

Speisen

Auch hier legte Valentine Mühlberger großen Wer auf Qualität. Das Brot, die Wurst und der Käse waren für mich außergewöhnlich schmackhaft. Ich habe sie quasi auch „blind“ verkoste und erst später nach den Daten gefragt. Mir haben die „Naschereien“ zum Wein sehr gut gemundet – besonders die Hirsch-Wurst.

Das Brot war von Balkhausen und Zimmermann (gehört zu den besten Bäckereien der Region).

Der Käse kam von Wingenfeld (in Köln ist es wohl der Händler mit den höchsten Auszeichnungen).

Der luftgetrocknete Schinken stammte aus dem Biomarkt vom Rudolfplatz vom Biometzger Bernd Huth und der Ardenner Schinken von Les Boites kam aus der kleinen Markthalle in der Körnerstraße. Die Hirsch-Wurzn aus Tirol kaufte sie am Auerbachplatz bei Metzger Baumann.

Fazit

5 – unbedingt wieder.

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)

Datum des Besuchs: 22.01.2019 – abends – 1 Person

 

---

 

 

Kölsch und Brauhäuser

In mehreren Gängen durch die Innenstadt am Mittag bis zum Abend hin auf  eigenen Brauhaus-Wanderungen- ohne Führung - Erfahrungen gesammelt. Es hat viel Spaß gemacht.

Für ein Treffen mit Freunden oder Bekannten gibt es in Köln eine Menge Brauhäuser bzw. Kneipen, die für eine bestimmte Kölschmarke stehen.

Dabei unterscheide ich neben der Vorliebe für ein bestimmtes Bier auch die Atmosphäre des betreffenden Lokals und den Anlass des Besuchs.

Beim Essen kommt für mich in allen entsprechenden Gaststätten nur die „kleine Karte“ infrage: Mettbrötchen, Halver Hahn (Käse und Röggelchen), Strammer Max oder andere rheinische Tapas. Denn es ist mir schleierhaft, warum dort so viele Gäste normale Tellergerichte bestellen (Steak, Geflügel, Gemüse etc.); dafür gehe ich nur in entsprechende Speiselokale. Aber zum Bier sollten die Kleinigkeiten schon vorhanden und ordentlich gemacht sein.

Mit zwei Bekannten habe ich über einen überschaubaren Zeitraum (etwa einen Monat im September 2018) einige Brauhäuser besucht, um zu einer Empfehlung zu kommen.

Ambiente/Atmosphäre

1. Schreckenskammer

Das Brauhaus kommt meinem Gefühl für ein gemütliches Brauhaus am nächsten. Es ist nicht zu groß. Die Köbesse sind noch echte Typen und dabei gar nicht unfreundlich.

 

Nur der Gang zu den Toiletten im Keller ist recht mühsam und die Anlage auch in die Jahre gekommen.

2. Sünner im Walfisch

Hat mir bei meinen Besuchen sehr zugesagt. Das Brauhaus ist nicht zu groß. Die Einrichtung ist gemütlich. Die Bedienungen sind freundlich. Auch die kleinen Happen von der Karte waren recht gut gemacht. Hier konnten wir uns gut unterhalten.

Die Toiletten sind allerdings nur im Obergeschoss.

3. Päffgen (Friesenstraße)

Das Stammhaus hat zwar schon eine größere Platzzahl inklusive einem überdachten Biergarten, aber auch hier kommt Brauhausstimmung auf. An den langen Tischen rücken die Gäste auch zusammen und schaffen so Platz für neue Gäste.

Die Toiletten sind auch wieder im Keller – zu den Zeiten mit viel Publikum sorgen Klofrauen für Sauberkeit.

4. Malzmühle (Mühlen)

Auch hier ist es sehr gemütlich. Die Gaststätte gliedert sich in mehrere Räume. Auch bei Hochbetrieb findet man meist einen Platz.

Die Toiletten sind im Keller – eine Klofrau sorgt für Sauberkeit.

5. Bierhaus am Rhein (Delfter Haus – Päffgen)

Auch dieses Haus ist nicht übermäßig groß. Es gibt einen Außenbereich mit Blick auf den Rhein.

Die Toiletten sind drinnen – natürlich mit Treppensteigen verbunden.

6. Lommerzheim (Deutz – Päffgen)

Als „Lommi“ noch den Betrieb führte, war das Lokal eine Legende. Es war urig dort und Herr Lommerzheim war ein Original. Die Koteletts von Frau Lommerzheim waren ebenfalls großartig.

Nach seinem Tod führt Päffgen das Haus selber weiter.

Die Räume wurden überholt. Es gibt eine schöne Außenanlage – und die Toiletten sind (jetzt) auch modern.

Das Lokal ist jetzt schöner als früher, aber es fehlt natürlich Herr Lommerzheim und seine Gattin. Ich habe die Beiden noch erlebt – jeder Besuch war ein Treffer.

7. Peters Brauhaus

Das kleine Brauhaus ist gemütlich eingerichtet. Unser Köbes war vielleicht der beste der Tour: Konnte viel erzählen und hatte Ahnung von Kölsch.

Die Toiletten sind ebenerdig zu erreichen – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Das ist alles perfekt. Nur: für mich ist das Bier nicht ganz so Spitze.

8. Em Scheffge (Reissdorf)

Die Gaststätte hat auch echten Kneipenflair. Für ein schnelles Kölsch bleibt man an der Theke auf dem Hocker sitzen. Wenn man im Severinsviertel ist, sollte man hier einkehren – auch wenn man kein Fan von Reissdorf ist.

9. Em Altertümche (Gaffel)

https://cdn.gastroguide.de/betrieb/205597/galerie/album/userphotos/5cf897dbe5dfa.jpg

In der Nähe von Saturn am Hansaring in der Ritterstraße gelegen. Recht urig in der Einrichtung. Nicht besonders groß. Es gibt Gaffel.

10. Brauhaus Johann Schäfer

Das Haus liegt in der Südstadt in der Elsasstraße. Hier kann man gut essen. Das Kölsch kommt von Gaffel

11. Max Stark (Päffgen)

Die kleine Kneipe ist gemütlich – und hat Päffgen. Was will man mehr?

12.Severin (Dom)

Auch eine gemütliche Kneipe mit Außengelände im Süden der Stadt. Aber es gibt Dom Kölsch. Da muss man durch.

13. Brauhaus Pütz (Mühlen)

Ein größeres Lokal im Bereich des Belgischen Viertels mit Außenbereich. Hier schmeckt das Mühlen Kölsch auch ganz gut.

14. Brauhaus Stüsser (Sion)
 
 
Hier gibt es Sion - und das ist schon mal gut. Im Sommer kann man gut draußen sitzen. Auch innen ist es gemütlich.
 

15. Gilden im Zims

Ein großer Außenbereich und viele Räumlichkeiten im Inneren. Besonders die Kellergewölbe sind sehr sehenswert. Toiletten sind auch im Keller – eine Klofrau sorgt für Ordnung. Aber es gibt eben Gilden Kölsch. Nicht schlecht. Aber am Heumarkt liegen auch die Malzmühle oder ein paar Schritte weiter Sünner im Walfisch oder Päffgen im Delfter Haus am Rhein. Da schmecken mir die Biere besser.

16. Sion Brauhaus

Ein recht großes Haus. Es gibt mehrere Räume und einen Außenbereich. Das wirkt auf mich etwas unpersönlich. Das Bier schmeckt aber. Und im Keller ist eine sehr saubere Toilettenanlage.

17. Em Kölsche Boor

Das alte Brauhaus liegt hinter dem Eigelsteintor. Imposantes Haus, aber sehr groß im Inneren - es gibt Mühlen Kölsch.

18. Pfaffen am Heumarkt

Das Haus ist durchaus ordentlich eingerichtet, etwas verwinkelt im Inneren für meinen Geschmack. Und das Bier (kein Kölsch, aber helles Ober) sagt mir weniger zu.

19. Bierhaus en d´r Salzgass (Päffgen)

Eine relativ große Kneipe und daher schnell laut bei vielen Gästen. Aber es gibt Päffgen.

20. Gaffel am Dom

Ein sehr großes Haus. Die Lautstärke ist bei vielen Gästen recht groß. Mit dem Köbes kommt so schnell kein Gespräch auf, weil er eher wie am Fließband mit der Kölsch-Kranz umher rennen muss. Aber es gibt das gute Gaffel Kölsch.

Die Toiletten sind auf einer Halbetage. Wenn man weit davon entfernt einen Platz hat, sollte man sich gut die Wege merken, um wieder zurückzukommen.

21. Früh am Dom

Ein sehr großes verwinkeltes Haus mit vielen Räumen auf mehreren Ebenen – auch ein Außenbereich ist vorhanden.

Hier haben die Köbesse auch viel zu tun, denn der Laden brummt. Es ist sicher das bekannteste Brauhaus und direkt am Dom. Alle Touristen kommen wohl hier einmal vorbei.

Das Getümmel ist mir zu viel, obwohl das Haus wirklich schon Ecken und tolle Einrichtungsstücke hat.

Und Früh Kölsch ist einfach nicht mein Ding. Bei großem Durst schmeckt es aber ganz gut. Eine Brauhaustour sollte man daher hier anfangen.

Kölsch

Es geht hier nur um Kölsch, das aus einem Fass in der Gaststätte – am besten ohne Leitungen und Kohlensäure, frisch gezapft wurde. Also nicht Flaschenware.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich die Marken, die etwas herber sind grundsätzlich lieber trinke. Kölsch ist ein helles obergäriges leicht bitteres Bier. Es soll eine deutliche Hopfennote haben und nicht zu viel Malzgeschmack aufweisen.

1. Gaffel

Da es für mich die meisten herben Noten hat und harmonisch wirkt, probiere ich es immer wieder gerne. Früher wurde am Eigelstein gebraut, jetzt in Porz.

Im Glas bildet sich ein schönen Schaum, der auch etwas hält (Kölsch wird frisch getrunken und in 0,2 l – Gläsern (die Stange) angeboten. Da ist keine cremige Schaumkrone nötig). Im Antrunk finde ich sogar leichte Süße, aber dann setzt sich die herbere Note durch. Der Abgang ist nicht lang, es bleiben die Töne von feiner Bitterkeit übrig.

2. Sünner

Auch Sünner weist Herbe und Struktur auf und ist für mich mein „Aufsteiger“ im Geschmack. Ich habe es selten in eioner Gaststätte probiert, wo es gut läuft. Im Glas bildet sich angemessener Schaum, der auch kurz hält. Der erste Schluck zeigt direkt herbe Noten. In der Nase kommen frische Töne an. Der Abgang zeigt einen ausgewogenen Hopfengeschmack. Süße ist wenig im Spiel.

3. Schreckenskammer

Das Kölsch ist sicher nicht herb, aber es schmeckt mir. Dabei wurde es nach dem 2. Weltkrieg nie mehr selbst gebraut. Die Lohnsudbetriebe wechseln dabei sogar, aber das Familienrezept blieb. Zuerst wurde es bei Giesler in Brühl gebraut. Dann kam es zu Dom und Zunft und jetzt sogar bei Früh.

Es hat etwas mehr Alkohol als üblich und bekommt keine Nachgärung, um mehr Kohlensäure zu bekommen. Die Farbe ist gold-gelb, frischer Geruch, beim Antrunk etwas süß, später leicht bitter, Schaum fällt schnell zusammen, kurzer Abgang: insgesamt rund und zugänglich.

4. Päffgen

Päffgen ist ein sehr solides Bier. Es gibt es nur im Fass. Die Familie braut noch am Stammhaus in der Friesenstraße. Sie behaupten selber, dass ihr Bier nicht immer gleich schmeckt, aber immer gut.

Die Gläser haben keinen Reklameaufdruck. Es sind einfache klare Stangen. Der Schaum ist mittelhoch. Das Aroma ist mild-würzig. Ein aromatisches Kölsch, recht mild aber nicht süßlich und einfach süffig.

Auch die Gasthäuser, die Päffgen im Ausschank haben, sind durch die Bank zu empfehlen.

5. Sion

Hans Sion gilt als Vater des Nachkriegskölsch. Damals waren die kleinen Brauereien in Köln fast alle durch Bomben zerstört worden und die Großen Pils- und Exporthersteller konnten auch in Köln den Markt erobern. Sion erkannte, dass die kölschen Brauer mit ihrem eigenen obergärigen Bier dagegen halten mussten, um sich in Geschäft zu halten. Und es hat geklappt: Kölsch wurde wieder die Nummer eins im Köln-Bonner-Bereich.

Auch Sion braute nicht mehr selber. Heute gehört die Marke sogar zum großen Radeberger-Konzern (Oetker).

Im Glas ist schöner Schaum, der auch etwas länger hält, frischer Geruch, angenehm bitter, kaum süß, mittlerer Abgang.

6. Mühlen

Das Bier aus der Malzmühle ist sicher auch alles andere als herb. Aber es in sich stimmig und schmeckt mir daher. Das kleine Brauhaus am Heumarkt gefällt mir auch gut. Im Glas kommt etwas Schaum auf, der aber nicht lange hält. Der Geruch ist frisch, der Geschmack pikant ohne viele Bitternoten, die leichte Süße ist gut eingebunden; bei einem Besuch merkte ich saure Akzente, die unharmonisch wirkten; beim nächsten Besuch schmeckte das Bier wieder angenehm.

7. Peters

Ursprünglich aus Monheim. Aus Traditionsgründen durften sie auch nach der Kölsch-Konvention (Kölsch muss in Köln gebraut sein) ihr Bier Kölsch nennen.

Aber in der Zwischenzeit gehören zum „Haus Kölscher Brautradition" und sind Teil von der Radeberger Gruppe, die wiederum zum Oetker-Konzern gehört. Gebraut wird das Bier in Köln-Mülheim bei Gilden (genau wie Sion, Sester, Peters, Dom, Küppers etc.).

Im Glas steht der Schaum sehr kurz. In der Nase bemerke ich frische malzige Noten. Der erste Schluck war gefällig, aber ohne besondere Note. Da fehlte mir etwas Charakter. Aber insgesamt war das Kölsch süffig mit entfernt herben Tönen.

8. Gilden

Das Bier wurde schon immer in Mülheim gebraut. Heute ist es neben Sion die Premium-Marke vom Haus Kölscher Brautradition.

Im Glas war deutlich Schaum, der aber schnell vergeht. Der erste Schluck war ausgeglichen in herb und süß. Aber die Aromen sind sehr zurückhaltend. Im Abgang auch mild.

9. Reissdorf

Reissdorf ist der Marktführer in Köln. In der Innenstadt haben sie weniger Gaststätten, aber im Severinsviertel sind sie zu Hause.

Im Glas bildete sich frischer feiner Schaum, der sich schnell abbaute. Der Geruch ist frisch, aber auch eher unauffällig. Keine besondere Süße oder herbe Töne. Etwas langweilig, aber durchaus süffig.

10. Dom

Dom Kölsch war lange Zeit sehr geschickt im Marketing. Im Ausland und in der gehobenen Gastronomie in Deutschland war – wenn überhaupt – oft Dom zu bekommen. Aber geschmeckt hat es mir nie. Die Etikett-Farbe war grün. Seit der Übernahme durch das Haus Kölscher Brautradition wechselte man zu „rot“ - vielleicht soll es an Früh erinnern. Ob die Rezeptur auch verändert wurde weiß ich nicht, aber es schmeckte mir beim Besuch im Brauhaus etwas besser als früher.

Im Mund zeigen sich keine besonderen Noten (etwas Süße und mehr herbe Noten, beim Abgang zeigen sich insgesamt etwas fremde, ungewohnte Hopfentöne. Diese leichte Eigenwilligkeit macht es weniger süffig als Früh oder Reissdorf zum Beispiel.

11. Früh

Früh und Gaffel sind etwas gleich stark in Köln vertreten und bilden damit Platz zwei und drei in der Menge beim Ausstoß. Gaffel ist meine Nummer eins und Früh schmeckt mir nur, wenn ich viel Durst habe und vorher kein anderes Kölsch probiert habe.

Im Glas steht Schaum, der schnell zerfällt. Der Antrunk zeigt weder Süße noch herbe Akzente. Weitere Schlucke zeigen keine Tiefe aber auch nichts Störendes. Im Abgang finde ich kaum Nachhall von Kölsch-Noten. Der Geschmack ist schnell weg – was bleibt? - Nichts. Also noch ein Glas, oder doch nicht?

12. Pfaffen

Früher verkauften die Brüder Päffgen in ihren Gaststätten nur Päffgen Kölsch (es waren anfangs nur drei Häuser: Friesenstraße, Heumarkt und Lommerzheim in Deutz).

Aber es gab Streit Max kündigte den Vertrag und sein Sohn braute ein eigenes Bier in Lohmar. Damit durfte es nicht Kölsch heißen. Selbst über den Namen gab es Diskussionen. Schließlich hieß es Original Pfaffen Bier. Als Antwort gründete der Bruder direkt neben dem Haus einen Ausschank mit Päffgen Kölsch ( Bierhaus en d´r Salzgass).

Im Geschmack erinnert es mich etwas an ein Craft-beer. Es ist obergärig und hell, aber es schmeckt irgendwie auch säuerlich. Bei den ersten Schlucken finde ich leicht herbe und würzige Noten, auch etwas Süße. Aber dann stören mich die sauren Töne mehr als die Freude an den anderen Aromen.

 

---

 

 

---

 

 

Helmut Thieltges (* 24. September 1955 in Dreis † 26. Juli 2017 in Trier) war ein deutscher Dreisterne-Koch.

In Dankbarkeit für großartige Stunden.

Kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti

Imperial-Kaviar ist die Bezeichnung für hellen, goldbraun schimmernden Kaviar mit einer Korngröße von 2–2,5 mm. Herr Thieltges bezieht ihn aus einer Zuchtstation in Belgien wie mir der Kellner verriet. Bisher habe ich noch nie ein Gericht mit 20 Gramm Kaviar verkostet. Lediglich auf einer Food-Messe habe ich einmal deutschen und russischen Zuchtkaviar probiert. Die eine Sorte war ganz angenehm, die andere überwog in salzigem Geschmack. Daher war ich recht neugierig.

Der Gold-Kaviar heute war viel aromatischer und mit den bisherigen Erfahrungen nicht vergleichbar. Das Rindertatar war ebenfalls traumhaft abgeschmeckt. Unten war das Kartoffelrösti wie ein Boden bei einer Torte die Grundlage. Darauf war eine üppige Schicht vom Tatar. Eine weitere Schicht besteht aus gewürzter Crème fraîche und darauf als Abschluss ein herrlicher Belag aus nussig-jodigem Kaviar. Das Geschmackserlebnis, das ich dabei hatte, möchte ich nicht missen. Ich hoffe mich lange daran erinnern zu können; denn es war köstlich. In einigen Berichten haben Genießer dieses Gericht als einzigartig bezeichnet – nun gehöre ich auch dazu.

Kross gebratene Medaillons vom Kalbsbries mit Maccaroni-Charlotte und Pfifferlingen uns Sauce Perigourdine

Damit nicht genug: Jetzt folgte das Bries (welch ein Glück, dass wir diesen Gang auch bestellt haben – eigentlich schaffen wir im Sonnora nur fünf Gänge und lassen zwei aus. Auch der Käse ist hier gut gereift und wird in einem fahrbaren Klimaschrank zum Gast gefahren – wir nennen das Gerät scherzhaft „Inkubator“).

Wir haben schon in vielen Restaurants Bries verkostet und auch fast immer gute Ergebnisse erhalten. Aber besser ist der Feind von gut. Hier sind die gebratenen Medaillons einfach unvergleichlich für mich (ich bin noch nicht überall gewesen und daher gibt es sicher auch in anderen Gasthäusern beste Varianten). Die Röstaromen und die Zartheit überzeugen mich. Aber selbst das ist nicht der einzige Pluspunkt auf dem Teller. Die Charlotte aus der italienischen Teigware ist ein Ganzstück. Die Füllung mit den Pilzen und der Sauce ist der Hammer. Eine Demi-Glacé wird mit Trüffelstückchen verfeinert. Gelegentlich habe ich Trüffel als Teil eines Gerichtes serviert bekommen; oft war ich enttäuscht, weil ich den typischen Geschmack oder den unvergleichlichen Duft vermisst habe. In dieser Sauce habe ich die Aromatik aber gefunden. Jeder kleine Bissen hat meinen Gaumen erfreut.

--- *** ---


Datenschutzerklärung
Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!